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Da§ zweite Ministerium Viviani.

(Bon unserem Pariser Mitarbeiter.)

C.L. Paris, 14. Juni.

dtend Vivianis zweites Ministerium, Las dem ersten, im Ei erstickten,wie ein Ei dem andern gleicht" -)at das Glück, sofort auf der Rechten wie auf der Lin­ken angegriffen zu werden. Nach dem völlig miß­ratenen Versuch des Präsidenten Poincarä, ein reaktio­näres Regiment unter Ribot durchzuführen, waren nur noch zwei Möglichkeiten gegeben. Entweder mutzte der ^geistige Chef" des wahren Blocks, der 306 Man hoch Oubot stutzte, berufen werden: Emile Combes, oder aber, es könnte nochmals einK o n z e n t r a t'i o n s- ministerlum" erprobt werden, das allerdings stark nach links uberwiegen und den Gegnern des Mili- targefetzes einige Zugeständnisse machen mutzte.

Kaum nachdem Viviani von Poincarä den neuen Auftrag erhalten hatte, entstand eine Schwierigkeit die größten Eindruck hervorrief: Viviani war zwar 'ent- schlossen, nicht mehr Jean Dupuy als Wachtmeister des Elysäes und Behüter derintegralen" dreijährigen Dienstzeit hinzunehmen: aber er verzichtete auch auf die Mitarbeit der geeinigten Radikalen Godart und Ponsot, die sein erstes Kabinett zu Fall gebracht hatten, weil sie die von Poincarck als ein Minimum be­trachtete Formel der Regierungserklärung über das Militärgesetz nicht unterschreiben wollten. Dafür suchte sich Viviani die Mitwirkung von Emile Combes zu sichern und erhielt eine Ablehnung, mehr noch eine & F r e $ * e i f u n g. Der alte Begründer des Blocks sandte selbst folgende Mitteilung an die Presse:Vivwm stattete Emile Combes einen Besuch ab. und bpi ihm an, in sein Kabinett einzutreten. Der frühere Minlstcrpräsident glaubte, nicht annehmen zu tonnen , wegen seiner Meinungsverschiedenheit mit Vrvmnl in der Militarfrage. Emile Combes bleibt in der Tat, was die Verminderung der militärschen Dienst­dauer anbelangt, dem Programm von Pan treu " Die einen legten diese motivierte Ablehnung dahin aus daß der <8sahrige Senator selbst ein Ministerium zu gründen wünsche, die anderen wollten darin nur erst Zwangsmittel sehen, daß Viviani, um auf der Linken keinen zu großen Widerstand zu finden, sich in neue Zugeständnisse an die Gegner der drei Jahre schicke.

Zur allgemeinen Überraschung verhinderte das Combessche Veto kein Mitglied der geeinigten radikalen Partei, weder Malvy noch Dalimier, und auch nicht den republikanischen Sozialisten Augagneur, die am meisten zum Sturze Ribots beigelvagen hatten, von Viviani Portefeuilles anzunehmen. Innerhalb weniger Stunden waren sämtliche Posten besetzt, und es wären wohl leicht noch hundert andere mit strammen Anti­militaristen besetzt worden, die glücklich gewesen wären auch einmal Minister zu sein. Von den Männern, die bereits dem Kabinett Doumergue angehörten, 'ver­blieben: Semitor Bienvenu-M artin als Justii- minister, Malvy als Minister des Innern und Gauthier als Marineminister sowie Noulens als Finanzminister (statt des Kriegs), Renck R e n o u l t als Minister der öffentlichen Arbeiten (statt der Finan­zen), Raynaud als Kolonialminister (statt der Land­wirtschaft) und Ferdinand David als Landwirtschafts- Minister istatt der öffentlichen Arbeiten).

Hinzukommen: der erst 45 jährige Messimy

vormals Hauptmann im Generalstab und dann radi­kaler Debütierter, im Kabinett Monis Kolonial-, später Krixgsminister. Während der Debatte über das Mili­tärgesetz hatte Messimy einen Vermittlungsvorschlag versucht und erklärt, die,30monatige Dienstzeit werde als Gegenmaßregel gegen die deutschen Rüstungen ge­nügen. Da ja jetzt schon vier Monate Urlaub gewährt werden, wird man vielleicht diesen Messimyschen Plan wieder aufnehmen, damit sich im Radikalismus Ver- widiger und Gegner des Militärgesetzes aussöhnen wnnen. Denn Augagneur, dem in Lyon Mw Uvublikanisch-sozialistischen Wähler ein Bankett gaben Vermochte nur auf Grund gewisser Garantien von alten Vivianis telephonisch das angetragene Porte- Juille des Unterrichts anzunehmen. Er hat während ,v'r letzten Wahlkampagne in deutlichster Weise den Ar- ,Eltern die Rückkehr zur zweijährigen Dienstzeit ver­zechen müssen, um wiedergewählt zu werden .mgaaneur, 59 Jahre alt, war früher Arzt, sozialisti- wer Bürgermeister, dann Deputierter von Lyon und i?outzerneur von Madagaskar: Caillaux übertrug ibm w' öffentlichen Arbeiten, Er ist ein schneidiger Redner Jrde aber sehr kritisiert, als er wegen angeblicher Invalidität" die hohe Pension der Kolonialgouver-

äderte. Thomso n, der neue Handelsminister h n dem Zentrum nahe, ist Chef der sogenannten ^wvkral'schen Linken, 66 Jahre alt. seit 1877' ununter-

Marineminister unter Rouvier, Sarrien und Clemen ! EU. Als Arbeitsminister figuriert: Charles

C o u y b a, auf Montmartre noch nicht als lustiger ChansonnierMaurice Boukay" vergessen, eine in hie Politik verflogene Spottdrossel, als Ünterstaatssekretäre Dallmrer (Schöne Künste), erst seit 1906 Deputierter und in her Debatte gegen Ribot Wortführer der ge- Radikalen, Jacquier (Inneres), Abel Ferry (Auswärtiges), Lauraine (Krieg) und Ajam (Handels­marine), lungere Talente der Linken

Im allgemeinen ist das Kabinett stark nach ltnf» orientiert, da ihm zwei republikanische Sozia- I Osten und acht geeinigte Radikalen angehören. In der Regierungserklärung wird auf den Passuswenn eine der auswärtigen Umstände es erlaubt", ver­zichtet und nur jn seinen freien Ausführungen wird Viviani es ablehnen, jetzt schon den dienenden Heeres- ttasjen eine Verkürzung der Dienstzeit zu versprechen. So werden zwar wahrscheinlich die Sozialisten und einige Radikale gegen ihn stimmen, aber dank der Unterstützung der Linksrepublikaner wird er eine Mehrheit von rund 360 Stimmen erhalten können. Daß er selbst das Portefeuille des Auswärti- ssuubernahnl, dunkt uns eine Sicherheit für friedliche Politik. Sein Unterstaatssekretär Abel Ferry ist der ? e f l" ^ " 1 e ä Ferry, der bekanntlich einer praktischen Annäherung an Deutschland zugetan war: Möge dies ein gutes''Omen für die

fernere Politik des Quai d'Orsay bedeuten' ' b

* *

vollkommneten Zweijahrdienst als wirksamer als das Dreilahrgeietz bezelchneten. Die ultra-radikale m? n J« erne erklärt, daß das neue Ministerium allen Repubukanern als eine durchaus annehmbare Lösung der Krise erscheinen müsse. Die gemäßigt-republikani- Ji- konservative Presse beurteilt das Kabi- k Viviani im großen und ganzen ungünstig. Nur die Weigerung Combes, in das neue Kabinett einzn- treten, scheint ihre Verstimmung etwas zu mildern. E ,,F t fl n r o" nimmt im besonderen an Messimy und Augagneur Anstoß, welche entschlossene Gegner des Dreiiahrgesetzes seien. DerTemps" schreibt: Wir wollen dre Avalen des Ministeriums Viviani abwarten. DasI ournaI des D 6 bats" schreibt: Die 8u- sammensetzung des Kabinetts ist so, wie man sie erwar­ten konnte: sie hätte jedenfalls noch schlimmer sein

tonnen. Nur m einem einzigen Punkte wird das neue Ministerium befriedigend sein: cs wird das Militär- gesetz aufrechterhalten.

ct)Gn Abgeordneter von Constantrne und einstiger

, Kabinett und Dreijahrgeseh. vb. Baris, 13. Juni. Von den Mitgliedern des

Viviani gr 3?itoiQni haben fünf, und zwar

-üttotant, Malvy, _ Augagneur, Raynaud und Renault

a e a e n die drenabrrge Dienstzeit gestimmt. Der neue Kriegvimmster Messimy hat, wie bekannt, als Depu­tierter wahrend der Debatte über das Dreijahrgcsetz ^^^n Antrag auf eine dreißigmonatige Dienstzeit ein­gebracht, aber schließlich für das Dreijahrgesetz gestimmt. . Tie Erklärung zum Militärgesetz.

vOtnt. Die ursprüngliche Fassung der Erklärung zum Miliiärgesetz, welche bk erste Kom- blnat-on des Ministeriums zum Scheitern brachte Genehmigung Vivianis folgendermaßen ab ivr Die Regierung wird binnen kurzem

Gesetzentwürfe über die militärische Vorbereitung der

M der Reserven einbrin-

< Entwürfe sind bestimmt, die Defensiv- kraft der Nation zu erhöhen, die stets nur daran gedacht hat, die Ehre, Freiheit und die Heimat zu schützen Erst wenn die Entwürfe, die allen Ergebnissen der Erfahrung und den Anforderungen der nationalen Verteidigung Rechnung tragen, angenommen und in Kraft gesetzt sein werden, kann die Regierung eine Er- leichterung der militärischen Lasten Vorschlägen, über die neue Fassung herrscht ein Einvernehmen. Die Re- stellcn^ ^ am Dienstag den Kammern vor-

J Die Frage der Anleihe.

Paris, 14. Juni Die Frage der Anleihe wird M°nta g von dem Ml ni st errat offiziell ent­schieden werden. Die neuen Minister beschlossen in gestrigen Konferenz, von der Kammer die Er­mächtigung zu erbitten, in kürzester Frist die Anleihe zu emittieren. Wahrscheinlich wird der vom Kabinett Doumergue vorbereitete Anleiheentwurf wieder ausae- nommen werden. Es würde denrnach bei der vier- prozentlgen Anleihe von 900 Millionen bei einem Emissionskurs von 99 bleiben. Einer offiziösen Mel- zufolge . hat das Finanzministerium kurzfristiae Obligationeu im Betrage von 80 Millionen Franken ausgeqeben. Diese Obligationen, welche in zwei Jabreu rückzahlbar und 3Uprozentig sind, wurden insgesamt von einem hiesigen Bankinstitut übernommen.

, Die französische Presse.

. *' b - ^arrs, 14. Juni. Das Kabinett Viviani wird

ln^den l in k s^r e p u b l ika n i s ch e n Kreisen zumeist lebhafter Sympathie ausgenommen. Man sieht fast allgemein voraus, daß das neue Kabinett, das alle Bedingungen der Lebensfähigkeit in sich hW w der Kammer eine starke Mehrheit finden wird ^ Nur auf der äußersten Rechten niacht^ sich einiges Miktr/wu bemerkbar, das hauptsächlich durch die mit der Militär- ftnge begründete Weigerung Combes hervorqerufen wurde ,rtu r äs erzählt m derHumanitä", Viviani habe Combes erklärt, daß die Kasernendienstzc t welche ergänzenden militärischen Maßnahmen auch getrofsen wurden, nicht abgekürzt werden könne, solange

^ *' arauf n r tcf,t verzichtet, seinen Mann- lw^ftsvestand zu. vermehren. Wenn dem so ist ftahrt ^auräs fort, dann besteht zwischen Viviani und wvb eme tiefe Klust. Diese Kluft besteht aber auch zwischen ihm und den geeinigten Radikalen, welche in Vau den durch die militärische Vorbereitung der äugend und die starke Ausgestaltung der Reserven ver-

* , Y , , Rußlands Ansicht.

Petersburg, 15. Juni. DerPetersburger Kurier"' meldet: Nach Eintreffen der Nachricht vom Sturze Ribots gaben Goremykin wie Suchomlinow m einer Unterredung der Überzeugung Ausdruck, daß Rußland auf Aufrechterhaltung der dreisähri-

wüsse? Gestern beschloß das Kabinett, ^swolski zu beauftragen, die französische Re- glerung daran zu erinnern, daß Rußland von Frank- die Erfüllung der übernommenen Ser* ^ tu n g, die dreijährige Dienstzeit einzuführen, Avstrte. einem angeblich vom Kriegsminister suchomlinow inspirierten - Aufsatz weisen die Birschewsg Wsedomosti" ans die unerhörten An­strengungen hin, die Rußland gemacht habe, um seine Verpflichtungen gegen Frankreich zu erfüllen und seme Kriegsbereitschaft zu erhöhen. Diese Ziele gäbe Rußland durch Erhöhung des Rekruteiikon- tmgents Verlängerung der Dienstzeit und Bau von strategischen Bahnen erreicht, Rußland sei daher be- rechtlg. zu fordern, daß auch Frankreich sein M o a l i ch ,t e s tue, seine Rüstung stark zu erhalten- das sei nur durch B e i b e h a I t u n g der d r e i j ä h i- i- gen Dienstzeit möglich. Der Aufsatz schließt- Rußland und Frankreich wollen keinen Krieg, Ruß^ land ist aber kriegsbereit und hofft, daß auch Frank­reich kriegsbereit sein wird." Der Artikel betont, daß die russische Reform alles übersteigt, was in dieser Hin- i sicht jemals anderwärts getan worden ist: eine Ver­mehrung des jährlichen Kontingents um 130 000 Mann,

I eine Verlängerung der Dienstzeit in der Weise, daß gleichzeitig vier Jahresklassen unter den Waffen stehen, wodurch die Friedensstärke der Armee auf 2 300 000 Mann erhöht wird. Im weiteren vergleicht der Artikel die Friedensstärke der deutschen Armee (800 000 Mann) und der österreichisch-ungarischen (500 000 Mann) sowie der italienischen (400 000 Mann) und erklärt, ' es ist deshalb nur natürlich, wenn wir uns für berechtigt halten, von Frankreich eine Ziffer von 770 000 Mann zu erwarten.

Ein Interview des spanischen Ministerpräsidenten. wb. Paris, 13. Juni. DerTemps" veröffentlicht eine Unterredung seines Madrider Korrespondenten mit dem Ministerpräsidenten Dato, der u. a. über die politische Lage sn Frankreich folgendes gesagt habe: Die Abkürzung der Militärdienstzeit dürfte vor allem eine Schädigung des französischen Patriotismus bedeuten. In den Augen aller würde dieses bedeuten, daß Frank­reich für immer die Folgen cher Katastrophe von 18 70 ratifiziert und annimmt. Die Erörterungen in der französischen Presse gelegentlich der unange­nehmen Zwischenfälle in gewissen Garnisonen gaben zu verstehen, daß Frankreich immer noch in Elsaß- L o t h r i n a e n Brüder hat. Aber neben dieser Ge­fühlsseite gibt es noch eine Frage der Vernunft. Die Aufrechterhaltung des Dreijahrgesetzes wird in Frank­reich mit Unrecht als eine nationale Frage angesehen sie ist eine Frage der internationalen R ir h e' Die Macht Frankreichs schwächen, heißt Frankreich in die unbestreitbare Unmöglichkeit versehen, die von ihm seinen Verbündeten aeaenuber eingegangenen Ver­pflichtungen zu halten.

Oer Besuch des Kaisers in Aonopischt.

Die Riickreisc des Kaisers.

Ser/chaftew^ gesola^ban^.' 10 40 Min. fuhren die

Kaisers sowie des Erzher-oas^ ÄS* Gleitung des dem hellcrleucktNen' r nach Vem B a h n h o s e. Vor reiche-- Publikum ^ Bahnhor-gebaude batte sich ein zahl- Kwse" durch * r 2? m ? c : rt - Der Erzherzog geleitete den

Ka er M Lr*r f 0 * 1 auf 6fn Bahnsteig, wo bcz

ftatfer sich herzlich von dem Gesol-ge des Erzherzogs