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Nr. 377.

Donnerstag, 18. Juni 1911.

WiesdaSsnes Ta§d!«lL.

Morgen-Ausgabe, 1. Blatte

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Getto S.

sofort folgende Antwort: „Tiefbewegt bitte ich. Seiner Maje­stät meinen alleruntertänigften Dank für die allergniädigste Anteilnahme zu unterbreiten. Nachdem gestern eine gering­fügige Besserung eingetreten ist, ist heute durch Hinzutritt von sehr schmerzhaften Nervenentzündungen mein Allgemeinbe­finden schlechter, obgleich das Fieber zurückgegangen ift Ich bin aber in bester, zuverlässigster Behandlung von Geheimrat Körte und Sanitätsrat Kirchhofs. Graf v. Schwerin-Läwitz". — Auch von der Großherzogin Luise von Baden ist ein sehr herzliches Telegramm eingegangen, ebenso von zahlreichen anderen Fürstlichkeiten, vom Reichs­kanzler und von fast sämtlichen Ministern und Staats­sekretären. Das Telephon ist fast ununterbrochen in Be­wegung.

Die neue reusnsche Gemeindeordnung. Ans Gera wird berichtet: Im Landtag des Fürstentums Reuß j. L. wurde am Dienstag der tz 47 der neuen reutzischen Gemeindeord- nung, die die verschiedenen Wahlsysteme je nach der Ein­wohnerschaft der Orte regelt, nach dem Kommissionsvorschlag angenommen ' § 48 wurde nach der Regierungsvorlage an­genommen, die verlangt, daß bei den Gemeinderatswahlen nur gebundene Vorschlagslisten abgegeben werden sollen, bei denen zwar Namensstrerchungcn, jedoch keine Abänderungen zulässig sind. Bei dem tz 52, der nach der Regierungsvorlage Wahlpflicht und nach dem Kommissionsbeschlutz Wahlzwang verlangt, ergab sich bei der Abstimmung Stimmengleichheit, da selbst bei den bürgerlichen Abgeordneten keine Sympathie für einen Wahlzwang vorhanden war. Die nochmalige Ab­stimmung über diesen Punkt wurde für später zurückgestellt.

Nechtspflege und Verwaltung.

Zum Studium des amerikanischen Strafrechts. Eine Studienkommission, die im Auftrag des Justizministers nach den Vereinigten Staaten gereist war, um sich über das ameri­kanische Strafrecht zu unterrichten, hat, wie Geheimrat P l a s ch k e gestern abend in Berlin berichtete, fast nichts Nachahmenswertes gefunden als die Behandlung der jugend­lichen Verbrecher.

Heer und Flotte.

DaS 50jährige Dicnstjubiläum kann auch Kapitän z. S. Frhr. v. Ehrhardt in diesem Jahre feiern. Frhr. v. Ehr­hardt trat während des deutsch-dänischen Krieges am 20. Aug. 1864 in die damalige preußische Marine. Am 16. März 1889 bei der Apia-Katastrophe rettete er die ganze Besatzung und den Kreuzer dadurch vor dem Untergang, daß er das Schiss zur rechten Zeit aus den Strand setzte.

Ein Wechsel in der Besetzung der ostasiatischen Station. Aus der ostasiatischen Station wird im kommenden Halbjahr ein Wechsel der als Depeschenboote dienenden Hochseetorpedo- boote eintreten. Seit 1800 und 1902 unterstanden die Boote „8. 90" und „Taku" dem Kreuzergeschwader. Sie befuhren vorzugsweise die chinesischen Küstengewässer und den Jangtse­strom,' aus dem sie bis nach Jtschang hinausdampsen konnten. Dafür sind die Schwesterbootc „8. 120" und „8. 121" be­stimmt worden, die bisher den heimischen Flottillen ange- hö^tcn. Sie verdrängen je 470 Tonnen und sind somit leistungsfähiger als die bisherigen Depeschenboote. Von diesen hat „Taku" schon am 30. Dezember 1913 die Flagge gestrichen, „8. 90" scheidet in diesem Jahre aus. Damit treten „8. 120" und „8. 121" die Ausreise nach Tsingtau an.

Post und Eisenbahn.

Die Bricfpostcn für Mexiko. Nach einer Veröffentlichung des Postamts New Dork werden seit Mitte Mai von dort Bricsposten sür Mexiko nur nach den Staaten Baja Cali­fornia, Chihuahua, Coahuila (nur teilweise), Durango, Nuevo Leon (nur teilweise), Quintana Roo (mit Ausnahme von Warensendungen), Sinaloa, Sonora, Tamaulipas, Tepic, Campeche und Jucatan sowie sür die Städte Beracruz und Puerto-Mexico weitergesandt, solche sür alle übrigen Teile von Meriko^aber bis aus weiteres in New Dork zurückgehalten. Für die letztgenannten Sendungen steht ein anderer Leitweg als über New York zurzeit nicht zur Verfügung.

Mehr Komfort in der Eisenbahn. Das Eisenbahn­zentralamt in Berlin hat dem Verbände reisender Kaufleute Deutschlands in Leipzig mitgeteilt, daß er mehreren An­regungen des Verbandes zur bequemeren Ausgestaltung der Personenwagen stattgeben wolle. So sollen ,n den neuen Wagen die Sitze breiter und die Gepäcknetze umfangreicher gebaut werden. Zur Vermeidung von Zugluft werden an den Tü'-en aller Personenwagen Schutzvorrichtungen ange­bracht werden. Zu der Einführung von Schrerbmaschinen- abteil-m in den v-Zügen, die der Verband ebenfalls angeregt hatte, hat sich das Eisenbahnzcntralamt fedoch nicht ent- ischlietzen können, weil nach seiner Ansicht dreier Neuerung zu große Schwierigkeiten entgegenstehen.

Deutsche Schutzgebiete.

N. P. C. Verkehrsverbcsscrungen ttt Neuguinea. Das

'aiserliche Gouvernement des Schutzgebietes Neuguinea hat Ir die weitere Erschließung ein größeres Wegebau pro» ramm ausgestellt, das u. a. folgende ^-derunMn enthielt: 1er Bezirk Raibaul mit Herbertshohe soll 1915 90 000 M. rhalten. Auch für die übrigen Bezirksämter und Stationen :ll etwas mehr als im Vorjahre beantragt werden Um die ür Neubauten ausgcworscnen Mittel nicht wie blAang zum 'eil für Unterhaltung, sondern tatl-achtich sur Er« , eiterung des Wegenetzes verwenden zu können, wird ine Erhöhung -der Summen sür fortlaufende Wegeunter. altung erforderlich. Es hat erne möglichst genaue Be. nndsauisnahme aller 'bestehenden ausgöbauten straßen statt, esunden. An gut fahrbaren Straßen bestehen rund 250 Kilo» reter. Für 1 Kilometer rechnet man 100 M., so daß 25 000 stark' sür Wegeunterhaltung zu fordern sein werden. Mit ieser Summe wird sich ermöglichen lassen, die schon ausge. auten Woge in Stand zu halten An größeren Probten ommt die Brücke über den Kerawat am Weberhafen und ie Mer den Wilantuba in Kaiser-WikhelmÄand in Frage. Sie entere Brücke wird rund aus 30 000 M., d-e letztere unge. ähr aus 35 000 M. zu stehen kommen. Es ist weiterhin be- lbsichtigt, ebenso wie sür 1913/14 auch für 1915 weitere stittel sür den Bau von B r u n n e n anzurordern.

klusland.

England»

Ein Seemannsstrcik in London. London, 17. Juni. Die SchiffsmaschiNt'sten der Trampdampfer sind geistern in den Ausstand getreten. In allen wichtigen Seehäfen weiger­ten sich gestern die Schifismaschinisten, sich anheuern zu lassen. Sie verlangen eine Lohnerhöhung von 30 bis 40 Schil­ling pro Monat. Wir erwartet, daß heute 2000 Mann

streiken weiden, und daß der Streik die Kohlenproduk« tion in Wales und anderen Kohlenrevieren lahm legen werde.

Dänemark.

Der internationale Pressekongreß. Kopenhagen, 16. Juni. Der internationale Pressekongreß hielt heute seine Schlußsitzung ab, welcher u. a. auch der Ehrenpräsident des Kongresses, der Minister des Innern Rode und andere hervorragende Persönlichkeiten bei­wohnten. Der Präsident des Kongresses, Redakteur Singer- Wien, dankte in begeisterten Worten dem König von Dänemark, der Regierung und den städti­schen Behörden von Kopenhagen sowie dem dänischen Komitees sür den einzig dastehenden herzlichen Emp­fang und sür die Festtage, welche die Kongreßteil­nehmer in Kopenhagen verbracht hätten. Nachdem der Ehrenpräsident gedankt und eine Reihe anderer Redner ihren Dank dargebracht hatten, erklärte Redakteur Singer den Kongreß sür geschlossen.

Norwegen.

Die Spitzbergenkonserenz. Christiania, 16. Juni. Heute wurde die Dpitzlbergenkonsereng hier eröffnet. Ver­treten sind Dänemark, Schweden, Norwegen, Großbritannien, die Vereinigtvn Staaten von Nordamerika, Frankreich, Hol­land, Rußland und Deut 's chl a n Id. Der Minister des Aus. wärtigen Ihlen entbot der Konferenz im Namen der Regie- rung Willkommen und sprach die Hoffnung aus, daß die Ar- beiten des Kongresses gute Ergebnisse zeitigen möchten. Der norwegische Gesandte in Kopenhagen, Hiagerup, wurde zum Vorsitzenden der Konferenz gewählt.

Nilkland.

Enthüllung des Denkmals Alexanders I. Kr schi­rr ew, 17. Juni Der Kaiser und die kaiserliche Familie nahmen an der Enthüllung des Denkmals Alexanders I. teil, des Befreiers Bessarabrens von der türkischen Herrschaft. Dann reisten die Herr­schaften nach Petersburg ab.

Zum Empfange des Königs von Sachsen. Peters­burg, 16. Juni. In Zarskoje-Sslo werden große ^Vorberei­tungen zum Besuche des Königs von Sachsen getroffen. Die Stadt wird ein festliches Aussehen haben. Aus Un­ordnung des Hofes wird sogar die Eisenbahnlinie, auf der der Gast eintreffen wird, mit Blumengewinden geschmückt. Man erwartet einen großen Zustrom des Publi­kums nach Zarskoje-L-elo. Am Tage nach der Ankunft des Königs, 7. Juni a. S., wird eine Parade sämtlicher Regi­menter der Petersburger Garnison stattfinden.

Valkanstoaten.

Die bulgarische Anleihe. Paris, 17. Juni. Das „Echo de Paris" veröffentlicht nachstehende Information aus privater Quelle: „Wir erfahren, daß zwischen der

bulgarischen Regierung und deutschen Finanzleuten, die seit einiger Zeit wegen einer 500- Millionen-Anleihe mit Bulgarien verhandeln, ein Abkommen zustande gekommen ist. Dasselbe erstreckt sich einstweilen allerdings nur aus einen Vorschuß von 80 Millionen Mark. Es ist aber wahrscheinlich, daß der Abschluß der vollständigen Anleihe nicht mehr lange aus sich warten lassen wird. Um diese 80 Millionen zu erlangen, hat die bulgarische Regie­rung folgende Verpflichtungen einzugehen: 1. Der Hasen von Lagos ist von einer deutschen Gruppe zu erbauen, 2. die Kon­zession für die den Hafen bedienende Eisenbahnlinie wird ebenfalls einer deutschen Gruppe erteilt, 3. eine deutsche Gruppe erhält die Konzession auf eine weitere Eisenbahn­linie, deren Trace nock näher zu bestimmen ist. Gegebenen­falls kommt an Stelle dieser Konzession diejenige eines Berg­werkes in Betracht. Das Tabakmonopol figuriert einst­weilen also nicht unter den Deutschland angebotenen Garan­tien, da die Regierung den Widerspruch der Sobranje fürch­tet. (Nochmals sei hervorgehoben, daß diese Meldung aus französischer Quelle stammt. Schristltg.)

Die rumänischen Senatswahlen. Bukarest, 17. Juni. Nach dem endgültigen Ergebnis der SeNatAvahlen für die konstituierende Versammlung sind gewählt: 81 Liberale,

22 Konservative, 12 konservative Demokraten und 3 Unab­hängige. -

Mexiko.

Nahrungsmangel in Beracruz. Wafhrngton, 16. Juni. Infolge des in Veracruz unter dem amerikanischen Militär herrschenden Mangels an Lebensmitteln hat die Regierung der Unionstaaten beschlossen, alle Nahrungsmittel bis zum 25. Juni zollfrei in Beracruz einsühren zu lassen, sowohl aus den fremden Häsen, wie aus den Unionstaaaten.

Siidnmsrrkc».

Anlcihcaufnahme in Brasilien. Rio de Janeiro, 16. Juni. Die Kammer nahm mit 102 gegen 20 Stimmen einen Gesetzentwurf an, der die Regierung ermächtigt, eine Anleihe aufzunehmen, um der gegenwärtigen schlechten Lage des Staatsschatzes äbzuhelsen.

Verschwörung gegen den Präsidenten von Peru. Lima, 16. Juni. Hier ist ein revolutionärer Anschlag gegen den Präsidenten Dr. Guillermo E. Billinghurst entdeckt worden. Der Präsident erhielt durch einige Verräter Kenntnis von dem gegen ihn geplanten Anschlag und überraschte an der Spitze einer Kavallerieabteilung die Verschwörer, die alle gefangen genommen wurden. Nur einer der er- bittersten Feinde deS Präsidenten konnte rechtzeitig entfliehen. In Lima selbst ist alles ruhig, starke' Kavalleriepatrouillen durchstroisen die Stadt.

Ehina.

Kein Verzicht aus die Mongolei. Peking, 16. Juni. Im Palast des Präsidenten fand heute eine Konferenz hoch­gestellter Mongolen und Chinesen statt. Es wurde beschlossen, die kaiserliche Familie solle den Hutuchtu von Urga tele­graphisch ersuchen, die Uuabhängigkcitserklärung zurüekzu- zieihen. Präsident Vuanschirai entsendet Vertreter nach Urga, die den Hutuchtu überreden sollen, der Wiedervereinigung mit China zuzustimmen. — Der Hutuchtu von Urga verhandelt mit Rußland wegen einer Anleihe -in Höhe von einer halben Million Rubel.

Die revolutionäre Bewegung. London, 16. Juni. Aus

Schanghai wird gemeldet, daß die Gouverneure der Pro­vinzen Honan, Schaniung und Kiang-su von der Zentral- rqgierung in Peking davon in Kenntnis gesetzt worden sind, daß sich eine neue B o x e r g r u p P e unter dem Namen „A l l g e m eine B u d d h i st e n - G'e se l l s ch a f t" gebil­det hat. und daß sie diese Verbindung mit aller Macht unter­drücken sollen. Vorläufig besteht noch keine Gefahr.

41. Deutscher Sastrmrtetag.

S. u. II. Magdeburg, 16. Juni. - Unter Beteiligung von über 1000 Gastwirten aus allem' Teilen des Reichs begannen heute hier die Verhandlungen des 41. Deutschen Gastwirtetags mit einer Sitzung der Bevollmäch­tigten, die den ganzen Tag aussüllte. Der langjährige^ Vcr- bandspräsident Auton Ringel (Berlin) erössnete die Sitzung mit einer Begrüßung der Erschienenen und einem Dank an den Magdeburger Gastwirteverein für die freundliche Aus, nähme. Der Vorsitzende legte dann den

Bericht des geschästssührendcn Ausschusses vor, der seststcllt, daß das vergangene Jahr sür das Gewerbe ein Jahr des schwersten Niedergangs war, da die allgemeine Ungunst der Zeit die Kauf- und Konsumkraft des großen Publikums schwer schädigte. Dazu komme der Besteue- rungs-eiser des Staats und der Kommunen. — Dem von Braun (Berlin) erstatteten Kassenbericht ist zu entnehmen, daß 20 Zonen des Verbands und die beiden Ber­liner Vereine aus Anlaß des 40jährigen Bestehens des Deut­schen Gastwirteverbands und der 10jährigen Tätigkeit des Präsidenten Ringel beschlossen haben, einen Grundstock sür ein Erholungs- oder Altersheim zu stiften und diesem ^den Namen „Anton-Ringel-Stiftung" beizulegen. Das Vermögen des Verbands vermehrte sich im abgelaufenen Geschäftsjahr um ca. 77 000 M. Der Jahres- und Kassenbericht wurden gegen eine Stimme gutgeheißen. — Über die Frage der ~ Verschmelzung des Verbands mit dem Bund Deutscher Gastwirte in Leipzig

referierte der Vorsitzende der schlesischen Zone Hoteldirektor Hiersemann (Breslau). Er führte aus, daß die Ver­schmelzung eine dringende Notwendigkeit sei, um die Stoßkraft des Verbands zu erhöhen. Die gegenwärtige Lage des Gast- wirtsgewerbes sei derartig, daß nur das einmütige Vorgehen aller Verbände zum Ziel führen könne. Die Verschmelzung mit dem zweitgrößten Verband, dem Bund Deutscher Gast­wirte in Leipzig, werde dazu führen, daß auch die anderen Verbände, die noch abseits stehen, sich der großen deutschen Bewegung anschließen. Die überwiegende Mehrheit der Dele­gierten des Bundes habe sich auch bereits für die Verschmel­zung ausgesprochen, so daß die Frage geklärt sei. - Der Mit­berichterstatter Dervenich (Hagen) befürwortete die Ver­schmelzung im Namen des Rheinisch-Westfälischen Verbands. — Nach weiterer Debatte wurde hierauf unter großem Beifall der Antrag auf Verschmelzung mit dem Bund Deutscher Gast­wirte angenommen.

Es folgte die Beratung von Anträgen der Zweigvererne und Unterverbände. Ein Antrag der Vereine aus dem Regie­rungsbezirk Magdeburg, den Vorsitzenden der Zonen, die über 2000 Mitglieder zählen, statt einer z w e i S t i m m e n ber den großen Vorstandssitzungen cinzuräumen, wurde abgelehnt. — Die Erörterung der

Zweckbestimmung der Ningcl-Stistnng ries eine lebhafte Debatte hervor. Es wurde beschlossen, den großen Vorstand und den geschäftsführenden Ausschuß zu be­auftragen, dem nächsten Gastwirtetag eine Vorlage darüber zu machen, wie die gesammelten Gelder verwandt werden sollen. Die Überschüsse aus dem gemeinsamen Kohlesäurebezug sollen künftig nicht mehr der Notstandskasse, sondern der Ringel- Stiftung überwiesen werden. Der Antrgg aus Herausgabe eines Sammelwerks von Gesetzen und Verordnungen, die das GastwirtSaewerbe betressen, wurde abgelehnt.

Zum Ehrenmitglied des Deutschen Gastwirteverbands wurde der Vorsitzende der Zone Braunschweig Moldenhauer ernannt. Ferner wurde bei den Wahlen der zweite Stellver­treter des Präsidenten Lasse (Berlin) wiedergewählt. — ZmN Ort des nächsten Deutschen Gaftwirtetags wurde einstimmig Königsberg i. Pr. gewählt. —- Die Verhandlungen wer­den morgen fortgesetzt.

Kus Stadt und Land.

Wiesbadener Nachrichten.

Die Wertzuwachssteuer.

Von der Ortsgruppe Wiesbaden des „Bundes deut­scher Bodenresormer" wird uns geschrieben: In

Nr. 223 und 227 Ihrer Zeitung erschienen zwei Artikel über zwei Fälle von Zuwachssteuererhebungen, die geeignet sind, m den Herzen der unbefangenen Leser ein gelindes Grauen gegen eine derartig „ungerechte" Steuer zu erwecken. Viel­leicht hat manchen auch eine leise Entrüstung ersaßt, daß die Herren aus dem Rathaus so mitleidlos Vorgehen und gar kern Gefühl haben sür die mißliche Lage der armen Steuerzahler.

Es rst nun ja nicht allzu schwer sür die Gegner der Zu- wachsfteuer, vereinzelte Fälle herauszugreifen, die in der Tat «ine gewisse Härte dieser Besteuerung in sich bergen, und sie derartig aufzubauscheu, daß jeder, der keine tiefere Kenntnis von der Zuwachssteuer hat, an der Ungerechtigkert dieser Besteuerung nicht mehr zweifeln kann. Die Fälle zedoch, die so recht zeigen könnten, wie sehr diese Steuer sittlich ge­rechtfertigt ist, werden mit Absicht totgeschtviegen. Was zieht denn das Großkapital und auch manchen kleineren Unterneh­mer zur Bodenspekulation? Daß eben bisher die Zuwachs­rente der privaten Spekulation ungehindert ausgelliesert war, bildete die Hauptursache der Bodenspekulation mit allen ihren verhängnisvollen Folgen. Soll es denn wirklich. eine Unge­rechtigkeit sein, wenn jedes durch redliche A r b e i t verdiente Einkommen eines mittleren Gewerbetreibenden Mit 12 bis 15 Prozent zur Steuer heraugezogen wird, nun auch die

höchsten Konjunkturgewin ne, die arbeitslos

und mühelos durch die Bodenspekulation erzielt werden, zu dem gleichen Prozentsatz oder noch etwas hoher besteuert werden? Daß sich bei der Anwendung der Steuer manchmal Härten Herausstellen, ni»nmt bei einer st schwierigen Materie, und da diese Steuer noch neu ist, nicht wunder, überdies ent­spricht das Zuwachssteuergesetz in seiner jetzigen Fassung durch­aus nicht dem Ideal der Bodenreformer, die die Auwachs­steuer als erste deutsche Organisation ,n ihr Programm ausge­nommen haben. ,

Was nun die beiden in den Artikeln behandelten Fälle betrisst, st ist die Darstellung derartig gestaltet, daß sie jedem Leser, der die Materie nicht genau kennt, ein f a l sch e s SB i I b von «der Sachlage geben mutz. Wenn ber Sonnenberger Gärst- ner das 3 U 000 M. verkaufte Grundstück im Laus der Zeit mit 21 000 M. Hypotheken belasten konnte, st ist dies ein- deut­licher Beweis der tatsächlich enormen Wertsteigerung dieses Grundstücks, und somit ist es erklärlich, daß die Zuwachssteuer, die nach dem Unterschied des Erwerbspreises und des Ber- äußerungspreises bestimmt wivd, über 3000 M. betrug. Der Gärtner oder seine Haryilie haben «hen durch die