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Seite 4« Abend-Ansgabe, 1. Blatt.

es am folgenden Tag^ weiter über Elz, Hadamar, Oberweyer, Obertiefenbach, Schupbach, Wirbelau, Gräveneck, Weinbach, Freienfels nach Weilmünster. Hier wird die Landes- Heil- und Pflegeanstalt besichtigt. Von Weilmünster wird die Fahrt über Einhaus, Grävenwiesbach nach Usingen (Be­sichtigung des Geländes zur neuen Landes-Erziehungsanstalt), Bad Homburg und Höchst fortgesetzt und findet nach Zurück­legung einer 245 Kilometer langen Strecke in Wiesbaden ihr Ende.

Die ärztliche Studicnkommission hat heute Wiesbaden wieder verlassen; sie ist nach Bad Homburg weitergereist. Später besucht sie Langenschwalbach, Schlangenbad und Bad Nauheim. Gestern abend gab die Stadt den Teilnehmern der Kommission im Kurhaus ein F e st e s s e n, bei dem der Magi­strat durch Bürgermeister Travers und Beigeordneten Borgmann sowie die Stadträte Arntz, Burandt, Hees und Philippi vertreten war. Die Wiesbadener Ärzte vertrat Dr. Schrank als Vorsitzender desÄrzte­vereins", die Stadtverordnetenversammlung Stadtv. Sanitäts­rat Dr. F r i e d l ä n d e r, die Kurverwaltung wurde durch Kurdirektor v. Ebmeher vertreten. Zu Ehren der Gäste wurde ein Feuerwerk veranstaltet.

Apothekerversammlung. Gestern fand im Kurhaus die Frühjahrsversammlung des Kreises Hessen-Nassau des Deutschen Apothekervereins unter dem Vorsitz des Apothekers Dr. Rüdiger (Bad Homburg) statt. Etwa 60 Apotheker waren erschienen. Es wurde festgeftellt, daß den Landapothekern durch die Reichsversicherungsordnung, und zwar wegen der Einführung der darin vorgeschriebenen Zwangsrabatts und Handverkaufslisten, eine schwere Schädigung zugefügt worden ist, und daß die Ordnung auch dem Stadtapotheker keinen Vorteil gebracht hat, weil die Mehreinnahmen, die ihm die zahlreichen Kranken­kassen gebracht haben, wegen der verminderten Zahl der Pri­vatabnehmer wieder verloren gehen. Die Apotheker- Fortbildungskurse in Nassau waren im vergangenen Jahre recht zahlreich besucht. Im nächsten Winter wird in Frankfurt wieder ein derartiger Kursus eingerichtet werden. Lebhafte Klage wurde über das überhandnehmen des unge­setzlichen Handels mit Arzneimitteln geführt. Nach der Tagung vereinigten sich die Apotheker mit ihren Damen im Kurhaus zu einem Essen. Anr Nachmittag wurde unter Füh­rung des Apothekenbefitzers B e tz h o l d (Theresien-Apotheke) die Stadt besichtigt, am Abend besuchte man das Gartenfest im Kurgarten.

Die Achtziger haben sich heute vormittag zum Regi- mentSexerzieren auf den neuen Truppenübungsplatz des 18, Armeekorps zu Bad Orb begeben. Die Truppen werden bis Gelnhausen mit der Eisenbahn befördert. Der Weg von dort bis zum Truppenübungsplatz wird zu Fuß zurückgelegt. Die Maschinengewehr-Kompagnie ist mit ihren Fahrzeugen bereits am Montag nach dem Truppenübungsplatz abgerücki. Die Rückkehr der Achtziger wird in etwa 3 Wochen erfolgen.

Englische Kirche. Der Gottesdienst der hiesigen anglo- amerikanischen Kirche wird während der Dauer der Wieder­herstellung deS Gebäudes in der altkatholischen Kirche, Schwcrl- bacher Straße 60, abgehalten werden.

Ein Schwindler. Aus dem Krankenhaus in Biebrich wurde der etwa 50 Jahre alte frühere Kaufmann G r o m - m e s, aus Hanau gebürtig, dem Untersuchungsrichter in Wiesbaden vorgeführt. Grommes ist der Verüber der Schwindeleien, die er in Wiesbaden, Biebrich und in Mainz bei verheirateten Frauen und bei Kaufleuten ins Werk gesetzt hat. Bei ersteren gab er an, ein guter Bekannter des Mannes zu sein, der sich in momentaner Geldverlegenheit befinde urid daher das Fahrgeld nach Hause benötige. Auf diese Weise hat er sich verschiedentlich Geldbeträge erschwindelt. Außerdem wandte er sich an die Vorstände der kaufmännischen örtlichen Organisationen, die er ebenfalls um Unterstützungen erleich­terte. Er gab sich hier als ein vorübergehend in Not gekom­mener Standesangehöriger aus. Daß er bei seinen Brand- sckatzunaen nicht unüberlegt, sondern sehr planvoll vorging, bewies eine bei ihm Vorgefundene Liste, auf der, offenbar nach Adreßbüchern zusammengestellt, die in Betracht kommenden Personen mit Wohnungsangabe standen.

Lebensmüde. Der 36 Jahre alte alleinstehende Schneider Schwarz, der seit einigen Wochen ein Zimmer in der Uorkstraße bewohnte, hat sich mit Leuchtgas vergiftet. Die Leiche wurde erst gestern abend aufgefunden. Sch. hat den Selbstmord bereits am Montag verübt. Gasgeruch war im Hause nicht wahrzunehmen, weil der Gasautomat abgelausen war. Das Motiv der Tat dürften Nahrungssorgen sein.

Personal - Nachrichten. Dem Landesrechnungsrevisor W i e n e ck e bei der Landesdirektion Wiesbaden ist der Titel Landesrechnungsdirektor verlieben worden.

Vorberichte über Nunst, VortrSgs und verwandtes.

* Königliche Schauspiele. Zu den morgen beginnenden volkstümlichen Vorstellungen sind Karten zu 25 bis 50 Pf nicht mehr zu haben. Die morgige VorstellungParstfal" ist be­reits vollständig ausverkaust.

Hi.is dem Wiesbaden.

-o- Biebrich, 24. Juni. Die Gesangsabteiluna des Be­amtender eins der Straßenbahner errang am Sonntag auf dem Gesangwettstreit in Eschbach im Klaffen- singen und im Ebrensingen je einen 1. und im höchsten Ehren- sinaen den 4. Ehrenpreis. Das M änn erquart e t t Biebrich errana in Schwetzingen den 1. Ehrenpreis der Großbcrzogin und den 1. Breis im Klaffensingen mit 126 bezw. 124 Punkten. Der Kallesche Gesangverein errang inOstheim bei Hanau in der 2. Stadtklaffe den 2. Klassen- vrcis. den Ehrenpreis 1 B und beim höchsten Ehrensingen den 8. Breis mit 112 Punkten.

Nachbarstaaten u. -Provinzen.

Aus dem Mainzer Stadtparlament.

Mainz» 24. Juni. Bei Fortsetzung der Beratung über den Haushaltsvoranschlag der Stadt Mainz kam es heute zu recht erregten Auseinandersetzungen. Vom Stadtv. Geher wurde Klage darüber geführt, daß der Beschluß einer Kommission, demVerein zur Bekämpfung des Alkohol- mißbratvchs" 500 M. zuzuwenden, in die Presse gekommen sei. Dieser Klage schloß sich Sanitätsrat Müller an, der schon öfter bei derartigen Gelegenheiten sich als ein Freund der Be­richterstattung von recht engbemessenen Grenzen erwiesen hatte. Die Sozialdemokraten Schildbach und Bauer hielten es für förderlich, wenn alle Projekte (mit Ausschluß von An- und Verkauf von Grundstücken) in der Presse veröffentlicht würden, damit das Publikum Stellung nehmen könne. Dr. Thilo ver­wies auf die Gepflogenheit des Reichstags, der auch die Kom­missionsberatung öffentlich aur Diskussion stelle. Zu noch lebhafteren Debatten führte der Antrag Schildbachs, die freie Kokslreserung an die Ordensschwestern

MiesbadSNer UpgVlM» Donnerstag, 85. Jum 1914. Nr. 29«.

des heil. Franziskus, St. Vinzenz a. a. (im Betrag von 300 M.) zu streichen. Es entwickelten sich darüber so erregte Auseinandersetzungen, daß Dr. Müller und Professor Über (beide Zentrum) den Schuh deS Vorsitzenden anriefen,_ den jedoch Oberbürgermeister Göttelmann unter Hinweis auf die Geschäftsordnung versagte. Schließlich wurde die freie Koks- lieferung auch für das laufende Jahr beschlossen. Unterdessen war es so spät geworden, daß die weitere Beratung des Etats auf morgen verschoben werden mußte.

Ein neuer hessischer Orden.

wb. Darmstadt, 24. Juni. Der Großherzog von Hessen hat einen neuen Orden gestiftet. In der heute in^ der Darmstädter Ztg." veröffentlichten Stiftungsurkunde heiß, es:Um das Band, das Fürst und Volk innig verbindet, mit einem sichtbaren Zeichen zu bekräftigen, das wir aus besonde­rer Huld und Gnade Männern und Frauen verleihen wollen, die sich in unserem Dienst oder durch Werke der Nächsten­liebe oder durch dem allgemeinen Besten dienende Bestre­bungen zur Wohlfahrt des Landes auszeichnen, finden wir uns bewogen, einen Orden zu stiften. Im Angedenken an unseren erlauchten Ahnherrn, der heiligen Elisabeth Enkel, den ersten Landgrafen von Hessen und Begründer unseres fürstlichen Hauses, Heinrich, aus dem Herzogstamm von Brabant, benennen wir den OrdenStern von B r a b a n t" und bestimmen den Geburtstag unseres erlauch­ten Vorfahren, den 24. Juni, zum Stiftungstag. Der Orden Stern von Brabant" steht unserem Verdienstorden Philipp des Großmütigen gleich. Er hat folgende Klassen: Großkreug, Großkomtur mit Türkisen, Großkomtur 1. Klasse, Großkomtur 2. Klasse, Komtur 1. Klasse, Komtur 2. Klasse, Ehrenkreuz

1. Klasse, Ehrenkreuz 2. Klasse, Ritterkreuz 1. Klaffe, Ritter­kreuz 2. Klaffe, Silbernes Kreuz 1. und Silbernes Kreuz

2. Klasse. Zu. dem Großkomturkreuz 2. Klasse, dem Komtur­kreuz, Ehrenkreuz, Ritterkreuz und Silbernen Kreuz kann auch die Krone verliehen werden. Außerdem werden noch Medaillen desSterns von Brabant" erteilt. Der Damen­orden desSterns von Brabant" zerfällt in fünf Klassen, Nämlich in Ehrenkreuz, Dame des Sterns von Brabant 1. Klasse und 2. Klasse, Dame des Silbernen Kreuzes und Dame der Medaille."

Gerichtslaal.

Ein Apollo-Prozeß. Herr Direktor Emil Nothmann teilt uns mit, daß die Forderung, welche die Besitzerin des Kaisersaals", Frau Schaub, eingeklagt habe, gänzlich unbe­rechtigt sei. Er habe bei dem Einzug die Miete für 14 Jahr mit 5000 M. im voraus bezahlt. Frau S. verlange jetzt für das zweite Quartal ebenfalls Miete, obwohl nicht er, Roth- mann, sondern ein anderer das Etablissement leite und die Vermieterin keinen Schaden erlitten Hecke.

tick. Ungetreue Rechtsanwälte. Bonn, 25. Juni. Die Bonner Strafkammer verurteilte den Rechtsanwalt Johann Linden, der Klientengelder unterschlagen und zu hohe Ge­bühren gefordert hat, wegen Untreue und Betrugs zu 16 Monaten Gefängnis und den Rechtsanwalt Peters, der einen Bürgschaftsschein gefälscht chatte, zu 2 Monaten Gefängnis.

Spott und Luftfahrt.

* Wiesbadener Rennen. Für das Erbenheimer Handikap Sonntag, den 12. Juli, wurden 24 Unterschriften abgegeben, für den Breis der Platte Dienstag, den 14. Juli, gingen

17 Unterschriften ein.

b Der Automobilrekord über die Merle geschlagen. New V 0 r k , 25. Juni. Der Automobilfahrer H 0 r n st e a d hat in Brooklands mittels eines deutschen Automobiles den Rekord über die Meile geschlag-en, der seit IMS von Henry gehalten wurde. Nach dem Reglement wurde die Distanz nach beiden Seiten hin durchfahren. Es wurden bei fliegendem Start durchschnittlich 29 Sekunden für die Meile, mithin 199 Kilo­meter und 700 Meter in der Stunde, zurückgelegt. Bei dem ersten der beiden Versuche wurde die Meile sogar in 28 Sekunden durchfahren, was 206 Kilometer in der Stunde bedeutet.

st. Hannes Kolchmainen. der bekannte finnische Welt- rekordläufer und Olvmpiasieger. der über ein Jahr in den Vereinigten Staaten geweilt hat, ist jetzt nach seiner Heimat zurück-gekehrt und bestritt am Sonntag zum erstennpl in Kotka wieder ein Rennen. Er siegte im 10-Kilometer- Rennen sicher über Steenroß in 82 Mim 21.2 Sek.

* Ein neuer Kaiscrpreis. Der deutsche Konsul in San

Francisco erhielt die Nachricht daß der Kaiser einen Siegesbecher für die Weitfahrten der Sonderklassen- iachten gelegentlich der Panama - Pacific - Ausstellung ge­stiftet habe. ^

Der Ostmarkenflug.

wb. Königsberg, 25. Juni. Zu der Aufklärungs- Übung nach Tilsit sind heute früh 26 Flieger gestartet, davon vier außer Konkurrenz. Als Erster traf aus Tilsit um 7 Uhr 22 Min. Hans Steffen ein. Er startete kurze Zeit später als Erster zur letzten Etappe des Zuverlässigkeitsflugs nach Danzig. Um 8 Uhr 10 Min. waren von Tilsit

18 Flieger zurückgekehrt und sieben nach Danzig abgeflogen. Bis %11 Uhr waren alle an der letzten Etappe Königsberg- Danzig teilnehmenden Flieger nach Danzig abgeflogen mit Ausnahme des Pizefeldwebels Reichert, der bisher noch nicht nach Tilsit gestartet ist, und des,Sergeanten Grün­wald, der bei Großscharlack einen Motor defekt erlitt.

Der neue Daucrflug-Rckord.

Die glänzende Leistung deS Fliegers B a s s e r , der den Weltrekord im Dauerflug, den der Franzose Boulei mit 16Va Stunden hielt, um mehr als 1% Stunden überbot, kann mit Recht als eine der hervorragendsten Taten auf dem Ge­biete des deutschen Flugwesens bezeichnet werden. Baffer hatte bereits zweimal den Versuch gemacht, den Rekord an sich zu bringen, mußte aber jedesmal die Absicht nach achtstündigem Fluge aufgöben. da bei ihm Gesundheitsstörungen ausgetreten waren, die in Vergistungserscheinungen bestanden, hervorse- rufen durch die AuSvuffgase des Motors. ,Bom Dienstag auf Mittwoch aber glückte das Werk; mit einer Flngdauer von 18 Stunden 2 Minuten wurde die französische Leistung ganz bedeutend überboten. Baffer benutzte für seinen Rekordflug einen Rumpler-Militär -Doppel deck er mit 100- UZ.-Mercades-Motor, den er erst seit wenigen Wochen steuerte. Der Flieger Basier ist 21 Jahre alt. Er be­suchte das Gymnasium in Wiesbaden und arbeitete dann praktisch in dem Baugeschäfl seines Vaters in Duisburg. Dann besuchte er ein Technikum, widmete sich später der Fliegerei und bestand in Gelsenkirchen 1912 sein Piloten- eramen. Im vorigen Jahre kam er-zu Rumpler nach Johannis­thal als Fluglehrer. Bekannt wurde Baffer durch seinen Zehn­stundenflug am 16. Februar d. J. den er bei unsichtigem Wetter ausführte und bei dem er van Johannisthal über Frankfurt a. M.-Düsseldors-Wesel nach Wanne flog.

Landmänn gelandet.

Der Flieger Landmann, der aufgestiegen war. um Basser den Erfolg streitig zu machen, infolge eines schweren Gewitters jedoch Meirichen wurde und mehrere Stunden ver­

schollen blieb, ist nachmittags ZVm Uhr in der Nähe vom L r e g - n i tz glatt gelandet. Laudmann flog bereits 14 Stunden, als das Unwetter heranzog,. Er war unschlüssig, was er tun sollte. Landen wollte er nicht, da er sonst um dre fruchte seiner Fahrt gekommen wäre. Entfliehen konnte er dem Ge­witter auch nicht recht, da das Unwetter von allen Serien hcvanckam. So versuchte er einen Umgehnngsversuch. der aber mißlang, und schon nach zehn Minuten kehrte der Flieger auf das Flugfeld zurück. Ein orkanartiger Wind peitschte, von Regen und Hagel begleitet, die am Rande des Flugplatzes stehenden Bäume. Der schwere Albatros-Doppeldecker wurde wie ein Spielzeug geschüttelt. Die Böen warfen die Maschme nach allen Himmelsrichtungen und das Flugzeug machte Sprünge von mehreren hundert _ Metern. Land-mann kämpfte wie ein Verzweifelter. Schließlich glückte es ihm, den, Westwind in den Rücken zn bekommen und- mit einer Ge­schwindigkeit von 180 bis 200 Kilometern raste der Doppel­decker vor dem Sturme her. Die Fahrt auf Leben und Tod führte den kühnen Flieger vor dem Gewitter rn etwa einer Stunde nach Lregnitz, wo er nach einer Dauerfahrt von 17 Stunden 31 Minuten glatt vor der Luftschiffhalle landete.

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In Zum Flug über den Atlantischen Ozean. London, 25. Juni. Der Leutnant Porte von der englischen Mcmne, der den Flug über den Atlantischen Ozean im, Aeroplan ver­suchen wird, hat gestern -die e r st e n Flüge mit dem Apparat unternommen, der von dem amerikanischen Ingenieur Courtls gebaut worden ist. Der Apparat gleicht einem riesigen Walfisch, der statt der Flossen Flügel besitzt. Dre Flug­versuche sielen zu allgemeiner Zufriedenheit aus-, .Trotz der beiden Schra,uben, die gleichzeitig oder auch nur einzeln ar­beiteten. blieb der Apparat äußerst stabil. Leutnant Porte Null am 16. Juli seinen Flug beginnen.

NeueZ aus aller Welt.

Ein Deckeneinstutz in einem Berliner Schulhaus-Reuvau. Berlin, 25. Juni. Sin folgenschwerer Bauunfall hat sich gestern nachmittag um %4 Uhr auf dem Neubau der Luisen­städtischen Realschule ereignet. Dort stürzte, während der Maurevarbeiten die Decke der großen Aula ein und begrub 11 Arbeiter unter sich, von -denen 7 mehr oder weniger schwer verlebt wurden.

Vergehen eines Hamburger Sittenschutzmanns. Ha m - bürg, 25. Juni. Hier wurde der Kriminalschutzmann Hoefgen verhaftet. Hoefgen, der der Sittenpolizei zugeteilt war, wird sich wegen Bestechung zu verantworten haben. Weiterhin wird er beschuldigt, sich mit einer Dirne, die er ver­haften sollte, eingelassen zu haben. Außerdem soll er von eurer Pensionsinhaberin, die junge Mädchen verkuppelte, Schwerge- gelder angenommen haben.

Ein Erdrutsch in einer Berliner Straße. Berlin,

25. Juni. Infolge der letzttägigeo starken Regensälle trat gestern abend in der BiSmarckstraße ein Erdrutsch ein. Eine Granitplatte versank nahezu 1% Meter tief. Unfälle sind nicht vorgekommen. Unter der Msmarckstraße besindet sich der Tunnel der Untergrundbahn. _ . .

Zu dem Zusammenstoß der DampferCobra" undKömgrrr Luise". Hamburg, 25, Juni. Nach der Kollision der beiden DampferCobra" undKönigin Luise" bei der Regatta auf der Unterelbe begegnete der Kaiser auf seiner siegreichen JachtMeteor" derKönigin Luise". Er bemerkte, daß das Schiff beschädigt war und ließ, nachdem er die.auf dem..Deck befindlichen Herren begrüßt hatte, durch Flaggensignal hmuber- fragen:Wer hat euch euren Bug eingedrückt?" Während srcb auf der-Königin Luise" etwa 100 Herren befanden, die auf derViktoria Luise" übernachtet hatten und dort mich abends an dem Kaiserdinrr leilnahmen, war, wie noch ergänzend ge­sagt sei. dieCobra" von ca. 800 Personen, Mitgliedern, des Regattavereins mit ihren Damen, besetzt, und auch die Schieds­richter befanden sich dort. DieKönigin Luise" und dre Cobra", die ein etwa vier Meter großes Loch au.fwerst, dürften schon in vier bis fünf Tagen völlig wieder repariert und rerse- säbig sein.

Zum Tode des Deutschen Dietz in Neapel. Neapel.

24. Juni. Entgegen der Meldung eines Berliner Mattes, nach welcher der Kaufmann Emil Dietz, der am 19. Juni in seiner Wohnung in Neapel durch einen Schuß ins Herz Selbstmord verübte, ermovdet sein soll, legt derMvtino" im..Interesse des guten Rufes von Neapel Wert darauf, zu erklären, daß diese Nachricht völlig aus der Luft gegriffen sei.

Unwetter in Sarajewo. Sarajewo, 24. Juni. Heute nacht wurde die Stadt von einem furchtbaren Gewitter imd- Wolkenbruch mit HngelsMag heimgesucht. . Der Blitz schlug in mehrere Bauerngehöfte und zündete. Die Straßen stehen unter Wasser. .

Selbstmord eines Deutschen m Venedig. Venedig. 24. Juni. In einem Anfall von Geistesstörung stürzte sich der Reichsdeutsche Hager, der imHotel Excelsior" Wohnung­genommen hatte, von dritten Stockwerk des Hotels in die Tiefe und war ans der Stelle tot.

Schweres Unwetter in den Bereinigten Staaten. Chicago, 24. Juni. Heute nacht wüteten in fünf Staaten heftige Stürme. In Watertown und Süddokota trug der Sturm den Charakter eines Tornado. Biele Häuser wurden zerstört und 22 Personen verletzt. Weiter wird gemeldet, daß der starke Regen außerordentlichen Schaden anrichtete. Besonders di« niedrig gelegenen Stadtteile sind empfindlich betroffen worden. Der durch den Sturm angerichtete Schaden beläuft sich auf mehrere Millionen Mark. In und bei Minneapolis sind vier Personen umg-ekommen und zwei töd­lich verletzt worden. In Watertown wird der Schaden aus eine Million Dollar geschätzt. Die Telegraphenleitungen der vom Sturm berührten Gegenden sind fast vollständig zerstört worden. _

Letzte Drahtberichte.

Der Lpionagsfall Nshl.

wb. Berlin, 25. Juni. In der Angelegenheit -der gestern gemeldeten Verhaftungen lassen sich jetzt noch folgende weitere Einzelheiten feststellen: Nachdem bei der Ingenieur-Inspektion das Fehlen von F e st u n g s p I ä n e n festgestellt worden war, wurde eine Beobachtung angestellt, die starke Verdachtsgründe gegen den Feldwebel Pohl ergaben. Dieser wurde da­her festgenommen. Er hat das Verbrechen bereits ein- -gestanden. Bei ihm wurde die Adresse des Dr. B l n m e n t h a l in Dresden gesunden, der, wie Pohl aussagte, mit ihm im Komplott handelte. Die Polizei stellte fest, daß der angebliche Blumenth-al der in Berlin geborene Kurt Paul ist, der unter falschem, ihm von Petersburg ausgestellten Paß als Dr. Blumen­thal in Dresden wohnte. Da die Festnahme Pohls strcaig geheim gehalten wurde, gelang es, einige Tage später, auch Paul festzunehmen. Auch er war ge­ständig. __

Stimmungsmache für eine Erhöhung des Fischeinfuhr­zolles.

s- Berlin, 25. Juni. (Eig. Drahtbericht) Wie wir hören, bemüht sich der Deutsche Landwirt- s ch a f t s r a t, Stimmung für eine Erhöhung des Fisch' einfuhrzolles zu machen. Angesichts der Vorbereitung neuer Handelsverträge hat er sich an die Jnteressenten- vertretungen mit der Bitte um Überweisung von Wün­schen und Anträgen gewandt, dabei aber eine Frage-

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