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Nr. SSV.

Freitag, 3. Juni 1914.

wurden insgesamt SS 392 M. verausgabt, für Stipendien--, zwecke 24 648 M. venwertdet. Diesem Steigen seiner Mittet entspricht ein hochorfreuliches Anwachsen der Mitgliederzahl und Ortsgruppen des Vereins. Die tatkräftigere Werbeavbeit des Vereins zeigt von Jahr zu Jahr mehr günstige Erfolge. Durch Gründung von 27 neuen Ortsgruppen echölht sich die Zahl der Vereine auf insgesamt 396, und die Auflage der Vier- einszeitschriftDas Deutschtum im Ausland" ist in sechs Fahren von 40 000 auf 52 600 gestiegen. Durch seine Ber- triobSabteilung wurden rund 6 Millionen Versins-marren, i200 000 Postkarten und 10 000 große farbige Kunstblätter über die Freiheitskriege abgesetzt. In acht verschiedenen Spen­den flössen dem Hauptvorftande 28 288 M. zu. Eine 'besondere Sammlung für notleidende Deutsche in Rußland und Galizien brachte 14 000 M. In zahlreichen Eingaben an die Reichs­und Staatsbehörden war der Hauptvorstand für die Inter­essen der Ausländsdeutschen, einzelner wie der Gesamtheit, erfolgreich bemüht.

* Eine Tagung der preußischen Landwirtschaftskammern.

Die Vorstäitde der preußischen Landwirtschastskammern wer­den vom 28. bis 28. Juni in H e ch i n g e n ihre 23. Konferenz abhalten. Außer geschäftlichen Angelegenheiten stehen die Referate über landwirtschaftliche Fragen auf der Tagesord­nung. Ferner findet am 2g. Juni eine Sitzung des Verban­des der preußischen Landwirtschaftskammern und der stän­digen Kommission des Landes-Ökonomie-Kollegiums statt. An die Tagung schließt sich eine Reihe von Besichtigungen.

* Die Deutsche Reichsfechtschnle, Verein für vaterlän­dische Waisenpflege, E. V., begeht am 13., 14. und 15. Juni in Bromberg die feierliche Einweihung ihres 6. deutschen Reichswaisenhauses und verbindet mit dieser Feier ihre dies­jährige Hauptversammlung, die am Sonntag, den 14. Juni, stattfindet. Die Deutsche Reichsfechtschnle, die bekanntlich unter dem Wahlspruch arbeitet:Viele Wenig machen ein Viel, vereinte Kräfte führen zum Ziel", und getreu diesem Wort überhaupt alles, auch die scheinbar unbrauchbarsten Sammelsachen, für ihre Zwecke zu benutzen weiß, hat in den mehr als 30 Jahren ihres Bestehens schon drei Millionen Mark für Waisenpflege gesammelt; sie erzieht und unterhält jährlich rund 300 Waisenkinder. Zu den schon bestehenden Waisenhäusern in Lahr, Magdeburg, Salzwedel, Schwabach und Niederbreisig kommt jetzt das neue Bromberger Hans, das zugleich ein ^Wahrzeichen deutscher Art in der bedrohten Ostmark darstellen soll.

* EinSchutzverband für die Deutschen im Ausland". In Berlin ist einSchutzverband für die Deutschen rm Ausland, E B.", gegründet worden, der sich zur Aufgabe stellt, den von Jahr zu Jahr dringlicher werdenden geistigen, kulturellen und wirtschaftlichen Interessen der Deutschen rm Ausland, der deutschen Auswanderer und der vorübergehend nach dem Ausland Strebenden ans allen Gebieten des täglichen Lebens eine fördernde und schützende Stätte zu bereiten. Diese be­deutungsvollen Bestrebungen sucht der Verband durch folgende Einrichtungen zu erreichen: Juristische Abterlung, Vermögens­verwaltungs-Abteilung. Statistische Abteilung. Technische Ab­teilung für Kolonisationssragen. Korrespondenz- und Aus­kunfts-Abteilung. Die letztere Abteilung sammelt und ver­arbeitet die Erfahrungstatsachen der Ausländs­deutschen aus allen Lebensgebieten planmäßig und gibt die Ergebnisse den nach dem Auslände oder den deutschen Kolo­nien Strebenden bekannt. Durch Unterhaltung von Ver­trauensmännern an allen wichtigen Plätzen des Aus­landes soll Rat und Auskunft an Ort und ^Stelle ermöglicht werden. Der jährliche Mindestbeitrag beträgt für Einzel­personen 10 M.. für Körperschaften. Firmen. Gesellschaften wird derselbe jeweils festgesetzt. Interessenten erhalten von der Geschäftsstelle des Verbandes, Berlin 118. Driesener Straße 8. gegen Einsendung des Portos (20 Pf.) jede ge­wünschte Auskunft.

* Zur Förderung des deutsch-nordischen Kulturaustausches. Der seit einigen Jahren bestehende Deutsch-Nordische Tonristenverband tritt mit einem neuen Aufruf vor die Öffentlichkeit. Er wendet sich an alle Freunde eines regen Kulturaustausches zwischen Deutschland und den stammverwandten nordischen Völkern. In erster Reihe stellt der Verband die Touristik in den Dienst der Sache. Um seine Aufgaben zu erfüllen, laßt er sich die Ausgestaltung praktischer und allgemein geistiger Mittel angelegen sein. So gewährt dei- Verband beisvrelswerse fernen Mrtglredern auf Reisen in Deutschland, Dänemark. Finnland. Norwegen, und Schweden Erleichterungen aller Art. Preisermäßigungen bis zu 20 Proz in Hotels und bei Verkebrsanstalten. Die Drrick- sachen dos Verbandes versendet ans Wunsch die Geschäftsstelle: Berlin-Wilmersdorf. Eisenzabnstraße 64.

* Vermehrte Sicherheit für Nacharbeiten. Um nach Mög­lichkeit die Gefahren hevabzumindern die mit der Ausführung von Arbeiten ans Dächern verbunden sind. erscheint es dringend geboten, daß überall auf den Dächern der größeren Gebäude neben den nötigen Ausstcigeöffnungen feste Dachhaken ange­bracht werden, die dann ein für allemal zum Besteigen der Sicherheitsleinen nfw. zur Verfügung stehen. Wie verlautet, bat jetzt der Minister der öffentlichen Arbeiten angeregt, in die Baupolizeiverordnungen. soweit es noch nicht ge­schehen ist, Bestimmungen aufzunehmen,, durch die die An­bringung ausreichender Sicherheitsvorrichtungen auf den Dächern für größere Neubauten und Umbauten borge­schrieben wird.

über die wirtschaftliche Lage der Bankbeamten leitet der über 25 000 Mitglieder zählende Deutsche Bankbeamten­derein soeben eine Statistik ein. Die Fragebogen beziehen sich nicht nur auf die Besoldung, sondern auch auf, Vorbildung. Urlaub. Arbeitszeit. Pensionsberhältnrsse usw. Die Ergebnisse der Erhebungen sollen in einer Schrift zusammengestellt und alsdann der Lsfentlichkeit bekanntgegeben werden Alle An­gaben werden durchaus diskret behandelt, Archtmrtglreder des Deutschen BankbeamtenvereinS erhalten Fragebogen auf Wunsch von der Landesaeschästsstelle, deS Gaues Südwest­deutschland. Frankfurt a. M., Kronprinzenstraße 7, kostenlos zugestellt.

Rechtspflege und Verwaltung.

Npc. Anstell,mgsvcrhältnisse bei den Regierimgen. über das Verhältnis der etatsmätzigen Stellen bei den Regierungen zu den Stellen der Hilfsarbeiter und über die Dauer der Wartezeit bis zur etatsmäßigen Anstellung teilt eine offiziöse Korrespondenz folgendes mit: Die Zahl der etatsmäßigen

Regierungsmitglieder (Oberregierungsräte, Verwaltungsge­richtsdirektoren und Regierungsräte) beträgt nach Kapitel 68 Titel 1 des Etats des Finanzministeriums für 1913 710. Die Zahl der außeretatsmäßigen Regierungsräte und der Regierungsassessoren beträgt 594. Hiervon entfallen: auf außeretatsmäßige Regierungsräte 106, auf Assessoren 489. Von diesen 594 außeretatsmäßigen Regierungsmitgliedern sind bei den Oberpräsidien, Regierungen und der Ministerial-, Militär- und Baukommission beschäftigt: a) 92 Regierungs- räte (einschließlich von 3 beurlaubten Raten), h) 180 Assessoren (einschließlich der 25 beurlaubten Assessoren), zusammen 272. In den Ministerien und beim Oberverwaltungsgericht sind 22 außeretatsmäßige Mitglieder, bei der Zentralgenossen- sckaftskasse 2 außeretatsmäßige Mitglieder beschäftigt. Die übrigen (594296) 298 außeretatsmaßigen Beamten sind anderen Behörden zugeteilt. Die Zahl der außeretatsmaßigen Regierungsräte und der Assessoren, so wert sie bei den Regie­

MSSdaSSKSr TaMKiZ. Morgen-Ausgabe, 1. Blatt. Seit- 3.

rungen usw. beschäftigt sind, verhält sich zur Zahl der etats- mäßigen Regierungsmitglieder wie (272:710) = 1:2,6. ~tefe Angaben betreffen den Stand vom 1. März 1914. Zn außer­etatsmäßigen Regierungsräten ist zuletzt befördert worden der Jahrgang der Assessoren von 1905 in der Zahl von 53 (38 im Jahre 1912). Die letzten Regierungsräte (5) sind in etats­mäßige Stellen gelangt am 1. Januar 1914 mit einem Assessorendienstalter von rund 10 Jahren 9 bis ,7 Monaten. Aus dem Jahre 1903 bleiben noch 17 Regierungsräte, aus dem Jahre 1904 noch 35 Regierungsräte ohne etatsmätzige Stellen.

Mrche und VildungsWelen.

N. p. C. Fürstbischöfliche Diözese Breslau. Aus kirch­lichen Kreisen wird geschrieben: Die Geistlichkeit des öster­

reichischen Anteils der sürstbischöflichen Diözese Breslau er­strebt anläßlich der Neubesetzung des fükfftbischöflichen Stuhles eine stärkere Verbindung mit dom ober'hrvtlichen Amte durch Ernennung eines im österreichischen Anteil domizilierenden Weihbischofs. Fürstbischöflicher Generalvikar und Offizial des österreichischen Bistumsanteils ist gegenwärtig Prälat Georg K o l ck in Freistadt (Österr.-Schlesien). Die Ernennung eines" beisonderen österreichischen Weihbischafs würde ähnliche Wünsche für die Grafschaft Glatz, die bekanntlich zur sürsterz­bischöflichen Diözese Prag gehört und Sitz eines Großdechan­ten und fürsterzbischöflichen Vikars ist und für den, ober- schlesischen Anteil der sürsterzbifchöflichen Diözese Olmütz, deren Distrikt Kätscher einem fürstertzbischöflichen Kommissa- rius unterstellt ist, Hervorrufen. Bei 'bex Wichtigkeit der Frage wird, wenn die Anregungen zu weiteren Vorhanid- lungen Anlaß bieten sollten, eine Entscheidung erst getroffen werden können, nachdem der neugewähüe Fürstbischof von Breslau, Dr. Bertram, sich in die Angelegenheiten seiner Diözese eingearbeitet haben wird.

idlpa. Scminariker in den höheren Schnlstellen. Der preußische Kultusminister hat im letzten Jahre 32 Semina- riker in Seminaroberlehrerstellen berufen, auch in die Stellen der Kreisschulinspektoren siüd zahlreiche Scminariker . ein- gerückt. Mit diesen Ernennungen soll, wie eine offiziöse Korrespondenz mitteilt, auch in Zukunft fortgefahren werden, und das wird um so leichter sein, als durch die wissenschaft­lichen Ausbildungskurse genügend vorgebildete Anwärter ge- wonen werden können. Im übrigen ist allerdings nicht be­absichtigt, den Teilnehmern an diesen Kursen ein Monopol zu verschaffen. In die höheren Stellen als Kreisschulinspek­toren und Seminarlehrer sollen auch weiterhin tüchtige Lehrer kommen können, die sich selbständig fortbilden.

Heer und Klotte. '

Notlandung eines Offiziersfliegers. Stuttgart,

4. Juni. Bei Mühlacker mußte heute früh der Offiziers­flieger Leutnant B o k e f vom 6. Großh. hessischen Infanterie- Regiment Nr., 168 eine Notlandung vornehmen. Dabei brachen der Propeller und ein Vorderrad. Der Flieger und sein Begleiter blieben unverletzt.

Ein Riesenschwimmdock in Wilhelmshaven. Während Kiel bereits seit Jahren über ein Schwimmdock zur Aufnahme der größten Kriegsschiffe verfügt, ist jetzt auch die Wilhelms- havener Werft in den Besitz einer gleichen Anlage gelangt. Das im Jahre 1912 bei Blohm u. Voß in Hamburg in Auftrag gegebene große Schwimmdock von 40 000 Tonnen ist nach der Überführung der einzelnen Teile in Wilhelmshaven zu­sammengesetzt und fertiggestellt worden. Eine Probedockung hat letzter Tage der große KreuzerSehdlitz" als längstes deutsches Kriegsschiff (200 Meter) ausgeführt, die bestens ver­laufen ist. Die Nordseestation verfügt jetzt über vier Dock­gelegenheiten für größte Schiffe, von denen sich die drei Trockendocks der Werft bei einer weiteren Steigerung der Schiffsabmessungen demnächst als nicht ausreichend erweisen werden. Für die Ostseestation kommt in diesem Jahr ein zweites Riesenschwimmdock zur Bauvergebung.

Die Organisation der Unterseeboote ist so weit vorge­schritten, daß am 1. Juli die Bildung derzweitenUnter- seebootsflot.tille erfolgen soll. Die Gliederung der vorhandenen Unterseeboote schließt sich eng an die Verbände der Hochseeflotte an. Die Hochseetorpedoboote werden in der Weise formiert, daß jede Torpedodivision in drei Abteilungen zu je zwei Kompagnien zerfällt. Zur Bildung der aktiven Formationen stellt jede Abteilung eine Flottille, jede Kom­pagnie eine Halbflottille. Jede Flottille umfaßt 11 Torpedo­boote. Außer den sechs Flottillen ist bei der zweiten Tor­pedodivision noch eine siebente Tarpedobootsslottille errichtet worden, zu der die 13. und 14. Halbflottille gehören. Das Untcrseebootswesen unterstand bis zum März der Inspektion des Torpedowesens. Im März wurde eine selbständige In- spektion des Unterseebootswesens errichtet. Am 1. Juli soll nun eine zweite Unterseebootsflottille aus 11 H-Booten er­richtet werden.

)Mp. Die Marine zur Luft. In der neuen Rangliste der Kaiserlich Deutschen Marine für das Jahr 1914 die, abge­schlossen mit dem Stande vom 12. Mai, soeben durch E. S. Mittler und Sohn ausgegeben worden ist erscheint zum erstenmal die Marine-Luftschifferabteilung mit dem Standort F u h l s b ü t t e l bei Hamburg. Noch in diesem Jahre wird die Abteilung nach N o r d h o l z, westlich von Cuxhaven, übersiedeln, wo die umfangreichen Bauten der Vollendung entgegengehen. Die Marine-Luftschifferabteilung besteht aus 8 Offizieren, 2 Marineingenieuren und einem Zahlmeister. Kommandeur ist Korvettenkapitän Straffer. Drei Kapitänleutnants fungieren als Luftschiffskomman­danten, drei Oberleutnants z. S. als Wach- und Funkeroffi­ziere, ein weiterer als Adjutant und Gerichtsosfizier. Auch die Wachoffiziere haben bereits in Friedrichshafen die Prüfung als Luftschifführer abgelegt. Die Marine- Fliegerabteilung in Putzig bei Danzig ist stark: 28 Offiziere, 3 Marineingenieure, 1 Stabsarzt, 1 Zahl- - meister. Ihr Kommandeur ist Fregattenkapitän Gygas, dem drei Kapitänleutnants (einer als Adjutant und Gerichts­offizier), 13 Oberleutnants und 11 Leutnants z. S. unter­stehen.

Deutsche Schutzgebiete.

Die Erhaltung der eingeborenen Arbeitskräfte in den Kolonien und den Schutz derselben behandelt ein kürzlich in England erschienenes Buch. Die wirtschaftliche Ausbeutung der im Äquatorial-Gebiet gelegenen Kolonien ist in der Hauptsache von dem Vorhandensein dieser Arbeitskräfte ab­hängig. Eine kurzsichtige, ausnutzende Wirtschaft einzelner Kapitalisten und Manzungs-Gesellfchasten hat bereits vieler­orts zu einem fühlbaren A rk, e i t e r m a ug e l geführt. Nicht nur vom Standpunkt der Menschlichkeit aus ist dieie Ausbeutung zu vertverfen, sondern auch vom wirtschaftlichen - Interesse aus betrachtet, beoeutet der rücksichtslose Verbrauch <

der Eingeborenen-Kräjfte den Ruin des Landes. In dieser Erkenntnis hat England durch die Herausgabe des ange­gebenen Buches einen Schritt getan, der Beachtung verdient und weit zu wirken imstande sein wird. Die unlängst in Putumaho vorgekommenen Grauscrmlkeiteu gegen einge­borene Arbeiter, welche die Presse seinerzeit lebhaft beschäf­tigten, halben Veranlassung zur Veröffentlichung gegeben. Die Konsuln werden aufgefordert, über den Betrieb der iu ihren Bezirken tätigen Gesellschaften, die unter der Leitung von britischen Untertanen stehen, Bericht zu erstatten. Sie sollen über die Sterblichkeit unter den Arbeitern, über die lokalen Arbeitergesetze Ermittelungen anstellen und Auskunft erteilen, ob sich Umstände ergeben haben, die unbefriedigend sind und der Regierung Veranlassung geben können, den be­treffenden Gesellschaften eine Verwarnung zu erteilen. Die Konsuln sollen vorläufig noch nicht besondere Inspektions­reisen zu diesem Zwecke unternehmen, jedoch soll über Fälle wirklicher Mißhandlung von Arbeitern, für die britische Unter­tanen verantwortlich sind, sofort an das Auswärtige Amt be­richtet werden. So hat das traurige Ereignis der in Putu- mayo verübten Greuel ein Vorgehen seitens der englischen Regierung gezeitigt, das interessierte Kreise des Kolonial- Wesens und der Missionen auch weit über die englische Interessensphäre hinaus mit tiefer Genugtuung und Freude begrüßen dürften und aus dem sie Nutzanwendungen ziehen können.

KuZlKNö«.

Österreich-Ungarn.

Deutschbvhmische Kundgebungen gegen die Tschechisie- rungspolitik. Gablonz, 3. Jum. Die vereinigten deutschen Parteien in Gablonz veranstalteten eine große Demonstra- tionÄundgebung in den Straßen der Stadt, an der 10 000 Personen reilnahmen, gegen die TschechisierungspolitA der Regierung und den Statthalter Fürsten Thun. In mehreren Reden, die gehalten würden, wurde der Rücktritt des Statt­halters und des tschechischen Arbeitsministers Truka verlangt.

Gymnasiastenunruhen in Bosnien. Sarajewo, 8. Juni. Seit den Kundgebungen gegen eine deutsche Vor­stellung im Theater zu M o st a r, wobei es zu einem Zu­sammenstoß msi O f f r z i e x e n kam, herrschte unter den kroatischen Gymnasiasten eine große Erregung, die sich namentlich gegen den Lehrkörper richtete. Vorgestern wurde der Direktor und zwei Professoren von .den Schülern tätlich angegriffen, worauf die Anstalt geschloffen wurde. Da "sich die Angriffe gestern wiederholten, wurde das Gymnasium in Mostar aufgelöst, wodurch die Schüler, des Schuljahres verlustig gehen.

KrsnKreich.

Delcaffs für das Dreijahrsgesetz. Paris, 8. Juni. Unter dem Vorsitz D e l c a s s Z s fand heute eine Sitzung des Ausschusses der radikalen Linken statt, welcher beauftragt ist, das Programm dieser Berernigung auszuarbeiten. DelcassZ gab eine eingehende Darlegung äußeren Lage und ge­langte zu der Schlußfolgerung, daß der Dreijahrsd tenst aufrecht erhalten «werden müsse. DelcaM. welcher zum Obmann der Gruppe ausersehen ist und beim Zusammentritt derselben die Eröffnungsrede halten wiü>, wurde ersucht, in dieser Rede sein Expose und seine Schlußfolgerung über die militärische Frage zu prüfen.

Die Haltung der Sozialistisch-Radikalen. Paris, 4. Juni. Der geschäftsführende Ausschuß der sozialistisch­radikalen Partei, der 182 Abgeordnete angehören, nahm eine Tagesordnung an, in der beschlossen wurde, nur der Regie­rung das Vertrauen auszusprechen, die geneigt ist, die voll­kommene Verwirklichung des Programms von Pan zu ver­folgen mit Hilfe der Gruppen der Linkerl, ausgenommen der Abgeordneten, die dem Verband der Linken und der demo­kratischen Vereinigung angehören. Außerdem wurde ver­langt, daß unverzüglich die notwendigen Maßnahmen er­griffen werden, um den Gedanken des Volkes in Massen zu verwirklichen, der bei der Verringerung der aktiven Dienst­zeit gleichzeitig die Defensivkraft des Landes erhöhen werde.

Die Frage der Zulassung der Ausländer zu Lieferungen. Pari s, 4. Juni. Einer Blättevmeldung zufolge hat der zurückgetretene Ministerpräsident Doumergue vor etwa acht Tagen die verschiedenen Ministerien, darunter auch die des Krieges, der Marine und der Kolonien mittels Rundschreibens ersucht, die Frage der Zulassung der Ausländer zu jenen Lieferungen zu prüfen, welche bisher ausschließlich Fvanzosen, Vorbehalten waren.

Dänemark.

Schwierigkeiten in der Wahlrechtsreform. Kop-en-

h agen, 3. Juni. Das Landsting verhandelte heute über die Vorlage, betreffend ein neues Wahlgesetz für die beiden Kam­mern des Reichstags. Die von der Mehrheit, nämlich der Linken, den Sozialdemokraten und den Radikalen -gestellten Abänderungsanträge wurden mit 35 gegen 31 Stimmen der Konservativen angenommen. Im Namen der Konservativen erklärte der Führer der Rechten Piper, daß die Konser­vativen, da sie nicht die Verantwortung tragen wollten, daß das Gesetz angenommen werde, sich genötigt sähen, de« Saal zu verlassen, was jedesmal geschehen werdq, so oft der Entwurf zur Beratung komme. Darauf verließen die Konservativen den Saal. Boi der Abstimmung wurde die abgeänderte Vorlage mit 33 Stimmen «i^tzeuommeu, 32 Abge­ordnete waren abwesend. Der Präsident stellte fest, daß. das Landsting beschlußunfähig sei, da zur Beschlußfähig­keit erforderlich sei, daß mehr als die Halste der,60 Landstingsmikglisder an der Abstimmung terlmmmt.

NuKkÄttd.

Wichtige Beschlüsse der Duma. Petersburgs. Juni. In der gestrigen Sitzung der Duma, der achten, die dem Etat des Unterrichtsministeriums gewidmet ist, wurde beschlossen, erst nach Beendigung der Beratung des Etats auseincmder- zugehen. Infolgedessen endete dre Schung erst in der zweiten Nachtstunde. Auf Vorschlag der Oktobrrsten winche mit 143 Stimmen der Oktobrrsten und der Lrnken gegen 99 Stimmen der Rechten und Nntronansten beschlossen, den (£&tt um 78 500 Rubel Reisespesen für Ministerialbeamte zu kürze«. Als Protest gegen dre allgemeine Politik des Ministeriums wurde gleichzeitig mrt 143 Stimmen der Oktobristen und der Linken gegen 84 Stimmen der Rechten und Nationalisten eine Umgangsformel angenommen, in der darauf hingewiesen wird, daß das Unterrichtsministerium nicht den von dem Thron verkündeten Grundsätzen und der Entwicklung der geistigen und materiellen Kräfte des Landes entspreche und auf lange Zeit hinaus den Fortschritt der russischen Kultur aushalte. Dieser Vorwurf wird begründet mit der Hemmung