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Abend-Ausgabe, 1. Blatt.

Wiesbadener Taglüatr.

und zwar völlig ohne unsere Schuld entstandene Span nung verschärfen oder mildern will. Es steht außer Frage, daß die Offiziersflieger nicht absichtlich die Grenze uberflogen haben, also müßten die russischen Behörden ihnen und somit auch unserer Regierung gegenüber durch taktvolles Verhalten, was gleich­bedeutend mit sofortiger Freilassung ist, den Beweis erbringen, daß sie das in sie gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen wünschen. _ Nach den Erfahrungen mit Perm kann man freilich auch auf einen anderen Ver­lauf gefaßt sein, aber man mutz es nicht. Selbst der leidenschaftliche Haß, mit dem uns die Russen jetzt be- ehren, findet doch wohl seine Grenze an der ruhigen Erwägung, daß es nicht geraten sein kann, zu den mancherlei Herausforderungen aus der letzten Zeit noch eine von besonders gefährlicher Beschaffenheit hinzuzu­fügen.

Wie leidenschaftlich aber dieser Haß ist, davon gibt uns eine grundsätzliche und sehr wichtige Auslassung eines namhaften russischen Historikers in denPreu­ßischen Jahrbüchern" eine ebenso bedauerliche wie wert­volle Kunde. Professor Delbrück hat den guten Einfall gehabt, den Moskauer Professor v. Mitrofanoff, der Deutschland sehr gut kennt, einen Teil seiner Aus- bildung an der Berliner Universität genossen hat und ein Schüler Delbrücks war, nach den Gründen für die Verschärfung des deutsch-russischen Gegensatzes und nach der Stimmung im russischen Volke zu fragen. Die interessante Antwort, die der ersuchte russische Histori- ker gab und die Delbrück im Juniheft derPreußi­schen Jahrbücher" veröffentlicht, hat darum erheb­liche Bedeutung, weil der Verfasser dem Herausgeber der genannten Zeitschrift als Schüler und Kollege auf­richtig zugetan ist. Er nennt ihnHochverehrter Meister", und er nennt sich selber seinendankbaren Schüler". Was dieser Herr nun aber an Haß, Wut, höhnischer Geringschätzung gegen uns Deut­sche, gegen unsere Politik und gegen unsere Kultur­arbeit zusammenhäuft, das übersteigt in seinerMaßlosig- keit jede Befürchtung. Man erschrickt, wenn man diese Verirrungen eines mißleiteten Nationalgefühls betrachtet, und dabei muß man sich immer noch gegen­wärtig halten, daß der Verfasser, dem deutsches Wesen Loch nicht fremd ist, wirklich glaubt, ganz objektiv zu sein. Wir werden in dem Aufsatz nicht bloß für jedes bisherige russische Mißgeschick verantwortlich gemacht, wir werden aufgefordert, uns gefälligst aus Kleinasien zurückzuziehen, wohl gar das Bagdadbahn­unternehmen aufzugeben und schließlich in die Vernich­tung des Donaureichs stumm zu willigen. Wenn nicht, werden wir als Feind e entsprechend behandelt wer­den. So also sieht es selbst in den Köpfen gemäßigter, westeuropäisch gebildeter Russen aus! Es verlohnt sich nicht, diesen Knäuel von Wut und Unsinn auflösen zu wollen, Professor Delbrück aber hat recht, wenn er er­klärt, falls Rußland seine Mission in der Beherrschung von Europa und Asien sehe, sehen wir es als die deutsche Mission an, Europa und Asien vor die­ser Herrschaft des Moskowitertums zu bewahren.

Oer stufftand in KlLanien.

Dir Bemühungen der internationalen Kontrollkommission.

W. C. B. Durazzo, 28. Mai. Die Kon trollkommifsion erhielt gestern bei ihrer Anwesenheit in K a w a j a seitens der Wortführer der Aufständischen und der an der Bewegung teil­nehmenden Bevölkerung die Versicherung, daß sie sich von den Aufklärungen und Zusagen der Kontrollkommission Persönlich befriedigt fühlten, daß sie aber vor der endgültigen Abrüstung noch einen Meinungsaustausch mit den Vertretern der übrigen an der Bewegung beteiligten Land­schaften pflegen möchten. Die Erklärungen der Kontrollkom­mission hat heute auch in Tirana, wohin sie sich begeben hat, beruhigend gewirkt und dürften ihren Eindruck sicherlich nicht verfehlen. Hervorzuheben ist, daß die religiösen Chefs von Tirana, nämlich der Mufti und der Ulema, gemeinsam mit der Kontrollkommission sich bemühten, die Vertreter der unzufriedenen Landschaften von der Unzulässigkeit einiger ihrer Forderungen zu überzeugen. Indessen konnte bemerkt werden, daß ein ziemlich starker religiöser Fana­tismus geweckt und auch dort unter den Unzufriedenen die Forderung nach Ernennung eines mohammeda­nischen Fürsten laut geworden ist. Wie in Kawasa er­klärten in Tirana die Führer, daß vorerst den Delegierten aller in Betracht kommenden Landschaften Gelegenheit zur Aussprache zu geben sei, die in einer Versammlung der nächsten Woche erfolgen soll. Daran bätte auch die Kontroll­kommission teilzunehmen.

Freitag, 29. Mai 1914.

Nr. 248.

Keine Verschlechterung der Lage.

Köln, 28. Mai. DieKöln. Ztg." meldet aus Berlin: Eine neue Verschlechterung der Lage in Durazzo ist nicht eingetreten, im Gegenteil, für die Stellung des Fürsten ist es eher als ein günstiges Anzeichen zu betrachten, daß die Auf­ständischen ersichtlich untereinander gespalten sind, daß sie der einheitlichen Führung entbehren und daß die Bewegung auch kein klares Ziel hat. Es liegt auf der Hand, daß eine in ihren Zielen und Absichten einheitliche Aufstandsbewegung unter einheitlicher Führung außerordentlich viel bedenklicher wäre. Die Sicherheit des Fürsten in Durazzo wird, abgesehen von der Gendarmerie, vorläufig durch eine von österreichisch­ungarischen und italienischen Matrosen gebildete Schutzwache gewährleistet. Die Verhandlungen über eine Besetzung Durazzos durch europäische Truppen sind noch nicht zu Ende, haben aber bisher zu einem Ergebnis nicht geführt.

Wenn sich dre Lage in Albanien auch etwas gebessert zu haben^ scheint, so sind doch Überraschungen nach wie vor nicht ausgeschlossen. Die wichtigsten Ereignisse spielten und werden

sicherlich auch ferner in der nächsten Umgebung der Hauptstadt des Landes, Durazzo, spielen, und so dünste unser heutiges Kärtchen willkommen sein.

Die Gefahr eines Religionskrieges.

.* Triest, 29. Mai. Aus Durazzo wird gemeldet: Bei

Alessto stehen 3000 Mann Hilfstruppen von Malissoren und Miriditen unter dem Befehl Nid Nodas, die nach Durazzo ziehen wollen, wogegen der italienische Gesandte Einspruch erhebt, da dieser Zug zum Religionskriege mit den musel manischen Insurgenten führen müßte.

Die Jungtürken als Unruhestifter.

* 23iest, 29. Mai. DieWiener Allgemeine Zeitung" be­achtet offiziös, daß allen in den europäischen Zentralen ein­getroffenen Nachrichten zufolge es keinem Zweifel mebr unterliegen kann, daß die Urheber der jüngsten Ereignisse in Albanien im j u n g t ü r k i s ch e n Lager zu suchen sind. Was sich in Durazzo abgespielt hat, ist nichts anderes als eine Wie­derholung des Putschversuchs, den seinerzeit Nekir-Bei in Valona unternommen hat.

Übersiedelung Essad-Paschas nach Konstantinopel?

Wien, 28. Mai. Nach einer Meldung aus Saloniki ver­lautet, daß Essäd-Pascha sich in der nächsten Zeit nach Kon- ftantinopel begeben werde.

Kerne Entsendung deutscher Schiffe nach Durazzo.

* Berlin, 29. Mai. Im Gegensatz zu anders lautenden Meldungen ist, wie dasB. T." erfährt, von der Entsendung deutscher Schiffe nach Durazzo vorerst keine Rede. Der KreuzerBreslau" hat von Korfu aus zunächst -das Ägäische Meer ausgesucht, und der PanzerkreuzerGoSben" ist von Dedeagatsch nach der kleinasiatischen Küste beordert worden.

Die Meinung Rußlands.

* Petersburg, 29. Mai. In hiesigen gut informierten Kreisen erklärt man es für ausgeschlossen, daß die Mächte der T r i p e l e n t e n t e in irgendeiner Weise aktiv in die albanischen Wirren eingreifen werden. Man erklärt, daß Frankreich, England und Rußland übereingekommen sinly in keiner Weise zu intervenieren.

der Exekutivgewalt von Huerta auf einen provisorischen Prä­sidenten, der für alle Parteien annehmbar ist und der von vier Mitgliedern des Kabinetts unterstützt werden soll. Diese fünf Männer teilen sich in die Verantwortlichkeit für die Neu­wahl des Präsidenten, des Vizepräsidenten und der Mit­glieder des Kongresses. Die Zusammensetzung der neuen provisorischen Regierung hat bereits die Zustimmung des Präsidenten Wilson gefunden. Es ist selbstverständlich, daß die neue Regierung sofort die Anerkennung der Ver­einigten Staaten erhalten wird und daß dann auch die ameri­kanischen Truppen alsbald zurückgezogen werden.

Die Behandlung der Ausländer, wb. Washington, 28. Mai. General Carranza tele­graphierte an den englischen Botschafter Springrice, daß die Ausländer in Mexiko nicht ungerecht behandelt und mit unbilligen Abgaben belastet würden. Die Botschaft gilt als Antwort auf die Forderungen, die besonders bezüglich der Ö l f e l d e r von Tampico gestellt wurden und wird als be­friedigend angesehen.

Die Wirren in Mexiko.

Weiterer günstiger Verlauf der Konferenz von Niagara-FallS.

wb. Niagara-FallS, 28. Mai. Hier wird angenommen, daß sich die Vermittlungskonferenz einem Stadium nähert, das dazu berechtigt, gemeinsame Sitzungen abzuhalten, in denen ein Protokoll aufgesetzt und unterzeichnet werden könnte. Es verlautet, es seien gewisse grundlegende Vor­schläge angenommen worden einschließlich der Übertragung

Deutsches Reich.

* Hof- und Personal-Nachrichten. Wer das Befinden des Großherzogs von Mecklenburg-Strelitz wird folgendes offizielle Bulletin aussegeben: Das Befinden des Großherzogs ist weiterhin verhältnismäßig gut. An einer Stelle der linken Wade ist eine Vereiterung des Thrombus in den Kram-pfadern eingetreten. Der Eiter wurde durch einen Einschnitt entleert. Temperatur und Puls sind normal

Der preußische Handelsminister Dr. Shdow ist mit Ur­laub abgereist.

Der nationalliberale ReichstagSobgeordnete Dr. Semler der fett längerer Zeit erkrankt ist. hat eine Operation gut überstanden.

* Keine Erkrankung des Kaisers. Wie in der gestrigen Abcnd-AuSgabe berichtet, ist auf Befehl des Kaisers die ftir gestern angesetzte Frühjahrsparade über die Potsdamer Garnison wegen ungünstigen Wetters abgesagt worden. Im Anschluß hieran wurde von einigen Blättern das Gerücht ver­breitet, daß die Absage auf eine starke Erkältung des Kaisers zurückzuführen sei. Eine Bestätigung dieser Meldung ist nicht zu erhalten. An unterrichteter Stelle wird vielmehr Wert auf die Feststellung gelegt, daß die Absage lediglich deshalb erfolgt sei, weil der Potsdamer Lust­garten durch die andauernden Regenfälle für das militärische Schauspiel ungeeignet sei. Auch die für heute angesetzte Ber-

- liner Frühjahrsparade ist abgesagt worden.

* Die Welfen an den Braunschwciger Herzog. Die Lcm- desversammlung der deutsch-hannoverschen Partei hat, wie noch bekannt wird, an den Herzog von Braunschweig folgendes Telegramm gerichtet:Eurer Königlichen Hoheit senden aus der alten hannoverschen Festungsstadt die zur 20. Landesver­sammlung der deutsch-hannoverschen Partei vereinigten ge­treuen Männer und Frauen aus allen Gauen Hannovers in steter Treue, wie Liebe, Recht und Pflicht sie gebeut, unter­tänigste Huldigungsgrüße, Segen und Heil dem angestammten Welfenhause. I. A.: Schele-Schelenburg."

* Zum Rücktritt des Generalsekretärs der Welfenpartei. Fohr. v. Wangenheim-Sonneborn, der General­sekretär der Welfenpartei, hat erst auf dem Kommers, der im Anschluß an die welfische Landesversammlung stattsand, den Grund seines Rücktritts angegeben. Dieser besteht laut derDeutschen Volksztg." in umfangreichen privaten Arbeiten, die seine Kraft zu sehr in Anspruch nähmen.

* Kardinal Kopp und die Gewerkschaften. In der am 80. Mai erscheinenden neuesten Nummer derAllgemeinen Rundschau" macht Dr. Baumgarten (Rom) die Aufsehen erregende Mitteilung, daß Kardinal Kopp vier Stunden vor seinem Tode an den Erzbischof von Köln, Dr. v. §int = mann, einen Brief diktiert habe, der eine hochbedeutsame, umfassende Zurücknahme früher geäußerter Ansichten in der Gewerkschaftsfrage enthielt.

* Die 8V0-Jahrfeier der Burg Wittelsbach. Gestern fand, wie au§ Aich ach berichtet wird, in Gegenwart des Königs­paares die 800-Jahrfeier der Burg Wittelsbach statt. Die Feier begann mit einem Festgottesdienst, der durch den Bischof von Augsburg abgehalten wurde. Darauf hielt König Ludwig auf dein weiten, von einem zahlreichen Publikum umsäumteu Burgplatz eine Ansprache, in der er betonte, wenn auch die Burg die Zeit nicht überdauert habe, so doch das Ge­schlecht, das aus ihr hervorgcgangen sei. Der König fuhr fort:Das Haus Wittelsbach herrscht seit mehr als 700 Jahren in Bayern und der Pfalz. Dies ist erklärlich, weil die Wittelsbacher Bayern entstammen. Seit undenklichen Zeiten standen die Wittelsbacher Herrscher und das Volk zu­sammen." Der König erinnerte sodann an das Wort König Ludwigs II.:Ich fühle mich eins mit dem Volk." Er gehe weiter und sage:Das bayerische Volk fühlt sich eins mit dem König." Wie es viele Jahrhunderte war, so soll es viele Jahrhunderte bleiben. Das walte Gott! Der König Ver­

den: all diese Wunder pianistischer Kunst konnten sich in den so eleganten und brillanten wie geholt- und gemütreichen Chopin-Kompositionen, die das Programm schmückten, mit vollkommener Freiheit und Überlegenheit offenbaren. Von besonderem Interesse war die selten gehörteB-Moll-Sonate" mit demTrauermarsch", welch letzteren Herr Koczalski jetzt in einer noch mehr poesievollen Auffassung als ehedem wieder-. gab; sehr schön gelang darnach dasFinale" dieser seltsam erschauernde, wie über Gräber dahinwehende nächtliche Geisterzug! Die dreiEfiidcn" waren wieder staunenswerte Prunkstücke der Virtuosität: namentlich die enorm schwierige Terzen-Etüde", die man nicht so bald wieder in solcher Voll­endung hören wird. Das wohlbekannteEs-Dur-Nocturne" zeigte einige Varianten in der Verzierung: sie sollen durch

Barbaren . . .", ein neuer, bisher unveröffentlichter Roman von Olga Wohlbrück, erscheint in diesen Tagen im Verlage von Gustav Großkopf (Berlin). Das Werk dürfte besonderes Interesse erwecken, da die Verfasserin eingehende, persönliche Studien in Rußland, aus sibirischen Gold­wäschereien zu einem eigenartigen, großen Kulturgemälde verwoben hat.

Das von Professor van de Velde (Weimar) erbaute Werlbund-Theater in Köln wird bereits am 6. Juni seine Festspiele eröffnen, und zwar durch da? Berliner Lessing-Theater unter Leitung von Viktor Barnowsky mit GoethesFaust", 1. Teil. Den Faust wird Friedrich Kayßler, Gleichen Lina Lossen geben. Am 7. und 8. Juni werden Wiederholungen gegeben. Auf dem weiteren Spielplan des

Karl Mikuli, den Schüler Chopins und Lehrer KoczalSkis, Lessing-Theaters stehen: WedekindSimson", Strindberg

sanktioniert sein und sind von noch glänzenderer Faktur, die Original-Ausgabe vorsieht: man darf sie sich gefallen

lassen, wenn sie mit solcher Delikatesse behandelt werden wie von Raoul Koczalski. Ter treffliche Künstler schloß sein gestriges Programm, das außerdem noch Mazurkas, Walzer, Impromptu usw. in reizvoller Gestaltung darbot, mit der voll zündender Verve gespielten großen As-Dur-Polonaise, die im Publikum wieder tosende Beifallsstürme entfachte!

-n.

Kleine Cheonik.

Theater und Literatur. Karl Hans Strobl, der be­kannte, cru§ Österreich stammende Schriftsteller, hat es unter­nommen, eine B ' s m a r ck - R 0 m a n t r i l 0 g i e zu schrei­ben, deren erster Band Bismarcks Jugend und erstes Mannes- aiter bis zum ^ohre 1848 umfassen wird. Das Werk soll im in einer Zeitschrift zu erscheinen beginnen.

Nach Damaskus", GoetheIphigenie auf Tauris", Georg Büchner^Wozzek" undLeonce und Lena" sowie Molnar Liliom". Außerdem wird dasMarionetten-Theater Mün­chener Künstler" ein Gastspiel absolvieren.

Um die Gebeine Victor Hugos ist, wie demB. T." auS Paris telegraphiert wird, ein recht merkwürdiger Streit ausgcbrochen. Der Dichter hatte in seinem Testa­ment den Wunsch geäußert, auf dem Pöre Lachaise beerdigt zu werden. Trotzdem erhielt er eine Beerdigung auf Staats­kosten, und sein Sarg wurde in den Grüften des Pantheons ausgestellt in einem völlig unzugänglichen und dunklen Winkel, und die Grabstätte ist durch kein Denkmal ausgezeich­net. Vor vierzehn Jahren erhielt Rodin den Auftrag, ein Denkmal für Victor Hugo auszuarbeiten. Der Künstler nahm den E Auftrag mit Freuden an, erhob gleichfalls mit Freuden zweimal Vorschuß aus das Honorar und hat seitdem nichts

mehr von sich hören lassen. Als man ihn fragte, antwortete Rodin, daß er auf eine Inspiration für das Kunstwerk warten müsse. Jetzt hat die Familie Victor Hugos erklärt, daß sie nicht länger auf die Inspiration des Meisters Rodin warten wolle. Sie verlangt, daß man ihr die Gebeine Victor Hugos ausliefere, die dann wirklich aus dem PZre Lachaise beigesetzl werden würden.

Bildende Kunst und Musik. Die Beteiligung der deut­schen Kunst an der Weltausstellung in San Fran­cisco fit nunmehr gesichert. Der Vorstand der Gesellschaft für deutsche Kunst im Ausland hat Mittwoch einstimmig die Beteiligung beschlossen, nachdem eine Anzahl Spender die er­forderlichen Mittel zum größten Teil zur Verfügung ge­stellt hat.

Aus Amsterdam wird uns über den glänzenden Er­folg berichtet, welchen die in der vorigen Woche veran­stalteten Festkonzertezu Ehren der Zweijcchrhundert- feier Glucks" hatten. Es gelangten in derKonzerthalle" Bruchstücke aus dramatischen Werken von Gluck, Mozart, Beethoven, Weber, Wagner, Verdi und einigen modernen Komponisten zur Aufführung. Der auch in Wiesbaden wohl­bekannte Tonkünftler Frank van der Stucken fungierte als Fsfldirigent und wurde lebhaft gefeiert. Das Orchester bestand aus 100 Musikern; im Chor wirkten 375 Sänger; unter den Solisten wurden besonders die Sopranisfin Franres Rose (aus Berlin) und der Tenorist Heinrich Hensel («US Hambura) enthusiastisch begrüßt.

Wissenschaft und Technik. Der Erfinder der Glüh­lampe, Sir Joseph Wilson Sw an, der schon vor Edison eine Glühlampe konstruiert hatte, ist im Alter von 87 Jahren in London gestorben.

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