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Donnerstag 9. Juli 1914.

Morgen-klusgabe.

Nr. 313. ♦ 62. Jahrgang.

Das polnische Problem.

In den „Grenzboten" veröffentlicht der Heraus­geber der Zeitschrift, Georges Cleinow, einen außer-

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ordentlich bemerkenswerten Aufsatz über „Das polnische Problem und die preußische Ostmarkenpolitik". Wir

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entnehmen dem Artikel, der vermutlich noch manchmal von sich reden machen wird, hier die wesentlichsten Ge­dankengänge.

Cleinow nimmt zum Ausgangspunkt den unerwar- taten Lod des bisherigen Oberpräsidenten von Posen und die in der Person des Herrn v. Bethmann-Holl- weg gründende Überzeugung der Hakatisten, oder wie er es schöner nenM: der „aggressiven Ostmarkenpoli-

tiker", daß die bisherige Ostmarkenpolitik durch einen neuen Regie.cungskurs gefährdet sei. Der gegenwär­tige Reichskanzler sei zweifellos von Anfang ein ent- schiedewer Gegner des Enteignungsgesetzes/ aber dieses Entchgnungsgesetz ist auch nach Cleinows Überzeugung d<;Z denkbar ungeeignetste Mittel zur Festigung unseres nationalen Besitzstandes in der Ostmark und muß so­bald wie möglich ausgehoben werden.

Zur Begründung dieser Forderung Werst der Ar­tikel zunächst auf den engen Zusammenhang der preu­ßischen Ostmarkenpolitik mit den Fragen der europäi­schen Politik hin. Nicht vielen wird bekannt fern, daß der russische Ministerpräsident Stolyprn tnt letzten Jahre seiner Amtstätigkeit und fernes Lebens (1810 bis 1911) mit dem Führer der polnischen Dumafraktron, Roman Dnrowski, ein direktes Abkommen getroffen hatte, das darauf hinauslief, dem russischen Reiche dre loyale Mitwirkung der Polen in einem europäischen Znknnstskrieq sicher zu stellen, gegen das Versprechen der Autonomie für die voy den Polen kulturell be­herrschten Landesteile. Die beiden Amtsnachfolger Itolyvins sind zwar bis auf den heutigen Tag auf diese Vereinbarung nicht wieder zurückgekommen, ob­wohl von französischer Seite, angeblich sogar von seiten der französischen Heeresleitung, im vorigen Jahre, den Russen nachgewiesen wurde, daß sie, ihre Strertkrafte an der deutschen Grenze ohne werteres um 300 000 polnische Soldaten vermehren könnten, wenn sie den Polen die Autonomie im Königreich gewähren wurden. Auf alle Fälle spricht aber schon aus diesen Tatsachen das Anerkenntnis, daß die Polen als wichtige Bundes- aenossen in Fragen der großen Politik erscheinen können. Selbstverständlich sind sich die Polen dieser Eigentümlichkeit ihrer politischen Stellung zwischen,den herrschenden Völkern Wohl bewußt und selbstverständ­lich leiten sie als lebensvolles, selbstbewußtes Volk dar­aus die Pflicht für sich her, für den großen Augenblick gerüstet zi- sein, in dem sich ihr Schicksal erfüllen

der Tat - so etwa fährd Cleinow nun fort — leuchtet obne weiteres ein,, daß wir es bei den preußi­schen Polen nicht allein mit einem, Bevölkerung-Wickler von etwa vier bis viereinhalb Millionen Menschen zu tun haben, der, für sich genommen, wob, von einem

fünfzehnmal größeren Volle allmählich ausgesogen werden könnte, sondern mit emem organischen Teil des Zwanzigmillionenvolkes, das M chstmrüeren den Deutschen - ein Ding der Unmöglichkeit pr. Der Staatsmann und Politiker, der dies ä)erhaltm^ Mischen der Zahl der Polen und der Deutschen in den Rahmen der großen Polckrk emzusetzen ^rtz, wird kaum die Verantwortung Lasur übernehmen wollen, einer der beiden radikalen Parolen, die bei uns ausgegeben werden, also entweder ^er genannten A u s r o t t u n g s p o l r t i k oder Einer Ber- s ö h n u n g s p o l i ti k zu folgen. Ein Volk von zwan üa Millionen mit der nationalen Regsamkeit der Polen läßt sich durch keinerlei Gewaltmaßregeln aus rotten, schon weil es eine Idee verkörpert, die nicht an den Leib gebunden ist; ein Fünftel dieses Volkes aber sich durch versöhnliche Politik assimilieren Wollen ohne dabei die übrigen vier Fünftel zu berücksichti­gen käme dem Versuch einer Amputation gleich, den'man praktisch nicht höher bewerten durfte wie den Ausrottungsversuch.

Diese Feststellung führt nun, noch lange nicht dazu, denen recht zu geben, die da meinen, wir brauchten die Polen nur in ihren nationalen Empfindungen zu schonen, ihre Religion und Sprache^ anzuerkennen und es ihnen selbst zu überlassen, ob ste die deutsche Sprache lernen wollten oder nicht, um sie m gute „deutsche Staatsbürger umzuwandeln. Wer so denkt, ubersieht zunächst, daß die Polen in Preußen weder rn Sprache noch Religion beengt werden, der achtet aber auch die nationale Kraft der Polen, gar zu gering - dem ist sicher auch nicht gegenwärtig, daß der staatich m der Republik vereinte Hause, der ernst Tmlungen iuließ sich in den abgelaufenen hundertnndfunfzig Jahren zu einer Nation im besten Smne des Wortes, zu einem Volk mit eigener hoher Kultur, eigenen poli- tischen Zielen und nationalen Organisationen umge wandet? hat, in ein Volk, das zwar gezwungen ist. m drei Staatswesen Bürgerrecht, zu nehmen, das aber nichts weniger als in drei Teile gespalten ist. Dev senige von den drei Teilungsstaaten, der die, Polen „versöhnen" wollte, müßte ihnen behilflich .sein.. das große Ziel ihres nationalen Sehnens, den staatlichen Zusammenschluß, die staatliche Selbstarwigkeit zu er­reichen Das Geheimnis der österreichischen Politik, die uns stets als vorbildlich hingestellt wird, ist ,schnell entschleiert. Sowohl die geographische Lage wie die StaatsorganisatNn der habsburgischen Monarchie wie schließlich der praktische Gegensatz zwischen der russischen und österreichischen Politik seit dem Krimkriege, ge­statten es der Reichsregierung, den Polen vorzugaukeln, als unterstütze sie deren Ambitionen, ohne es doch F

ernsthaft getan zu haben. * . . . s -

Cleinow weist aber werter darauf hm, daß die Polen nachgerade auch wirtschaftlich eine so bedeutende Rolle spielen, daß Deutschland und Rußland mit ihnen auch ch wirtschaftlicher Beziehung zu rechnen haben. Die Tatsache — io führt er aus —, daß Deutschland

eine halbe Million Polen, die außerhalb der Reichs- grenze beheimatet sind, und eine Million eigene Polen unbedingt braucht, uni die Anforderungen der heimi­schen Wirtschaft zu befriedigen, ist nicht aus der Welt zu schassen. Die weitere Tatsache, daß unsere die Welt­politik umspannende Industrie- und Exportpolitik zu einem guten Teil auf dem Vorhandensein der polni­schen Arbeitskräfte beruht, ist im Auslande so bekannt und wird in Rußland und Frankreich schon so oft in den Bereich politischer Erwägungen gezogen, daß wir uns nicht mehr scheuen dürfen, sie auch uns einzuge­stehen. „

Aus allen diesen Gründen muß es als Verhängnis voll bezeichnet werden, wenn man das Polentum noch weiter nur mit solchen Mitteln bekämpfen wollte, die sich ausschließlich gegen die p r e u ß i s ch e n Polen wen- den, vor allen Dingen mit einem Enteignungs­gesetz, das einen Einbruch in die Rechtssicherheit der preußischen Staatsbürger bedeutet. So kommt dann Cleinow zu konkreten Vorschlägen: An Stelle des

Schlagwortes Ostmarkenpolitik sollte die Parole fortab ausschließlich heißen: innere Kolonisation, was wieder zur praktischen Folge haben müßte: Aufhebung des Enteignungs-gesetzes als eines unnötigen, die Politik erschwerenden Ballastes; Vereinigung aller,heute schon der inneren Kolonisation dienenden Organisatio­nen mit Einschluß der Ansiedlungskommission unter ein technisches Ministerium für innere Kolonisation, zunächst in Preußen. Gestutzt aus die breite soziale Basis und geschützt durch unantastbare Rechtsgrundsätze würden wir ganz andere moralische iind materielle Hilfsmittel zur Festigung des deutschen Walles an unserer Ostgrenze gewinnen wie heute..

Wir meinen, das sind Forderungen, die auch leoer liberale Politiker unterschreiben könnte.

Rann Albanien unterworfen werden?

Auf diese Frage antwortet der Privatdozent Dr. Phil. A. R epp mann, der sich nach einer Forschungsreise im Innern von Albanien zurzeit in Durazzo aufhält, in einem von dort unter dem 4. d. M. abgesandten Briefe wie folgt:

Der Gedanke, europäisch geschulte Freiwillige, gegen dre albaniscben Rebellen vorzuschicken oder ste zu Führern von einheimischen Truppen zu machen, kann nur in denjenigen Kreisen ernsthaft ventiliert werden, die von den geographi­schen, klimatischen Verhältnissen im Innern des Landes so­wie von den Gepflogenheiten, den Sitten und der kriegerischen Lebensart der Eingeborenen nur unklare Vorstellungen haben. Albanien kann nur von den Albanesen selbst,erobert werden. Zu unterwerfen ist dies Volk fanatischer Krieger in absehbarer Zeit von keinem Fürsten, mag er heißen, wie er will, und mag er die Unterstützung sämtlicher, europäischer Groß- und Kleinmächte besitzen! Ein Mittel gäbe es, dieser ungemütlichen Gesellen Herr zu werden, ein radikales: sie gänzlich auszurotten. Dieses Mittel verbietet sich von selbst Folglich bliebe nur übrig, die einzelnen Stamme sich

Geierjügd.

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Von Heinz Karl Heiland.

s-nkreckt steht die Sonne über dem weltfernen,

- •? : -. ju Unter ihren brennenden Strahlen

afrikani,ch 11 «J? ' It in j-> cn Schatten des dichten Ge-

KüPPs oder unter Re gewaltigen Bäume des Urwaldes, der

strichweise das Dschungel durchsetzt, zuruckgezogeri.

Rickts rübrt sich weit und breit und doch hoch oben in den Lü^n über den höchsten Wipfeln der Urwaldbäume w' „„„rmüMiAe Räuber, der Beherrscher der ge- Wgelten Tierwelt, der Geier. Rastlos zieht er seine Kreise, al/ob ihm die sengende Sonne nichts anhaben tonne.

Suchend blickt er umher und gar wohl erblickt sein scharfe« Aune üne Gruppe von Menschen am Rande eines kleinen

öter-Ja 2 L ^«ssäs/s:

sichtszügen seiner Begleiter, Zweier Eingeboren m Kn- scheinend ermüdet, verharren alle drei rcgung

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Bon deren Jagdbeute gütlich zu tun und reizte dabei sein, unfreiwilligen Wirte durch diese konseguente Beobachtung. Den frechen Räuber aber mit der Kugel zu erreichen, wm unmöglich, denn vorsichtig schwebte „er steten so bedeutender Höhe, daß es auch dem besten Schützen nicht möglich gewese

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den Weg zu einem nahegelegenen See em, von dem sie wußten, daß sich an seinen Ufern s-etzt zur Zeit der Mittag«- Hitze zahlreiche Krokodile sonnen würden. Eins von diesen

sollte als Köder fitrHeier dienen. Bald war der „See erreicht und vorsichtig von dem Rande eines Dornengestrupps nach dem Ufer hinüberspahend, sah man e'N Krokodil von ziemlicher Größe m einer Entfernung von kaum 100 Meter mit meä aufgenissenem Rachen schlafend m der Soiin-e liegen. Ohne ein weiteres Wort winkte der Weihe seinen Gefährten, zurückzubleiben und schlich sich, zunächst gedeckt durch LiNige Büsche und Strauchwerk, näher an das schlafende T,er heran. Etwa 50 Meter entfernt angekommen, warf er sich zu Boden und nun begann das mühsame Heranschleichen mittels, der Zehenspitzen und der Ellbogen. Die schwere Winchester-Buchse im Linken Arm ruhend, kroch der Jäger immer naher und näher — da plötzlich schnappt das Krokodil den zahnestarrenden Rachen zu und schießt auf den Uferrand los. Aber zu spa . - Schon kracht die Büchse des Jagers und das schwere Stahl- geschotz durchbohrt den Körper kurz hinter dem linken Vorder- suß Mit einem Ruck bäumt sich die mächtige Panzerechse auf, um wütend in die Luft zu schnappen. Schon will ste sich ins Wasser stürzen, da knallt es znm zweiten Male und töd­lich getroffen mit durchschossenem Rückennerv bleibt das Tier

regungslos liegen. . . r , .

Tsjx weiten Sätzen schnellt der Jager heran und faßt vor­sichtig die Spitze des gefährlichen, muskulösen Schwanzes, von dem ein Scklag imstande ist, die Beinknochen eines Menschen gleich Glas zu zersplittern, aber noch ist der Sieg nicht sein. Die Krallen tief in den Boden eingrabend, stemmt sich das momentan nur regungslos gewesene Tier entgegen und strebt dem Wasser zu. Ein erbitterter und stummer Kampf, der nur zu leicht zum Unheil des Menschen aus­lausen kann, denn trotz der schweren Verwundung besitzt me Bestie eine gigantische Kraft. Mit mächtigen Bewegungen versucht sie, den Schwanz aus den Händen des Menschen M befreien, und wehe diesem, wenn es ihr gelingt. Ein Schlag und der Unglückliche sinkt mit gebrochenen Gliedmaßen . i Boden, um womöglich im nächsten Moment mit dem furch - baren Gebiß erfaßt und in die Tiefe des See-- g z 8 zu werden.

Unentschieden tobt der Kampf hin und her. Da nahen im rasenden Laus die beiden Eingeborenen, und im Moment haben sie gleichfalls das Schwanzende des Krokodils ersaßt und unaufhaltsam geht es trotz dessen^ wütenden Umstch-- schnappens nach rückwärts. Bald ist das schwere Trer so wen vom Ufer weggeschlep'pt, daß es keine Aussicht mehr hat,

dieses wieder zu erreichen. „ „ ..

Rasch wurde es nun durch einen Stich ins Auge vollends getötet und in wenigen Minuten hatten die beiden, in solchen Arbeiten äußerst erfahrenen Eingeborenen es seiner Schuppen- Haut entkleidet. Nun hieß es einen gilnstigen Platz finden, an dem man den KÄdaver als Köder für den Gmer hinlegen konnte, und siehe da, nicht wert von dieflem Platze «hob sich eine kleine Bodenwelle, bis zu deren unmittelbarer Rahe das Gestrüpp reichte. Hierher wurde mrt Hilfe einiger kräftiger Lianen der Kadaver des Krokodils geschleppt und dann seinem Schicksal überlassen. Die Jäger begaben sich rn das Gestrüpp und bahnten hier mit Hilfe ihrer schweren Jagdmesser einen Weg, der ziemlich nahe, m etwa 30 Meter Entfernung von

dem Krokodil mündete. .

Nachdem diese Arbeit getan, zog man sich weiter in das Dickicht zurück, um abzuwarten, ob der Geier den Köder an-

nehmen würde. . . ^ „

Durch eine Öffnung in den Baumzweigen konnte man ihn beobachten, wie er rastlos in der Höhe seine Kreise zog und es war deutlich zu sehen, daß er nach der willkommenen Beute herunterspähe, aber dem Frieden dort nicht traue, Indern offenbar erst warten wolle, bis die Jäger sich ent­fernt hätten. Enger und enger wurden seine Kreise, schon senkte er sich herab, da mutz etwas plötzlich seine Aufmerk­samkeit erregt haben und pfeilschnell schießt er wieder nach oben in unerreichbare Höhe. Einige Minuten der Spannung vergehen. Da plötzlich hält der mächtige Raubvogel gerade oberhalb des Kadavers in der Luft einen Moment auf, der Stelle, er klappt die Flügel zusammen und gleich einem stürzenden Stein saust er in die Tiefe nieder, wo ex ™ Blicken der Jäger entschwindet. Aber diese wissen gar w y ,

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