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Sreitag« 15. Mm 1914.

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Morgen ' Ausgabe. nr. - 2 s.. 62 .

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Die deutsch-englischen Beziehungen.

Die Gründung einer Studiengesellschaft für bm 23 q u einer Eisenbahn durch Portugiesisch-AnqolQ bis zum Bezirk von Catanga im Süden von Belaisch- Kongo kann als wertvolles Anzeichen dafür q^ü?diat werden daß die deutsch-englischen Verhandlungen über die Verteilung der ^nteressenkreise in flentralLfrikr, ^ 5 .ben toten Strang hinaus sind. Die deutschen G? sell,chaften. die sich zu diesem Studiensyndikat zusam- mengetan haben, würden an das Unternehmen E herangetreten seien, wenn sie nicht die Gewißbeft hättest daß sie diese Eisenbahn unter dem Schutz des Reichs und auch sonst auf politisch durchaus gesicherter ©Wb läge werden bauen können. Wenn die Hamburg Amer:ka-Lime. der Norddeutsche Lloyd, die Woermann- L-me. die Deutsche Bank, die DiskontogeseME und neben anderen großen Privatbankiers auch das Bank­haus Bleichroder diese Sache in die Hand nehmen d muß sie aus dem Stadium der ersten Erwäaunaen 1 .^ Möglichkeiten schon heraus sein. Die neue Eisenbachn- lmie. dre sich von Lobrto bis an die Grenze von Belaisch- 5wngo erstrecken soll und deren erstes Drittel schm, m'tiggestellt ist wird vor allem die Aufgabe haben für die Erzeugnisse der Kupferbergwerke von Eatan ga einen schnellen und bequemen Weg zu elneni leistungsfähigen Hafen zu schaffen. Man kann es als selbstverständlich annehmen, daß die belgischen Interessenten die deutsche Linie auf dem Gebiet von Belgisch-Kongo fortsetzen werden, und eine entsprechende Fühlungnahme mit Brüssel hat auch schon stattaefnn- den. Die Eisenbahn von Lobito bis zur Grenze von Belgisch-Kongo wird, wie man hört, ein aus schließ lich d-ut,ch°z Unt-mchm-n fti». sj- Utl Stortfel. ws, nur der Anfang werterer Bestrebungen zur Aus­schließung dieses Gebiets durch deutschen Unte?nehmer- geist sein wobei, wie es sich aus der Natur der Verhält- nisse ergibt, die genannten Gesellschaften, die jetzt eine Studiengesellschaft gegründet haben, ebenfalls als llnternshmer auftreten werden. Es handelt sich also um einen g r 0 ß a ng e le gten und sorgfältiq vor- bereiteten W l r t s cha fts'p l a n, von dem im übrigen nicht erst gesagt zu werden braucht, daß er sich nicht ohne die gewiß gern zu gegebene Zustimmung der portrr giesischen Regierung durchsetzen. lassen wird. Die vor tugiesische Herrschaft über Angola bleibt natürlich .un­angetastet, und den wirtschaftlichen Vorteil, den das Eindringen deutschen Kapitals mit sich bringen mnfc wird sich die Republik mit Freuden gefallen lassen sie kann ihn brauchen. Von der politischen Seite her'an­gesehen. bedeutet denn also der Einzug deutschen Unter- nehmungsgeistes in Angola, daß wir -dort keinen störenden Wettbewerb der Engländer zu besorgen haben werden,, und das will besagen, daß die Ver­ständigung zwischen Berlin und London, wie schon be- merkt, zu einen: gewissen Abschluß gekommen sein muß

Es konnte auffallen, daß, nachdem die Tatsache der Verhandlungen schon seit Jahr und Tag bekannt ge­geben worden ist, über deren günstigen Fortgang neuerdings nichts rn die Öffentlichkeit gedrungen war, weder von Berlin noch von London aus. Man wird daraus schließen müssen, daß es wohlgetan sein wird ^-?"^einend doch fertigen Abkommens nicht zu überschätzen. Sachlich hat man sich wohl ge- Wö da-, wird für die Beziehungen zwischen bei­den Reichen selbstverständlich von Nutzen sein, aber erneu, tiefer wirkenden Einfluß auf das Verhältnis etwa „in dem Sinne, daß nunmehr eine freundschaftliche Annayerung auf breiterer Grundlage zu erwarten Ware, wird man nicht anzunehmen haben. England blerbt der Freund seiner Freunde, und man wird zu- "amit lern müssen, daß eine weitere Ab- schwachung des deutsch-englischen Gegensatzes im Gange iir. Auch das ist gewiß nicht wenig» indessen ist es was die Befürworter eines grundsätz­lichen, Umschwungs hüben und drüben erhofft hatten.

t hin angesehen, brauchen wir aber den sachverhaft, der immerhin günstiaer geworden ist nicht anders zu, betrachten, als es in England geschieht Hier wie dort ist von den Regierungen ersichtlich nicht ^Ehr^erstrebt worden als das, was auch erreicht wor-

Quo yadis, Austria?

(B0n unserem Wiener Korrespo ndent en.)

K. W. Budapest, 12. Mai.

. Rach jeder Debatte über auswärtige Politik in den Del-e- gationen bleibt das Gefühl zurück: es stimmt etwas nicht. Die Erklärungen des Grasen Berchtold haben die fatale Eigen­schaft, an offenkundigen Tatsachen, die einer Aufklärung be­dürfen, vorüberzugehen, und sein Optimismus erstreckt sich ebenso gewohnheitsmäßig auf Gebiete, denen sich jeder andere an seiner Stelle nur mit größter Vorsicht nähern würde. Noch im Vorfahre "hat der Minister des Äußern in den Delegationen das Verhältnis der Monarchie zu R u m ä n i e n in den rosig- sten Farben geschildert, und wenige Wochen später begannen in ^urarest dre verarmten Demonstrationen gegen die Monarchie ] e & ? er ? art3e . der Tripelentente ein, wurde

selb)t d^ ch^uvrmftische Gras Tiszn gezwungen, wenigstens zum Scheine, Ausgleichs-Verhandlungen mit den Rumänen in Ungarn einzuleiten, und in der Henrigen Delegation war der- genötigt, sozusagen den dokumentarischen fn verschlechterten Beziehungen Österreich-Ungarns zu Rnmamen zu erbringen, und in der Debatte selbst wurde aufgeworfen^^ Befestigung Sieben'bütg"ns

Erscheinungen sind auch diesmal zu beobachten. ~ ei Mmrster des Äußern bezeichnete in seinem Expose die

M,aftlick:e ^" ^5,Monarchie zu Rußland als freund- schaftliche. Wenige «tunden vorher hatte der Präsident der österreichischen Delegation, Graf S y l o n - T a r f u c a in ferner Ansprache arr den Thronfolger in der Ofener Hofburg ,n fcharfer Weise und unter demonstrativem Beifall der anwefenden Delegierten gegen die agitatorische Tätigkeit Ruß-

Wahrheit und Dichtung.

(Van unserem mexikanischen -Spezialberichterstatte,r.)

Veracruz, 30. April.

Danke der .gütigen Nachfrage, es geht uns schlecht, herz­lich schlecht in diesem AugenWick in Ber'acruz, wenn auch unter amMÄanifcher Verwaltung wieder -etwas Rhnliches wie Obdnung hier eingekehrt ist, wenn auch die BedöNeruna wieder in ihren Trapenschlummer zurückverfallen ist und sich kaum mehr um die „-G-ringos" kümmert, außer daß sie ihnen für alle Bedünfnisse des alltäglichen Lebens geradezu ungkaulbliche Preise abnimmt, und wenn man auch an einem so herrlichen Nachmittag, wie der heutige es ist, sich- an den kleinen Tischen vor den Cafes -der Central Plaza auf den Boulevard des Poissonitzr-es in der Lichtstadt -an der Seine zurückträum-en -könnte. Wir leiden nämlich alle, die -das Schicksal oder die WenteuerHust oder die Pflicht hier in diesem Keinen Flecken Erde zusammen-ge>fü<h>rt hat, an -einer nachgerade chronisch gewordenen Unterfütterunig. Cs ist un-gkaubli-ch, wie -bescheiden der Mensch -werden kann, wenn es sein muß. Ohne Murren bezahlt man einen amerikanischen Dollar für ein sogenanntes Mittagsmahl, das außer einer kaum genießbaren Fischsuppe uns die optische Täuschung eines kleinen Stückchen Fleisches und einer Tasse schwarzen Kaffees vorspiegelt. Und man kann zufrieden sein, wenn man dies noch erhalten kann.

Die Verpflegungsverhältnisse in Veracruz sind augen­blicklich nicht nur traurig, sondern -geradezu eine Gefahr für alle Ausländer, wozu noch als bedenklichste Situation die Tatsache kommt, daß wahrscheinlich schon in einer Wo-cbe oder zwei die übliche Regenzeit hier -einsetzen wird, die nicht nur Myriaden von Moskitos, sondern auch das GeDe Fieber Typhus und andere Epidemien im Gefolge zu haben pflegt' Wenn da noch eine Unterernährung der Bevölkerung und der unerbetenen Gaste eintritt, so ist die Gefahr einer Kata­strophe keineswegs als töricht von der Hand zu weisen Die

' Bevölkerung von Veracruz hat sich- nahezu

verdoppvlt. Brigade-Generäl Frederick Funston hat ans vwr Transportschtflen die 5. Brigade der 1 . Landarmee-Division

alüem n 28 ' Jrflanterie-Rsgiment bestehst

hierher tzchracht. Wah-rend die vier Reglmenter eigentlich eine Kriegsstarke von zusammen 5000 Mann auf- rsen sollten, so sind doch nur 3500 gekommen, ein Zeichen wre wenig vorbereitet die Vereinigten Staaten für einen Vor- oß ihrer Landarmee ,im Falle einer plötzlichen Mobilisierung Einer der O-fpzi-ere erzählte mir, es sei nahezu un^ möglich gewesen, auch nur eine Koinpagnie der vie/ Reai-

dre Kriegsstarke zu bringen, und manche Kompaanien haben nicht einmal die vollständige Friedensstärke. Da aber auch die, !^arrn^,^o^ld-aten .dem Gensral Funston zugete«

m - 0£f r- etl " a 9000 Mann zurzefl an r-and. An Bord der im Hafen liegenden amerKanifckien und anderem ausländischen Sckfisfe dürften sich an dw ?0 000

Rufend aur"^' durchschnittlich tä^ich etwa drei-

tausend auf der Flucht aus dem Innern hierher gekommene Ausländer m der Hafenstadt weilen und verpflegt sein wollen

für We ^p'klegun^o^ ÄS ss

bd- hk mexikanischen Bauern und Geschäftsleute

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sicht. Dieses sw ^ £lln r f ue y. ta ' durchaus anderer An- ^ Biedermann hat nämlich dieser Tav-e eine

er dieser" tniifom ^"dG«,Mkeru-ny erlassen, in welcher dem näch-w ," »/'.daß sich jeuex Eingeborene die Welt von wage, bcn'-iprf,,^ 1 ^ 86 w oetrachten könne, wenn er es hineinzubrinp, Mitten Ausländern Lebensmitt-el nach Veracruz 5TÄ und da d e amerikanischen Linien unter weiter voraespa r Berhaitnissen unter keinen Umständen

Beroini-aten tDet ^ en sollen, ]o kann von fetten der

Vereinigten Staaten auch den Bauern keinerlei Schutz ge­

lanüs in Galizien protestiert, die sich eine selbstbewußte und IhW ^votzmacht fernerhin nicht gefallen lassen dürfe^ Graf e v e§ + der einflußreichsten Mitglieder des Ea 8 ^ ort äU ^m intimen Bekanntenkreise

es Thronfolgers. Wenn er an so exponierter Stelle ^"derartigen Protest äußert, so ist das ein Beweis dafür, ? u , r die IN $of!reifen herrschende Ansicht ÄÄ-Tf Außerdem pflegen die Ansprachen der D-elegationsprastventen anläßlich der Thronrede stets im E i n- l** m e n mit dem Auswärtigen Amte gemacht zu wer- den. Wenn alfo der Minister des Äußern gegen diese Stelle

boten te? e fn eir s ° f s en Shlon-Tarsnca keine Einwendung er­hoben hat, so ist das außerdem ein Beweis dafür, daß im Grunde genommen auch das Auswärtige^ Amt d e x l hrffltht," Meinung ist wie der österreichische Delegations- prasrdem, und daß^es nur durch seinen Mund hat aussprechen ^ suchst nicht äußern mochte. Die freund-

8rcktted“ff" 8U Ku6rail<> im Expose des Grafen Berchtold sind alfo sehr cum grano sialis zu nehmen.

Mt der Schilderung der Beziehungen der Monarchie zu ? „ r J e n l,t e§ urcht viel anders. Es sei zugegeben, daß io- teE di-e italienische Regierung die

^^Fbsrcht haben und das ehrliche Bestreben so grotesk das klingen mag, freundschaftliche Beziehunaen zwqchen den beiden verbündeten Staaten anzubahnen k^^Vfelts aber laßt sich die Tatsache nun einmal nicht aus w- zur selben Stunde, wo Graf

Benhtold d-efe fteundschaftlichen Beziehungen in der Mer! -elchifchen Delegation ,n der wärmsten Weise schilderte in

Ä 5 T 5 ÄÄSS

e:!!!' .^chen Wert haben derartige ministerielle ErMrun- gen m den berufenen parlamentarischen Bertretungskörpern denn ubeichaupt, wenn sie schon in demselben AuKr^luke^ in

G^eMeil^wante^^^'ß^^ ^ Ereignisse in das nackte Gegenteil verwandelt werden. Der Minister des Äußern

der K te e°a s m^"^ b ^ friedliche Situation in Europa und INI st-er verlangt im Nebensaale mit S^^°uf dm unsichere Situation 426 Millionen für n e u e f m 1 ^/' der Minister des Äußern beteuert ine

sv.y?.Euh«n Beziehungen zu dem Zarenreich-- und die v-anika wi,tischen Kreife Rußlands unterwühlen Galizien uM 2' Worten mit dem Rufe, daß die rnssWe Fah^e auf den pathen anfgepflanzt werden muffe. ^ T Mac ~

sind auffallende Widersprüche, die ihre MBqmi M ms rn der Verschiedenheit von Re gi er u naspolte ^ k und Volkspolitik finden können. Das gilt in erster ? -ö 1 alren. Es war viele Fahre hindurch ein sebr

dublofer Posten im Dreibunde, so lange es für feilte Mittel-

ten Habsburger Staat, sondern weil es die Unterstützung der

ntZ&n. m «S‘ e l m Z »--»«---chkÄi-

ttra0Crun0 1,1 aI f° durchaus k e i n E r fo r o der nftir- P°litik, sondern die natürliche ^o-Me der italienischen Ex pansionsb edürfnisse,

- Ä to 'L te ' So zichen es -denn die meisten vor, um ihres t ^Een auf den schönen Verdienst zu vergsthten Dazu temmt, daß die einztge Eisenbahn, die nach dem Fruckit-

die IlLd7L

f“ L'ff i eit zehn Tagen außer BetrieL ist, so daß von Au? Tamvst?teff^v^^^b die Stadt kommen kann. Mnexld ^ ExÄanffchen Regierungstruppen

; f. Zevens-Mittel hinaus, denn sie wissen nicht

ind^Md fc?ist^e? ^ die Rebellen «gesetzt

pno, uns fo I,t es klar, daß die Zuisuhr von Lebensmitteln fu, -mindestens 80 000 Menschen von den Vereinigten Staaten ^ isflsitwo vom Auslande her hierher verschifft werden muß to< s § V^valtige Anstrengungen, sondern auch außer'

ordentliche Kosten verursachen Lird. Für den AngEstk hat ,a General Funston ein klein wenig Erleichterung qc- n v enT .. «_ neunhundert Tonnen von Stapel-Leben«- die für spekulative Zwecke in hiesigen L«»LrkLu-f.ern auifg-eistapelt waren, unter dem in der Stadt teitetenVn Kriegsge>etz einfach requiriert hat und nun hitrc! ' " t- Beamte zu angemessenen Preisen i'owoh? a?tee Eingeborenen wie an die Ausländer verkaufen läßt der Erlös geht unverkürzt den eioenif-Iirten m ' ^d Lebensmittel zu. Aber wie lange N^rn der

bei der großen Menschenmenge, dst r ^wme Vorrat

aushalten. .. 3 e de^pflögt werden muß,

im Lr^L^L« . daß -so viele Ausländer hatte man von amtlich«: Ur,prunglich

daß insgesamt 10 000 Amerikan? ^ Seite angeg-eten,

daß insgesamt 10 000 fflnwr w , t ^ - te angegeben, und Engländer in Meriko !bi-l>v, l e , 5000 Deutsche

Nach der gewaltigen W hn ’ auf-gechlagen haben,

den Hafenstädten" wi-e^a,,? Züchtlingen, die sowohl aus fahr der Lage oewM-n r s ÜCm A nnetn Landes der Gr­ind--s viel zu lüedriae s!i?' die angeführten Zahlen

2500 Flüchtlinge ant w i- S>Ütl S: ? m P tC0 allein sind über Amerikaner Z g?lST"' -f* bcr

weder von hier ans Ü £ X - ,e !? wenig Deutsche, ent- gesandt tonr-ten- v'' oder direkt tn -die Vereinigten Staaten , hier in Veracruz fyct&ert minbeiiert§ in