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Tagblan-Haus".

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den Berlag . ausschlietzüch

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Tagblatt-Haus" Nr. KSLO-53.

Bon 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, außer Sonntags.

--.,- """ Kür die Ausnahme von Anzeigen an vorgeschriebenen

Donnerstag, 11. Juni 1914.

Morgen - Ausgabe.

W* Wegen des Fronleichnamstages erscheint die nächsteTagblatt"-Ausgabe am Freitagnachmittag.

Da§ Ministerium Ribot.

(Von unserem Pariser Mitarbeiter.)

C. L. Paris, 9. Juni.

War das Ministerium Viviani ein totgeborenes And, dürste das Ministerium Ribot bald den Schwächen des Greisenalters erliegen. Heroisch , machte sich der 72jährige, etwas zittrige, aber patriotisch überzeugte Rechtsrepublikaner auf den Weg, um, wie er sagte, ein ganz nach links orientiertes Kabinett zu bilden". Zwölf Stunden lang, fast ohne Unterbrechung, fuhr er durch Paris spazieren, erkletterte zwanzig Treppen­häuser, eruierte, konsultierte und kalkulierte, brachte Portefeuilles an den Mann, wo immer es ging, und versicherte in später Abendstunde dem ungeduldig war­tenden Präsidenten Poincaro, daß die Sache glücken werde.

Alexandre Ribot war lange Zeit das heraldi­sche Wappenzeichen der Deputiertenkammer. 1842 in Laint-Omer im Pas-de-Calais geboren, Doctor juris, Advokat, dann Richter, ab 1875 Direktor der Krrmmal- angelegenheiten im Justizministerium, im folgenden Jahre auch Staatsrat. erwählte ihn seine Vaterstadt 1878 als republikanischen Abgeordneten rn die Kammer, der er mit nur einer kurzen Unterbrech,rng (1886 brs 1887) bis zu seinem Übergang in den Senat ange­hörte Von 1890 bis 1892 war er Minister des Aus­wärtigen und 1893 sowie 1895 Ministerpräsident. Als Führer des Zentrums, der sogenannten Progressisten, bekämpfte er unentwegt Waldeck-Rousseaus und Combes' antiklerikale Politik, desgleichen alle sozialen und fiskalischen Reformen das heißt, meist nur bis zur letzten Abstimmung, dann fand er ein Mittelchen, mit allerlei schonen Wor­ten sich der Linksmehrheit anzukleben, um Nicht ganz als Reaktionär verschrien zu Werdern Beim Übergang in den Senat versuchte er sogar einen unerwarteten Ruck nach links, trat selbst für die Einkommensteuer ein, allerdings nur in der mildesten Form. Trotzdem hielt man seine Rückkehr zur Macht für ein Unding, weil die Zeit dieses wässerigen Republikanis- mus vorüberschien.Stehen die Toten wieder auf ans ihren Grüften", singt den Chor der alten Oper Hundert Reden haben wir von Alexandre Ribot gehört, aufmerksam hinhorchend, ob er ein Wort sagen wurde, das er nicht schon in der ersten vorgebracht hatte, Wenn er sich zur oratorischen Apotheose emporreckte, die wer­ken Haare aus der ernsten Strrn zuruckstrich und mit Grob°sstimme von der Ehre und Große des Vater- Lek Mach hatte diesCouplet", wie der Parla- m?ntssargon sich ausdrückt, allwerls den gleichen Er­

folg. Eine etwas nachlässige Vornehmheit hatte den auch klassisch gebildeten Ribot m bre aristokratische Acadvmie Franyarse smporgetragen. Sein dornger Kolleae, Raymond Porncar e, spreite rhm zu Begmn des vergangenen Jahres euren b o sen Wenn Sie kandidieren, verzichte ich , sagte der Lothringer achtungsvoll. Der hohe Greis kandidierte, und Poincarä ließ sich wählen. Als jetzt der andere Acadämicien, Paul Deschanel, es ablehnte, em Mmrste riutn zu bilden, flüsterte man:Das 'st ferne Rache für Versailles; er will den Präsidenten nicht aus der Ver­legenheit ziehen." Rrbot wird Revanchsgerst rm ent- aeaenaesetzten Sinne angedichtet.Wer weiß , schreibt Jauräs in derHumanits",ob erdicht von diesem Beweis kühner Jugend irgend welche M

liche Revanche des Glucks erwartet, für den Fall daß

ein Sturmwind über die höchste Spitze des schürf o hinwegbrausen sollte?" , ,

Wie dem auch sei, fürs erste dient Ribot einer Klärung der Lage. Ein Ministerium mußte end­lich vor den Parlamenten erscheinen, um das Rätsel zu lösen, ob eine Mehrheit der Rechten oder eme Mehrheit der Linken vorhanden ist. Es könnte sein, daß beide vorhanden sind. ... In der Frage der dreriahrr- aen Dienstzeit gesellen sich Ribot wohl außer den 65 Mann der radikalen Linken, deren Präsident D e l- selbst ein Portefeuille, annahm, noch eme Hand voll geZnigte?Radikalen zu, die ihre Fahnenfluch links damit entschuldigen werden, daß sie die Ansicht des alten Demokraten Leon B o u r g e o 'j ^tlen. Und Bourgeois, der wie Clemenceau für die drei ^ahre schwört, hat Ribot seinen Beistand gewahrt. Aber dann, wenn der sozialistische Radikalismus un Woblem der Landesverteidigung geschlagen und m die M.nder- beit gedrückt wird kann man einem Ribot auch dre Regelung des F i n a n z p r o b l e m,s überlassen? Er will dieweitgehendsten Zugeständnisse machen, nimmt die Einkommensteuer innerhalb des Budgets für 1914 Kapitalsteuer und selbst die Couponsteuer auf die 'nächste Staatsanleihe an dw Staats­anleihe di zu allererst ietzt erlassen werden soll, um die geleerten Kassen zu füllen und den arg mitgenom­menen Kreditinstituten etwas zu ^verdienen zu geben.

Daß Renault, Messimy und Vwranr die Mstarbeit ablebnten (mit der Begründung, sie wurden doch mcht die Stimmen ibrer Parteifreunde mstbrrnKn), lehrt, wie gebrechlich Ribotsgroßes Ministerium ist Aber wenn der schlimmste Moment vorüber ist, kann wobl D e l c a s s 6 ein etwas weiter nach links abg-e- stimmtes Kabinett zu bilden versuchen - immer vor ansaesetzt daß der geeinigte Radikalismus nicht doch die absolute Mehrheit hat und allen Experimenten des Elysäes einen Strich, durch die Rechnung macht. C ementel der mit 345 Stimmen zum Vizepräsidenten der Kammer gewählte Radikale und Ermrms.er Bar-

Nr. 257. 62. Jahrgang.

thous, zeigt Wohl, daß eine geheime Rechtsmehrhelt für Abtrünnige der Linken zu haben ist aber bei öffent­licher Abstimmung pflegen die Dinge m dieser Kan - mer der Mutvollen anders auszusehen. Qm vivra verra!

Me Suffragetten.

Die Erwartung der Frauenstim-mrechtspropaganda in

England läßt Mturseimätz -in den Knltuüst-raten des iiMts die fcewßte Frage entstchen, ob Nicht '.auch :oreje -8 - wögung ihre trüben Fluten zu uns herüüeLoalz,. Obwohl die Mimmrschtlerinnen ihre -agitatorische Tätigkeit bereits Nach idem Kontinent verpflanzt haben, sind doch weder ber u - noch in den NachSMändern Symptome dafür erkennkar, daß die exaltierte Propaganda der Tat, wre sie dre Suffragetten betreiben. Schule machen konnte. »J« wäre es grundverLchrt, wenn man nun rm ubmgen Euro^r diesen Trost zum bequemen Anlaß nehmen wutLe, den Kops in den Sand zu -stecken. Es gilt vielmehr, Me ticheven Ur­sachen der englischen Ausschreitungen zu e.rsor,chon, und me g8cge zu überprüfen, die bei -uns die Frauenbewegung in ihrer positiven Betätigung zu erh-älten vermögen.

D^m Kenner 'her Verhältnisse kann es kaum zwerselhasr sein, daß der -tiefere Grund der Suffragottenbewegung rn der traditionellen .Überwertung der Frau liegt, wie sie sich in England ein-gebürgeirt hat. Das klingt zunächst paradox, ist aber psychologisch dennoch richtig. Jahrhunderte hindurch Wront im Leben der englischen Gesellschaft die Frau auf dem Serrschafts-throne des Lebens. Die Frau ist dort ber weitem nicht so oft die Kameradin des ManneS, die lerne Sorgen und feine Arbeit teilt, sondern sie mied die Arbeit und begnügte sich lange Zeit mit dem Ü-ef el I s ch af tl i ch e n Regiment. Das gilt wen Wiens für dre O b e r s ch r ch t, wahrend auch im Bürgertume -und boi den arbeitenden Klassen die Frau im praktischen Leben sich langst den Gleich- wert erstritt. Das -englische Berufsleben kennt eine -sehr weit- acbende Betätigung der Frau. Als Arbeitsgefährtmnen des Mannes haben englische Frauen Großes geleistet. Man-denke an Katharine Booth, die Gattin des HöilsarmeogenLrM, oder an das Ehepaar Webb, die Begründer der Tvad.es Umons! Aber bie S u f fra g e t t e n b e w e g u n g -ist rn erster Lnne eine a .r-i st' 0 'k r a t i s ch e Erscheinung. Sie hat 'den Unnatur- lichen Ursprung, Latz sie ihre ^ R-echtsansprüche aus Grund btt gesellschaftlichen Überwertung der Frau stellt unid nicht auf Grund der Erfüllung bürgerlicher Pflichten die staats bürgerliche Gleichberechtigung verlangt. Daran ändert auch siichts, diatz die -Bewegung allmählich Schichten- der verufs- Miaen Frauen ergriffen hat urid der ariswkratische Charakter sich allmählich verwischt. Die Fvauen, ^e auf Gruüd ihrer Arbeit das Stimmrecht fordern, fragen mcht nach den Rechts­titeln ihrer übereifrigen Helferinnen, sondern nehmen natnr- gemäß die Bundesgeinossen, wo sie sie finden, selbst, wenn sie 'ihre Kampfmethoden für widerwärtig und vevabs-cheuiKigs- wübdig hälden. (DerPropaganda der Tat" stehen -auch ttt England die -gemäßigteven Frauenrechtlerinnen, sie nenne» sich zum Unterschiede -gegenüber den -Süffragettes Suffra-

Richard Strauß.

seinem 50. Geburtstag (11. Juni) von Dr. Adrlf Weißmann. Wir haben allen Grund, stolz zu sein. In diesen Tagen,

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f ,r T .:ir»!SL WirfKirb Strauß ist ein LebLN-diger, an dessen

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Leben erweckt werden braucht. ^ ^hr. hier i^^ vpi-söiilicben Glücks erreicht, wie es nur wenigen -Lierineyen perfonncrien ^ . & un a ul1 b tat Leben: in diesen

beschreden ist. ^ f 8 Woher stammt dieser un-

Le'chen wird s > ^ Qualität der Leistung allein, die

Swauß au die überragende Höhe geführt hat? Gibt es nicht Strauß aus me ^ b{ > Gleiches für sich zu bean-

-ehr im Schatten, Stiefkinder des

® raCf «! daß Dichter unserer Tage, die Zeitprobleme

Gewiß ist, daß ) _ {e g , , inb , en j^rden, das für

kor uns ausrolleli, nre das^st^ t @ine Wedekind-

unseren Strauß \ ch s t 0 oiLle Federn in Bewegung

Premiere wird me auch nM Haltes Straußschen Mufik-

setzen wie d e: . .s, me ,. ben Vorschußlorbeeren gespendet, dramas. D^m s G^burbbis zur Taufe des Stücks

iede einzelne PH s Zeitgenossen schwingen mit,

wird mitemebt, d e Nerven der^ Z ^ ^ kurzem

die Sensation dauert Wochen, ^ Das Musik-

Zwischenraum «ner neuen Pl ^efährliche Nachbarschaft der

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"SSStfSÄ .°>» «d-d fein«- t: m«

Phänomen bleibt, und es mutz immer und immer wieder er-

©ofebie Musik eine Weltsprache und daß sie von holder Sinnlaiiakeit ist qibt ihr zunächst den Vorrang als volkstnm- m SS? Jst's nicht eben der Fortschritt zum Sinnvollen, Gedankenschweren, was di-e E.pnst unierer Tage von der vorwagnerschen unterscheidet? Hat ste nicht nut ihren Schwestern in Apoll, mit Dichtung, Malerei und Lite­ratur den engsten Pakt geschlossen, um ihr^Prnnitwes. abzu- streifen? Und ist nicht Richard Strauß eben der Hauptver­treter jener Richtung, die das Reinmusikal.riche in Acht und

Das alles mag in der Theorie wahr sein. In Wirklich­keit ist es aber eben die reine Musik, wenn auch mcht im aus- schlietzenden Hanslickschen Sinne, dm dem Tonkunftler dm Macht über seine Zeitgenossen gibt. Und Richard Strauß hätte durch Autzermusikalisches eher abgestoßen ais angezogen, wenn nicht immer wieder das Primitive zu rhm zuruckgefuhrt

Es wird nötig sein, den Weg zu Wagner zurückzugehen. Als er auftrat, schien es, als sei damit die Götterdämmerung im Reich der programmlosen Musik angebrochen. Die Un- zünftigen, die Ästheten, die Gebildeten jauchzten rhm zu. Man feierte nicht den Musiker, sondern den umfassenden Geist, der eine neue Kultur aufsteigen ließ. Nun, da Wagner Gemein­gut geworden ist, blicken wir um uns und finden, daß seine Musik das einzig Bleibende, ist. Wie von selbst reiht er sich den großen Erf.in-dekn, den Mehrern des Ausdrucks, an. Die Zünftigen haben ihn sich zurückgewonnen, und dm Welt ge­nießt. ihn ebenso naiv wie jene Meister, dm er durch sern Kommen zu verscheuchen schien.

Ein schreckliches Epigonentum war nun zu überwinden; schrecklicher als sonst, weil die reinen Ästheten, die literarischen Musiker nun auf den Plan treten. Aus dieser Gruppe der Epigonen hebt sich Strauß empor. Sein Weg ist ern anderer. Er wurzelt in der programmlosen Musik. Und als Wagner Gewalt über ihn gewinnt, hat er von jener nicht nur oerr Grundton seiner Themen, sondern auch das ganze Jim a . der Formen übernommen. Run tut er, dank Alexander^ ,

den großen Schritt zur Programm-Musik. Einen ^an hätte das zur Nachahmung verdammt. In rhm aber wirkt da^

durch musikalische Erziehung entwickelte Primitive so stark nach, daß er als Musiker nie dem reinen Ästhetentum erlmgen kann. Der Borsprung, den er dadurch gewinnt, ist außer­ordentlich. Mag die Ausdruckskraft seines Orchesters noch so sehr wachsen, sie wäre unwirksam ohne.das Urmufikertum,. das in ihm lebt. Ja, sie wäre unmöglich ohne den Geist der Mehrstimmigkeit, die durch die Uranfänge seiner Entimcklung in ihm gegeben und zu immer höherer Freiheit gediehen ist.

Mit einem Wort: Richard Strauß hat noch etwas von jener Einfachheit der echten Musiker. Er ^ -

kompliziert, geistig durchsichtig; und das ist sein Gluck; da-,

sein Erfolg. »-

Aber nicht umsonst ist er in die neuere Zeit hinerngewach- sen. Er braucht die Literatur, wie die Literatur ihn braucht. Die starke Teilnahme des Unzünftigen an der Musik, me aus der Wagnerzeit stammt, überträgt sich auch aus ihn, der sich an Weite des Horizonts mit Wagner nicht messen kann. Strauß hat den Ehrgeiz, als literarisch zu ge.ten; er mochte komplizierter sein, als er ist. Wir haben fernen geffüS be­deutenden Waffenbruder Gustav Mahler unter dem Zwrespa.lt des modernen Menschen zusammenbrechen sehen. Em Rr;z geht durch sein Schassen, der durch em unsichtbares Prograrmn gebunden war. Strariß hat diesen Riß nicht zu furchten; aber ganz ohne Wirkung bleibt doch dre Literatur nichtmuf rhrr so­bald er vom Sinfonischen zum Musikdramatlichen ubergeht.

Strauß' Vorrang vor allen Dtnsikern der Gegenwart WruM ' auf der Geschlossenheit seines Schaffens. Hatten Waan-er und Liszt den Aphorismus in der Musik gezeugt, so­bald das Orchester alle Tatkraft aufsaugte, so werden von Richard Strauß wieder die Details zum Kunstwerk zusammen- aefatzt Das Gewissen des Aufbans, die Kraft der Technik ist so groß, daß sie auch dann nicht versagt, wenn der Aphorismus tiefsinniger erschiene. Die Meisterschaft weiß selbst über IIu° Hefen immer Weg uird Schluß zu fiuden. Der Sinn für Wirkung setzt an den entscheidenden Stellen nicht aus; immer werden wir mit befriedigendem Wohlklang entlassen. Und da­mit stellt sich Strauß in scharfen Gegensatz zu einer Zeit, die in Dichtung, im Schauspiel den Aphorismus pflegt; die lieber ein bedeutendes Halbfertiges als ein schablonenhaftes Ferti­ges vor der Öffentlichkeit^ ausbreitet.

..Aber es hieße Schönfärberei treibeNz wollte manche ,