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Sonntag, 12. Januar 1936.
Wiesbadener Tagblatt
Nr. 11. Seite 19.
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Wiesbaden um 1638 nach Meißners „Schatzkästlein
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Nikolasstr. 7 e F. 22519/20
u 1 lerste deutsche Ausgabe: Basel 1541). Ich sage ni^t Darstellung von Wiesbaden, da dieses Bnddokument stch — wie die Abbildung in Originalgröße *m besitz des Verfassers) — nur aus das Badeleben bezieht. Henricus de Hassia wetterte über die lasterhaften Sitten in dem Wiesbaden des 14. Jahrhunderts. Vielleicht würde er sich auch über dieses Bildchen noch ärgern, .V? .16- Jahrhundert genau wie damals Männlein und Weiblein ungeniert gemeinsam die Vorteile der heißen
(2 Silber Archiv v. Rexroth, R.)
2. Teil 1611). Hierin steht aber über Wiesbaden sozusagen nichts, der Inhalt erschöpft sich im Unterhaltungsstoff aus allen möglichen Gebieten; 2. Ph. Wehns „Thermae Wis. badensis . . .“ (lateinisch 1617; deutsch 1637).
Die Ansicht von Meißner füge ich etwas verkleinert bei.
( Original im Besitz des Verfassers.) Kurz danach (1644) inden wir die bekannte Ansicht Wiesbadens von Merian in einer „Topographia Hassiae".
— iert der deutsche Mensch, solang er strebt.
Darüber kann kein Zweifel existieren. Darüber braucht man nicht zu debattieren, Noch lange hin und her zu diskutieren Da hilft kein Opponieren, kein Negieren, Kein Protestieren und kein Ignorieren, Da gibt's kein für und wider Demonstrieven, Man braucht lein Beispiel, es zu illustrieren, Man braucht es eben nur zu konstatieren.
(Mitgeteilt vom Deutschen Sprachverein, ________ Zweigverein Wiesbaden.)
Wiesbaden in alter Zeit
Die ersten Erwähnungen in der Literatur.
Don Franz v. Rexroth.
vielmehr eine Woche später der Arzt wieder erschien, um die tfrau abzuholen, hatte diese sich schon wieder so weit erholt, daß sie auf dem Felde mitarbeiten konnte.
Unklar bleibt, woher der Neger überhaupt soviel medizinische Kenntnisse hatte, um zu wissen, was eigentlich der Blinddarm ist. Jedenfalls rbar die Frau wieder zweifelsfrei gesund, und der Arzt fand nichts mehr zu tun.
Als im Jahre 1934 durch einen Festzug auf Wiesbadens lange Vergangenheit hingewiesen wurde, ist vielen Wiesbadenern zum ersten Male deutlich geworden welche vielseitigen Geschicke unsere Stadt im Laufe von 2000 Jahren durchgemacht hat. Leider sind Zeugen aus römischer Zeit in dem Stadtbild fast nicht mehr zu sinden; und wie wenige wurden das alte Sprichwort „Der Prophet gilt nichts in feinem Vaterland" Lugen strafen, indem sie in das hiesige Museum gingen, um sich dort die Funde aus römischer Zeit die frühen literarischen Erwähnungen über Wiesbaden sind, da meist nur in Fachschriften veröffentlicht, dem größten Teil der Einwohner unbekannt; die einzige derartige Zusammenstellung, die sich an einen größeren Ärets von interessierten „Laien" wandte, ist in Franz Hongs lang vergriffenem „Fremdenführer durch Wiesbaden und Umge6ung“Ht. und 2. Ausgabe 1894) enthalten, menn man nicht auf F. W. E. Roths „Geschichte und historische -Lopographle der Stadt Wiesbaden int Mittelalter und der Jieugett" (1883) zurückgreifen will, die aber gerade auf die vornnttelalterliche Literatur überhaupt nicht eingeht, wie es ja auch der Titel schon vorschreibt.
.... 3™ folgenden bringe ich zuerst chronologisch eine ge= örangte Zusammenstellung der ältesten literarischen Erwähnungen Wiesbadens bis Ende des 14. Jahrhunderts; bei
Quenen von Wiesbaden genossen, sogar mit Mustkdegleitun» Munster sagt: „Diß Eebürg geüßt auß ein siedend heiß -usaiier zu Wißbaden, das ein meil von Mentz ligt vnd zeücht sich der Berg vnd das Land den Rhein abhin . . . Die Artzet schreiben von dem Wasser des Wißbadens, das es Schwaebel, Alun vnd wenig Nitrum halt, dienet den gestarrten Neruen oder Ader, erwärmt die erkalten vnd verschwechten Glieder vnd nunbt hinweg allen wüst, der sich an die Haut setzt von Geschwer vnnd Räude."
^gabe erschien in Straßburg 1504) (nach Roth, Geschichte der Stadt Wiesbaden):
„Ein bad bei mentz genant Wißbaden.
Dut den colerici bald schaden.
Den lust es jn zuo essen wert.
Dar mit den turst gar ser mert.
Kalt bös flüs vnd übrige feücht Es schnel verzert vnd gantz vß zücht. Wer sich nit ordnirn do kan Dursts halben der laß bald dar fan.“ Nun haben wir endlich auch eine Erklärung dafür, warum so viele Wiesbadener an einem schier unstillbaren Durst leiden: sie werden nach Hans Folz wohl zuviel die Wiesbadener Quellen benutzt haben.
.. Die erste bildliche Darstellung aus Wiesbaden findet sich tn der „Eosmographia Universa" von Sebastian
In anderer Sprache.
Notizen aus Auslandszeitungen.
An den Armen verdient, an die Armen gegeben.
Von einem unerwarteten Testament wissen englische 3ei» ttingen zu berichten. Kürzlich war in Pontrefact in Yorkshire ein gewisser Hydes gestorben, der einer der best- gehatzten Männer des kleinen Ortes war. Hydes pflegte nämlich an die armen Leute Geld zu erheblichen Zinssätzen und gegen entsprechende Sicherheiten zu verleihen. Seinen Kunden fiel es meist außerordentlich schwer, dem Geldver- leiher die hohen Zinsen zu bezahlen, aber Mr. Hydes war unerbittlich Ihm selbst scheint das Geschäft sehr gut bekommen zu fein, denn als er starb, hinterließ er ein Vermögen von rund einer Million Mark.
Die Erben dieses großen Vermögens sind nun merkwürdigerweise nicht die Verwandten des Geldverleihers sondern — die Armen, denen er das Geld Zeit seines Lebens abgenommen hat. Begleitet ist das Testament von einem sentimentalen Text, der ebenso wie das Geld selbst die Armen von Pontrefact schwerlich darüber tröste» wird, daß He Mr. Hydes nicht gerade die glücklichsten Stunden ihres Lebens verdankten.
Eine Bärennatur.
Nur- unter den allerseltensten Umständen dürfte es vorgekommen (ein, daß einem Menschen der Blinddarm ohne Betäubung mit einem gewöhnlichen Taschenmesser heraus- geschnitten wurde. Von einem solchen Fall erzählen die Johannesburger Zeitungen,
Einem Neger war plötzlich seine Frau schwer erkrankt. Der Arbeitgeber des Negers lieh einen Arzt kommen, und dieser stellte eine Blinddarmentzündung fest. Er ordnete für einen der nächsten Tage eine Operation an. Dem Neger aber war der Transport seiner Frau in die Stadt und die Operation selbst aber zu teuer. Er beschloß daher, dem Arzt zuvorzukommen, band seine Frau mit Stricken fest und schnitt ihr mit einem gewöhnlichen Taschenmesser den Leib aus. Dann entfernte er den Blinddarm und nähte die Wunde mit Roßhaaren zu. Normalerweise hätte die Frau an einer Blutvergiftung sterben müssen. Das tat sie aber nicht. Als
Die erste Gesamtansicht bringt Wilhelm Dilichs „Hessische Chronica" im Jahre 1605, der sich mitten im Dreißigjährigen Ärtege, 1637 und 1638, gleich zwei weitere — übrigens fast ganz übereinstimmende — Bilder anschließen, nämlich bei H o r n i g k und bei M e i ß n e r. L. von Hörntgks Buch tragt den ichönen Titel: „Wißbad sampl seiner wunderlichen Gygenschaft / herrlichen trafft und rechtem Gebrauch: kürtz- licher und klärlicher / als noch niematzlen / Männiglichen zum Besten beschrieben und in 25. Hauptfragen begriffen / durch L. v. Hörnigk, Röm. kays. maj. Rath u. M. D. ordin. zu Franckfurt am Mayn". Wir haben mit Hörnigks Merkchen nebenbei auch eine der ersten Buchveröffentlichüngen die sich ausschließlich mit Wiesbaden beschäftigt. Ihr voran gingen lediglich folgende (nach Bossong): 1. „Wißbadisch Wiefenbrunnlein . . .“ von Caspar Lundorsf (1. Teil 1611T
Sprachecke.
Deutsche Sprichwörter in heutigem Deutsch.
Sätzlein reck dich: Aller Anfang ist ein schwerer. —> Lieber drei Wörter als eins: Unter Zuhilfenahme von Speck fangt man Mäuse. — „Haben" ist zu einfach: Lügen besitzen kurze Beine. Morgenstunde besitzt Gold im Munde — Nur nicht das ganz gewöhnliche „ist": Ein gutes Gewissen stellt ein sanftes Ruhekissen dar. Hunger biLet den besten Koch. Viele Hunde bedeuten des Halsen Tod. — Auch nicht das einfache „kein": Gegen den Tod ist ein Kraut nicht ge» wachsen. — Und ja nicht zu kühn: Wo ein Wille ist, dürfte . auch ein Weg sein. — Angst vor der Wiederholung: Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, deckt man letzteren Zu- — Daß man’s auch ja richtig versteht: Es fällt kein Meister als solcher vorn Himmel. — Beliebtes Modewort: , Der Krug geht so lange zu Wasser, bis er letzten Endes br-cht- — Genau berechnet: Frisch gewagt ist 50 % gewonnen. — Welsch macht sich doch besser: Viele Köche verderben das Püree. Wer nicht riskiert, nicht reüssiert. Handwerk ist aukrativ. — Kurz und bündig: Egag. (Ende gut, alles gut.)
Atteste Darstellung des Wiesbadener Badelebens.
W dieser Aufstellung stütze ich mich in der Hauptsache auf die ; Angaben Bossongs: '
Plinius (geboren 23 ober 24 n. Ehr., gestorben । 79 n. Ehr.): „Historia Naturalis".
Xacitue (geboren nach 50, gestorben nach 116): M „Annales, „Historiae", „Germania".
S Mar Halis (geboren zwischen 38 und 41, gestorben | nach 100): „Epigramme".
?t?Iomacu5 (lebte im 2. Jahrhundert): „Geo- | graphia".
Annianus Marcellinus (lebte im 4. Jahrhundert!: si „Hlstoria. *
.., Dann hören wir wieder erst im 8. Jahrhundert etwas über Wiesbaden, und zwar durch den berühmten Biographen i Karls des Großen Einhard (geb. um 770, gest. §40).
Bis Ende des 14. Jahrhunderts geschieht Wiesbaden - wieder keine Erwähnung. Diese lange Spanne wird dann | allerdings durch ein um so kräftigeres Urteil ersetzt: Henricus > 2angenftcin, genannt de Hassia, hatte um das
i ?ahr 1383 feinen „Tractatus de cursu mundi" („Abhandlung über den Lauf der Welt") geschrieben, in dem er — es mun leider gesagt werden — das Kapitel „Über die Fleischeslust" M als willkommenen Anlaß zur Beschreibung eines Festes in Wiesbaden benutzte. Und zwar wurde er durch ein Wand- I bild angeregt, das er in dem Hause des Grafen von Ebcr- [ ftcin, Stadtkämmerers zu Mainz von 1380—1387, gesehen s hatte. Er wettert sehr stark gegen die Auswüchse des Wies- M badener Badelebens und kommt zu der abschließenden Feststellung, daß ein guter Mensch sich von diesem Leben fernhalten sollte und die Reue groß sein wird. Wir haben es also hier mit Beobachtungen zu tun, die den sittenstrengen F -äugen des Professors aufs äußerste mißfielen, sicher aber in einigen Einzelheiten von ihm übertrieben wurden, um das - Verwerfliche der Wiesbadener Zügellosigkeit nur noch deut- kicher zu zeigen.
Hundert Jahre schweigt die Literatur wieder über die | Stadt. Mit der Erfindung der Buchdruckerkunst erschienen Ende des folgenden Jahrhunderts mehrere Beschreibungen Wiesbaden, und zwar gleich drei poetische Erwähnungen- fc Hans Folz (um 1480), Geltes (1490), Eresemund (1499). Der Nürnberger Meistersinger Hanz Folz sagt in dem Buche: „eine gute lehre von allen willtbaden" (eine
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Autohaus Wiesbaden
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