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..Tagblatt-HauS". wOw£tttitCO 12 HUSQÖÖMl» „Tagrl«tt.H»»s" Nr. S6L0-S3.
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Donnerstag 4. Juni 1914.
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Raiferhoch
und Sozialdemokratie.
Tie Demonstration, die von den Sozialdemokraten tri der letzten Reichstagssitzung dirrch Sitzenbleiben beim Kaiserhoch ausgeübt wurde, ist von uns von vornherein als eine grobe und unerfreuliche Taktlosigkeit gekennzeichnet worden. Daß sie auch unklug war, beweist das Verhalten der Konservativen, die hier eine billige, für den ganzen Sommer ausreichende Agitationsgelegenheit gegen die Sozialdemokratie gefunden haben und mit dieser Waffe in der Hand für den ungesunden Gedanken der allgemeinen bürgerlichen „Sammlung" nicht ohne eine gewisse Aussicht auf Er- . folg bei harmlosen Gemütern propagieren können. Die Demonstration war aber auch, wie vorauszusehen war, nur zu sehr geeignet, innerhalb der Sozialdemokratie selbst wiederum lebhafte Auseinandersetzungen zu zeitigen und der Mitwelt aufs neue zu demonstrieren, wie w e n i g e i n i g in nicht unwichtigen Fragen man doch in der Sozialdemokratie ist. So ge- <> sehen, erweist sich die sozialdemokratische Kaiserhoch- Demonstration als eine große politische Torheit, die sich unter Umständen bitter an der Sozialdemokratie selbst rächen kann.
Den Reigen der sozialdemokratischen Opponenten gegen das Verhalten der sozialdemokratischen Fraktion beim Kaiserhoch eröffnet der Abgeordnete Heine mit !. einem Artikel in • den „Sozialistischen Monatsheften".
' Er erzählt darin, daß nur eine geringe relative Mehrheit der Fraktion die alte Praxis, sich vor dem Kaiserhoch zu entfernen, über den Hausen geworfen halle; diesem Beschluß folgend, hätten die anwesenden Fraktionskollegen, auch solche, die persönlich ganz anderer Meinung seien, beim Kaiserhoch den Saal nicht verlassen und seien sitzen geblieben. Heine sagt nicht selbst, ob er mit zu diesen Demonstranten wider Willen gehört hat, aber er fährt mit aller wünschenswerten Deutlichkeit fort: „Ich fühle mich verpflichtet zu er
klären, daß die Fraktion zurzeit kaum etwas Verkehrteres und Schädlicheres hätte tun können und daß damit lediglich die Geschäfte der Gegner jeder freiheitlichen Entwicklung und eines kräftigen Parlaments besorgt werden." Heine begründet diese scharfe Kritik an seiner eigenen Fraktion mit Darlegungen, die unabweisbar richtig sind. Zunächst lehnt er es ab, den Kaiser als Träger,der gesamten Politik für diese sozusagen verantwortlich zu machen; es bedeute dies geradezu eine Anerkennung dessen, was, die Sozialdemokratie immer bekämpfe, sobald sie die Ansprüche, die im Namen des monarchischen Prinzips oder der Kommandogewalt erhoben werden, vom Standpunkt 1 des freien Staatsbürgertums ablehne. Der Schlacht- ! ruf „Für oder gegen den Kaiser!" bedeute eine Verfälschung und Verschleierung, der politischen Probleme und sei noch immer van reaktionärer Seite gegen die
Hirnmelserscheinungen
im Juni 1914.
Am 22. Juni, um 7 Uhr 55 Min. nachmittags, erreicht die Sonne ihre größte Abweichung nördlich des Äquators, 23» 27'; sie scheint dann für den Beobachter, der sich keiner genauen Meßinstrumente bedient, eine Zcitlang stille zu stehen, im Solstitium zu verharren und sich erst nach einigen Tagen ' wieder südwärts zu wenden. In Wahrheit, gibt es einen solchen Stillstand nicht, die Sonne steigt vielmehr bis zu einem ganz bestimmten Zeitpunkte nordwärts und dann sofort wieder südwärts; denn die Erde, von deren Neigung der scheinbare Sonnenlauf abhängt, befindet sich in unaufhaltsamer Bewegung, überschreitet mithin auch den Solstitial- puntt in einem Augenblick. Der 22 . Juni ist also für, die der Sonne zugewandte Nordhalbkugel der Erde der längste Tag und Sommersanfang. Infolge der sehr flachen Bogen, die die Sonne um diese Zeit unter dem Horizont beschreibt, werden in nördlicheren Gegenden selbst die Nächte nicht mehr ganz dunkel, sondern durch die immerwährende Dämmerung auch um Mitternacht erhellt. Die Deklination der Sonne beträgt am 1. Juni 21" 68. 6, am 22 . Juni 23" 27' und am 30. Juni 23" 13/5, woraus sich folgende Mittagshöhen der Sonne ergeben: für den Parallel von 54" (Aorddeutschland) 58" am 1. und 59.°5 am 22. Juni, für den Parallel von 51" (Mitteldeutschland) 61" am 1. und 82.°5 am 22. Juni, endlich für den Parallel von 48" (Süddeutschland und Österreich, etwa die Breite von Wien) 64° am 1. und 65.°5 am 22. Juni; bis zum 30. Juni beträgt ihre Abnahme nur etwa 14'. Die Tagesdauer wächst vom 1. bis 22. im T nördlichen Gebiete von 16% bis bis auf nahezu 17 Stunden, I im mittleren Gebiete von 16% bis auf 16% und im südlichen Gebiete von etwa 15% bis auf 16 Stunden; sie nimmt bis «um Monatsschlusse zunächst nur sehr wenig ab: im Norden 5, in der Mitte 4 und im Süden 3 Minuten.
Unser Mond wechselt im Juni fünfmal seine Phasen: Erstes Viertel am 1., um 3 Uhr 3 Min. nachmittags, Vollmond
Morgen-Ausgabe.
Sozialdemokratie angswendet worden, und zwar mit großem Erfolg. Es sei vielmehr die Aufgabe, die Person des Monarchen aus den Kämpfen um politi- sche Fragen auszuschalten; jetzt habe man sie ohne Not hereingezogen und damit den Gegnern das Recht gegeben, das gleiche zu tun.
„Aber wie denkt man sich, die Fortsetzung?" so fragt Heine, und er gibt sich selbst folgende Antwort: „Sollen wir diese Demonstration jedesmal wiederholen, bis unsere Ansprüche auf Gerechtigkeit vom heutigen Staat befriedigt werden? Also auf unabsehbare Zeit? Das würde jede Wirkung verlieren. Demonstrationen, die zur Gewohnheit werden, sind hohl und lächerlich. Oder sollen wir in dieser Form dem Kaiser je nach dem größeren oder geringeren Wohlverhalten der Regierung eine abgestufte Zensur erteilen durch Sitzenbleiben oder Hinausgehen beim Kaiserhoch? . . . Verläßt man eben einmal die richtige politische Basis, so lassen die Folgerungen sich nicht ziehen, ohne daß man sich ins Gegenteil üüerschlägt, wie es hier dem scheinbaren Radikalismus dieser Kundgebung widerfährt." Heine erinnert bei dieser Gelegenheit noch daran, daß Bebel sich noch bis zuletzt stets mit Entschiedenheit gegen solche Kundgebungen wie überhaupt gegen alles ausgesprochen habe, was gegen die hergebrachten Verkehrsformen des Hauses verstieß. Heine tritt natürlich dem Wunsche der reaktionären Presse, in der Demonstration eine Majestätsbeleidigung zu erblicken, scharf entgegen, aber er fährt dann fort: „Der neuliche Akt verletzt die Rücksicht, die der Reichstag von seinen Mitgliedern und die jedesMitglied von jedem anderen fordern kann, die wir Vorkommendenfalls auch, für uns fordern und die nur im äußersten Fall wichtigster höherer politischer Interessen außer acht gelassen werden darf, weil auf ihr die Arbeitsfähigkeit und das äußere Ansehen des Parlaments selbst beruht. Wenn die Ovation für den Kaiser an diesem Ort auch rein seiner staatsrechtlichen Stellung gilt, so daß wir uns sogar ohne Preisgabe unserer Grundsätze dabei vom Platz erheben könnten, so hat sie für viele Mitglieder der anderen Parteien, vielleicht für die überwiegende Mehrheit des Hauses, außerdem auch Gefühlswerte. Und schon deshalb erfordert die Rücksicht auf das Parlament, zu dem auch wir gehören, daß. wir diese Äußerung nicht stören." v
Man muß gestehen, daß die Forderung Heines, seine Fraktion möge auf die Gefühle anderer Parteien die gebührende Rücksicht nehmen, den Kern der Angelegenheit trifft. Mit Recht fügt Heine noch hinzu, daß durch die Demonstration die S t e l l u n g und der Einfluß der Sozialdemokratie in und außer dem Hause schwer geschädigt werde,; wer die Freude an dem Vorgang habe, das zeigten die Stimmen der reaktionären Presse und die offiziösen, Vorstöße gegen die Unabhängigkeit des Reichstags in seinen inneren Angelegenheiten. Heine sagt ganz offen, daß die, Erfolge, die auf parlamentarischem Gebiete möglich seien, nicht
am 8., um 6 Uhr 18 Min. vormittags, Letztes Viertel am 15., um 3 Ubr 20 Min. nachmittags, Neumond am 23., um 4 Uhr 38 Min. nachmittags, und Erstes Viertel am 30., um 8 Uhr 24 Min. nachmittags. Der Mond befindet sich am 6./7. Juni um Mitternacht in seiner Erdnähe bei einem Abstande von 56 Erdhalbmessern und am 17. Juni, um 9 Uhr 9 Min. nachmittags, in seiner Erdferne bei einem Abstande von 63,5 Erdhalbmessern 5 6378 Kilometer. Stern bedeck ungen durch den Mond ereignen sich für den Horizont von Berlin zu folgenden Zeiten:
Datum Stern Größe A'E Austritt Mondst-llnng
Juni 18. Delta ..Steinbeck" 2.8 1t, 37.9 m 2 h 13.4 m Auf«. 11 h Bl m „ 21. 21 „Stier" 4.2 0 h 58.1 m 1 h 40.5 m „ 1 h 29 in
,> 21. Eta „ 3.0 1 h 24.1 m 2 h 11.3 m „ 1 h 29 ra
LI. 27 39 2 h 111 m 2 h 397 m ,, t h 29 ra
„ 28. Ny „Löwe" 5.2 7 h 510 m 8 h 48.0 m Unterg. 10 li 54 m
Für die Beobachtung der großen Planeten liegen die Verhältnisse im Juni nicht besonders günstig. Von der kurzen Nachtdunkelheit beherrscht Venus die erste Stunde, Jupiter den größten Teil. Merkur erreichr zwar am 19. Juni, um 9 Uhr vormittags, seine größte östliche Ausweichung von der Sonne, 24" 65', kann aber in der hellen nordwestlichen Abenddämmerung nur um die Mitte des Monats kurze Zeit gesehen werden. Der Planet nähert sich der Erde von 1.15 bis auf 0.65 Erdbahnhalbmesser oder Einheiten ä 149.48 Millionen Kilometer, wobei sein scheinbarer Durchmesser sich von 6/'8 bis auf 10."2 vergrößert. — Venus durchläuft als Abendstern die Bilder der „Zwillinge" und des „Krebses" und strahlt bis gegen 11 Uhr über dem nordwestlichen Horizont. Auch dieser Planet, unser innerer Nachbar im Sonnensystem, nähert sich jetzt der Erde von 1.45 bis ans 1.27 Einheiten, wobei sein Scheibendurchmesser von 11."6 bis ans 13."2 zunimmt. Am 25. Juni, um 10 Uhr vormittags, hat Venus mit dem Monde Konjunktion; am Abend dieses Tages ist die zarte Mondsichel aber schon eine Strecke nach Osten (links) hin vom Abendstern fortgerückt. — Mars tritt aus dem Bilde des „Krebses" in das des „Lölven" über, bleibt aber nur bis Monatsmitte deutlich, nachher weniger gut sichtbar; er steht anfänglich bis kurz nach 11 Uhr am nordwestlichen
Nr. 255. ♦ 62. Jahrgang.
erreicht werden könnten durch IsoIierung der Partei, durch Herstellung einer möglichst tiefen Kluft zwischen ihr und den benachbarten Gruppen, sondern durch gemeinsame Arbeit auch mit anderen, soweit sie das gleiche Interesse haben. Die klaren und verständigen Ausführungen Heines müßten, so sollten wir meinen, bei dem Gros seiner eigenen Partei Widerhall finden. Aber in seinen letzterwähnten Worten deutet er ja schon selbst die tiefere Ursache für das Vorgehen der Fraktionsmehrheit an; diese will den Abstand von den anderen Parteien wenn nicht vertiefen, so doch in voller Schärfe aufrecht erhalten, sie will, daß von den Massen die Sozialdemokratie als diejenige Partei empfunden wird, die allen anderen diametral entgegengesetzt ist, sie erblickt in einer solchen Demonstration einen gelegentlichen und, wie sie glaubt, wirkungsvollen Hinweis auf diese Tatsache der völlig anderen politischen Wesensart. Die Männer um Heine dagegen wollen die Sozialdemokratie nicht als eine Welt für sich, sie erkennen, daß für die Bestrebungen derselben nur Erfolge möglich sind in einer wie auch immer gearteten Zusammenarbeit mit anderen Parteien und Kräften des Volkslebens. In der Kaiserhoch- Frage spiegelt sich also auch im letzten Ende der Gegensatz zwischen sozialdemokratischer Orthodoxie und sozialdemokratischem Reformismus ab.
„Ist bas Zentrum eine Oppositionspartei?"
Man schreibt uns:
So heißt der Titel einer kürzlich erschienenen „aktuellen politischen Skizze von Max Roeder, Chefredakteur". Das Schriftchen erhebt sich in Sprache und Beweisführung weit über alle ähnlichen Arbeiten. Auch berührt es angenehm, daß der Verfasser sich die Mahnung der Zentrumsleitung, persönliche Ausfälle und Verunglimpfungen zu vermeiden, in vornehmer Weise zu eigen gemacht hat. Gleich im ersten Kapitel wird das Wort Oppositionspartei begrifflich bestimmt: „Eine Partei ist dann erst Oppositionspartei, wenn ihr ganzes Programm sie in diametralen Gegensatz zu der Regierung setzt." Eine solche Partei kbegebe sich sowohl der Regierung als auch den anderen Parteien gegenüber in eine isolierte Stellung, die ihren Einfluß illusorisch und ihre Arbeit erfolglos nrache. Daraus folge, daß in Deutschland die Sozialdemokratie die gegebene und geborene Oppositionspartei sei, da sie ihr Programm auf „Verneinung der bestehenden Ordnung" stelle. Ms mehr oder minder „oppositionelle Parteien" werden die Polen, Dänen, Elsaß-Lothringer, Welfen, Litauer (?), Masuren (?), der bayerische Bauernbund und der bayerische Partikularismus genannt, während in dem angeblich durch die Sozialdemokratie „leitend beeinflußten Linksliberalismus" „der Gedanke der Opposition bedeutend an Boden gewonnen hat". Allerdings leugnet der Verfasser nicht „das Vorhandensein eines gewissen oppositionellen Geistes gerade beim katholischen Volke, besonders in Bayern
Horizont. Mars entfernt sich weiter von uns, nämlich von 1.79 bis auf 2.02 Einheiten; sein scheinbarer Durchmesser verringert sich von 5."2 bis auf 4."7. Am 28. Juni, um 10 Uhr vormittags, gelangt der Planet mit dem Fixstern erster Größe Regulus (Alpha) des „Löwen" in Konjunktion; Mars steht um diese Zeit nur 46' nördlich von Regulus, kann daher mehrere Tage vorher und nachher abends schon sehr nahe bei jenem gesehen werden, eine Beobachtung, die am besten mit dem Opernglase vorgenonimen wird. Am 28. Juni, um 5 Uhr vormittags, hat der Mond mit Mars Konjunktion. — Jupiter bewegt sich im Bilde des „Steinbocks" zunächst noch rechtläufig, wird am 11. Juni stationär und dann rückläufig. Er geht anfänglich schon vor Mitternacht, zuletzt bereits gegen 10% Uhr abends, wenn die Venus gegenüber unter den Horizont sinkt, im Osten auf und glänzt dann als schönstes Gestirn bis zur lichten Morgendämmerung am südlichen Firmament. Die Erde nähert sich jetzt dem Planeten von 4.68 bis ans 4.26 Einheiten, sein scheinbarer Durchmesser wächst dabei von 42."7 auf 46 ." 6 , — Jupiter macht daher, schon durch ein kleineres Fernrohr betrachtet, einen imponierenden Eindruck, und leicht erkennt man von seinen acht Monden die vier großen älteren. Wer Finsternisse der Jupitermonde beobachten'will, für den seien hier die Zeiten des Eintrittes in den Planetenschatten angegeben: Mond I am 4. Juni, 1 Uhr 44 Min., Mond III am 6. ^uni, 2 Uhr 15 Min., I am 11. Juni, 3 Uhr 88 Min., II am 12. Juni, 2 Uhr 31 Min., I am 20. Juni, 12 Uhr 1 Mm., und am 27. Juni, 1 Uhr 65 Min. Austritte aus dem Schatten sind im Juni nicht zu beobachten. Am 13. Juni, um 1 Uhr vormittags, hat der Mond mit Jupiter Konjunktion, der Mond steht dann nur 49' nördlich von dem Planeten. — Saturn gelangt am 13. Juni, um g Uhr nachmittags, in Sonnenkonjunktion, bleibt aus diesem Grunde unsichtbar. Sein Erdabstand wächst daher zuerst noch von 10.02 bis auf 10.03 Einheiten, nimmt dann aber wieder , au t '0.00 Einheiten ab. -— Uranus bewegt sich rückläufig nn Bilde des „Steinbocks", nicht weit südwestlich von Jupiter, am Morgenhimmel; er kulminiert zuerst bald nach Zuletzt bald nach 2% Uhr mittags. Seine ErdabstäniA
