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Verlag Langgasse 21

„Tagblatt-Haus".

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Donnerstag 25. Zuni 1914.

Morgen'klusgabe.

Nr. 239. - 62. Jahrgang.

Heut deutsch-französische Marokko - Verhandlungen.

(Von unserem Pariser Berichterstatter.)

0. L. Paris, 23. Juni.

Das französische Marokko-Protektorat ist noch mit einigen oedeutenden internationalen Hypotheken belastet, an deren Aufrechterhaltung insbesondere Deutschland gelegen ist. Diese „Hypotheken" behindern die französische Machtaus- dehnung von Tag zu Tag mehr. Obschon man in Berlin keine Eile zeigt, dürfte es bald zu neuen deutsch-französischen Ver­handlungen kommen, die, wenn eine direkte Einigung nicht möglich ist, entsprechend den Bestimmungen des Abkommens von tüll vor dem Haager Schiedsgericht enden müssen. Die Kolonialpartei wird sich nur sehr ungern in einen Schieos- sprnch schicken; der haßerfüllte Ton, den der „Temps", das »Echo de Paris" usw. mehrfach in letzter Zeit anschlugen, lehrt, daß diese Herrschaften ihr seit 1905 so oft wiederholte? und nach gefahrvollen Episoden gescheitertes Experiment erneuern möchten, d. h. durch Drohungen und Grobheiten Deutschland zum Verzicht auf seine Forderungen zu bringen. Diese For­derungen stützen sich sämtlich auf die internationalen oder deutsch-französischen Verträge, die seit Algeciras abgeschlossen und nach Ansicht Deutschlands in zahlreichen Fällen verletzt , Worden sind. Die Ma h n u n g e n und P r o t e st e haben sich jetzt so gehäuft, daß sie sich allmählich zu einer Prinzip­frage entwickelten, zu der Frage, ob Deutschland seine wirt­schaftlichen Garantien ohne jede Entschädigung Preisgeben soll.

Lucien Hubert, der Berichterstatter des Marokko­budgets im Senat, der in Deutschland durch seine Vorträge bekannt wurde, hat in „La France de Bordeaux et du Sud- Ouest" in einem Artikel unter der Überschrift „Was man wissen muß" die strittigen Punkte und neuen Schwierigkeiten übersichtlich zusammengestellt; aber seine höflichen Kommen­tare, in denen sich teilweise die Ansichten des Quai d'Orsay widerspiegeln, können nicht unwidersprochen bleiben. Er schreibt:

„Am 4. November 1911 unterschrieb von Kiderlen- Wächter namens Deutschlands einen Brief und einen Vertrag, die „nach Verständigung" die Aufhebung der Konsu­largerichte alsbald nach Einführung „eines dem allge­meinen Rechts- und Gesetzesverfahren der interessierten i. Möchte entsprechenden Gerichtswesens in Marokko" vorsahen. Wir haben nun in Marokko das v, Kiderlen vorgesehene Ge­richtswesen durchgeführt. Es ist schon seit 10 Monaten in Tätigkeit und man möchte annehmen, daß diese Zeit für eine Verständigung hätte genügen können. Hier die Antwort. Vor einigen Wochen erklärte Staatssekretär Zimmermann im Reichstag: „Es ist unrichtig, daß Verhandlungen zwischen der deutschen und französischen Regierung über die Aufhebung der den deutschen Schutzbefohlenen zucrkannten Rechte schweben. * Die deutsche Regierung ist sich völlig der Bedeutung dieses Systems der Schutzbefohlenen bewußt und denkt nicht daran, darauf zu verzichten." Was bedeuten diese Worte Zimmer- Manns, wenn nicht, daß Deutschland in Marokko alle seine Vorteile weiter zu entwickeln sucht, wäre es auch nur, um ein kräftiges „Au stauschob j ek t" für spätere Unter­handlungen vorzubereitcn? Das ist übrigens noch nicht alles.

Werkbundausstrllimg.

Äusstellungsbriefe von Friedrich Huth, Architekt.

Denn man von der Leipziger „Internationalen Buchgewerbeausstellung nach der Kölner Werkbund- ousstelluug verletzt wird, so erstaunt man über diesen krassen Wechsel. Auf der Leipziger Ausstellung herrscht* während der Vormittage, häufig sogar noch bis gegen 4 LtJjr, eine feierliche Ruhe, obwohl alles vollendet ist und jede Halle sich in mustergültiger Ordnung präsen­tiert. In Köln wird überall noch gebaut, etwa die Hälfte der Säle sind verschlossen, und viele Räume be­finden sich noch im Stadium des Rohbaues; weite Flächen, die sich einst mit gärtnerischen Anlagen schmücken sollen, bilden seht noch einen weiten Schutt- ' hausen. Aber schon am frühen Morgen regt es sich, und gegen Mittag sind nicht nur die Ausstellungshallen, sondern auch die Restaurationen und Kneipen gut be­sucht.

Woran liegt es? Ist die Werkbundaiisstellung so diel interessanter als die des Buchgewerbes, daß sie selbst in unfertigem Zustande so bedeutend anziehender wirkt? Oder ist die rheinische Bevölkerung verständiger "der vergnügungssüchtiger als die sächsische? ---der ist "ex Fremdenverkehr in .Köln um so viel reger als tn Leipzig? Ich weiß es nicht; aber ich glaube, daß die Aerkbundausstellung im Juli einen enormen Verkehr Ausweisen und daß die Leipziger Ausstellung weit un­günstiger abschneiden wird. Allerdings ist nicht zu ver- ' kennen, daß die Kölner Ausstellung dem großen Publi­kum eine größere Abwechslung bietet, da ja das Knnst- gewerbe aller Fachgebiete, in Leipzig aber nur Buch­gewerbe und Graphik vertreten sind.

Die Lage des Ausstellungsterrains in Köln ist sehr

Diese Einrichtung der Schutzbefohlenen, die jede ernste Aktion lähmt wegen der gerichtlichen Straflosigkeit, die fiskalische Straflosigkeit nach sich zieht, spielt Deutschland infolge früherer,'nicht aufgehobener Verträge den wichtigsten Schlüssel zu den marokkanischen Einnahmequellen in die Hände. Es allein kann -schließlich die Erhöhung der Zolltarife über die Grenze von 10 Prozent hinaus erlauben. Obendrein hatte es schon den sofortigen wirtschaftlichen Aufschwung Marokkos sonderlich aufgehalten, indem es alle Bahnbauten dem noch nicht durchgesührten von Tanger-Fez unterordnete. Heute sucht es Streit mit uns wegen der städtischen Arbeitsver­gebungen. Wir hatten in der Tat das Prinzip der öffent- lichen Ausschreibung staatlicher Arbeiten zu­gelassen. Wie es scheint, gedenkt die deutsche Diplomatie diese Verpflichtung auf gewisse Gemeindearbeiten auszudehnen und droht uns, das Haager Schiedsgericht anzurusen. . . . Wäh­rend man uns im Parlament die Marokkoaffäre von der ruhmvollen Seite zeigt, gereichen unsere finanziellen Opfer unseren Gegnern zum Vorteil; bei jedem Schritt, den wir vorwärts machen,, vermehrt Deutschland gewissenhaft den Wert seines „Austauschobjektes" und aufmerksame Leute notieren, ich sage nicht voll Unruhe, aber voller Betrübnis, diös regelmäßige Anwachsen; erschließen unsere Soldaten neue Absatzmärkte, verstärkt oder beginnt Deutschland dort sogleich sein System der Schutzbefohlenen. Erläßt das Pro­tektorat eine Anleihe, tauchen gleich deutsche Gläubiger auf, von denen manche sich nicht genieren, was die jüngst so wohl­wollend aufgenommene Forderung einer halben Million be­weist. Eröffnen wir mühsam und mit hohen Kosten eine rein strategische Bahn, sieht man auf der Stelle deutsche Lokomo­tiven über die Geleise fahren!

Will man die Bergwerksfrage regeln, erstehen 1800 Reklamationen. Doch es gibt noch Schöneres. 1909 „desinteressiert" sich. Deutschland politisch in Marokko, wo es nur noch seine wirtschaftlichen Interessen wahren zu wollen erklärt. 1911 wiederholt es entschiedener diese Verzichtleistung und gibt formell zu, daß wir die einzigen Vertreter Marokkos dem Ausland gegenüber sein sollen, indessen läßt cs seinen Geschäftsträger in Tanger sortbestehen. Nachdem es wirt­schaftliche Vorrechte erlangt hat, gedenkt es, die politischen Rechte bcizubehalten, die es dafür in Zahlung gegeben hatte. Inzwischen wohnen wir im Kongo, dort, wo wir auf so schmerzliche Weise das Recht erwarben, unsere eigenen Herren zu sein, einer wahren Kampagne bei, dank der in unserem eigensten Gebiet Einfluß gewonnen werden soll. Wir haben offenes Spiel getrieben und erwarten das gleiche. Und wenn es Deutschland gefüllt, uns nach dem Haager Schiedsgericht zu führen, gehen wir hin; warum aber sollten wir dort nicht unsererseits die Frage der Kapitulationen aufwerfen, warum nicht die möglichen Streitfragen regeln, die ich in der Affäre Tanger-Fez entstehen sehe, worüber man in Berlin schon einen ganzen Aktenstoß vorbereitet? Und wenn man schon zu sprechen anfängt, warum dann nicht auch über die Zoll- fragen verhandeln? . Eine Verständigung wäre möglich. Wir besitzen auch, und zwar gerade in Marokko, tüchtige „Aus­tauschobjekte". Wenn nicht, bleibe ich bei der Ansicht, daß man uns hinters Licht geführt hat und daß man, nachdem man unsere Aktion rings mit Hindernissen umgab, jede Gelegen­heit benützt, um sie noch zu vermehren. Ich stoße hier nicht etwa den Schrei der Entmutigung aus, im Gegenteil. Um ein zur Größe meines Landes unentbehrliches Werk zu behüten,

günstig, aber da es ungleich und schiefwinklig zuge­schnitten ist, war eine großartige Entwicklung der Bau­anlagen, die Schaffung breiter Avenuen und weiter Durchblicke, wie in Leipzig, unmöglich. Das Terrain besitzt eine große Längenausdehnung und wenig Tiefe und ist eigentlich nur von einer Schmalseite aus be­quem zugänglich, so daß man an jedem Tage das ganze Terrain durchwandern mutz, um die Besichtigung an der Stelle sortzusetzen, wo man am Tage zuvor auf­gehört hat. Allerdings gibt es auch Landungsbrücken für die Rheinfähren; aber diese kommen für den großen Ausstellungsverkehr wenig in Betracht.

Die Ausstellung liegt am Rheinufer, und zwar aus der Deutzer Seite, so daß man von den Gärten und Terrassen der Ausstellung sowie von der von schönen, alten Bäumen eingefaßten Hauptpromenade das schöne Bild des Rheins mit seinem regen Dampfschifsverkehr und das wundervolle Panorama der guten alten Stadt Köln genießen kann. Man hätte aber diesen Vorteil mehr nutzen können, wenn man das Terrain an der Rheinseite völlig offen gelassen und nicht durch zahl- rciche Gebäude den Blick auf den Rheinstrom versperrt hätte. Andererseits ist durch den Vergnügungspark, einp elende Budenstadt, ein großes Terrain abge­schnitten worden, das man besser hätte nutzen können.

Man gelangt von der Rheinbrücke zunächst auf eine Art Vorterrain mit untergeordneten Gebäuden, zu wel­chem auch das gl ä s e r n e Haus zu zählen ist. Ein Pavillon aus einem Betongerippe mit Füllungen aus buntem Glase und einer bunten Glaskuppel. Es soll zur reicheren Verwendung des Glases für architektoni­sche Zwecke angeregt werden, doch dürfte dieser Pavillon wenig dem Zweck entsprechen. Nach längerer Wande­rung gelangt man zu einem nach Entwürfen des König­lichen Bauräts Karl Moritz geschaffenen PortaIba u.

schreibe ich diese Zeilen. Nur zu lange waren wir die Opfer der Politik des schwarzen Kabinetts. Gar zu viele bedeu­tende Männer wachen eifersüchtig über die Geheimnisse, die schon keine Geheimnisse mehr sind! Vor Diskretion darf man nicht stumm werden. Zu viel Lärm mag wohl eine Verstän­digung erschweren. Aber wenn man zu einem so traurigen Resultat kommen soll, ist das Schweigen noch schlimmer. Und darum: Auf nach dem Haag!"

Diese Ausführungen Huberts zeigen, daß sich die fran­zösischen Kolorualpolitiker so stellen mochten, als hielten sie die von Deutschland in sechsjährigen Verhandlungen mühsam errungenen wirtschaftlichen Vorteile und Vorbehalte für v e rw i r k t. Das System der Schutzbefohlenen konnte nicht von heute auf morgen aufgehoben werden; ein Land kann Ausländern nicht „Schutz auf Kündigung" gewähren, d. h. einen Schutz, der aufhört, sobald es einem der beiden Kontra­henten gefällt. Ein solcher Schutz ist obendrein mehr wie eine bloße Ehrensache. Er bringt Vorteil für den Prote­gierten und auch für das Land, das die Protektion zubilligt. Die deutschen Schutzbefohlenen in Marokko sind zum größten Teil Angestellte deutscher Kolonisten oder marokkanische Kaufleute, die in erster Linie mit Deutschland Handel treiben. Daß das Schutzsystem nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch einigermaßen politischen Charakter tragt, kann nicht verwundern, da heute im Völkerleben die wirtschaftlichen Fragen, ob man will oder nicht, im höchsten Grade auf die Politik rückwirken. Als die deutschen und französischen Diplo­maten von politischer „Desinteressierung" sprachen, trieben ft« darum Haarspalterei. Denn so lange Deutschland in Marokko wirtschaftliche Vorrechte haben wird, mutz e§ auch das Recht besitzen, auf ihre Durchführung mit allen Machtmitteln zu dringen. Und das ist schon Politik!

Eine der „Hypotheken" in Marokko ist der Zwang, der für das Protektorat besteht, alle öffentlichen Arbeiten zur inter­nationalen Konkurrenz auszuschreiben. Man will jetzt so tun, als wäre in den internationalen Verträgen nur an Arbeiten für den marokkanischen Staat gedacht worden. Das Haager Schiedsgericht wird die von dem „Temps" und anderen mißdeuteten Vertragsklauseln zu untersuchen haben, aber doch nicht um die Hauptsache herumkönnen: unter öffent­lichen Ausschreibungen versteht man in der ganzen Welt nicht nur staatliche, sondern auch städtische und überhaupt jede Gemeindearbeiten. Würde es so ganz selbstverständlich sein, daß die elektrische Beleuchtung von Fez ohne weiteres an eine französische Firma vergeben werden durfte, dann würden die Kolonialgeschäftspolitiker keine solche Wut über die deutsche Absicht, ein schiedsrichterliches Urteil anzurufen, bekundet haben. Drückt man aber ein Auge zu und sagt nichts zu diesem ersten Verstoß gegen die Vorschrift der öffentlichen Ausschreibung, dann werden morgen Hafenarbeiten und ge­wisse Bahnbauten vergeben werden können, immer unter dem Vorwand, daß es sich nur um städtische Arbeitsaufträge handle. Hier könnte mit einem Schlage das ganze Prinzip der inter­nationalen wirtschaftlichen Gleichberechtigung in Marokko vernichtet werden.

Senator Hubert beklagt es, daß man auf strategischen Bahnen auch einmal eine deutsche Lokomotive sehen kann. Glaubt er denn, daß überhaupt je in Marokko eine Bahn ge­baut wird, die nicht strategische Bedeutung hat? Und will er mit diesem militärischen Vorwand jede Beteiligung der ausländischen Industrie an den Bahnlieferungen ausschalten?

inem offenen Säulenhofe, der links und rechts von Zerwaltungsgebäuden erngeschlossen ist. Den Schmuck" es Hofes bilden große Mijolika-Pflanzen-Kübel, einige rtatuen und Wandgemälde nach Art der griechisch- ömischen Vasenbilder in roter Figurenmalerei auf chwarzem Grunde, in lebendigen Gruppen die ver- chiedenen Gewerbe darstellend.

Nach Durchschreiten des Portalbaus sehen wir uns uf einem rings von Gebäuden umschlossenen Platze — er aber nicht der Hauptplatz der Ausstellung ist, fern- ern sozusagen ein Platz zweiter Ordnung. Wir sehen >or uns ein von anmutigen Blumenbeeten umschlosse- :es Bassin und über dem Brunnenrande eine ruhende Lymphe; dahinter die Front der nach Entwürfen des Seheimrats Dr. Muthesius erbauten, und emgerrchte- en „Färbens ch a u", eines der architektonisch hervor- agendsten Gebäude der Ausstellung. Auf der linken aeite wird der Platz vom Kölner Hause, aus der rechten >on der Verkehrshalle eingefaßt.

Wir wollen vor allen Dingen der Farbenschau einen Sesuch abstatten. Man gelangt durch eine offene lffeilerhalle in einen mit Gemälden von H. Th. Sengen („Amazoncnschlacht„Morgen" und „Abend") jcschmückten Vorraum, und von hier in das Modell- heater von ovaler Grundfläche, das zur Vorführung >an Frauenkleidcrn an lebenden Modellen dienen soll. Die Ausstellungssäle gruppieren sich um diesen Mittel- >au und setzen sich am rechten, Seitenflügel fort, wäh- end der linke Flugei durch , einen Teil der „Lade n- traße" gebildet wird. Diese Gliederung tritt auch n der Außenarchitektur deutlich zur Erscheinung. Das Nodelltheater wird in der Außenarchitektur durch eint mf hohem Tambour ruhende Kuppel betont.

Mit dem Verlangen nach neuen Formen, die dem Zwecke der Erzeugnisse anaevaßt sind und überffüsiiaes