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Rr. 271 . Sonntag, 14. Juni 1814. Mtteshsdeurr CagdialL« Morgen-AusgaLe, 1. Blatt. Seite I.

Murmann von Marchfeld unter dem Verdacht der Spionage für eine auswärtige Macht, wie es heißt, für Rußland, in Haft genommen und dem hiesigen Landgericht eingeliefcrt. Die Baronin war bereits vor zwei Jahren in einen Spionage- Prozeß verwickelt, der gegen ihren Sohn, Baron Alexander Murmann von Marchfevd, einen früheren österreichischen Offizier, angestrengt worden war.

Ilttliricrnd.

Eine Reform des Paßsystems. Petersburg, 12.Juni. Die Kommission der Reichsduma für die Initiativanträge hat sich dem Vorschläge der Finanzkommission darin angeschlossen, die Auslandspässe -auszuhciben. Sie beschloß ferner die Patz- sreuer für die Auslandsreisenden abzuschaffen. Ein Vertreter der Regierung sprach sich gegen die unverzügliche Auf­hebung der Auslandspässe aus und erklärte, die Regierung sei mit der Reform des Paßsystems beschäftigt und werde in dem neuen Paßgesetz wahrscheinlich die Aufhebung der Inland- und Auslandspässe durchführen.

Schweden.

Zwei russische Spione verhaftet. Stockholm, 13. Juni.

Im Stockholmer Schärengarten wurden gestern zwei unbe­kannte Russen unter dem Verdacht der Spionage verhaftet. Sie wurden ins Untersuchungsgefängnis gebracht.

Japan.

Eine Erklärung des Rcuterbureaus zu dem Marine­skandal. London, 12. Juni. Zu den Aussagen, welche sein früherer Vertreter in Tokio Pooley in der Gerichtsverhand­lung gemacht hat, bemerkt das R-eut-evsche Bureau, es habe noch lange »ach der Durchführung keine Kenntnis von den er­wähnten Transaktionen gehabt, sondern diese zuerst aus einem kurzen Briefe des Pooley erhalten, der Ende Dezember eingetroiffen sei. Dieser Brief habe keine Bemerkung über eine Summe von 50 000 Den enthalten, deren Empfang er bei seiner Vernehmung vor Gericht anscheinend zugegeben hat. Das Bureau habe von dieser Zählung nichts ge­wußt, bis sie durch die Gerichtsverhandlung allgemein be­kannt geworden sei. In der weiteren Verhandlung bean­spruchte die Vernehmung Pooleys fast den ganzen Tag. Dieser erklärte, er habe von S ie m e n s - S ch u de 1 1 50 000 Den erhalten, davon habe er 1250 Den in Tokio und 800 Ucn in Schanghai aus-gegeben. An das Reuter- b u r e a u habe er 2 5 0 0 D e n g ez a h l t. Er sagte aus, daß er von Baron Reuter die Weisung erhalten habe, solchege­heimen Schriftstücke" nach Schanghai zu senden. Daher stamme der Betrag für die Ausgaben bei dem Konto in Schanghai. Bei der Fortsetzung seiner Vernehmung erklärte Pooley, er habe einem gewissen Minder von den Papieren er­zählt und ihn nach der Stellung gewisser Admirale gefragt, die in dem Schriftstück erwähnt wären. Der Name Vickers sei darin einmal in Verbindung mit idem Bau des Panzerkreu­zersKongo" erwähnt worden. Dann wurde Pooley gefragt: Warum haben Sie die 25 000 Den genommen? Er antwor­tete: Weil sie mir au,geboten wurden. Zur Hälfte habe ich

sie zur Deckung der wirklichen Ausgaben unld als Schweige­geld für die verwandt, die die Umstände kannten, zur anderen Hälfte für mich seVst als Belohnung für den -großen Dienst, den ich den Sicmcns-Schuckert-Werkcn durch die Rückerstat­tung der Papiere erwies.

22. Nassauischer Städtetag.

wc. St. Goarshausen, 13. Juni.

Heute vormittag gegen 10 Uhr wurden die Verhandlungen wieder ausgenommen. Der Vorsitzende eröffnet die Tagung, indem er darauf hinweist, daß Montag und an den folgenden Tagen die Stadt Haiger (Mitglied des Städtetages) das Fest ihres 1000jährigen Bestehens feiert. Aus diesem Anlaß bean­tragt er, und die Versammlung beschließt demgemäß, ein Glückwunsch-Telegramm nach Haiger abzurich­ten. Magistratssyndikus Langer (Frankfurt) verbreitet sich sodann in einem längeren Vortrag über das Thema:Die Wanderfürsorge nach dem preußischen Gesetz vom 29. Juni 1907 und nach dem Reichsgesetzentwurf". Der Refe­rent gehört keineswegs zu denen, die in dem Wandern der Handwerksgesellen etwas an sich zu Bekämpfendes sehen. Er sieht wohl ein, weshalb im Handwerk selbst der nicht als voll angesehen wird, der nicht ein gut Stück der Welt gesehen hat. Er erkennt sogar

in dem Wandern ein Stück wirtschaftlicher Notwendigkeit,

einen Brauch, dessen das heutige Wirtschaftsleben kaum mehr entraten kann. Man dürfe, meint er, daher an dem Wander­leben nicht achtlos vorübergehen. Man müsse Sorge tragen, ihm Schuh zu gewähren gegen die Schäden, welche sich natur­gemäß aus dem Umherziehen im Lande ergeben, man müsse besorgt sein, den Wanderbrauch für unser Wirtschaftsleben nutzbringend zu machen. Die Wanderfürsorge sei bei uns eine fakultative. Fünf Bezirke nur hätten ihre gesetzliche Rege­lung in Angriff genommen, darunter die Regierungsbezirke Wiesbaden und Hessen. Für die gesetzliche Regelung der Ar­beitsvermittlung sei die heutige Zeit noch nicht reif. Die

und zwar, auch gegen jede Abmachung, ziemlich kräftig. Dann richtete er ihn wieder auf, stülpte ihm den weichen Hut auf das Lockenhaar und schob ihn aus dem Gesichtskreis der Ge- ängstigten, so weit, bis er ihm zuraunenonnte:Mensch, mach' Beine. Tie Sache ist großartig gelungen. Erwarte mich drüben im Lokal."

Dann kam, was der Retter erwartet hatte: nämlich der Dank für seine Heldentat und die Frage nach seinem Namen.

Voß, Tiermaler Otto Voß", stellte sich der Starke vor und gab seinem Kalabreser eine Schwenkung nach unten. Darf ich mir gleich die Freiheit nehmen, mich morgen nach dem Befinden des gnädigen Fräuleins zu erkundigen?"

Mama und Papa werden sich jedenfalls freuen. Ihnen auch ihren Dank auszusprechcn", kantete die Antwort der ge­wandten jungen Dame. Dabei war ihr Blick merkwürdiger­weise in das Dunkel der Straße gerichtet, in dem der unglück­liche Liebesraspler so unsanft verschwunden war.Sagen Sie, Herr Voß, Sie haben ihm doch nicht etwa zu arg zuge­setzt? Denn wie ein Rowdy sah er gerade nicht aus."

Voß lächelte gutmütig, denn diese Menschenliebe .deckte sich mit seiner eigenen.Keine Sorge, mein gnädiges Fräu­lein. Aber den Denkzettel wird er schon gefühlt haben. Das soll wohl sein. Diese Art Rowdies in Glacehandschuhen sind mir die rechten. Auf Wiedersehen, bitte, mich unbekannter Weise den Eltern zu empfehlen."

Maler Voß wurde in der Stammkneipe nicht gerade mit warmem Händedruck empfangen, was wohl daher kam, weil Maler Fuchs heute etwas schlecht sitzen konnte. Ein kleines Pflaster wurde ihm durch die Mitteilung, daß das herrliche Geschöpf nochbeinahe" Mitleid für ihn empfunden habe. So

Frage müsse vorerst dem politischen Parteigetriebe entzogen werden. Eine nötige Ergänzung der Wanderarbeitsstätten seien Arbeiterheime. Es sei unmenschlich, die Wander­burschen gleich wieder, ohne für sie weiter zu sorgen, auf die Straße zu werfen. Der Prozentsatz der Gebrechlichen unter den Wanderern sei ein minimaler. Mit 5 Prozent sei er nicht zu niedrig gegriffen. Diese Leute zwangsweise in Anstalten unterzubringen eine Maßnahme, gegen die die Beteiligten sich mit Händen und Füßen sträubten, könne nicht empfoh­len werden. An sich stehe er auf dem Standpunkt, daß, wer die Hilfe der Wanderarbeitsstätten annehme, auch die Arbeit zu leisten habe, die ihm angeboten werde. Grundsätzlich aber zu erklären:

Streikarbeit oder Arbeit außerhalb des Wohnorts sei eben­falls zu leisten, gehe nicht wohl an.

Es sei ein Arbeitsgericht einzurichten, das von Fall zu Fall seine Entscheidung treffe. Die Grundlage, aus welcher der Reichsgesetzentwurf ausgebaut sei, sei durchaus geeignet, uns auf dem Gebiet der sozialen Fürsorge ein gut Stück iveiterzubringen. Er könne nur wünschen, daß auf dieser Grundlage das Gesetz zustande komme, mrd daß auch der Bundesrat seine Ausführungsbestimmungen aus dem in der Vorlage zutage tretenden Ge:ste heraus erlasse. In der Be­sprechung stellt Landeshauptmann Krekel sich aus den Standpunkt des Referenten, daß aus dem sozialen Geist her­aus, aus dem die Wanderfürsorge eintrete, Arbeiter in Streik stehende Betriebe nicht eingewiesen werden dürften, daß auch ein Zwang zur Übernahme einer Beschäftigung, die den Fähigkeiten sowie der Vorbildung der Arbeiter absolut nicht entsprächen, nicht angewandt werden dürfe. Bürgermeister H a e r t e n (Limburg) möchte besondere Anstalten für die mit Gebx«chen behafteten Besucher der Wanderarbeitsstätten ein­gerichtet wissen. Die Mißgunst mancher Handwerker, die meinen, die Besucher der Wanderarbeitsstätten seien besser versorgt als sie selbst, dürfe nicht außer acht gelassen werden. Auch bezüglich der Verwendung der Leute in Betrieben, die in Streik liegen, und für Arbeiten, die ihrer Vorbildung usw. nicht entsprächen, brauche man nicht so ängstlich zu sein. Landeshauptmann Krekel : Von den älteren Wander­burschen höre man vielfach Klagen, daß es ihnen schwer falle, noch Arbeit zu finden. Es sei Sorge zu tragen, ihnen beizuspringen, damit sie nicht als Bummler unausgesetzt die Landstraße bevölkerten. Es handle sich vielfach bei ihnen um die besten Arbeiter, die aber die Konkurrenz mit den Jugend­lichen nicht mehr bestehen könnten.

Den Alten sei zu helfen,

bezüglich der Jugendlichen hätten die Hausväter Sorge zu tragen, daß sie möglichst bald in ihre Heimat zurückbeför- dert würden. Damit wird der Gegenstand verlassen.

Stadtverordneter Regierungsbaumeister a. D. Leon (Frankfurt) spricht in weiterer Erledigung der Tagesordnung über:

Die Wassergewinnung im vorderen Taunus durch Stollcn- anlagcn."

Der Referent gibt ein Sachverständigengutachten wieder, wo­nach im Taunus, im Schiefergebirge etwa y % Kubikmeter, im Quarzit 2 resp. 3 Kubikmeter Wasser pro Minute zu gewinnen sind. Bürgermeister Jakobs (Königstein) bezweifelt, ob tat­sächlich im Taunus das viele Wasser noch zu finden sei, das man dort erwartet, und wendet sich an die Gemeinden mit der Bitte, wenn man daheim Wasser habe, es dort zu nehmen und nicht zu diesem Behuf in den Taunus zu kommen. Zugleich spricht er den Wunsch aus, über das neue Wafferges-etz in dem nächsten Städtetag berichten zu lassen. Der Vorsitzende, Ober­bürgermeister Voigt, will dem Wunsch nach Möglichkeit Rechnung tragen.

Bürgermeister G i e r l i ch (Dillenburg) als dritter Refe­rent spricht über die Geschäftsvereinfachung bei Kommunalbehörden, insbesondere die Abschaffung des Tagebuchs. Eine Vereinfachung des Geschäftsganges ist seiner Ansicht nach besonders um deswillen dringend nötig, -weil die Gcsctzgebungsmaschine in den letzten 30 Jahren fast nicht zum Stillstand gelangt sei, und dabei den Gemeindever­waltungen, selbst in den kleinsten Städten, immer weitere und schwierigere Aufgaben zur Lösung überwiesen hat. Dazu trete die große Zahl der von den Gemeinden zu erledigenden staatlichen Geschäfte; die sich ebenfalls fortwährend noch vermehrten. Sodann reichten auch die zur Verfügung stehen­den Mittel nicht mehr aus, um den Geschäftsgang in der seit­her üblichen Art und Weise auf dem laufenden zu halten. Es sei besonders den kleinen Stadtgemeinden unmöglich, Kräfte und Mittel in dem Maße der ständig wachsenden Flut neuer Ausgaben zu steigern. Eine durchgreifende Vereinfachung des Geschäftsgangs müsse notwendig eine Verminderung des Schreibwerks und eine Beschleunigung des Verfahrens zur Folge haben. Das Schlagwort:

Lerne vom Kaufmann"

haue bei der Verschiedenartigkeit der einschlägigen Verhält­nisse neben die Kerbe. Zum Schluß wendet der Referent sich gegen die Weiterführung des Tagebuchs, welches eine große Arbeitslast bringe, aber keinerlei Sicherheit gegen das Ab­handenkommen von Aktenstücken biete.

Der Bezirkskonservator Geh. Baurat Prof. Luthmer (Frankfurt) hält einen längeren Vortrag über die Denk­malpflege im Regierungsbezirk; veranschaulicht wird der Vortrag durch eine Reihe von Lichtbildern.

Die fatzungsgemätz ausscheidenden Mitglieder des Vor­standes (Bürgermeister Gierlich-Dillenburg, Beigeordneter Körner-Wiesbaden und Stadtverordnetenvorsteher Dr. Rüdi­ger-Homburg) wurden durch Zuruf wiedergewählt.

Der nächste Städtetag findet in Annahme der vom Hessischen Städtetag ergangenen Einladung zusammen mit diesem in Marburg statt.

Bas Stadt und Land.

WiSsLKdener Nachrichten.

Oie Woche.

Pfarrer Emil Fuchs in Rüsselsheim, der bekanntlich als Nachfolger des Pfarrers Traub von der Dortmunder Ge­meinde gewählt worden war, aber nicht bestätigt worden ist, veröffentlichte vor einiger Zeit in der von Professor Martin Rade in Marburg herausgegebenen liberalen christlichen WochenschriftDie christliche Welt" unter der Überschrift R aubbau am Volk" einen kleinen Artikel, der es ver­dient, in die breiteste Öffentlichkeit getragen zu werden. Wir räumen ihm gern an dieser Stelle einen Platz ein, denn er ist als eine wahrhaftige, ernste und eindringliche Betrachtung ge- tetb-e für eine ftiHe 0onntcig§|tunöc frejoni!bet§ geeignet.Sbet Artikel lautet:

Wenn ein Pfarrer einer großen Jndustriegemelnde eine Familie besucht, die brav und ordentlich doch mit ihren elf Kindern in einer völlig un genüg ende nWoh- ii u n g leben muß, wo alle von Krankheit um Krankheit hmm- gesucht werden, wenn er dann in eine andere Familie geht, wo die Frau des Hauses sich ein Perlenhalsband f ü r 8 0 0 0 0 M. gekauft hat, dann erfährt er, daß er in einer Gesellschaftsordnung lebt, die aller christlichen Liebe Hohn spricht. Man sagt: Sorge, daß der Reichtum hier der Armut dort hilft. Man vergißt aber: Diese Hilfe als Almosen ge­spendet, wirkt drüben so Charakter verwüstend, daß ihr Wert sehr zweifelhaft wird. Gewiß, wir müssen vorderhand dieses Mittel anwenden, und ich wende es auch an, aber nicht mit ganz gutem Gewissen. Ob nicht manchmal der Standpunkt des harten Bauern, der den Lump lieber verhungern läßt, als ihm hilft, mehr erzieherische Kraft besitzt, als unser Almosen- geben? Und wie helfen wir besser, dauernder: indem wir

Seelen aufrütteln oder indem wir den Körper nähren? Jedenfalls ist das Almosengeben, in je größerem Maße es an­gewendet wird, desto verderblicher. Wir müssen helfen durch eine Umwandlung der Verhältnisse, die dem tüchtigen Mann mit der größten Familie sein Brot und gesun­des Auskommen sichert.

Wir klagen über den beginnenden Selbstmord un­seres Volkesin der Steigerung der bewußten Verhinde­rung der Erzeugung von Kindern. Aber wenn ernste, ge­wissenhafte, sittlich strenge Menschen sagen müssen, daß aller­dings in städtischen Verhältnissen der Arbeiter und mittlere Beamte mehr wie vier Kinder gewissenhafterweise nicht haben darf, schreit das nicht gen Himmel? Ist das eine menschen­würdige Gesellschaftsordnung, die Eltern zwingt, aus ern­sten, sittlichen Erwägungen heraus keine Kinder mehr haben zu wollen und dies in einem Volke, -das täglich, stündlich reicher wird, das für den unsinnigsten Luxus Geld hat, nur für seine Kinder nicht, für seine Zukunft nicht? (Nebenbei bemerkt: die großen Luxusanlagen unserer Städte sind auch so lange nur ein Skandal, so lange dieselben Städte nicht -genügende Spielplätze für ihre Kinder haben und statt dessen -die herrlichsten Rasenplätze und Strauchanlagen nmzäunen, damit das Auge des besuchenden- Fremden sich daran weiden kann.)

Und schließlich die unmenschliche Steigerung des Erw-erbszwangs, der sich über die Menschen legt. Mit vierzehn Jahren wird der Junge in die Fabrik geschickt, und von da an hat er nie mehr in seinem Leben die Möglich­keit, mit wirklich auSgeruhter Kraft sich um irgend, etwas an­deres zu kümmern als daS, was ihm Geld einbringt. Mit ver­zweifelter Anstrengung verschafft er sich eine vorgetäuschte Erhöhung seines Lebensgefühls in den Reizen, die Alkohol und sonstige Roheit ihm geben.

In derselben Sklaverei schmachten aber auch unsere A l l er r e ich st e n, die im Konkurrenzkampf ihre Ri-efen- unternehmungen nur vorwärtsbringen können, wenn sie sich zu deren Sklaven machen. Wir bewundern ihren Fleiß und, ihre Tatkraft. Aber Raubbau am Seelenleben un­seres Volkes ist diese Art der Lebensführung doch. Dazu müssen sie erwerben, ob durch Alkohol und Schundproduktion oder Gute?! Gewissen gibt cs da nicht!

Diese Sklaverei dehnt sich über -die kleinen Hayd-- Werker un-d Geschäftsleute aus, wird da zu einem Kampf um zehn Pfennig Verdienst, der allen Charakter und

wurde man bald wieder ein Herz und eine Seele, poknlicrte bis in die Nacht hinein und berechnete das Vermögen des Fabrikbesitzers, als hätte man in seinem Namen eine Steuer­erklärung abzugeben, wobei sich Fuchs eigentlich mehr er­eiferte als Voß.

Alles ging ganz gut. Voß machte am anderen Tage, der ein Sonntag war, um 12 Uhr seinen Besuch in der Villa, wurde sehr artig empfangen und durch den Hausherrn, der ein großer Kunstfreund war und viele wertvolle Bilder an den Wänden hatte, besonders ausgezeichnet.

Etwas zurückhaltender war Hela, was wohl daher kam, daß sie in dieser Nacht gerade von dem frechen Kerl mit den schönen blauen Augen und dem Spitzbärtchen geträumt hatte, allerdings in zärtlicher Weise, worüber sie nach dem Erwachen ganz rot wurde. Aber Tiermaler Voß legte das anders, und zwar nur zu seinen Gunsten aus. Schon nach acht Tagen kam eine Einladung zu einer Abendfestlichkeit, was ihm alle Himmel öffnete. Er wäre in diese Himmel wahrscheinlich auch eingezogen, wenn er nicht an einem sonnigen Oktober­nachmittag Arm in Arm mit Fuchs einen Spaziergang durch die Straßen gemacht hätte und wenn beide dabei nicht Fräir- lein Hela begegnet wären, die sich natürlich außerordentlich wunderte, denRowdy" in solcher intimen Berührung mit ihrem Retter zu sehen.

Ganz erfreut, ihren Belästiger, dessen liebeglühende Redensarten sie sich schon bis zum Überdruß in Gedanken wiederholt hatte, in so guter Behütung wiederzusehen, blieb die mit gesundem Humor ausgeftattete Hela interessiert vor beiden stehen und erkundigte sich nach dem Befinden des Attentäters.

Der bauernschlaue Friese, der an ein Entrinnen nicht inehr denken kannte, hatte inzwischen dem Freunde nahegelegt, sich in der Weise eines erst soeben vom Krankenbette Aufge- standcnen an seiner Seite fortzubewegen.

Cr hat sich nämlich als ganz anständiger Mensch ent­puppt", redete sich Maler Voß mit einem etwas verzerrten Lächeln aus.Und da ich ihn wirklich etwas übel zugerichtet hatte, führe ich ihn heute zum erstenmal an die frische Luft. Der Kerl tut mir furchtbar leid."

tierischen Namensvetters verspürte, doch zu viel. Er riß sich los, erwachte zu seiner ganzen Elastizität, stellte sich der jungen Dame selbst vor, bat für seinenIrrtum" von neulich abend um Verzeihung und begann mit seiner Unterhaltungs­gabe derartig zu glänzen, daß der schwerfällige Kollege ganz ins Hintertreffen rückte.

Der Künstlerstreich fand bald seine Aufklärung, und nie­mand lachte mehr darüber als der Fabrikbesitzer, der einen guten Witz zu schätzen wußte.

Zur Strafe für Voß verlobte sich bald darauf Hela mit Fuchs, schon um nicht mehr >o viel von ihm zu träumen. Um den Verschmähten zu trösten, bestimmte sie ihren Papa, ihm zwei seiner schonenAtelierhüter" abzukaufen.

Das kommt davon, wenn man mogelt", sagte der Tier­maler, durchaus nicht böse über den Tausch, später zu seinem Ateliernachbar,^ch hatte nämlich drei Streichhölzer in Per Hand, zwer kurze und ein langes. Das lange hast du nur mcht gesehen. Gewinnen mußte ich auf alle Fälle. Pfui

Deibel, wie tief kann der Mensch doch sinkeni"