Seite L. Morgen-Ausgabe, 1. Vlan. WiSSdKDeNVV tz-agblKtr
Dienstag, 12. Mai 1914.
Nr. SIS.
P resse, das über kurz oder lang das Regieren überhaupt unmöglich machen müsse. Die Presse sei mit der Zeit „ein Tyrann ohne Schranken und ohne Verantwortlichkeit" geworden, und die Regierungen der ganzen Welt würden diesem Zustande ihre ernsteste Beachtung schenken müssen, bevor ihnen die Macht, dies in wirksamer Weise zu tun, für immer aus den Händen gleite. Diese merkwürdigen Äußerungen, über die wir uns mit ihrem Urheber wohl nicht zu unterhalten brauchen, können schwerlich von dem Vertreter einer der beiden Westmächte gemacht worden sein, aber auch Herrn S ch e r b e j e w möchte man es nicht zu- trauen, daß er in dieser Weise die Hilfeleistung, die seinen! Lande durch den Eifer der Pariser Presse zuteil wird, mit kaum verhehlter Geringschätzung zurückzuweisen wünscht. Blätter vom Schlage der „Nowose Wremja" allerdings können kaum zutreffender charakterisiert werden, als es durch die mitgeteilte Form geschieht.
Das Aino als Ainderindustrie.
Die Kinoindustrie ist im Ruhrrevier zum guten Teil Kinderindustrie — was nicht bedeuten soll, daß Kinder von ihr beschäftigt werden, sondern daß Kindet als Unternehmer auf- treten. Diese merkwürdige und befremdende Tatsache wurde vor der Strafkammer des Landgerichts in Langendreer fest- gestellt. Ein Kinobesitzer war wegen unrechtmäßiger Entnahme elektrischen Stromes angeklagt, er hatte heimlich eine Seitenanlage gemacht, die den Strom für Kino und Wohnung, ehe er durch den Zähler gelaufen, benutzte. Das Urteil lautete auf 500 M. Geldstrafe. In der Verhandlung ergab sich, daß das Kinounternehmen auf den Namen der setzt sechzehnjährigen Tochter lautete, und der Verteidiger teilte mit, daß diese Erscheinung in der Kinoindustrie des Ruhrgebiets keineswegs ungewöhnlich sei. Sie ist aber jedenfalls bezeichnend für die wirtschaftliche Zuverlässigkeit mancher Kinounternehmer.
OeutscheZ Reich-,
* Hof- und Personal-Nachrichten. Prinz Heinrich non Preußen ist. von London kommend, gestern in Kiel eingetroffen.
sh. Mittelstandstagung des Hansabundes. Eine große Propaganda-Versammlung zugunsten des Mittelstandes veranstaltete gestern zu Dortmund im Reinoldushof der Hansabund, zu der zahlreiche Delegierte von Mittelstands- organisationen aus dem ganzen Reiche eingetroffen waren. Reichstagsabgeordneter v. Richthofen begrüßte die Erschienenen als Präsidiumsmitglied. Als erster Referent sprach dann Abgeordneter Magistratsrat Häberlein (Nürnberg) über „Allgemeine Mittelstand ssragen und Mittelstcmds- politik". Der Redner führte einleitend aus, der Hansabund habe bewiesen, daß er nicht aus 'einer Mißstimmung über die Finanzreform heraus geboren sei, sondern daß er im deutschen Volke festen Fuß gefaßt hat. Von dem Neid und dem Hatz seiner Gegner umtobt, ist er seinen Weg gegangen, und er hat bewiesen, daß es eine große Anzahl von Organisationen gibt, die im Hanfabund gemeinsame Interessen vertreten. Ob es nun Handwerker, Kaufleute, Industrielle oder Angestellte sind, ihnen allen muß das eine Ziel vor Augen stehen: die Stärkung ihres Einflusses und die Erhaltung einer wahrhaft nationalen Wirtschaftspolitik. Dieses Ziel des Hansabundes ist die Grundlage unserer Existenz, denn ohne eine gesunde Wirtschaftspolitik gibt es keine Mittelstandspolitik. Wir müssen darum im Hansabund alle die vereinigen, die nicht für eine einseitige Belastung bestimmter Stände iind, sondern die eine gleichmäßige Belastung aller Berufsstände fordern. Es ist nicht richtig, daß der Bund eine großkapitalistische Gründung ist, der kein Verständnis für den gewerblichen Mittelstand habe; das Gegenteil hat er bereits erwiesen. Der Hansabund ist gegründet als ein Zusammenschluß aller Stände, um der unerträglichen Wirtschaft des überagrarier- tums einen festen Damm entgegenzusetzen. Für dieses Ziel ist der Bund z. B. auch auf dem Gebiete des Subhastations- wesens tätig gewesen. Er bat dabei eine reiche Tätigkeit entfaltet und die Genugtuung gehabt, daß die Reichstagskommission, die über dieses Gesetz beraten hat, seinen Entwurf als Grundlage benützt hat. Industrie, Handwerk und gewerblicher Mittelstand sind eng aufeinander angewiesen. Wenn di- rechtsstehenden Parteien behaupten, daß der Hanfabund überhaupt nicht fähig sei, dem Mittelstand zu helfen, so mutz man dem entgegnen, wer hat dem Mittelstand schwerere Wunden zu schlagen verstanden als gerade die rechtsstehenden
Zauberkünstler uns gruieln macht — sondern ganz besonders in dem Blick auf die Entwicklung der Varietökunst in den letzten hundert Jahren. Wie unsere Urgroßväter sie genossen, das erleben wir hier sehr ulkig in schönster Praxis. .Eme Hälfte dm Halle ist äü-geieilt und zu einem Marktplatz m Krähwinkel umgestaltet, sehr gemütlich und stimmungsvoll. Darauf hat eine reisende Gesellschaft ihr Podium aufge- scblagen, die Truppe des Prinzipals Wuttke, so wie es früher rirnnat war. Und in gedrängter Folge spielt sich Ger unter freiem Himmel das Programm einer solchen fahrenden Ge- stllschaft ab, mit der kleinen Tänzerin aus dem Drahtserl, den -beiden Parterreakrobaten, dem Clown, dom Prinzipal als Athleten und der tellersammelnden Prinzipalin. Diese Vorführung, zu der sich einige hervorragende Artisten zusammen- nctan haben, ist außerordentlich geglückt und dürste ein Hauptanziehungspunkt des Unternehmens sein.
Welche Entwicklung daS VarietL seit den Tagen genom>- nrü hat, da es nur in solchen Truppen verkörpert war, das y-'ht inan aus dieser Ausstellung allerdings im wesentlichen •Vtc im Bilde. Man könnte sie auch eine Plakatausstellung u-nnen. Das Gebiet des Varietss ist heute viel zu vielge- >! altig geworden, staue Erscheinungen sind zu mannigfaltig ::nd wechselnd, als daß man hier auch nur einen bescheidenen Teil hätte ausmarschieren lassen können. Seinen Ruhm kün- ^cn die Plakate. Sie künden ihn besonders auch dadurch, s a t, .stzz in ihnen der Geschmack und Witz sehr oft michlich rügt/ den wir auf der Bühne des Barietss manchmal noch vermissen. Auch hier ist zwischen den ganz altväterlichen Plakaten amerikanischen Ursprungs und den prachtvoll erbebten und ausgeführten Plakaten besonders aus München noch ein unendlicher Weg. aber alle diese Bilder und Zeich- uunaen. dicst umfangreichen Zeitschriften der großen Reise- unternehmunaen und die verblaßten Zettel verflossener Tage verbindet doch ein gemeinsamer Gedanke, der immer deutlich hervortrilt: das Bewußtsein der eigenen Kraft und des
eigenen Könnens, das sich laut emaniert, weil die stumpfe
Parteien, insbesondere mit der famosen Reichsfinanzreform? Vergebens sucht man heute durch Gründung des Reichsdeutschen Mittelstandsverbandes und des Kartells der schaffenden Stände mit einem rein konservativen Einschlag den Mittelstand aus dem Hansabund wegzulocken. Nur durch ein gemeinsames Zusammenarbeiten aller Berufsstünde kann der Mittelstand eine segensreiche Wirkung entfalten. (Lebhafter Beifall.) — Hierauf sprachen der Ehrenvorsitzende des Zentral- ausschnsses der Vereinigten Putzdetaillisten-Verbände Deutschlands, Falk, über „Organisationsfragen des Detailhandels", Obermeister K n i e st (Berlin) über „Das deutsche Handwerk und die Handelsverträge unter besonderer Berücksichtigung des lückenlosen Zolltarifs" und Chefredakteur Falke nb erg vom Hauptvorstand des Bundes der Festbesoldeten über „Die gemeinsamen Interessen der Beamtenschaft, der Angestellten und des Gewerbestandes". — Abgeordneter Frhr. v. R i ch t - Hofen faßte in seinem Schlußwort die Forderungen der einzelnen Referenten zusammen. Er sprach die Hoffnung aus, daß Reichstag und Regierung in der Frage der Konkurrenzklausel noch einig werden würden, wenn auch der Reichstag dem Unannehmbar der Regierung sich nicht beugen wolle. Die Aufhebung des Scheckstempels werde sich durch die Ergebnisse des Buchmachergesetzes ermöglichen lassen. Redner schloß mit der Aufforderung, die Hände nicht in den Schoß zu legen. — Die Tagesordnung war damit erschöpft und die Versammlung wurde mit Dankesworten geschlossen.
Varlainentarischss.
Interessante Reichstagspetitionen. Unter den dem Reichstag zugegangenen Petitionen befinden sich einige außerordentlich bemerkenswerte. So hat der „Verband evangelischer Buchhändler" und der „Verein von Verlegern christlicher Literatur" in Berlin eine Petition an den Reichstag gerichtet, die sich den Petitionen des Goethe-Bundes anschließt und um Ablehnung des Gesetzentwurfs gegen die Gefährdung der Jugend durch Zurschaustellung von Schriften, Abbildungen und Darstellungen bittet. Es ist außerordentlich be- merkenstvert, daß gerade dieser Verband sich gegen einen Gesetzentwurf wendet, der von sonst dem Verband nahestehenden Kreisen die eifrigste Unrerstützung erfahren hat. — Eine Petition, die zum Entwurf des Renn Wettgesetzes eingegangen ist, will anscheinend der Regierung den Weg zeigen, möglichst viel Geld aus dem neuen Buchmachergesetz heraus- zuschlagen. Sie bittet nämlich um Einrichtung sämtlicher preußischer Lotterieeinnahme st eilen als Wettannahmestellen.
Heer und §!ot?e.
Sckisfsnachrichten. Eingetroffen: S. M. S. „Stratzburg" am 8 Mai in Santos. S, M. S. „Scharnhorst" am 8. Mar in Nagasaki- S. M. S. „Breslau" am 9. Mai in Genua, S. M. S. „Pelikan" am 8. Mai in Wilhelmshaven.. S. M. S. „Zielen" am 7. Mai in Glückstadt und am 8. Mai in Altona (ab 13. Mai). _
Ausland.
Gfterreich-Ungarn.
Das Befinden des Kaisers. Wien, 11. Mai. Über das Befinden des Kaisers wird amtlich gemeldet: Die Nacht verlief gut, die katarrhalischen Erscheinungen sind unverändert. Das Allgemeinbefinden ist vollkommen befriedigend.
Der englische Flottenbesuch. Triest, 10. Mai. Heute früh traten die englischen Panzerkreuzer „Defence" und „Duke of Edinburgh" eine Fahrt nach Venedig an. Mittags trafen der englische Panzerkreuzer „Jndomitable" und der geschützte Kreuzer „Weymouth", von einem Hochseetorpedoboot begleitet, ein. Sie wurden von dem österreichisch-ungarischen Panzerkreuzer „Sankt Georg" mit einem Salut begrüßt. — In Pola ist heute mittag der englische Admiral Barke ly mit dem Panzerkreuzer „In- flexible" und dein geschützten Kreuzer „Dublin" eingetroffen.
Entsendung eines Kriegsschiffes nach Zentralamerika. W i e n, 10. Mai. Die österreichisch-ungarische Marineverwaltung beschloß zur Wahrung der Interessen der österreichisch-ungarischen Untertanen ein Kriegsschiff vom Typ des geschützten Kreuzers „Zenta" nach Mittelamerika zu entsenden.
Frankreich.
Das Gesamtergebnis der Wahlen. Paris, 11. Mai. Über das Gesamtergebnis der Kammerwahlen werden
nun folgende Ziffern bekannt gegeben. Gewählt sindt 34 KonfervatW, 34 Mitglieder der Action liberale,
69 fortschrittliche Republikaner, 73 Linksrepublikaner,
62 radikale Republikaner, 28 sozialistische Radikale, 173 geeinigte Radikale, 33 sozialistische Republikaner, 102 geeinigte -Sozialisten und 1 Revolutionär. Drei Resultate aus Martinique und zwei aus Senegal und Korsika stehen noch aus. DieKonservativen gewinnen 6 und verlieren 1 Sitz, die Action liberale gewann und verlor 8 Sitze, die fortschrittlichen Republikaner ge- •* wannen 14 und verloren 28, die Republikaner der Linken gewannen 21 und verloren 25, die radikalen Republikaner gewannen 9 und verloren 24, die sozialistischen Radikalen gewannen und verloren 44, die sozialistischen Republikaner gewannen 6 und verloren 13, die geeinigten Sozialisten gewannen 45 und verloren 10, die Revolutionäre gewannen 1 Sitz.
Ssanien.
Der Budgetentwurf für 1915. Madrid, 9. Mai Der Budgete-ntwurf für 1915 sieht 1 455 961 765 Pesetas für die Ans-gaben vor, das -bedeutet eine Vermehrung von 65 120 485 Pesetas. Die Titel „MaroMo" weisen eine Verminderung der Ausgaben von 2 825 590 Pesetas auf, während die voraussichtlichen Einnahmen aus 12 903 594 Pesetas geschätzt werden. Die Gesamtsumme der ordentlichen Einnahmen Ibe-läuft sich auf 1 855 075 818 Pesetas, das bedeutet ein Defizit von 100885945 Pesetas; dasselbe soll durch Ausgabe von Obligation e n gedeckt werden. Der Papier- geldumlauf beläuft sich auf 2500 Millionen. Der Finanz- minister hat einen S t e u-e r-ge s e tz e n ttvu rs vorgslegt, welcher Zucker und Salz mit einer Steuer belegt, und zwar je 100 Kilogramm Zucker mit 25 Pesetas, den auswär- tigen Zucker mit 60 Pesetas und Salz mit 20 Pesetas. Für Konserve n sollen 10 Pesetas für 100 Kilogramm gezahlt werden. Der Einfuhrzoll auf Sardinen, der gegenwärtig 24 Pesetas beträgt, soll auf 8 Pesetas ermäßigt werden.
Valkanstaaten.
Veränderungen in der auswärtigen Vertretung i .
Serbiens. Belgrad, 10. Mai. Dem „Amtsblatt" zufolge schafft Serbien in Albanien eine diplomatische Vertretung, in Berlin, Wien, Bukarest und Konstantinopel serbische Generalkonsulate, in Prag, Skutari und Triest serbische Konsulate.
Der gegenwärtige serbische Geschäftsträger in Berlin, Gesandschaftssekretär Bogitschewitsch, wurde zum serbischen diplomatischen Vertreter in Ka i r o, Ministerial- sekretär Schainowitsch zum Generalkonsul und Ministe- rialsekretär Michailowitsch zum Vizekonsul in B e r I i n .ernannt. j
Die Mobilisierung in Albanien. Du ra z z o,
11. Mai. Die Milizbildung schreitet erfolgreich in Koritza fort. Bereits 400 Mann sind aus Dibra, 1000 aus Elbassan, 200 aus Starawa eingetroffen. Taufend Freiwillige aus Tirana unter Abdrrefiki und Murad- Bey-Toptani sind auf dem Marsch nach Koritza. Die Regierung hofft, dort in wenigen Tagen über 5000 Bewaffnete zu verfügen. Die Zahl dürfte noch -erheblich steigen; auch 12 Maschinengewehre sind unterwegs dorthin.
Ein Waffenstillstand in Epirus. Wien, 11. Mai.
Die „Albanische Korrespondenz" meldet aus, Valona, daß auf Befehl des Fürsten' vom 7. Mai ab die Feindseligkeiten auf der ganzen Linie eingestellt worden sind.
Das argentinische Großkampfschiff für Griechenland. Athen, 10. Mai. Die Zeitung „Ethnos" meldet, daß die argentinische Regierung sich einverstanden erklärte, Griechenland einen Dreadnought zu verkaufen unter der Bedingung, daß der Vertrag durch die argentinische Kammer ratifiziert würde. ,
Horöofrifect.
Zur Einnahme von Tazza durch die Franzosen.
R a b a t, 11. Mai. Die Kolonne Gouraud beschloß, sich in den Besitz des Bergrückens von Tazza zu setzen, um die Verbindung mit den aus Ostmarokko kommenden Kolonnen zu gewinnen. Der Bergrücken von Zul wurde besetzt. Goiviaud teilte feine Truppen in drei Kolonnen und schickte Flieger gegen den Feind, deren Bomben- würfe erfolgreich wQren. Die Zul fetzr-en den von der Artillerie gut unterstützten Franzosen nur germgen ! Widerstand' entgegen. Um 8 Uhr morgens befand sich
Welt eben so laut angerufen sein will. Diese -ganze Ausstellung -ist ein solcher lauter Schrei voll Kraft und Farbe, und der Erfolg wird ihr -daher auch nicht fehlen, den sie ihrem Werte nach zweifellos verdient. Erich Kühr er.
Aus Kunst und Leben.
* über neue Beobachtungen glänzender Meteore berichtet unser astronomischer Mitarbeiter: Kurz nach Mitternacht am
-beginnenden 29. April wurde in Hamburg und seiner Umgebung ein außergewöhnlich großes und helles Meteor, sogenannte Feuerkugel, beobachtet. Der mittlere Ort der verschiedenen, nicht allzu weit voneinander entfernten Beobachter, die -Wer die Erscheinung -berichteten, war: nördliche Breite 53® 35'. -mild östliche Länge von Greenwich 10® 0'. Als Zeit des Aufleuchtens -gaben die meisten 12 Uhr 15 Min. -an; die Dauer der -Sichtbarkeit des Meteors betrug etwa 2 Sekunden. Der Körver erschien in nördlicher bis nordwestlicher Richtung etwa in der -scheinbaren Höhe von 20», zog verhältnismäßig langsam in -südsüdwestlicher Richtung abwärts und verlosch plötzlich in etwa 10» Höhe über dem Horizont, zeigte sich daher m der Region der Cas-siopeja. Seine scheinbare Größe oder Helligkeit -glich der einer elektrischen Bogenlampe oder Feuer- werkslcuchtku-gel, seine Gestalt der einer Glühbirne oder eines großen Tropfens. In -seinem unteren Teile strahlte das Meteor -stark feurigrot, in seinem oberen prächtig grünblau; -beide Farben gingen ineinander über. Dem Verlöschen -ging eine Explosion mit Funkensprühen voran, wobei die getbroten Funken vom -unteren Teile seitlich fortgeschleudert wurden. Nach der Explosion verschwand das Meteor -sofort; -eine Detonation -wurde nicht wahrgenommen. Ein zweites glänzendes Meteor wurde am 2. Mai abends kurz nach 9 Uhr, bei Stelle in Hannover beobachtet. ES leuchtete im Südsüdwesten etwa -in der -scheinbaren. Höhe des Mondes auf und zog in leichtem Bogen langsam südwestlich; -die Gesamtdauer seiner Sichtbarkeit -betrug etwa'4 Sekunden. Der Körper' -glich einer weiß- -gelb -strahlenden Kugel, die schließlich unter Svrüberschei-
-nung-en zerplatzte. Der von dein Meteor erzeugte rotgälbe Schweis -blieb nach der Explosion noch kurze Zeit sichtbar. Feuerkugeln oder Bolide rechnet man nicht zu den -gewöhn- lichen Sternschnuppen, obwohl sie diesen in vieler Beziehung gleichen. Einerseits unterscheiden sie sich von den Stern- r schnuppen durch ihre Helligkeit und wahre Größe, die oft, wie auch wohl in den oben geschilderten Fällen, sehr bedeutend ist, -andererseits durch die Gestalt ihrer Bahn, die man fast stets .ckl-s Hyperbel erkannt hat, während d-ie Bahnen der kleinen Meteore oder Sternschnuppen Ellipsen sind. Daraus geht hervor, daß die großen Meteore oder Bolide als Fremdlinge aus dem unendlichen Welträume kommen, dagegen die Meinen Meteore oder Sternschnuppen unserem Sonn-enshstem an-ge- hören, d. h. sich in -geschlossenen Bahnen um die Sonne be- ■ Mögen. Sternschnuppen hat man noch niemals, auch nicht bei den dichtesten Fällen, auf die Erde stürzen -gesehen, sie lösen sich -als kleine Körperchen durch die starke Erhitzung infolge der Luftreibung meist schon in bedeutender Höhe der Atmosphäre in Gase-auf. Bolide aber erreichen bei ihrer mitunter sehr ansehnlichen Größe und einem Gewicht von vielen Kilogram- men oder -gar Zentnern häufig die Erdoberfläche und stürzen \ bann als Stein- oder Eisenmassen unter lautem Getöse: Zischen, Knattern und Donnern, zu Boden. Diese aus dem Welträume stammenden Trümmer einstiger größerer. Körper nennt man Meteorite. Eigentümlicherweise schlagen sie selten tief in den Boden ein, denn die von ihnen an der Vorderseite komprimierte Lust verlangsamt ihre Geschwindigkeit sehr stark.
Man veraegenwärtige sich dabei, -daß die kosmische Geschwindigkeit dieser Körper im Mittel 30 000 Meter pro -Sekunde beträgt, während sich die der abgeschoffenen Kanonenkugel nur auf 800 Meter pro Sekunde -beläuft. Manche gleich nach ihrem * Einschlagen aufgefundenen Meteorite waren außen glühend heiß und besaßen innen (an den Bruchflächen) fast noch die eisige Kälte des Weltraumes, der die Temperatur des abso- luten Nullpunktes, —273» C„ hat, d. h. h. wärmelos ist.
A. Stenz el.
