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skr. 224.

Donnerstag, 14. Mai lim.

WresvadenrN TagLrlatt.

Abend-Ausgabe, 1. Matt.

Sette 3.

vom 13. bis 15. Mai in Berlin sLandwehroffizier-Kasino) zu seiner diesjährigen Hauptversammlung zusammen.

Deutsche Schutzgebiete.

Die Anlcihedenkschrift für die Schutzgebiete, die dem Reichstag zugegangen ist, gibt Rechenschaft über die Verwen­dung der Anleihen im Rechnungsjahre 1912. Nach der letzten Denkschrift vom 28. November 1912 sind in den Rechnungs­jahren 1908 bis 1911: 136 172 298 Mark durch Begebung von Anleihen realisiert worden. Es bleibt somit als Rest für 1912 ein Betrag von 744 483 Mark. Für 1912 wurden zu Anleihen bewilligt 34 037 029 Mark. Hierzu treten 83 360 Mark Depot- zrnsen aus der zinstragenden Anlegung des Anleiheerlöfes 1911, die abzuziehen sind, so daß 1912 : 74 698 161 Mark

flüssig zu machen waren. Die Flüssigmachung der Anleihe­kredite kann auch im Wege eines vom Reich zu gewährenden Darlehens erfolgen. Diesen Weg hat das Reich beschritten und den Kolonien ein Reichsdarlehen von 34 Millionen ge­währt^ Der Rest von 698 161 Mark verbleibt für das Rech­nungsjahr 1913. Dieses Darlehen wird mit 4,1 Proz. ver­zinst. Im einzelnen wird nachgewiesen, für welche Zwecke die Anleihemittel Verwendung gefunden haben.

KuZlanö.

Gkterreich-Nnoarn.

Der Handelsvertrag mit Deutschland vor den Delega­tionen. Budapest, 13. Mai. In dem von dem Marquis Baqu ehern über den Voranschlag des Miniisteriums des Äußeren erstatteten Bericht heißt es, daß der Ausschuß mit Genugtuung feiststellte, daß es den Bemühungen >des Ministers des Äußern gelang, der Monarchie die Segnungen des Frie­dens zu erhalten. Das Bündnis zwischen Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reiche, sagt der Bericht, das sich wenige Jahre nach seiner Begründung durch den Beitritt Italiens zum Dreibunde erweiterte, hat sich auch während der Balkan­krisen als Schutz und Schirm des Weltfriedens bewährt. Be­züglich der wirtschaftlichen Fragen führt der Bericht aus, daß nach den Erklärungen der deutschen Reichsregierung Deutschland nicht die Absicht hat, seine Tarifver­träge zu kündigen. Deutschland möchte gerne vermeiden, sich auf handelspolitische .Experimente einzulassen. Für uns wäre eine einfache Verlängerung unseres Han­delsvertrages mit dem Deutschen Reiche mit Rücksicht auf die Verschiebungen, die sich in dem Handelsverkehr mit Deutsch­land bei einzelnen Industriezweigen ergaben, nicht an­nehmbar. Eine Reihe der Industrien leidet schwer unter der Unzulänglichkeit des Schutzzolles. Bei der gewal­tigen Steigerung der Leistungsfähigkeit der deutschen Unter­nehmungen können unsere Betriebe mit ihnen nicht gleichen Schritt halten und begegnen der mächtigen deutschen Konkurrenz. Jedocki ist ein großer Teil der Bestim- mungen unseres Handelsvertrages nicht abänderun-gsbedurf- tio Daher dürfte es sich seinerzeit empfehlen, den Vertrag nicht zu kündigen, sondern einen Zusatzvertrag zu vereinbaren.

Das Marineprogramm vor der ungarischen Delegation.

Budapest, 13. Mai. Der Marineausschutz der ungarischen Delegation verhandelte über das Marinebudget. Der Marrae- kommandant erklärte, daß die nächsten setzt projektierten Schiffe 24 500 Tonnen Gehalt und zehn Göschütze von 35 Zentimetern haben werden. Österreich-Ungarn Wime jetzt -den Vergleich mit allen Kriegsschiffen aller Seemächte, ausge­nommen der allerstärksten, im Typ a-usnehmen. Was den Wunsch nach Feststellung eines F l o t t e n p-r og r am m s betreffe, so sei die Marineleitung diesbezüglich auf die Int iiative der beiden Regierungen angewiesen.

England.

DaS Arbeitsprogramm des Unterhauses. London,

13. Mai. Die gestern abend von der Regierung eingebrachte formelle Resolution über die weitere parlamentarische Be­handlung der Bills, b-etr. Homerule, Trennung von K irche und Staat in Wales und Pluralwahl- r cch t, wurde vom Unteühause mit 276 gegen 194 Stimmen angenommen. In parlamentarischen Kreisen wird er­wartet, daß das Unterhaus in der dritten Lesung die Home- rulelbill in -der nächsten oder in der übernächsten Woche an­nimmt. Das -Gesetz geht dann an das Oberthaus, das es wahr­scheinlich ablehnt. Dann kann die Bill auf Grund der Par- lamentsa-kte Gesetz werden. — Die Regierung beabsichtigt in­dessen, einen Gesetzentwurf einzubrmgen, _ der die Zuge­stand n i ss e, -wie sie bereits Asqurth anbot, um­faßt; von dessen Annahme wird es abhängen, ob es zu einer friedlichen Beilegung kommt.

Der Waffenschmuggel nach Ulster. London, 14. Mai.

49 Mitglieder der liberalen Partei haben unter dem Vorsitz des Richters Neil Primerose eine Vevsammlung abgchalten, um gegen den andauernden Waffenffchmuggel nach Ulster gegenüber der Regierung, die nicht genügend Wachsamkeit übe, zu protestieren. Mehrere bei der Vevsamm-lung an­wesenden Parlamentarier t a d e l t e n die Regierung in ihren Roden aufs heftigste, weil sie m-cht schon früher gegen die Schuldigen vorgegangen sei. Sie gaben der Hoffnung Ausdruck, daß die Regierung. endlich icharfere Maßnahmen ergreifen werde, um den Waffenschmuggel zu unterdrücken.

Die Ahndung der neuesten Suffragettenschandtat. L o n. d o n, 13. Mai. Fräulein Ansell, welche gestern das Herkomer- bild in der Königlichen Akademie beschädigte, ist zu sechs M o n a i e n Gefängnis verurteilt worden.

Portugal.

Eine offizielle Beschwichtigung wegen der Unruhen im

Kongo. L i s 1 a b o n, 13. Mai. Die Regierung erklärt, daß die Lage in der portugiesischen Kangokolonie nicht beun­ruhigend fei, und daß sie in der Provinz Angola über die notwendigen militärischen S tre i t kr äf te verfügt, um den in der dortigen Gegend aus-gebrochenen Eing-eborenen- ausstand zu unterdrücken.

Dänemark.

Für das Fehmarn-Projekt. K o p e n h a g e n, 13. Mai. Das dänische Fehmarn-Komitee, in dem sämtliche Haupt- ovaanisationen des dänischen Wirtschaftslebens durch ihre Vorsitzenden vertreten ftnb, faßte heute auf der Kopenhagener Börse folgende Resolution: Das Komitee hält es selbst

bei großen finanziellen Aufwendungen für aus-geMoffen, daß die Korsoer-Kiel-Route mit der langen Seereise und dem unvermeidlichen Umsteigeverkchr brauchbar und zufrieden- stellend -auszuge-stalten ist. Nach den von der dänischen Regie­rung und dem dänischen Reichstag getanen Äußerungen darf n i ch t damit gerechnet werden, daß Dänemark sich an einem eventuell kostspieligen Ausbau der Korsoer-Kiel- Route beteiliLt. Dagegen darf man -erwarten, daß Däne­

mark bereit sein wird, bedeutende Opfer zu bringen, unr die Fehmarn-Route zu verwirklichen. Das Komitee ist deshalb entschlossen, die Arbeit für die Durchführung dieser Linie sortzusühren, welche mit ihren unibe-streit-baren Vor­teilen für den Verkehr aus die Dauer sich nicht zur Seite schie­ben läßt.

Italien.

Eine sozialpolitische Rede des Ministerpräsidenten. N o m, 13. Mai. Bei der Weiterberatung des Etats des Ministeriums des Innern in der Kammer gab der Minister­präsident Salandra verschiedenen Vorrednern zu, daß einige Abänderungen des Wahlgesetzes angebracht sein könnten. . Im ganzen halbe es erfreulich gewirkt, so daß eine große Reform, wie die von ernem Redner vorgeschlagene Rück­kehr zur Listenwahl, nach einer so kurzen Erfahrung unange­bracht sei. Der Mädchenhandel drücke Italien weniger wie -andere Länder, jedoch werde die Regierung energisch da- gegen ein-schreiten und werde den, Gesetzentwurf gegen die Pornographie, den bereits Luzatti ausgearbeitet habe, wieder einbringen. Die Gesundheitspflege habe große Fortschritte -gemacht und die mittlere Lebensdauer in Italien zugenommen. Bei -den bevorstehenden allgemeinen Wahlen -der Verwaltungskörper werde die Regierung eine Einflußnahme vermeiden. — Die Rede des Ministers wurde häufig von Beifall unterbrochen.

Ein Besuch Poincarös in Rom? Rom, 14. Mai. Nach allerdings offiziell noch nicht bestätigten Meldungen schweben Unterhandlungen über einen Besuch des Präsidenten der französischen Republik am italienischen Hofe. Der Besuch soll im Oktober staiifin-dcn.

Sturz eines Militärfliegers ins Meer. Rom, 13. Mai. Der Militärflieger Leutnant Landini ist -bei einem Fluge von Portoferra-jo nach Piomibino ins Meer gestürzt. Er wurde in fchwevveületzt-em Zustande gerettet.

Der Streik der Genueser Reeder. Genua, 14. Mai. Die Reeder des Hafens von Genua haben beschlossen, den Streik so r t zu s etz e n. Eine große Anzahl von Handels­schiffen sind a-bLrmals a b g e t a k e >l t worden, so daß jetzt etwa 150 Schiffe rat Hasen von Genua ohne Takelage liegen.

NuMnnd.

Das Mäßigkeitsgesetz angenommen. Petersburg, 13. Mai. Im Reichs rat wurde heute der Resormgesetz- endwuvf zur Förderung der Mäßigkeit des Volkes mit der Maßgabe angenommen, daß jährlich 10 Millionen anstatt der von der Kommission vorgefchlagenen 20 Millionen dafür ausgeworfen werden.

Graf Witte in Petersburg zurückerwartet. Peters­burg, 14. Mai. Graf Witte wird am nächsten Montag wie­der hier eiutreffen. Er soll bekanntlich die Unterhandlungen mit Deutschland über die Erneuerung der Handels­verträge führen.

Die türkische Abordnung beim Zaren. Livadia,

13. Mai. Gestern wurde zu Ehren der außerordentlichen türkischen Gesandtschaft an Bord der Kaiserjacht „Standart" ein Frühstück gegeben, wozu alle Mitglieder der Gesandt­schaft mit den Kommandanten und Offizieren der kaiserlich- ottomanischen Jacht „Ertogrul" -gelladen waren. Generäl­adjutant Admiral Niloiw und -sein Stab machten Honneurs an Bord. Während des Frühstücks brachte der Admiral einen Toast auf den Sultan aus; Tälaat-Bei auf den Kaiser von Rußland. Gleichzeitig -wurde die Mannschaft der Sultans- jacht vom kaiserlichen Hofe bewirtet. Im Lause des Tages besuchten -die Mitglieder der Gesandtschaft die anwesenden Großfürsten und Großfürstinnen. Abends fand Diner an Bord der türkischen Jacht statt. Heute früh ging die Jacht in See.

Valkanstaaten.

Die Verhandlungen in Korfu. Wien, 13. Mai. Aus Athen wird -offiziell -hierher gemeldet, daß Nachrichten aus Korfu zufolge die Besprechungen zwischen den Epiroten und -den Mitgliedern der Internationalen Kontrostckommission einen guten Fortgang nehmen. Die Lage habe sich ge- bessert.

Das unzufriedene serbische Offizierkorps. Belgrad,

14. Mai. Die Regierung ging gestern über die Interpellation bezüglich der Unzufriedenheit rat Offizierkorps und etwaiger Maßnahmen zu ihrer Abhilfe mit 77 gegen 50 Stimmen zur einfachen Tagesordnung über.

Bandenkämpfe in Mazedonien. Saloniki, 13. Mat. Bulgarische Komitaischis versuchten in D o i r a n einen Putsch. Sie warfen Bomben gegen- öffentliche Gebäude, die stark beschädigt wurden, Starke bulgarische Banden halben serbische Truppen angegriffen und haben ihnen erhebliche Verluste bei-gsbracht.

Die Nordalbanesen auf dem Zuge gegen Epirus.

D ur a zzo, 13. Mai. Der M i rdit ertf ü t ft Bib-Doda- Pascha ist hier eingetroffen. 4000 Mann seines Stammes sind aus dem Marsche südwärts. Die Geistlichen begleiten die Freiwilligen in -den Krieg. Weitere 6000 Nardakbanesen gehen dieser Tage südwärts.

Türkei

Die Kammereröffnung. K o nst a n t i no p e l, 14. Mai. Die Kammer wird heute in feierlicher Sitzung eröffnet wer­den. Der Sultan und sämtliche Prinzen des kaiserlichen Hauses werden zugegen sein. Der Sultan wird eine Thron­rede verlesen, die sich in der Hauptsache mit der Reorgani­sation aller Verwaltungsgweige des Landes beschäftigen wird. Das politische Gebiet wird nur flüchtig ge­streift, und betreffs der Insel s rage wird der Sultan -seiner Überzeugung Ausdruck geben, daß es gelingen möge, eine friedliche, für die Türkei günstige Lösung der ganzen Ange­legenheit herbeizuführen.

Die Kabinette Kiamil und Mukthar unter Anklage.

o n st a n t i n o p e I, 14. Mai. Das noch immer allmächtige Komitee 'für Einheit und Fortschritt hat in feiner letzten Sitzung einen Beschluß gefaßt, alle Mitglieder der früher am Ruder gewesenen Kabinette Kiamil -und Achmed-Mukthar- Pascha in den An k l a g e z u st a n d zu versetzen. Als Grund für -diesen Beschluß, der das allergrößte Aufsehen erregt, wird angegeben, daß -die Angeklagten durch ihre mangelnde Umsicht -große politische Fehler begangen haben, so daß das Osmanenreich in schweres Unglück gestürzt worden sei.

Nordafrika. . ^

Die Gefechte bei Taza. Sulel Ar.ba, 13. Mai. Aus Taza wird gemeldet, daß die -französischen Truppen nach einem sehr harten Kampfe das von Schluchten durch­schnittene Gebirge überschritten haben, in dem der Scheik der Hadjami starke Streitkräste der Riota und Zuls zusa-mmen- gezogen hatte. Die Stellung wurde genommen und der Feind zerstreut, der Zahlreiche Tote u-Nd Verwundete zurückließ.

Hadjami befehligte im Jahre 1913 die Aufständischen, die Fez belagerten. General G o u r a u d begibt sich morgen nach Zavka,-um dort mit General Liautey zusammenzutresfen. Die eingenommene Stellung liegt vier Kilometer von 'dem Lager der Ued Amilil entfernt.

Ein Desertionsbureau in Algerien? Paris, 14. Mai. Die Agentur. Fourrier meldet aus Co nst a n t i n e, daß dir dortigen Behörden ein Desertionsbureau entdeckt haben, das französischen Soldaten, besonders Fremd enlegio- nären, zur Desertion verholsen halbe. Man gab jedem Soldaten, der sich zur Desertion bereit erklärte, 350 Franken. Das Bureau soll rat Aufträge einer fremden Macht be­reits -in 20 Fällen seine verbrecherische Tätigkeit -ausgeübt haben.

Japan.

Die Bestechungsafsäre. R. Tokio, 13. Mai. Der Pro- zeß gegen den Kapitän Suzuki im Zusammenhang mit den Bostechungsfällen in der Marine hat heute vor dem Kriegs­gericht begonnen. Die Unteüsuchunigskommission, welche sich mit den Transaktionen der Firmen Armstrong und Vickers befaßte, fand nicht den g e r i n g st e n Anhalt dafür, daß Bestechungen vorgekommen sind.

Der Schiedsgerichtsvertrag mit der Union. Tokio, 13. Mar. Der Geheime Rat hat den Schiedsgerichtsvertrag zwischen den Vereinigten Staaten und Japan bestätigt.

Ku§ Siaöt und Land.

Wiesbadener Nachrichten.

rraifertage.

Der erste Dag des Wiesbadener Kaiserbesnchs nahm den programmgemäßen Verlauf. Das Hauptinteresse beanspruchte qter die F e st v o r st e l l u n g i m H o f t h e a t e r, zu welcher sich rer Kaiser gegen Uhr mit dem Gefolge in mehreren Automobtlen begab. Um diese Zeit hatte der Andrang aus dem Schloßplatz und rn der engen Großen Burgstraße fast be­ängstigende. Formen angenommen. Die dichte Menschenmauer, dre sich aufgestellt hatte, um den Kaiser bei der Fahrt zum Theater zu begrüßen, war nicht immer leicht zur Einhaltung der Iibsperrungszone zu bewegen und nur der Umsicht- der Polrzeroeamten ist es zu danken, wenn der Durchgangsver­kehr nicht behindert und Störungen oder Zwischenfälle ver- mteden wurden. Unterdessen rollte Wagen auf Wagen nach dem Hoftheater und brachte die zahlreichen Besucher der ersten Festvorstellung. Elegant gekleidete Damen, ordengeschmückte Herren, Uniformen hoher Staatsbeamter, Offiziere hoher und höchster Chargen gaben dem festlichen Bilde das vor- neyme Gepräge. Das Theater selbst präsentierte sich im ^"^rn rn der bekannten Galaausschmückung: Rosen- uifferbrochen bon schwarz-weißen Wimpeln an allen Rcragen. Ebensolche Girlanden schmückten den riesigen Kronleuchter und verteilten - sich von dort aus nach allen Setten des Zuschauerrcrums. Das Theater war bis auf den letzten Platz besetzt. Im 1. Rang und in den Logen ein vor­nehmes Repräsentationspublikum, hohe Würdenträger und Staatsbeamte mit ihren Damen: der kommandierende General, der Regierungspräsident, der Oberbürgermeister, der Polizeipräsident, die Kommandeure der Truppenteile und des Landwehrbezirks sowie hervorragende Mitglieder der ersten Gesellschaftskreise, der Standes- und Geistesaristokratie. Das Ganze eine Festversammlung, in welcher der Kaiser den Mtttelpunkt btldete. Kurz nach %8 Uhr betrat der Intendant des Hoftheaters, Herr v. Mutzenbecher, die große Hof- loge, um tn der üblichen zeremoniellen Weise durch ein zlvei- maltgcs Klopfzeichen die Ankunft des Kaisers mitzuteilen. Gleich darauf erschten der Kaiser selbst in großer Uniform, elastisch und fttsch aussehend, um nach der Begrüßung durch Hochrufe in der Mitte der Loge Platz zu nehmen. Der Vor­hang ging hoch und die Vorstellung nahm ihren Anfang. Mit dem Kaiser hatte auch das Gefolge und der Kriegsminister b. F a l k e n h a y n, der auf Einladung des Kaisers der Vor­stellung beiwohnte, in der großen Hofloge Platz genommen. Der Krtegsminister saß rechts vom Kaiser, der sich mit Herrn v. Falkenhahn in den Zwischenakten sehr angeregt unterhielt und in lebhafter Weise Erklärungen über Spiel und Dar- stellung gab. Links vom Kaiser saß Generaladjutant General­oberst v. Scholl; weiter waren zu bemerkeu General- adsutant Generaloberst v. P l e s s e n und die Flügeladjutanten t- ll “ S und Major v. Hirschfeld. Dem Kaiser schien die Aufführung der „Journalisten" von Gustav Freytag sehr zu gefallen; er selbst gab nach den Aktschlüffen und zum Schlirß der Vorstellung das Zeichen zum Beifall. In der Pause war der Kaiser vom Foyer aus zu sehen. Er stand ober- halb der großen Freitreppe im eifrigen Gespräch mit Herrn' v. Mutzenbecher. Empfangen wurden in der Pause Frau Regierungspräsident v. Meister, Frau v. Rochow- Golzow. die einem alten märkischen Adelsgeschlecht ent­stammt, und die Gattin des kommandierenden Generals, Frau v. S ch e n ck. Der Kaiser wohnte der Vorstellung bis zum Schluffe bei und empfing hierauf im Vorzimmer zur kleinen Hofloge die Hauptdarsteller, mit denen er sich einzeln über eine Viertelstunde unterhielt und ihnen seine dankbare An­erkennung für Spiel und Darstellung aussprach. Empfangen wurden hierbei Herr Clewing, Herr Legal, Frl. G a u b y, Herr R o d i u s und Herr A n d r i a n o. Nach der Vorstellung fuhr der Kaiser zum Schloß zurück. Bei der Einfahrt waren das Rathaus und der Schloßplatz feMch illuminiert. Die hier wartende Menschenmenge be­reitete dem Kaiser bei der Einfahrt stürmische Ovationen.

Heute morgen machte der K a i s e r in Begleitung des Gefolges bereits um 7,40 Uhr einen Ausflug im Automobil. Die vter kaiserltchen Wagen fuhren durch den Michelsberg und die Emser Straße nach dem Graf-Hülsen-Weg. Hier stieg der Kaiser aus und ging etwa % Stunden spazieren. Die Automobile kehrten gegen 9 Uhr wieder nach dem Schlosse zurück, ^jin ^aufe des Vormittags nahm der Kaiser V o r - träge entgegen. —- Das Zivilkabinett hat dem hiesigen Magt)trat etn Schreiben zugehen lassen, nach welchem der gelegentlich seines hiesigen Aufenthaltes dem stadtt;cheu Kaiser-Friedrich-Bad einen Besuch ab­zustatten. — Nachträglich sei noch bemerkt, daß dem Wies­badener Pfadfinderinnenverein gestattet worden war, am Portal des Bahnhofs Aufstellung zu nehmen, um den Kaiser bei seiner Ankunft begrüßen zu können. Eichenzweige schwingend, empfing beim Heraustreten aus 100 jugendlichen Kehlen ihren Landesvater der Bundesgruß „Gut Pkffd. . Sichtlich erfteut von dem Zuruf, dankte der Kaffer kernen enthusiasmierten Landeskindern,