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rpan ständig auf der Lauer liegt, um dieses größte aller eltpolitischen Probleme in dem ihm günstig erscheinen- n Augenblicke aufzur ollen. _

Zur Lage in Mexiko.

Aus Mexiko meldet man der „Franks. Ztg.": Die rsige Regierung versichert, daß der Friede mit der rion unterzeichnet sei, bewahrt jedoch über die Beörn- ngen noch Stillschweigen. Da die Rebellen nicht nbegriffen sind, so ist es fraglich, ob mit den Ab- achungen in Niagara Falls ein wesentlicher Fortichrrtt

reicht ist. , ^

Carranza ist noch unentschlossen, ob er überhaupt rn erhandlnngen mit Huerta und seinen Delegierten ein- eten soll.

Ei« Deutscher erschossen.

Aus Mexiko drahtet man ferner der „Frkf. Ztg. : in deutscher Monteur, Karl Strehle, der seit ade vorigen Jahres als Oberst in Villas Diensten stand, urde am 21. Mai in T o r r e o n e r s ch o s s e n. Er leitete >rt den Stratzenbahnverkehr. Ob er ermordet oder stand- chtlich erschossen wurde , ist noch ni cht bekannt.

We awe MMntW diletiMMMÄ.

Die Ausgabe einer neuen deutsch-chinesischen isenb ahn an leihe steht, der „Berliner Borsenhalle ifolge, in naher Aussicht. „

Auf Grund der zur Pachtung des Gebietes von Kraut- ,ou zwischen der deutschen und der chinesischen Regierung schlossenen Verträge hat Deutschland eine Reihe von isenbahnkonzessionen in der Provinz Schantung erhalten, in denen bisher nur ein ganz kleiner Teil m An,pruch -nommen worden ist. Zwischen der deutschen Regierung, s deren Bevollmächtigter neben dem Gesandten Kon,ul etz in Tsinanfu fungierte, und der chinesischen Zentral- -qierung ist nunmehr ein Vertrag geschlossen worden, ach dem eine chinesische Staatsbahn mit deutschem Kapital n Anschluß an die Schantung-Bahn gebaut werden soll, s handelt sich um zwei Strecken. Die eine wird von sinanfu nach Westen ins Innere Chinas gehen, wahrend e andere Strecke von Taomi, einer Station der L>chantung- mhn, nach Süden bis zur Grenze der Provinz Schantung

-führt werden soll. _ . .

Der Verwaltungssprache der neuen Strecke wird -utsch sein. Die Anleiheverhandlungen, die unabhängig ön den sonstigen Verhandlungen der Sechsmächtegruppe -führt werden, sollen in allernächster Zeit in Peking von -ner deutschen Fiuanzgruppe unter Führung der Deutsch- siatischen Bank beginnen. Die Höhe der zu emittierenden üunttttc t)Oti her yHvi&btfyTiutiQ ahyängeN, hie AUNüchsk xr die Fertigstellung d er Bahnen in Aussicht genommen ist.

Kurze politische Nachrichten.

Die französische Anleihe.

Wie die Pariser Blätter berichten, ist die neue 800 iillionen-Anleihe vom Publikum und den Fm an z- istituten gut ausgenommen worden. Augenblicklich ist iese Anleihe 18 mal überzeichnet. Da jeder Zeichner, der lnteilscheine erwirbt, 10 Prozent der Zeichnungssumme n bar zahlen mutz, so dürfte bereits eme Milliarde einge- ommen sein.

Die Spionageaffäre in Nancy.

Aus Nancy meldet man: Bei dem Verhör gestanden ie unter dem Verdacht der Spionage und der De'ertwn^- egünstigung verhafteten Harder, Acht und Allemann, inem französischen Soldaten Kleider und Geld verschafft u haben, um seine Flucht zu ermöglichen. Acht wird von einen Mitangeklagten beschuldigt, Photographien von Offizieren der Garnison in Nancy und von Schnellfeuer- Geschützen nach Deutschland gesandt zu haben. Die Cliches befinden sich in Nancy.

Die angebliche russische Soudersteuer für Deutsche.

Von maßgebender Seite wird aus Bern« darauf hm- -ewiesen, daß die Bestimmungen des deutsch-ru„i,chen dandelsvertrages einer Sonöerbesteuerung^der Deutschen n Rußland entqegenstehen, da eine solche Steuer mit der -eutschen Wchrsteuer nicht zu vergleichen wäre.

Eine neue argentinische Anleihe.

Einer offiziösen Note aus Rio de Janeiro zufolge vurde die allgemeine Grundlage zu einer neuen Anleihe estgelegt. Die enögiltige Festsetzung wird nach Regelung -iniger Einzelheiten in 2-3 Tagen erfolgen können. Bei je« ö Verhandlungen wurde auf die Meinung von Wenzesla Braz großes Gewicht g elegt.

Arbeiterbewegung.

Der spanische Ackerbanstreik. Man meldet aus Ma­drid: Der Streik der Ackerbauarbeiter nimmt feden Tag

Der Chasseurkorporal.

§in Bauernroman aus den Hochvogesen von Ulrich Horcher.

(9. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Die drei ließen die Höhen zur Rechten liegen und rit­ten dem Bahndamm entlang vorsichtig werter immer tiefer jinein ins deutsche Gebiet. Der Chasseurkorporal sollte 'einem General Nachricht darüber bringen, wie wert die Preußen ihre Vorposten im Saarbrücker Walde vorgescho­ben Hatten.

"Feüt lichteten sich die Bäume und die drei gewannen -inen weiten Ausbiß. Vor ihnen lag ein breites, wellen­förmiges Talgelände, links von ihnen aber dehnte sich der dochaelegene, sandige Exerzierplatz von Saarbrücken. In nächster Nähe banden Landleute ihre Garben. Das Ganze bot ein ungemein friedliches Bild und doch lauerte der -mö hinter jedem Baumstamme.

Fritz war aufs äußerste überrascht darüber, daß er, ob­wohl es nach der Saarstadt kaum 3 Kilometer Wegs sein mochte, noch keinerlei Spur vom Feinde hatte bemerken können. Ohne die Deckung des Waldes wollten seine bei- yen Begleiter nicht weiter. Der Chasseurkorporal wnnfchte aber ein möglichst genaues Bild über die Lage des Fern­es Er beschloß deshalb, das Tal hinab dem Waldianme nach allein vorzudringen. Vergebens suchten ihn seine «Äl-iährten von diesem geradezu tollkühnen Wagnis abzu- Nrinaen. Vorsichtig ritt er im Schatten des Waldsaumes talabwärts. Doch er mochte kaum zehn Meter vorwärts „/lammen sein, als er plötzlich hinter einem Eichstamm, ß^Vm zehn Schritte vor ihm, einen Gewehrlauf auf sich ge- sah. Er ritz den Karabiner an die Wange. Doch JE xnallte es vor ihm, und gleichzeitig fühlte er einen Wenden Schmerz im rechten Oberarm. Er machte Kehrt, ueweuo ö . e Schenkel und ntt tm wilden Galopp den

Widwea zurück, seine beiden Kameraden nach wenigen Waldweg 8 ö Hinter ihnen her sprengte wohl ein Minuten e J Manen, die fortwährend ihre Flinten Dutzend deutsch Chasseurs abfenerten. Die Kugeln

auf d.e drei flieyenoen ^ Ernstes seiner Lage

pfrffen um Fritz , , konnte eine der Ulanenkugeln

jetzt bewußt Küe Mmute^tonnw e^ einer Buche

o" b ei raste blieb seine Pelzmütze an einem tieibängenden orbeira, , r, ^ 2lrm fühlte er rasende Schmerzen.

W iesbadener Zeitung

an Heftigkeit zu. Die Streikenden greifen die einsam liegenden Pachthöfe an und verhindern die Arbeitswilligen mit Gewalt an der Arbeit. Zahlreiche Dörfer haben von der Regierung dringend die Absendung von Truppen zur Ausrechterhaltung der Ordnung verlangt.

Stadtuachrichteu.

Wiesbaden, 28. Juni.

SugenBöerelmßuna der MtWen FMMdurWWulen.

Neben den sonstigen verschiedenen JugenLvereinigun- gen am Orte besteht eine solche an den städtischen Fort­bildungsschulen. Diese Jugendvereinigung rst eme von der Stadt unterhaltene und von der Bürgerschaft unter­stützte Organisation. Sie bezweckt, Mejenißen lungert Leute, welche nicht einer am Orte bestehenden JugenL-Organtsa- tion bereits angehören, auf neutralem Boden zu sammeln. Durch ihre Einrichtungen und Veranstaltungen will me Jugendvereinigung der städtischen Fortbildungsschulen dre jungen Leute nicht nur körperlich und gefundhelttich ertüch­tigen, sondern auch erziehlich auf sie einwirken: sie will die jungen Leute zu tüchtigen Menschen und guten Staats­bürgern erziehen helfen und ihnen auch nt ihrem n-ortkom-

ntei ®te ©umöiüfle für die Jugendpslegebestrebungen wer­den von einem Vorstände festgelegt, dem an Schlüße des Berichtsjahres folgende Herren angehorten: Stadtrar

M e i e r als Vorsitzender, Stadtrat Vuranüt als stellver­tretender Vorsitzender, die Stadtverordneten Purrucker,

Glaeser und Kaltwasser und Staötzchulrat Mül­ler als Beisitzer, Gewerbevereinssekretar Ehrhardt ms Schatzmeister, Gymnasiallehrer P H i l i p p i als Zelter und Händelslehrer Schäfer als stellvertretender Letter

Ueber die Einrichtungen und Veranstaltungen der Ver­einigung heißt es in dem von Handelslehrer W. Schäfer erstatteten Tätigkeitsbericht für, 1913/14 u a.: Das -ehr- lingsheim, das während des Winterhalbfahres täglich von 7H bis 9% Uhr abends geösfnet war, wurde durchschnitt­lich von 40—80 Personen besucht. Hier ist den lungen Leuten Gelegenheit geboten zum zwanglvfen Beisammen­sein, zum Lesen guter Bücher und Zeitschriften und zum

^^BZie in den Vorjahren, so wurden auch im letzten Jahre an den Sonntagabenden der Wintermonate tu der Aula der Gewerbeschule belehrende und unterhaltende Borträge gehalten, die des öfteren durch Lichtbilder er­läutert wurden. An den Wochentage «ebenda wurden fol­gende Uebungen und Kurse abgehalten: Erste Hilfe bet Un­glücksfallen: Dr. med Ad. Schmidt, Zeitungslekture: Pfar­rer Beckmann, Kartenlesen: Vermeßungsinspektor Klein.

Wie in den Vorjahren haben das Kgl. Theater und das Residenz-Theater für die Volks- und klassischen Vorstellun­gen eine beschränkte Anzahl von Karten zur Verfügung ge­stellt Desgleichen hat der Bolksbildungsveretn für die von ihm'veranstalteten Konzerte eine Preisermäßigung em- treten lasten. Auf vielseitigen Wunfch wurde unter Herrn Lehrer Heinz Mitte November eine Gesangsabtellung ins Leben gerufen. Außerdem wurde zu Anfang Februar ein Kursus für Mandolin- und Gitarreunterricht unter Lei­tung des Herrn Raab eröffnet.

An schönen Sonntagnachmittagen fanden Ausmarsche, Gelände- und andere Spiele statt, an denen nch durchschnitt­lich 40—60 Pfadfinder beteiligten: die Höchstsatz! betrug etwa 100. Die im vergangenen Jahre ins Leben geru^ne Fußballabteilung entfaltete etne rege Tätigkeit. Bom Mat bis September wurde an den Abenden der Wochentage auf dem Spielplatz an der Lahnstraße, sowie an den Sonn­tag-Nachmittagen „Unter den Eichen" Volks- und Äugend­spiele veranstaltet. An einigen Sonntagen nn Winter trat an Stelle der Wanderungen und Spiele der Eislauf. Zur Benutzung der Eisbahn „Unter den Eichen" wurde für dw Mitglieder der Jugendvereinigung eine Preisermäßigung erwirkt. Das Turnen wurde auch im verflossenen Jahre den hiesigen Turnvereinen Übertragern Bedürftigen Tur­nern wurde die Turnkleiöung gestellt. Zur Benutzung der städtischen Brausebäder erhielten die Mitgltede^Karten zum halben Preise. Außerdem wurde in den Monaten März bis November an jedem Mittwochabend nn Augusta- Biktoria-Bad gebadet. Eine Anzahl der jungen Leute er­hielt Unterricht im Schwimmen. ^ <.

Mit Beginn des neuen Schuljahres hat die Jugend­vereinigung ein eigenes Heim im Kammergebaude am Boseplatz bezogen. _

Zer ««vener „Ster in Hessen.

Daß es in Mainz doch noch eine ganze Anzahl Ein­sichtiger gibt, die sich von dem unberechtigten Lokalchauvi­nismus gegen Wiesbaden freizuhalten verstehen, beweist der Lokalplauderer der dortigen „N. A. , der rn ferner Wo­chenschau wie folgt schreibt:_ _

Sonntag, 28. Juni 1914

lieber den Wiesbadener Dreck ist in der Sitzung der Stadtverordneten auch gesprochen worden, mehr, atö die Sache an und für sich wert ist. Es ist ja wahr ev geht einem als Mainzer gegen den Strich, daß der Wiesbadener Dreck herüber in die Nähe von Mainz toll. Und wenn da-, in den auszufüllenden öden Erölöchern auch den besten Grund für ein neu zu erstehendes Waldstück bildet, dem Volksempfinden patzt der Wiesbadener Dreck nicht! An und für sich konnten sachliche und sanitäre Grunde nicht gegen das Projekt geltend gemacht werden: wie wäre das auch möglich gegenüber der Tatsache, daß wir den Mainzer Dreck doch Jahre hindurch in allermachster Nähe der Stadt auf der Jngclheimer Aue abgelagert uno diese damit aufgefüllt haben. Zur Vervollständigung der oft unangenehmen Gerüche, wenn dort Feuerbrande ent­facht wurden, ließ man noch auf das Vorland der Uue die aus der Stadt abgefahrene w a s s e r h a l t i g e L a t r i n e auslaufen. Da wären sanitäre Einsprüche ganz gewiß eher am Platze gewesen, wie für den Platz abseits vom Uhlerborn und dem Eisenbahndamm, ganz außerhalb des öffentlichen Verkehrs. Da der durch knappen Majoritätsbeschluß aufrecht erhaltene Protest der Stadt in Darmstadt kaum beiondere Beachtung finden wird, da selbst die Mainrer Landtagsabgeordneten ihren anfänglichen Protest nach erfolgter Besichtigung des Ge­ländes zurückgezogen haben, wird wohl der Vertrag der Regierung mit Wiesbaden perfekt werden und Mit dem Wiesbadener Dreck wird sich schließlich auch das . Volks­empfinden zufrieden geben, wie mit so manch' anderem vorher, wogegen anfänglich Sturm gelaufen wurde und nachher doch zur Tatsache wurde. Schließlich wird die Sache auch nicht zu arg werden und wenn nach Jahren auf den aufgefüllten Erdlöchern ein junger Wald entstanden sein wird, hat der Wiesbadener Dreck seinen. Zweck vollauf erfüllt und die Staatskasse hat über­dies eine Zubuße von jährlich 2000 M. gehabt.

Ordensverleihung. Dem Hauptmann Hüter im 1. Nassauischen Feldartillerieregiment Nr. 27 Oranten in Wiesbaden wurde der Rote Adleroröen vierter Klasse ver­liehen.

Nassanische Sparkasse. Die Direktion bittet uns um Aufnahme folgender Notiz: Mit Rücksicht auf den großen Andrang, der um den Semesterwechsel bis Mitte Juli bei der Nassauischen Sparkasse herrscht, wird empfohlen, zur Erledigung der Sparkassengeschäfte möglichst die Zeit von IO 1/2 bis 121/9 Uhr zu meiden, dagegen die Zeit von Zi/s bis'lüi /2 Uhr» oder 3 bis 6 Uhr nachmittags zu wählen. Uebrigens können bet den Sammelstellen der Nassauischen Sparkasse: Wellritzstraße 24. Webergasse 24, Bismarck­

ring 1, Kirchgasse 80, Schwalbacher Straße 99 und Oranien- straße 30 Einzahlungen und Rückzahlungen auf Spar­kassenbücher erfolgen. Auch in Biebrich, Sonnenberg, Dotz­heim, Bierstaöt, Erbenheim, Schierstein sind Sammelstellen der Nassauischen Sparkasse. Die Sammelstellen sind größten­teils den ganzen Tag geöffnet.

Versteigerung im Königlichen Theater. Donnerstag, den 2. Juli er., vormittags 10 Uhr, werden im Königlichen Theater (Eingang Wilhelmstraße) die seit September 1912 gefundenen und nicht abgeholten Gegenstände als: Schirme, Stöcke, Operngläser, Brillen, Taschentücher, Handschuhe etc., zum Vorteile der Theater-Kranken- und Unter­stützungskasse öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigert werden.

Ein Brand ans der Straße. Ein seltenes Schauspiel bot sich gestern mittag auf der Bahuhofstraße. Dort war ein Teerkessel in Brand geraten. Infolge des guten Brennstoffes loderten bald die Hellen Flammen zum Himmel empor. Die Rauchwolken ließen eine Annäherung nicht zu. Schließlich gelang es dem Vorarbeiter Ztnk- horn von der Asphaltgesellschaft, mit Sand das Feuer zu dämpfen. _ _

Kurhaus, Theater, Vereine, Vorträge usw.

K ö n i g l i ch e S ch a u s p i e l e. In der heutigen Auf­führung der Bizet'schen Oper „Carmen" mit Fräulein Bommer in der Titelrolle singt Fräulein Gärtner von hier zum ersten Male die Partie der „Mercsdtzs", Herr Ger- harts den „Remenöado", Herr von Schenck den „Zuntga und Herr Köhler vom Stadttheater in Mainz den „Dan- cairo". Morgen Montag, den 29. ös. Mts., geht als dritte Bolksvorstellnng Beethovens Oper „Fidelio" mit Fräu­lein Englerth in der Titelrolle in Szene. Als „Plzarro gastiert Herr Fritz Rupp vom Stadttheater in Essen.

Mitteilungen ans dem PuMkum.

Schwanefeldt, S™f sse 18

Spezialität: Silberbestecke und Aussteuern.

Unmittelbar vor ihm bäumte sich das Pferd eines seiner Gefährten hoch auf. Dann machte das Tier einen furcht­baren Satz, schleuderte seinen Reiter an einen Baumstamm und brach nach wenigen tollen Sprüngen tot zusammen.

Fritz vernahm noch, wie der im Walde liegende^ Kame­rad zweimal nacheinander jammerte: *0 men dieu . dann ging die tolle Jagd weiter. Zu lange hätte der Chaßeur- korporal sich der Ulanen nicht mehr erwehren könen, sein Pferd hatte einen achtstündigen Ritt hinter sich, wahrend seine Verfolger offenbar auf frischen Gäulen ritten.

Doch da sah Fritz plötzlich in dem Gebüsch etwas Rotes schimmern. Schüsse krachten. Die Ulanen wandten sich zum Rückzug, denn aus dem Gebüsch heraus entwickelte sich eine dichte Schützenkette. Jetzt erkannte der Chasseurkor- poral auch das Bahnwärterhaus wieder, hinter dem er die Feldwache getroffen hatte. Die Infanteristen waren ihm zu Hilfe geeilt. Ihnen hatte er sein Leben zu danken.

Als das Schießen vorbei und alle Gefahr vorüber, hielt er sein Pferd nn. Kaum war er mit Hilfe eines der Sol­daten abgestiegen, als der wackere Berberhengst stöhnend zusammcnbrach. Auch der Chasseurkorporal vermochte sich nicht lange mehr aufrecht zu halten. Außer am Oberarm war er auch am Kops durch einen Streifschuß verwundet worden. Die Wunde bemerkte er aber erst, als er sich die weiße Stirn abwischte und seine Hand dabei voll Blut wurde. Infolge des starken Blutverlustes und der rasenden Schmerzen im rechten Oberarm sank er tu eure trete Ohn- inrnfit und wurde von den Soldaten m das nahe Bahnwar-

Ä7Ä„« MM.-.--,! erllfir.e Me *«f. wunde für unbedeutend, ein um so bedenklicheres Gesicht machte er bei der Untersuchung des Armes, bei dem er eine Knochensplitterung konstatierte.

Als der Chasseurkorporal am andern Tage transport­fähig war, wurde er in einer Tragbahre zunächst nach dem Militärlazarett nach Forbach, einige Tage spater »ach Ha­genau transportiert. Dort kant er zuerst m französische, dann nach den unglücklichen Schlachten von Weißenburg, Wörth und Spichern unter die Obhut der deutschen Militar- pslege. ^ , . 0 .

Was der junge Chasseurkorporal während seines vier- monatlichen Aufenthalts im Militärlazarett auszuhalten hatte, ist schwer zu beschreiben. Die vielen Tausende von Verwundeten, die nach den so blutig verlaufenen Schlachten

von Wörth und Spichern nach den elsässtschen Stadien ge­bracht wurden, konnten zum allerwenigsten m Kranken­häusern mit hohen, luftigen Räumen untergebracht wer­den. Fritz lag in einem großen, niedrigen, völlig ansge­räumten Fabriksaale, in dem dreißig, von rohen Brettern in der Eile verfertigte Bettstellen, dicht nebeneinanderge­reiht standen. In den ersten Tagen nach den blutigen Schlachten vom 7. und 8. August glich dieser Saal tatsäch­lich einer „von Blutgeruch und Jammcrgestohn erfüllten Erdhöhle". Später, als die am schwersten Verwundeten tot, andere nur leichter Blessierte in ihre Heim>A znruck- kehrten, wurde allmählich der Aufenthalt in dem Saale eur menschenwürdiger.

Doch wie lange wurde dem jungen, lebhaften Mann erst die Zeit, als er Tag um Tag, Woche um Woche m ,ei­nem Bett stilliegen mutzte. Dabei hatte er recht , große Schmerzen in dem verwundeten Arme. Als begeistertem Franzosen war es auch tief niederdrückend für ihn, als eine Niederlage der französischen Armee nach der anderen in seinem Krankensaale bekannt wurde, in welchem, nach­dem einige schwerverwnndete Franzosen gestorben, außer ihm nur noch deutsche Krieger lagen. Wenn dann ferne deutschen Stubengenossen bei den Nachrichten von der Schlacht bei Sedan und der Gefangennahme Napoleons, bei den Schlachten um Metz und endlich bei dem Fall von Straßburg in nicht enüenwollenden Jubel ausbrachen und „die Wacht am Rhein", sowie andere patriotische Lieder sangen, erfaßte ihn tiefe Mutlosigkeit.

Dazu quälte den jungen Chasseurkorporal noch ein an­derer Kummer. Wiederholt hatte er die ihn pflegende Schwester Hedwig veranlaßt, kurze Briefe an seine Angehö­rigen zu Hause, an seinen Bruder und an seine Colette zu schreiben. Er selbst war durch seine Verwundung hiezu außerstande. Doch auf alle Mitteilungen und Ansragcn kam in den vier Monaten, tu denen er tu Hagenau ver­wundet lag, keinerlei Antwort. Frrh schob das Ausbleiben aller Nachrichten von seiner geliebten Colette, deren Photo- grapbie er ans seinem Nachttische neben sich stehen hatte und jeden Tag hundertmal betrachtete, anfangs auf die Un­sicherheit der Verkehrsverhältnissc infolge des Krieges. Doch schon nach wenigen Monaten vermochte er sich bannt nicht mehr zu trösten. Das Land war wieder im Friedens­zustand. Post und Telegraph funktionierten wie früher.

(Fortsetzung folgt.)