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Nr« L46. Donnerstag, 28. Mai 1914.

«nzulangen. Der Papst fuhr dann wörtlich fort: Ich bedarf Eurer Mitarbeit sowohl in den Diözösen als in der Kurie und den Kongregationen, denn die Kraft und die Würde, wo» Fu Ihr erhaben worden seid, soll zuvörderst unter den Ver­teidigern der Wahrheit stehen. Predigt aller Welt, besonders den Gläubigen, daß nichts dem Herrn und daher seinem Statt­halter so mißfällt, wie der Zwiespalt in der Lehre; denn Satanas kann alles dabei gewinnen und zieht seinen Nutzen daraus. Trefft Vorsorge, daß die Priester nicht in zu lebhaftem Verkehr mit Leuten stehen, deren Glauhenstreue verdächtig ist. Verhindert die Lektüre nicht nur der ganz schlechten Zeitung« n, sondern auch derjenigen, welche nicht die volle Billigung der Kirche haben. Höret nicht auf, zu wiederholen, daß der Papst die katholischen Vereine liebt und anerkennt, die auch das materielle Wohl in den Augen haben, daß er aber immer betont, daß die moralischen und religiösen Güter dabei den Vorrang haben, und daß das berechtigte und lobenswerte Bestreben, das Los der Arbeiter und Mitbürger zu verbessern, immer mit der Liebe zur Gerechtigkeit und dem Gebrauch gesetzlicher Mittel Hand in Hand gehen muffen, um die Harmonie und den Frie­den unter den verschiedenen sozialen Klassen aufrechtzuerhail- ten. Er sagte ferner, daß die g e m i s ch t e n Vereine und Verbindungen mit Nichtkatholiken zwecks Besserung des materiellen Loses unter gewissen determinierten Bedingungen gestattet seien, aber der Papst bevorzugt die Vereinigungen, die sich um die Fahne drehen, die ruhmreicher ist als alle anderen, nämlich die Fahne der Kirche. Das ist das Feld, auf dem Ihr Euren Eifer betätigen sollt. Bittet Gott, der alle, die an ihn glauben, aufnimmt, uns zu inspi­rieren und Eintracht zu geben, damit alle Katholiken geeinigt sind. Der Papst schloß mit dem Segen.

England-

Der Entschädlgungsprozeß der Admiralität gegen die Hamburg-Amerika-Ltnie. London, 27. Mai. Die Be­rufung der Admiralität gegen die Gerichtsentscheidung, daß die Hamburg-Amerika-Linie nicht verpflichtet sei, den kapitalisierten Betrag der Pensionen und Entschädigungen zu ersetzen, welche die Admiralität infolge des Verlustes an Menschenlieben bei der Kollision des Unterseebootes „0. 2" mit dem Hapagdampfcr „Amerika" gezahlt hat, wurde vom Appel­lationsgericht verworfen.

Bus Stadt und Land.

Wiesbadener Nachrichten.

Wiesbadener Haus- und Grundbesitz.

Die vielfachen Sorgen des Haus- und Grundbesitzers, »essen Existenz infolge des Darniederliegens der Bautätigkeit, »er schlechten Konjunktur und des hierdurch hervorgerufenen Bevölkerungsrückgangs, der seinerseits wieder ein Leerwerden zahlreicher Kleinwohnungen zur Folge hatte, bedroht ist —ein Zustand, der durch die gesetzgeberischen Maßnahmen des letz­ten Jahrzehnts eine Überlastung mit sich brachte, die doppelt fühlbar ist in einer Zeit, in welcher das Kapital dem Realkredit sehr mißtrauisch gegenübersteht — fanden in der ordentlichen Mitgliederversammlung des „Haus- und Grund- besitzcrvcreins, E. V., Wiesbaden", die gestern abend im Ver­einssaal der „Turngesellschaft" in der Schwalbacher Straße ftattfand, vielfache Beleuchtung. Man stritt sich über Ursache und Wirkung und war sich im Grundprinzip doch einig. Ms erfreuliches Moment kann dabei in Betracht gezogen wer­den, daß im eigenen Lager rückhaltlos zugegeben wurde, daß zur Zeit der Hochkonjunktur, also vor etwa 15 Jahren, doch mancher Fehler begangen wurde, dessen Folge heute die miß­liche Lage ist. Nur über die Schuldfrage waren die Ansichten geteilt. Der Auffaffung, daß damals zu viel gebaut wurde, wie der Stadtverordnete B a u m b a ch ausführte, widersprach fein Kollege im Stadtparlament Hch. H a r t m a n n, indem er ausführte, daß der erhebliche Bevölkerungszuwachs das Be­dürfnis nach Neubauten mit sich brachte, eine Behauptung, die insofern Widerlegung fand, als die durch die Bautätigkeit hervorgerufene Arbeitsgelegenheit erst den Zuzug veranlaßt haben sollte. Dem Kern der Sache kam man näher, als davon gesprochen wurde, wie leicht es damals war, ohne Geld ein Haus zu bauen, wie die Hypothekenbanken, die heute unter so rigorosen Bedingungen den Zinsfuß ihrer Darlehen erhöhen oder durch neue Abschlüsse hohe Provisionen gewinnen wollen, jedem, der bauen wollte, Geld in Hülle und Fülle gaben, und dem Bauschwindel so Tür und Tor öffneten. Das Geld lag auf der Straße, und das Kapital suchte ein Unterkommen. Heute ist die Lage wesentlich anders. Der Aufschwung der Industrie und die hohen Dividenden der Aktiengesellschaften haben das Geld vom Hypothekemnarkt abgelenkt und dein Realkredit entzogen. Die Folgen seien die gegenwärtige Not­lage des Haus- und Grundbesitzers. In dieser Tonart unter­hielt man sich bis gegen 11 Uhr und war doch noch nicht über den ersten Gegenstand der Tagesordnung, den Jahresbe­richt. hinausgekommen. Wir haben den Bericht über das Vereinsjahr, der im Druck vorlag, bereits im Auszug wieder­gegeben. Gestern machte der Direktor des „Haus- und Grund­besitzervereins" G. C r a m e r noch erläuternde Bemerkungen dazu, die vom Vorsitzenden Stadtrat K a l k b r e n n e r ergänzt wurden. Nach seinen Ausführungen haben die Anzeichen einer Besserung bisher noch nicht den erwarteten Erfolg ge­zeitigt. Die Beratungen der Enquetekommission haben sich in die Länge gezogen und Beschlüsse bisher nicht gebracht. Durch den Schluß des Reichstags sind irgend welche gesetzgeberische Maßnahmen wieder hinausgeschoben worden. Die Hausbe­sitzer verlangten keine Sonderrechte, sondern nur eine gleich­mäßigere Verteilung der Lasten, die für den Hans- und Grundbesitz gegenwärtig nicht mehr zu ertragen seien. Was die Verhältnisse in Wiesbaden anbelangt, so hoffe man, durch die Ansiedelung von Oualitätsindustrie, für welche genügend Bauland vorhanden sei, Zuzug und Bau­tätigkeit wieder zu beleben, ohne daß damit eine Benachteili­gung der Kurstadt oder der Kurindustrie verbunden sei. Die Schwierigkeiten lägen nur an den hohen Abgaben für Stra­ßenbau und Kanalisation. Sei hier eine Besserung eingetre­ten, was unbedingt angestrebt werden müsse, so würden die günstigen Steuer- und Wohnungsverhältnisse Wiesbadens die Heranziehung solcher Industriebetriebe ganz von selbst veran­lassen. Wenn dann nach die Wertzuwachssteuer schwindet und die Besihwechselabgaben erleichtert werden, dürften für den Hausbesitzer wieder bessere Zeiten kommen. Bis dahin gelte es, fest zusammenzuhalten. Nach den sehr beifällig aufge­nommenen Ausführungen des ersten Vorsitzenden und der sich, daran anschließenden Diskussion, über die eingangs schon be­richtet ist, wurden die übrigen Beratungsgegenstäckde rasch er-

Weslradeirer TaMatt» mend-Ausgab-, i. aö, Seite s.

lödigt. Jahresbericht und Voranschlag wurden ohne Änderun­gen genehmigt. Der Mitgliedsbeitrag bleibt mit 10 M. in der bisherigen Höhe bestehen. Bei der Ergänzungswahl des Vor­standes wurden die ausscheidenden Mitglieder wiedergewählt und an Stelle des verstorbenen Privatiers Max Hartmann Rentner Fr. G o t t w a l d neugewählt. Zum Schluß wurden noch einige innere Fragen besprochen; u. a. soll die „Bürger- zeitung" den Mitgliedern künftig durch die Post zugestellt werden. g.

— Wiesbadener Arbeitsamt. Welch segensreiche Arbeit im letzten Jahre das Arbeitsamt Wiesbaden unter der be­währten Leitung des Stadtrais Meier geleistet hat und in welch sozialer Weise das Institut wirkte, das mögen folgende Angaben zeigen. Vom 1. April 1913 bis 31. März 1914 war lue Arbeit beim Amt recht erfolgreich. Angebot, Nachfrage, als auch die besetzten Stellen stiegen, wozu wohl in der Haupt­sache umfangreiche städtische Arbeiten beitrugen. Die am 1. Januar 1914 errichtete Schreibstube für Stellenlose der schreibgewandten Berufe hat sich seitdem gut bewährt. Der Stellennachweis für kaufmännische Angestellte entwickelte sich trotz vieler Anfeindungen sehr gut. Die Erfolge überstiegen die Erwartungen bei weitem und dürften auch die Gegner von der Existenzberechtigung der Einrichtung überzeugen. Die Lehrstellenvermittlung machte gute Fortschritte, könnte aber noch besser sein, wenn die Berufswahl nicht so planlos betrie­ben würde. Die von der städtischen Verwaltung dem Amt übertragene Funktion einer Berufsberatungsstelle dürfte viel­leicht mit der Zeit Abhilfe auf diesem Gebiet schaffen. Bei der Arbeitsvermittlung für Wanderer konnten im abgelaufenen Geschäftsjahr infolge der noch fehlenden Wandevarbeitsstätte in Wiesbaden nennenswerte Fortschritte nicht erzielt werden. Die auswärtige Vermittlung machte sich in steigendem Maße bemerkbar. Infolge der größeren Arbeitstätigkeit entstanden dementsprechend höhere Kosten, so daß die Stadt Wiesbaden ihren Zuschuß von 6000 auf 10 000 M. erhöhte. Die Zahl der Mitglieder stieg im letzten Jahr um 160. Die zusammenge- stellten Zahlen ergeben 82 057 (27 616 im Vorjahr) Stellen­suchende, davon 18 418 männliche, 13 639 weibliche; 29 515 (25 232) offene Stellen; 28 333 (20 288) besetzte Stellen. Bon 100 offenen Stellen wurden bei männlichem 89, bei weiblichem Personal 70 Stellen besetzt. Daß die Stellenbesetzung nach auswärts bedeutend ist, ergibt sich daraus, daß 2513 männ­liche und 690 weibliche auswärtige Stellen besetzt wurden, da­von u. a. 75 in Aßmannshausen, 289 in Biebrich, 96 in Bier­stadt, 158 in Bingen, 64 in Ems, 328 in Erbenheim, 29 in Höchst, 50 in Karlsruhe, 354 in Mainz, 104 in Rüdesheim, 122 in Sonnenberg. 92 in Schierstein, 73 in Schlangenbad, 24 in Trier, 54 in Worms.

— Ausgabe der Jnvalidenquittungskarten. Gelegentlich der Quittungskartenkontrolle in hiesiger Stadt ist die Wahr­nehmung gemacht worden, daß infolge von Zeitungsmitteilun­gen der Allgemeinen Ortskrankenkasse vielfach die Meinung vertreten ist, die Krankenkassen wären für den Umtausch der Ouittungskarten ihrer Mitglieder allein zuständig. Diese Auffassung ist eine irrige. Nach der preußischen Anweisung für die QuittnngskartenauSgabe vom 20. November 1911 sind für den Umtausch und die Erneuerung von Quittungskarten in erster Linie die Polizeibehörden zuständig geblieben. Die Krankenkassen sind nur auf Ansuchen ihrer Mitglieder zum Kartenumtausch verpflichtet. Krankenkassenmitglieder und deren Arbeitgeber sind somit berechtigt, den Umtausch oder die Erneuerung von Quittungskarten bei den zuständigen Polizei­revieren oder bei den sin Betracht kommenden Krankenkassen zu beantragen, sofern diese von der Ausstellung von Quittungskarten vom Herrn Regierungspräsidenten nicht be­freit sind.

— Bibliothek deS Gewerbevereins. Die Bibliothek des „Gewerbevereins für Nassau", Hermannstraße 13, ist wider­ruflich geöffnet: Werktäglich: 10 bis 1 Uhr vormittags, 4 bis 6 Uhr nachmittags. Geschlossen: Mittwochs- und Samstags­nachmittags, ferner zur Durchführung des Büchersturzes ein­mal im Jahre für drei Wochen. Die Zeit wird vom Vorstand jedesmal näher bestimmt und 4 Wochen vorher bekanntge­geben. Während der Bibliothekszeit können auch die Ver­öffentlichungen des Kaiserlichen Patentamts mit Ausnahme einiger Patentschriften eingesehen werden.

— DaS Banklokal der R e i ch Z b a n k st e l l e ist am Samstag, den 30. Mai, nur von bis 12tzj. Uhr vormittags geöffnet.

— J:u falschen Verdacht war dieser Tage ein junger Mann von hier auf einer Eisenbahnfahrt am Rhein. Er wurde von einer Dame des Diebstahls ihrer Geldbörse beschuldigt und deshalb in dem Augenblick, als er in Braubach den Zug ver­lassen wollte, verhaftet. Die Durchsuchung des Verdächtigen gab jedoch keinerlei Anhaltspunkte für dessen Schuld, und über­dies wurde fast gleichzeitig von Riederlahnstein aus der Fund des vermißten Geldes gemeldet, das in einem Eisenbahnabteil gelegen hatte. Jedenfalls ist es eine geradezu strafwürdige Art und Weise, jemand ohne weiteres eines Diebstahls, also eines gemeinen Verbrechens, zu beschuldigen.

— Warnung. Zurzeit verkaufen Reisende hier eine Schrift in zwei Bünden, betitelt „Deutschlands Ruhmeshalle" aus dem Verlag P. Kittel in Berlin und benutzen dabei den Namen eines hiesigen Stadtrats als Referenz. Da dieser Herr durch­aus nichts mit der Sache zu tun hat, nimmt man an, daß eS sich bei dem Vertrieb der Bücher um ein schwindelhaftes Vor­gehen handelt, und man möge daher den Reisenden auf die Finger sehen. -

— Unfall. Auf dem Grundstück des Gärtnereibesihers Geis in der Schiersteiner Lach wird gegenwärtig ein Brunnen gegraben. Als am Montagnachmittag die dort beschäftigten Brunnenbauer ein Zementrohr im Gewicht von nahezu 14 Zentnern in -den Brunnenschacht hinunterlassen wollten, brach der Haspel zusammen und sämtliche sieben Arbeiter wurden zur Seite geschleudert. Ein Arbeiter erlitt dabei einen Bruch des rechten Unterarms. Der Verunglückte wurde nach dem Paulinenstift gebracht.. Nachdem der Unfall passiert war. wur­den die vorschriftsmäßigen Sicherheitsmaßregeln getroffen.

— Preußisch-Süddeutsche Klassenlottcric. In der heuti­gen Vormittagsziehung fielen 15 000 M. auf die Nummern 80 776, 59 041; 10 000 M. aus die Nummern 55 705. 102 181; 6000 M. auf die Nr. 90118; 3000 M. auf die Nummern 724, 16 081. 16 502, 16 344, 43 018, 80 617, 90 847, 91514, 109 593, 113 409, 121 010, 123 434, 127 826, 129 480, 140 455, 158 662, 159 164, 169 618, 171659, 192 848, 202 008, 211 869, 228 869, 230 986. (Ohne Gewähr.)

— Kurhaus. Für Samstag dieser Woche bat die Kurver­waltung ein Gartenfest mit Ballonfahrt der Aerormutln Katchen Paulus und abendlichem großen Feuerwerk vorgesehen.

. — Kleine Notizen. Nach § 2 der Benutzungsordnung

ttnrd die Nassauische Landesbibliothek vom

30. Mar bis »um 7. Juni rum Zweck der Reinigung geschloffen

sein. — Die hiesigen größeren Papierhandlungen halten vollständige Sonntagsruhe im Juni, Juli und August — Das Haus MoÄbacher Straße Ü, seither dem Konsul C. Kunde gehörend, ging durch die hiesige JrrmtobilienagentUL I. Ehr. Glücklich in den Besitz des Mrektors Fr. Schipper über.

vorberichts über Nunst, Vorträge und verwandtes.

* Königliche Schauspiele. Die Reihenfolge der Abonne­mentsbuchstaben für die nächste Woche ist folgende: Sonn­

tag C, Montag aufgehobenes Abonnement. Dienstag D, Mitt­woch B, Donnerstag A, Freitag G, Samstag aufgehobenes Abonnement. Sonntag I). Montag B.

* Residenz-Theater. „Als ich noch im Fsügelkleide. . der neue große Schlager, der andauernd ausverkaufte Häuser erzielt, gelangt am Samstag und am 2. Feiertag (Montag) zur Aufführung, während am Sonntag (1. Feiertag) das all­beliebte Lustspiel „Der Veilchenfresser" vollständig neu ein­studiert in Szene geht. Den 6, und letzten Kammerspielabend bildet am Donnerstag nach Pfingsten, den 4. Juni, erne Erst­aufführung so eigener Art, daß sie auf ein ganz besonderes und allgemeines Interesse Anspruch hat. Es gelangt näm­lich das berühmteste Lustspiel des klassischen Altertums: „Me Frösche des Äcistophanes", zur Aufführung unter Mitwirkung erster Kräfte des Darmstädter Hofthcaters, in der auch schon anderwärts erprobten Einrichtung des dortigen Hofschau­spielers und Regisseurs Hacker.

* Kurhaus. In der Orgel-Matinee am Pfingstsonntag wirkt außer Friedrich Petersen von hier Anita Franz vom Frankfurter Opernhaus mit.

Kus dem Landkreis Wiesbaden.

-o- Biebrich. 27. Mai. Der Magistrat hat beschlossen, auch im kommenden Sommer wieder die im vorigen Jahre zum erstenmale eingeführten Badekarten zu ermäßigten Preisen für Minderbemittelte auszugeben. Die Bade­karte kostet für Person und Bad 15 Pf. Die Ausgabe der Karten erfolgt auf dem Steueroureau des Rathauses. — Gestern wurde die Leiche des ertrunkenen Pionier-Gefreiten Eckert von Amöneburg unterhalb der Kaiserbrücke ge­landet. Sie wird zur Beerdigung nach dem Heimatsort des Verunglückten, der aus Wachenbuchcn bei Hanau stammt, übergefnhrt werden.

wc. Schierstem. 28. Mai. Bei der gestern stattgehabten Verpachtung der Milchwirtschaft auf dem Schiersteiner Strandbad wurde dem Landwirt Philipp Nikolay von hier deren Betrieb mir einer Pacht von 800 M. für die Saison übertragen.

— Bierstadt. 27. Mai. ®er Wehrbeitrag in unserer Gemeinde beläuft sich auf 33 516 M. An der Aufbringung dieser Summe partizipieren etwa 140 hiesige Einwohner. — Die Eheleute Adolf Vogel in Rottendorf verkauften ihr im Distrikt „Leidenhecken" gelegenes Baum stück zum Preise von 1500 M. an Herrn Metzgermeister Eduard Rink. — Bei einem Umban eines Hauses in der Talstraße fand man ver­schiedene alte Münzen. Ob dieselben römischen Ur­sprungs sind oder ob es sich um Nachahmungen handelt, die im Mittelalter keine Seltenheit waren, läßt sich noch nicht feststellen.

wc, Erbenheim, 28. Mai. Gestern erlitt der 70 Jahre alte Landwirt und Schreinermeister Wilhelm auf dem Felde einen Schlaganfall,, der seinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Er wunde auf seinem Wagen nach Hause gefahren.

proBinZ Hessen-Nassau.

Regierungsbezirk Wiesbaden.

Verband ländlicher Genossenschaften Raiffeiscnscher Organisation.

wc. Limburg a. d. L.. 27. Mai. Im großen Saal des Hotels „Zur alten Post" dahier hielt heute der Verband seine diesjährige Tagung ab. Vertreten waren 102 Vereine, z. T. durch mehrere Delegierte. Als Ehrengäste waren erschienen Geh. Regierungsrat Professor Dr. H. Fresenius (Wies­baden) für die Landwirtschaftslammer, Justizrat Dr. A l b e r t i (Wiesbaden), der Direktor der Nassauischen Landes­bank Klau (Wiesbaden) sowie der Sekretär des Pfälzer Raiffeisenverbands Ströbel. Verbandsdirektor Petit- jean (Wiesbaden) ließ seine Abwesenheit durch Krankheit entschuldigen, der Generaldirektor des Verbands hatte ein Bogrühungstelegramm gesandt. Der Verbandsdirektor Dr. N o l d e n (Frankfurt) eröffnet« mit Worten der Begrüßung den Verbandsiag. Er sprach den Wunsch aus, daß nach den besonders gedrückten Verhältnissen des Jahres 1913 für die Landwirtschaft wieder einmal bessere Zeiten anbrechen milch­ten. Landesbankdirektor Klau wies darauf hin, daß die Landesbank überall wo angängig — so z. B. wenn es sich um die Frage der Errichtung neuer Sammelstellen im Nassauer Land handle — die Wünsche der Genossenschaften berücksich­tige. Weiter gab Direktor Klau dem Wunsch Ausdruck, daß die Volksversicherung der Nassauischen Lebensversicherungs- anstalt in noch verstärktem Maße als bisher die Beachtung der Genossenschaften finden möchte. Mr Verbandsdirek- t o r erstattete darauf den Bericht über das abgelaufene Jahr. Nach ihm sind im Verband 223 Genossenschaften vereinigt. Im Jahre 1913 waren 3 Zugänge und kein Abgang zu verzeichnen, int Jahre 1914 sind bis jetzt bereits 7 weitere Genossenschaf­ten hinzugekommen, darunter allein 5 Spar- und Darlehns­kassenvereine. Dagegen ist bis jetzt nur 1 Abgang (Pferde- zuchtgenossenschast in Montabaur) zu verzeichnen. Die Mit­gliederzahl des Verbands beträgt 16 750. Der Umsatz betrug 261/Jj Millionen Mark. Die Einlagen für 1913 betrugen 14i/a Millionen Mark. 1913 wurden für 1,5 Millionen Mark, 1914 bis jetzt für 1,2 Millionen Mark Darlehen ausgegeben. Der Gewinn der Vereine belief sich auf 46 000 M. Das gesam­melte Vermögen beträgt 700 000 M. Sämtliche Genossenschaf­ten sind Vereine ländlichen Charakters. Die 14 Betriebsge- nossenschaft,en des Verbands weisen 800 Mitglieder auf, dis 17 Winzervereine haben 762 Mitglieder. Die Winzergenoffcn- schaften, welche vor 5 bis 6 Jahren wegen ihrer besonders gro­ßen Notlage viel von sich reden machten, sind gegenwärtig wieder in normalen Verhältnissen. Die Liquidation der Nassauer Genossenschaftskaffe hat erhebliche Fortschritte ge­macht. Der Eltviller Zusammenbruch hat — was z. T. der Tätigkeit des Verbands zuznschreiben ist — keine einzige Existenz im Rheingail zugrunde gerichtet. Die Schwierigkeiten in Eltville sowohl als auch in Camberg sind nunmehr be­hoben. Vom Herbst d. I. an ist die Anstellung eines vierten Verbandsrevisors in Aussicht genommen. Voraussichtlich wer­den in absehbarer Zeit die Mitgliederbeiträge erhöht werden müssen. Im vergangenen Jahr wurden bei 81 Prozent der Vereine Revisionen vorgenommen. Außerdem fanden in 21 Fällen bei schlecht geführten Vereinen Kontrollrevisionen statt. An dem cm Vorjahr in Herborn vom Verband veranstalteten Kursu., nahmen 36 Vereine mit 42 Vertretern teil. Der Ver- band hat :m Vorjahr 8500 Heimsparkassen an seine Vereine obgegeoen. Der Verbandsdirektor fordert die Genossenschaf- * U -l 20 “” Beteiligung an der Volksversicherung der Nassauischen Lebensversicherungsanstalt auf. Nach dem weite­ren ^ erccht des Verbandsdirektors ist die Finanzlage des Ver­bands eine geordnete. Die in Frankfurt bestehende Waren- abteuuna des Verbands hat im vergangenen Jahr einen guten