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«Verlag Langgaffe 21

„Tagblan-Haus".

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OT“VÄ*# a w^^ub!*?o* i *ina“’« ^ Berliner Redaktion des Wiesbadener Tagblatts: Berli'n-Wi'lmersdorf. Giintzelstr. 36, Fernspr.: Amt Nhland 450 u. 4SI.

Donnerstag. 21. Mai 1914.

Morgen'Ausgabe.

llr. 235. ♦ 62. Jahrgang.

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P¥“ Wegen des Himmelfahrtstagcs erscheint die nächste „Tagblatt"-Ausgabe am Frcitagnachmrttag.

Oie unfruchtLare Session.

Selten hat eine Session im Reichstag so ungemüt­lich geschlossen wie diese. Man konnte hier wahrlich nicht sagen: Ende gut, alles gut. Das Gegenteil galt: Je näher dem Ende, um so unerfreulicher. Am­letzten Tage noch schwirrten Gerüchte durch die Wandel­hallen, als ob die Regierung den Reichstag a u.s I ö s e n wollte. Bei dem geringfügigsten Anlatz sollte gleich die schwerste Kanone aufgefahren werden. Das zeigte, dah man stich auf beiden Seiten nicht mehr recht v e r st a n d. Was auch darin zum Ausdruck kam, daß man bis zu­letzt nicht wußte, ob die Session geschlossen werden sollte oder nicht.

Die Ungemütlichkeit hatte in verschiedenen Dingen ihren Grund. Einmal darin, daß die Regierung sehr mangelhafte Dispositionen über die Verteilung des Stoffes für die Gesetzgebung getroffen hatte. Noch 8 Tage vorher sind dem Reichstag etliche Vorlagen ge­macht worden. Natürlich konnte da das Hohe Hans leinen Überblick gewinnen über das, was geleistet wer­den mußte. Das einzig Nichtige wäre, die Regierung übergäbe dem Reichstag gleich zu Beginn einer Session einen Stoffverteilungsplan, damit dieser sich einrichten kann.

Dann aber überraschte in soundsovielen Fällen die Regierung den Reichstag bei seinen Beratungen mit ihrem „Unannehmbar", und zwar in Dingen, wo wahrhaftig kein Grund zu einem Veto vorhanden war. Das geschah erst bei dem Iu g en d g ersichts g esetz, das auf diese Weise in der Kommission steckengeblieben ist. Dann bei der K o n k u r r e n z k l a u s e l. Hier hat der Reichstag sich unterworfen und infolgedessen nur eine Halbheit zustande gebracht, die in einem Punkte sogar noch eine Verschlechterung bedeutet. Wir reden heute oft über die viel zu vielen Gesetze, die fabriziert werden. Aber eine Hauptschuld tragen die ständigen Kompromisse, die nichts Halbes und nichts Ganzes sind. Schon das Verhandeln der Parteien untereinander zwingt zu unaufhörlichen Kom­promissen. Wenn nun auch die Regierung noch in Fällen, wo eine große Mehrheit sich geeinigt hat, kommt und einen Felsblock über , den Weg rollt, dann gibt das eine gewundene Gesetzgebungsarbeit, deren Wert mit der Echternacher Springprozession zu vergleichen ist: zwei Schritte vor und einen zurück.

Bei der Besoldung der Unterbeamten ist der Reichstag fest geblieben. Er wollte, daß mich die gehobenen Unterbeamten in die Aufbesserung mit ein­geschlossen würden. Die ablehnende Haltung. der Re­gierung war völlig unbegründet. Denn so viel Geld, um die gehobenen Unterbeamten zu erhöhen, ist allemal in der Reichskasse. Man weiß z. B., daß der Wehr­beitrag 200 Millionen über den Anschlag einbringen wird, und daß die Regierung &ie. dritte Rate sicher nicht kürzen wird. Denn es ist eine alte Wahrheit, daß der Fiskus den Bissen, den er einmal hach nicht wieder fahren läßt. Da die Minister vor einigen Jahren ihre Gehälter sich haben erhöhen lassen, so soll­ten die Herren es auch mit den Unterbeamtm. die man seinerzeit mit dem Titel „Gehobene" abgespeist hat, gut meinen. Nun trägt die Regierung die Verant-

Im „Nimmer-Nimmerland".

Eine weiße Frau im australischen Busch.

Von Felicitas Leo.

Das vielgelesene, prächtige Buch der. Frau von Ccken- brecher hat uns mit den Erlebnissen einer -weißen Frau in Südwestafrika, ihren Leiden und Freuden, -bekannt gemacht. Amalie Dietrich, deren Leiben ihre Tochter so fesselnd be­schrieben hat. bereiste als Naturforscherin den Süden und Osten Australiens, führte ein Mcmneslebcn und leistete Mannesatzbeit, zehn entbehrungsreiche unid doch beglückende Jahre lang. Ein Gegenstück zu diesen Frauenberichten aus überseeischen Ländern bilden die beiden Bücher, in denen eine Engländerin, Mrs. Acneas Gunn, ihr Leben im Innern des tropischen Nordaustraliens schildert. Das eigenartige, noch so gut wie «unerschlossene Land, „Düs dlsver-dlsvsr-Danä" von seinen wenigen Bewohnern getauft, die LebenSverhält- niffe im „Busch", mehr als 100 Meilen von der nächsten menschlichen Wohnung entfernt, die Sitten und Gebräuche der'Eingeborenen, mit den Hellem Augen einer warmherzigen Frau gesehen, haben etwas ungemein Fesselndes.

Frau Gunn begleitete, jung verheirat, ihren Gatten nach seinem Wirkungskreis auf einer großen Vieh-Ranch. Die Reise geht von Port Darwin an der Nordküste zunächst nach Pine Oreek, dann per Wagen und schließlich zu Pferde weiter. Man muß sich beeilen, denn die Regenzeit droht, bald werden die im Sommer fast ausgetrockneten Flüsse zu reißenden Strömen anschwellen und den Wog versperren.

Wortung, wenn die Unterbeamten überhaupt nichts kriegen.

Einen weiteren Zankapfel hat dann dre f r e t c -Eisenbahnfahrt abgegeben. Die Regierung, so sagt man, wäre bereit gewesen diese während der gan­zen Legislaturperiode zu bewilligen, wenn der Reichs­tag in allen Stücken, z. B. auch in der Besoldungsfrage, das nötige Wohlwollen gezeigt hätte. Ein solcher Kuh- Handel zeigt aber das völlig Unwürdige der gan­zen Lage. Es ist gut, daß daraus nichts geworden sst. Der Reichstag hat bei seinen geringen Diäten die freie Eisenb-ahnfahrt verdient, ohne daß er sich dafür kaufen zu lassen braucht. Über die kleine M i l i t ä r st r a f- prozeßreform wollen wir auch am besten schwei­gend hinweggehen.

Das ganze Ergebnis der letzten Session ist also dürftig genug. Die Hauptarbeit forderte der Etat mit seinen unheimlich langen Debatten, die nur deshalb nötig werden, weil zwischen der Regierung und der Volksvertretung zu viel Reiüungsflächen vorhan­den sind. Erledigt sind so dürftige Gesetze, wie das Spionagegcsetz, das an sich ganz gut sein mag, das aber die fast zur Krankheit ausgewachsene Spionageriecherei noch mehr verstärken wird, das Ge­setz über die Erhöhung der Zeugengebühren und das Gesetz, das durch das Unglück der „T i t a n i c" hervorgerufen wurde. Das Wichtigste wandert, da die Session geschlossen wird, in den Pa pierkorb, näm­lich die Vorlage, betr. die verstärkte Sonntags­ruhe, die verschiedenen G e w e r b c n o v e l l e n über Wanderlager, zur Bekämpfung der S ch u n d/i t c r a- tur, das Erbrecht des Staates, das Petr'oleum- Monopol, die Aufbesserung -der Altpensio­näre us-w.

Die ganze Session hat dentlich gezeigt, was her­auskommt, wenn eine feste Mehrheit fehlt, welche die Geschäfte in die Hand nimmt und einen entschluß- kräftigen Willen zeigt, etwas fertig zu bringen. So wie die Dinge heute liegen, kann es eigentlich nicht mehr weiter gehen. Die Regierung läßt die Zügel am. Boden schleifen, und eine Mehrheit, die sie in die Hand nimmt, ist auch nicht da. Dies Übel wird denn auch heute von vielen Abgeordneten, auch von manchen Vertretern der Regierung erkannt. Aber bis zu seiner Beseitigung ist noch ein langer Weg.

wa§ wir wollen.^

Von Enrico Buonanno, Mitglied der italienischen Deputierten­kammer.

Deutschland und Italien haben nicht nur gemein­same politische und wirtschaftliche Interessen, sondern begegnen sich in dem verbündeten. Österreich-Ungarn auch' in den Abwehrbestrebungen gegenüber Wider­sachern, die dem Deutschtum ebenso feindselig gesinnt sind wie dem Jtalienertunr. Alle slawischen B e -

*) Wir haben geglaubt. unseren Lesern diese Aus- fübrungen des Abgeordneten Buonanno nicht vorenthalten zu sollen Sie beleuchten da? österreichisch-italienische Verhältnis einmal von italienischer Seite aus und enthalten in ihrer Kritik des Verhaltens der Donau-Monarchie sicher viel Wahres und Beachtenswertes. Wir verfallen im Deutschen Reich zu leicht in den Fehler, Österreich-Ungarn als einen Staat deut­scher Nationalität aufzufassen und vergessen, daß es eigent­lich mit demselben Rechte ein slawischer Staat genannt wer­den könnte. Die Schriftl.

So mußte da8 Meiste von dem, was die junge Frau als zur Einrichtung und Ausstattung gehörig mitbrachte, zu-rück- blei-ben, um, wenn das Glück gut ist, in einem halben Jahr per Achse nachbefördert zu werden. Der „Fizzer" wird eS bringen, der tapfere australische Post-Fuhrmann, der „um die Wette mit dem Tod", -der auf den weiten Durststrecken immer bereit ist, ihn zu überfallen, jahraus, jahrein seinen schweren, verantwortungsvollen Dienst mit heldenhafter Selbstverständlichkeit versieht. Dieser „Fizzer" ist ein Typ; ihn und seinesgleichen, geborene Pioniere, tapfer, zuverlässig, von phrasenloser Tüchtigkeit, meist wortkarge und wunder­liche Originale, hat Frau Gunn mit großer Liebe geschildert. Vom ersten Tage an fühlte sie sich zu ihnen hingegogem und nimmt sich vor, ihnen zu beweisen, daß sie „the right sort" ist, ein Kamerad und Mitstreiter ans vorgeschobenem Posten.

Zunächst -bringt man ihr nicht -viel Vertrauen entgegen, weit und breit gab -es keine weiße Frau, man will auch gar- uichts von einer wissen und sucht das Unheil durch allerhand äbschrecke-nde Telegramme aufzuha-lten -— es nützt aber nichts. Die junge Frau ist entschlossen, tapfer zu allem bereits Als es nun aller an das Aussuchen des „Notwendigsten" und Bestimmen des, was zurück-bleiben soll, geht, bekommt sst einen kleinen Vorgeschmack von dem, was ihrer wartet. ^ Sw will sich unter anderm mit nur 4 Kopfkiffcnbezügen begnügen. „Kisfenbcznge?" sagt ihr Mann erstaunt, „ober' wir haben doch dort gar keine Kisten!" Da ist sie denn doch -etwas ver­dutzt, läßt sich aber nichts merken.

Sehr drollig und rührend ist es, wie man sich überall, wohin sie kommt, bemüht, sich der weißen Frau von der

w o h n e r in der Donaumonarchie, und wenn ich nicht irre, gibt es deren an 24 Millionen, haben in ihrem Drang nach Westen, Süden und Norden dem deutschen und dem italienischen Element den Kamps mit einer Schärfe -aufgezwungen, die ebenso scharfe Gegenmaßnahmen gebieterisch her-ausfordert. Man sollte meinen, die gemeinsamen Interessen in dem Präventiv- und Existenzkampf gegen das v o r d r i n-g e n d -e Slawentum sollten die Deut­schen und die Italiener noch näher zusammenführen, als es die Fesseln des Dreibundes bereits getan haben. -Statt dessen -aber müssen wir es erleben, daß sehr maß­gebliche Organe der öffentlichen Meinung in Deutsch­land und in Österreich die Italiener, die doch Kampf­genossen sein wollen, in noch höherem Grade als Feinde betrachten und uns ein langes Schuldkonto vorlegen. Ob das klug ist, möge man sich in den Kreisen des Deutschtums einmal genauer überlegen. So oft Deut­sche in den Ländern der Wenzelskrone von den Tschechen belästigt oder vergewaltigt wurden, da hat die deutsche Presse mit Recht aufbegehrt, und der Schrei der Ent­rüstung ging von der Donau bis zum Belt. Als jetzt -aber eine Handvoll Italiener von den übermächtig, ge­wordenen Kroaten und Slowenen drangsaliert wurden, und als dann ein Entrüstungsschrei über das Verhalten der Sicherheitsorgane, die den Italienern nicht den. ge- nügenden Schutz gewährten, durch ganz Italien ging, da hätten wir erwartet, daß unsere deutschen Kampf­genossen sich mit uns solidarisch erklärten. Das wäre die einzig richtige Antwort gewesen auf die unerhörten Provokationen der Gegner des Deutsch- und des Jtalienertums. Eine solche Antwort hätte sich zu einer wirksamen Kundgebung des Dreibund-gedankens gestal­tet, den niemand weniger ertragen kann als die Slawen innerhalb und außerhalb Österreichs.

Eine günstige Gelegenheit, den Dreibund fester zu knüpfen — und er bedarf gar sehr noch einer stärkeren Festigung! -— ist wieder einmal vorübergegangen. Man soll uns nur ja nicht später die Schuld geben, wenn die Aktionskraft da und dort zu wünschen läßt. Man soll im Ausland nur ja nicht vergessen, daß die Italiener ihre Stammesbrüder, wo diese sich auch in Not befinden, unter keinen Umständen im Stich lassen und daß wir die ihnen versetzten Schläge als uns selbst 'zugefügte Unbill empfinden. Wir haben es auch nicht nötig, auf uns herumdreschen zu lassen. Die Einigkeit unter den Angehörigen unserer Rasse steht über jeden Zweifel -erhaben da. Gegen das Bündnis mit Deutsch­land hat kein vernünftiger Mensch auch nur im ent­ferntesten etwas einzuwenden, schon darum nicht, weil das Bündnis zwischen Deutschland und Italien die erste Voraussetzung für die Erhaltung des europäischen Friedens ist und weil eine solche Fülle von wirtschaft­lichen Beziehungen die beiden, Völker bindet, daß eine politische Trennung -derselben zu wirtschaftlichen Kata­strophen führen müßte. Jedem Deutschen stehen in Italien Herz und Türen offen. Wenn aber die Verhältnisse zwischen Österreich und Italien noch immer nicht den gleichen Wärmegrad erreicht haben, so muß ich die Schuld, soweit unser Volk in Frage kommt, zurückweisen. Gewiß schlummern in Oberitalien aus der Zeit, da dort die Fremdherrschaft ertragen werden mußte, noch Gefühls in den Herzen zahlreicher Familien, dis nicht als österreichfreundlich gedeutet werden können. J-m übrigen aber tragen die Reaierenden an der Donau die Verantwortung, wenn

besten Seite zu zeigen. In der letzten Siedelun-g tfm Rande der Wildnis, wo auch nur Männer leben und «die Sitten «nt- sprechend rauh sind, wird «die Parole omSgegeben: „So lange sie da ist. wird sich nicht «betrunken!" Die Leute-machen ihr denn auch alle einen nüchternen und -gesitteten Einidruck, und erst hinterher -erfährt sie, daß man ihr in Bezug aus die Nüchternheit ein „Potemkinsches Dorf" aufgebaut hat un«d daß der unverbesserliche Trunkenbold unter den Ansiedlern sich aus Volksbefehl hinter Zäunen «und -Scheun-entüren ver­stecken mußte, so wie „die weiße Dame" kommt. Und sie .setzt alle in die tödlichste Verlegenheit, weil sie den akte«n> Mann, den sie für „verschüchtert" hält, dann doch einmal anspricht.

Die Reise ist sehr strapaziös, man durstet, leidet unter Staub. Hitze, Fliegen, Moskitos und der g-änzlWen Ab« Wesenheit von allem, «das sich als Weg bezeichnen läßt. Die Lanidstraße ist von ein-er grandiosen Qde. Dann setzt der Regen -ein, und nur im letzten Moment und unter Lebens­gefahr gelingt es, die angeschwollenen Flüsse zu passieren. Dabei hat die junge Frau Gelegenheit, sich «durch Tapfer« keit ihre Stellung,zu machen. Das tut sic denn auch — nur. sich am Pferdeschwanz feisthaltcnd, den Fluß über­schwimmen, «wie -man ihr ganz harmlos vorsthlägt, das will sie nicht. Den letzten Fluß passierte sie wie ein Paket im Korb, ^an -einem überspannten Draht hinunterrutschend. In der Mitte senkte sich der Draht und si-e taucht ins Wasser, aber „immer nach «besser wie der P-ferideschwanztrick", sagt si^-

Ms sie endlich aus «der Farm, die ihr Heim fein soll, ankommen, da findet sie, daß noch etwas mehr als nur brq