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Nr. 10,

84. Jahrgang

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Samstag, 11. Januar 1936.

Blick in die Welt.

. Sowohl die britische als auch die frunzö- Beuebte fische Admiralität hat mit einemmal entdeckt, Küsten, daß sich atlantische Häfen Spaniens, Por­tugals und Marokkos in der jetzigen Jahres­zeit ganz^außerordentlich gut für Manöver eignen. So­weit die Franzosen in Frage kommen, liegt das, behüte Gott, nicht etwa daran, daß man von diesen Häfen aus sehr schnell Gibraltar erreichen kann, sondern es liegt nur daran, daß die Kanalküste in der jetzigen Zeit häufig von Stürmen heimgesucht wird, und daß es aus diesem Grunde besser ist aus Rücksicht auf die Herren Matrosen offenbar an der marokkanischen Küste zu kreuzen. Die Engländer sind offener, wenigstens gilt das für einen Teil der englischen Presse. So spricht der Daily Herold", der als Blatt der Opposition weniger Rücksicht zu nehmen braucht als die Regierungspresse, davon, daß jetzt die größte Flottenzusammen- ziehung seit dem Weltkriege im Mittelmeer statt­finde, und bemerkenswerterweise war es ja auch das englische Reuterbüro und nicht etwa Havas, das die Meldung von der Zusammenziehung von über 90 fran­zösischen Kriegsschiffen im Mittelmeer oder in der Nähe des Mittelmeerc-s sprach. Freilich, wenn man die amt­lichen Stimmen vernimmt, so ist das alles nur Zufall, mit der politischen Lage hat das nicht das mindeste zu tun, man läßt eben feine Kriegsschiffe nur so ein wenig spazieren fahren und es fft natürlich auch reiner Zufall, daß diese, na, sagen wir Vergnügungsfahrten, gerade zu einem Termin stattfinden, zu >dem in Genf wieder ein­mal über die Sanktionen gesprochen werden könnte. Wer Nicht so harmlos ist, wie sie die amtlichen Stellen in Paris, aber auch in London geben, der wird sich immerhin erinnern, daß erst unlängst militärische Ver­handlungen zwischen England und Frankreich statt­fanden, und daß ja auch Herr Laval keinen Zweifel daran ließ, daß Frankreich seine Völkerbundspflichten erfüllen werde, was bedeutet, daß es England im Falle eines unberechtigten italienischen Angriffes boiftehen wird. In diesen Vereinbarungen liegt der Schlüssel zum Verständnis dafür, daß französische Seeleute jetzt die Luft an der marokkanischen Küste besser vertragen als die Luft der Kanalküste.

Da wir keinen Anteil an der Sank- Rur im tionspolitik und den VölkerbunÄsmaß- Rahmen nahmen haben, so können wir mit Ruhe

des die Meldungen über Kreuzfahrten der

Artikels 16? englischen und der französischen Kriegs­schiffe lesen. Etwas anders liegen die Dinge, wenn von einem französisch -englischen M >i l i t ärab k o m m e n berichtet wird, das sich nicht nur auf den Beistand bezieht, den der Artikel 16 der V ö l k e r b u n d s s a tz u n g für die Völkerbu n dsmi t- glieder gegen ein Mitglied vorsieht, das seine Ver­pflichtungen verletzt hat. Hier haben wir Anlaß, die Dinge mit größerer Aufmerksamkeit zu betrachten. Frei­lich nehmen wir ohne weiteres an, daß man sich sowohl in Paris als auch in London doch wohl darüber im klaren ist, daß der Locarno-Vertrag naturgemäß Sonderabmachungen zwischen einem der Garanten dieses Vertrages, nämlich England und einem Lande, dessen Grenze garantiert wird, nämlich Frankreich, un­möglich macht. Wenn also auch die Generalstäbe Eng­lands und Frankreichs miteinander verhandelten, so wird man sicherlich diesen Gesichtspunkt doch nicht über­sehen haben, Wenngleich auch einige.französische Presse­mitteilungen das Gegenteil besagten. Wir möchten also ohne weiteres annehmen, daß die Nachrichten zutreffen, nach denen sich die ffranzösisch-englischen V er-

Gens nni) te fehnuer Eiinöenreiiiiter.

Uruguay lehnt die Einmischung des Völkerbundes ab. Wachsende Erkenntnis.

Täuschungskunst oder Unverschämtheit?

as. Berlin, 11. Jan. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Wenn nicht alles täuscht, so wird man es in Moskau bereits bereut haben, daß man die Aus­weisung des Sowjetgesandten aus Uruguay vor den Völkerbund gebracht hat. Ob sich der Rat tatsächlich mit dieser Angelegenheit befassen wird, ist freilich noch keineswegs sicher, zumal Uruguay jetzt in einer Note an das Genfer Generalsekretariat dagegen protestiert hat, daß die Ausweisung des Sowjetge- samdten auf die Tagesordnung des Rates gesetzt würde. Ausdrücklich wird in dieser Note erklärt, daß der Völker­bund für diese Angelegenheit unzuständig fei unb daß Uruguay alle Beschlüsse des Völkerbundes ablehnen werde, die eine Gefährdung der Sicherheit des eigenen Landes mit sich bringen könnten. Nicht einmal die Genfer Institution wird ja von einem Lande ver­langen können, einenGesandten" behalten zu müssen, dessen Haupttätigkeit in der Anzettelung und Finan­zierung blutiger kommunistischer Unruhen bestand. Der Moskauer Schwindel aber, daß die offizielle Sowjetdiplomatie und die Moskauer Regierung nichts mit den Weltrevolutionären der kommunistischen Inter­nationale zu tun hätten, dieser Schwindel wird immer mehr durchschaut. Das Blatt des Papstes, derOsser- vatore Romano" sprach in diesem Zusammenhang kür- lich von derkindischen" Spielerei und erklärte u. a.: Die Unterscheidung zwischen der russischen Regierungs-

poutik und der Dritten Internationale ist allmählich zu einer <zarce geworden, weil auch die Allernaivsten einiehen mußten, daß in einem so streng totalitären Staate wie der Sowjetunion keine Politik getrieben werden kann, die nicht mit der Politik ber Komintern ubereinstimmt, die das grundlegende Organ der ge- samten Sowjetrevolution ist." Nicht minder deutlich spricht die-Limes, das führende englische Organ, über die Behauptung der Räteregierung, sie habe mit der kommunistischen Internationale nichts zu tun und nennt diese Behauptungein Musterstück der Vor- tauichungskunst oder aber ber Unverschämtheit." Wie >lhon einige französische Blätter, so macht auch die Times" auf die zwiespältige Sowjetpolitik aufmerksam, die im Völkerbund angeblich die Sache des «friedens verteidige, aber unterirdisch wühle, um die Regierungen anderer Staaten zu beseitigen. Die Zahl solcher Pressestimmen ließe sich mühelos vermehren, sie zeigen, daß in der Welt die Erkenntnis über die Ee- fährlichkeit der Moskauer Umtriebe erfreu­lich wächst, was auch durch die gemeinsame Front Südamerikas gegen Moskau erhärtet wird. Mit einer solchen Wirkung ihres Schrittes hat die Sowjetpolitik kaum gerechnet. Das nationalsozialistische Deutschland ist sich über die Moskauer Ziele nie im unklaren gewesen. Wir haben also nichts hinzuzu­lernen brauchen, im Gegensatz zu den anderen, die öffen­bar zu erwachen beginnen.

Wirön meldet erfolgreiche MO an der Wollt.

der Eingeborenen-Truppen verwundet worden. Ferner wird erklärt, daß entgegen anders lautenden Meldungen in den beiden Monaten November und Dezember nur drei Dampfer mit Krankentransporten in Italien eingetroffen feien. Mit diesen drei Transporten wurden insgesamt 1252 Kranke, darunter ein einziger Verwundeter, aus Heer, Miliz und Arbeiterschaft in die Heimat zurückgebracht. Auf Heer, Marine und Luftflotte entfallen davon 348, auf die Miliz­verbände 302, auf die Arbeiter 601 Kranke.

Wie schließlich noch mitgeteilt wird, haben sich unter den 11338 im abgelaufenen Lahre heimbeförderten Arbeitern nur insgesamt 1269 Kranke aus Eritrea und 76 aus Somali­land befunden.

Keine englische Rückfrage in Washington.

London, 10. San. In London wird amtlich bestritten, daß die britische Regierung in Washington Schritte unter­nommen habe, um eine genaue Auslegung der Neutralitätserklärung des Präsidenten Roosevelt zu erhalten.

Eine solche Rückfrage sei weder erfolgt noch geplant. Das Dementi bezieht sich auf Berichte, wonach sowohl die britische als auch die französische Regierung Wert auf die Erläuterung mehrerer Punkte der Erklärung des amerika­nischen Präsidenten legten, bevor sich die Außenminister der beiden Länder am 20. Januar nach Genf begeben.

Nach englischen Mitteilungen ist es noch immer zweifel­haft, ob bei dieser Genfer Tagung eine Ausdehnung der Sühnemaßnahmen auf das Öl erörtert werden fall oder nicht.

Meiges ÄMMeii Supons aus por Mn-jivOrenz?

Angeblich sechs Tanks, neun Maschinengewehre und eine Radiostation erbeutet.

Addis Abeba, 10. Jan. Wie hier bekannt gegeben wurde, Ist an der Südfront während der letzten Woche lebhaft ge­kämpft worden. Die abessinischen Truppen, und zwar die Abteilungen des Dedjasmatsch Bayene Marert sollen dabei äußerst erfolgreich gewesen fein. Nach abessi­nischen Schilderungen gelang es diesen Truppen, starke italienische Abteilungen zu überraschen. Nach einem blutigen Gefecht gaben die Italiener den Kampf auf und zogen sich zurück. Dabei ließen sie, wie es in der abessinischen Meldung heißt, einen hohen Offizier der Hei­matarmee und einige Hundert Somali-Askari tot auf dem Kampfplatz zurück. Die abessinischen Truppen sollen ferner sechs Tanks, neun Maschinengewehre und eine Radio st ation erbeutet haben. Die Abessinier bezeichnen ihre eigenen Verluste als unbedeutend.

Der römische Heeresbericht.

Rom, 10. Jan. Der als amtliche Mitteilung Nr. 93 ver­öffentlichte italienische Heeresbericht vom Freitag lautet:

Die Luftwaffe hat auf der ganzen Front Erkundungs­flüge durchgeführt und dabei feindliche Verbände zerstreut, die von neuem am Amba Maradam zusammengezogen wor­den waren."

Was Italien dementiert.

Rom, 10. Jan. Von amtlicher italienischer Seite wird folgende Mitteilung über das Luftbombardement von Dagabur ausgegeben:

Eine von der abessinischen Regierung ausgegebene und von der internationalen Presse veröffentlichte Verlaut­barung hat behauptet, daß italienische Flugzeuge am Morgen des 4. Januar eine bei Dagabur eingerichtete Ambulanz bombardiert hätten, zu der zwei Ägyp­ter gehörten. Das italienische Kommando im Somaliland erklärt, daß diese Nachrichten und die Einzelheiten dazu ganz und gar falsch sind. Im Gegensatz zu der Be­hauptung der abessinischen Verlautbarung haben die italie­nischen Flugzeuge während der Aktion über Dagabur in der Nähe des Feldlazaretts streng auf den Abwurf verzichtet, ob­wohl viele abesünifche Bewaffnete unter Verletzung der internationalen Regeln zusammenliefen, um in dein Lazarett Zuflucht zu suchen.

Von amtlicher italienischer Seite werden die Nachrichten über italienische Truppenzusammenziehungen an der franzö­sischen Grenze dementiert.

Desgleichen wird die Richtigkeit der Meldungen, wonach Marschall Badoglio weitere fünf Divisionen angefordert haben soll.

Die Zahl der Verwundeten und Kranken.

Rom, 10. Jan. Die vor einigen Tagen bekanntgegebene italienische Verlustliste wird nunmehr durch amtliche An­gaben über die Zahl der Verwundeten und der heimbeför­derten Kranken ergänzt.

Danach sind seit Beginn des italienischen Feldzuges in Lstafrika 58 Soldaten der Heimatarmee und 519 Angehörige

Mahnungen Reuters.

London, 10. Jan. Außenminister Eden gab am Frei­tag im Carlton-Hotel zu Ehren des amerikanischen Unter - staatssekretärs Philips ein Esten, an dem u. a. der amerikanische Botschafter Bingham, der Führer der amerikanischen Flottenabordnung Norman Davis und der Erste Lord der Admiralität Lord Monsell teilnahmen. Philips gehört bekanntlich der amerikanischen Flottenabord­nung an.

Das Ausscheiden Japans aus der Flottenkonfe­renz wird schon heute in London als sicher angesehen. Nach Reuter werde dieser Schritt höchstwahrscheinlich schon in den allernächsten Tagen vollzogen werden.

Ein späterer Reuterbericht stellt eine Mahnung an Japan dar, vor seinem Austritt aus der Konferenz eine Reihe von Fragen sorgfältig zu überlegen. Reuter deutet hierbei drei Möglichkeiten an, die das Ausscheiden Japans im Gefolge haben werde:

1. Eine Neuausrichtung der britischen Politik im Fernen Osten.

2. Ein engerer Zusammenschluß zwischen England und A m e r i k a in fernöstlichen Fragen.

3. Die Streichung der Bestimmung der Nichtbefestigung aus dem Washingtoner Vertrage.

Obwohl, so sagt Reuter weiter, weder von der britischen noch von der japanischen Abordnung eine Bestätigung oder eine Leugnung zu haben sei, erhalte sich in Konferenzkreisen hartnäckig das Gerücht, daß Außmminifter Eden bei seinen gestrigen Besprechungen mit den Japanern diese poli­tische Frage aufgeworfen habe. Es wird hinzugefügt, daß ein Fallenlasten der Bestimmung des Washingtoner Ver­trages, die die Anlage neuer Befestigungen im Stillen Ozean verbietet, bedeutsame Rückwirkungen auf die Flottenpolitik sowohl Englands als auch Amerikas haben werde. England würde dadurch instand gesetzt, Hongkong zu befestigen, wäh­rend Amerika einen Flottenstützpunkt auf den Philippinen errichte» könne,