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Berliner Redaktion des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-WilmcrSdorf. Günbrlste. 66, Fcrnspr.: Amt Utzland 450 u. 4SI. Tage., und Pl-w-,, wird keine Gewähr übernommen.
Samstae 4. Juli 1914.
Morgen-klusgabe.
Nr. 305. » 62. Jahrgang.
Oie Mahlen in Dänemark.
Das niederschmetternde Ereignis in Serajewo drängt alle anderen politischen Meldungen einigermaßen rn den Hintergrund. Daher hat man auch bisher den Wahlmannswahlen zur Erneuerung^ des dänischen Landsthings wenig Beachtung geschenkt. Und doch sind diese Wahlen, die über die zukünftige Zusammensetzung des Landsthings, der Ersten Kammer des dänischen Parlaments, entscheiden sollen, von einer starken systematischen und auch von einer nicht zu unterschätzenden politischen Bedeutung.
Die Dänen sind stolz darauf, ein demokratisch regiertes Lclnd zu sein. Die dortige Rechte ist kaum mit unseren Konservativen zu vergleichen. Mitglieder derselben erklärten uns selbst, daß sie etwa das darstellten, was man in Deutschland nationalliberal nennt. Die Linke hat jetzt die unbestrittene Mehrheit im Folkething, der Zweitel: Kammer des Parlaments, und seit einiger Zeit leitet der Rechtsanwalt Z a h I e, der Sohn eines Schusters ans Roskilde, die Geschicke des Landes als Ministerpräsident — zum zweitenmal bereits, nachdem sein früheres Ministerium an inneren Fragen gescheitert war. Das jetzige Ministerium vertritt politisch radikale Anschauungen und steht durchaus auf dem Boden der Demokratie, der politischen Absicht, daß öer klar erkannte Wille des Volkes in Dänemark auch ausschlaggebend sei für die Gestaltung der Gesetze. Es 'ist ia bekannt, daß das Ministerium Zahle keine O r d e n und T i t u l a t u r e n annimmt, und als jüngst im Schloß zu Amalienborg ein Empfangdes internationalen' Pressskongresses durch den König Christian stattfand, da war das einzige Abzeichen, das den Frack des Herrn Ministerpräsidenten zierte., das kleine silberne Schild, das seine Träger als Mitglieder oder Organisatoren des Pressekongresses kennzeichnete! Und die Frau des mächtigsten Mannes in Dänemark ist heute noch, trotz ihrer hohen gesellschaftlichen Stellung, — Stenographin in der Zweiten Kammer des Parlaments, in welcher Eigenschaft sie der Abgeordnete Zahle seinerzeit kennen gelernt hat!
Diese kleinen, in Deutschland schier unfaßbaren Momente deuten nur an. eine wie lebendige und selbstverständliche Kraft die bürgerliche Demokratie rn Dänemark geworden ist. Als Folge davon ergibt sich eine gesellschaftliche Ausgeglichenheit, ein Mangel an heftigen sozialen Gegensätzen, wie er rn Deutschland und m anderen Ländern unbekannt ist — und dies obwohl die industrielle Entwicklung Dänemarks m den letzten wahren stark fortgeschritten ist und ftÄ auch dort eure weit ausgebreitete Sozialdemokratie begndet, me freilich nichts Besseres tun kann, als, die Politik des Herrn Zahle im wesentlichen zu unterstützen. .
Die Demokratie in Dänemark, hat sich als ein staats fördernder Faktor erwiesen, und mehr a>§» dies' sie hat dem Lande jene warme Freude des
fernaelmtten. unter der andere Länder zu leiden haben.
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Kimm elsersch eimmgen
im Juli 1914.
Am 4. Juli, um 1 Uhr vormittags, gelangt die Erde in ihrer elliptischen Bahn an denjenigen Punkt, in dem sie ihre größte Entfernung von der Sonne erreicht, rn dasi Aphel. Ihr Abstand vom Sonnenzentrum betragt dann 151.99 Millionen Kilometer und der scheinbare Durchmes er der Sonne 81' 27 "70 In ihrer Sonnennähe, im Perrhel, dcu> die Erde am 1.' Januar durchlief, betrug ihr Sonnenabstand nur >48.97 Millionen Kilometer, dagegen der scheinbare Dura.;- messcr der. Sonne 22' 31."94. . ,
Mit dem Übertritt der Sonne aus dem Kalenderzerchen o-5 „Krebses" in das des „Löwen" am 23. Jul: beginnt die Zeit der H.u n d s t a g e, die bis zum Übertritt, der Sonne m Zeichen der „Jungfrau" am 24. August währt.
Die Deklination der Sonne nimmt seit ,Dem •<£• Juni, an dem sie ihren größten positiven Wert, 23° 27', be- wieder ab, nämlich von 23» 9' 48."6 am >. Juli blS auf 18» 28 ' g ."7 am 31. Juli. Dementsprechend verringert sich auch ige Mittagshöhe der Sonne, und zwar für den Parallel von 54° Korddeutschlands von 59» 10' am 1. bis auf 54» 26 im 81., für den Parallel von 51° (Mitteldeutschland) von 62° 10'' am 1- bis' auf 57° 26' am 81. Juli, und für den Parallel von 48° (Süddeutschland und Österreich, etwa die Breite von Wien) von 65° 10' am 1. bis auf 60° 26' am 31* Juli Mit der Verkleinerung der Tagbogen der Sonne erfährt die Tageslänge eine Abnahme im nördlichen Gebiet von 17 auf 1524, Stunden, im mittleren Gebiet von 1614. auf 15% und im südlichen Gebiet von 16 auf 15Stunden. Zuerst im südlicheren Deutschland, dann fortschreitend bis zuletzt im nördlichen Deutschland hören während des Monats auch die Hellen Nächte auf.
Hier zeigt sich der Segen einer wahrhaft liberalen Herrschaft: sie bringt nicht nur den Staat geistig und wirtschaftlich vorwärts, sie fördert auch Staatssrnn und Vaterlandsfreudigkeit. Unsere Reaktionärs die fort- gesetzt über die vernichtenden Wirkungen jammern, welche die zunehmende demokratische Gesinnung rn Deutschland notwendig zur Folge haben mußte, sollten die Begleiterscheinungen eines liberalen, demokratischen Regiments in Dänemark studieren!
Das Ministerium Zahle, das aus h e r v o r r a g e n- den Intellektuellen des Landes besteht — freilich nur aus sehr wenigen, die eine „Laufbahn' hinter sich haben, der Minister des Innern, Herr Rode, war beispielsweise vorher Redakteur des radikalen Blattes „Politiken"! —, ist als solches auch vom deut- scheu Standpunkte airs willkommen zu heißen. Denn es strebt gut wirtschaftliche iind politische Bezieh u n- <3 e n mit Deutschland -ein und aus der Antwort, die vor kurzem der jugendliche und begabte Minister des Äußern, Herr v. Skavenius, auf eine Interpellation im Folkething wegen der deutsch-dänischen Beziehungen gab, konnte man unschwer herauslesen, daß der Minister seinen Landsleuten unter voller Wahrung ihrer nationalen Empfindungen doch nahclegen wollte, alle Handlungen iind auch nur Andeutungen zu, unter- l affe n, die von deutscher Seite als eine A n - z w e i f e l u n g des Status quo mißdeutet werden konnten. Unter der Herrschaft des Ministeriums Zahle ist jedenfalls eine korrekte und loyale Handhabung der gegenseitigen Beziehungen unter normalen Verhältnissen zu erwarten.
Unter diesen Umständen gewinnt der Sieg, den jetzt die Linksparteien und damit das Ministerium Zahle, bei den Wahlmannswahlen zum Landsthing errungen haben, an Bedeutung. Die Stellung des Ministeriums wird dadurch gefestigt, daß das „neue Landsthing voraussichtlich mindestens 36 Anhänger und nur 30 Gegner des neuen Verfassungsgesetzes aufweisen wird, das die Freiheit und Gleichheit der Wahl noch im wesentlichen ausdehnen und stärken soll., Es war in Dänemark eine innerpolitische Krisis einge- treten, weil zwar das Folkething mit überwältigender Mehrheit das neue Grundgesetz angenommen hatte, das Landsthing aber, in dem 33 Anhängern 33 Gegner des Gesetzes gecienüberstcmden, durch konservative Obstruktion die Fertigstellung der Vorlage unmöglich gemacht hatte. Auf Antrag des Minister Präsidenten hatte daraufhin -der König die Erste Kam mer aufgelöst und dadurch dem demokratischen Ministerium ein weites Entgegenkommen bewiesen (wenn er sich auch freilich nicht dazu verstehen wollte, die Mandate der Landsthingsmitglieder für erloschen zu erklären, die nach dem alten Gesetz nicht gewählt, sondern vom König ernannt werden.)
Die Wahlen, die noch nach dem indirekten System stattfinden und daher zunächst nur die Wahlmänner betrafen, haben aber eine volle Bestätigung der Politik des bürgerlich-radikalen Kabinetts ergeben. Das dänische Volk steht in seiner Mehrheit hinter dem bescheidenen bürgerlichen Rechtsanwalt und seinen Mitarbeitern,
Der Phasenwechsel des M o n des vollzieht sich zu folgenden Zeiten: Vollmond am 7. Juli, um 3 Uhr 0 Min. nachm., Letztes Viertel am 15. Juli, um 8 Uhr 32 Min. vorm., Neumond am 23. Juli, um 3 Uhr 38 Min. vorm., und Erstes Viertel am 30. Juli, um 12 Uhr 61 Min. vorm. Der Mond befindet sich am 3. Juli, um 8 Uhr 7 Min. vorm., in seiner Erdnähe bei einem Abstand von 57.7 Erdhalbmessern zu 6878 Kilometer, am 15. Juli, um 4 Uhr 1 Min. nachm., in feiner Erdferne bei einem Abstand von 63.4 Erdradien, und am 28. Juli, um 1 Uhr 0 Min. nachm., wiederum in seiner Erdnähe bei einer Entfernung von 57.9 Erdhalbmessern. Bedeckungen hellerer Sterne finden im Juli nicht statt.
Zur Beobachtung der großen Planeten bietet sich im Juli teils wegen ungünstiger Stellung der Körper, teils wegen der noch sehr kurzen Nächte nicht sonderlich viel Gelegenheit. Venus ist kurze Zeit am Abendhimmel und Saturn später eine Weile am Morgenhimmel zu sehen, nur Jupiter strahlt während der ganzen Nacht in. prächtigem Glanze am südlichen Firmament. Merkur durchläuft am 16. Juli, um 7 Uhr nachm., seine untere Sonnenkonjunktion, bleibt daher - unsichtbar! Sein Abstand von der Erde beträgt am 1. 0.65, am 16. 0.58 und anl 31. 0.77 Erdbahnhalbmesser oder Einheiten zu 149.48 Millionen Kilometer; sein scheinbarer Durchmesser erreicht in seiner Erdnähe den Wert von 11."6. Am 3. Juli, um 5 Uhr nachm., gelangt der Planet in seine Sonnenferne bei einem Abstand von 0.4067 Einheiten (Erdbahnradien), wogegen er in seiner Sonnennähe (nach 44 Tagen) nur den Abstand von 0.8075 Einheiten besitzt; die Exzentrizität der Merkurbahn ist mit 0.2 die größte aller Hauvt-Planetenbahncn. — Venus glänzt im Bilde des „Löwen" nur etwa eine halbe Stunde lang in der Abcns- dämmerung; ihre Sichtbarkeit bleibt überhaupt während de^, ganzen Jahres 1914 bis in den November hinein als Uveno- ftern wenig günstig, erst im Dezember wird sie als Morgm-
bie keinen höfischen Ehrgeiz haben und in der Demokratie keine Kraft sehen, die uns herunterzieht, sondern die überzeugt sind, daß die wahre Staats-gesund- heit identisch ist mit der Zu f r i e d e n h e i t und den vollen Rechten der Bevölkerung.
Oie Politik der Woche.
Rasch tritt der Tod den Menschen an! Der dürft ruchlose Mörderhand so jäh aus dem vollen Leben gerissene Erzherzog Franz Ferdinand war ein Mann, der über den Durchschnitt hinausragte, „und das gleiche gilt von seinen weitausschauenden Plänen, die sich 'auf die Festigung der österreichisch-ungarischen Monarchie bezogen, wie er sie sich dachte. Zu diesen Plänen gehörte in erster Reihe die Versöhnung der Slawen mit der Monarchie auf dem Wege emer Zusammenfassung des Südslawentums angeblich mit dein Endziel ihrer Autonomie, also die Ersetzung des Dualismus in der Donaumonarchie durch den Trialismus. Ob des Thronfolgers Pläne, die gerade den Deutschen Österreichs als nicht ungefährlich erschienen, wirklich so weit gingen, wird wohl schwerlich jemals mit Sicher- heit fcstgestellt werden. Jedenfalls liegt aber eine tiefe Tragik darin, daß der Mann, der als besonderer Freund der Slawen galt, dem Hasse eines der Ihren zum Opfer fiel. Jener Propaganda, welche offen auf eine Losreißung der serbischen Elemente von, der Donaumonarchie, auf die Schaffung eines Grotzserbiens, wenn möglich mit Einschluß Montenegros — die „F i g a r o"-Meldung über die angebliche Vereinigung der beiden Länder eilt freilich den Tatsachen voraus — hinstrebte, mußte der Versöhnungskurs des Erzherzogs als eine Durchkreuzung ihrer Pläne erscheinen. Und so griffen diese nationalistischen Fanatiker zum politischen Meuchelmord, der in den slawischen Landern seine besondere Stätte gefunden bat und der gerade in Serbien seit der Ermordung des Königs Alexander und seiner Gemahlin Draga gleichsam eine Art offiziellen Stempel erhalten hat.
Schon in dem bisherigen Gang der Untersuchung ist denn auch zweifelsfrei festgestellt worden, daß die Fäden der weitverzweigten Verschwörung, der der Eriberzog Franz Ferdinand und seine Gattin, die Her- zogin von Hohenberg - welche auch im Tode noch als unebenbürtig in der amtlichen Wiener Mcl- dirug sorgsam von ihrem Gatten getrennt wurde — zum Opfer fielen, nach Belgrad laufen, daß die Bomben der Serajewoer Mordbuben serbisches Fabrikat waren. In den Belgrader leitenden Kreisen hat man sich nacy einigem Zögern zu einer sehr entschiedenen Verurteilung -'er Mordtat entschlossen, man hat die Mörder von -.en Rockschößen abgeschüttelt und sogar eine Untersuchung zwecks Erforschung etwaiger Helfershelfer emgeleftet. J,r der Donaumonarchie traut man weder lenen Versicherungen noch jener Untersuchung,, und es hecr'au dort begreiflicherweise eine außerordentliche Erbftte- runa geaen den bösen serbischen Nachbar, bei dem der Frömmste nickst in Frieden leben kann, und dessen - Großmachtsdünkel eine ständige Anspornung der groß-
stern ausgezeichnet gut sichtbar und am Jahresschlüsse wird sie 3 Stunden lang in großer Helligkeit strahlen. Venus nähert sich der Erde von 1.27 bis auf 1.05 Einheiten,, wobei ihr Scheibendurchmesser von 13."3 bis auf 16."0 zunimmt. Am 25. Juli, um 7 Uhr morgens, hat der Mond mit Venus Konjunktion; beide Gestirne befinden sich dann aber unter dem Horizont, man sieht daher am vorangehenden Abend me noch sehr feine Mondsichel nordwestlich (rechts), am folgenden Abend aber schon östlich (links oben) vom stbendstern. , Mars, der schon recht lichtschwach geworden Ast, kann in der hellen Abenddämmerung mit unbewaffnetem Auge^ Nicht mehr wahrgenommen werden, obgleich er vorläufig noch 1 ,, 2 Stunden nach Sonnenuntergang über rem Horizont wenig er bleibt nun während eines vollen Jahres verborgen und taucht erst im Juli 1915 am Morgenhimmel wieder auf, um dann allerdings schnell an Glanz zuzunehmen. Sem Erd- abstand ist jetzt schon sehr groß, nämlich am 1 ^uli gleich 2.02, am 31. Juli gleich 2.20 Erdbahnhalbmesier, s-in größter Ab- iT-ÜMovember 1914, betragt nur wenig mehr: 2.46 Ein-
Men ^ Jupiter strahlt, im Bilde des „Steinüocks" sich rückläufig bewegend, während der ganzen Nacht als hellstes Gestirn am südlichen Himmel., Er kulminiert anfangs um 8 Uhr vormittags, zuletzt bereits um Mitternacht, doch nicht besonders hoch. Da sich der Abstand des Planeten von der Erde noch erheblich, von 4.27 bis aus 4.06 Einheiten, verringert, wächst sein scheinbarer Durchmesser von 46."7 bis auf 49."2, so das; er schon für kleinere Fernrohre ein außerordentlich dankbares Bcobachtungsobjekt bildet. Am 10. Juli, um 8 Uhr vorm., kommt der Mond mit Jupiter in nahe Konjunktion, wahrend der vorangehenden Nacht sieht man die noch beinahe volle Mondscheibe von Westen (rechts) her dem Planeten immer näher rücken. — Saturn erscheint im östlichen Teile des „Stiers" um Monatsmitte wieder am frühen Morgenhimmel; sein Aufgang erfolgt etwa um 134s Uhr. Aucy
