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Nr. 373. _ Dienstag, 16. Juni 1914 .

83 000 Stimmen die Mehrheit. Aus die 16 Konstitutionellen entfallen ungefähr 30 000 Stimmen. Bei den Wahlen zum Generalrat siegten die Konstitutionellen in sechs, die Sozia­listen in zwei Wahlbezirken.

Rutzland-

Die Auswanderung der deutschen Ansiedler. Peters­burg, 15. Juni. Die Auswanderungsbewegung unter den deutschen Ansiedlern Südrutzlands nimmt einen immer größeren Umfang an. Aus dem Gouvernement Wolzynien hat sich die Bewegung auf andere Gouvernements ausgebreitet. Die Ansiedler erklären, die Lebensbedingungen in Rußland hätten sich verschlechtert und sie hoffen in Deutsch­land für sich Grund und Boden auf den von den Polen ent- äußerten Ländereien zu finden. Die Regierung legt der Auswanderung keine Hindernisse in den Weg.

Der englische Flottcubesuch. Petersburg, 15. Juni. Ein englisches Geschwader, bestehend aus den Panzerkreuzern „Lyon", „Prinzeß Royal", „Queen Mary", „Xeeland" und zwei Kreuzern, wird am 9. Juni a. St. auf der Reede von Kronstadt eintreffen. Der russische Marineminister wird mit einigen hochgestellten Persönlichkeiten seines Ressorts dem Geschwader entgegenfahren.

Nordafrika.

Aus der Fremdenlegion geflüchtet. Algier, 15. Juni. Sechs Musiker der Fremdenlegion, die zu einem Fest früherer Legionäre nach Algier gekommen waren, benutzten die zu­fällige Anwesenheit des deutschen Dampfers „Sehdlitz" im dortigen Hafen, um den Versuch zur Desertion zu machen. Dieser gelang indessen nur zwei von ihnen, einem Belgier und einem Österreicher, die anderen wurden von den sie verfolgenden Patrouillen eingeholt. Der „Sehdlitz" ist nach Genua weitergedampft.

Nordamerika.

Zur Einweihung des Panamakanals. Washington,

15. Juni. Zur Feier der Einweihung des Panamakanals be- giebt sich Präsident Wilson nächsten März mit einer großen internationalen Flotte von Hampton Roads nach Colon. Elf Nationen haben bereits ihre Beteiligung an dieser Feier zugesagt. Auch die gesamte atlantische Flotte der Ver­einigten Staaten wird an der Einweihung teilnehmen. Nach der Feier fährt die Flotte durch den Kanal nach San Francisco. Man hat ausgerechnet,, daß die Durchfahrt der Schiffe vier Tage beanspruchen wird.

Die Lage in Mexiko. Niagarra Falls,

15. Juni. Wie verlautet, waren die m e x i k a n i- schen Abgesandten, die mit der Haltung der Ameri­kaner unzufrieden waren, bereits soweit, die Konferenz'zu verlassen, als sie von General Huerta Anweisung erhielten, der Konferenz weiter beizuwohnen. Die Amerikaner haben gestern verschiedene Namen von Persönlichkeiten, die sie für die Präsidenten-Nachfolge in Mexiko in Vorschlag bringen, bekannt gegeben, doch haben sich die mexikanischen Delegierten geweigert, diese Persönlichkeiten überhaupt in Betracht zu ziehen. Wie weiter gemeldet wird, ist die Korre­spondenz der Vermittler trotz des Widerspruches der ameri­kanischen Delegierten veröffentlicht worden.

Mien.

Gärung auf den Philippinen. New Dork, 15. Juni.

Der „New Uork Herald" läßt sich aus Manila melden, daß bei einer Massenversammlung von 5000 Philippinos die Redner die Verwaltung für den finanziellen Zusammenbruch des Landes verantwortlich machten und mit einem Aufstand drohten, wenn der Tag der Unabhängigkeit der Philippinen nicht umgehend bekanntgegeben werde.

Tagung des kzanfcrbunöe§.

S. & H. Köln, 13. Juni.

Der Gesamtausschuß des Hansabundes trat heute (wie schon kurz in der Sonntags - Ausgabe gemeldet) hier in der Werkbund-Ausstellung zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, die sich im Hinblick auf das fünfjährige Bestehen des Bundes als eine Jubiiläumstagung charakteri­sierte und durch die Anwesenheit zahlreicher bekannter Persön­lichkeiten aus dem Wirtschaftsleben sowie von Vertretern be­freundeter Organisationen ein besonders festliches Gepräge erhielt. Nachdem der Vorsitzende der Kölner Ortsgruppe Konsul Stresfer (Köln) die Versammlung begrüßt"hatte, nahm Gelheimrat Duisberg (Leverkusens das Wort, um in einem kurzen Rückblick di« bisherigen Erfolge des Hansa­bundes zu prüfen. Der Buriid habe den Erwartungen ent­sprochen, die man auf ihn gefetzt habe, . er sei der gegebene Boden, auf dem sich die verschiedenen Stände in versöhnlichem Sinn« zusammenfinden könnten. Alle Parteien hätten in ihm Platz, nur nicht die rote Linke. Die Sozialdemokratie müsse mit geistigen un>d materiellen Waffen bekämpft werden. (Beifall.) H^rauif sprach der Präsident des Hansabundes

Geheimrat vr. Metzer über das Programm.

Er führte dabei u. a. aus, daß der Hanfalbunld eine Reihe von Erfolgen und Verbesserungen buchen könne, so die in größerem Umfange als bisher erfolgte Beistellung gewerblicher Beiräte in Staatsbetrieben, die Erweiterung der^ Aufgaben des wirt­schaftlichen Ausschusses, die öfter als früher erfolgte Vor­legung von Gesetzentwürfen vor ihrer Einbringung an ge­werbliche Sachverständige, sowie endlich die Verbesserungen >m Ressort!des Auswärtigen Amtes. Der anfänglich sehr ,hxf- tige Streit um die künftige Gestaltung der Handelsverträge und des Zolltarifs habe sich inzwischen insofern etwas gemil­dert, als jetzt selbst die Vertreter des allmählichen Abbaues der heutigen Zölle, wenigstens zu einem großen Teil zugeben, daß dieses Ziel derzeit kaum zu erreichen sein dürfte. Der Hansabund wird in Verfolg des Beschlusses seines Direk­toriums vom 29. September 1913 unter den heutigen natio­nalen und internationalen Verhältnissen, auf die sich die In­dustrie und die Landwirtschaft eingerichtet haben., sowohl der Landwirtschaft, deren Freunde wir sind, wie der Industrie den ihnen notwendigen Zollschutz gewähren, jedoch

unter entschiedener Ablehnung des lückenlosen Zolltarifs und jeder Erhöhung der bestehenden Agrarzölle, toi« immer die politischen Parieren sich zu diesen Fragen stellen trügen. Der Hansabund indentiifigiert sich mit keiner poli­tischen Partei, wenn sein Vorsitzender auch der nationallibe- valeu Partei angcjhört. Als Präsident des HansabundeS unterstehe er, Rchmer, keineswegs der Leitung des Herrn Vassermann, er treibe keine Parteipolitik, weder nach rechts Uoch nach links. — Was die

soziale Gesetzgebung

?nlauge, so sei dieife grundsätzlich fortzuführen, müsse aber in Niem Tempo, ihrem Inhalt und ihrer Kostenläst unter allen

Wiesbadener

Umständen sowohl der Konkurrenzmöglichkeit der deutschen Industrie auf dem Weltmärkte und der inneren wirtschaft­lichen Lage, wie der oft weit geringeren sozialen Koftenlast der ausländischen Industrie Rechnung tragen. Unsere wirt­schaftliche Zukunft hängt zu einem guten Teile auch davon ab, ob die gemäßigten Angsstellten-Verbände oder die radikalen die Oberhand gewinnen. Der Hansabund müsse weit «brücken von den letzteren, die in dem Unternehmer nur einen Feind sehen, gegen den man nach sozialdemokratischem Muster durch Erregung grundsätzlicher Unzufriedenheit Krieg führen müsse.

Die Reform des preußischen Wahlrechts und eine Ände­rung der Wahlkreise sei unerläßlich, um dem gewerblichen Mittelstand eine selbständige politische Stellung, der Industrie eine größere Vertretung im Landtag und Gewerbe, Handel und Industrie das ihnen gebührende Recht auf Sitz und Stimme im Herrenhaus zu verschaffen. Angesichts der fortgesetzten Ausschreitungen der Über- agrarier hält der Hansabunü die Sammlung des gewerb­lichen und sonstigen Bürgertums gegenüber der Agrar- demagogie für eine nationale Notwendigkeit. Die Frage nach einer Sammlung des gesamten Bürgertums gegenüber der Sozialdemokratie wird «tfut werden, sofern sich die Sozial­demokratie nicht entschließt, wie in England, Frankreich und Italien eine auf nationalem Bälden sichende Arbeiter- p artet zu werden. Redner verlangt eine Paritätspolitik durch eine paritätische Zusammensetzung der Staatsleitung aus Mitgliedern der beiden konservativen Parteien, des Zen­trums und der beiden liberalen Parteien. Eine solche Politik würde als erste Etappe einer Besserung der heutigen Zustande gelten können. Wir halten nichts von dem Satze: „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht!", sondern si,ch mit dem Fürsten Bülow der Ansicht, daß die Gegenwart eines politischen Ge­schlechts bedachst und daß wir nach wie vor den deutschen Michel durch eine unermüdliche AufvüttelungSarbeit verhin­dern müssen, den Schlaf des Gerechten zu schlafen, damit er nicht bei gelegentlichem Aufwachen, z. B. bei Wahlen, zu seinem Schrecken bemerken muß, daß ihm inzwischen die Un­gerechten die Kleider woggenommen haben. (Anhaltender großer Beifall.)

Nach der Vornahme von Zusahwahlen in das Direktorium erstattete der Geschäftsführer des Hansabundes Negierungs­assessor Dr. Kleefeld den Bericht über die Arbeit des Hansa­bundes im Jahre 1913. Syndikus Dr. Stresemann (Berlin) erörterte dann den lückenlosen Zolltarif. Er erkannte an, daß .die Stärkung der Landwirtschaft durch Schutzzölle auch im Interesse der Industrie liege. Anderer­seits hätten die Handelsverträge bei der Jndulstrie nicht gleich­mäßig günstig gewirkt. Die Ausfuhr der Fortigfabrikate sei nicht in dem gewünschten Maße gestiegen. Die Äußerung des Staatssekretärs Dr. Delbrück über die kommenden Handelsver­träge könne nur so aufgefaßt werden, daß Deutschland nicht die Absicht habe, seine Zölle zu erhöhen. Nicht Deutschland, sondern Rußland und Österreich tragen die Schuld, wenn die Zollmauern immer höher gebaut werden müßten. Jedenfalls müßten für Deutschland in den wirtschaftspolitischen Kämpfen der Zukunft lediglich feine Interessen auf dem WÄtmarkt maßgebend sein. — Es sprachen noch Obermeister Kniest (Kassel) über die Folgen der Lebensmittelzölle. Redakteur Falkcnberg (Berlin) vom Bunde -der Festlbesoldeten und Reichstagsalbgeordneter Freiherr v. Richthofen. Alsdann nahm die Versammlung dann- noch- zwei Referate über Hy pothekennot und Wohnungsfürsor ge fürPri- datangcjstellte entgegen, worauf die Tagung geschlossen wurde.

Ku§ §taöt und Land.

wissbadenee Nachrichten.

Eine Vereinfachung des Geschäftsgangs

trebt die Verwaltung der städtischen Wasser- und Licht- vetie zurzeit an. Das ist an und für sich lobenswert und wir haben gewiß nichts dagegen, wenn in jedem Berwaltungs- zweig der Stadt gespart wird, wo gespart werden kann. Hat sich in der' Geschäftsführung eines Verwaltungszweigs ein Verfahren als zu umständlich und zeitraubend und daher zu kostspielig erwiesen, so wird man nicht wünschen, daß es trotz­dem beim Alten bleiben soll. Der Änderung aber, die die Ver­waltung der Wasser- und Lichtwerke bei der Gelder- Hebung einführen will, können wir nicht das Wort reden, denn hier wird der Versuch gemacht, eine ganz vernünftige Einrichtung in einer Weise zu verbessern, bei der ungefähr das Gegenteil einer Verbesserung herauskommen wird.

Es handelt sich um folgendes: Die Verwaltung der

Wasser- und Lichtwerke will, daß künftig Wasser, Gas und Elektrizität da bezahlt werden, woder Verbrauch st att- findet. Auf den ersten Blick klingt das vielleicht gar nicht so uneben, man braucht indessen nur die auf dem Zirkular ange­führten „Beispiele" zu lesen, um sofort zu sehen, daß es sich hier um einen unhaltbaren Veroesserungsvorschlag handelt. Dies sind die Beispiele, auf die das Rundschreiben als auf die typischen der abänderungsbedürftigen Fälle hinweist:

1. Verbraucher A. hat mehrere Häuser in ver­schiedenen Straßen. Der Verbrauch soll in seiner Wohnung erhoben werden.

2. Verbraucher B. hat feinen Laden in der Langgasse, seine Wohnung in der Schillingstraße. Die beiden Ver­brauche sollen in der Langgasse erhoben werden.

3. Verbraucher C. ist Buchhalter. Der Verbrauch soll in dem Geschäft, in dem er tätig ist, erhoben werden.

4. Verbraucher D. wünscht, daß der Verbrauch bei seinem Bankhaus erhoben wird.

6. Verbraucher E. hat mehrere Filialen, deren Ver­brauch im Hauptgeschäft erhoben werden soll.

Natürlich wollen die Wasser- und Lichtwerke das alles nicht, das wollen die Herren A. bis E. Was die Herren wollen, wird man nicht als unbillig bezeichnen können, die Wasser- und Lichtwerke aber sind der Meinung, daß ihnen aus den „ent­schieden zu weit gehenden besonderen Wünschen" so viel Arbeit erwächst, „daß wir für die Folge nur ganz ausnahmsweise sol- chen Wünschen Rechnung tragen können." Es wäre ihnen er­wünscht, „wenn insbesondere diejenigen Abnehmer, auf welche die Beispiele 2 und 5 zutreffen, künftig in der Regel da Zah- iung leisten würden, wo der Verbrauch stattfindet." Merk- wurdig, daß sie gerade die beiden Beispiele besonders hervor- heben, die nach unserer Auffassung die Berechtigung ihres Vorschlags am überzeugendsten widerlegen. Es ist ein durchaus billiger Wunsch, wenn der in der Schillingstraße wohnende Kaufmann will, daß die Wasser- und Lichtwerke die fälligen Gelder^ in seinem Laden erheben, und wenn der Inhaber meh­rerer u'ilialen die Quittungen in seinem Hauptgeschäft einzu­lösen wünscht. Jedes Privatgeschäft würde derartige Wünsche

Morgen-Ausgabe, 1'. Blatt. _ ^ Seite 3.

für selbstverständlich halten und ihnen mit Vergnügen ent- gegenkommen. Die Wasser- und Lichtwerke sind zwar kein Privatgeschäft, deshalb dürfen sie aber doch ihre Kundschaft entgegenkommend bedienen. Dem Geschäft schadet das sicher nichts, mag auch hier und da eine kleine Unbequemlichkeit da­mit verbunden sein.

Wir kennen den inneren Geschäftsgang der städtischen Wasser- und Lichtwerke nicht, können also auch nicht darüber urteilen, ob wirklich die Erhebung verschiedener „Verbräuche" an e i n e r Stelle mehr Arbeit macht als die Erhebung jedes einzelnen Verbrauchs an der Verbrauchsstelle. So lange nicht klipp und klar bewiesen wird, daß es in der Tat einfacher ist, in der Filiale in der L-Straße 10 M., in der Filiale in der N-Straße 10 M. und in der Z-Straße ebenfalls 10 M. zu er­heben, als 80 M. im Hauptgeschäft abzuholen, so lange bezwei­feln wir allerdings, daß die geplante Neueinrichtung überhaupt eine geschäftliche Vereinfachung bedeutet. Hat sich denn übri­gens die Verwaltung der Wasser- und Lichtwerke eine Vor­stellung davon gemocht, wie es beispielsweise möglich sein soll, den Verbrauch der Häuser des Herrn A. an den verschiedenen Verbrauchsstellen zu erheben, obwohl es dort jedenfalls att ; Zahlstellen fehlt?

Nein, die vorgeschlagene Reform ist keine Reform, die ge­billigt werden kann. In den Kreisen der Betroffenen ist sie denn auch bis jetzt auf entschiedenen Widerstand gestoßen. Am 1. Juli soll sie eintreten; wir sind beinahe überzeugt, daß sie nicht eintreten wird! -n.

— Dienstbotenehrung. Der Verband der Vaterländi- s ch e n F r a u e n v e r e t rt e für den Regierungsbezirk Wies­baden veranstaltete vorgestern nachmittag im Saal der „Turn­gesellschaft" an der Schwalbacher Straße eine Ehrung solcher Dienstboten, Arbeiter usw., welche seit 10 Jahren und mehr ununterbrochen in einer Dienst- oder Arbeitsstelle tätig sind. Es kamen dabei rund 3 0 0 Personen, so ziemlich aus dem ganzen Bezirk, in Frage. Darunter befanden sich 118 Arbeiter der Stadt Wiesbaden, 63 Frauen mit 10 bis 50 Dienst­jahren und 23 Männer mit einer Dienstzeit von 10 bis 38 Jahren. Vier Arbeiter der Lederfabrik Rosenkranz u. Comp, in Weilbuvg wiesen zusammen 141 Dienstjahre auf. Die Aus­zeichnungen bestanden aus einem Anerkennungs­diplom und, so weit es sich um eine Dienstzeit von 20 und mehr Jahren handelt, bei dem weiblichen Personal aus einem silbernen Anhänger in der Form des Genfer Kreuzes, bei dem männlichen aus einer silbernen Vorstecknadel mit dem Genfer Kreuz. Frau Elisabeth zuSchaumburg- Lippe, die Vorsitzende des Vereins, überreichte die Auszeich­nungen, jedem der Beteiligten ein freundliches Wort wid­mend. Mit der Verleihung der Anerkennungen war eine Feier verbunden, Mitglieder des „Christlichen Vereins junger Männer" mit ihren Damen leitete sie durch einen Gesang: „Der Herr ist mein Hirte" ein; Regierungsrat W i ttich, der stellvertretende Schriftfühver, hielt dann eine kurze Ansprache, worin er auf den Sogen hinwies, der aus langjährigen treuen Diensten sowohl für die Herrschaften wie für die Bediensteten entspringe, und betonte, daß der Vaterländische Frauenverein durch die Verleihung der Auszeichnungen das Verständnis für den idealen Wert trouer Dienste zu fördern suche. Er schloß mit einem Hoch auf die Protektorin des Vaterländischen Frauenverains, die Kaiserin, sowie die Großherzogin Luise von Baden. Es wurden dann der Vereinsvorsitzenden drei von der Kaiserin und der Großherzogin für 50jähvige Dienstzeit be­stimmte goldeneKreuze überreicht, welche der Margarete Fink aus Ennerich, in Diensten des Steuerrats Eiffler dahier, der Johannette Gabelmann aus Biebrich, bei- Fräulein Marie Machen heim er dahier, -und einer Badenserin Luise Ziegler aus Spechbach, bei Buchdruckerei- besitzer Schwab dahier, zufielen. Eine Dienstmagd, welche bei einer 50jährigen Dienstzeit das goldene Kreuz bereits be­sitzt, Elise Diebel, bei Dr. Levinin Frankfurt, erhielt ein in Gold gemaltes Diplom hinter Glas und Rahmen. Der Um­stand, daß sich unter den Ausgezeichneten 118 städtische Ar­beiter befanden, hatte dem Magistrat Veranlassung gegeben, Städtrat Meier als seinen Vertreter zu der Veranstaltung zu entsenden. Dieser dankte den Leuten für ihre treuen Dienste und verlieh der Hoffnung Ausdruck, daß sie anderen vorbildlich sein möchten. Der Schriftführer des Vereins Oberst Mohzischewsky verlas die Namen der Ausgezeichneten.

— Zur Enteignung des Walkmühltalgeländes wird uns von beteiligter Seite geschrieben: Wenn oin Stadtteil für Baugelände oder Anlagen erschlossen werden soll, so kommt das Umlegoverfahren nach der Lex Adickes in Frage. Unsere Stadt­verwaltung geht aber zuweilen von diesem Modus ab. Ein solcher Fall liegt bei dem Walkmühltal (Distrikt „Steckersloch") vor. Das Wiescntal soll Anlage, es soll enteig­net werden. Die Stadtgemeinde Wiesbaden und die Walk- mühlbraueroi mit dem ausgedehnten bis zur Schützenstraße reichenden Grundbesitz werden den Vorteil haben, während man den Grundbesitzern im Wiesental das Gelände zu Spott­preisen abnehmen will. Der Vertreter der Stadt hat eine Um­legung nicht für möglich gehalten, weil so viel Baugelände nicht vorgesehen sei. Es liegt aber sehr nahe, daß die Stadtverwal­tung das Waldgelände an der Aarstraße, wenn auch nur teil­weise, nach der Enteignung des Wiesentals vorteilhaft zu Bau­plätzen veräußern wird. Die maßgebende städtische Verwal­tung hat das Enteignungsverfahren eingeleitet, weil sie hofft, auf diesem Wege gang billig zu kaufen. Wirklich über Wiesbadener Bodenverhältnisse erfahrene Personen sind allerdings anderer Ansicht. Die Besitzer der im Wiesental be­logenen Grundstücke werden sich mit der Regelung der Ange­legenheit, lvie sie jetzt von der Stadt betrieben wird, nicht zu­frieden geben. Wenn die Stadtverwaltung nicht das Umlege­verfahren einleiton will, so muß sie den Grundbesitzern ange­messene Preise zahlen, sonst wird sich die Angelegenheit ähn­lich entwickeln wie ein analoger Fall in Bad Homburg v. d. H. Dort wurde die Enteignungsklage der Stadt gegen die An­lieger am Bahnhofsvorplatz vom Oberlandesgericht dahin ent­schieden, daß die Anlieger je 24 Dt. pro Quadratmeter erhalten. Die Stadt wollte den Wert des Geländes mit 5 bis 6 M. pro Quadratmeter berechnen!!

— sjtc yar oft «ne unan­

genehme Enttäusch:rng bereitet, wenn Barwerte oder Schmuck­sachen aus verschlossenen Behältnissen mittels der richtigen Schlüssel gestohlen wurden, wenn die telegraphische Schaden­anmeldung uberjehen worden ist, die versicherten Sachen in andere Raume verbracht wurden oder Neuanschaffungen er­folgten und eine Berwchrichttgung der Versicherungsgesellschaft unterblieben war. Das Kaiserliche Aufsichtsamt für Privat- verpcherung hat nun^ kürzlich der Stuttgarter Mt- und Rück- verstcherungsaknengewllschaft neue Versicherungsbedingungen

übe?binaus"A?^^ diese Mängel behoben find und^r- to£ltl ;^ Verbesserungen zugunsten der Versiche­rungsnehmer zur Einführung gelangen, "