Drahtanschrift: Da,blatt Wiesbaden.
Postscheckkonti: gtanffurt a. SR. Str. 7405.
Nr. 59
84. Jahrgang.
geben.
Auf der anderen Seite hat die Unterhaus-
Neuer ersolglMer ituIieuWer $orfto6 on der Nordsrunl
Mulugetas die Waffen geraub zum TM niedergemacht haben.
rage auf, äihnernatz-
Wöchentlich mit einer täglichen
mit dem Ausscheiden Japans schon eine Viererkonferenz geworden war, jetzt eine Dreierkonferenz, an der nur noch Amerika, England und Frankreich beteiligt wären, zu machen. Die Neigung Frankreichs hierzu dürfte nicht sonderlich groß sein, da sich der französische und der amerikanische Standpunkt in verschiedenen Fragen keineswegs decken. Im übrigen haben die Italiener bisher auch nicht angekündigt, daß sie London verlassen werden.
Diese Tatsache hat man in Paris nicht übersehen und wenn man in der französischen Hauptstadt zunächst angesichts der italienischen Stellungnahme und angesichts der von der italienischen Presse verbreiteten Drohung, daß Italien sich von den europäischen Fragen völlig lösen könnte, etwas nervös geworden war, so nimmt man jetzt in der französischen Hauptstadt die Dinge weniger tragisch. Beispielsweise erklärt der „Temps", man bürte sich von der italienischen Taktik nicht verblüffen lassen. Das Blatt will auch nicht glauben, datz die italienische Regierung drauf und dran sei, ihre Mitarbeit' in den europäischen Fragen aufzugeben. Auf der anderen Seite sind die Italiener auch nicht gewillt, ihren Gegenspielern entgegenzukommen. In Genf werden sie sich bei der übermorgen beginnenden Tagung des Achtzehnerausschusses nur durch einen Beamten des Propagandaministeriums, dem die Bearbeitung der Pressefragen obliegt, vertreten lasten. Die Sanktionsmächte werden also in Genf unter sich sein.
Erscheiimngrzeit: SBerttäglid) nachmittags, Samstags o»r« n. nachmittag, Fsrnsprecher-Sannnel-Nr. 59631.
Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.
Druck und Verlag:
8. Schellender, sch, tzofbnchdrmkerei, „Iagblait=£>aiu*. Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, anher Sonn- und Feiertags.
nahmen noch i m Völkerbund bleiben könne. Zugleich verweist sie auch darauf, datz es eine widersinnige Situation sei, wenn Italien mit England zusammen den Rhein zu schützen verpflichtet sei, wenn es weiterhin für beide Staaten die „Wacht am Brenner" halte, wenn aber diese beiden anderen Staaten militärische Vereinbarungen gegen Italien treffen. Rom droht also sozusagen mit der Kündigung des Locarno-Vertrages, obwohl rein juristisch diese Kündigung eine ziemlich komplizierte Angelegenheit ist, es droht aber auch mit der Kündigung des im Ianuar 1935 abgeschlossenen Vertrages mit Frankreich und es droht weiterhin damit, datz es die auf der Londoner Flottenkonferenz getroffenen Vereinbarungen nicht anerkennen und nicht unterzeichnen wird, solange nicht die Sanktionen ausgehoben find. Inwieweit sich diese Drohungen als wirksam erweisen, mutz die Tagung der kleinen Sanktionskonferenz er-
7 Ausgaben
Unterhaltungsbeilage.
Freudenkundgebungen in Italien.
Rom, 28. Febr. Die Eroberung des Amba Aladschi hat in Ita lien größte Begeisterung hervorgerufen, da damit militärisch und auch rein gefühlsmässig ein sehr wichtiger Abschnitt im Ostafrika-Feldzug erreicht würde. Auf allen Plätzen Roms fleht man große Menschenansammlungen. Auf der Piaza Venezia jubelt eine riesige Menschenmenge immer wieder dem Duce zu. Alle Blätter erinnern an die Kämpfe, die vor 40 Jahren um den Amba Aladschi tobten und an die Tapferkeit des M a j o r s T o s e l l i, der damals tagelang mit wenigen Mann den Berg hielt, bis die Stellung nach schwerem Ringen aufgegeben werden mußte. In den damaligen Kämpfen verloren die Italiener 10 Offiziere, an deren Spitze Major Toselli stand, 1500 Eingeborenensoldaten und eine Batterie, während auf abessinischer Seite 3000 Mann fielen.
schärfer angezogen werden soll, wieder in den Vordergrund und sofort bietet sich auch wieder das alte Bildi die Sanktionsfreunde befürworten die schärfsten Matznahmen wie etwa die Sperrung der Häfen aller Völkerbundsstaaten für die italienische Schiffahrt, während andererseits Italien wiederum vor einer Verschärfung der Situation sehr nachdrücklich warnt. So wirft die italienische Presse, die uns erst
jetzt erklärte, datz 100 Tage Sanktionen die Haut Italiens kaum geritzt hätten, wieder die F ob 2 t a I i e n bei einer Verschärfung der S
Tokio - London - Genf.
Schleier über Japan. — Die Flotten-Konferenz wird immer kleiner, Die Sanktionsstaaten unter sich.
Bequem rede des englischen Außenministers Eden gemacht, gezeigt, datz England an der Sanktion?- Politik festhält, der Sanktionspolitik, die nicht nur gegen Italien, sondern auch eines Tages gegen „Unbekannt“ angewandt werden kann. Mit solchen Mitteln sucht Eden offenbar die von ihm so gepriesene Politik der Kollektivität zu empfehlen und zu stützen. Einen Tag nach Eden hat F l a n d i n das Loblied der kollektiven Friedenssicherung gesungen. Beide Staatsmänner haben sich die Sache recht leicht gemacht mit der einfachen Erklärung, datz diese Politik der kollektiven Friedenssicherung nicht etwa die Einkreisung bedeute, sondern nur die Einkreisung dessen, der dumm genug ist, sich zum „A n g r e i f e r“ erklären zu lassen, wobei nun freilich die mannigfachen Pakte dafür sorgen, datz man sehr einseitig völlig nach eigenem Belieben den „Angreifer" bestimmen kann. Mit Recht hat Alfred Rosenberg darauf hingewiesen, daß diese Pakte wie überhaupt die ganze
Wieder kleine Sanktions- konferenz.
Beseitigung der konfessionellen Schulen.
Madrid, 28. Febr. In einem ber größten Lichtspielhäuser Madrids wurde von den spanischen Marxisten eine Kundgebung veranstaltet, die von den als Führer des Oktoberaufstandes in Asturien bekannten und jetzt amnestierten Marxisten Gonzalez Pena und P r i c t o geleitet wurde.
Die beiden Redner verherrlichten dabei die Oktoberrevolution. „Untere Taktik", jo hieß es in einer ber Reben, „stellen wir auf bie jeweiligen Um stäube ein. Wenn es nötig ist, gebrauchen wir Gewalt. Wenn uns Wahlen nützen können, bann greifen wir zum Stimmzettel." Gonzalez Pena wies in feiner Ansprache dar- auf hin, daß dds Programm bes Linksblocks den Marxismus nicht beliebigen könne unb batz es nur die Mindestforderungen enthalte. Wenn die Regierung die Hoffnungen des Proletariats nicht erfülle, so bleibe kein anderer Weg als ber ber Gewalt. Der Redner erklärte zum Schluß, er sei ber festen Überzeugung, daß .Spanien am Anfänge einer sozialistischen Republik stehe.
Die Reden der beiden sozialistischen Führer wurden von den spanischen Rundfunksendern übertragen.
Wie die Madrider Zeitung „El Liberal" berichtet, hat ber spanische Außenminister einer Gruppe ber „Freunbe Sowjetrutzlanbs" gegenüber erklärt, feine unb die Meinung der Regierung gehe dahin, so schnell wie möglich diplomatische und wiktfHaft-
Die italienischen Warnungen.
as. Berlin, 29. Febr. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Die Lagei n Japan ist noch immer höchst undurchsichtig. Fest steht lediglich, datz bie zunächst gestern verbreiteten Nachrichten, nach denen die an der Mittwochaktion beteiligten Offiziere und Mannschaften, die von ihnen besetzten Gebäude geräumt hätten, unrichtig war. Ob sich die Behörden tatsächlich entschlossen haben, gegen das Militär vorzugehen, wie in einigen Meldungen angekündigt wurde, ist noch nicht ganz klar. Da gestern nachmittag erneut eine Nachrichtensperre einsetzte, so liegen nur sehr wenige Meldungen vor, von denen man zudem auch nicht mit Sicherheit sagen kann, ob sie die Lage richtig wiedergeben. Da man angesichts dieses über Japan gebreiteten Schleiers garnicht zu übersehen vermag, welche Kräfte schließlich obsiegen und bie japanische Politik matzgebenb beeinflussen werben, so hat das Rätselraten über die Rückwirkungen ber Vorgänge in Tokio auf die internationale Politik in ber Weltpresse zunächst nachgelassen.
So kommt es, batz plötzlich bas Schicksal ber Lon- b o n e r Flottenkonserenz wieder mehr in den Vordergrund rückt. Man fragt sich, ob es noch Sinn hat, diese Verhandlungen fortzusetzen, nachdem die Italiener sich geweigert haben, bie bisher getroffenen Vereinbarungen zu unterzeichnen. Schon spricht man von der Möglichkeit, aus der Fünferkonfernz, aus ber
liche Beziehungen mit ber Sowjetrepublik aufzunehmen. Er hoffe, batz bie Regelung eine Frage von wenigen Tagen sei. In Madrid sind aus Anordnung der Regierung sämtliche Parteilokale ber Faschisten (Falanga Espanola) von der Polizei g e s ch l o s j en worben. In Sevilla würben in ber Stabtoerorbnetensitzung brei Kommunisten als Bezirksbürgermeister gewühlt. Kommunistische Stabtverordnete richteten vom Balkon des Rathauses Ansprachen an bie Menge, wobei sie an- kündigten, batz bie am 16. Februar begonnene Revolution folgerichtig fortgesetzt werben würbe.
Der spanische Ministerrat deschloh in seiner Freitag- sitzung die Einstellung von 5300 Lehrern und Lehrerinnen im Laufe des Jahres sowie die Ersetzung sämtlicher Geistlichen unb Ordensschwestern, die als Erzieher tätig sind, durch weltliche Lehrkräfte.
Bq-z«»eise: Für eine Bezugozett von 2 Wochen 94 Rpf., für einen Monat RM. 2.-, ein. schließlich Trag lohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 42 Rpf. Bestellgeld, Einzel, nummern 10 Rpf. — Bezugsbesteltungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestelle,!, die Träger und alle Postanstalten. — In Fällen höherer Gewalt oder Betriebsstörungen haben die Bezieher kernen Anspruch auf Lieferung des Blattes oder auf Rückzahlung des Bezugspreises.
Blick in die Welt.
Am Montag, den 2. März, tritt in Eens wieder der 18er - Ausschuß, die sogenannte kleine Sanktionskonferenz zusammen. Damit rückt die Frage, ob die Sanktionsschraude noch
«nzei-tupreile: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund- vreis 6 Rpf.. der 85 Millimeter breiten Spalte im Sextteil 45 Rpf., sonst laut Preisliste Nr. 4, Nachlabstasfe! C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird lerne Gewahr übernommen. — Schlug der Anzeigen - Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor beni Erscheinungstage aufgegeben werden.
Die Antwort der schweizerischen Regierung
auf die deutsche Rote übermittelt.
Berlin, 28. Febr. Wie aus Bern gemeldet wird, hat die schweizerische Regierung dem deutschen Gesandten in Bern ihre Antwort auf die deutsche Note vom 20. Februar betreffend den Beschluß des Bundesrates, eine Landesleitung und eine Kreisleitung der NSDAP, in der Schweiz nicht mehr zu zulassen, übermittelt.
.. Die Note wird nach ihrem Eintreffen in Berlin durch bie zuständigen Stellen geprüft werben. •• r
Dezember 1895. Die Heimatstadt Toselli s hat dem 1. Armeekorps eine Fahne gestiftet, die am Freitag aus dem Amba Aladschi gehißt wurde.
Von italienischer Seite wird darauf hingewiesen, daß die eingeborene Bevölkerung die Truppen der vormarschierenden Italiener freundlich aufgenommen habe. Die Eingeborenen sollen, wie weiter erklärt wird, den fliehenden Soldaten Mulugetas bie Waffen geraubt und die fliehenden Truppen
Spanien am Anfang der sozialistischen Republik
Sofortige Aufnahme -er Beziehungen zu Sowjetrutzland.
Den Vormarsch deckte auf der rechten Flanke in Verbindung mit dem (Eingeborenentorps das 3. Armeekorps Seit ' Donnerstag haben diese beiden Heerkörper eine neue Aktion | eingeleitet. In Kreisen des italienischen Eeneralstabes an der Nordfront ist man sehr zuversichtlich. Man erklärt, daß mir der Eroberung des Amba Aladschi der Zusammenbruch der gesamten abessinischen Rordfront l in immer greifbarere Nähe rücke.
Das GebirgsmaMo des Amba Aladschi, dessen Eroberung ber italienisch« Heeresbericht Rr. 139 bekanntgibt, liegt 3 0 bis 4 0 Kilometer südlich des kürzlich von den Italienern eroberten Gebirgstzockes des Amba Aradam. Die nun eroberte Bergstellung soll von den Abessiniern stark gerpesensein.
- i ■ - .5
Meistgelesene Tageszeitung in Wiesbaden.
Samstag, 29. Februar 1936
Eroberung Les Amba Aladschi.
Rom, 28. Febr. Die vom italienischen Propagandaministerium am Freitagnachmittag 4 Uhr ausgegebene amtliche Mitteilung Nr. 139 meldet die Eroberung des A m b a A l a d s ch i.
Der von Marschall Badoglio gedrahtete Heeresbericht lautet: „Die Truppen des 1. Armeekorps haben Amba Aladschi erobert. Seit heute vormittag 11 Uhr weht auf der Höhe dieses Berges, der den Heldentod Tosellis und der (»einigen sah, die italienische Flagge."
Asmara, 29. Febr. (Vom Kriegsberichterstatter des DNB.) Mit der heutigen Eroberung und Besetzung des Bergmassivs des Amba Aladschi durch das 1. Armeekorps ist ein wichtiges Einfallstor nach Abessinien in die Hände der Italiener gefallen.
Der Amba Aladschi beherrschtüenWegnachdem abessinischen Hauptquartier Dessie. Jeder etwaige Versuch der abessinischen Streitkräfte, nördlich von Dessie den Vormarsch ber Italiener aufzuhalten, kann aus dieser starken Schlüsselstellung heraus wirkungsvoll verhindert werden.
Das 1. Armeekorps marschierte am Donnerstag und Freitag ohne Widerstand zu finden, in drei Kolonnen vor. Lediglich südlich des Amba Aladschi kam es zu kleineren Patrouillengefechten mit der Nachhut der auf dem Rückzug befindlichen Truppen Mulugetas. Sämtliche Gebirgspässe und Talstraßen des Amba Aladschi sind gleichfalls von den Italienern besetzt, so daß militärisch gesehen die italienischen Streitkräfte mit dem Sieg einen L wichtigen erfolg zu verzeichnen haben.
Ebenso wie in Rom herrscht auch unter den Truppen der Rordfront große Begeisterung. Man erinnert sich auch hier an den Heldenkampf des Majors Toselli im
