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Verlag Langgasse 21
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Kbend-Nusgabe.
Nr. 258. » 62. Jahrgang.
Krsitag. 12. Juni 1914.
Grotzherzog Kdolf Friedrich von Mecklenburg-Strelitz f.
wb. Berlin, 12. Juni. Der Grotzherzog von Mecklcnliurg-Strelrtz ist gestern abend 8 Ühr 17 Minuten, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben, gestorben.
Adolf Friedrich von Mecklenburg-Strelitz gehörte dem Lebensalter nach zu den älteren deutschen Fürsten, hat aber die Regierung erst vor zehn Jahren, am 30. Mai 1904 übernommen. Geboren am 22. Juni 1848 als Sohn des Großherzvgs Friedrich Wilhelm und Hessen noch in Neustrelitz lebenden Gemahlin, einer Tochter des Herzogs Adolf v. Cambridge, wurde er mit 17 Jahren Leutnant im Strelitzschen Infanterie- Bataillon und rückte schon nach 10 Tagen zum Oberleutnant auf. Den Krieg von 1870/71 machte er als Hauptmann im Hauptquartier des Kronprinzen-Ober- befehlshabers der 3. Armee mit und erwarb sich das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Im Februar 1873 trat er zur Dienstleistung beim 2. Garde-Ulanenregiment ein und wurde im März 1875 Major, ließ sich aber bald darauf zu den Offizieren ä In suite der Armee versetzen und rückte dann, ohne wieder ein Kommando zu übernehmen, durch die Dienstgrade ^der Stabsoffiziere und Generale. Am 27. Januar 1897 wurde er General der Kavallerie. Bei Übernahme der Regierung wurde er Chef des 2. Bataillons des Mecklenburgischen Grenodier- Stegiments Nr. 89 und des Ulanenregiments Nr. 9, bei dem er seit 1889 h ln suite geführt worden war. Seit 1877 ist er vermählt mit der Prinzessin Elisabeth von Anhalt, einer Schwester des regierenden Großherzogs. Aus seiner Ehe sind 2 Töchter und 2 Söhne entsprosten: der Erbgroßherzog Adolf Friedrich, der im 31- Lebensjahre steht und, wie gemeldet, dieser Tage bereits die Regierungsgeschäfte übernommen hat, und Herzog Karl Borwin, der vor einigen Jahren im Alter von 20 Jahren gestorben ist. Von den Töchtern ist die ältere mit dem päpstlichen Grafen Jametel, die jüngere mit dem Erbprinzen von Montenegro vermählt.
Der jetzt nach längerem Krankenlager verstorbene Großherzog traf, bei seinem Regierungsantritt recht unerfreuliche Verhältnisse in dem Lande an. Sein Vater hatte herzlich wenig für die Entwicklung des Landes getan. So hat er z. B. in den 64 Jahren seiner Regierung im ganzen Fürstentum Ratzeburg niemals eine Chaussee bauen lassen, keine Stadt wurde so dotiert, daß sie auch nur einigermaßen ausreichende Einkünfte besaß, und das Elend der Lehrer und anderen Beamten nahm bei den unerhört niedrigen Gehältern, welche der alte Großherzog bezahlte, entsetzliche Dimensionen an. Er war vor allem der erbittertste Gegner der Bis- marckschen Staatspolitik, der sich mit den 1866 und 1870 geschaffenen nendeutschen Verhältnissen nicht befreunden konnte. Seine Mutter, die Großherzogin Auguste Karoline, die am 19. Juli d. I. ihr 92. Lebensjahr vollendet, ist Europas älteste Fürstin aus regierendem Stamme und dje letzte Weifenfürstin. Sie hat aus diesen Namen Anspruch, weil seit dem Tode der Königin Marie von Hannover kein weibliches Mitglied des wölfischen Hauses mehr am Leben ist, das an dessen Mission so fest glaubt wie sie.
Der setzt verstorbene Großherzog Adolf Friedrich war indessen kein Widersacher des neuen Deut
schen Reiches wie seine Eltern. Er hatte vielmehr den bestenWillen, mit den starken patriarchalischenTraditionen in Mecklenburg zu brechen und das Land in einen modernen Staat umzugestalten. Er war von dem ehrlichen Bestreben beseelt, eine reichstreue Politik zu treiben und die Beziehungen z u m Berliner Hof, die seit 1866 recht kühl geblieben waren, freundschaftlich zu gestalten. Mancher veraltete Brauch in dem „verfasspngslosen" Staat wurde von dem Fürsten abgeschafft, manche gute Reform eingeführt. Vor allem aber trug sich der Großherzog mit dem ernsten Willen, dein Lande eine Verfassung zu geben. Er hat dieses Ziel bis zu seinem Tode nicht erreicht. Der Widerstand der auf ihre politische Macht eifersüchtigen Ritterschaft hat es bisher zu verhindern gewußt. Allein die Tatsache, daß der verstorbene Groß- hcrzog noch bei Beginn seiner letzten Krankheit, wenige Wochen vor seinem Tode, die unerschütterliche Absicht bekundete, kein Mittel unversucht zu lassen, um endlich das Verfassungswerk durchzuführen, sichert ihm in allen politisch-fortschrittlich gesinnten Kreisen über seinen Tod hinaus dankbare Anerkennung.
Vom Sterbelager des Grotzherzogs.
* Berlin, 12. Juni. Zu den: Ableben des Großherzogs wird noch gemeldet: Seit vorgestern nachmittag weilten die Ärzte Dr. Bier und Schildbach ununterbrochen am Krankenlager. Gestern vormittag schien eine vorübergehende Erleichterung einzutreten, die sich jedoch alsbald als trügerisch erwies. Um 3 Uhr nachmittags wurden die Familienmitglieder ans Sterbelager gerufen. Um 8 Uhr 17 Minuten trat der Tod ein. Um 1 Uhr 10 Minuten kehrte die Großherzogin mit ihren! Sohne und ihrer Tochter ins Hotel zurück. Staatsminister Rosworth und der Hofmarschall und Gesandte v. Brandenstein verblieben im Sterbehause und trafen die notwendigen Vorkehrungen^ Die Überführung nach Strelitz wird voraussichtlich morgen stattfinden. Der Kaiser würde telephonisch vom Ableben verständigt. Er hat, für die Überführung der Leiche seinen Salonwagen zur Verfügung gestellt. Der neue Großherzog begab sich um li /2 Ilhr nachts nach Strelitz, um seiner Großmutter Bericht vom, Ableben des Vaters zu erstatten. Er kehrt morgen früh wieder nach Berlin zurück.
Die Nachrufe in der presse.
w. Berlin, 12. Juni. Deni verstorbenen Großherzog von Mecklenburg-Strelitz rühmen die B l ä t t e r große Güte nach.
Die „V o s s i s ch e Zeitung" hebt hervor, daß er als Bundesfürst frei von partikularistischen Neigungen war. Das Blatt erinnert an die Bereitwilligkeit des Großherzogs, aus seinem Privatvermögen Opfer zu bringen, wenn eine Verfassungsänderung durchgesührt werden könne.
Der „B e r l i n e r L o k a l a n z e i g, e r" sagt: Dieser so treu am Alten festhaltende Mecklenburger hatte stets ein lebhaftes Verständnis für neuzeitliche politische Fragen unserer Tage. Sein ernstes Bestreben war es immer, dem Lande die von so vielen Seiten gewünschte Neuordnung zu verleihen.
Das „Berliner Tageblatt" rühmt ihn als einen modern denkenden Herrscher, der stets die treibende Kraft gewesen ist, wenn im Lause der letzten
Jahre immer wieder Versuche gemacht wurden, dre mecklenburgischen Großherzogtümec den Zeitumständen anzupassen und in einen Verfassungsstaat zu verwandeln.
Der neue Gberpräsiöent VONPosen-
* Berlin, 11. Juni. Zum Oberpräsidenten in Posen als Nachfolger des verstorbenen Oberpräsidenten Schwartzkopfs ist, wie offiziös gemeldet wird, der Unterstaatssekretär im Staatsministerium v. E i s e n h a r t - R o t h e bestimmt.
Hans v. Eisenhart-Rothe gehört einer seit Generationen in Pommern ansässigen Adelsfamilie an, die ursprünglich nur von Eisenhart hieß, bis sie infolge der Vermählung des Generalmajors Friedrich Johann v. Eisenhart mit dem Fräulein Helene v. Rothe, der letzten ihres Geschlechts, am Anfang des 19. Jahrhunderts den umfangreichen Güterbesitz, den Namen und das Wappen der Herren v. Rothe erbte. Der neue Oberpräsident wurde am 10. September 1862 auf dem väterlichen Gute Lietzow geboren, ist also 51 Jahre alt. Nach Beendigung seiner Gymnasialbildung und feines juristischen Studiums trat er am 3. April 1884 als Kammergerichtsreferendar in den preußischen Staatsdienst. Er ging dann zur Verwaltung über und wurde 1891 der Regierung Lüneburg überwiesen. Später arbeitete er als Hilfsarbeiter beim Landratsamte des Kreises Burgdors, wurde 1892 dem Landratsamte Süderdithmarschen für die Angelegenheiten der Insel Helgoland zugeteilt und 1894 Verweser des Landratsamtes in Bromberg. Seine Ernennung zum Landrat des Kreises Bromberg erfolg« 1895; er blieb neun Jahre in dieser Stellung, bis er 1904 als Hilfsarbeiter in das Geheime Zivilkabinett des Kaisers berufen wurde, wo er 1905 zum Vortragenden Rate und später zunr Geheimen Ober-Regierungsrat aufrückte. Am 1. Juli 1909 wurde er zum Regierungspräsidenten in Merseburg ernannt, blieb hier aber nur ein Jahr, da er schon am 4. Juli 1910 als Nachfolger von Günthers zum Unterstaatssekrctär im preußischen Staatsministerium berufen wurde.
Die Ernennung Unterstaatssekretärs v. Eisenhart- Rothe, zum Oberpräsidenten in Posen kommt nicht überraschend. Sein Name wurde von Anfang an auf der Liste der Kandidaten für diesenPosten genannt. Er gilt als ein sehr tüchtiger und kenntnisreicher Beamter. Im parteipolitischen Leben ist er bisher nicht sonderlich hervorgetreten. Dem neuen Oberpräsidenten auf diesem politisch so besonders wichtigen Posten sind Land und Bevölkerung aus seiner oben erwähnten Tätigkeit als Landrat von Bromberg nicht unbekannt. Seine mehrjährige Tätigkeit im preußischen Staatsministerium unter der Leitung des Ministerpräsidenten p. Beth'mann-Hollweq läßt erwarten, daß er denselben Kurs etwas milderer Art, den die jetzrge Polenpolitik der Regierung befolgt und den auch Schwartzkopfs vertreten hat, steuern wird. Seine Ernennung dürste darum den hakatistischen Politikern keine Freude bereiten. ^ ... - ,,
Pressestimmen.
w. Berlin, 12. Juni. Die konservative „K r e u z- zeitnng" sagt: „Man geht Wohl kaum fehl, wenn
mas finden sich musikalisch mit aufwühlender^ Gewalt nachgc- schildert. Die Motive, scharf profiliert, beschäftigen die Phantasie deS Hörers unablässig; und wir erleben denn wohl aas Merkwüvdige, daß vieles, was unser Herz und Verstand an der Komposition etwa verdammt, in der wilden Schonheu und Prägnanz per orchestralen Gestaltung mit all ihren unendlich differenzierten Farbenwirkungen — unsere Bewunderung erzwingt! Nicht entfernt so kunstvoll wie die nlwtrumente^hat Rieh. Strauß die Singstimmen behandelt: es gehört jedeuMs ein .ganz befonldcrcr musikalischer „Training dazu, den hier verlangten Sprechgesang überhaupt rm uon zu treffen und däüei die Deutlichkeit des Textwortes zu ichützen. Unseren Darstellern ist das zumeist vortrefflich ,Belangen. Für die Salome bringt Frl. Bo mm er manche wichtigen Vorzüge mit: den Reiz der Erscheinung, den schönen Körperbau, die Geschmeidigkeit der Bewegungen, frische Gespanntheit im Spiel und ein temperamentvolles ^Empfinden. Raubtierartig umschleicht diese Salome ihre Opfer: die lechzende Gier, die frechen Berführungskünste,. die aufbäumende Wildheit der Leidenschaften. fanden sich :n der Darbietung, vielleicht nicht immer ganz impulsiv, aber doch mit Entschiedenheit ausgeprägt. Die Rolle des Iochanaan wurde von Herrn R u p p fauS Essen) gesungen: die einzige Partie, die mehr an die ältere breit-melodische Gesangsweise anknüpft. Die Stimme des Gastes erfreute durch ein schönes Matz von Wärme und wuvde auch den Kraftstellen — Salomes Verfluchung — hinreichend gerecht, Fn der grassei? Charakteristik des Herodes offcnlöarte Herr ForchHammer seine starke dramatische Ader: seine Darbietung spiegelt treffend die entartete Natur des Tetrarchcn wieder; diese grauenhaften. Wahnvorstellungen,
Feuilleton.
Kömalichs SchrmhnelL.
Am Mittwoch ging die Oper „Mignon" von Ambroise Thomas in Szene. Frl. Elly Clerron (vom Braunschweiger Hoftheater) gastierte in der Titelrolle. Es handelt sich bekanntlich um das Engagement einer neuen Soubrette, da Frau Hans-Zoepffel, dem Vernehmen Nach, mit Ablauf der Saison aus dem Verbände des Hoftlheaters' scheidet. Für die Befähigung zur Soubrette kann aber die „Wign-on"-Partie unmöglich als ausschlaggebend gelten: gerade der, heitere,
frischbeivegte Ausdruck in Gesang uNd Darstellung, die Lciich-- tigkeit und Agilität der Stimme — besonders auch in der Hohe — kommt bei dieser Partie nicht wesentlich in Betracht. Es müßte daher der auf Engagement gastierenden Sängerin doch wohl Gelegenheit geböte» werden, ihre Begalbung im speziellen Soubretten-Fach noch naher zu erweisen. Inzwischen darf Fräulein Clerron als „Mignon" gern willkommen geheißen sein. Die kleine, mädchenhafte Figur der jungen Sängerin und ihre sprechenden Augen diese bald kindlich- «aiven, bald sinnend-träumerischen oder schmerzlichen Blicke — begünstigten den Eindruck des sonderbar zarten Wesens einer Mignon. Und in gleicher Weise ist auch Frl. ClerronS Stimme und Singweife für die Partie nicht übel geeignet: allerdings nur, soweit jenes kindlich rührende Element im, Eharakter der Gestalt vorherrscht. Der scheue, ängstliche Ausdruck in der Eingangsszene; der in schwärmerische Empfindung actauchtc Vortrag der Romanze »Kennst du das L-anÄ"z
die sehnsüchtigen Akzente im „Schwälben-Licd" —: das alles war bei hübschem weichen Tonanschlag nicht ohne zart-poetische Wirkung. Aus dem zweiten Akt ist dann besonders die Pagen- Szene in Philines Gemach hervorzuhe'beü: hier bewies Frl. Clerron im Vortrag der „Tirolienne" mit den geschmackvollen Kadenzen eine fein ausgöfcilte Gesangskunst, welche über die namentlich in der Mittellage mangelnde Klangfülle des Organs freundlich hinwogtänschte. Aber wo dann in Mignon das W e i b erwacht, in den Eifersuchtsszenen, in der sogenannten „Wasser-Arie", da, wo stärkere, effektvolle Betonung verlangt ist, erschien die gesangliche Darbietung minder überzeugend: wurde auch hier nichts gerade verdorben, so doch gerade das Wichtige, das wirklich Dramatische, nicht genügend markiert. Vom Publikum wurde Frl. Clerron, die auch schauspielerisch sehr begabt ist, mit großem Beifall aüfgenommcn. .Die überaus sympathische Darbietung des Herrn Scherer als „Wilhelm Meister" und die in gesangstcchnischer Hinsicht rühmenswerte Durchführung der „Philinen"-Partie durch Frau Friedfel-d halfen zum günstigen Erfolg des Abends.
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Am Donnerstag wurde der augekündigte „Richard- Strauß-Zyklus" mit dem entschieden originlellsten Werk des gefeierteu Komponisten: dem Musikdrama
„Salome" eröffnet. Der groß angelegte sinfonifchc Charakter der Partitur erhielt unter Herrn Mannstoedts Direktion seitens des Orchesters eiste voll entsprechende glänzenjde Ausdeutung. Der tonmalerischen Kunst des Komponisten kam die sinnlich erregte, bilderreiche Sprache Oskar Wildes weit genug entgegen. Alle äußeren Geschehnisse, alle geheimsten Seelenregungen der einzelnen Figuren des Dra«
