Nr. 2Ä5. _ Somrtag, 28. Jmn MesbkrderTes TaMatL.
und mit Mais, Wicken und dergleichen Futtermitteln bestellt werden. Von den Fäldfrüchten ist der Weizen am schlechtesten geraten, und vielfach mußte ex durch Kartoffeln und Dickwurz ersetzt werden.
Provinz Hessen-Nassau.
Regierungsbezirk Wiesbaden.
Gefährliche Verbrecher.
-k. Niederweidbach (Kreis Biedenkopf), 26. Juni. In der Nacht vom 24. auf den 25. d. M. wurde unser Dörfchen von Einbrechern heimgesucht. Ihr erster Besuch galt der Gastwirtschaft Roth. Mittels Brecheisens erbrachen sie die Haustüren, drangen in das Wirtslokal und entwendeten eine wertvolle Uhr, einen Geldbeutel mit ca 60 M., dazu eine größere Menge Zigarren, ohne von den Hausbewohnern bemerkt zu werden. Darnach drangen sie in die Kolonialwarenhand- lung S ch r e i n er ein. entwendeten 20 M., dazu Nahrungsmittel, drangen weiter in das Schlafzimmer und entnahmen aus den Kleidern des Mannes eine Taschenuhr, Messer und den Geldbeutel. Ihr letzter Besuch galt der Gastwirtschaft Rentsch. Hier hießen sie mitgehen: Geld im Betrag von 8 M., Zigarren, Zigaretten und den Koffer ernes Reisenden. Am anderen Morgen gelang es bald, Spuren der Verbrecher zu entdecken. Am Nachmittag zuvor hatten sich nämlich in den Straßen verdächtige Gestalten umhergetrieben, die sich als Reisende einer Ziegelei ausgaben und am späten Abend noch auf der Straße gesehen wurden. Am Nachmittag wurden auf dem Weg nach der Wommelshäuser-Hütte von zwei Einwohnern, die sich mit den Wachtmeistern Weißenberg und Witte auf der Verfolgung der Täter befanden, zwer Männer beobachtet, die man sofort als die Einbrecher erkannte, da sie die geraubten Sachen unter den Armen trugen. Nach Herbeirufung der Gedärmen entstand eine wilde Hetzjagd, wobei die Verbrecher Mantel, Schirm und dergleichen abwarfen. Schließlich gelang es dem Wachtmeister Weißenberg einen der Verbrecher zu fassen, bei dessen Durchsuchung man Lederhandschuhe, eine kleine Handspritze und ein Fläschchen mit Flüssigkeit vorfand, die zum BetäubenderHausbewohner dienten, alles Beweise, daß man es mit gefährlichen Einbrechern zu tun hat. Die Nacht mußte der Inhaftierte in Weidenhausen verbringen, während die beiden Wachtmeister die Verfolgung des zweiten aufnahmen, dessen sie aber nicht habhaft werden konnten. In derselben Nacht wurde auch in Gönnern ein Einbruch verübt. Der Wachtmeister Greiling verhaftete in Gladenbach drei M ä n n e r, die des Einbruchs verdächtig waren. Auf dem Gefängnishof entledigten sie sich ihrer Fesseln, stachen den Wachtmeister Greiling nieder und suchten über die Gefängnismauer zu entfliehen. Einer wurde von einem Zivilisten herunterge- rissen, flüchtete dann durch das Tor in den -Ort und gab auf jeden, der sich ihm entgegenstellte, Schüsse a b, verletzte aber niemand. Einem Einwohner gelang es, ihn von hinten zu fassen. Durch einen Schuß nach hinten suchte sich der Verbrecher seines Verfolgers zu entledigen. Der Schuß ging aber fehl. Mit Hilfe der herbeieilenden Passanten gelang es endlich, ihn zu überwältigen; er wurde nach einer gehörigen Tracht Prügel ins Gefängnis eingeliefert. Der Wachtmeister Greiling ist lebensgefährlich verletzt, da ein Stich die Lunge traf.
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— Kiedrich, 27. Juni. Die Rosenfirma I. Mondani xrhielt auf der Rosenausstelluna in Zweibrücken auf freie Landvflanzuna von bochstämmiaen und niederen Rosen den ersten Preis sowie drei Geldpreise und die goldene Medaille.
k. Höchst n. M., 27. Juni. In einem Hotel in Koburg hat sich der 21 Jahre alte Kaufmann Jean F r i ck e l von hier mit seiner Geliebten, der 10jährigen Johanna Weber aus Unter- lrederbach vergiftet. Frickel war feit Pfingsten mit seinen Ersparnissen (3000 M.) und dem Mädchen verschwunden.
bä. Frankfurt a. M., 27. Juni. Gestern nachmittag wurden inmitten der Stadt durch zwei fremde Automobile ein 16- jähriger Lehrling und ein 7jähriger Knabe überfahren und verletzt. — Die 46 Jahre alte Frau des hier wohnenden Eisendrehers Kollmann wurde gestern abend kurz vor 7 Uhr an dem Eisenbahndamm vor dem Griesheimer Exerzierplatz von der Maschine des Limburger E i I z u g s erfaßt und auf der Stelle getötet. Die Frau befand sich auf dem Wege zu einem ihr gehörenden in der Nähe liegenden Stück Gartenland. Ein junger Mann, der sich in ihrer Begleitung befand, konnte im letzten Augenblick zur Seite springen.
Jir. Weilburg, 26. Juni. Als Zuschuß, zu dem Denkmal- sonds für das Nassauerdcnkntal bewilligte dieStadtverordneten- BevsamnÄung nach dem Magistratsantraa 50 M.
Regierungsbezirk Rassel.
Bei einer Pionierübung ertrunken.
Ms. Kassel, 26. Juni. Bei einer Pontanübung des Hessischen Pionier-Bataillons Nr. 11 auf dem Wesevflusse bei dem benachbarten Münden hat sich heute ein schweres Unglück zugetragen. Eine Abteilung Pioniere sollte über die Weser schwimmen, als plötzlich die beiden letzten Leute an der Leine untergingen. Wahrscheinlich batte einer, derEinjährjg-Frei- willige Müblbausen von der 4. Kvmpagme. einen Herzschlag erlitten und hatte den anderen mit in dm Tiefe gezogen. Sofort machte man alle möglichen Anstrengungen, die Verunglückten zu' retten, die Offiziere sprangen selbst rn den Strom, aber leider kam Mühlhausen nicht wieder zum Vorschein, auch konnte später die Leiche noch nicht geborgen werden. Dagegen gelang es. den zweiten Pionier, der untergegangen war. noch tat letzten Moment zu retten.
GerichtZsaal.
wc. Die Handlinien als Verräter. Am frühen Morgen des 11. September v. I. wurden bei der Wiesbadener Krimi- nalpolizei zwei in der vorhergegangenen Nacht mittels Einsteigens durch das Oberlicht in Geschäften in der Häfnergasse und der Kleinen Burgstraße verübte Diebstähle zur Anzeige gebracht. In dem einen Fall war dem Dieb ein Barbetrag von etwa 10 M., in dem anderen ein solcher von 1 M. nebst einem Quantum Schokolade zur Beute geworden. An einer Scheibe entdeckte ein Kriminalbeamter den Abdruck des größten Teils einer Hand. Er mackste davon eine Aufnahme, und als in derselben Zeit aus Mainz verschiedene, ebenfalls mittels Ein- steigens durch Oberlichter verübte Diebstähle gemeldet wurden, begab er sich dorthin, um festznstellen, daß die Handlinien des dort Festgenommenen genau mit den hier hinter- lassenen übereinstimmten. Es handelte sich bei dem Menschen um den Spengler Leonhard R e n k e r aus Nürnberg. Wegen der Mainzer Geschichten ist er zwischenzeitlich zu 2 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Die hiesige Strafkammer hielt, so lebhaft der Mann auch seine Unschuld erklärte, ihn ebenfalls für überführt und erkannte wider ihn auf 2 Jahre 1 Monat Zuchthaus nebst öjährigem Ehrverlust.
wc. Schmutzige Milch. In der von dem Landwirt Heinrich Vtanke! aus D e l k e n h e i m herrührenden Milch sind
eines Tages Schmutzteile vorgefunden, und es ist ihm darauf der Prozeß gemacht worden wegen fahrlässigen Feilhaltens von verdorbenen Nahrungsmitteln. In erster Instanz, vor dem Hochheimer Schöffengericht, war ein Freispruch ergangen. Die Strafkammer erkannte auf 15 M. G e l d st r a f e wegen fahrlässigen Verkaufs eines verdorbenen Nahrungsmittels.
hd. Prozeß gegen den „Simplizissiurus". ..JBl ünchen, 27. Juni. Das Landgericht München 1 hat die Eröffnung des Hauptverfahrens wegen M a j e st ä t s be le i d i g u n g nicht nur gegen den verantwortlichen Redakteur F r e i s l e r vom „Simplizissimus", sondern auch gegen den Illustrator G u l l- branson und den Dichter Edgar Steiger beschlossen. Die Angeklagten hatten vergebens in ihren Eingaben darauf hingewiesen, daß sie in Stuttgart, dem Erscheinungsort des Blattes, angeklagt werden müßten. Die Verhandlung vor dem Schwurgericht kann erst nach den Gerichtsferien im Herbst stattfinden.
** Das Urteil im Warschauer Falschmünzerprozctz.
Petersburg, 27. Juni. Im Warschauer Falschmünzerprozeß gegen eine Reihe sibirischer Millionäre fällte das Gericht folgendes Urteil: Die Angeklagten Semeroff, Löwenthal, Litowskin, Kolpatschnikow und Tunajewski, von denen -einige Bankdirektoren sind, wurden wegen Anfertigung falscher 100-Rubel-Noten zu je 1 0 I a h r e n Z wangsarbeit und Ehrverlust verurteilt. 17 weitere Angeklagte erhielten 6 Jahre Zwangsarbeit, 27 Angeklagte 4 Jahre und 4 Angeklagte 3 Jahre Zwangsarbeit. Während der Verlesung des Urteils wurden einige Frauen und Kinder der Verurteilten von W c i n k r ä m p f c n befallen, weil sie eine so hohe Bestrafung nicht erwartet hatten.
§port und Luftfahrt.
Der Sport des Sonntags.
Der erste Abschnitt der Rennkampaigne erreicht am Sonntag mit der Entscheidung des Deutschen Derby in Hamburg seinen Höhepunkt. Auch diesmal wieder ringt die deutsche und die österreichische Zucht um die Palnre. Aus dem Nachbarlande ist Herrn N. v. Szemeres Confusiolmrius berübergekommen. um für seinen Besitzer das begehrteste aller Double-Events zu landen, nämlich auf den Sieg im österreichischen Derby noch den im deutschen Derby folgen zu lassen. In Hambuva tritt ihm die Elite unserer Dreijährigen vollständig entgegen, denn selbst die Gegnerschaft eines Arrel bat auf die Ställe nicht abschreckend gewirkt, sondern es wird sich etwa ein Dutzend Bewerber für das „blaue Band" Deutschlands am Start einfinden. Pferde wie Leonidas (Schläfke), Hasdrubal (Jennings) und Severns (Shurgold) kann man allerdings wühl von vornherein ausschcrlten. Der Gvaditzer Cyanit (Winter) gewann am Freitag in .Hamburg das Nickel- Rennen sehr leicht gegen Rübezahl, aber der Hengst hat ebenso wie Herrn R. Haniels Terminus (F. Lane) schon die Überlegenheit von Ariel anerkennen müssen. Auch der in dieser Saison stark verbesserte Kupfernagel steht nach vorjähriger Form unter dem Ovvenheimschen Hengst. Ein sehr gutes Laufen ist auch von Noteleß zu erwarten, wenn ihm nicht 2400 Meter schon zu weit sind-. In erster Linie mutz man jedoch zu dem in dieser Saison ungeschlagenen Ariel (Archibald) halten, der in Mischief (Korb) noch einen guten Pacemacher mit ans den Weg erhält. Der gefährlichste Gegner des Trägers der Ovvenheimschen Farben steckt in Herrn von Weinbergs Orelio (Shaw), der am vergangenen Sonntag durch sein hervorragendes Lausen im Großen Hansapreis eine starke Verbesserung erkennen ließ. Von den Rennen im Reiche sind die zu Düsseldorf am bedeutendsten. . Im Düsseldorfer Hürdenrennen im Werte von 10 000 M. _ ist Saint George schwer zu schlagen. Weitere Meetings finden in Breslau, München, Sichern, Tilsit und Verden statt. In Paris- Longchamv kommt in dem mit 300 000 Franken ausge- siatteten Grand-Prix de Paris das wertvollste Rennen der Welt zur Entscheidung. Die dreijährigen Pferde werden hier über die Distanz von 3000 Metern einer Prüfung unterzogen. Nach seinen bisherigen Leistungen müßte La Farina (O'Neill) gegen Scrrdanavale tStern) dem Gewinner des französischen Derby, die Oberhand behalten.
Im Radrennsport stehen mehrere Ereignisse von großer Bedeutung auf dem Programm. In erster Linie,ist die 5966.6 Kilometer lange Radfernfahrt Wien-Berlin zu nennen. Ebenfalls in der Reichshauptstadt gelangt das Große Goldene Rad zum Anstrag, in welchem der deutsche Meister Saldvw aus der Berliner Olvmpiabahn auf Wanke, Stellbrink, Thomas und Nettelbeck trifft. Sonst finden nur noch- in Mainz, Breslau und Weißenfels kleinete Rennen statt. Fm Auslande nimmt aus der städtischen Bahn zu Paris-Bincennes das Meeting des Großen Radfahrer- Preises für Flieger seinen Anfang, bei dem die beiden deutschen Flieger Stabe und Packebwsch beteiligt sind. In A n t - werpen trifft der Deutsche Appekhans auf den Franzosen Darragon und die Belgier Linart und Luycken, Auf dem Brüsseler Karreveld-Velodrom wird der Bol d'Or, ein 100- KAometer-Mannschaftsrennen mit Tandemführung. ausge- traaen.
Die olhmpischen Kämpfe im Deutschen Stadion versammeln die Athleten aus dem Reiche in Berlin, um hier zu zeigen, welche Fortschritte die svortliche Bewegung in Deutschland genommen hat, — Auf sußballsportlichem Gebiete fällt in Berlin die Entscheidung der Militär-Meisterschaft des Garde-Korps. Es stehen sich der vorjährige Meister, das Königin - Elisabeth - Garde - Grenadier - Regiment und das Garde-Schützen-Bataillon gegenüber. Von den Ruderregatten ist die Veranstaltung in Stratzburg. wo der Graßhopper- Klub-Zürich wiederum mit dem Mainzer Ruderverein zusammentrifft. die bedeutendste. Sonst finden noch Regatten in Berlin, Bremen, Magdeburg und Essen statt.
* Pferderennen zu Longchamp, 27. Juni. Prix de Mendon. 5000 Franken. 1. I. Rütgers Le Roys Glossop (O'Neil), 2. Jrminsul, 3. Le Beau Desir. 42:10; 20, 26:10. — Prix de la Porte-Maillot. 5000 Franken. 1. Loniploughs Dacier (Sharpe), 2. Foulbec, 3. Omaha. 95:10; 46, 24:10. — Prix de I'Argenteuil. 8000 Franken. 1. I. Binghams Gretry (Sharpe), 2. Kincade, 3. Chinette. 46:10; 17, 13:10. — Prix de Seine-et-Marne. 20 000 Franken. 1. I. Binghams Amadou (Sharpe), 2. Charing Groß 2, 3. Bobine. 54:10; 22, 560,
29:10. — Prix Kergorlay. 30 000 Franken. 1. A. Marones Autour (Mac Gee), 2. Kümmel, 3. Jaboteur. 86:10; 25, 18:10. — Prix de l'Ete. 6000 Franken. 1. L. Olry-Roederers Holly Hill (M. Barat),-2. Mcddlesöne, 3. Eight Beils. 88:10; 26, 33, 47:10.
* Turnverein Wiesbaden — Wanderabteilung. An der
am letzten Sonntag ausgeführten 6. Hauptwanderung,beteiligten sich 61 Wanderer» Bei herrlichem Sonnenschein wurde von Hattenheim über Hallgarien die Zange erreicht. Nach einstündiger- Frühstücksrast ging es weiter über die Mapper Schanze in das wildromantische Ernstbachtal, wo sich die Wanderer zu einer längeren Abkochrast niederließen, die jedoch ein schnelles Ende erreichte, da ein plötzlich hereinbrechendes -Gewitter in die Küche zu regnen begann. Unter Regen, Blitz und Donner ging es weiter nach Presberg, wohin die Hauptrast verlegt werden mußte. Nach einigen schön verlaufenen Stunden wurde der Marsch zum größten Teil wieder in strömendem Regen nach Lorch fortgesetzt, von wo die Teilnehmer um 9 Uhr 20 Mm. nach Wiesbaden zurückkehrten. — Die 7. H a up t w a-.« n<* ist wegen des am 26« Juli statt-'
Morgen-Aus gäbe, 1 . Blatt. Sette 5 .
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findenden Feldbergfestes als - Nachmittagswanderung nach Idstein auf den 5. Juta festgesetzt.
wb. Wien, 27. Juni. Heute morgen 6 Uhr erfolgte in Florisdorf der Start zu der Radfernfahrt Wien-Berlin. Am Start fanden sich 67 Amateure und 40 Berufsfahrer ein, die -von dem Bundesfahrwart Foerftner abgelassen wurden. Die '«trecke führt über Znaim, Jglau, Coslau, Petersdorf, Zittau, Zossen nach Berlin. Insgesamt haben die Fahrer 596 Kilometer zurückzulegen.
tleueZ am aller Welt.
Rätselhafter Tob einer reichen Amerikanerin in Paris. Pari s, 27. Juni. Großes Aufsehen erregt in der hiesigen Gesellschaft der plötzliche Tod einer reichen amerikanischen Dame, einer Frau Steward, die erst vor kurzem mit ihrem Gatten aus New Dort hier eingetroffen war. Sie war in einem der ersten Hotels der Stadt abgestiegen. Gestern früh benachrichtigte plötzlich Herr Steward das Hotelpersonal, daß seine Gattin einem Herzschlage erlegen sei. Der mit der Untersuchung beauftragte Arzt gab sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden, sondern benachrichtigte die Polizei. Man glaubt, daß die Frau an einer Vergiftung gestorben ist. Wahrscheinlich hat sie eine zu starke Dosis von der für ihr Herzleiden verschriebenen Medizin genommen. Der Gatte der Frau Steward ist gebeten worden, sich zur Verfügung der Polizei zu halten. Die Angelegenheit erregt hier allgemein das größte Aufsehen.
Epidemisches Auftreten von Augenbindehautentzündiing.
Nürnberg, 86. Juni. In mehreren Klassen der Volksschule treten unter den Kindern seit zwei Monaten Augen- bindehautentzündungen epidemisch auf. Es wurde daher die Schließung einiger Schulklassen angeordnet.
Tödlicher Autouufall eines ArzteS. Osnabrück, 26. Juni. Heute nachmittag geriet das Automobil des praktischen Arztes Hiltbrcnner aus Borgsloh zwischen Voxtrup und Lüstringen in die Geleise des in der Nähe liegenden Kalkwerkes. Der Kraftwagen stürzte um. Hiltbrenner kam unter das Auto zu liegen und wurde getötet. Der Wagen wurde stark beschädigt.
Selbstmord durch Abspringen von einem Aussichtsturm.
Meißen, 26. Juni. Der Ingenieur Alfred Kleeberg, der in der Maschinenfabrik von Wels angestellt ist, stürzte sich nach der Veruntreuung von Geldern von der Aussichtswarte des Rainbcrges bei Wels in die Tiefe und war sofort tot.
Wechselfälschungen einer Lehrerin. Eg er, 26. Juni. In Eger wurde die Lehrerin Karoline März verhaftet, weil sie auf den Namen ihres Geliebten, eines Ingenieurs, Wechsel in Höhe von viertausend Kronen gefälscht hat.
Ein Grubenbrand in Obcrschlcsten. Kattowitz. 27. Juni. Nach einer Meldung des „Oberschlesischen Wanderers" ist auf der EminenzMrube infolge Selbstentzündung ein Gvirben- brand ausgebrochen. Ein Steiger erstickte, während die übrige Belegschaft in Sicherheit gebracht werden konnte. Auch mehrere Pferde sind erstickt. Die gewaltige Rauchentwickelung machte zunächst die Löscharbeiten unmöglich. Die Folgen des Brandes sind noch nicht abzuseben. da nicht nur die Grubenzimmerung brennt, sondern auch feste Kohle.
Zum Brande in Salem. London, 27. Juni, über die Feuersbrunst in Salem bringt ein Privattelegramm der „Times" noch folgende Einzelheiten: Die furchtbare Katastrophe bat allgemeines Mitleid in den Vereinigten Staaten erregt. Cs ist bereits eine Subskription eröffnet worden, deren Ertrag den Geschädigten zur Verfügung gestellt werden soll. Die Negierung hat 5000 Zelte und Proviant für 10 000 Personen nach Salem abgesandt. Fast alle Jahrhunderte alten Häuser der Stadt sind von den Flammen zerstört worden. Auch das städtische Waisenhaus ist bis auf die Grundmauern niedergebrannt. jedoch gelang es noch rechtzeitig, die 160 Insassen, meistens Kinder, die sich im Hause befanden, zu retten. Auch das Hospital wurde von den Flammen ergriffen. Die Kranken mußten auf Tragbahren in aller Eile auf die Straße gebracht werden. Als das Feuer am heftigsten wütete, flüchteten etwa 1000 Frauen und Kinder auf den Friedbof. Die Frauen waren zum größten Teil von Panik ergriffen. Das Feuer dauert noch an. jedoch ist seine Macht gebrochen.
Ein Juwelendiebstahl beim Baron von Rothschild in Karlsbad. Karlsbad. 27. Juni. Großes Aufsehen erregt hier ein Juwelendiebstabl. der in der Wohnung des hier zur Kur weilenden Barons Alfons de Rothschild ausgeführt wurde. Als Baron Rothschild gestern rn seine Wohnung zurückkehrte, vermißte er einen Teil seiner sehr wertvollen Juwelen und benachrichtigte sofort die Polizei, die eine eingehende Untersuchung eingeleitet hat. ohne daß es ihr bisher gelungen ist, eine Svur von dem Täter zu entdecken.
Exploston in einer Svinnerei. Palma (Balearen), 27. Juni. Nach einer Depesche aus Bunola sind bei einer Erplosion in einer Svinnerei 17 Personen zum größten Teil schwer verletzt worden.
Folgenschwerer Felssturz. Kusel. 27. Juni. Im staatlichen Steinbvuch zu Rammelsbach ereignete sich heute früh ein folgenschwerer Felssturz, wobei mehrere Arbeiter verletzt wurden. Der 19iährige Arbeiter JakobMatheis wurde mit tödlichen Verletzungen aus dem Gestein hervorgezogen, und starb bald damnf: außerdem wurden noch zwei Arbeiter schwer verletzt.
Ein Zuaznsammcnstoß in England. London. 27. Juni. Bei einem Zusammenstoß zweier Personenznge außerhalb der Endstation Cannonstreet wurde ein Fahrgast getötet und 17 verwundet.
Offiziöser Epilog zur Meler Woche.
Eine scharfe Zurückweisung chauvinistischer Kommentare.
wb. Berlin, 27. Juni. Die „Nordd. Allg. Zig." schreibt:' Der Aufenthalt des Kaisers an der Wasserkante ist auch diesmal toterer reich an Eindrücken ,gewesen. Zu den Gästen der Kieler Woche gesellte sich diesmal das englische Gasch ad er, welches auf der Kieler Föhrde freundlich willkommen geheißen wurde. Daß deutsche und englische Seeleute sich überall in der Welt gut verstehen, ist .bekannt und bewährte sich auch wieder in Kiel. Für unsere Marine ist die Kieler Woche bAfonders bedeutungsvoll durch die Eröffnung der neuen Kanalhäuten. Der Moment, mit welchem unsere Grohkampfchifte den Kaifer-Wilhelm-Kanal passieren, zeigt eine wichtige Etappe tat der Entwickelung unserer Marine an und unserer «eeverterdigung. Die vorübergehenden Hamburger Kal)er»age mit -dem Stapellauf des neuen R i e s e n d -a m P f e t » der Hap « g standen unter dem Zeichen „Bismarcks". Der der Unterelbe-Re-gatta betonte der Kaiser selber diese Bedeutung stark, inidem er einen volks- tüinlicheu Ausspruch Bismarcks -aufnahm und als Richtschnur des deutschen Lebens und Handelns hinstellte. -Furchtloses' Krafkbewußtsein, .gegrunldet auf die fortgesetzte Ve-r- pollkomm nu n g der Gesamt-leistuntz-en der Nation für die vät-ebl-ändychen Aufgaben, -so will der Kaiser das Bismarck- sche Wort vep)»,anden wissen. Und die Nation wird ihm vollen Herzens zu)timmen. Zu feindseligen Komentaren biete der klare Sinn der K-ais.e-r.re.de keine Handhabe. Wir heben dies hervor, weil gerade in den letzten Tagen aiw
