Wiesbadener
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„Tagblatt-Haus" Nr. 6650-53.
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St» i*» fRfa für Totale Änieiaen im „Ärbeitsmarlt" und „Eleiner ÄinKeiger
Sonntag, 26. Juli 1914.
„ Für die Ausnahme von Anzeige» an vorgelchriebenea
Redaktion des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf. Güntzelstr. 66. Fernspr.t Amt Uhl-nd 45° «. 4o1. Tagen n.:d P-ähe.. w .rd .eine Gewahr übernommen.
Nr. 343. - 62. Jahrgang.
Morgen »klusgabe.
Oer Tag der Entscheidung.
Serbien nimmt die österreichischen Forderungen an?
Eine Kundgebung des serbischen Regierungsorgans.
wb. Belgrad. 25. Juli. Das Regierungsorgan „Samou- arava" schreibt an leitender Stelle: Serbien wünscht ausrichtige und korrekte Beziehungen mit der österrerchisch-nn- garischen Monarchie. Die serbische Regierung wird bereitwilligst alles tun. um den Forderungen der österreichrsch-un- garischen Regierung cntgegenkommen. durch welche verbrecherischen Taten und Erscheinungen der Unordnung in den Nachbarländern cntgegcnzctretcn werden soll. Serbien steht auch heute auf dem Standpunkt und wird in der gegebenen Richtung alles tun, was es kann und mit Ausrichtigkeit sich bestreben. gegenüber der Monarchie allen Pflichten guter Nachbarschaft zu entsprechen.
Der Friede gesichert?
$ Wien. 25. Juki. (Erg. Drahtbericht) Der Belgrader Korrespondent der „Neuen Freien Presse" telegraphiert, daß nach seinen Ermittelungen der Friede als gesichert gelten kann. Die serbische Regierung wird noch vor Ablauf der Frist die österreichische Note teile quelle (wie sie ist) annehmcn. Sie erklärt, daß sie dies unter Protest und einem Zwang gehorchend tue. Sie wolle weder allein dem Gegner gegen- überüchen, noch die Gefahr eines Weltkrieges hcraufbe- lchwörcn. ~
alle Bedingungen Oesterreichs angenommen?
l Wien,2-s. Juli. Der serbische Gesandte teilte dem 'Vertreter eines Telegraphenbnrea»s »m HXir mit, daß er soeben von dem in
rreiorad »och tagenden Ministerrat ein Telegramm erhalten habe, wonach Serbien alle Forderungen Oesterreich-Ungarns annehmen wird. Der Ministerrat tagt zur Stunde noch.
*
Eine ganz widersprechende Meldung.
Die Antwort doch ungenügend? — Österreich im Kriegszustand?
wb. Frankfurt, 25. Juli. Die „Frankfurter Zeitung" meldet ans Wien: Die Note ist ungenügend beantwortet. Österreich beginnt zu mobilisieren und betrachtet sich als im Kriegszustand befindlich.
Vor der Entscheidung.
Sicherstellung des serbischen Metallschatzes. — König Peter in Belgrad.
** Budapest. 25. Juli. Nach offiziösen Belgrader Meldungen wird die serbische Antwort heute nachmittag 3 Uhr übergeben werden. Heute früh 4 Uhr wurden von einer Patrouille des Belgrader Hausregiments auf vier Wagen der sie gelte Kisten der Belgrader Nationalbank aus der Stadt entfernt. Wie es heißt, soll der Metallschatz in das Innere des Landes gebracht werden. König Peter ist heute früh in Belgrad eingetroffen.
Urlanbsnntcrbrcchung des serbischen Generalstabschefs.
** Wien. 25. Juli. Das Grazer „Volisblatt" meldet: Ter serbische Generalstabsckef P u t n i a k, der sich bisher zur Kur in Bleichend erg in Steiermark aufhielt. wurde gestern telegraphisch nach Serbien zurückberufen. Er verpaßte den Zug und fuhr nach Graz. In Graz wurde er heute vormittag am Bahnhof zur A u s w e i s l e i st u n g am gehalten und konnte sodann seine Rerse nach Belgrad fort setzen.
Abreise der Pariser Serben in die Heimat.
** Paris. 25. Juli. Sämtliche serbische Studenten und überhaupt alle in Paris wohnenden militärpflrchtrgen Serben haben, ohne die Aufforderung ihrer Regierung abzuwarten, Paris verlassen, um sich in Belgrad dem Kriegsnnnrster zur Verfügung zu stellen.
Die Stimmung in der serbischen Öffentlichkeit gegen die Annahme des Ultimatums.
** Belgrad, 25. Juli. -Die Ministerialsitzungen finden unter dem Vorsitz des Thronfolgers statt Dre Antwortnote ergeht bis heute abend 6 Uhr. Sowoh der Kronprinz als auch der Ministerpräsident Paschitsch beriefen dre Chefs der drei Oppositionsparteien und machten sie mit dem Inhalt der Note bekannt, wobei die Chefs einstimmig für Nichtannahme- der exorbitanten^ und unannehmbaren Forderungen rieten. Die ge) amte Öffentlich- keit ist gegen die Annahme, die die Aufgabe der Unab- hängigkeitSerbiens bedeuten wurde. Dre gerichtliche Untersuchung gegen die vermutlichen Mitwisser und Teilnehmer am Attentat wird zugestanden, ochchon das vorliegende Belastungsmaterial nur aus Grund emer streng geheim gehaltenen möglicherweise m ant-jerbifchem Sinne geführten Untersuchung festgestellt wurde und nicht auf Grund der Ergebnisse einer öffentlichen Gerichtsverhandlung.
Der Präsident der Narvdna Obrana als Kommandeur ocr Donaudivision. .
* Belgrad. 25. Juli. In Serbien werden große Kriegs- Vorbereitungen getroffen. Den Militärpflichtigen ist cs verboten, das Land zu verlassen. An der bosnischen Grenze werden die Festungen in Verteidigungszustand gebracht. Die Donaudivision ist konzentriert. Zum Kommandeur wurde der General Jankovre ernannt, der B r ä s i d e n t der N a r o d n a O b r a n a. deren Auflösung in der österreichischen Rote verlangt wird. Seine Ernennung erregt das größte Aussehen.
Abdankung des Königs Peter?
Wien. 25. Juli. Nach bisher noch nicht bestätigten Belgrader Meldungen soll König Peter von Serbien heute abgcdankt haben.
Aus Oesterreich.
Die Kblehnung der russischen Intervention.
wb. Wien, 25. Juli- Die Abendblätter melden: Die
russische Negierung hat dem österreichischen Botschafter rn Petersburg Grafen Spazary und durch ihren Vertreter m
Wien der österreichisch-ungarischen Rcgrerung das Ersuchen
unterbreitet, die in der Rote an Serbien gestellte Frist um einige Tage zu verlängern. Die österreichisch-ungarische Regierung hat die Erfüllung dieses Ansuchens w höflicher, aber bestimmter Form abgclchnt. Die österreichisch-ungarische Rc- aicrunq steht aus dem Standpunkt, daß die Auseinandersetzung
und Serbien betreffe. Die Monarchie war von allem Anbeginn entschlossen, diesen Standpunkt unter allen Amstandcu aufrecht zu erhalten und jeden Versuch einer Intervention zurückzuweisen.
Die militärischen Vorbereitungen Österreichs.
* Wien 25 Juli. Österreich-Ungarn trisst bereits alle B-rb-rcitun'gen militärischer Natur, die sich in der breiten Öffentlichkeit abzurollen beginnen. Reservisten stellen sich bei ihren Regimentern. Truppentransporte werden verladen und die D o n a u b r ü ck e n werden militärische Bewachung erhalten. um sie vor Anschlägen zu schützen. Das 29. Jnfantcrie- Regiment hat heute morgen %4 Uhr Wien m,t der mung nach Süd-sten verlassen. Der Telephon- und Tele- graphcnverkehr unterliegt der strengsten Zensur. Nachrichten über militärische Vorbereitungen dürfen von den K-rrespon
dentcn nicht mehr verbreitet werden, da ein Aufsichtsbcamtel sich in alle Gespräche einschaltct und sofort unterbricht, sobald irgend etwas milgeteilt wird, das mit kriegerischen Vorbereitungen zusammcnhängt. Tie serbische Gesandtschaft hat bereits ihre Archive gepackt und versiegelt und hält sich zur Abfahrt bereit. , .....
* Prag, 25. Juli. Die Militäribehörde ordnete die Uber» wajchung -der strategisch wichtigen Punkte durch Gendarmen und Truppen an. Falls es zum Kriege kommt, sollen als erste morgen Sonntag die beiden böhmischen Korps. 8. und 9., auszishen.
Weitere patriotische Kundgebungen in Österreich.
** Innsbruck, 25. Juli. Beim militärischen Zapfenstreich spielte gestern abend die Regimentsmusik beim Marsch durch die Straßen alte österreichische Kriegs- und Soldatenmärsche. Mehrmals kam es dabei zu stürmischen Ovationen.
Die österreichische Zensur.
Berlin, 25. Juli. Die telephonischen Verbindungen der österreichischen und ungarischen Städte mit dem Auslande sind gesperrt. Da alle ins Ausland gehenden Meldungen einer strengen Zensur unterworfen werden, kann der Verkehr nicht mehr telephonisch, sondern nur noch telegraphisch vollzogen werden. Gespräche der_ Abonnenten noch Wien und Budapest mutzten unterbleiben. Auf die Börsen in Berlin. Wien und Budapest hat drese Maßregel sehr störend gewirkt.
Die Überreichung der österreichischen Note in Paris.
* Paris, 25. Juli. Der österreichische Botschafter ülber-s reichte gestern die Note seiner Negierung an Serbien tm Auswärtigen Amte. Der stellvertretende Außenminister Bienvenu Martin -spr-ach hierbei sein -Bedauern über die Wendung aus. die die Spannung zwischen Österreich ustd Serbien genommen haSe. Er hofft aber auch jetzt noch, daß es gelingen wird, einen bewaffneten Konflikt zu vermerken.
Befriedigung über die Haltung Deutschlands.
wb. Wien, 25. Juli. Die hiesigen Blätter verzeichnen mit großer Befriedigung die Stimmen aus dem Deutschen R e i ch. in denen die Bundestreue Deutschlands in würdiger Weise zum Ausdruck käme. Die „Reichspost" schreibt: Mit Dankbarkeit begrüßen wir die Einmütigkeit, mit welcher die Presse Deutschlands in diesen ernsten Stunden, wo es auf mehr ankommt. als darauf, ob Österreich-Ungarn sich wird mit Serbien auseinandersetzen müssen.^ die Treue des Bundesgenossen ausdrückt. Es spricht daraus mehr, als das Pflichtgefühl des durch Verträge Verbündeten, es sprechen daraus herzliche brüderliche Gefühle, welche in Zeiten der Gefahr doppelt erfreuen.
Die Meinung der Berliner amtlichen Stesien
Warum Herr v. Echoen beim französischen Auswärtigen Amt vorfprach.
8. Berlin, 25. Juli. (Eig. Drahtbericht) An Berliner amtlichen Stellen glaubt man noch nicht daran, daß cS zwischen Österreich-Ungarn und Serbien zu kriegerischen Verwicklungen kommen wird. Auch die deutsche Regierung hat natürlich den d r i n g e n d c n W u n s ch, den AuSbruch eines Kriegs zu verhindern, und lediglich aus diesem Grund hat auch der deutsche Botschafter in Paris Freiherr v. Echoen den Auftrag erhalten, der französischen Regierung davon Kenntnis zu geben, daß Deutschland die österreichischen Maßnahmen billigt, und daraus seine Konsequenzen ziehen wird.
Zur gemeinen deutschfeindlichen Hetze des „Echo de Paris .
wb. Paris, 25. Juli. Wir sind in der Lage, festzustellen, daß die mündliche Mitteilung, welche der deutsche Botschafter Freiherr v. Echoen -dem interimistischen Minister des Äußern Bienvenu-Martin gemacht hat. keineswegs jene
Vas unbarmherzige Glück.
Bon Ludwig Wolfs.
---hu Fawley zog sich nach dem Tode seines -inma-"' Sohnes, der jäh und überraschend an emer Blutvergiftung gestorben war. die der Stich einer kleinen unscheinbaren Fliege verursacht hatte, von allen Geschäften zuruck. Er löst- so plötzlich seine Engagements, daß einen Tag lang die Märkte von New York und Chicago in Verwirrung ge- cieten Während man noch in Wallstreet bemüht war. hinter den -^rick dieser geheimnisvollen und überstürzten Auslösung SU kmnmen. war John Fawlcv bereits auf dem Wege nach Europa Er hielt sich wenige Tag- tn Paris auf und fuhr dann, da es Sommer war. in die Schweiz. Von der Schweiz kau, ev nach Tirol, immer einsam und nachdenklich, und m Trient kaufte er einem deroutierten Nobile sein altes Stammschloß ab. das still und klosterähnlich tn dem weltentlegenen Val di Cembra lag. Während der Dauer der Adoptlerungs- urbeiten, die auf das Hastigste betrieben wurden und doppelt s° viel kosteten, wie das Schloß selbst, weilte sawley an dem Gardasee. Ende Oktober bezog er. nur von wenigen dienern begleitet, sein neues Heim, in dem er, wenn es ihm gefiel, den Winter verbringen wollte. ... . .
John Fawley war ein kräftiger Rann von fünfzig fahren, ein nüchterner, unsentimentaler Mensch, der sich m diesen verschollenen Weltwinkel verkrochen hatte, um voll
kommene Ruhe zu genießen. Wahrend üieses stillen Win.ers zog er die Bilanz seines Lebens. Er saß gewöhnlich in dem großen Erkerzimmer, von dem man das Weißhorn, den Late- mar und die Gipfel der Palagruppe sehen konnte, und rechnete nit dem Schicksal ab. Das Gluck hatte ihn bei allen seinen Unternehmungen begleitet. Es war nicht einen Augenblick von seiner Seite gewichen. Er hatte m dreißig -fahren mühelos ein so gewaltiges Vermögen erworben daß er nicht mal die Hälfte der Zinsen verbrauchen konnte. Aber John Fawley mußte dos Glück. das «icht müde wurde, ihn »nt Gold zu überschütten, teuer bezahlen. Er mußte auf alle- verzichten, was den anderen Menjchen. ine km n Gluck m ihren Geschäften hatten, das Leben freundlich und liebenswert machte. Jeder, dem Fawleys Herz sich zuwcndete. ging unentrinnbar dem Untergang entgegen. Sein Kompagnon, -"mck Burridae, erschoß sich, als er ein Telegramm v,-awley-> erbielt dess-'N verstümmelter Inhalt ihm den geschäftlichen Ruin bedeutete, sein bester Freund Reginald Drayton. den er an einer außerordentlich gewinnbringenden Spekulation beteiligte. kam ins Irrenhaus, weil er Furcht vor der Armut hatte, seine junge Frau starb, als sie einem Sohne das Leben schenkte. . Und aus diesen Sohn wartete eine kleine unscheinbare Fliege, die ihn zu Tode stach.
Wenn John Fawley seme Rechnung machte, konnte er als .edlicher Kaufmann sagen, daß er seinem Glück nichts schuldig leblieben war. Sie waren quitt Miteinander. Und da er US ton allen Geschäften zurückgezogen hatte, durfte das Gluck keine neuen Forderungen an ihn stellen. Durch diese klare
Bilanz verschaffte Fawley seinem gequälten Herzen Ruhe und Frieden. Jetzt konnte ihm das ungewöhnliche Gluck, dem er bis in das schweigende Val di Cembra davongelaufen war,
nichts mehr anhaben. r . „ , .
John Fawley gewann in diesem Winter seinen -ebens- mut wieder. Und als im Frühling der Kuckuck lockte, wurde Fawley der Einsamkeit müde und beschloß, seine Burg für eine Weile zu verlassen und in die Berge zu laufen, wie einst einmal als junger Bursche, da er die Alpen durchwandert hatte, mit wenig Geld und ohne Gluck. Er nahm Stock und Rucksack und machte sich heiteren Herzens «ns den Wea^ Er zog als einfacher Tourist über leichte Passe durch die Dolomiten und entdeckte die Wunder der Welt auf Neue.
Eines Abends,.es >oar Ende Jum. saß John Fawley allem vor der Drei-Zinicknhütte und sah beglückt auf die purpurnen Bcrasvitzen die im Glanze der untergehenden Sonne zu glühen begannen. Da trat cm junger Mensch aus der Hütte, arüsite freundlich und setzte sich neben Fawley auf die Bank, ^awlev erwiderte den Gruß und betrachtete staunend das kübn- braune Gesicht seines Nachbarn. Er hatte niemals aus einem menschlichen Antlitz eine größere Seligkeit er-
Beim Abendessen in der Hütte. — sie waren die einzigen — iamert sie miteinander ins Gespräch. Der junge Mann stellte sich als Dr. Franz Hörhager aus München vor. Er war Arzt und hatte soeben promoviert. Als Belohnung hatte er sich einen kurzen Ausflug in die Dolomiten vergönnt, die er leidenschaftlich liebte.
