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Nr. 321. _ Dienstag, 14. Juli 1914. WirsEmd-MeV TsgNlmZ. _Morgen-Ausgabe, 1. Blatt. Seile 3. "

Mannschaften der Lo-ko Motiven und Dock-Tore. Trotzdem be­steht die Gefahr, daß die Schiffahrt durch den Ausstand l-cchm- gelegt wird. \

«uirland.

Der finnische Getreidezoll. Berlin, 11. Juli. Wie wir don zuständiger Seite hören, wird das Gesetz über die Ein­führung eines Zolles auf Getreide und Mehl in Finnland am 17. d. M. in Kraft treten.

Prinz Heinrich der Niederlande in Zarskoje-Sfelo.

Petersburg, 12. Juli. Der Kreuzer „Zeeland" mit dem Prinzen Heinrich der Niederlande an Bord ist gestern auf der Newa eingetroffen. Der Prinz wurde an Bord des Kreuzers von dem Großfürsten Andreas Wladimtro- witsch und vom Ma r in em in ist er begrüßt. In Be­gleitung dieser beiden ging er dann an Land und begab sich mit dem Großfürsten und seiner Schwester Großfürstin Maria Pawlowna nach Zarskoje-Sfelo, wo sie Wohnung nehmen werden.

Va!kcmftaaten.

Ein neuer bulgarisch-rumänischer Grenzzwifchenfall.

A. R. SS u! 'Ci r e ft, 13. Juli. In der letzten Nacht ereignete sich an der Grenze bei dem Dorfe K u g u n d sch u ck ein neuer Zwischenfall, dar durch bulgarische Soldaten hervorgerufen wurde. Drei bulgarische Grenzwächter hatten sich ohne Er­laubnis in dieses Dorf begeben. Sie wurden deshalb von den rumänischen Gvengwächtern aufgesovdert, sich zurückzuziehen. Sie kehrten mit ihren Gewehren bewaffnet zurück, drangen mehr als einen Kilometer auf rumänisches Gebiet vor und schossen auf die rumänischen Soldaten, die schwer verwundet wurden. Da sich in Iden letzten 14 Dagen ähnliche Zwischen­fälle wiederholt haben und bereits fünf Opfer ge­fordert haben, nämlich den Tod eines rumänischen Soldaten urtd eines Landmanns und die Verwundung drüi rumänischer Soldaten, so zeigt sich die rumänische öffentliche Mei­nung a ufg er eg t und verlangt rasch eine wirksame Verhinderung derartiger Vorkommnisse, die mit den normalen Beziehungen zwischen Nachbarstaaten unvereinbar sind.

Türkei

Der Griechenbohkott. Konstautinopel, 13 . Juli. Durch ein Jrade wurde die Kammersession, die aim 13. Juli enden sollte, um zehn Tage verlängert. — Wie die Blätter melden, hat sich der Wali von Smyrna zur Inspizierung nach Magnesia begeben und strengen Befahl erlassen, den anti- griechischen Boykott einzustellen. Nach der Abreise des Walt setzte irtdessen der Boykott wieder sin.

Nordafrika.

Marokkanischer überfall auf ein AntomobU. U d s ch d a, 12. Juli. Ein Automobil, das mit zehn Personen besetzt war, wurde in der Nähe von Taurirt von vierzig Marokkanern an­gegriffen, die vier Insassen töteten und einen verwun­deten. Die übrigen entflohen. Einer der Angreifer wurde erschossen. Truppen sind zur Verfolgung der Räuber ausge- brochen.

Iertungsschau.

Zu der Schicksalsfügung, die Herrn v. Hartwig, diesen gefährlichen Feind Österreichs, zwei Wochen nach der Ermordung seines Thronfolgers abberief, schreibt der „Lokal-Anzeiger":

„Es ist fast, als ob die Allmacht vor Serbien drohend und warnend den Finger hob, als sie den russischen Gesandten von Hartwrg im Belgrader Gesandtschaftspalast der Donau­monarchie durch einen Schlaganfall niederstreckte. Wohl auch uns Fernlebenden lief beim Lesen der Nachricht ein Frösteln über den Rücken. Hartwig, der Protektor Serbiens, führte fast täglich den Namen des Erzherzogs, in dem er den gewal­tigsten Feind grotzserbischer Ideen glaubte, im Mund. Seine Gedanken beschäftigten sich mit ihm, seine Augen waren be­ständig auf ihn gerichtet, und es ist nicht unbekannt, daß er ihn hassen zu müssen wähnte. Er glaubte, daß sein Haß wie fern Kampf einer guten gerechten Sache dienet und begriff wohl am Tod des Erzherzogs, daß es eine gar schlechte ge­wesen war. Der Diplomat, der Diener eines Fürsten und einer Monarchie war, sah durch das Aufflammen des Dyna­mits und Pulvers in Serajewo plötzlich sein Wirken von Jahren beleuchtet und begriff, daß er seine saubere Hand einer Rotte von Fürstenmördern geliehen hatte. Das war eS wohl was sein Blut in Wallung versetzte. Wir lesen, daß er dem Baron Giesl gegenüber gar versöhnlich sprach. Vielleicht wollte er Fehler bekennen und gutmachen; aber mit den Worten kamen die Gedanken an die grausige Tat, kam die Erregung, die den Herzschlag stocken ließ."

. Zum Vergleich des Erfolges beut scher unb r a n z ö s i s ch e r A n l e i h e n, der anläßlich der iüna- ten französischen Anleihe in Pariser Blättern aezoaen ourde, schreibt die „Deutsche Tageszeitung^

„Das Zeichnungsergebnis der neuen französischen An­leihe von 800 Millionen — die Anleihe ist 40s^mal über­zeichnet worden — wird von der französischen Presse mit be­sonderem Triumph verkündigt mit dem Hinzufügen, daß die vorjährigen Anleihen des Deutschen Reiches und Preußens nur etwa IMach gezeichnet worden seien. Das ist zwar richtig, aber es wird vergessen — wohl nicht ganz ohne Ab­sicht —, daß die diesjährige 4proz. preußische Schahscüein- anleihe von 350 Millionen Mark nicht weniger als 71mal ge­zeichnet wurde. Und das ohne eine Erhöhung der Verzinsung denn bei uns wurde an dem Typus der letzten Jahre von i Prozent festgehalten. Wohl aber ist der Erfolg der Schah­scheinanleihe auf die Auslosung zu pari zurückzuführen, welchem Vorbilde jedoch die Franzosen ebenfalls gefolgt siM denn auch ihre neue Anleihe wird innerhalb 25 ' Jahren zu 100 Prozent getilgt. Berücksichtigt nian, daß die 3i/chraz. An­leihe der Franzosen zu 91 Prozent, die 4proz. Schahschein­anleihe Preußens zu 97 Prozent aufgelegt ist, und vergleicht man die Zeichnungsergebnisse, so ist für die Franzosen absolut kein Anlaß, von einem größeren Er­folg der französischen Anleihe als der preußi­schen zu sprechen. Wohl aber müssen auch sie den Schmerz erleben, daß die neue Anleihe nicht allein vorher den Kurs der alten drückte, sondern daß nach der Zeichnung sogar die neuen Rententitres einen Rückgang im Kurse erfahren haben, was offenbar darauf zurückzuführen ist, daß nach der Zuteilung namentlich die Banken mehr Material auf den Markt zu werfen gezwungen sind, als sie annahmen. Man ivird nun abwarten müssen, welchen Kurs die neue französische Anleihe im Laufe der Zeit haben wird. Jedenfalls sind unsere auslosbaren 4proz. Schatzanweisungen gegenüber dem Zeich- nungsprä' recht erheblich im Kurse gestiegen."

^ Einige sehr bemerkenswerte Gedanken zur Jugendbewegung äußert in der neuen Nummer der „Hilfe" Dr. Gertrud Bäum er. Sie sagt:

„Sicherlich erfüllt die gesamte Jugendbewegung, Wander­vogel, Vortrupp, Freischar, und wie ihre Organisationen alle heißen mögen, ein — man möchte fast sagen: latentes Pro­gramm. Ein großes gemeinsames „Zurück zur Natur". Die Fragen und Zweifel, die schon seit Jahrzehnten in der Kulturkritik führender Geister auftauchten, ob die.technischen Errungenschaften der Lebensgestaltung wirklich zugute ge­kommen seien — die einzelnen Lebensreformen, die den augen­fälligsten modernen Daseinsverstümmelungen in Wohnung, Körperpflege, Ernährung, Kleidung, Bildung und Genüssen Heilung bringen wollen —, das alles fließt in der Jugend zusammen zu einem starken Instinkt gegen dieses großstädtisch versteinerte und entleerte Dasein. Sie protestiert, sie ver­weigert den Apparaten der naturentfremdeten Zivilsation den Dienst, sie wehrt sich gegen die Schule und alle auf diesem Boden gewachsenen Pflichtforderungen. Praktisch schafft sie sich zunächst das Wanderleben — erbringt von selbst mit sich: Körpererziehung, Alkoholabkehr, Kleidungsreform, Natür- freude, praktische Selbsthilfe, Einfachheit, Kameradschaftlichkeit, Lieder- und Tanzpflege. Das alles zusammen ist schon viel. Besonders wenn man hinzunimmt, daß es nur Ausdruck und Mittel für die Befriedigung einer Sehnsucht nach ursprüng­licherem, stärkerem persönlichen Leben ist. Eine Menschheit, die allzu sehr ihre Kraft nach außen hin abgegeben hat, sucht in dieser Jugend sich selbst, ihr volles Lebensgefühl wieder­zufinden. So angesehen, könnte die Jugendbewegung der Anfang einer sehr bedeutsamen und weittragenden Lebens- umkehr werden, die uns einmal Heilung von mancher einge­fressenen Unnatur brächte und den Sieg der Technik in einen Sieg der persönlichen Kultur über die Technik überführte. — Gertrud Bäumer verkennt jedoch nicht die mancherlei Hinder­nisse, die dem entgegenstehen und sie verwirft vor allen Dingen die Einstellung der Jugendbewegung auf die „Jugendkultur"."

Der „Deutsche Kurier" führt in seinen Be­trachtungen über die Reichstagsersatzwahl in K o b u r a aus:

„Der Ausgang der Wahl ist für die Nationalliberalen eine ernste Mahnung. Ihr Koburger Kandidat stand weit rechts und er vereinigte auch, wie bei früheren Wahlen andere Kan­didaten der Partei, die Stimmen der Konservativen und des Bundes der Landwirte auf sich. Wenn trotzdem ein Verlust von fast 1400 Stimmen zu buchen ist, so beweist diese bedauer­liche Tatsache schlagend die Warnung, die Bassermann dieser Tage im „Deutschen Kurier" in bezug auf die Sammlungs­politik ausgesprochen hat, und die wir selbst schon so oft er­hoben haben. Myn kann die Koburger Wahl als den ersten Versuch einer Sammlung nach Heydebrand-Erzberger-Fuhr- mannschem Rezept ansehen, und dieser Versuch ist glatt miß­lungen. Eine Warnung mehr, daß die nationalliberale Partei allen Grund hat, gegenüber den Lockrufen aus dem konser­vativen und.Zentrumslager überaus vorsichtig zu sein.

Es ist zweifellos, daß die Koburger Nationalliberalen in der Stichwahl resüos für den freisinnigen Kandidaten eintreten werden."

CitybiIdung in der G r oßstadt. Mit der Entwicklung der Großstadt bildet sich, wie in der Zeit­schrift „Recht und W i r t s ch a f t" (Heymann, Berlin) ausgeführt wind, immer mehr das Geschäfts- Viertel, die City, aus:

„Bei embryonalen Cithbildungen ist es sehr interessant zu beobachten, wie sich oft innerhalb weniger Jahre das Ge­schäftsviertel in einer bestimmten, vielfach vorherzusehenden Weise und Richtung, fast regelmäßig, entwickelt. Maßgebend für die Ausdehnung der City sind meist die Hauptverkehrs­straßen, die zum Bahnhof führen. Der Zug des Handels und Gewerbes zum Großbetriebe, zur generell günstigen Lage und vielleicht auch der latente Trieb, sich in einem geschäftlichen Nebeneinander zu bekämpfen oder zu ergänzen, haben viel zur Ausbildung der City beigetragen. Für die Läden gibt es in den Straßen der City selbst dann noch gewisse, durch die Gunst der Lage hervorgerufene Sondervorteile. Bevorzugt wird da die Seite der Straße, die am Nachmittag im Schatten liegt, weil da der stärkere Passantenverkehr und damit ein stärkeres „Shopping" regelmäßig ftattfindet. Durch die Aus­dehnung der Läden und Bureaus verschieben sich die Wohn- zahlen natürlich außerordentlich. So wohnten nach einer auf Veranlassung des Verbandes deutscher Städtestatistiker vorge- nommenen Erhebung von je 1000 Einwohnern, welche im Um­kreise von 10 Kilometer um den Stadtmittelpunkt wohnhaft waren, in der City von Berlin im Jahre 1871 73 Personen, dagegen im Jahre 1910 nur 6,8 Personen. In Breslau 1871 304,9 Personen, 1910 aber nur 84; und in Hamburg fiel die Zahl der Personen im selben Zeitabschnitt von 360,2 auf 8si,4."

Kus Stadt und Land.

WLesbaLsnsr Nachrichten.

Heidelerche.

Über -der schweigenden Flur liegt das Dunkel der Juli- uacht. Längst ist die Amsel verstummt, die Grille zirpt nicht mehr, auch der Wind ist schlafen gegangen. Im Westen er­bleicht der letzte Abendrotschein, im Osten aber lichtet sich das Gewölk und säumt sich mit silbernen Borten, der Mond ist auf­gegangen. Tief im Tal, hinter den schwarzragenden Bäumen des Kurparks, liegt, in ein leuchtendes Nebelmerr gehüllt, die Stadt, und zuwellen dringt von dort vertuorrenes Geräusch heraus. Run beginnt die Turmuhr der Marktkirche zu schlagen — einmal, zweimal —, dann fallen die anderen Kirchenuhren ein. Die Klänge wagen durcheinander, schwellen ab und er­sterben. Elf Uhr. Und wieder tiefes Schweigen. Nun aber teilt sich im Osten das Gewölk und -der Mond tritt hervor. Und wie sein magisches Licht über die Landschaft fließt, hebt an der Bingertstraße, über dem Garten der „Ros-e", ein Vogel­singen an „Lullullullullull" beginnt -es leise und se-elenvoll, steigert sich aber bald an Tonfülle und Kraft, verstummt eine Weile und setzt dann wieder -ein mit einem hellen Triller, ähn­lich dem eines sangeskundigen Mädchens. Wenn der Triller erschöpft ist, beginnt -das Lullen wieder, und so -geht es stun­denlang fort, bis zwölf, ein Uhr. Bald klingt der Gesang leise, bald laut; bald scheint er -in der Ferne zu entschweben, bald sich zu nähern, immer aber bleiben Klangfülle und Reinheit des Tons sich gleich; man wird nicht müde, zuzuhör-en. Eine Heidelerche ist -es, ein Kind der Moore und Einöden, die sich

hier ang-esiodelt hat und nun im Mondlicht singend über ihrem Brutpl-atz kroist. In der norddeutschen Heide, aus den B-erg- kupp-en des Westerwalds und überhaupt auf großen Ödlände- reien ist die Heidelerche noch recht häufig vertreten, vor der menschlichen Kultur aber weicht sie überall zurück und ist des­halb andauernd im Abnehmen begriffen. Daß sie sich, wie hier, so nahe der Stadt und auf freiem Feld ansiedelt, ist fiime große Seltenheit. Am eifrigsten singt sie zur Zeit der Abend- und Morgendämmerung, oft aber auch, besonders wenn der Mond scheint, ganze Nächte lang. Ihr Lied ist ohne jeden Mißton, weich und wohllautend, und wird an s-eelerivollem Ausdruck von keinem anderen Vogelges-ang übertroffen. Wer es in stiller Nacht hört, wird sich seinem Zauber nicht entziehen können. Ir»

— Aus den Hundstagc». Eine geräuschvolle Szene war am Samstagabend Ursache einer Ansammlung -in der Emser Straße. Zwei Bewohner -eines Hauses daselbst glaubten Ursache zur Eifersucht zu haben. Seither hatten sie sich be­gnügt, bei -einer Begegnung wütende Blicke auszutauschen und sich höchstens anzuknurren. Als aber am Samstag der eine, ein schneidiger, temperamentvoller Jüngling, seinen Gegner gesetzteren Alters im Hausflur traf, kam der verhaltene Grimm zum Ausbruch und die beiden gerieten scharf anein­ander. Der Jüngere glaubte seinem Feind di-e Herausforde­rung zum Zweikampf in der Art des „Alfiv" aus der „Cavalleria rufticaua" d-arl-egen zu sollen, nämlich indem er ihn ins Ohr biß. Dabei schnappte -er wohl zu kräftig zu, denn es -gelang -ihm nicht mehr, das Gehege seiner Zähne zu öffnen, derart hatte er sich verbissen. Ein entsetzliches Geschrei erhob sich. Die Mitbewohner des Hauses stürzten herbei, um die Kampshähne zu trennen, was aber nicht'gelang. So fest hiel­ten die Kinnbacken des Attentäters zusammen, daß er, als man ihn mit Gewalt von dem Unterliegenden trennen wollte, diesen am Ohr schwebend mit in die Höhe zog, was natürlich -ein neues Wutgeheul zur Folge hatte. Dazwischen waren harte Worte, wie „elender Strolch" usw., zu vernehmen. Auch der Besiegte wußte sich nicht anders zu helfen, als sich durch kräftiges Umsichb-eißen Luft zu machen, wobei -er -dem Frau­chen seines Gegners eine Wunde an der Hand beibrachte. Die wüste Szene fand erst ein Ende, -als -eine besonnene Person einen Eimer frischen Wassers über die Streitenden goß und dadurch ihre Karnpstvut merklich abkühlt-e. Man zog die Streitlustigen in ihre Wohnungen, und ein schlagendes Ge­räusch bewies bald darauf, daß man sie Mores lehrte. Die ang-esamrnelte Menge aber zerstreute sich unter großer Heiter­keit, als sie erfuhr, daß der Gegenstand ihrer Teilnahme ein schneidiger Pinscher mit dem vielsagenden Namen „Strolch" und ein bereits bejahrter Dackel waren, dessen lang herab- wallende Ohrwatscheln allerdings ein herrliches Angriffsobjekt boten.

— Dampfwasenmeistcrei. Vom 1. J-anuar bis -einschließ­lich 31. Dezember 1913 wurden, wie wir dem Verwaltungsbe- richt des Landkreises Wiesbaden für das Jahr 1913 -entneh­men, auf der Dampfwasenmeisterei für den Stadt- und- Land­kreis Wiesbaden 268 Stück Großvieh und 747 Stück Kleinvieh sowie die in den Schlachthäusern verworfenen Kadaverteile im Gesamtgewicht von 137 300 Kilogramm verarbeitet. Unter dem gefallenen Großvieh befanden sich 4 Stück, welche an Milzbrand verendet sind. Gegen das Jahr 1912 ist der An­fall des Ka-davermaterials etwas gestiegen, -aber -im allgemei­nen -ist eine wesentliche Besserung des Geschäftsbetriebs nicht eingetreten. Mit Rücksicht auf den steten Rückgang des Be­triebs, wodurch dem Pächter erhebliche Mindereinnahmen ent­stehen, ist die von dem Pächter zu zahlende Pachtsumme um jährlich 500 M. bis zum Ablauf -des gegenwärtigen Pachtver- trqgs am 81. März 1918 ermäßigt worden. Aus der Ver­arbeitung der -singelief-ert-en Kadaver und Kadaverteile wur­den -außer den Häuten 8050 Kilogramm Fett und 86 630 Kilo­gramm Futter- und Düng-ermehl gewonnen.

— Publikum und Gasthausangestellte. Für die Kellner, Köche und Lehrlinge sieht eine Bundesratsv-erordnung von 1902 -tägliche M-indestruhezeiten vor. Sie betragen siebenmal die Woche ununterbrochen 8 Stunden für erwachsene und 9 Stunden für jugendliche Angestellte (unter 16 Jahren); in Kur- und Badeorten ist der höheren Verwaltungsbehörde die Möglichkeit gegeben, während dreier Saisonmonate die Ruhe­zeit der Erwachsenen aus 7 Stunden zu beschränken. Das Publikum wird zug-eben müssen, -daß die Vorschriften dieser Verordnung den Gastwirtsgehilfen nur ein Mindestmaß von Erholung sichern. Den Hotel- und Gastwirtsbesitzern wird es gleichwohl schwer, den Forderungen, die die Verortmung im Interesse der Humanität und der auch für die Gäste recht 'wich­tigen Gesundheit der Gehilfen stellt, regelmäßig gerecht zu werden, wenn das Publikum selbst nicht auch etwas Rücksicht auf den gesetzlichen Arb-eiterschutz nimmt. Es muß daher von einsichtigen Gästen erwartet werden, daß sie es unterlassen, zu später Nachtstunde noch Ansprüche- an -das Personal zu stellen. Auch ist die Ruhezeit so maßvoll bemessen, daß sie nur aus­reicht, wenn das Publikum überhaupt -etwas an die großen physischen Anstrengungen denkt, di-e in der Saison den Gast- hausangestellten -erwachsen; -es ist z. B. meist, sehr leicht, dem Kellner -durch gleichzeitige Aufgabe mehrerer Bestellungen ein paar Wege zu ersparen und durch etwas Geduld die unge­sunde Hast, di-e oft -in der Saison herrscht, auf ein erträgliches Maß herabzumindern.

— Eine wichtige Mitteilung für Kaufleule. Der Bundes­rat hat in seiner Sitzung vom 23. Juni beschlossen, anzuord­nen, daß der Deutschnationalen Kranken- und Begräbniskaffe, Ers-atzkaffe, in Hamburg die für ihre Mitglieder bei den Zwangskrankenkassen eingehenden Arbeitgeberanteile ab 1. Juli 1914 zu vier Fünftel zuzuführen sind. Durch diese An­ordnung kommt die Leistungsfähigkeit der Deutschn-ationalen Krankenkasse erneut zum Ausdruck, die schon bei Vergleich der Beiträge und Leistungen der -genannten Kasse mit denen.der Zwangskrank-enkassen festgestellt werd-en kann. Die Deutsch­nationale Krankenkasse, die ab 1. Januar infolge der gewalti­gen M-itgliederzunahme -im vorigen Jahr zur größten kauf­männischen Ersatzkasse geworden ist, zählte am 1. IM 1914 über 69 000 Mitglieder. Die Wiesbadener B erwaltunas stelle am Sedanplatz 3 412 Mitglieder.

- Mit Jacht und Auto. Vor Biebrich ankert im Rhein eine größere Dampffacht, die das Interesse aller Passanten findet. ^ Es feetuchfiges Fahrzeug, das den Namen

„Aries fuhrt und einem Berliner Fabrikanten gehört. Die Facht befirtdet sich -auf einer -größeren Reise, die von Berlin nach Kr-el führte,- w,n dort durch den Nordostseekanal -in aus­gedehnter Kustensahrt b-is zum Mittelmeer, wo die bemerken^ wertesten französischen und .

italienischen Küstenoyte besucht auf demselben Wege bis zum Kanal, von da -da« Seine aufwärts über Paris, durch den Marne-RH-sinkanal bis Straßburg. Diese letzte Strecke gestal­tete such besonders schwierig, da hier tunnel-artige Durchlässe