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Mttrags: für die Morgen-Ausg v<s s llyr nscrimuiasi--. --- --——. ...
SIS Jw Safe
Donnerstag. 23. Juli 1914.
Morgen' Ausgabe.
Nr. 337. . 62. Jahrgang.
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Schweizer Brief.
(Von unserem Schweizer Mitarbeiter.)
8t. W. Bern, Juli 1914.
Das Jahr 1914 ist für das Schwetzerland das Jahr des Festes. In B e rn die Landesausstellung, die sine große Menge nationaler Feste, wie Turner-, Schwing-, Gesang-, Sport-, Schützen- und andere Feste, mit sich bringt und in G e n f die patriotische ^ahrhundertseier, die diesen Monat stattfand und einen glänzenden Verlauf nahm.
Daneben gehen auch die politischen Geschäfte ihren Weg. Im Vordergrund steht die seit Jahren überall eifrig besprochene Fremdenfrage. Am 2. Juli d. I. hat der Schweiz. Bundesrat einen Bericht des eidgenössischen politischen Departements entgegen genommen, der Maßnahmen, die gegen die Übersrem düng der Schweiz getroffen werden könnten, in Vor schlag bringt. Der Bundesrat wird diese Vorlage so fort 'durcharbeiten und es steht zu erwarten, daß bald eine gesetzliche Regelung der Fremdenfrage, die natur llch noch vorher einer Abänderung des betreffenden Ab schnittes in der Schweizerischen Bundesverfassung be darf eintreten wird. Einige Zahlen aus einer vom eid genössischen politischen Departement angefertrgten Statistik zeigen, warum sich die Schweiz genötigt sieht, die Fremdenfrage durch eine Zwangseinbürgerung zu regeln: Die Zahl der Ausländer betragt rn der Schweiz 147 Promille, in Frankreich 27, in Österreich 21 und in Deutschland, nach der Zählung von 1905, nur 17 Promille. Die Gesamtbevölkerung der Schwerz beträgt nach der Volkszählung von 1910: 3 753 293
Menschen: darunter 552 011 Ausländer (14,7 Prozent). An der Spitze der Ausländer stehen 219 530 Deutsche i >39 8 Prozent der Ausländer). Dann folgen 202 809 Italiener, 63 708 Franzosen und 39 006 Ssterrcicher. Die größte Überfremdung ist in Grenzbezirken zu bemerken In Lugano sind 50,5 und in Genf 40.4 Proz. der Bevölkerung Ausländer. Ein Rechenkünstler hat ausgerchnet, wenn die Verhältnisse so bleiben, wird in 77 Jahren die Hälfte der Bevölkerung der Schwerz aus Ausländern bestehen.
Eine für die auf die Fremdenindustrie mehr oder weniger angewiesenen schweizerischen Landesteile schwerwiegende Frage hat diesen Monat ebenfalls ihre Lösung erhälten. Die Spielsaal-Jnitiative hat m:t 102 026 Unterschriften ihren langersehnten Sieg errungen Die Bundeskanzler hat nun offrzrell drc Errrch- lung von Spielbanken untersagt. Drc jetzt bestehenden Spielbankbetriebe sind binnen fünf Jahren nach Annahme dieser Bestimmung zu schließen^ m Hotelrer- kreisen und auch bei den meisten, Geswaftsleutcn und ®ett)GrbetTclbeTtbcTt bet ^rornbeTtpIäfec titft >bci3 Orciul tat große Erbitterung hervor.
Am 17/18. Juni d. I. wurde von den Erdg. Räten bas Gesetz, betreffend die Arbeit in den Fabrr- k e n, angenommen. Zn diesem Gesetz hat nun auch dos tzundeskomitee des Schweizerischen Arbeiterbundes endgültig Stellring genommen und hat, trotzdem die Strm wung dem Gesetze gegenüber sehr kühl ist, folgende Re
solution beschlossen: Das Gesetz ist das Ergebnis e ^or Revisionsarbeit von zehn Jahren. Der Entwurf der Fabrikinspektoren, die Begutachtung durch erne toyat- zusammengesetzte Experteukommissou und dre Vorrage des Bundesrates von 1910 erweckte rn der Arberter- schaft große Hoffnungen. Diese wurden durch ,dre natro- nalrütüche Kommission bedeutend herabgedruckt. Das vorliegende Gesetz ist ein Kompromiß. her wemg- stens für eine größere Zahl der am schlechtesten gestellten Arbeiter Verbesserungen bringt. Wenn nicht mehr erlangt worden ist, so hat dies seinen, Grund rn der Rückstandiqkeit vieler anderer Staaten rn der Arderter- schutzgesetzgeoung und der wirtschaftlichen und Politischen Machtstellung der Unternehmer. Unter diesen Umstanden (es folgen noch einige Auseinandersetzungen) ser das Gesetz von der Arbeiterschaft als ein bescheidener, mübtam errungener Fortschritt anzunehmen..
Es ist sa eine Tatsache, daß die Sozraldemo traten in der Schweiz eine starke Macht sind. Nrcht nur in Arbeiterkreisen hat die schwerzerrsche Sozial demokratie eine große Anhängerschaft, sondern auch in Men anderen Stäuben. tn Le h t e^r -
f t c t f e n finb titele @031 ctlbetttofteitert zu tressen. ^u Mrick, Bern, 8a Ehau^be-FondA und an anberen fl^tnetzertlÄen §)rten baden ftd) foztalbem0!ratt >che Lehrerverernlaungen gebildet, dre sich nun, in Bern zu einem schtneizer'schen Bund sozialdemokratischer ^.eh-er rusammengcschlossen haben. Der Bund wird eine eigene Zeitung herausgeben. (Wir kennen, sogar m derschwerz sozialdemokratische Pfarrer. Schriftl.)
)n La E h a u x - d e - F 0 n d s hat die sozraldemo krat'sche Mehrheit im Generalrat zu einer W i l t- k ii r I) c r r s ch a f t geführt, die ohne Beispiel ist. Auf Grund des Verhältniswahlverfahrens haben die Sozialisten im Frühjahr 1912 von 40 Generalmts-Mandaten 21 erhalten und die schwache Mehrheit entfaltet nun eine Macht, als ob sie alle 40 Sitze „innehätte. Dre üer- ben ihnen ^euenüdersteheuben durgerltcyen ,^^teten sind einfach machtlos gemacht worden und " ihre Beschwerden über die Ntißachtnng der Mruderhertsrechte werden mit der Antwort eines sozialistischen Natronal- rats^ Als ihr früher die Mehrheit hattet, habt ihr nach eurem' Gutdünken gehandelt: heute besitzen wir dre
Mehrheit, und wir machen, w>as uns beliebt . abgetean. Da« Rsinltat dieser sozialistischen Willkurherrschaft rst, daß zwischen Volksvertretung und Gemeindeverwaltung jedes' Gefühl gemeinsamer Arbeit und Zusammengehörigkeit verloren geht. . ^ >
' Der offizielle Besuch des Königs der,B e I gr er in Bern der sich nach dem Wunsche des Königs in aller Einfachheit und Schlichtheit vollzogen hat «ab Gelegenheit, die guten Beziehungen der beiden Staaten neuerdings zu betonen und aufzufrrichen. Der Besuch ließ in Bern die besten Eindrücke zurück.
Die V e r h ä I t n i s w a h l f r a g e, die im Junr den Nationalrat eine halbe Woche rn Sltem hielt und Mit 106 Stimmen Ablehnung und 62 Stimmen für empfehlende Weiterleitung der Initiative zugunsten der Wahlreform an das Volk endigte kam diesen Monat nun auch noch vor den Ständerat. ^re ftanderatliche Kommission für das Jnitiativbegehren zur Einführung
des Nationalratproporzes hat mrt fünf gegen vrer Stimmen beschlossen, dem Rate in Zustimmung, zum Beschlüsse des Nationalrates Ablehnung des ^nmativ- bcgehrens zu beantragen. „ ,
Die berühmte Kammerrede des französischen F i n a n z m i n i st e r s Elemente! vom 10. ^utr dieses Jahres bezüglich der ausländischen Banken und der Einkommensteuer, die u. a. den Satz enthalt: „Besonders die schweizerischen Banken geben sich zu einer derartigen Untergrabung des französischen Kapitals her", wird in der Schweizer Presse meist,ohne wden Kommentar wiedergegeben. —• Mehr wird jenes Telegramm aus Athen, wonach die griechische und die türkische Regierung sich dahrn geernrgt„haben sollen, die Schweiz um Ernennung eines höheren Verwaltunqsbeamten als O b e r s ch i e d s r i ch t e r der dem gemischten Ausschuß zu ersuchen, welcher dre Abschätzung der Besitztümer der aus Mazedonien und Kleinasien ausgewanderten Griechen und Türken vornehmen soll, besprochen. Es wird dem Schweizerischen Bundesrat von einem Teil der Presse dringend vorgeschlagen, die Sache reiflich zu überlegen, unter dem Hinweis auf die bittere marokkanische Er- fahrüug —• Wre. bekannt wurde, hat brr Bundesrar durch die Gesandtschaft in Berlin der deutschen Regierung eine Note überreichen lassen. Werl durch Art 11 des deutschen Gesetzes über dre W e h r b e rtrag s steu er schweizerische Aktien- und Kommandrt- aesellschaften aus Aktien, die auf deutschem Boden Filialen haben, stärker zur Wehrsteuer heEtwzogen werden als die entsprechenden deutschen Gesellschaften. Nach schweizerischer Auffassung sei diese ungleichartige Behandlung unvereinbar mit dem im schwerzerrsch- deutschen Niederlassungsvertrage von 1910 enthaltenen Glerchüehandlungsprrnzip. Eine A n t w o r t der deutschen Regierung auf diese Reklamation rst noch nicht bekannt. .
Am Anfang meines Briefes habe rch von der Uber- fremdunq der Schweiz berichtet und darum will ich zum Schlüsse noch von einer neuen Gesellschaft, dre sich orejes >ahr in der Schweiz zusammengetan hat und erne ihrer Hauptaufgaben in dem Kampf «eaen- diese Überfrerm düng erblickt, berichten. Diese Gesellschaft nennt sich Neue helvetische Gesellschaft Ihr erster Grundsatz lautet: „Die am 1. Februar 1914 rn Bern
versamrnelten Schweizer Bürger, zirka 2o0 an der Zahl, verschieden nach Sprache und Bekenntnis doch beseelt vorr derselben Liebe zum Vaterlands, beschließen rn Anbetracht der Gefahren, welche unser nationales Leben bedrohen, voll Zuversicht rn dre Zukunft des Vaterlandes und im Bewußtsein der den neuen Generationen obliegenden Pflichten, engere Bande unter sich zu knüpfen rrnd die Neue helvetische Gesellschaft zu gründen. Der Wahlspruch lautet: „Pro hdTOtica. dignitate ac securitate" (Für die Würde und Wohlfahrt der Schweiz). Wie aus den Satzungen der Gesellschaft her- vorgeht, will dieselbe keine Partei- oder .mteressen- politik treiben, sondern wird sich ganz ,und gar einer nationalen Politik widmen. Die Sache findet in allen Kreisen national denkender Schweizer großen Anklang. Stefan Wanaart.
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Londoner Leben.
der -^Millionenstadt. - ..Die Blnme aller Städte. - Befncder. — Hnid>oH crl'Cr AN tn-oo^r. kurzgeschorene Deutsche. — Suffragetten und Me ©c£ml3JtKmi bösen — Der Faustkamof HEte Mode.
— 21. Juli.
Das städtische Oberhaupt von London ist der Lordmayor. Das ist jedermann bekannt und ist doch nicht ganz rrchüg. Seiner Lordschaft Befugnisse erstrecken sich nur auf dre alte City Und sie bildet kaum einen Hundertterl des großen London. Sie bat nur 19 090 Einwohner. Und das sind vorwiegend Nachtwächter und Scheuerfrauen. Wohl ist gerade dre City einer der vornehmlichstcn Mittelpunkte des Welthandels und diele Hunderttausende von Menschen verrichten hier tagsüber ihre Geschäfte. Aber kommt der Abend heran, da hasten alle Mieder hinaus. Als eigentliche Einwohner kommen aber doch nur die in Betracht, die hier die Nacht verbringen. Indessen svrechen nun auch die Tagbewohner als Bürger und Steuerzahler in den City-Angelegenheiten wohl mit, so sind diese dock von denen des übrigen London auch wieder streng abgesondert und der Lordmayor, dessen Amt schon aus dem 12. Jahrhundert sich herleitet und der in goldigem Aufputz - Mit Zepterträger und Schwertträger emherschrertend - den äußeren Glanz der britischen Hauptstadt, darstellt hat dort keinerlei Rechte noch Pflichten. Doch dre ubrrgen 71/2 Mrllro- Uen die gewissermaßen als das fünfte Rad am Wagen der so Miirdio vertretenen 19 000 nur so nntlre en und 'hre stadtr- schen Angelegenheiten ordneten, so gut sie als »Vorstadter das konnten, haben ja nun auch längst rhre stadtr,chen Behörden und ihren eigenen - nein, nicht einen, sonderm 28 Bur- llermeister in 28 Distrikten, von denen manche recht ansehn- kiche Großstädte bilden.. Es herrschen wohl noch immer etwas
verworrene Zustände, aber sie sind auch immer mehr auf einen engeren Zusammenschluß bedacht. Sre wollen letzt auch ein eigenes Rathaus haben rnrd einen ergenen — Wahlspruch. Das bereitet aber viel Kopfzerbrechen.
„Gott, führe uns!", ist das Motto der Crty. Ern geziemender Spruch. Aber er gehört eben der Crty und fo darf sich das übrige London nicht daran vergreifen. Dafür war nun ein anderer in Vorschlag gebracht, der den Vorzug auf- wies, von Tacitus zu stammen. Es grbt wohl nrcht vrele nordische Städte, die eine so angesehene Tanfvaterschaft aus- weisen könnten und über die ein so bewährter Beurterler so artig sich ausgelassen: „Die Lieblichkert der Statte feffelt
uns" Hm! Gewiß nicht übel, wenn es auch nrcht mehr recht ersichtlich ist, was an dem alten Londinium so fesselnd gewesen Aber manchem edlen Briten scheint der Aus,pruch doch zu süßlich, wohl auch nicht weltbeherrschend genug. Andere wünschen wieder keine fremde Sprache, wenn cs auch Laternr,ch und der Ausspruch eines noch so geschätzten und noch so alten Geschichtsschreibers ist. Da sind denn auch manche Wahl- sprüche in der Muttersprache vorgebracht worden. Alle recht voll und packend, wenn viele dabei auch nicht mehr empsindcn mögen als Le Gallienne, der begeistert ausrief: „London, dre Liebe meines ganzen Lebens", und dann im Ausland sich niederließ. Manchen scheint die Dunbarsche Verherrlickmng Londons recht zuzusagen, in der es „Die Blume aller Städte genannt wird. Das mag berauschend klingen, aber es rst doch gewiß auch gemeinplätzig. lind gilt denn die Wahrhert in solchen Dingen gar nichts!
Indessen, möchte ich nun London auch durchaus nrcht mit einer Blume vergleichen, so macht es dach in seinen al'ters- geheiligten, stattlichen Bauwerken, seiner unübertroffenen Ausd°hnung, seinem erstaunlichen, trefflich gclerteten Ver- , kehr einen höchst imvosanten Eindruck und zrebt denn aucv
immer mehr Fremde an. lind eben jetzt, wo es mit der eigentlichen Saison zusehends abwärts geht, treffen — allerdings zu spät, um der „Blume" noch in ihrer üppigsten Blute ansichtig werden zu können — unter anderen Besuchern auch die junaen „Pfadfinder" und „Wandervögel" sowie dre Teilnehmer an den studentischen Ferienkursen in dichten Scharen hier ein, zumal auch aus Deutschland. .....
Da hat sich nun ein Mann der Feder gemußrgt eine Anzahl der jungen Besucher nach allen Regeln der Kunst zu „interviewen". Sind auch die empfangenen Eindrücke nicht gerade in jedem Falle zutreffend, so sind sie doch^ immerhin um so frischer. Rach ganz weltmännischer Art beginnen aber alle damit, die Freundlichkeit und Gastlichkeit der Englarll>er zu rühmen. Und sie ioerden auch alle guten Grund Mizu haben. Ein Student klagt dann allerdings, erneu kuhl-n Trank habe er in England noch nicht bekommei. ^,a^> wird er auch so leicht nicht. Eis ist in England jehr selten, wenigstens im Sommer. Ein anderer zollt dem artigen und zuvorkommenden Wesen der Londoner Schutzleute seine Anerkennung und hebt dies dann auch rn bezug aus dre Post- schalterfräulein hervor, „die mchts von der Wichtigmacherei und Umständlichkeit von Beamten an sich haben". .
Unb wie gefallen ihm dre englischen Damen rm allgemeinen^ Auf die Frage antwortet er gelassen: Sie sind recht bübicl- aber ein bißchen zu — mager!
1 Der Unglückselige! Da hat er sich schön etwas eingebrockt.
Schlank" nennt man das hier. Und ist das nicht einer der besonderen Reize der Engländerinnen? Er muß denn auch sofort dafür büßen. Offenbar hat er sich den Kopf ganz kurz söberen lassen, wie das in Deutschland, bei manchen wenigstens, wohl Sitte — oder Unsitte — ist. Er erregte hier großes Aufsehen und eine „Magere" meint nun: „Wenn man solchen Leuten wegen Selbstverstümmelung nicht beikommen kann.
