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vrr. Mk7.

Donnerstag, II. Juni 1914.

Wiesbadener TagdLatt.

Morgen-Ausgabe, 1. Blatte

Seite 3.

Nachbarftaateu n. -Provinzen.

Verbandst«« der Schlosser-Innungen, ö. Mainz. 10. Juni. Der Verbandstag deutscher Schlosser-Innungen ging gestern zu Ende, über den ..Schutz der Arbeitswilligen" resonerte Obermeister Boden (Dresden). Der Redner/vertrat den Standpunkt, daß unter allen Umständen der Arbeitswillige gesetzlich geschützt werden müsse. Das Koalitionsrecht der Arbeiter solle erhalten bleiben. Auch über das Streikpoitensteheu mutzten gesetzliche Verfügungen getroffen werden. . — Zum V o ro r t e des Ver­di, ndes wurde wieder L e i v z i g beitimmt und die bisherigen VocftandSmitglieder wievergewahlt. vur Die nachstiahrlge Tagung wurde Dresden gewählt, o'ur die Fachschule in Rotzivetn wurden 2000 M. bewilligt. Heute Mittwoch findet eine R b e i n f a h r t nach Rüdeshelm und Besuch des Nieder­walddenkmals statt.

Die Mordsache Bogt-Heydrich. rmlc. Darmstadt. S. Juni. In, der Untersuchungssache gegen die des Mordes an dem Privatgelehrten Hetzdrrch Verdächtigen werden die Ermittelungen nach allen Richtungen eifrig fortgesetzt. Gerichtschemtker Dr. Popp (Frankfurt am Main) fand in der Tasche der Reste des Rockes, der über der Leiche des HevdriÄ lag. den durch das Feuer teilweise zu­sammengeschmolzenen Ring Vogts, obwohl dieser angegeben hatte, datz er nach Ausbruch des Brandes gar Nicht mehr im Zimmer war, sondern nur an der Ture srch des Feuers zu erwehren suchte. Von Interesse ist, auch, datz unter chen bei Vogt gefundenen Papieren sich Briefe und Prospekte eines Berliner Institutes befanden, das über Bazillen ent­wickeln n g Lehrgänge für Damen abihalt und auch Bazillen berfcfrtdt. Möglich ist. datz Vogt als MeöMner sich für drewn Teil der Wisiensckiaft interessierte es, ist aber auch nicht gescklossen, datz er sich mit dem Bazillenstudrum zu ganz be­stimmten Zwecken befaßte.

(Beob. Leutnant v. Mocki>. Leutnant Reinhardt (Beob. Obw- leutnant Aumann), Leutnant Gentz (Beob. Leutnant, Müller) , Unteroffizier Seel (D-oü. Leutnant Backhof), Unteroffizier Albold (Beob. Leutnant Schenerlen). Unteroffizier,Eichtmg (Beob- Leutnant Janke). Alle Flugzeuge sind Awailkdostpet- decker der Tarmstädter Flugstation und mit lOOpferhigen Mer­cedes-Motoren ausgerüstet. Ferner die , Frerbalione. „Freiburg-Breisgau" (Führer Dr. R. Licfmann). »Hessen (Oberleutnant Mourer). „Frankfurt" lJuliich „Moenus" (C. Grumbach). „Justicia" (B. Jessel), --Ttttn. (Direktor O. Neumann). „Mainz-Wiesbaden (Hanpt- mann Stuhl mann). „Herzog Ernst" (Dr. inr. Henoch). „Saarbrücken" (Oberleutnant Döhmer), «Lontmental ck Saarbrücken (Ingenieur H. Janz); die Motorboote. „N're" (Führer Direktor A. Schmidt-Frankfurt), Mercede» C (Herbert Wichnmnn-Köln), „Aurea Moguntia" (Fabrikant H. Ranch-Mainz). „Opel-Leux". Mainzer Ruderverein, (Georg Wenzky-Mainz). „Wasserratte" (Konrad Berdelle-Dcmnz). „Aenne" (Direktor Dr. Dietzschold-Mamz), „Opel (Kom.- Rat C. Opsl-Rüsselsheim). „Fanny" (Dr W, Mertens- liesbaden), „Seiika" (Med.-Rat Dr. Knpferberg-Mnnz) „Moguntia". Mainzer Rnderverein (Gustav Rwtz-Mainz). und die Kraftwagen: Rob. I. Dunlop-Wiesbaden,

N.dolf Ebrbcrrdt-Saavbrncken. Albert Gastell-Wamz, ^oseph Goebel-Mainz, Will,. Heiß-Frankfurt a, M.. A. H.etntz-

mann-WieSbaden. Otto Senkell-Biebrtchi»)eEVfe.d.

Artur Kann-Binaen. Wilh. Kleyer-Frankfurt a. M.. Fritz Koerber-Matnz. Max Lochner-Gönsenheim. Lndww, Marx-- Mainz. Fritz Opel - Rüsselsheim, Frrtz Opel-RuLelsheim (Führer Ludwig Warck). Heinr. Ovel-Rüsselshetm, Dr. Ludw. Opel - RnsselSheim. Emil Ra h ma nl n - W res baden, Aug. Röver-Frankfurt a M.. Julius Roller-Frankfurt, a. M,, Direktor Louis Rühl-Worms. Max Salomon-Mainz B. Sanerwein-Mainz. Wilh. Sauerwein-Mainz. Otto Stahn- Mainz. Robert Stirnbert-Mainz. Direktor Wilh. Wensle- Rüsselsheim.

Gerichtssaal.

8. Preßprozcß. Ein Mainzer Kaufmann und Wein- reisender war im Laufe der letzten Jahre auf seinen Reisen in Belgien zweimal auf der Eisenbahn verunglückt und erlitt dadurch eine ganz bedeutende Zerstörung seines Nerven­systems. Aus Grund des ersten Eisenbahnunfalls erlangte der Verunglückte eine Entschädigung von 80 000 M. Da durch den zweiten Unfall die Krankheit des Wemreffenden ganz be­deutend verschlimmert wurde, lies; er erne weitere „Ent- schüdigungsklage anhängig machen. Ern »guter Freund be­nützte die Kenntnisse von diesen Vorfällen, um rn einem satirisch gehaltenen Artikel in den „Fr an isur ter Nach- richte n" dem Verunglückten den Vorwurf der Simu­lation zu machen. Dies veranlaßt den Weinreisenden, gegen den verantwortlichen Redakteur genannter Zeitung. Ewald Beckmann. Privatklage wegen Beleidigung anzu- strenaen Am 8 Juni hatte sich der Redakteur Beckmann vor

eidinte^Zeuge die volle Verantwortung für den Artikel. Das Ur eil wurde auf vorgestern vertagt. Das Gericht war der Ans!ck,t daß den Angeklagten Beckmann die volle Verant­wortung treffe und verurteilte ihn zu 10 0 M. Geld­strafe und sämtlichen Kosten. •

wb. Gin Gymnasiast unter der Anklage des Mordversuchs. Hanau, 10. Juni. Vor der Strafkammer Hanau begann heute morgen der Prozeß gegen den Gymnasiasten Anton Wolf ans Salmünster, der am 1. Januar, in der Silvester­nacht, durch vier selbständige Handlungen den Entschluß gefaßt hatte, seinen Bruder, seine Mutter, seine Tante und seine Schwester zu töten, und zwar mit Überlegung. Der Prozeß wird bis zur späten Abendstunde dauern.

ZpGrt unh Luftfahrt.

Pferderennen.

,E Frankfurt a. M., 10. Juni. Testino-Flachr-ennen. 3000 Mark 1. Dr. Rieses Knillhorn (Herder). 2. Salier, 3. Eile mit Weile. 16:10; 11, 13:10. — Staufen-Hürdenrennen.

8000 M 1. Gest. Ludwigsfelds Kondor (Unterholzner), 2. Hands off. 3. Corinna. 18:10; 13, 22:10 — Gouverneur- Jagdrennen. 5000 M. 1. W. Dodels Avignon (Dodel), 2. Nacka, 8. Die Ruhe und O'Dn, totes Rennen. 15:10; 14, 32:10. — Kaiserpreis-Jagdrennen. 10 000 M. 1. Lt. Prinz W. z. Schaumburg-Lippes Diamond Hill (Rachwitz), 2, Coral Wave, 3. Copley. '43:10; 20, 23, 22:10. — Prers von Schwal- bach. 6000 M. 1. R. Then-Berghs Jrffh Lad (Hutter), 2. Treffelstein, 8. E. I. 19:10; 18, 14:10. ■— Calveleh-Jagd- rennen. 5000 M. 1. Gest. Lndwigsf-elds Sannel (Hermann),

2. Catalonier, 8. Erbschaft.

* Le Trcmblay, 10. Juni. Prix d Avon. 3000 Franken. 1. Gaillaults Sourdine (I. Reiff), 2. Mignon Bro, 3. Caen. 96-10; 37, 18, 70:10. — Prix de Franchard. 4000 Franken. 1. de Mumms Calixto (Utot), 2. Cher Maitre, 3. Saint Lo. 76-10- 19, 12, 43:10. — Prix du Breau. 4000 Franken. 1. Rutgers Le Roys Eversley (O'Neil), 2. Waterhen, 3. Man Reve 2. 28:10; 16, 47:10. — Prix de Chartrettes. 8000 Fran­ken. 1. Bergs Rayon d'Or 4 (Vovella), 2. Crescent, 3. Olivete 2. 73:10; 38, 39:10. — Prix Onesime Aguado. 10 000 Franken. 1. Carlos Madariagas Menaggio (M. Barat), 2. Kinccrde,

3. Raville. 110:10; 29, 13:10. — Prix de Marlotte. 4000 Franken. 1. Bar. de Nexons Frostygale (Grant), 2. Dight Bells, 3. Barges. 153:10; 51, 31, 44:10.

#

* Die „Wiesbadener Schützengesellschaft. E. B.", hielt am Dienstag ihre diesjährige erste ordentliche Hauptver­sa m m Uno ab. Der von Oberschutzenmeister Heiser er­stattete Jahresbericht ließ erkennen, daß tn schießsportlicher kiniicbt das verflossene Vereinsjahr für die Gesellschaft ein whr günstiaes gewesen ist Zahlreiche Mitglieder beteiligten ich an a lswärtiacn Preisschießen irnd errangen hervorragende

° ?Iitc(> die Gruppenmaniischaft der Schützengesellschaft Rieb im GEvenschießen bei dem Mainzer Verbandsschießen sowohl auf Stand a^ auf Feld Sieger.. Der vwi dem Schatz- matter erstattete Rechenschaftsbericht ergab in Einnahme und Ausoabe ca 25 0M M Die Versammlung nahm ferner eine Era^',naswZ,l des Vo6tandes vor. da einige Mitglieder des

Vorstandes ^folae Rankheit bezw geschäftlicher Verhinde-

m frin/ÄÄleinten Nachdem ans der Verfamm lima dem Ob-rschützenmeister für seine ilmsichtrge und ans- Bernde Tätiakeitwr die Gesellschaft der Tank der Anwesen- L^lLrLn wan konnte dcr Oberschutzenmeister die Versammlung gegen 12 Uhr schließen.

* Kricasmätzige Ballonverfolyung in Mainz am 13. Juni.

Die Teilnehmerlisten für die einzelnen Fahrzengarten stind

wir '*(&? e BwS&iS f b f m.

» Eta » e n ° e teil und zwar die Flieger Haupt­mann Hüscr (Beob. Hauptmann Krügerst Oberleutnant Keller (Beob. Oberleutnant Hachenburg)^

Leutnant v. Osterrotb

Ahgeorönetenhauz.

Eigener Drabtberickt des „Wiesbadener TagblattS".

H Berlin, 10. Juni.

Am Ministertisch: Dr. Lentze.

Präsident Gras v. Schwcrin-Löwitz eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15. Minuten.

Ans der Tagesordnung steht die zweite Beratung d Gesetzentwurfs, betreffend die

Kbänüernng der vesolbungsordnung.

In einer Resolution der...Kommission wird die Staats- regiernng ersucht, baldigst Gesetzentwürfe varzulegen, wodurch Mängel, Härten und Ungleichheiten der. Besoldung au sge- glHchen werden, den Bedürfnissen kinderreicher Familien Rechnung getragen und die bezüglich des Wohnungsgeldzu­schusses entstandenen Unznträglichkeiten beseitigt werden. Ferner wird die Regierung ersucht, bei dem Bundesrat dahin zu wirken, datz bei der Einreihung der Orte in die Orts­klassen der für eine angemessene Wohnung zu tragende Mietsaufwand berücksichtigt wird.

Abg. v. d. Osten berichtet über die Verhandlungen der Kommission.

Abg. Dr. Busse (kons.): Da die Regierung an ihrem

Standpunkt festhält, daß an der Vorlage nichts geändert wer­den kann, haben wir uns mit schwerem Herzen entschließen müssen, sie unverändert anzunehmen, obwohl ihre Mängel auch in der Kommission nicht bewältigt worden sind.

Abg. Dr. v. Savigny (Zentr.): Wir schließen uns dem in der Kommission getroffenen Übereinkommen an. Angesichts der seitens der Regierung abgegebenen Erklärung, daß es zwecklos ist, Abänderungsanträge zu stellen, sehen wir von solchen Anträgen ab.

Abg. Dr. Wagner (freikons.): Meine politischen Freunde werden für die Vorlage stimmen. Wir erwarten, daß bei einer organischen Revision der gesamten Besoldungsordnung die Gehaltserhöhungen an der finanziellen Leistungsfähigkeit der Bevölkerung ihre Grenzen finden und daß eine weitere Erhöhung der Einkommensteuer vermieden wird.

' Abg. Strobel (Soz.): Wir haben vergeblich gefordert, die ineiterg'ehenden Wünsche der Beamten in der Novelle zu be­rücksichtigen. Wenn Sie den Beamten ein menschenwürdiges Dasein verschaffen wollen, so beseitigen Sie das Dreiklassen­wahlrecht. (Abg. v. Pappcnheim: Das wäre das Wichtigste. — Abg. Leinert: Darum ist es auch gesagt worden. — Abg. v. Pappenheim: Das nennt man Fang. — Abg. Hoffmann zum Abg. v. Pappenheim: Oberbauernfänger!) . .

Vizepräsident Dr. Porsch ruft den Abg. Hoffmann zur

Ordnung. .

Abg. Dr. Schröder-Kassel (natl.): Auch wir hatten gern mehr für die Beamten erreicht. Die Regierung hat uns das aber durch ihr energisches „Nein" unmöglich gemacht. Wer hoffen, datz die Regierung möglichst bald uns eine neue Be- soldungSordnung vorlegt. Den Grundgedanken der Kinder­beihilfe balten wir für richtig un.d gesund.

Die Deklassierung der Orte ist ein schweres Unrecht, das bald wieder gutgemacht werden muß.

Wir werden für' die Vorlage stimmen, weil wir es nicht ver­antworten könnten, daß verdiente Beamte gar nichts kommen.

Abg. Delins (Vpt.): Die Beamtenschaft ist mrt freudigen Erwartungen der Besyldnngsvorlage entgegengekommen. Die Erwartungen sind aber leider enttäuscht worden, weil eine Reihe von Beamten keine Aufbesserung erhalten hat. Man wird aber anerkennen müssen, datz durch die Annahme der Vorlage der Beamtenschaft ein großer Dienst geleistet wird, da 154 000 Beamtenfamilien einen Vorteil davon haben. Es ist zu begrüßen, daß die Vorlage hier nicht abgelehnt wird, wie es im Reichstag leider geschehen ist. Die Resolution der Kommission wird für die Regierung eine Grundlage für eine künftige Besoldungsreform bilden können.

Die jetzige Regelung des WohnungsgeldzuschuffeS ist keine befriedigende; wir erwarten daher eine baldige Reform. Insbesondere ist eine Erhöhung des Wohnungsgeldzuschnsses für die Unterbeamten erforderlich. Redner begründet sodann den Antrag seiner Partei (Antrag Aronsohn), betreffend die Krankenfürsorge für die Beamten. Die Beamten werden bei meiner Partei jederzeit gute Fürsprecher finden. (Beifall.)

Nach kurzen Ausführungen der Abgg. Strobel (Soz.) und Dr. Schröder-Kassel (natl.) wird die Vorlage e i n st i m m i g angenommen, ebenso die Resolution der Kommission. Der Antrag Aronsohn (Vpt.) wird der'Budgetkommission über­wiesen. Die zur Besoldungsvorlage eingegangenen Petitionen werden der Regierung zur Erwägung über­wiesen. nachdem ein Regicrungskommissar erklärt hatte, daß sie eingehend von der Regierung geprüft werden loürden.

Die Tagesordnung ist damit erschöpft. — Nächste Sitzung Freitag 11 Uhr: Dritte Beratung der Besoldungsvorlage

erste Beratung des Fideikommißgesetzes.

Schluß nach 3^ Uhr.

Die Krbeiterunruhen in Italien.

Tie allgemeine Lage.

wb. Rom, 10. Juni. Der GeneNa>lstreik dauert fort. Die meisten Läden sind geschlossen. Außer dem „Popo-lo Romano" etzscheirren keine Ze-itungM. Eine ans 'dom Vio Piazza idel Pop-olo geplante Versammlung wurde von den Be­hörden verboten. In 'der Umgebung der Avbeitska-mmer kam es zu AnsamnÄungen, die von der Polizei leicht zerstreut wurden. In Venedig ist der Ansstian'd beendigt. Die Stadt zeigt wieider ihr gewöhnliches Aussehen. In Mai­land dauert der Generalstreik fort.^ Viele Läden sind ge­schlossen; die Zeitungen erscheinen nicht.

Ein Rundschreiben der Regierung an die Präfekten, wb. Rom, 10. Juni. Ministerpräsident Salandra mchtete an die Präfekten ein Rnüdschreiben, in bott er sie auffordert, ihren ganzen Einfluß aufzubieten, um eine Wiederholung der letzten Vorkommnisse zu verhüten. Die Regierung sei keines Menschen Feind. Sie müsse ihre Pflichten Mfnllen, deren erste die Au'f-vechier-haltnng der öffentlichen Ordnung sei; aber wenn zu der Ansrechterhaltung die Anwendung von Gowält notwendig werde, solle nur mit -größter Vorsicht unid Klugheit vorgegangen werden. Die Rogiaru-ng vertraue, darauf, bei der WiLderherstellung der Rühe bei allen vater» landsliebendon Bürgern Unterstützung zu finden.

Die Wirkung des Streiks auf den Berkehr. wb- Rom, 10. Juni. Trotz des Generalstreiks wickÄ sich der Eisenbahnbetrieb in fast ganz Italien normal ab. Nur zwischen Ancona und Bologna ist die Bahnstrecke bei Fübriano, Jmola und Faen-za beschädigt und der Betrieb unterbrochen. Der g-oftrige Abend verlief in allen großen Städten ohne besondere Zwischenfälle. Heute vormittag verkehrten in Genua die Automobile und die Fuhrwerke. Alle Läden sind geöffnet. Auch in Turin sind nicht alle Geschäfte geschlossen. In Neapel begann der Streik ernst zu werden; aber die Straßenbahn verkehrt unid die meisten Läden sind geöffnet. Ein Versuch, die Arbei­ter im Eisenlbahntunnel bei Grazie zum Ansstand zu veran­lassen, wubde durch die Polizei vereitelt. Mehrere Verhaf­tungen wurden vorgenommen.

Die Exzeffc.

H: Rom, 10. Juni. (Eig. Drahtbericht) Heute vormittag kam es in Rom an mehreren Stellen zu Handgemangen, bei denen das Militär feuerte; Einzelheiten fehlen noch.

O Mailand, 10. Juni. (Eig. Drahtbericht) Die Zahl der in Mailand verwundeten Sokdaden unid Polizisten wird aüf 40 angegeben. 12 verwundete Demonstranten wnriden in Kvankenhäuser gebracht. Nach den letzten Nachrichten waren besonders die UnrulM in Turin sehr ernst; es güb zwei Tote und sehr viele Verwundete. Von den Truppen unid der Poli­zei sind 25 Mann verwundet worden. Die Eisenbahnen wur­den unter militärischen Schutz gestellt. Ernste Ruhestörungen werlden auch aus Bologna, Florenz und Venedig gemeldet. In Pqnto Santo, in Jmola (Provinz Bologna) wurden die Schienen -anfgerissen, um einen Militärzug, der In­fanterie und Karabinier: bringen sollte, zu zerstören.

* Turin, 10. Juni. Am gestrigen Nachmittag dauerten die Kundgebungen an verschiedenen Punkten der Stadt fort. Etwa 25 Mann von -den Truppen unid der Polizei sind ver- wundat,. darunter ein Polizeiagent lebensgefährlich. In Ancona kam es anläßlich des Begräbuiffes der Opfer der letz­ten Zusammenstöße zu neuen Straß,enunruhen, bei denen auch Revolveüschüsse fielen.

Letzte Orahtberichte.

Der Kufstand in Albanien.

Eine Truppenrevne in Durazzo. wb- Durazzo, 10. Juni. Gestern nachmittag hielt der Fürst Revue über die gesamten in Durazzo stehenden Truppen ab, die sich aus Miriditen, Malissoren und Gendarmerie zn- sammensetzen. Während der Revue war das Fürsten- paar Gegenstand begeisterter Huldigungen. Der Fürst unterhielt sich u. a. mit den Führern Jssa Bola- tinah, Marco Gjoni und Simon Doda. Der Oberstkomman­dierende, Oberstleutnant Thompson, hielt an den Fürsten eine Ansprache, in der er ihn der Ergebenheit der Truppen ver­sicherte. — Am Abend wurde eine große Anzahl Gewehre und Munition sowie ein Geschütz nach Messio zur Ausrüstung der dortigen Malissoren abgesandt. — Hofmarschall v. Trotha ist' hierher zurückgekehrt.

Die angebliche Intervention des Königs von Rumänien.

wb. Berlin, 10. Juni. Ein ausländisches Blatt will aus diplomatischen Kreisen wissen, der König von Rumänien habe sich persönlich an den Kaiser gewendet und bei ihm zugunsten seines Neffen, des Fürsten von Albanien, inter­veniert. Die „Nordd. Allg. Ztg." ist ermächtigt, sestzustellen, daß die Angaben erfunden sind. Nichts Derartiges ist geschehen.

Die Vereinigten Staaten bieten ihre Vermittlung an.

O Athen, 10. Juni. ('Eig. Drahtbericht) Der hiesigs Gesandte der Vereinigten Staaten, W i l l i a m s, trat heute eine Reise nach Nordepirus an, un: die dortige Lage kennen zu lernen. Von dort reist er nach Albanren. Vor ferner Reise richtete Williams an die Gesandten der Großmächte ein Rundschreiben, worin er ihnen zur Kenntni» bringt, daß dre Vereinigten Staaten ihre Vermittlung rn der albanisches Frage anbieten, da sie die baldige Herstellung der^ Ordnung in dem neugebildeten Fürstentum gern sehen wurden und glücklich wären, wenn sie zur Konsolidierung der Verhaltnrss» Albaniens beitrage n könnten.

Die Reisedis-positioncn des Kaisers.

4b Berlin, 10. Juni. (Eig. Drahtbericht) Nach den norläufiaen F-estsetzungen wird der Kaiser, wie ver- lavtet am 19. Juni am frühen vormittag in Han­nover eintreffen und im Laufe des Vormittags die Ausstellung der deutschen Landwirtschastsgesellschaft be­suchen, wo u. a. Wettspiele der Landjugend stattfinden. sttachnlittags besichtigt der Kaiser die Funkenspruch­station Eilveres. Für Samstag, 20. Juni, morgens, ist die Besichtigung des Königs-Ulanenregiments in Aus­sicht genommen. Dann fährt der Kaiser im Automobil nach H a m b u r g, wo er gegen 12 Uhr eintreffen dürfte, um sich an Bord der. „Hoh-enzollern" einzu- schisfen. Nachmittags um 3 Uhr findet auf der Werft