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Mittelrheinische Zeitung.
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278 Morgen-Ausgabe.
Mittwoch, 3. Juni 1914.
68. Zahrgan
Tagesschau.
Der deutsche Kreuzer „D re s ö e n" hat die Hapagdampfer J) piraug o" und „Bavari ct", die wegen Landung von Waffen und Munition an der mexikanischen Küsie mit hoher Strafe belegt wurden, vom Hafen Beracruz „klar znm Gefecht" auf die hohe See begleitet.
In Breslau hat eine große Kundgebung sozialdemokratischer Gesangvereine stattgefunöen.
Die Demission des französischen Kabinetts ist angenommen worden.
Das serbische Kabinett Paschitsch hat seine Demission eingereicht.
In Petersburg sind 50000 Fabrikarbeiter in den Ausst a nd getreten. __
Klar zürn Gefecht!
Die letzten Nachrichten aus Mexiko besagten, daß die beiden deutschen Schiffe „Apiranga" und „Bavaria", die mit Kriegsmaterial in mexikanischen Häfen eingelaufen waren und die Ladung gelöscht hatten, von den Hafenbehörden mit sehr hohen Strafen belegt worden seien. Da die Depeschen sehr knapp gehalten waren, konnte man sich kein rechtes Bild von der Sachlage machen und noch viel weniger natürlich von der Rechtslage. Wie es jetzt scheint, ist man den deutschen Schiffen zu nahe getreten: wir erhalten die nachstehende telegraphische Meldung, die, wenn sie sich bewahrheitet, dringend der s ch l e u n i g st e n Ergänzung bedarf:
Veracruz, 2. Juni.
Klar zum Gefecht und mit offenen Geschützluken hat der deutsche Kreuzer „Dresden" die Hapagdampfer „Apiranga" und „Bavaria" auf die hohe Sec hinaus geleitet. Weder die amerikanische noch sonst eine Nationalhymne ertönte, was sonst üblich ist, von de» im Hafen liegenden Schiffen, «nd auch die Matrosen der deutschen Schiffe begnügten sich damit, alte Seemannslieder z« singen. Nur von dem deutschen Kreuzer „Bremen", der mitten im der Bai lag, ertönte! das „Deutschland, Deutschland über alles."
Bor der Ausreise sind bekanntlich der „Bavaria" 118 685 Pesos und der „Bpiranga" 894 950 Pesos Geldstrafe auferlegt worden, weil sie die Ladung in einem anderen als dem konzedierten Hafen gelöscht und die Schiffs- manifeste angeblich nachträglich vor dem Einlaufen in Beracruz korrigiert haben. Die Strafe wurde den Dampfern auf Grund der mexikanischen Gesetze, die jetzt in Beracruz der amerikanische General Fundston anzuwenden hat, auferlegt. Dies wird auch in dem Protokoll über den Vorfall erklärt, das der amerikanische Konsul Shonklin, der deutsche Konsul Gertz und der Vertreter der Hapag unterzeichnet haben. In Mexiko hat der Vorfall ungeheure Erregung hervorgerufen. In der Tat war die Ladung der beiden deutschen Dampfer sehr bedeutend. Die „Bavaria" hatte 4 Millionen Patronen und 5000 Gewehre, djc „Ypi- ranga" 15 Millionen Patronen, 1000 Gewehre, 40 Geschütze und 100 Maschinengewehre an Bord. Carranza erklärte, daß die Häfen Tampico, Tuxpan und Mantanos für Handelsschiffe offen seien.
Von amtlicher Seite ist über die Angelegenheit noch nichts bekannt gegeben worden. Daß Unstimmigkeiten vorgekommen waren, das war aus den bisherigen Meldungen schon hervorgegangen,- nur konnte man bei der überaus vorsichtigen Berichterstattung nicht erkennen, wie weit diese Unstimmigkeiten gingen. Die von den Vereinigten Staaten eingesetzten Behörden scheinen nun sehr weit gegangen zu sein, denn sonst hätte ein solcher Ernstfall nicht eintretcn können. Wenn ein deutsches Kriegsschiff „klar zum Gefecht" deutsche Hanöclsdampfer aus einem autzerüeutschcn Hafen geleitet, mit offenen Gcschützluken vorbeifährt an den Kriegsschiffen derjenigen Nation, die unfreundliche Handlungen gegen die deutschen Handelsschiffe vorgenommen hat, so ist das eine scharfe Drohung, die nur im a l lerer n st e st c n Falle vorgenomuicn werden kann. Wie gespannt die Lage ist, geht auch aus dem Umstande hervor,, daß die üblichen Abschiedsbegrüßungen von Schiff zu Schiff unterlassen worden sind.
Uebrigens fehlt bei dieser ernsten Geschichte auch nicht der Humor, und zwar ein recht grimmiger Humor. Die Waffen- und Munitionslaönngen, die von den deutschen Handelsdampfern nach Mexiko gebracht wurden, sind nämlich nicht etwa deutschen, sondern — noröamcrika- nischen Ursprungs. Die schlauen Nordamerikaner hatten die kriegerische Fracht aber über Hamburg nach Mexiko dirigiert, wahrscheinlich, um den einheimischen Behörden ein Schnippchen zu schlagen. Vaterlandsliebe ist schön; aber: Geschäft ist Geschäft!
lWeitere Nachrichten im Depeschenteil.)
Kriegsgewäße Aelmngen.
Verbesserung in der Truppenausbildung.
(Bon unserem militärischen Mitarbeiter.)
G Die in diesem Jahre stattsindenden Kaisermanvver werden einen Umfang erhalten, wie er bisher noch niemals erreicht worden ist, da auf jeder Seite eine Armee von drer Armeekorps und einer Kavallerieöivision gebildet werden soll. Die hierfür erforderlichen Mittel sind vom Reichstag anstandslos bewilligt worden. Aber nicht nur bei diesem Manöver, sondern auch bei anderen Uebungen ist es deutlich erkennbar, daß unsere ganze Truppenausbildung mehr als früher auf die Verhältnic des sogenannten „großen Krieges" zugeschnitten wird. Dies kann nur mit Freude begrüßt werden. Man muß sich mit dem Gedanken vertraut machen, daß das selbständige Auftreten kleinerer Truppenabteilungen eine Seltenheit bedeutet. Selbst Divisionen werden nur in Ausnahmefällen eine eigene _ Aufgabe auf abgesondertem Kriegsschauplätze erhalten; in der Regel werden sie in einem größeren Rahmen, also im Korps- und Armeeverbande, auftreten. Diesem Gesichtspunkte mutz auch bei der Ausbildung Rechnung getragen werden. Teilweise ist das schon in den letzten Jahren erfolgt, teilweise ist aber eine weitere Verbesserung notwendig. Dazu gehört in erster Linie eine Ausdehnung der Divisionsübungen.
Die Division ist eine Schlachteneinheit, mit der der höhere Führer rechnet. In diesem Verbände sind auch zum erstenmal alle Waffen vertreten. Der Divisionsführer ist derjenige Führer, der die verschiedenen Waffen einheitlich zum Angriff ansetzen und ihr Zusammenwirken während des Kampfes sicherstellen soll. Nur wenn dies letztere tatsächlich erreicht wird, kann auf einen entscheidenden Erfolg gehofft werden. Bis vor kurzer Zeit wurde aber im Divisionsverbandc nicht geübt, kein Gefecht in diesem Rahmen öurchgeführt. Es ist das große Verdienst des jetzigen Armeeinspektcurs, des Generalobersten v. Bülow, auf die Notwendigkeit solcher Uebungen hingewiefen und sie jetzt bei dem ihm unterstellten 3. Armeekorps eingeführt zu haben. Von hier aus hat sich diese Art der Uebungen in der ganzen Armee verbreitet. Ihre Abhaltung ist aber noch nicht durch unsere Vorschriften befohlen, sondern in das Ermessen der kommandierenden Generale gestellt. Das genügt aber nicht. Sie müssen obligatorisch für aste Korps eingesührt werden. Sie bestehen darin, daß die geschlossene Division unter der Führung ihres Divisionsführers auf drei bis vier Tage vereinigt wird und unter der Leitung des kommandierenden Generals Gefechtsübungen abhält. Hs ist dies etwas anderes als das freie Manöver im Herost,- es handelt sich hierbei lediglich um einfache Kampfhandlungen, in der Regel mit beiderseitig angelehntem Flügel. Solche Aufgaben sind viel schwieriger durchzuführen als das freie Manöver, weil der Führer gezwungen ist, seine Division in einem engbegrenzten Raume zu entwickeln. Er kann sich nicht nach Belieben ausdehnen, kann sich nicht das beste Gelände aussuchen, sondern mutz den Gefechtsplatz so nehmen, wie er ihm überwiesen wird. Er mutz außerdem Rücksicht auf die Nachbartruppen nehmen und sein Verhalten mit jenen in Einklang bringen. Diese Uebungen werden gewöhnlich auf den Truppenübungsplätzen' abgehalten. Bei den jetzigen großen Frontaus- öehnungen und der großen, durch die weittragenden Geschütze bedingten Tiefenstaffelung reichen aber die ältesten Truppenübungsplätze für so große Uebungen schon nicht mehr recht aus; sic werden deshalb allmählich vergrößert werden müssen. Wichtig ist es aber auch, daß diese Uebungen nicht nur auf den Truppenübungsplätzen abgehalten, sondern gelegentlich auch in das Gelände selbst verlegt werden, wo noch mehr Abwechslung möglich ist und wo die Führer aller Grade mit ganz unbekannten Verhältnissen zu rechnen haben, während sich auf den Uebungsplätzen allzu leicht eine bestimmte Lokaltaktik entwickelt.
Aber nicht nur diese gefechtsmäßigen Uebungen, sondern auch die eigentlichen Herbstttbungen müssen weiter ausgcbaut werden. Dazu gehört, daß regelmäßig Uebungen zweier Armeekorps gegen einander unter der Leitung der Armeeinspekteure stattfinden. Bei einzelnen Korps findet dies schon statt, aber auch dies muß obligatorisch bei der ganzen Armee eingesührt werden. Um die dadurch entstehenden Kosten wieder auszugleichen, könnten die Bri- gadeübungcn in Fortfall kommen. Sie haben unter den jetzigen Kampfverhältnissen keine große Bedeutung mehr, führen vielmehr leicht zu falschen Anschauungen. Die früher so viel getriebene „Detachementstaktik" hat jetzt ausgespielt. Die Einzelausbildung des Mannes und der unteren Chargen kann ebenso zweckmäßig auf dem Truppenübungsplatz erfolgen. Will man auf diesen aber nicht nur die reine Gefechtsausbildung, sondern auch den gefechtsmäßigen Schietzdienst, Patrouillendienst, Felöwach- und Marschsicherungsdienst treiben, so mutz auch der Aufenthalt der Truppen dort länger dauern. Um dies zu ermöglichen, ist, wie schon öfters hervorgehoben wurde, die Anlage neuer Truppenübungsplätze erforderlich.
Alsdann wird es auch möglich sein, gefechtsmäßiges Schießen mit scharfen Patronen in größerer Zahl und größerem Umfänge auszuführen. Es muß der An griss in g r o ß e m Rahmen mit scharfer M u n i t i o n geübt werden, die Leute müssen sich mehr als bisher an oa^ Sausen der Kugeln gewöhnen. Manche taktische Frage nnro unter solchen Verhältnissen ein ganz anderes Ausieyen erhalten. Sv hat zum Beispiel der Generaloberst v. Bulow gelegentlich solcher ikebungen fcstgestellt, daß beim Angriff in kriegsstarken Verbünden mit scharfer Munition das Av- stvppen des Feuers sehr lange dauert. Dadurch wird der Feind aufmerksam, wenn das Vorsprüngen unt Zugen und Kompagnien beabsichtigt ist. Er ist deshalb ein .vcind de» gruppenweisen Vorspringens geworden. Derartige Grgeb- nisse zeigen sich aber nur, wenn wirklich mit scharfer Munition geschossen wird. Die höheren Führer müssen Gelegenheit haben, ihre Truppe zu führen und sich auf dem
Uebungsfeld die nötige Routine und Praxis anzue Diese ist für den kommandierenden General und Divi führer ebenso notwendig, wie für den Betaillonskvn deur und Kompagniechef.
Verwickelungen in Abessinie
Vor kurzem trafen einige Meldungen ein, die irgend welchen noch völlig verschleierten Vorgängen i italienischen Interessensphäre am Roten Meer berist Einmal hieß es, die Italiener hätten in ihrem Kol Hafen Massaua Truppen ausgeschifft, ein andermal sie wären über die abessinische Grenze vorgerückt und l einen Teil des Nachbarretches militärisch bereits i Hand. In diesen Nachrichten, die man, so lange kerne liche Bekanntmachung vorlag, nicht gut anders als Gerüchte werten durfte, gesellt sich nunmehr eine ürrt an sich recht belanglos erscheint, im Zusammenhau ihren Vorgängern jedoch wie ein Symptom komm Verwicklungen anmutet. Es soll nämlich Ras Mrv der Vater des Lidsch Jeassu, zum Könrg von W und Tigre gekrönt worden sein.
Man muß sich dabei erinnern, daß dre Landschaft den nördlichsten Teil des abessinischen Reiches bildet ui zwanzig Jahren den Schauplatz der anfänglichen Nischen Erfolge und späteren Niederlagen bildete, zeitlaug war das Gebiet sogar unter italienischen < gestellt, bis Kaiser Mcnelik den vernichtenden <s von Adua gegen Baratiercs Heer führte; von gehörte Tigre wieder . unbestritten zur Herrschaft abessinischen Negus. Wenn nun jetzt die Landschaft v die Augen auf sich zieht, so können wohl tiefere Eir mitspielen. Welcher Art sie sind, läßt sich freilich noch übersehen, aber man wird nicht fchlgehen, wenn mt irgend eine Beziehung zu den Maßnahmen der italicn Regierung glaubt. Wie die Italiener dem Aufstan Ras Mangascha von Tigre gegen Kaiser Menelik im ! 1898 wohl nicht ganz fernstanden, so gut können sie jetzt wieder langsam einen Fuß in das schon längst bei Land vorzuschicben beabsichtigen. — Es wird jedenfalls wendig sein, den Vorgängen in Abessinien und »Eri nicht aus den Augen zu lassen; sic bilden vielleicht e- ein Stück der italienischen Kolonialgeschichte.
Der deutsche Lehrertag in K
Die deutsche Lehrerversammlung, die alle zwei ! von vielen Tausenden von Lehrern aus dem ganzen scheu Sprachgebiet besucht wird, ist am Pfingstmvnt Kiel zusammengctreten, nachdem bereits am P sonntag eine Schulausstellung feierlich eröffnet w war. Die Beteiligung beläuft sich auf zirka 8000 . aus dem ganzen Reich. Im Mittelpunkt der Berat! des diesjährigen Lehrertags stand die Frage der nativ Einheitsschule, für die der Reichstagsabgeordnete stuöienrat Dr. Kerschensteiner-München das Referat nommen hatte. Zum Empfang der Lehrerversamn hatte sich ein Ehrenkomitee gebildet, dem u. a. der Präsident der Provinz Schleswig-Holstein, der Che Marinestation Admiral von Cörper und Großadmira Küster angehörten.
Der Jahresbericht
des Deutschen Lehrervereins, der der Versammlung gelegt wurde, gibt der Freude darüber Ausdruck, dä Deutsche Lehrerverein in 1913 in seiner äußeren En lung einen erfreulichen Fortgang genommen hat. Zunahme der Mitglieder war größer als in allen v gegangenen Jahren. Auch die deutschen Kvloniall haben sich dem Verein angeschlossen.
Die Verhandlungen wurden dadurch cingelcitet. liche dieselben Grundsätze wie für Bücher für Kinder e die Bedeutung und Wertung der Bücher für Ing liche dieselben Grundsätz wie für Bücher für Kinder e müßten. Der einzige Unterschied sei bedingt durch zunehmende Reife. Ueber das Thema fand eine a dehnte Aussprache statt, zu der öix Jngendschriftenauss von Essen, Leipzig und Magdeburg Anträge einge! hatten Weiter standen zur Erörterung die Mittel Wege der Literaturpflege bei Jugendlichen. Der Be erstatter zu diesem Thema, Neubauer-Spandau, be! daß die Bildung literarischer Bedürfnisse und die Bil eines literarischen Geschmacks wesentliche Aufgaben I) wohlverstandenen Jugendpflege sein müssen. Es wr dann Vorschläge gemacht, wie sich die Dürchsührun Ueberwachung und Leitung der Literatur für die s ermöglichen ließe.
Kurze politische Nachrichte
Die neuen Militärattacheposten.
Die Besetzung der vom Reichstag bewilligten Stellen von Militärattaches in Sofia, Athen und Be! steht unmittelbar bevor. Als künftiger Militärattach Sofia wird Major Freiherr v. d. Goltz vom Gr Generalstab bezeichnet. Es ist dies der jüngste Sohn Generalfeldmarschalls Freiherrn Dr. C. v. d. Goltz. E horte fünf Jahre der deutschen Militärmission in A tunen an. Hauptmann v. Falckenhanscn vom Gr Generalstab wird als Militärattach« nach Athen e während der für Belgrad ausersehene Militärattache nicht bekannt ist.
Wieder ein Ankauf der Ansiedlungskomurission.
Die Ansiedkungskommission hat Wr- rund eine Mi Mark von dem Rittergutsbesitzer Walter Freytag r- Rittergut Kopanin nebst Borwerk Starcnschlnek bcr E j au, zusammen etwa 4750 Morgen groß, getauft.
