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Sette 8 . Abend-Ausgabe, 1. Blatt.

Genau wie bei den Katholiken und Protestanten sind auch bei den Juden die Gegner der Feuerbestattung rm Lager der Orthodoxie zu suchen. Die Bestrebungen für die Feuerbestattung gelten in den Augen der Orthodoxen als gottlos und irreligiös. Dabei gibt es aber in den jüdischen Religionsvorschriften nicht eine einzige Stelle, die einein Verbot der Feuerbestattung auch nur ähnelte. Es findet sich auch weder in der Thora noch im Talmud etiva ein striktes Gebot der Erd­bestattung. Es ist sogar erwiesen, daß das Verbrennen von Leichen öfters bei den Juden als ehrenvolles Vor­recht der Könige galt, wie denn z. B. Saul und etliche 'Könige nach ihm verbrannt wurden. Es ist selbst den orthodoxesten Rabbinern nicht gelungen, in den Gesetz­büchern einen Passus zu bezeichnen, der ihre feindliche Stellung der Feuerbestattung gegenüber auch nur einigermaßen erklären oder entschuldigen würde. Es fehlt nun nicht an freisinnigen Geistlichen, die für An­hänger dieser Bestattungsart Verständnis haben und Duldung üben. So schreibt Z. B. Professor Lazarus in seinem BuchDie Erneuerung des Judentums":

_ Mochte einer doch alle Gründe der Vernunft und Sittlichkeit gegen die Feuerbestattung Vorbringen, um die Menschen von ihr abzuhalten, möchte er auch politisch agitieren, um sie durch den Staat verbieten zu lassen, kein Wort wollte ich dagegen sagen. Es ist mir ganz und gar nicht um die Feuerbestattung! Aber ein Religionsgesetz als solches, das nicht existiert, heute künstlich zu schaffen, aus irgend einem Bibel- oder Talmudspruch nach jener aus Scharfsinn zusammenge­schweißten Methode ein neues Gesetz herauszugreifen, das gebietet die Religion nicht und die Vernunft ver­bietet es. Am wenigsten aber ist es erlaubt, sich auf das bloße Bestehen des bisherigen Brauchs zu berufen und ihn, auch wenn sein Ursprung aus einem Gesetz nicht nachweisbar ist, dennoch als ein Gesetz zu be­trachten. Denn der Brauch ist doch auch einmal ent­standen, er ist doch nicht von Ewigkeit her, er hat also einmal einen anderen Brauch, der vor ihm bestand, ab­gelöst. Warum soll er nicht ebenso aufhören, wie er entstanden ist? Warum soll er nicht von einem an­deren Brauch abgelöst werden? Er ist damals natür­lich aus irgend einem Grund geschaffen worden! Nun diejenigen, welche ihn heute verwerfen und einen neuen einführen wollen, haben doch auch für beides ihre Gründe."

Der bekannte Rabbiner Dr. Freudenthal-Nürnberg, der in nachahmungswerter Bereitwilligkeit als erster jüdischer Geistlicher in Bayern bei der Beisetzung von Aschenresten jüdischer Feuerbestatteter mitwirkte und auch im dortigen Krematorium amtiert, hielt bei ersterex Gelegenheit folgende bemerkenswerte Rede:

Der Schrein hier birgt nicht, wie es sonst in un- serem religiösen Ritus üblich ist, den Leichnam des Verklärten noch; tvas irdisch an ihm war, ist vielmehr bereits zu Staub und Asche geworden. Um so stärker führen uns da unsere Gedanken zu dem Geist des Ver­storbenen hinauf, der nicht zu Staub und Asche werden konnte; und gerade wir als Israeliten, denen ohnedies dank der uralten, schlichten, einfachen, schmuck- und prunklosen Sitte unserer Totenbestattung jeder Kultus des Menschenleibes völlig fernliegt, dürfen getrost, ohne den tieferen Geist unseres Glaubens zu verletzen, auch diesen allerletzten Überbleibseln eines Glaubensbruders die religiösen Ehren erweisen, auf die ein jeder, der int Leben zu uns gehörte, auch im Tode in gleicher Weise Anspruch hat."

Nach vorstehenden Äußerungen, Tatsachen und Be­weisen ist es wohl keinem Zweifel unterworfen, daß Judentum und Feuerbestattung sich nicht feindselig gegenüberzustehen brauchen, und es sei hier noch ein­mal ausdrücklich festgelegt, daß jeder Israelit, ob liberal oder konservativ, sich einäschern lassen kann, ohne damit gegen die Lehren und den Geist seiner Religion zu verstoßen. 8.

Die albanischen wirren.

Eine Volksversammlung für den Fürsten, wb. Skutari, 3. Juni, Der Mudir von Luma hielt eine zahlreich besuchte Volksversammlung ab, welche beschloß, u n -

Sommer reichen. Man ist erstaunt, den gewandten Plau­derer auf der Bühne so trocken und ledern zu sehen und hören. Er schildert einen Kriegstninister, der in irgend einer Republik bon friedlicher Tapetenfabrikation auf den Ministersessel ge­hoben worden ist und von seiner Geliebten völlig geleitet wird. Es entwickelt sich aber keineswegs eine politische Satire, sondern ein gewöhnlicher französischer Schwank, dem nur das Pariser Salz fehlt, bon der Ungeschicktheit der Szenenführung ganz abgesehen. Im Residenz-Theater mußte die letzte Möglichkeit zu einem Eindruck daran scheitern, daß irgend ein unverständlicher Wille für die weibliche Hauptrolle ein Frl. Konstanze b. Linden aus einer Versenkung geholt hatte, die so ziemlich das Unmöglichste vorstellte, was auf einer Berliner Bühne denkbar ist. Maria Reisenhofer hätte dies Stück vielleicht retten können so versanken wir in einem Meer von Langeweile. Erich Köhrer.

Nus Kunst und Leben.

Theater und Literatur. In Wetzlar wird das Lotte- haus, das Geburts- unv Wohnhaus der Charlotte Buff, das durch GoethesWerther" zu einer Stätte von klassischer Bedeutung geworden ist, gegeniwärtig einer notwendigen gründlichen Wiederherstellung unterzogen, die den Bau des denkwürdigen Hauses für lange Zeiten sichern und seinen Räumen ein der Werthcrzeit möglichst entsprechendes Gepräge Wiedergaben soll. Da diese Arbeit mit erheblichen Kosten verbunden ist, so wäre cs sehr wünschenswert, wenn aus dem großen Kreise der Goetheverehrer Beiträge gestiftet würden, die an das Bürgermeisteramt Wetzlar einzusenden wären. Es hat sich bereits dort eineVereinigung der Freunde und Freundinnen des Lotte-Hauses" gebildet, wozu auch der Bei­tritt auswärtiger Mitglieder sehr willkommen wäre. Anmel­dungen mit Angabe des Jahresbeitrages nimmt das Bank­haus Otto Kellner (Wetzlar) entgegen. Zu jeder weiteren Mitteilung ist LÄerlohrer a. D. Seher gern bereit.

Wirsdadeurr TagbtE»

entwegrtreu zum Fürsten zu stehen und für ihn zu kämpfen.

Die kriegerische Bewegung.

wb. Durazzo, 3. Juni. Die Besatzung Krujas, welche von den Aufständischen durch Absperrung der Wasser- und Pro- viantzufuhr zum Verlassen der Festung gezwungen worden war, marschierte unbehelligt über Kalmeti nach Alessio und ist zu Schiff in Durazzo eingetroffen. Der Finanz­minister Noga ist aus Alessio, wohin er gesandt worden war, zurückgekehrt, um Verstärkungen zu holen. Die aus Alessio eingetroffenen Verstärkungen bestehen aus Mohammedanern unter Husni, einem Neffen Bairam Zuris, und Talif, einem Neffen Jssa Boletins, ferner aus Mirditen mit einigen Malissoren unter Marko Gion, sowie Simon Doda. Die Aus­schiffung erfolgte durch Boote der österreichisch-ungarischen und italienischen Kriegsschiffe.

Elbassan belagert. Heller Aufruhr in Alessio und Kruja.

hd. Triest, 4. Juni. Der Spezialkorrespondent des Secolo" in Durazzo berichtet seinem Blatt: Heute ist der Gouverneur von Elbassan, Miss Bei, in Durazzo eingetroffen und er erzählte mir, daß die Stadt Elbassan von Aufständi­schen belagert ist. Er glaubt aber, daß er widerstehen könne. Die Bewohnet der Stadt seien dem Fürsten treu. Es ivurde mir bestätigt, daß auch Pekinje gefallen ist. F ü r st W i l h e I m hat alles für die eventuelle Abreise nach Skutari vor­bereitet. Er wird dort nach seiner Ankunft imGrand Hotel" absteigen. Ich hatte heute eine Unterredung mit dem Alba- nesenführer B e t t o ck i, der dem Fürsten die Nachricht von der Einnahme Krujas durch die Aufständischen überlbracht hat. Er sagte: Ich bin trostlos. Von A l e s s i o südwärts und west­lich von Kruja liegt das Land in Hellem Aufruhr. Kruja ist seit einer Woche von 500 Aufständischen belagert worden. Von Durazzo wurden keine Hilfsmittel abgesandt. Mir und vier Genossen gelang es, zu fliehen, als die Aufständischen ein­drangen, und die Nachricht von dem Verlust der Stadt dem Fürsten zu Überbringer!.

Die Bemühungen der Kontrollkommission, wb. Durazzo, 3. Juni. Die internationale Kontrollkom­mission hat von den Aufständischen einen Brief erhal­ten, in welchem diese ihrer Ve r w u n d e r u n g über die An­kunft der Malissoren in Durazzo Ausdruck geben. Die Kom­mission beriet über die Lage und stellte fest, daß die Lan­dung der Malissoren die Erledigung ihrer Aufgaben erschwere. Der Präsident der Kommission hatte darüber eine Besprechung mit dem Fürsten.

Ein englischer Truppentransport nach San Ina» di Medua.

hd. Malta, 4. Juni. Das englische KriegsschiffDuke of Edinburgh" ist gestern nach San Juan di Medua abgefahren mit 8 Offizieren und 382 Mann eines englischen Infanterie- Regiments, sämtlich in kriegsmäßiger Ausrüstung.

Die wirren in Mexiko.

Maßnahmen zur Sicherung des Minenbesitzes, wb. Washington, 3. Juni. Dein heute erfolgten förm­lichen Notenaustausch zwischen den Vertretern Englands, Hollands und der Vereinigten Staaten bezüglich der Ansprüche der Inhaber von Olfeldern in Mexiko, wird, dem Verneh­men nach, ein ähnliches Übereinkommen zwischen England, Frankreich und den Vereinigten Staaten folgen, das die An­sprüche aller Minenbesitz er Mexikos schützen soll, die infolge der ungeordneten Verhältnisse gezwungen sind, außer Landes zu bleiben.

Nene Waffenzufuhr.

hd. Beracruz, 4. Juni. Admiral Badger gibt bekannt, daß der japanische DampferSeyo Maru" eine Waffenladung nach Salinacruz an der mexikanischen Westküste gebracht, aber nicht gelandet habe. Badger sagt nicht, ob der Dampfer an der Landung gewaltsam verhindert wurde. Der Dampfer Antilla" rst unter kubanischer Flagge mit einer Waffen­ladung für die Rebellen in Tampico unterwegs. Die Amerikaner verlangen, daß die Landung der Waffen verhin­dert werde, weil die Rebellen keinen Waffenstillstand schließen wollen.

Deutsches Reich-

* Der Besuch des hessischen Großherzogpaares am bayeri­schen Hofe. In der Residenz erwartete im östlichen Thron­saale des Königsbaues die Königin mit den Prinzessinnen die hohen Gäste, wobei die. Königin der Grohherzogin die Prinzessinnen vorstellte. Nach dem Empfang in der Residenz fuhren der Großherzog und die Großherzogin nach dem Wittelsbacher Palais und statteten dort dem König und der

Der Deutsche S ch r i f t st e l l e r i n n e n b u n d, E. B., veranstaltet vom 28. bis 30. Juni d. I. in 'der Buch­gewerbe-Ausstellung in Leipzig einenKongreß deutscher S ch r i f t st« ll e r i n n e n", zu dem alle Kol­leginnen willkommen sind. Wichtige Berufsfragen sollen er­örtert werden, wie: Der Dilettantismus in der weiblichen

Literatur; Das dramatische Schüssen der Frau; Honorar-, Verlags- und Vertragsverhälinisse. Anmeldungen sind zu richten an die erste Vorsitzende Fräulein Katharina Zitel- mann, Berlin W. 50, Ran^estraße 31/32.

In Eßlingen ist der Kommerzienrat Ferdinand Schreiber, der Verleger derMeggendorf er Blätter" und Besitzer einer Lithographie und Kunstanstalt, im Alter von 79 Jahren gestorben.

Zum 75. Geburtstage Paul Lindaus gratulierten diesem u. a. noch die Prinzessin Neuß, der Herzog von Mei­ningen, Prinz Schönaich-Carolath, die Generalintendanz der Königlichen Schauspiele, das Hofburgtheater in Wien, der deutsche Bühnenverein, sämtliche Hostheatcr sowie zahlreiche deutsche Bühnen.

Die in literarischen Kreisen Amerikas mit lebhafter Spannung erwartete Entscheidung der Preisrichter über die Erteilung des von dem New Jorker Theaterdirektor Winthrop Ames ausgesetzten großen Preises für das beste ameri­kanische Drama ist nun gefallen. Der Preis besteht in einem festen Tantiemevorschuß in Höhe von 40 000 M. und weiterhin in 8 Prozent von den Bruttoeinnahmen des Werkes. Als Preisrichter walteten Direktor Ames, der Dramatiker Augustus Thomas, der als Vorsitzender des Verbandes der amerikanischen Dramatiker eine angesehene Stellung hat, und Adolf Klauber, der frühere Theaterkrittker derNew 'Jork Times". Die drei Herren haben noch lOnionatiger Arbeit unter den 1600 anonym eingereichten Manuskripten ihre Ent­scheidung getroffen und das DramaK'nder der Erde" preis­gekrönt. Das Werk spielt in einem ländlichen neuenglrschcn Milieu. Es ergab sich, daß der Autor dieses Dramas die

Donnerstag, 4. Juni 1914Nr. 256.

Königin einen längeren Besuch ab. Um Sy 2 Uhr abends fand in reichen Zimmern der Residenz Familientafel und gleichzeitig in den Trier-Zimmern Marschalltafel für das Gefolge und den Ehrendienst statt. Um 8 Uhr abends war Fest Vorstellung im Hof- und Nationaltheater. Zur Aufführung gelangteDer Liebhaber als Arzt" von Wolf- Ferrari. Das Großherzogspaar wurde bei seinem Eintritt in die Hosloge mit Hochrufen und der Nationalhymne be­grüßt. In der Pause empfing der Großherzog und die Groh­herzogin die Chefs der hier beglaubigten Gesandtschaften, an der Spitze den päpstlichen Nuntius.

* Der neue Unterstaatssckrrtär im Reichsmarineamt. Der schon seit längerer Zeit geplante Posten eines Unterftaats- sekretärs für das Reichsmarineamt ist jetzt durch eine kaiser­liche Kabinettsorder eingerichtet worden/ und zwar, wie be­reits berichtet, Admiral v. Capelle mit der Wahrnehmung der Geschäfte betraut worden. Admiral v. Capelle, der bis­her als Direktor des Verwaltungsdepartements des Reichs­marineamts und damit dessen wichtigste Abteilung leitete, war schon bisher nach dem Staatssekretär der rangälteste Beamte des Reichsmarineämts und damit der Vertreter des Staatssekretärs. Er war auch Bevollmächtig­ter zum Bundesrat und hat als solcher im Reichstag wiederholt in Marinesrcrgen das Wort ergriffen. Mit seiner Ernennung zum Unterstaatssekretär ist eine Neuorganisation des Reichsmarineämts zum Abschluß gebracht worden, die in den letzten Jahren durch Schaffung neuer Unterabteilun­gen zum Ausdruck kam. So wurde erst kürzlich ein neues Etatsdepartement geschaffen, dem die Etatsabteilung und die K i a u t s ch o u a b t e i l u n g unterstellt wurde und deren Direktor Vizeadmiral Dahnhardt ist. Admiral v. Capelle wird auch als Unterstaatssekretär das Verwaltungsdepartement weiter leiten. Eduard Capelle, aus Celle gebürtig und im 56. Lebensjahre stehend, trat im Frühjahr 1872 in die Marine ein. Vor seiner Beförderung zum Kapitänleutnant war Capelle dreimal im Ausland. Nachdem er als Kapitänleutnant zuerst als Instrukteur auf dem ArtillerieschulschiffMars" tätig ge­wesen, schiffte er sich im Frühjahr 1889 als Navigationsoffi­zier an Bord der KreuzerfregatteLeipzig" ein, des Flagg­schiffs des von Kontreadmiral Deinhard befehligten Kreuzer- geschwaders, von dem zur Unterdrückung des Sklavenhandels und des Araberaufstands die ostafrikanische Küste blockiert wurde; ein Landungskorps derLeipzig" nahm teil cm der Erstürmung des Lagers Buschiris bei Bagamoyo, sowie der Eroberung von Saadani, Pcmgani und Tanga. Nach Beendi­gung dieses Kommandos wurde Capelle 1891 ins Reichs­mari ne am t berufen, in dem er dank seinem hervorragen­den Organisations- und Verwaltungstalent, abgesehen von einem nochmaligen Bordkommando 1895 als erster Offizier des LinienschiffsWeißenburg", bis jetzt dauernd tätig ge­wesen ist. Bis 1898 gehörte er ihm als Dezernent in der Militärischen Abteilung an, worauf er mit der Organisation der neuerrichteten Etatsabteilung und Wahrnehmung der Ge­schäfte deren Vorstandes beauftragt wurde. Im Frühjahr 1904 erhielt er dann seinen gegenwärtigen Posten als Direk­tor des VerwaltungsdepartementS, welches Amt bis dahin stets einem Beamten übertragen gewesen, zuletzt dem Wirkl. Ge­heimen Admiralitätsrat Pereis. Capelle hat sich ferner neben dem jetzigen Vizeadmiral v. Heeringen um die Ausarbeitung sowie die Durchführung der Tirpitzschen Flottenvor- l a g e n im R e i ch s t a g sehr bemüht. Er ist einer der besten Kenner des' Marineetats und des Finanzwesens der Flotte und gilt auf diesen Gebieten als die rechte Hand des Staats­sekretärs des Reichsmarineamts. Im Jahre 1912 wurde dem Admiral der erbliche Adel verliehen.

* MVjähriges Jubiläum der preußischen Verwaltung. Das preußische Staatsministerium in seiner jetzigen Organi­sation kann auf ein 100jähriges Bestehen zurückblicken. Vor 100 Jahren so berichtet dieFranks. Ztg." erging die Kabinettsorder über die Zusammensetzung des Staatsministe­riums, die zwar in der Verteilung der Geschäfte seitdem manche Veränderungen erfahren hat, aber doch in den Grund­lagen erhalten geblieben ist. Der Ministerpräsident, damals Staatskanzler Frhr. v. Hardenberg, erhielt zugleich das Ministerium des Äußern, der Finanzminister v. Bülow zu­gleich das Ministerium des Handels. Kriegsminister war v. Boyen, Justizminister v. Kircheisen, Minister des Innern v. Schuckmann, außerdem gab es einen besonderen Polizei- miniiter v. Schuckmann. Die Abgrenzung der Ministerien war bei weitem noch nicht in der jetzigen Weise durchgeführt. Zu den auswärtigen Angelegenheiten gehörten auch das Kon­sulat-, Post- und Paßwesen, zum vereinigten Finanz- und Handelsministerium das Bauwesen, die Fabrikangelegen- heiten, das Verkehrswesen, Domänen, Abgaben, Berg- und Hüttenverwaltung, zum Ministerium alles sonst nicht Unter­gebrachte, also auch Schule und Kultus. Das besonders

57jährige Miß Alice Brown aus Boston ist, die bisher noch niemals ein Theaterstück geschrieben hat und nur durch kleine Novellen und Aussätze hervorgetreten war. Unter den Be­werbern um den 40 OOO-Mark-PreiS, den nun eine Frau er­obert hat, befandeu sich eine Anzahl der bekanntesten und meiistgefpielten amerikanischen Dramatiker.

Bildende Kunst und Musik. Der städt. Musikdirektor Fritz Busch aus Aachen wird im kommenden Winter drei Konzerte in Berlin (PhÄh. Orchester), ein Konzert in Leipzig (Winderstein-Orchester) und zwei Konzerte in München (Kon- zertvereins-Orchester) diriigieren.

Die königliche Hofopernsängerin Erna Denera wurde anläßlich ihrer Mitwirkung bei den Koburger Festspielen die Künstlerin sang die Elsa zur Kammersängerin ernannt.

Im antiken Amphitheater zu Verona werden auch in diesem Jahre wiederum Vorstellungen unter freiem Himmel stattfinden. Zur Ausführung wurde BizetsCarmen" be­stimmt; die Mitwirkung spanischer Stierkämpfer und Tänzerinnen sowie ein außerordentlicher Regieauswand dürfte die Aufführungen zu einer nicht alltäglichen Attraktion gestalten.

Wissenschaft und Technik. In einem Steinbvuche bei Ehringsdorf bei Weiinar, in dem schon zahlreiche Über­reste des Mammut, Rhinozeros, Urstiers und Geräte des vor­geschichtlichen Menschen gefunden wurden, wurde soeben das Geweih eines R i e s e n h i r s che s, das eine Länge von 125 Zentimeter hat, aus dem Kalkgestein herausgeschält. Der Fund gehört feiner Vollständigkeit wegen zu den schönsten, die gemacht worden sind.

In wissenschaftlichen Kreisen Bukarests wird davon gesprochen, daß es dem 'bekannten Bukarester Forscher Pro­fessor Bar bi sch gelungen sei, den Pellagrabazi lins zu finden. BaMsch soll der rumänischen Akademie für die nächste Zeit eine offizielle Mitteilung in Aussicht gestellt haben.