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7 Ausgaben

Wöchentlich

L Schellenberg'fche Hafbuchdrnckerei, „Sagblatt>$>aus‘.

Unterhaltungsbeilage.

mit einer täglichen

Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 7405.

84. Jahrgang.

Die MilitSr-Revolte in Paraguay

Die Berner Regierung unter marxistischem Druck.

Weitere Friedensbemühungen desBatttans?

Paris, 19. Fobr. Eine Unterredung, die der franzö­sische Außenminister am Dienstag mit dem Apostolischen Nuntius Maglione hatte, wird vom „Oeuvre" mit gewissen Bemühungen für die friedliche Beilegung Les italienisch-abessinischen Streitfalles in Beziehung ge­bracht. Der Vatikan, fo heißt es, prüfe feit einiger Zeit, ob eine Möglichkeit bestehe, Lern tschechoslowakischen Staatspräsidenten Benesch die Vermittlerrolle zu übertragen. Es fei wohl möglich, Laß Liese Frage Gegenstand der Unterredung zwischen FlanLin und dem Nnntius gewesen sei. Am Quai d'Orsay habe man jedoch die Ansicht nicht geändert.

Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.

-Werktäglich nachmittag», Samstags vor. u.nachmittags Fernsprecher-Sammel-Nr. 59631.

Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

Eine reine Volksbewegung.

Asuncion, 19. Febr. Nach dem Staatspräsidenten A y a l a hat auch Vizepräsident Ribeiro seinen Rücktritt erklärt. Der Oberbefehlshaber der Armee, General E st i g a r r r - bi a, ist in Concepcion verhaftet worden. Nach einer Mrt-

Bern, 18. Febr. Aintlich wird mitgeteilt:

E „Der Bundesrat hat auf Grund eines Berichtes V der Bundesanwaltschaft und auf Antrag des Zustiz- • «inb Polizeidepartements beschlossen, eine kLandesleitung und Kreisleitungen der k NSDAP, in der Schweiz in irgendeiner Form in I Zukunft nicht mehr zuzulaffen. Die grundsätz- liche Frage der weiteren Zulassung von ausländischen | politischen Bereinigungen in der Schweiz wird denr | Justiz- und Polizeidepartement in Verbindung mit I dem politischen Departement zur Prüfung und Bericht- 1 erstattung überwiesen."

politischen Auslandsovganisationen anderer Länder evst „prüft", so schlägt e r's i ch damit selbst in das Gesicht. Ausdrücklich hat ja der Schweizer B u n d e s r a t bestätigt, !daß der ermordete Landes­gruppenleiter Gustl off sich stets loyal ver­halten und niemals gegen die Schweizer Gesetze ver­stoßen habe, woraus sich mithin ergibt, daß nicht der mindeste Grund zum Einschreiten gegen die von Guft- loff aufgebaute Organisation bestand. Es kann aber auch ferner dem Schweizer Bundesrat nicht unbekannt fein, daß im Re i ch S taat und Partei identisch sind. Der Zusammenschluß, der im Ausland lebenden Reichsdeutschen in den dafür vorgesehenen Gliederun­gen der Partei ist deshalb nicht nur deutsches Bürger­recht, sondern geradezu deutsche Bürgerpflicht. In der Ausübung dieser Staatsbürgerpflicht werden nun die in der Schweiz lebenden Reichsdeutschen Durch die Berner Re­gierung gehindert. Sicher wird jetzt die marxistisch-liberale Presse Der Schweiz, die Deutschland für Die Beisetzung Des Opfers ihrer -Hetze Vorschriften glaubte machen zu können, ein Triumphgeheul an- stimmen, nachdem sich der Bundesrat ihren Forderungen gegenüber willfährig gezeigt hat. Tatsächlich hat sich ja der Bundesrat mit seinem -gestrigen Beschluß zu einem Werkzeug der marxistisch-jüdischen Propaganda gegen Deutschland erniied- rigt. Es liegt der Gedanke nahe, zur Abwehr der schweizerischen Herausforderung nunmehr auch den im Reich lebenden Schweizern die gleiche Behandlung zu­teil werden zu lassen, die sich jetzt die Reichsdeutschen rn Der Schweiz gefallen lassen -müssen. Ein solcher Aus­gleich, so sagt die „Berliner Börsenzeitung", wäre nicht nur logisch, er wäre geradezu ein Gebot -internationaler Gerechtigkeit.

Nach Badogttos Sieg

Der „Temps" rät Italien zu Verhandlungen.

Spanischer Manismus.

Es scheint, als ob Spanien nie zur Ruhe kommen würde. 1 Hier sind seit jeher die raschen KaMnetts- wechsel an der Tagesordnung gewesen: immer wieder wurde von den verschiedensten Parteien der Versuch unternommen, in Dem zerrissenen und aufgewühlten Lande Frieden und Ordnung herzustellen, aber all diese Versuche waren zum Scheitern verurteilt. So wie heute an allen Ecken und Enden die -blutroten Flammen des Parteihaders auflodern, so hat es in Spanien immer gebrannt. Seit Dem Ende des Weltkrieges kam es zu zahllosen kleineren und größeren Aufständen, die mit blutigen Opfern verbunden waren. Der spanische Marxismus hatte wiederholt Gelegenheit, hemmungs­los über das L and zu rasen und Die sehr labilen Grund­pfeiler der innenpolitischen Struktur immer mehr zu er­schüttern Ein Rückblick auf die i n n e n p o l -r t ische Entwicklung -seit dem Weltkrieg zeigt mit plastischer Deutlichkeit d-as ewige Moment der Unruhe, das wie ein schwerer Alpdruck auf Spanien lastet. Der Übergang vom Königreich zur Republik -hatte alle -oppositionellen -und revolutionären Elemente ausge- schiirt und entfesselt. Seit Pr-imo De Rivera den miß- glückten Versuch -einer Diktatur unternahm, ist Spanien ein Unruheherd geblieben, ein sehr -beliebter Tummel­platz hetzender Kommunisten und Anarchisten, ein L-and der' schroffen innenpolitischen Gegensätze mit den national-konservati-ven Katholiken auf der einen und Den marxistischen Republikanern auf der andern <veite.

Als im Jahre 1923 der General Primo De Rivera die Zügel der Regierung in die Hande nahm, -mußte auch er im Laufe Der Entwicklung einsehen, Daß er Den heftigen Ausbrüchen des spanischen Temperaments nicht -gewachsen war. Die Opposition geg-en seine Führung wuchs an wie eine Lawine. Es war schon Damals eine Zeit der Unruhen. Zuerst der Anschlag auf Primo de Rivera in Barcelona, dann der Konflikt des Diktators mit dem König und den Artillerieoffizieren. Uber ibas ganze Land wurde der Belager-ungszust-and ver­hängt und die Artillerieoffiziere sahen sich zur Unter­werfung gezwungen. Es sah eine Zeitlang aus, als ab Primo De Rivera eisern im Sattel sitzen wurde. Aber es war nur eine Täuschung: -feine Gegner bekamen immer mehr die Oberhand, überall regte sich die Oppo­sition. Wieder -mußte eine ausgedehnte Verschwörung unterdrückt werden. Revolten, wohin man blickte. Stu-Denkenunruhen in Madrid, Schließung der Univer­sität erfolgloser Militäraufstand in Ciudad Real, Ent- l-assunq aller Artillerieoffiziere -ohne Pension. Das sind nur einige flüchtige Bildstreifen, herausgeschmtten aus Dem großen -innenpolitischen Drama, von dem Spanien -heimgesucht wurde. ..

Primo de Rivera mußte schließlich öffentlich zugeben, daß seine „Diktatur verbraucht" sei. Am 28. Januar 1930 trat er zurück und überließ die Führung seinem alten Gegner, -dem General Berenguer. Es war ein sensationeller Abschnitt in Der innenpolitischen Ent- Wicklung Spaniens, eine Cäfur von größter Bedeutung. Run begann int großen und ganzen die extreme repu­blikanische Epoche, der hemmungslose Kampf der M-arx-isten und Kommunisten gegen alle monarchistischen, konservativen, bürgerlichen und klerikalen Elemente und Prinzipien. König Alfons mußte abdanken, die

Die Regierung gestürzt.

Asuncion, 18. Fobr. Die in Paraguay ausgebrochene Militärrevolte unter Führung Les Obersten Smith hat zum Sturz der Regierung geführt. 3m Laufe der Nacht zum Dienstag sinD die regierungstreuen Truppen zu den Revolutionären überge- " "^r "Präsident der Republik, Ayala. und der Ober­befehlshaber der Armee, General Estigarribia, sind ge­flüchtet Sie befinden sich vermutlich an Bord eines regie­rungstreuen Flutzkanonenbootes. Außenminister Dr. Riart wurde von den Aufständischen verhaftet und in der Schul« der Militärflieger gefangen gesetzt.

Rach den schweren Kämpfen am Montag, in die auch Artillerie und Kanonenboote eingriffen, herrscht heute in der Hauptstadt Paraguays wieder Ruhe.

Staatspräsident Ayala, der sich an Bord des Kanonen­bootes „Paraguay" aufhält, hat, wie später gemeldet wuÄ>e, seinen Rücktritt erklärt. Die Aufständischen haben die Bürgschaft für das Leben und die Freiheit Ayalas über­nommen.

Ameigenpreye: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund- preis 6 Rpf-, der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 45 Rpf., sonst laut Preisliste Nr. 4, Nachlatzstaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Platzen wird teilte Gewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen-Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.

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MegceWe Mltung her Schweiz

Bundesrat verbietet NSDAP.-Organisation.

Rom will weiter kämpfen.

as. Berlin, 19. Fobr. (Drahtbericht unserer Berliner I Abteilung.) Der Sieg, Den Marschall BaÄogbio I südlich Makalle errang, hak in 2lalten großen

Zubel ausgelöst und Die Zuversicht gestärkt. Em l italienisches Blatt vergleicht ihn mit Dem Sieg HinDen- t Büros bei Tannenberg. Zn anderen Blattern kann | man lesen, Daß nicht nur Makalle doa Teint)- t lichem Druck befreit worden -sei, sondern tz Daß nunmehr au ch der W eg frei sei nad)

Dessie. Dem abessinischen Hauptquartier, Das halb- weas zwischen ADua und Addis Abeba liegt, -r eil weife werden anch Hoffnungen auf einen inneren Verfall : Abessiniens laut. Nirgends läßt man l«Denfalls einen > Zweifel daran, Daß Die italienische Aktion [ .ruhig, aber unbeugsam bis zu ihrem 3rel

gebt. Weniger denn je rechnet man -mit der Der- ' Hängung der Olsperre in Italien und mehr denn je be­

tont man (ganz im Gegensatz zu Len Feststellungen, Die L Der englische Regierungsoertreter gestern m Oberhaus

traf) Daß Die Sanktionsstaaten sich total ver­rechn ei hätten. Angesichts dieser Stimmung ist es | fraglich, ob Die Ausführungen Des „Temps-in Rom

auf fruchtbaren Boden fallen. Das französische Blatt : rät nämlich Ztalien nach dem neuen Erfolg - zam Frieden. Italien könne nun in VerHandlun­

gen eintreten, ohne irgendeine Erniedrigung zu be­fürchten. Es müsse aber den ersten Schritt tun. Auch =■ in der gestrigen Oberhausdobatte wurde betont,_ daß Die I Initiative von Rom ausgehen müpse. Der : englische Regierungsvertreter sagte, weder die britische fe Regierung noch irgendein anderes Mitglied Les Dol-ker-

bündes sei bereit, im Augenblick -irgendwelche neue Schlichtungsvorschläge zu machen. Eine fortgesetzte Unterbreitung derartiger Vorschläge würde Ztalien nur ermutigen, im Kriege fortzufahren. Zar solchen Aus­führungen an die -italienische Adresse stimmt freilich wenig Die Sprache, die Das halbamtliche „Giornale d'Ztalia" spricht, das y. a. sagt, Das italienische Volk f . wffse, -daß Der neue Sieg noch nicht.Len Abschluß bilde, fonDern, Latz bald weiter vorgerückt werde. Italien habe weitgehende militärische und politische Ziele.

W Der Beschluß Des Schweizerischen Bundesrates, eine k L andesleitung und Kreisleitungen der |- NSDAP, in der Schweiz nicht mehr z-uzu- klaffen, stellt, eine schwere Belastung für Di e ^deutsch-schweizerischen Beziehungen dar, k ein-e Herausforderung Deutschlands, wie Der i „Völkische Beobachter" sagt. Ganz offensichtlich ist i Liefer Beschluß unter dem starken Druck -der r jüdisch-liberalen und marxistischen Kreise | erfolgt, deren Presse Die Verteidigung für Den Mörder i Gustloffs von Anfang an unter Las Motto stellte: Nicht Uder Mörder, sondern der Ermordete ist schuld. Wenn Uder Schweizer Bundesrat, einem solchen Druck I nachqibt -und einseitig die deutsche Auslandsorgani- M fation verbietet, während er ein Vorgehen gegen Die

•Teilung der Führer der Aufstandsbewegung herrscht im ganzen Lande wieder Ruhe.

Oberst Rafael Franco, der. wie erinnerlich, vor zwe: Wochen von Der Regierung verbannt wurde and sich seither in Buenos Aires aufhielt, wurde von den Aufständischen ge­beten, die Führung zu übernehmen. Oberst Franco ist be­reits im Flugzeug nach Asuncion unterwegs.

Oberst Franco versicherte vor seinem Abflug nach Asun­cion Pressevertretern, daß die revolutionäre Erhebung in Paraguay eine reine Volksbewegung sei und keineswegs irgendwelche kommunistischen Bestre­bungen verfolge. Volk und Heer seien seit langem mit der Regierung Ayalas unzufrieden.

Ein „hündischer Waffenstillstand".

Asuncion, 19. Febr. (Eig. Drahtmeldung.) 3n der Nacht zum Mittwoch wurde ein Aufruf des Obersten Rafael Francos vom 6. Februar verbreitet, in dem Lieser die nunmehr gestürzte Regierung und »berste Heeres­leitung, womit der inzwischen verhaftete General Estigar- tibia gemeint sein dürfte, des Verrats bezichtigt. In dem Aufruf wird das Friedensprotokoll vom Juni v. 2. ein „hündischer Waffenstillstand"- genannt, der einen Dolchstoß in den Rücken des kämpfenden siegreichen Heeres darstelle, das verbluten sollte, um Land und Volk fremdländischen Kapitalisten auszuliefern. Das umfangreiche Schriftstück ist auch in seinen weiteren Darlegungen außer­ordentlich scha rf gefaßt.

Meistgelesene Tageszeitung in Wiesbaden.

Mittwoch, 19. Februar 1936.

Drahtanschrift: Tagblatt Wiesbaden.

Nr. 49.