Nr. 250. Samstag, 30. Mai 1914. Wiesbadener Tagklalt. Abc»d-A«Sgabe, 1. Blatt. _ Seite 3.
Luftschiffwerft gab dann noch einige Erläuterungen über die Weiterentwicklung der Luftschiffahrt mit Hilfe von Luftschiff und Luftfahrzeug.
* Finanzielle Kriegsbereitschaft und Kriegsführung. Über dieses Thema sprach am Dienstagabend in Freiburg i. B, der Präsident des Hansabundes, Geheimrat R i e tz e r. Erfreulich war dys lebhafte Interesse, das die Vertreter der badischen Regierung und der Militärbehörde an dem Vortrag nahmen, der stürmischen Beifall fand. Der Redner führte in vortrefflich populärer Form die Grundgedanken seines Buches aus. Besondere Erwähnung verdient die ebenso berechtigte wie energisch ausgestellte Forderung, daß man zur Minderung der beim Kriegsausbruch eintretenden Panik das Publikum genügend über die geplanten finanziellen Maßnahmen, vor allem genau über die Einrichtung der Kriegsdarlehenskassen aufklären solle, Rießer streifte flüchtig auch die Frage der wirtschaftlichen Kriegsvorbereitung und die Forderung eines ivirtschaftlichen Generalstabes.
* Der Waldcrwerb des Zweckverbandcs Groß-Berlin. Die Verhandlungen zwischen der Staatsregierung und dem Verbände Groß-Berlin über die Festsetzung des Wald-Ankauf- Vertrages wurden gestern vormittag beendet. Es wurden alle Hauptpunkte des Kaufvertrages vertraglich geregelt. Es blieben nur noch einige nebensächliche Fragen formell zu erledigen.
* Der internationale Kongreß für Kalcnderresorm.
Der in Lüttich tagende vorbereitende Ausschuß für den ersten internationalen Kongreß zur Kalenderreform hat gestern, wie die „Frkf. Ztg." erfahrt, folgende Wünsche angenommen: Der neue W e l t e i n h e i t s k a I e n d e r soll ein immerwährender sein. Jedes Jahr besteht aus 364 Tagen (52 Wochen). Die Einteilung in 12 Monate bleibt bestehen. Zwischen jedes Jahr lvird ein nicht- MlenÄer Tag (Nulltag) cingeschoben, im Schaltjahr zwei Nulltage, um so zu erreichen, daß alle Jahre die gleichen Daten auf die gleichen Tage fallen. Der Ausschuß ist der Meinung, daß religiöse Bedenken gegen die Einrichtung dieser nicht rechnenden Nulltage nicht gemacht werden können. Ostern soll auf einen der ersten Sonntags des April festgelegt werden.
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X Der Reichstag vollzählig. Nachdem am 25. Mai das letzte erledigte Reichstagsmandat durch die Stichwahl in Oster- burg-Stendal wieder besetzt war, war der Reichstag, was als große Seltenheit zu bezeichnen ist, vollzählig. Aber schon am nächsten Tage wurde in K o b u r g durch die Mandatsnieder- kegung des nationalliberalen Abgeordneten Dr. Quarck eine neue Ersatzwahl erforderlich. Es ist dies bereits die 36. im Laufe der jetzigen Legislaturperiode.
Zur Entlassung von mehr als 6« Lehramtskandidaten in Baden. Infolge des bekannten Erlasses des badischen Unterrichtsministeriums vom 12. Mai, durch welchen über 60 eben mit Erfolg geprüfte Lehramtpraktikanten plötzlich aus dem Staatsdienst entlassen wurden, ist in der Zweiten badischen Kammer eine von Vertretern aller Parteien Unterzeichnete Interpellation eingereicht worden, die anfragt, was die Regierung zu tun gedenke, um dem dadurch herbeigeführten Notstand abzuhelfen.
Mrche und Vildungswessn.
* Das kirchliche Wahlrecht für Frauen. Die Breslauer Kreissynode trat mit großer Mehrheit für die Verleihung des artiv-n kirchlichen Wahlrechts an selbständige Frauen ein. Auch der Oberprüsidialrat Dr. Schimmelpfennig unterstlitzte den Antrag.
* Die 32. Tagung der Deutschen Evangelischen Konferenz zu Eisenach beginnt am 11. Juni. Die Eröffnungspredigt in der Wartburgkapelle wird Generalsuperintendent Oberhof- prediger D. Möller aus Kassel halten, die Sonntagspredigt in der 'Georgskirche Generalsuperintendent D. Schubert au8 Zerbst. Geleitet wird die Tagung durch den bayerischen Ober- konststorialpräsidenten D. Dr, v. Bezzel.
Die Fnternationalc Bereinigung ernster Bibelforscher a-lt in den Taaen vom 80. Mai bis 2. Jurn d. I. in Zürich eine gröbere TaM'Ns, ab. woran Bertreier aus Deutschland Amerika. Rußland. Frankreich. Schweiz. Osterreich- Unaarn usw. teilnehmcn werden.
Heer und Slotte.
A, p . Oberstleutnant v. WintcrfcldtÄ Befinden. Nach achtmonatigem Krankenlager ist endlich der bei den letzten großen französischen Herbstübungen im Kraftwagen verunglückte Oberstleutnant Dctlof v. Winterseldt ;o weit genesen, daß er erfolgreiche Gehversuche an Krücken hat machen können. Der immer noch sehr ichguungsbedürstige Offizier 'Bringt jetzt täglich mehrere Stunden außer Beit $u. Man hofft, demnächst seine Überführung in bte Heimat bewerkstelligen zu können.
Post und Eisenbahn.
Wochcuendtclcgrammc können vom 1. Juni ab auch aus- gctauscht werden mit D e u t s ch - O st a f r i k a zur Worttaxe von 75 Pf., mit Aden iind der Insel P e r i m zur Worttare von 60 Ns., mit Mauritius, der Insel Rodriguez, den Seychellen. Sansibar, den Cocos-Jnseln sowie den Inseln Ascension und St Helena zur Worttaxe von 70 Pf. Als Mindestgebühr wird die 20facbe Worttaxe erhoben. Die Telegramme werden vom Aufgabe- bis zum Bestimmungsort durchweg telegraphisch befördert'und am Dienstag bestellt.
Gsterreich-Ungarn.
Die SMußsiöung der Delegationen. Budapest, K Ma In der fortgesetzter, Verhandlung des Budgets des LLtigm in der ungarischen S)*oa^Ä t Sektionschcf Graf Wickcnbur g namens des Ministers des Äußern die von der Monarchie wa-yrend der BaSankrist der- felate Politik In der Besprechung der albanischen ftrage erklärte er, weder Italien noch die Monarchie beanspruch en in Albanien irgendeine Monopolist,,che Stellung und ebensowenig sei ein österrc'ch«,ch-'tal,en.,ches Kondominium beabsichtigt. Bei der Besprechung der Wirtschaft l i ch e n Bezichungen zu D e u , ch l a n d »klarre der Redner. Deutschland habe sich ,« allen Wirtschaftlichen Fragen, bei denen politische Fragen in,t,vielten, namentlich be, denen, wo das Bündnismoment eine Rolle chiefte, der Monarchie gegenüber stets als hilfreich erwiesen Den Angrmen gegenüber, daß Deutschland die Monarchie wahrend der Bal- »an-fritTc im Stich gelassen ba'be. stellte der Redner fe;r, daß
Deutschland während der ganzen Krise seinen Bünd» nispflichten in tadelloser Weise entsprochen habe. Das Bündnis mit Deutschland beruhe aus dem beiderseitigen Bedürfnis und habe sich vollauf bewährt, was natürlich für die österreichisch-ungarische Politik kein Hindernis sein könne, eine freundschaftliche Annäherung an die Mächte einer anderen Gruppe zu suchen. Die Delegation nahm darauf das Budget des Ministeriums des Äußern an und brachte ihr Vertrauen zu der Politik des Ministers des Äußern zum Ausdruck. Dann hielten die beiden Delegationen ihre Sch l u ß s i tz u n g ab, die mit einer begeisterten Huldigung für Kaiser Franz Joseph geschlossen wurde.
Schweiz.
Die deutsch-französische Verständigungskonferenz. Base l, 30. Mai. Bis gestern abend waren zur Teilnahme an der Verständigungskonferenz 16 deutsche und 14 französische P ar l am en t aprer eingetrosfen. Sowohl der deutsche Ausschuß als auch der französische traten _ gestern abend zu Besprechungen zusammen. Für heute vormittag ist eine geiucinsame Beratung vorgesehen. Fast sämtliche Teilnehmer sind in dem altberühmten Hotel „Zu den drei Königen" apgeüiegc::.
vorlngal»
Die neue Flottenvorlagc. Das neue portugiesische Flottenprogramm, das infolge der ungünstigen Finanzlage des Landes abgeändert wurde und dessen Einbringung immer wieder verschoben werden mußte, ist nun glücklich dem Parlament zugegangen. Man wird es unter der Devise, daß es besser wäre, überhaupt keine Marine zu besitzen, als sie in dem augenblicklichen Zustande zu lassen, aller Voraussicht nach auch durchbringen. Geplant ist der Bau von drei Großkampfschiffen, die je 21 000 Tonnen fasten sollen, zwei Kreuzern zu je 4006 Tonnen, sechs Zerstörern und drei Unterseebooten. Vor allen Dingen will man auch eine Werft errichten, auf der große Kriegsschiffe gelbaui werden könnnen.
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Die Stellung der TRpvIitaner in Tunis. R o m, 29. Mai. Heute früh ist durch denMinister desAuswärtigen und den französischen Botschafter das Übereinkommen, betreffend die rechtliche Stellung der Tripoliianer in Tunis und der Tunesier in Libyen unterzeichnet worden.
Eiinkei
Talaat-Bei zurückgekehrt. Ko nstantinope l 29. Mai. Der Minister des Innern Talaat-Bei ist heute abend aus Bukarest hierher zurückgckehrt.
Oberst v. Strcmpel zum Obergouverneur der Prinzen ernannt. K o n st antinopel, 30. Mai. Der bisherige Generalstckbschef der deutschen Militärmission Oberst von Strcmpel ist zum Obergouverneur der türkischen Prinzen er. ncmni worden, die sich zu ihrer militärischen Ausbildung nach Deutschland begeben. Gestern ist Strempel vom Sultan in Privataudienz empfangen worden.
Nordafrika.
26 Millionen für einen weiteren Nilstitudamm. Kairo, 30. Mai. Die Regierung beschloß, einen Nilstaudamm südlich von Khartum für 2V Millionen Mark zu errichten..
KMMlien«
Neuseelands Flottenpläne. Melbourne, 29. Mai. Der Premierminister von Neuseeland, Massey, betonte gestern in einer Rede in Jnvercargill, das englisch- japanische Bündnis bilde leine genügende Sicherheit für Neuseeland. Neuseeland beabsichtigte nicht, eine Spielzeugflotts zu Hauen; seine Idee sei vielmehr, daß Kanada, Australien, Südafrika und Neuseeland gemeinsam intt England eine große Schlachtschiffflatte für den Stillen Ozean, den künftigen Kampfplatz zwischen den großen Nationen, aufzustellen hätten. Er begrüße in dieser Beziehung die 1915 in London stattfindende Konferenz von Vertretern der autonomen überseeischen Besitzungen Großbritanniens.
Kus Stadt und Land.
Wiesbadener Nachrichten.
vom Groß-Wiesbaden der Zukunft.
Es ist zwar durchaus nicht notwendig, daß Jebe jBtabt groß und großer wird, wenn aber eine Stadt in verhältnismäßig kurzer Zeit zur Großstadt geworden ist, und dann eine anhaltende Neigung zum Rückgang der BevWerun-gsziffer zeigt, so ist das eine äußerst bedenkliche Erscheinung. Wir haben dieser Tage in dem Bericht des „Haus- und Grund- besttzervereins" gelesen, wie sehr der Hausbesitz bereits die anhaltende Abwanderung der Urbeiterbevölkerung empfindet. Zahlreiche kleine Geschäftsleute und Ladenbesitzer empfinden sie nicht weniger stark, und wer Gelegenheit hat, tiefer in die Verhältnisse des Arbeiter- und Mittelstandes hineinzublicken, der weiß, daß eS sehr vielen Familien nur unter äußerster Anstrengung gerade noch gelingt, sich über Wasser zu halten.
Der Hausbesitz stellt die auch von uns wiederholt vertretenen Fordern»,«,,: Erschließung billigen Baugeländes, um dadurch mittlere und kleine Rentner zur Ansiedlung in Wiesbaden zu bewegen, und die Heranziehung von Industrie. Mit den beiden Forderungen beschäftigt sich auch der Magistrat bereits seit längerer Zeit. Es sind schwierige Probleme, die er sich gestellt hat, und selbst im günstigsten Fall wird bis zu ihrer Verwirklichung noch ziemlich viel Wasser den Rhein hinunterfließen. Wir wissen, welche Umstände und Mühe es bereits machte, bis nur das von dem Wiesbadener Beigeordneten Regierungs- und Baurat Petri in Gemeinschaft mit dem Eisenbahnbau- und Betriebsinspektor a. D. Mühlen ausgearbeitete Projekt einer Wiesbadener R h e i n u f e r b a h n bis auf die Teilstrecke Wiesbaden- Schiersteiu einigermaßen aussichtsreich — zurückgeführt worden ist. Und doch bildet diese künftige normalspurige elektrische Kleinbahn eine verhältnismäßig einfache Sache; die Schwierigkeit ihrer Verwirklichung reicht jedenfalls lange nicht an den Berg von Schwierigkeiten heran, der überwunden werden muß, bevor aus Wiesbaden ein Groß-Wiesbaden mit den von Eingemeindungen und Judustrieniederlassungen erwarteten Vorteilen geworden sein wird.
Es ist nur natürlich, daß sich auch private Projekt- m a ch e r mit der Erweiterung und ivirtschaftlichen Hebung Wiesbadens beschäftigen. Das tut zurzeit namentlich der Oberingenieur W. Fischer, der sich in einer Broschürenreche „Vom Groß-Wicsbadcn der Zukunft" ausführlich mit der Frage beschäftigt: „Wie die bahn- und industriebedurfuge
Binnengroßstadt Wiesbaden auch als Weltbad durch einen Zweckvcrband mit Biebrich und Schierstein im. Mittelpunkt
Handels- und Verkehrs werden wird." Die erste der in dev „Zentralstelle zur Verbreitung guter Literatur" in Wiesbaden erscheinenden Broschüren liegt jetzt vor; sie trägt den Untertitel: „In und um Wiesbaden, Biebrich und Schierst e i u" und ist den Magistraten und Stadtverordneten in Wiesbaden und Biebrich zugeeignet.
Zunächst führt der Verfasser kurz die Ursachen der wenig rosigen Wiesbadener Wirtschaftsverhältnisse an. Dabei meint er u. a., während der größten Blüte der Wiesbadener Bautätigkeit sei das Nachlassen des Lagdverkehrs nicht bemerkt worden. Hier scheint er sich in einem Irrtum zu befinden. Tatsächlich liegen die Dinge so, daß der Verkehr aus den umliegenden Ortschaften nach Wiesbaden in den letzten Jahrzehnten nicht ab-, sondern zugenommen hat. Das wird ihm jeder Wiesbadener Kaufmann, der mit Landkundschaft zu tun hat, gewiß bestätigen. Es kann nicht ohne Herbei- ziehung von Industrie, vor allem aber auch nicht ohne Vermehrung der verkehrshebenden Schienenwege weiter- gehen, meint er, und er greift zunächst nach dem Projekt P e tr i - M üh l e n, das als Ausgangspunkt der Kleinbahn den Faulbrunnen platz vorsieht, von wo aus sie durch die Schwalbacher- und Oranienstraße weitergeleitet werden solll Fischer hält den Faulbrunnenplatz für zu klein, um als Haujch- haltestelle in Betracht zu kommen, den nahen Boseplatz hält er dagegen für ausgezeichnet geeignet, von wo ans er die Bahn einspurig cm der höheren Mädchenschule an der Dotz- heimer Straße vorbei durch die Karlstraße und Über die Luxemburgstraße weitergeführt haben will. Nach der Kreuzung des Kaiscr-Friedrich-Nings mündet sie zweispurig in die Wielandstraße ein. Vor allem kommt es ihm darauf an, d«S wertvolle, bei Schierstein liegende Villenbaugelände zu schonen; deshalb führt er die Bahn auch ihrem Endziel aus anderem Wege entgegen wie Petri-Mühlen. Das von Fischer entworfene Projekt ist bemerkenswert; ein Urteil über seinen Wert und seine Ausführbarkeit können wir natürlich nicht fällen. Das wird Sache der Techniker sein. Der Bearbeiter selbst meint, durch den Bau der von ihm erdachten Bahnlinie würde die idealste Bequemlichkeit, Erleichterung und Ver- einfackiung für die Besucher des Rheinstrandbads und des Vororts Schierstein überhaupt sein.
Weiter enthält das vieliegende, mit einer Karte ausge- stattete und Beachtung verdienende Schriftchen das Projekt einer G r o tz st a d t v e r k e h r s st r a ß e, „die aus der Waldstraße in Biebrich, an der Westseite der zukünftigen Unteroffizier-Vorschule vorbei, in die Apfelallee und von dieser in die Rheingausiraße führen soll," Ob die Straße wirklich so nötig ist, wie der Verfasser meint, mag dahingestellt sein; er will sie entweder durch den Schlotzpark oder, „falls die Aufteilung der Mittelpartie des Schloßparks für eine Landhaus- kolonie in malerischer Streuung niedrig zu haltender Wohnhäuschen nicht erwünscht sein sollte", über den Park auf 6 bis 8 Meter hohen Pfeilern führen. Das eine wie das andere wird jedenfalls gute Weile haben; der Gedanke, eine Fahrbahn für den Großstadtverkehr über den Schlotzpark zu führen, wird schwerlich irgendwo Zustimmung finden.
Noch eine ganze Reihe von Vorschlägen wird in dem Heft gemacht, auf die näher einzugehen sich erübrigt, weil sie zum größten Teil doch gar zu sehr Zukunftsmusik sind. Unter den Vorschlägen befindet sich z. B. der, den Schiersteiner Hafen anzukaufen und ihn von einer Gesamtwasserfläche von 8000 Ar auf eine solche von 3600 Ar durch Abgrabungen aus- zudehnen. Nehmen wir an, alles, was da vorgeschlagen wird, wäre ausführbar, so bleibt immer noch die Kardinalfrage: Was kostet'S? Eine Frage, auf die der Verfasser leider keine Antwort gibt, -xt-
— WettcrauSsichtcn für Pfingsten. Während in fast gang Deutschland die starken Niederschläge anhielten, war es in unserer Gegend vom Donnerstag an meist trocken. Die nördliche Luftströmung blieb jedoch bestehen und die Temperaturen lagen bis gestern immer noch 6 bis 7 Grad unter der normalen. Die heutige Druckvcrteilung zeigt zwar keine wesentliche Änderung, doch ist eine nicht unbedeutende Verflachung sowohl des östlichen Tiefdruckgebiets als auch des westlichen Hochs eingetreten. Wir haben an den Feiertagen wärmeres, schwüles und mit Ausnahme kräftiger Gewitterregen auch vor- ioiegend trockenes Wetter zu erwarten. 8.
— Der „Verein für Krüppelfitrsorge Frankfurt o. M.- Wiesbaden" hielt hier gestern seine Jahresversammlung unter Vorsitz des Dr. H,a l l g a r t e n (Frankfurt a. M.) ab. Der Vorsitzende erstattete zunächst den Jahresbericht und teilte mit, daß die große neue Heil- und Erziehungsanstalt in Frankfurt a. M., die auf einem Grundstück der Stadt Frankfurt a. M. an der Niederräder Schleuse in Erbpacht errichtet worden ist, Ende dieses Jahres ihrer Vollendung entgegengeht. Nicht möglich sei es gewesen, den Bau so zu fördern, daß seine Eröffnung mit der der Universität im Oktober d. I. zusammen stattfinden kann. Daß der Bau durch bedrohliche Wasser- Verhältnisse in Mitleidenschaft gezogen würde, wie eine Frankfurter Tageszeitung kürzlich berichtet hat, ist vollständig unzutreffend. Zum Leiter der Anstalt, die den Namen „Friedrichsheim" erhalten hat, ist der bekannte Orthopäde Professor Dr. L u d l o f f (Breslau) berufen. Für den im Januar d. I. nach Charlottenburg berufenen Landesrat Augustin (Wiesbaden) wurde als Schatzmeister der Kaufmann Ludwig Gerngroß (Frankfurt) gewählt. Dr. G u r a d z e von hier gab sodann den ärztlichen Bericht. Darnach waren im abgelaufenen Jahre in dem Kinderheim Wiesbaden 104 Kinder in Behandlung, und zwar 42 aus dem Kreis Wiesbaden-Stadt, 45 aus den übrigen Kreisen des Bezirks, die restlichen 17 aus den Provinzen Rheinhessen und Rheinpreußen. 82 Kinder wurden als geheilt entlassen. — Nach dein vom Kaufmann Gerngros; erstatteten Rechnungsbericht schließt der Hauptfonds Ende 1913 in Einnahmen und Ausgaben mit 910511 M. 17 Pf. ab. Ein Antrag Gerngroß', die Bilanz wegen der ausgedehnten Buchführung nicht allein durch zwei ehrenamtliche Revisoren, sondern auch durch eine berufliche Revisionsgesell- schaft prüfen zu lassen, wurde angenommen und die Verwaltungsgesellschaft Frankfurt mit der Revision betraut. Als Revisoren wurden bestclltt Rentner Blust (Wiesbaden), StM- verordneter Hene (Frankfurt), als deren Stellvertreter: Alfred Dyckerhoft (Biebrich) und Stadtverordneter Trauner (Frankfurt a. M.). Die aus dem Verwaltungsausschuß ausscheidenden Mitglieder: Frau Wilhelm Bonn (Frankfurt a. M.), Frau Alfred Dyckerhoft (Biebrich), Landrat Duderstadt (Diez), Professor DrKobclt (Schwanheim), Justizrat v. Eck (Wiesbaden), Dr. Glerlich (Wiesbaden), V-erwaltungsgerichtsdirektor Linz (Wiesbaden) wurden wieder-, Landrichter Roger (Frankfurt a. M.) und OberregierungSrat Springorum (Wiesbaden) neu- gewahlt. Da die stellvertretende Vorsitzende Frau Geheimrat Professor Dr. Krehl (Heidelberg), sowie ihr Gatte, Geheimrat Professor Dr. v. Krehl, ihre Ämter in Vorstand bczw. Verwal» tungsausschuß niedergelegt haben, ernannte die Versammlung einstimmig Frau Krehl zur Ehrenvorsitzenden des Vereins -1
