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Schellenberg'Iche Hofbuchdruck«-!,Tagblatt - Haus-. Wöchentlich 7 AUSgabtN

Wöchentlich

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Werktäglich nachmittags, Samstags vor-- «.nachmittag.

mit einer täglichen

Unterhaltungsbeilage.

Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 7405.

84. Jahrgang

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Fernsprecher-Sammel-Nr. 59631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

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französisch-sowjetische Abmachung bei der Ab­fassung des L o c a r n o p a k t e s schon bestanden, wäre selbst­verständlich der Rheinpakt nie unterzeichnet worden. Es geht aber nicht an, einem Pakt nachträglich eine andere Aus­legung oder gar einen anderen Inhalt zu geben. In diesem vorliegenden Fall hat man sich aber nicht nur vom Sinn, sondern sogar vom Buchstaben des Locarnopaktes ent­fernt.

Der Abschluß des französisch-sowjetrussischen Militär­bündnisses schasst für Deutschland eine Lage, die es zwingt, auch seinerseits bestimmte Konsequenzen zu ziehen und nur die habe ich gezogen. Denn der Sinn dieser Konsequenz ist, daß, wen» schon Frankreich solche Militärbündnisse abschließt, daun nicht ein so volk­reiches und wirtschaftlich wichtiges Grenzgebiet des Deutschen Reiches wehr- und schutzlos gelassen werden kann. Dies ist die primitivste Reaktion auf ei» solches Borgehen. 2m übrigen glaube ich, daß vielleicht auch in England nicht jeder­mann wissen wird, dah die bisherige soge­nannteentmilitarisierte Zone- unge- sähr genau so viele Menschen besitzt, als die Einwohnerzahlen z. B. des tschecho­slowakischen Staates oder Jugoslawiens ausmachen. Dieses Gebiet erhält nunmehr seine Friedensgarnisonen, genau wie auch das ge­samte übrige deutsche Reich, nicht mehr und nicht weniger. Bo» Anhäufungen einer Streitmacht für Ofsensivzwecke kann schon deshalb nicht geredet werden, weil Deutsch­land

1. Bon Frankreich nichts mehr zu for­dern hat und nichts mehr fordern will.

2. Ja, selbst den Abschluß von Nicht­angriffspakten vorgeschlagen hat mit dem Wunsch einer Earantieunterzeichuung durch England und Italien und weil damit

3. eine solche Anhäufung auch rein militärisch ge­sehen, nicht nur unnötig, sondern auch un­vernünftig wäre.

Im übrigen soll es ja die Aufgabe der Zukunft sein da­für zu sorgen, dah sich die beiden Länder eben gegen- feitig nicht mehr bedroht fühlen. Wenn Herr S a r r a u t erklärt, nicht sehen zu können, dah die Festung Straßburg durch deutsche Geschütze bedroht werde, dann soll man erst recht verstehen, Latz aber auch Deutschland nicht gern offene Städte wie Frankfurt, Freiburg,

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Wenn ein Sieger und ein Besiegter miteinander einen Vertrag schließen, ist der Besiegte verpflichtet, ihn zu halten, während der Sieger sich seine Haltung nach eigenem Ermessen einrichten und auslegen kann. Sie werden nicht bestreiten, dah die 14 Punkte Wilsons und seine drei Ergänzungen einst nicht gehalten worden waren, Sie werden auch weiter nicht bestreiten, dah die Verpflichtung nach allgemeiner Abrüstung von Seiten der Sieger ebenfalls nicht eingehalten wurde. Auch der Locarnopakt hat nicht nur die buchstabenmähige, sondern eine politisch-sinngemähe Bestimmung. Hätte die am 2. Mai 1935 unterzeichnete

in der Sanktionsfrage die Italiener für ihre Auffassung m der Rheinlandfrage gewinnen zu können, must da­hingestellt bleiben.

Während so die Herren Diplomaten sich den Kopf über den deutschen Schritt vom 7. März zerbrechen, be­reitet sich das deutsche Volk daraus vor, mit dem Stimmzettel seinem Führer den Dank für diese Tat abzustatten und der Welt erneut zu bekunden, dah es geschlossen hinter seinem Führer steht. Mit der größten politischen Kundgebung, die die Reichshauptstadt je erlebt hat, wurde gestern der Wahlkampf eröffnet, denn Dr. Goebbels sprach nicht nur vor den Zwanzigtausend, die die Deutschland­halle füllten, sondern diese Rede wurde gleichzeitig in 230 Parallelversammlungen in Erohberlin, darunter auch im Sportpalast, nach der Deutschlandhalle die zweitgrößte Versammlungshalle der Hauptstadt, über­tragen. Die Spruchbänder in dem großen Bau der Deutschlandhalle kennzeichnen den Sinn dieses Wahl­kampfes, indem sie verkünden:Der Führer gab Deutschland die Freiheit",Die Garnisonen Deutschlands sind die Garnisonen des Friedens", Deutschlands Dank das Ja dem Führer", Deine Ehre, die Treue dem Führer." In einer zweistündigen Rede zeigte Dr. Goebbels immer wieder von der jubelnden Zustimmung der Zwanzig­tausend unterbrochen, auf, was der Nationalsozialis­mus seit der Machtergreifung geleistet hat. Er kenn­zeichnete weiter, wie nach und neben dieser großen innenpolitischen Aufbauarbeit der Führer dem deutschen Volke Ehre und Gleichberechtigung wieder erkämpft, wie die deutsche Wehrmacht wieder aufgebaut, wie im Rheinland die volle deutsche Oberhoheit hergestellt wurde und sprach dann weiter über das große Friedens­angebot des Führers. Dr. Goebbels beendete seine Rede mit dem Ausdruck der Zuversicht, daß das Volk am 29. März mit Freuden seine Pflicht tun werde und daß niemand fehlen werde, wenn es um das Leben und die Zukunft des deutschen Volkes gehe.Am 29. März wird die Welt erneut dasgroßedeutsche Wunder erleben."

I Überzeugende Antworten

auf fünf Fragen.

(Letzte Drahtmeldung.)

| . München, 11 .März. Der Führer und Reichskanzler hat r ®<'m bekannten englischen Journalisten Ward Price eine » Unterredung gewährt, in deren Verlauf er eine Reihe von I ör.9 ebis sich auf die historische Reichstagsrede vom i 7. Marz beziehen, beantwortete.

1. Frage: Schließt das Angebot des Führers zu einem Nichtangriffspakt an alle Staaten an Deutschlands Ostgrenze auch Österreich ein? Wird die Tschecho­slowakei als Staat aus Deutschlands Ostgrenze gerechnet?

l ^e meinen Antrag auf Abschluß von

I Nichtangriffspakten im Westen und Osten Deutschlands a l l - 5 ««mein aufgestellt, das heißt, also, ohne jede Aus- - nähme. Dies gilt demnach sowohl für die Tschecho- t slowakei als auch für Österreich.

2. Frage: Ist der Führer bereit, Deutschland un­mittelbar in den Völkerbund zurückzubringen, sodaß die Vorschläge, die er gemacht hat, von dem Völkerbund behandelt werden können und Deutschland dabei seine» vollen Platz als Mitglied des Bölkerbundsrates ein­nimmt? Oder schlägt er vor, daß zu diesem Zweck eine internationale Konferenz eiuberusen wird?

Antwort: Ich habe für DeutschlaiÄ die Bereit- E Willigkeit erklärt, sofort in den Völkerbund einzutreten : unter Aussprechung der Erwartung, daß im Laufe einer ver­nünftigen Zett die Frage einer kolonialen Gleich-

Der Mrer über seine Zriedensvorschläge

Eine Unterredung mit Ward Price.

^uasprei,«: Für eine Bezugszeü von 2 Wochen 94 Rpf., für einen Monat RM. 2. ein. Ichlietzilch Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 42 Rpf. Bestellgeld, Einzel- nummern 10 Rpf. Bezugsbestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestellen die Träger und alle Postanstalien. 3n Fällen höherer Gewalt oder Betriebsstörungen haben die Bezieher kernen Anfpruch auf Lieferung des Blattes oder auf Rückzahlung des Bezugspreises.

von uns aus auch keine Veranlassung, irgendwelche Termine zu stellen.

Rur eines möchte ich hier aussprechen: daß sich die deutsche Regierung, wenn auch diese Vorschläge, so wie so viele frühere, wieder der einfachen Ignorierung oder Ablehnung verfallen sollten, Europa mit weite­ren Anträgen nicht mehr wird aufdrängen können.

4. Frage: Wird der Führer, nachdem er das Prinzip von Deutschlands völliger Souveränität über sein ganzes Gebiet hergestellt hat, die Zahl der deut­schen Truppen im Rheinland aus freiem Willen auf eine Streitmacht begrenzen, die offensichtlich für eine Offensivhandlung gegen Frankreich unzureichend ist?

Antwort: Die sogenannteentmilitarisierte Zone" wurde besetzt, nicht, weil die Absicht, eine offensive Handlung gegen Frankreich vorzunehmen, besteht, sondern weil die Aufrechterhaltung eines so ungeheuren Opfers einer Ration nur denkbar ist und verantwortet werden kann, wenn es auf Seiten des Vertragspartners auf ein entsprechendes sachliches und politisches Verständnis und da­mit auf eine angemessene Würdigung stößt.. Richt Deutschland hat Verträge gebrochen! Aber seit der Annahme des Waffenstillstandes auf der Grundlage der 14 Punkte Wilsons hat sich in Europa folgende Gepflogenheit ein­gebürgert:

berechiigung und die der Trennung des Völkerbunds­statuts von dem sogenannten Friedensvertrag geklärt wird.

Ich glaube, daß der Abschluß des von der deutschen Re­gierung^ vorgeschlagenen Nichtangriffspaktes am zweckmäßigsten von den betreffenden Regierungen direkt vorgenommen wird. Das heißt also im Falle der Pakte zur Sicherung der Grenzen Mischen Deutschland einerseits -und Frankreich und Belgien und unter Umständen Holland andererseits von den zuständigen Regierungen und den zur Unterzeichnung einer Garantiepslicht einge­ladenen Mächte England und Italien. Es wäre vielleicht am besten, wenn die Länder, die durch diese Pakte gesichert werden, zunächst einmal mit ihren zukünftigen Garanten in Fühlung treten würden. Die Nichtangriffspakte mit den übrigen Staaten würden ähnlich wie einst zwischen Polen und Deutschland verhandelt werden, das heißt, immer von Regierung zu Regierung. Im übrigen würde sich Deutschland sicherlich nur freuen, wenn zum Beispiel eine andere Macht, sagen wir England als unparteiischer Makler praktische Vorschläge zur Lösung dieser Fragen machen würde.

3. Frage: Es ist wahrscheinlich, daß keine französi­sche Regierung, selbst wenn sie es wollte, noch vor den int April stattsindenden französischen Wahlen auf eine Erörterung Ihrer Vorschläge eingehen kann. Ist Deutschland bereit, bis zu dieseni Zeitpunkt sein A n- gebot aufrecht zu erhalten? Wird Deutschland inzwischen nichts weiter unternehmen, was die augen­blickliche Lage erneut ändern würde?

Antwort: Von Seiten der deutschen Regierung aus wird an der bestehenden Situation nichts mehr ge­ändert. Wir haben die Souveränität des Deutschen Reiches wieder aufgerichtet und ein uraltes Reichsgebiet in den Schutz der ganzen Nation genommen. Wir haben daher

Drei Jahre Aufbau.

| as. Berlin, 11. März. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Die gestrige Konferenz der Locarnomächte hat insofern eine Überraschung gebracht, als be- - schlossen wurde, die Ratstagung nicht in Genf, sondern r in London zu veranstalten. Ganz offensichtlich ist b der Wunsch vom englischen Ministerpräsidenten Bald- - w i n ausgegangen, mit dem Eden am Dienstag mehrfach t von Paris aus telephonierte. Baldwin dürfte einmal L der Ansicht sein, daß das englische Kabinett ^leichterauf den Gang der Beratungen einwirken kann, wenn diese in London statt- k finden und zum anderen scheint es ihm angesichts der ft u r e n Haltung der Franzosen besser, die Verhandlungen in die ruhigere Atmosphäre | von London zu verlegen. Irgendwelche anderen Be­schlüsse sind in Paris gestern noch nicht gefaßt worden, st 2n den Verhandlungen selbst scheint Eden die Rfranzösische Auffassung bekämpft zu haben, daß der Sanktionsparagraph des Dölkerbundsstatuts gegen Deutschland anwendbar sei. Das entspricht durchaus der Er- ? klärung der englischen Regierung im Unterhaus. Die englische Regierung vertritt sehr zum Kummer der | Scharfmacher in Paris und der Scharfmacher in

Mos kau, die über dieweiche Haltung" Eng­lands jammern, den an sich absolut selbstverständ­lichen Standpunkt, daß der Einmarsch deutscher Truppen tn das Rheinland, also in deutsches Gebiet, keine ,,f e i n d s e l i g e H a l t u n g" bedeute.

Das weitere diplomatische Programm sieht nun also so aus, daß morgen in London die Be­sprechungen der Locarnomächte fortgesetzt L werden und daß am Samstag der Völkerbundsrat in der englischen Haupt st a d t zusammen­tritt. Die für heute vorgesehene Tagung des 13er- I Ausschusses ist auf die nächste Woche verschoben worden. Damit treten die Bemühungen um die Liquidation des abessinischen Konflikts zunächst völlig zur ü ck. Ob die Franzosen sich bei dieser Sitzung der Hoffnung hkngeben, durch Zugeständnisse

Anzeigenpreise: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund­preis 6 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 45 Rpf., sonst laut Preisliste Nr. 4, Nachlatzstaffe! C. Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird lerne Gewahr übernommen. Schluß der Anzeigen - Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.

Bltataißrnl Smslgg in Votiöun.

Em überraschender Beschluß. Dreizehner-Ausschutz verschoben. Die große Rede des Reichsministers Dr. Goebbels.

Meistgelesene Tageszeitung in Wiesbaden.

Mittwoch, 11. Miirz 1936.

Drahtanschrift: Zagblatt Wiesbaden.

Nr. 70.