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die mit der „Kölner" Richtung nicht einverstanden sind. In seiner Schrift hat er diese Sätze weggelassen, aber sie lagen ohne Zweifel in Rom vor. Wir wollen nur einige davon wiedergeben, wie sie sich im Bericht der „Köln. Volksztg." vom 16. Februar finden. Sie lauten wörtlich: „Den Stänkerelementen und Quertreibern nicht die Rücksicht, die wir dem ehrlichen Gegner und selbst dem ehrlichen Feind gegenüber schuldig sind. Was diese Quertreiber wollen — und ich wiederhole, daß ich keinen ausnehme, sie mögen gestellt sein, so hoch wie sie wollen, sie mögen weltlichen Standes sein oder geistlichen, ich füge sogar bei, die Quertreiber geistlichen Standes sind schwerer zu ertragen als die weltlichen Standes; die Quertreiber geistlichen Standes haben eine größere Verantwortung als die weltlichen Standes — ist nicht möglich für das Z e n t r u nt."
Diese Sprache war aufreizend und mußte nicht nur auf den Kardinal Kopp, sondern konnte sogar auf den P a p st bezogen werden, der die Trierer „Petrusblätter" gesegnet hatte. Die Angegriffenen haben sich zur Wehr gesetzt und sind Sieger geblieben. Für die sogenannten „Quertreiber" bleibt die Verurteilung Wackers ein nicht zu unterschätzender Sieg, den sie reichlich ausnützen werden, ein Sieg, der von größter Bedeutung im Streit der Zentrumsrichtungen werden kann, denn Wacker wird nun Farbe bekennen müssen, ob er an der politischen Unabhängigkeit des Zentrums festhält oder nicht.
politische Übersicht.
Dis neuen HmröelLVerLräge.
8t. Berli n, 8. Juni.
Vor kurzem halben in Berlin Verhandlungen des Land- wirtfchaftsrats und des Wirtschaftlichen Aus- f chusses stattgefunden, an denen nicht, nur das Reichsamt des Innern, sondern auch die größeren Burtdesstaaten durch Vertreter teilNcchmen. Die Verhandlungen galten der Vorbereitung der neuen Handelsverträge und waren daher vertraulich. Wie wir hören, bezogen sich die Auseinandersetzungen noch nicht auf die Gestaltung 'des neuen Zolltarifs, sondern hatten den Zweck, die ^Verbündeten Regierungen mit den Wünschen der Landwirtschaft und der I n -d u st r i e für die neuen Handelsverträge bekannt zu machen. Dabei hat sich, wie schon bei früheren Gelegenheiten, wiederum ergeben, daß die meisten von denen, die an den Handelsverträgen und an den durch sie bedingten Zollsätzen unmittelbar beteiligt sind, irrige Vorstellungen von den Wirkungen der sie angehenden Zölle haben, zahllose Widersprüche sind die Folge dieses Umstandes. Ost verraten auch diesenigen, die Erzeugnisse nach fremden Ländern ausführen, eine ausfallende Unkenntnis der Zollgesetzgebung und der Zollbehandlung in diesen Ländern. Danach wird, um die Wünsche der Beteiligten genau festzustellen, nichts anderes übrig bleiben, als daß mir den Vertretern jedes Erwerbs zwei ge s besonders verhandelt wird. Hierzu wirb man nächstens übergehen.
wachsende Anhängerschaft der Einheitsschule.
O Be mi r n, 6. Juni.
Die Einheitsschule hat in Deutschland bedeutend mehr 'Anhänger, als man bisher gewöhnlich geglaubt hat. Selbst ein io plutÄnati'sches Blatt wie die „Rhein.-Westf.-Ztg." redet ihr das Wort. Sie bemerkt sogar mit viel „Bescheidenheit", sie 'selbst würde die Forderung der Einheitsschule nicht besser haben begründen können, als es in Kiel und Essen (dort durch Kerf che n stet ne r, hier durch den jüngeren Spahn) geschehen sei. Ihne Sympathie für die allgemeine öffentliche Schule ist allerdings mit auf die Hoffnung gegründet, daß deutsche Grammatik, 'deutsche Literatur und vor allem deutsche Geschichte künftig den „Schwer- und Angelpunkt des ganzen Unterrichts" bilden würden. Bis zu einem gewissen Grade ist dies allerdings die Folge, oder, wenn man lieber will, die Voraussetzung der Einheitsschule, und gerade an diesem Punkte könnten Zweifel entstehen. Wenn daS genannte Blatt meint, daß stn Gymnasium die griechische Syntax eine allzu große Rolle spiele, so kann man erwidern, daß dies heute nicht mehr der Fall ist und daß sich die besten Vorkämpfer des humanistischen Gymnasiums über den Grundsatz einig sind: das Gymnasium soll nicht auf ein Wiederaus l e b e n des Griechentums >aib-
sieben Zwergen in Schneewittchen. Jeden Mittag gibt es Fleisch, Suppe, Gemüse, zweimal täglich Obst, gekocht und roh, und nach französischer Sitte Rotwein mit Wasser, der in Frankreich so vorzüglich und billig ist. Im Garten saßen die größeren Zöglinge beim Gemüseputzen und Kartoffelschälen für den Sonntag. Die Knaben in ihren bkauen Blusen waren tvieder anderweitig beschäftigt. Im Garten lagen noch zwei Pavillons: der eine für die Zöglinge mit ansteckenden Krankheiten, wie Scharlach, Masern, Divhtherie, der andere, gegenüberliegende, für andere Kranke. Der eine Saal war leider ganz besetzt von Kindern, die den Frühling nur zum Fenster hereingucken sehen konnten. Aber sie waren guter Tinge und sangen gemeinschaftlich. Im Nebenzimmer waren die Halbinvaliden, die aufstehen durften. Zwischen ihnen hindurch huschte tanzend ein etwa neunjähriges verwachsenes Bübchen, das sich zum Spaß der andern nach den Klängen einer kleinen Mundharmonika drehte. So amüsierte sich und die Kameraden mit den primitivsten Mitteln ein armes Kind aus dem Volke. Während jetzt vielleicht das Kind von reichen Eltern im seidengefütterten Coupß über die Boulevards fuhr und sich vor lauter Blasiertheit langweilte. Der Pavillon für die kranken Säuglinge war fast leer. Nur einige stramme Ammen trugen ihre Pfleglinge umher. In einem Glaskasten, das Thermometer auf den Kissen neben sich, schlief ein Bübchen, das sich zu früh ins Leben gewagt. Das winzige Körperchen schlief hier seinem Gedeihen entgegen. Mit aller Kunst der Ärzte, mit aller Sorgfalt dem Leben zu erhalten gesucht. Wer weiß, vielleicht wird es noch einmal ein strammer und tapferer Soldat?
Die Morgue.
Fünfhundert Kinder kann das Pariser Findelhaus bergen. Wie verschredenartig gestaltet sich das Leben der einzelnen, wenn sie nach dem 21. Jahr hinausströmen! Manche führt es aufwärts, manche zu ebener Bahn weiter. Manche auch abwärts. Noch einen anderen stillen Winkel gibt's in Paris. Die Morgue. Im Findelhaus die kleinen Wesen, die ins
zielen, sondern eine nationale, humane und harmonische Ausbildung unter unseren neuzeitlichen Verhältnissen vermitteln, wie sie einst das Griechentum auszeichnete. Der Name Goethe genügt, um das hier logisch Ausgedrückte anschaulich zu machen. Wenn man die Sache s o aufsatzt, so haben griechische Sprache, Literatur, Kunst und Kultur ihre Rolle als hervorragendes Bildungsmittel, ja als Vermittlerin einer tieferen Bildung noch keineswegs ausgespielt. Damit nun irgendein U n t e r r ich t s m i t te l pn n k t (dessen die Pädagogik ja nich entraten kann), gleichviel welcher, zu seiner vollen Geltung kommt, darf die Einheitsschule nicht zu spät ihre Schüler an die verschiedenen höheren Bildungsanstalten abgeben, gerade die eifrigsten Verfechter der Einheitsschule, die Volksschullehrcr, wünschen aber, daß sie alle Knaben oder Mädchen für eine längere Reihe von Jahren vereinigt. Hier ist der Punkt, wo die Schulmänner an die Anforderungen des Lebens erinnert werden und diesen entsprechend ihre Forderung etwas einschränken müssen. Die Notwendigkeit der Einheitsschule an sich haben wir dabei vorausgesetzt, und zwar im sozialen Interesse, das man auch das nationale Interesse nennen kann. Die größte Schwierigkeit liegt aus dem wirtschaftlichen Gebiete: werden alle befähigten Knaben aus den wenig bemittelten Schichten nach der Absolvierung einer voll- klcrssigen höheren Lehranstalt ihr wirtschaftliches Fortkommen finden? Auch hier stoßen die Interessen der Schule und auch die idealen des Gemeinwesens wieder mit den Verhältnissen des wirklichen Lebens zusammen, und deshalb wird die Lösung der Frage nur langsam nach Überwindung von mancherlei Hindernissen erfolgen können.
Deutsches Reich«
* Die elsaß-lothringische Negierung und die Sozialdemokratie. In der Angelegenheit des verweigerten Empfangs eines sozialdemokratischen Abgeordneten durch den Staatssekretär Grafen v. Rödern macht jetzt die „Straßburger Post" vervollständigende Angaben. Der sozialdemokratische Land- tagsäbgeor'dnebe Schilling aus Mülhausen hat jüngst den Staatssekretär Grafen v. Rödern um eine Unterredung ersucht, in der er sich darüber beschweren wollte, daß auf Anordnung deS Ministeriums eine offizielle Beteiligung ausländischer Vereine — es handelte sich utn solche aus der Schweiz — an dem sozialdemokratischen Arbeitersängerfest in Mülhausen untersagt worden war. Der Staatssekretär bedauerte, Herrn Schilling nicht empfangen zu können, weil dieser sich unter den sozialdemokratischen Abgeordneten befand, die in der Schlußsitzung der Zweiten Kammer mm 8. April bei der Verlesung de? kaiserlichen Schreibens über die Vertagung des Landtags sitzen geblieben waren. Der genannte Abgeordnete wurde dann vom Ministerialdirektor Cronau empfangen, und der Erfolg war, wie die „Freie Presse" mitteilt, ein neuer Bescheid, in dem es hieß, daß den ausländischen Vereinen nachträglich ausnahmsweise die Beteiligung an den Gesangsvorträgen gestattet wurde, die Beteiligung an dem Festzug jedoch untersagt blieb.
* Eine Erklärung des Frhrn. v. d. Goltz. Gegen eine Frage, die der Abgeordnete Adolf Hoffmann im Abgeordneten- hause an den Kultusminister gerichtet hat, veröffentlicht Gene- rcklfeldmarfchall von der Goltz eine Erklärung, daß er vom I u n g d e u t s ch l a n d b u n d kein Gehalt beziehe, sondern nur Ersatz barer Rein-Auslagen, ungerechnet die fortlaufen- den Unkosten, die ihm aus seiner Stellung als 1. Vorsitzender des Bundes erwachsen.
* Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke. Auf die Telegramme, die der deutsche Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke. E. V., auf der Königsberger Tagung an den Kaiser, den Reichskanzler und den Staatssekretär des Innern gesandt hatte, sind folgende Antworten eingegangen: „Der Kaiser hat den HuldigungSgruß gern entgegengenommen und läßt mit den besten Wünschen für einen weiteren segensreichen Erfolg der Bestrebungen des Vereins danken. Geh. Kabinettsrat v. Valentini." — „Für Ihre freundliche telegraphische Begrüßung sage ich Ihnen und der Jahresversammlung besten Dank und verbinde damit die herzlichsten Wünsche für einen weiteren reichen Erfolg Ihrer Vereinsarbeit. Reichskanzler b. Bethmann-Hollwe g." „Dem Verein danke ich für die freundliche Begrüßung und wünsche eine weitere gedeihliche Entwicklung. Staatssekretär des Innern Dr. D e l b r ü ck." — Das Telegramm an den Kaiser hatte folgendermaßen gelautet: „An Seine Majestät den Kaiser. Die 81. Jahresversammlung des deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke, welcher zum erstenmal in der alten Königsstadt tagt, bringt Eurer Majestät in treuer Anhänglichkeit ihre Huldigung und ihren unter-
Leben hineinschlummern. In der Morgue diejenigen, deren Lippen sich für immer geschlossen. Auch sie hat man irgend wo in einem Winkel der Riesenstadt gefunden, und weil niemand tveitz, wer es ist, werden sie in die Morgue gefahren. Den größten Anteil der Insassen dieses düsteren Hauses liefert die Seine. Immer wieder fischen die Pöcheurs unerkannte, fremde Tote aus den Fluten. Wie notwendig die Einrichtung der Morgue ist, beweist, daß an manchen Jahren an 600 unerkannte Tote hergebracht werden. An der Eingangstür, die verschlossen ist, befindet sich kein Griff. Sie ist für niemand zugängig. Nur auf eine Glocke hin öffnet sich das Tor denjenigen, die sich auf dem traurigen Weg befinden, hier einen vermißten und verschwundenen Angehörigen oder Bekannten suchen zu müssen. In einem steinernen eiskalten Raum sind die neu eingelieferten Toten aufgebahrt, bis vielleicht ein Angehöriger sie rekognosziert und den Toten zur Beerdigung auf eigene Kosten abholen läßt. Viele, viele bleiben unerkannt. Niemand sucht nach ihnen. Dann schafft man den Toten in eine der kleinen Zinnkammern, welche verriegelt sind und von der jede ihre Nummer an der Tür trägt. Mehrers Maschinen laufen in einem Extraraum, um unausgesetzt die eisig kalte Luft um die Zinnkammern zu erhalten. Bisweilen wird eine Leiche zwei Jahre hier so erhalten. Denn es sind nicht nur solche, die freiwillig aus dem Leben gegangen sind, sondern viele sind einem Verbrechen zum Opfer gefallen. Da gilt es nun> einem Verbrechen auf die Spur zu kommen und das Opfer der Rekognoszierung zu erhalten. Zwei Räume für Sektionen sind da, der eine mit amphitheatralischen Sitzen für die Studenten. In einem besonderen Zimmer findet die Konfrontierung eines Mörders mit dem Opfer statt, wenn es gelungen ist, den Täter zu ermitteln. Auf dem Futter der grünbezogenen Stühle findet sich der Name von manch gefährlichem Raubmörder, den zu saugen cs gelang und der auf diesem Stuhl beim ersten Verhör sah. Auch eine Erinnerung an den ermordeten Direktor des „Figaro", an Calmette, tauchte in diesem Hause auf. In
Dienstag, 9» Juni 1914t Nr- KM»
tauigsten Dank für die erhabene Unterstützung unserer Ziels
dar. Wir bitten ehrfurchtsvoll. Eure Majestät wollen dent Verein Ihr Allergnädigstes Wohlwollen bewahren. Der Vorsitzende: Dr. v. Strauß und Torney."
8st. 28. Deutscher Freidenker-Kongreß. Auf der in Breslau abgehaltenen Tagung des 26. Deutschen Freidenker- Kongresses stellte der Sekretär des Komitees Konfessionslos, Otto Lehmann-Rußbüldt, den Antrag, die Kirchenaustrittsbewegung durch eine Subvention von 1000 M. zu fördern. Der Kongreß stimmte dem Antrag einstimmig zu und erweiterte seine Tendenz dahin, daß der Vorstand des Deutschen Freidenkerbundes ermächtigt wird, die Kirchenaustrittsbewegung materiell nach jeder Richtung hin zu fördern. Nach einem Referat von Dr. Bruno Wille stimmte her Kongreß ferner folgender Entschließung zu: „Den Darlegungen des Antragstellers Dr. Bruno Wille über die Lage der Dissidentenkinder in Preußen stimmt der in Breslau tagende Deutsche Freidenkerbund lebhaft zu und richtet an die Gesetzgeber das dringende Ersuchen, die Gewissensnot der dissidenti- schen Eltern und Kinder endlich zu beseitigen. Es ist nötig, die Dissidentenkinder vom Zwange zu befreien, am konfessionellen Religionsunterricht der Schule teilgunehmen, hingegen dahin zu wirken, daß der konfessionelle religiöse und ethische Unterricht als „Ersatzunterricht" anerkannt und nicht weiter unterdrückt werde. Der Deutsche Freidenkerbund fordert insbesondere die fortschrittliche und nationalliberale Fraktion des preußischen Wgeordnetenhauses auf, noch während der letzten Tage der jetzigen Tagung des Hauses in einer Interpellation den Herrn Kultusminister zu befragen, ob und wann er die Frage des sogenannten „Ersatzunterrichts" gesetzlich zu regeln gedenkt, nachdem der Minister schon vor Jahren prinzipiell die Notwendigkeit einer solchen Regelung anerkannt hat."
* Der Verbandstag des Verbandes deutscher Beamten- vereine wurde am Samstag in Hamburg durch den Vorsitzenden, Ministerialrat Just, eröffnet. Der Vorsitzende stellte fest, daß auf dem Verbandstag 110 Vereine mit 1262 Stimmen vertreten sind. An den Kaiser und den Ehrenvorsitzenden, Oberbürgermeister Wermuth (Berlin), wurden Be- grützungstelegramme abgesandt. Im Verlauf der Verhandlungen wurde folgende Resolution angenommen: „Der Hamburger Verbandstag des Verbandes deutscher Beamtenvereine erklärt sich mit den Ausführungen der Denkschrift über die Krcmkerwersorgung der Beamten einverstanden. Er erblickt in dem darin gemachten Vorschlag, für Beamte und Lehrpersonen an den öffentlichen Schulen Krcmkenkosten-Zuschnß- kassen auf gesetzlicher Grundlage unter Beteiligung der Dienstgeber zu errichten, ein notwendiges und geeignetes Mittel, den durch Krankheit herbeigeführten geldlichen Nöten der De- amtenschajt abzuhelfen. Der Verbandstag beauftragt deshalb den Vorstand des Verbandes, beim Herrn Reichskanzler, den hohen Regierungen der deutschen Bundesstaaten und bei den Organisationsvertretern der Gemeindeverwaltungen vorstellig zu werden, daß solche Kassen baldigst errichtet werden." — Als Ort der nächsten Versammlung des Verbandes wurde Düsseldorf gewählt.
* Deutscher Handlungsgehrlfen-Tag. Am 22. und 23. Mai fand in Hamburg die diesjährige Tagung des Ausschusses des Deutschen Handlungsgehilfentages statt, zu der zahlreiche Vertreter deutscher Handlungsgehilfen aus dem Reiche und aus Österreich erschienen waren. Er beschäftigte sich in diesem Jahr mit den brennendsten sozialpolitischen Fragen der Gegenwart, so weit sie die Handlungsgehilfen betreffen. So nahm er zum Entwurf über das preußische Wohnungsgesetz eine Entschließung an. Darin wird die Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses zur Beratung des Wohnungs- geseheS ersucht, den hinter den berechtigten Erwartungen zurückgebliebenen Gesetzentwurf dahin abzuändern, daß in . die §§ 2 und 3 Bestimmungen hineinkommen, die den Ansprüchen der Handlungsgehilfenschaft mehr entgegenkommen. Dann beriet'der Ausschuß über die Gehaltsfrage, mit der er sich bereits seit einer Reihe von Jahren beschäftigt. Er nahm Stellung zu der vom Deütschnatianalen Handlungsgehilfen- verband geleisteten praktischen Arbeit aüf diesem Gebiet und' zu den neuen Arbeiten, die das bisher Geschehene ergänzen sollen.
* Das bisherige Ergebnis der Note-Kreuz-Sammlung in Deutschland beträgt nach vorsichtiger Schätzung rund eineinhalb Millionen Mark, wovon auf Preußen rund 600 000 M. entfallen. Da die Sammlung erst am 1. Dezember d. I. ihren Abschluß findet, ist mit einem bedeutend höheren Gesamte ergsbnis zu rechnen.
Obstruktion des Herrenhauses? Daß die Mitglieder des Herrenhauses durch die verspätete Verabschiedung des Etats
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einem Zimmer reiht sich an der Wand Schrank an Schrank mit dem Namen jedes Arztes, der in der Morgue arbeitet. Der Schrank enthält außer dem weißen ärztlichen Habit, den Gummihandschuhen usw. in Spiritus gelegte Körperteile der Sezierten. Auch für die bevorstehende Gerichtsverhandlung gegen Madame Caillaux sind die verletzten inneren Teile von Calmette so präpariert. Darunter hing sein eleganter Überzieher, den er bereits übergelegt, als er Madame Caillaux empfing, und welcher an der rechten Seite von Kugeln durchlöchert ist. — Es ist ein Haus des Schweigens, keinen Ton hört man, keinen Laut. Selbst die Frühingssonne, die draußen über allem liegt und über die spielenden Kinder in der gegenüberliegenden Anlage leuchtet, kann in dieses Haus nichts Versöhnendes bringen. Im Gegenteil. Ihre Helle läßt die Kluft zum Nirwana nur größer erscheinen, das gewaltigste Rätsel des Daseins nur noch unharmonischer und schauerlicher wirken. Für diejenigen, die einem Verbrechen zum Opfer fielen, empfindet man Mitleid. Für diejenigen aber, die am Leben zerbrachen und den Tod suchten, der nicht freiwillig zu ihnen kam, tiefste Trauer. Wie viel Kummer mag hinter diesen bleichen Stirnen schlafen! Vielleicht auch der übermächtig große Schmerz um die Enttäuschung und die erlittene Rücksichtslosigkeit, die sie an einem geliebten Menschen nicht zu überwinden vermocht. Sie haben nicht mehr die Kraft besessen, sich zu dem stolzen und nicht nur trotzigen, sondern auch mutigen Worte aufzuraffen, das ein Denkmal bei den Tuilerien trägt; es heißt: „lZrrand moros!" Eine schöne stattliche Frau stellt Frankreich dar. Rings um sie sind Gefallene, sie ist den rücksichtslosen Angriffen des Feindes ausgesetzt, der Fahnenträger sinkt sterbend in ihrem Arm zusammen. Da ergreift sie mit der Rechten die Fahne, um mit vorwärtsgerichtetem Blick mutig weiterzuschreiten. Der Bildhauer hat seiner Gruppe den Namen „(juanck meine" gegeben. Doch die Unglücklichen, die nun in jenes Haus des Schweigens eingezogen sind, besaßen nicht mehr zum Lebenskampf die Kraft, sich das „Quaad meine" als Ruf zu wählen,
