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Nr. 78.

Donnerstag, 19. März 1936

84. Jahrgang

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Takt und Staatskunst."

Eine Vereinbarung im Grundsatz."

Feststellung Flondins.

London, 19. März. Wie derDaily Telegraph" meldet, erklärte Flandin nach der Nachtsitzung der Locarnomächte: Ein beträchtlicher Fortschritt in Richtung eines gemein­samen Standpunktes der Locarnomächte ist erzielt worden. Es gab eine Vereinbarung im Grundsatz. Man wird sehen, daß wir gute Arbeit geleistet haben."

Der Prüfstein.

i as. Berlin, 19. März. (Drahtbericht unserer Berliner | Abteilung.) In London haben die Besprechungen vor ¥- und hinter den Kulissen auch gestern wieder den ganzen » Tag und wie man hinzufügen muß, die halbe Nacht an- k gedauert. So war die zweite Besprechung der - Locarnomächte, die um 10 Uhr abends begann, ; erst gegen 2 Uhr nachts beendet. Immerhin kann der | amtliche Bericht dafür auch feststellen, daß in diesen r nächtlichen Besprechungen einbettächtlicher x Fortschritt erzielt" werden konnte. Hier handelt Ues sich um Bemühungen Englands, Italiens Frank- U reichs und Belgiens mit einem einheitlichen Programm U. Deutschland zu begegnen. Die Pläne selbst scheinen M gestern wiederholt gewechselt zu haben und auch nach der UNachtsitzung dieser vier Mächte ist noch nicht zu sagen, y wie dieser Plan endgültig aussehen wird. Ganz Woffensichtlich ist eine Einigung noch nicht r e r z i e l t worden. Der Rat hat gestern nachmittag er- Kneut getagt Aus dem Bericht über diese Sitzung er- l gibt sich, daß sämtliche Redner, wenn auch in verschiede- £ uen Tonarten, aus die Notwendigkeit hinwiesen, r Europa einen neuen konstruktiven A u f - ß:dau zu geben. So hat auch Eden betont, daß, so ernst . die Lage auch sei, sie doch von der Möglichkeit be- : gleitet sei, einen dauerhaften Frieden zu

schaffen und daß dieses Ziel ein wichtiger Gefichts- punkt für die Schritte selbst sein müsse, die zur Er- r rcichung des Zieles unternommen würden. Im übrigen hat E d e n in feiner Rede wieder stark die Auf- | gäbe des Völkerbundes unterstrichen und |L in Konferemkreisen betrachtet man das als Anzeichen Mdafür, daß England für die Herstellung der Sicherheit L in Westeuropa den Völkerbund stärker heranziehen will, l als den Franzosen lieb ist, d i e auf ein Mili - k tarbündnis mit England hinarbeiten, r Sehr charakteristisch zum Thema Völkerbund ist das Echo, e. bas die Haltung des dänischen Vertreters in der W französischen Presse ausgelöst hat. Die Franzosen M s i n d zumal sich die Dänen bei derVerurteilung M Deutschlands" im vorigen Jahre bereits der Stimme x enthielten mit den Ausführungen des ^dänischen Außenministers Munch sehr l unzufrieden. DerTemps" hält es deshalb für M erforderlich, den Dänen vor Augen zu halten, daß sie M ihren Gebietszuwachs nach dem Kriege nur den

Europäische Befriedung.

Manchmal gibt es auch in der Politik so etwas wie das Schwergewicht der Vernunft. Sie setzt sich gegen Widerstände durch, die ihr allzu heftig ent­gegen gesetzt werden. Es wäre gewiß verfrüht, aus der sachlichen Aufnahme, die in der englischen Presie die Annahme der Einladung zu der Sitzung des Völker­bundsrates durch Deutschland findet, schon vorzeitige Schlußfolgerungen ziehen zu wollen. Zunächst kann man nur das eine feststellen: Alle unvernünftigen Elemente haben bis jetzt eine Abfuhr erlitten. Weder Herr Litwinow noch Herr Titulescu konnten in der Eeherm- sitzung mit ihren Protesten durchdringen. Der Sowjet­vertreter zog sich darüber hinaus noch eine Sonder- bloßstellung zu. Erst wetterte er in der Eeheimfitzung dagegen, daß der Völkerbundsrat sich mit den deutschen Friedensvorschlägen befasien soll, und dann sprach et in der öffentlichen Sitzung sogar über die Einzelheiten der deutschen Friedensangebote. Ein Mißgeschick, be­gangen im unheiligen Eifer für eine schlechte Sache. In­dem der Rat alle unsachlichen Vorstöße abwehrte, ver­mied er jede Zuspitzung der Lage.

Die englische Presie erkennt im großen und ganzen an, daß Deutschland durch die Annahme derEin- labung Entgegenkommen gezeigt hat, ja man rühmt vereinzelt uns sogar nach, daß wir den Weg frei ge­macht haben. Die englische Regierung hat zweifellos durch die loyale Zusicherung, daß unsere Friedensvor­schläge eine gewissenhafte und sachgemäße Prüfung er­fahren werden, Deutschland die Möglichkeit gegeben, auch seinerseits einen wichtigen Beitrag zur Über­windung der empfindlichsten Spannungen zu leisten. Die Entsendung des Botschafters von R i b b t r o p wird in der englischen ÖffenÜuUM. .besonders sympathisch ver­merkt. Der Botschafter steht in der britischen Hauptstadt noch in bester und allgemeiner Erinnerung durch seine führende Tätigkeit bei Abschluß des deutsch-englischen Flottenvertrages. Der bisherige Verlauf der Rats­sitzungen ohne Deutschland hat schon zur Genüge er­wiesen, daß man sich der Wichtigkeit unserer Friedens- vorschläge nicht zu entziehen vermag. Die Fern­wirkungen, insbesondere der Kommentare, die ihnen der Führer selber gab, ließen sich unschwer feftftellen. Wenn in Frankfurt a. M. die Zehntausende zu dem Gedanken einer Verständigung mit Frankreich ihr dröhnendes Ja sprachen, so weiß man gerade solche Formen der Volksbefragung in England besonders zu schätzen. Aber auch das französische Volk kann hier schon klar erkennen, wie vollkommen eins die Volksmeinung mit dem Führer geht. Hermann Göring hat in der West­falen-Halle noch einen anderen Gedanken anklingen lassen. Er sprach es in seiner herzhaften Offenheit klar aus, daß uns Frankreich eigentlich dankbar dafür sein müßte, daß wir den empfindlichen Stein, der noch im Wege einer deutsch-französischen Verständigung lag, von uns aus weggestoßen haben. Das mag den Franzo­sen im ersten Augenblick etwas seltsam in den Ohren klingen. Und doch ist diese Feststellung des preußischen Ministerpräsidenten psychologisch vollkommen richtig. Gerade der Wegfall der letztenDiskriminierung" er­möglicht es dem deutschen Volke mit offenem Herzen sein Ja zu einer deutsch-französischen Verständigung zu geben.

Die Verhandlungen mit den deutschen Vertretern find jedenfalls von unserer Seite geistig vorbereitet. Man spricht in der auswärtigen Presie setzt viel von anderen Vorschlägen. Die englische Regierung soll einen Plan vorbereitet haben. Vielleicht wird auch Frankreich mit einem eigenen Plane hervortreten. Es wird auch nicht an Absichten fehlen, durch verwirrende Gegenvorschläge neue Schwierigkeiten zu schaffen. Wir können das alles in Ruhe abwarten. Uns interessieren zunächst unsere Vorschläge. Es wird die Aufgabe der deutschen Unterhändler sein, den Unwert von unsach­lichen Manöver» darzutun und die sieben Punkte Adolf Hitlers in ihrer ganzen Bedeutung für das W e r k der europäischen Befriedung klarzustellen. Es ist auch falsch, wenn die französische Presse so hartnäckig von Deutschlands Forderungen spricht. Wir haben keine Forderungen gestellt, sondern wir haben ein Friedensangebot gemacht. Ebenso­wenig ist die Rückkehr Deutschlands nach Genf eine deutsche Forderung. Auch hier handelt es sich um ein An­gebot, von dem man aber doch bis zur Stunde annehmen muß, daß die anderen Länder, insbesondere England, daraus entscheidenden Wert legten. Sicher werden auch aus bestem Wollen heraus in den Verhandlungen

des Bölkerbundsratcs wurde am Donnerstag- Bormittag kurz noch y. 11 Uhr englischer Zeit eröffnet. Der deutsche Vertreter, Botschafter v. Ribbentrop, nahm seinen Platz am rechten Ende des huseisensörmigen Rats- kisches ein, hinter ihm Ministerialdirektor Dieckhosf und die übrigen Mitglieder der deutschen Abordnung. Der Rats- präfident erteilte dem deutschen Vertreter sofort das Wort, der in ausführlichem Vortrag mit eindringlichen Worten den deutschen Standpunkt darlegte.

London, 19. März. Die englischen Morgenblätter 6e= W ichäftigen sich mit der Mittwoch-Sitzung des Völkerbunbs- . rotes, wobei sie der Rode Edens besonders starke Beachtung M schenken.

, . inSonion.

Nach Ankunft der deutschen Delegation Ribbentrop spricht im Rat. Nächtliche Sitzung der Locarnomächte.

daß ein bolschewistischer Vertreter überhaupt am Ratstisch säße, und daß Litwinow die Dreistigkeit gehabt hätte, auf- zustckhen und den zivilisierten Völkern eine Vorlesung über die Einhaltung von Verträgen zu halten.

Unter der ÜberschriftPräliminiarien für den Frieden" beschäftigt sich dieTimes" in einem längeren Aufsatz mit verschiedenen Punkten der gegenwärtigen Lage. Sie hebt her­vor, daß die britische Einsicht von ®bcn in bewunderungs­würdiger Weise vorgebracht worden fei. Vor allem der Satz seiner Rede, daß der Friede nicht weniger wesentlich für das Recht sei, als das Recht für den Frieden, habe die englische Öffentlichkeit gepackt. Es sei von höchster Bedeutung, daß nunmehr alle betroffenen Länder an den in Gang befind­liche Verhandlungen teilnehmen. Die schwierigste Zeit der Verhandlungen habe gerade erst be­gonnen. Lange Wochen eingehender Verhandlungen stünden bevor, aber man könne ihnen mit Hoffnung und Vertrauen entgegensetzen, sobald erst einmal ein Weg ge­funden sei, der über den gegenwärtigen toten Punkt hinaus­führe. Nach britischer Ansicht könne ein solcher Weg gefunden werden durch stetige Konzentration auf den Frieden und durch eine entschlossene Weigerung, die Verhandlungen in die Zerstörung des Friedens durch das Kleben an über­holten Vorstellungen ausarten zu lassen. Die britische Re­gierung habe bereits für den Frieden zwei beträchtliche Bei­träge geliefert. Sie habe die Verhandlungen nach London gebracht, und die Deutschen in die Verhandlungen miteinge­schlossen.

London vertretenen Mächte und für die Ansichten Welt.

Ribbentrop hat das Wort.

London, 19. März. (Eig. Drahtbericht.) Die S i tz i

DieDaily Mail" beglückwünschtdie britische £ Regierung zu dem Takt und der Staatskunst, die sie da- s durch bewiesen habe, daß sie scharfe Maßnahmen verhindert - und die Anwesenheit einer deutschen Abordnung in London £ ermöglicht habe. Eden habe unterstrichen, daß sich bisher kein Tatbestand ergeben habe, der britische Maßnahmen auf Grund der Bestimmungen des Locarnovertrages auslöse. Das e: Blatt wendet sich hierauf gegen die Versuche, auf ' England einen Druck auszuüben, damit es neue M Verträge abschließe und neue Garantien eingehe. Es _ ver- e - langt, daß auf der kommenden internationalen Konferenz t auch die RÜckgabe der Mandatsgebiete an Efc-Deutschland erörtert werden müsse. Ebenso müsse der französisch-sowjetrussische Pakt geprüft werden, ßs Seine Gefahren sollten aller Welt klar sein L nach der wichtigen Rede, dir Litwinow vor : dem Völkerbundsrat gchalten habe. Sie erwecke den - Eindruck, daß die Sowjets ihr Äußerstes daran setzten, um die I, europäischen Mächte in einen Krieg zu stürzen, in dem sie sich K gegenseitig zum Nutzen des Bolschewismus zerstören würden. IC Die britische Öffentlichkeit habe einen Schlag dabei verspürt,

Alliierten verdankten. Dann wird das französische Blatt noch etwas deutlicher und erklärt den Dänen, daß sie allein diese Gebiete nicht verteidigen könnten. Sie müßten sich eben klar darüber sein, daß kleine Mächte, wie Dänemark, den Schutz der kollektivenSicherheitverlierenwürden, wenn sie ihren Verpflichtungen gegen­über den Großmächten nicht nachkämen. Es zeigt sich wieder einmal, mit welchen Mitteln gewisse französische Blätter glauben arbeiten zu können und arbeiten zu müssen.

Von heute an steht nun Botschafter von R i b b e n t r o p für die Verhandlungen des Rates in London zur Verfügung. Damit beginnt ein neuer Verhandlungsabschnitt. Der Rat aber und jedes einzelne seiner Mitglieder steht vor einer äußerst schweren Verantwortung. Wie weit der Rat seiner Aufgabe gerecht werden wird, muß abgewartet werden. Die großen konstruktiven Friedenspläne, die der Führer in dem Memorandum an die Locarnomächte entwickelte und in seiner Reichstagsrede der ganzen Welt unter­breitet hat, sind ein Prüfstein für die Ansichten der in

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