Einzelbild herunterladen
 

Nr. 269. Samstag, 13. Juni 1914

schließenden sehr leibhaften Diskussion wurde die schwierige Stellung des Handelsagenten zwischen den vertretenen Häusern und der Kundschaft dargelegt, zugleich aber betont, wie gerade bei dieser schwierigen Stellung die Arbeit des Handelsagenten zu einer gerechten Ausgleichung der berech­tigten Interessen beider Teile führe.

* Genossenschaftliche Selbsthilfe der Bankbeamten. Wie uns der Allgemeine Verband der Deutschen Bankbeamten mitteilt, wird er in kürzester Zeit eine Spar- und Darlcihns- kasse in der Unternehmungsform einer Genossenschaft eröff­nen, deren sozialer Zweck ist, die Bankbeamten mehr als bis­her vor Bewucherung zu schützen.

* Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Junglehrer hält in den Tagen vom 30. Juli bis 2. August d. I. ihre 6. Haupt­versammlung in Karlsruhe ab. Die Organisation will ihre Mitglieder fördern durch Arbeit auf den Gebieten der Pädagogik, Volkswirtschaft und Schulpolitik und sie im öffent­lichen Auftreten schulen. Im Jahre 1908 hat sie sich in der Zwischenzeit zu einer stattlichen Organisation, die an 2800 Mitglieder in 160 Ortsgruppen zählt, entwickelt. Sie erstreckt sich heute Mer Bayern, Baden, Hessen, Mecklenburg und Elsaß und hat auch bereits Fuß gefaßt in einigen preußischen Provinzen und in den deutschen Ländern Österreichs. Auf der diesjährigen Tagung werden sprechen Stadtschulrat Dr. Sickinger (Mannheim), Lehrer Roth (München) und Lehrer Pflügler (München).

XX Der Adel im preußischen Abgcordnetenhause. Viel stärker als im deutschen Reichstag ist der Adel im preußischen Abgcordnetenhause vertreten, was in dem Übergewicht der Rechten seine Erklärung findet. Während sich unter den 397 Reichstagsabgeordneten gegenwärtig „nur" 60 adlige Mit­glieder befinden, betrögt die Zahl der Adligen unter den preußischen Landtagsabgeordneten nicht weniger als 120. Zur Linken gehören davon nur 5, nämlich die nationallibcralen Abgeordneten v. Büloiv (Homburg), Dr. d. Campe, Dr. von Krause (Königsberg), Dr. v. Schenckendorff und v. Schubert. 'Die Fraktion der Fortschrittlichen Volkspartei und die sozial­demokratische Fraktion weisen keinen Adligen auf. Die meisten Adligen gehören der dcutfchkonservativen Fraktion an, nämlich 82 von insgesamt 148 Mitgliedern der Fraktion. Je 14 adlige Abgeordnete zählen zur sreikonservativen Fraktion und zu dem Zentrum, je 5 zu den Nationalliberalen und den Polen. Ausgeschieden sind seit den allgemeinen Wahlen drei Adlige, nämlich die Abgeordneten Graf v. Kanitz (kons.), v. Saldern-Plattenburg (kons.) und Frhr. v. Twickel (Ztr.), neu eingetreten 2 Adlige, nämlich Graf Droste zu Vischcring (Ztr.) und Graf v. Wilamowitz-Moellendorff (kons.).

Der Agrarkommission des Abgeordnetenhauses lag am Dienstagabend der ihr vom Plenum überwiesene Antrag Ecker-Winsen (nakl.) auf Förderung l>er Viehzucht und der Viehverwertung vor. In der Kommission stand man zwar allgemein der Tendenz des Antrages sympathisch gegen­über, doch war man .der Meinung, daß der Zweck besser im Rahmen des Etats als durch ein besonderes Gesetz zu er­reichen sei. Der Antragsteller zog daraufhin seinen Antrag zurück, und die Kommission nahm einstimmig eine Ent­schließung an, die die Regierung ersucht, vom Jahre 1915 ab erhöhte Mittel in den Etat der kanÄwirtschaftlichen Ver­waltung zur Förderung der Viehzucht und der Vichverwertung einzustellen. Der ebenfalls' bereits im Plenum verhandelte Antrag Wallenborn (Ztr.), der eine Prüfung der Frage ver­langt, ob und aus -welchem Wege der offenbar mehrjährigen und verhängnisvollen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage des preußischen W i n g e r st a n d e s -gesteuert werden kann, wurde einstimmig angenommen.

Die Frage des Kirmes)- und Schiitzenfestverbots. Die Handels- und Ge,Werbekommission des Abgeordnetenhauses be­riet am Mittwoch über eine Petition des Vepbandcs reisender Gewerbetreibender, Ortsgruppe Elberfeld, die um Maß­nahmen ersucht, damit die Märkte, Kirmessen und Schützenfeste nicht unterdrückt werden, während vor einiger Zeit eine Regierungsverordnung erschienen ist, di-e die Auf­hebung dieser Veranstaltungen in Aussicht nimmt. Die Kom­mission kam mit der Beratung nicht zu Ende, sondern ersuchte die Regierung um Material für die weitere Prüfung.

Keer und Kwtrs.

Fünfzigjährige Dienstjubiläen. Im Laufe dieses Som­mers können noch weitere vier Admiräle das 50jährige Dienst- jubiläum feiern, und zwar Vizeadmiral st io suite. Fvhr. v. S e ck e n-d o rff, der schon seit dem Fahre 1877 in dam Persönlichen Dienst des Prinzen Heinrich von Preußen steht. 1888 trat er als Kapitän z. S. unter Ernennung zum Hof- marschall des Prinzen in den Preußischen Hofdienst über. In dieser Stellung wurde er 1895 gu-m Konteradmiral und im Jahre 1900 zum Vizeadmiral a In suits der Marine be­fördert. — Vizeädmiräl z. D. Fritze befehligte als Kor- betttenkapitän den Kreuzer „Adler", -der bei der Katastrophe im Hafen von Apia am 16. März 1889 mit dem Kanonenboot „Eber" den entfesselten Elementen zum Opfer fiel. Als Chef des zweiten Geschwaders trat er 1905 meiden Rnhe-stand. —• Konteradmiral Strauch hat sich nach seinem Übertritt in den Ruhestand besonders im Interesse der deutschen Kolo­nialpolitik lbetätigt und ist seit längerer Zeit stellvertretender Präses der Deutschen Kolonial-Gesellschaft. — Konteradmiral Oskar v. Schuckmann war bis zu seinem Ausscheiden aus sem Dienst im Jahre 1901 mehrere Jahre Kommandant der Insel Helgoland.

A.ii. M. Die Zivilversorgung der Unteroffiziere. Die schnelle Versorgung der Unteroffiziere nach Vollendung ihrer Dienstzeit ist eine der wichtigsten Fragen, die zurzeit die mili­tärischen Kreise beschäftigen. Um die Aussichten der Unter­offiziere zu heben, hat die Militärverwaltung in der letzten Zeit eine Reihe von wichtigen Maßnahmen getroffen. So ist die Entschädigung für die Nichtbenutzung des Zivilversorgungs­scheines erhöht worden, und zwar die einmalige von 1500 M. auf 3000 M., die monatliche van 12 M. auf 20 M. Die Mili­tärverwaltung hofft, daß künftighin von dieser Entschädigung mehr als bisher Gebrauch gemacht werden wird, so daß die Zahl der Militäranwärter auf eine Zivilstellung vermindert wird. Da die Dienstprämie ebenfalls von 1000 M. auf 1500 Mark erhöht ist, verfügt der ausscheidende Unteroffizier über ein Barkapital von 3000 M., wofür er sich ein kleines Geschäft oder eine Rentenstelle auf dem Lande kaufen kann. Eine weitere wichtigere Maßnahme ist die Errichtung besonderer „Beratungsstellen" bei der Truppe. Die Militärverwaltung ist dabei von dem Gesichtspunkte ausgegangen, daß das Gebiet der Unteroffizier-Zivilversorgung mit seinen zahlreichen und ungleichartigen Bestimmungen im Reich, Staat und bei den Provinzialbehörden und Gemeinden und bei den häufig so

Mssdaderrer TagUrckt.

verschiedenen Aussichten in den einzelnen Laufbahnen, so viel­seitig und schwer zu übeisehen ist, daß der einzelne Unter­offizier sich kein klares Bild machen kann, wo sich für ihn die besten Aussichten zeigen und welche Schritte er am zweck­mäßigsten unternimmt, um schnell eine Zivilstellung zu er­halten. Den Unteroffizieren, die eine Zivilstellung nachsuchen, kann nur empfohlen werden, sich in allen Angelegenheiten an diese Stelle um Rat und Auskunft zu wenden. Es würde zu erwägen sein, ob inan nicht für größere Garnisonen für alle Truppenteile eine gemeinschaftliche Auskunftsstelle einrichtete und hierfür einen inaktiven Offizier bestimme, der viele Jahre dies Amt verwalten könnte. Das Kriegsministerium ist be­müht gewesen, den neugeschaffenen Beratungsstellen genügen­des Material zu überweisen, das als Grundlage für die In­formationen dienen soll. Alle diese Maßnahmen werden dazu beitragen, die Unteroffizierlaufbahn günstiger zu gestalten.

Wichtige Erfindung eines Pionieroffiziers. Wie die „Glogauer Zeitung" berichtet, fand in Steinau auf Anord­nung des Ministers der öffentlichen Arbeiten die Erprobung eines neuen Apparates zur Bestimmung und Aufzeichnung von Strombett-Profilen, Strombreiten und Stromgeschwindig- keiten durch das Königliche Wasserbauamt Steinau ftatt. Als Vertreter des Königlichen Oberpräsidiums waren verschiedene Regierungs- und Bauräte, aus Breslau sowie mehrere Herren der Wasserbauverwaltungen erschienen. Der neue Apparat, der bei einmaliger überfährt über einen Ström in -einfacher Weise Flußbreite, Fluß-Profil und Stromgeschwindigkeit gleich­zeitig ermittelt und auf einen Papierstreifen aufzeichnet, hat sich bereits auf der Oder, Spree und dem Obervhein bewährt. Bekanntlich erfolgt die Aufnahme von Flußquerischnitten immer noch durch das mehr oder weniger willkürliche Peilen mit einer Stange. Der Apparat kann also nach feiner Ein­führung für die Aufnahme von M«ssenprofilen, wie sie bei -den bevorstehenden großen Stromre-gulierungen notwendig wer­den, -bald -ein unentbehrliches HanÄwerkzeug sein. Der Appa­rat eignet sich nicht nur zur Aufnahme von Flußquerschnitten, sondern überhaupt zur Aufnahme von Geländequerschnitten, er bildet also auch auf topographischem Gebiet eine Neuheit. Auf den Apparat, der in fast allen Auslandsstaaten durch Patente geschützt ist, sind in Deutschland zwei Patente und drei Gebrauchsmuster erteilt. Der Erfinder des Apparats, Leutnant Theune, gehört zu dem am 1. Oktober d. I. neu ausgestellten Scheinwerferzug des Pionierbataillons Nr. 5 in Glogau. — Wie wir hören, ist Herrn Leutnant Theune vom Minister der öffentlichen Arbeiten mitgeteilt worden, daß die vom Wassevbauamt Steinau vorgenommenen Versuche so beachtenswerte Ergebnisse erzielt haben, daß eine allgemeine Einführung des Apparats tri Aussicht genommen werden soll. Der Apparat, den Herr Leutnant Theune bisher für die Zwecke der Heeresverwaltung konstruiert hatte, wird für die Wasserbauverwaltungen, denen er für die Auf­nahme von Wasserquerschnitten dienen (soll, wie sie bei den bevorstehenden -großen Stromregulierungen nötig werden, noch einigen technischen Änderungen unterworfen. Der Appa­rat, der sich auch zur Ausmessung von Seen und Binnenge­wässern und überhaupt zur Aufnahme von Geländequer- schnitten eignet, hat bereits die Aufmerksamkeit vieler wissen­schaftlichen Institute auf sich gezogen und wird vom der ge­samten Fachpresse in hervorragender Weise gewürdigt.

Kreuzerncubauten. Der -der Aktiengesellschaft Weser in Bremen in Bau gegebene kleine Kreuzer ist der Ersatz für „Gazelle" 1914. Der kleine Kreuzer Ersatz „Riobe" 1914 wird auf der Kaiserlichen Werst in Kiel gebaut.

Schisfsbeweguugcii. Eingerraffen: S. M. S. „Leipzig"

am 11. Juni in Yokohama.

P©ft und Eisenbahn.

Der Postscheckverkehr. Fm Reichsipostgebiet -ist die Zahl der Kontoinhaber im Pastscheckverkchr Ende Mai 1914 aus 91 522 g e st i e g e n. (Zugang i-m Monat Mai 940.) Auf diesen Postscheckkonten wurden im Mai -gebucht 1618 Millionen Mark Gutschriften uüd 1611 Millionen Mark Lastschriften. Bargeldlos wurden 1733 Millionen Mark des Umsatzes be­glichen. Das Gesamtguthaben der Kontoinhaber betrug im Mai durchschnittlich 212,6 Millionen Mark. Im inter­nationalen Polstüberweifungsverkehr wurden 8,9 Mil­lionen Mark u-mgesetzt.

Die Fortschritte der Barfrankierungseinrichtungen. Der Hansabund hatte sich an das Reichspostamt mit einer Be­schwerde über die von einigen Seiten betonte Unzuläng­lichkeit der Barfrankierungseinrichtungen gewandt, und zwar sollte es sich besonders um Vorgänge bei den Dienststellen in Berlin handeln. Das Reichspostamt teilt hierzu mit, daß nach den bisherigen Erfahrungen sowohl die Zahl der Post­ämter, bei denen Frankiermaschinen aufgestellt sind, als auch die Zahl der aufgestellten Maschinen dem Verkehrsbedürfnis genüge. Die Maschinen hätten in Berlin allein vom 1. Jan. bis Ende November 1913 rund 29 Millionen Massensendun­gen, darunter 15 Millionen Stück allein bei dem Postamt 68 (Lindenstraße), bearbeitet. Die Reichspostverwaltung verweist in ihren Ausführungen an den Hansabund mit Recht darauf, daß die Sendungen vor allem ihrer äußeren Beschaffenheit nach zur Abstempelung mit der Maschine geeignet sein müßten. Sie dürften gewisse Ausdehnungen nicht über­schreiten und nicht mit Blechklammern oder ähnlichen Gegen­ständen aus Metall verschlossen sein, weil ein derartiger Ver­schluß die Maschinen beschädige und unbrauchbar mache. Die Einrichtungen der Maschinen verbiete ferner die Abstempe­lung von Sendungen in Rollenform oder von solchen Sen­dungen, die mit Bindfaden umschnürt oder in bauschiger Form gefaltet oder verpackt seien. Das Interesse des Dienst- betricbes erheische, daß die Sendungen in der für die Ab­stempelung erforderlichen gleichmäßigen Lage (Aufschrift oben, Bestimmungsort rechts unten) in gleichen Mengen abgeteilt oder in Körben, Schachteln oder sonstigen Behältnissen so geordnet eingeliefert würden, daß eine Schätzung der Ge­samtzahl leicht möglich sei.

Deutsche Schutzgebiete.

K. K. Eine Stiftung des Kaisers. Der Kaiser hat für den Sitzungssaal des südwest-afrikanischen Landesrates im neuen Windhüker Gouvernementsgebäude seine Büste in Bronze gestiftet.

Kuslanö.

Österreich-Ungarn.

Eine BerwaltungSreform in Ungarn. Budapest, 12. Juni. Der Minister des Innern, Johann Sandor, hat dem Abgeordnetenhause drei Gesetzentwürfe über die Ver­waltungsreform unterbreitet. Danach sollen die Verwaltungs­beamten, die bisher durch die Komitate gewählt wurden, von

Morgen-Ausgabe, 1. B l att. Sette 3.

der Regierung ernannt werden. Dagegen erhält die Komitats- verwaltung die Kontrolle und das Disziplinarrecht über die staatlich ernannten Beamten. Der Komitatsausschuß, der eigentliche Selbstverwaltungskörper, wird durch zahlreiche gewählte Elemente verstärkt.

21. Welt-Friedens-Kongreß zu Wien. Wien, -0. Juni, Der 21. Welt-Friedens-Kongreß wird vom 15. bis 19. Sept. 1914 im Parlamentsgebäude zusammentreten. An Borträgen sind geplant: In den Plenarsitzungen: „Die dritte Haager Konferenz", „Der wirtschaftliche Einfluß der Rüstungen auf Handel und Industrie", «Die wirtschaftlichen Folgen des Balkankrieges", „Teilnahme der Parlamente an der auswär­tigen Politik", „Die Verminderung der Rüstungen". In der 1. Sektion (für Propaganda und Erziehung): „Die Erziehung zum Weltfrieden in der Volksschule". In der 2. Sektion (für Rechtswissenschaft und Politik): „Der Staatengerichtshof im Haag", „Internationale Polizeimacht", „Das Problem der deutsch-französischen Beziehungen", „Verhältnis der äußeren zur inneren Politik". Das k. k. Eisenbahnministerium hat den Organisationsausschuß bereits in Kenntnis gesetzt, daß es den Teilnehmern an dem 21. Welt-Friedens-Kongreß beson­dere Begünstigungen auf den Linien der k. k. österreichischen Staatsbähnen gewährt. Auskünfte erteilt das Sekretariat des Organisationsausfthusses Wien 1, Spiegelgasse 4.

Krankrerch-

Eine 900-Millionen-Anlcihc. Paris, 12. Juni. Dev Finanzminister Elemente! unterbreitete dem heutigen Ministcrrat einen Anleiheentwurf, betreffend die Ausgabe von 900 Millionen Otz^prozentiger, in 25 Jahren tilgbarer Rente. In den Motiven wird bemerkt, daß die gegenwärtig schon aus­gegebenen Renten die durch frühere Gesetze bewilligten Steuerfreiheiten auch weiterhin genießen werden. Es heißt, daß der Entwurf für die auszugebende Anleihe nicht dieselben Steuerfteiheiten verlange. Das Anleiheerträgnis wird für die außerordentlichen Heeres- und Marineausgaben sowie die außerordentlichen Ausgaben für Marokko verwendet werden. Der Ministerrat genehmigte den Anleiheentwurf, der noch heute nachmittag dem Präsidenten der Republik zur Unter­schrift vorgelegt und in der heutigen Kammer eingebracht wird.

England.

Zum Flottenbefuch in Kiel. London, 12. Juni. Den „Daily Telegraph" behandelt in seinem Leitartikel die ver­schiedenen internationalen Flottenbesuche der letzten Zeit und der kommenden Wochen und erwähnt dabei den bevorstehen­den Besuch englischer Kriegsschiffe in Kiel. Das Blatt schreibt, diese Schiffe, die Elite der ersten Flotte, werden den König und sein Volk würdig während der Regattazeit vertreten, die der deutsche Kaiser durch seine Organisation, seine Fähigkeit und seine Begeisterung für das ganze Flottenwesen zu einem der wichtigsten und angenehmsten Ereignisse des europäischen Wassersports gemacht hat. Das Blatt fährt fort: Die britische Nation hat allen Grund, sich dieses Beweises guten Einver­nehmens der Großmächte zu freuen, das aus diesen Flotten­besuchen erhellt. Es wäre vielleicht ein Irrtum, solchen Er­eignissen eine zu große politische Bedeutung beizumeffen. Aber sie zeigen, daß die kritischen Verhältnisse, die so viele Monate hindurch im nahen Osten bestanden haben, die inter­nationale Verstimmung nicht nur nicht verstärkt haben, son­dern dazu geführt haben, die beiden großen Mächtegruppen einander näher zu bringen.

„Daily News" zur Rede Greys. London, 12. Juni. Die „Daily News" begrüßt, daß Sir Edward G r e y die erste beste Gelegenheit ergriffen hat, um das Gerücht von einem englisch-russischen Flottenabkommen zu vernichten. Das Blatt schreibt: „Seine Erklärung ist bündig genug, um alle Zweifel zu beseitigen. England hängt nicht an den Rockschüßen eines anderen Landes. Es ist nicht der Diener Rußlands, nicht der Verbündete Frankreichs. Es ist nicht der Feind Deutschlands. Es kann in der Eventualität eines europäischen Krieges seinen Kurs frei bestimmen, wie es ihm gut dünkt."

vereinigte Staaten,

Die jüdische Einwanderung nach den Bereinigten Staaten im Jahre 1912/13. Die „Reue Jüdische Korr." berichtet:! Soeben ist der neue Jahresbericht des Generalkom- missars für Einwanderungswesen erschienen. Der Bericht umfaßt den Zeitraum vom 1. Juli 1912 bis 1. Jul: 1913. Die allgemeine Einwanderung nach den Vereinigten Staaten betrug in dem Berichtsjahre 1 198 000 Personen, d. h. wit etwa 340 000 Personen mehr «ls im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Unter den Auswanderungsländern nimmt Rußland mit 291 000 Emigranten wieder den ersten Platz ein, Unter diesen 291 000 befanden sich 74 000 Juden, gleich 26,4 Prozent. Die Gesamtzahl der jüdischen Einwan-, derer aus allen Ländern betrug im Berichtsjahre 101300 Personen; der Anteil der russischen Juden an der allge­meinen jüdischen Emigration belief sich also auf mohr als 73 Prozent. Von den jüdischen Einwanderern haben etwa 59 000 Personen, «Uso fast 60 Prozent, die Stadt unld den Staat New Aork als Endziel ihrer Reife angegeben. _ Unter den südlichen Einwanderern, die das 14. Lebensjahr überschritten hatten, befanden sich 16 000 Analphabeten. -schon daraus kann man ersehen, wie groß die Zahl der nicht zuge­lassenen jüdischen Emigranten wäre, falls die B : I d u n g s-- probe, die in dem neuen Einwandevungsgo,etzentiwurf vor­gesehen ist, Gesetzeskraft erlangt.

Mien.

Revolutionäre Bewegnng in China. Peking, 12. Juni. In Schanghai droht der Ausbruch einer Revolution. Die Stadt ist mit zugereisten Revolutionären überfüllt und auS Japan trafen die Führer der ersten chinesischen Revolution ein. Die Revolutionäre beabsichtigen, Schanghai zu nehmen und' zur Basis ihrer Operationen zu machen. Duanschikai ließ die Wache des Arsenals verstärken.

Der japanische Marincskandalprozcß. T o k i o, 11. Juni. Dis Gerichtsverhandlung gegen den Vertreter der Siemens- Schuckert-Werke Hermann und den ehemaligen Korrespondenten ^des Reuterbureaus Pooley sowie mehrere Japaner -ans Anraß der Marinefkandale hat heute begonnen. Eine ganze Anzahl ausländischer und japanischer Verteidigen war erschienen; ferner waren auch das britische und das deutsche^ Konsulat vertreten. Hermann ist in dchc Vor-- mittagssitzung eingehend vernommen wobden. Er erklärte, er halbe f-Mst die Papiere, die in den Besitz des Angestellten Richter gebangten, nicht für wichtig gehalten, aber er wußte,

i te fti -die Hände des Korrespondenten des Reuter- schen Bureaus gelangten, welcher seiner Meinung nach st an big die deutschen Interessen zu schädigen suchte. Deshalb hielt er es für gefährlich, die Papiers in solchen