Einzelbild herunterladen
 

— —

■f

?

■l

Ts

*

f

Wjksbs-mer

Verlag Langgaffe 21

S»»lter-Hdlle geäjfnct >«n 8 Uhr morgen« bi« 8 Uhr «feil»».

wöchentlich

BezugS-PreiS für beide Ausgaben: 70 Pjg monatlich. M 2— vierteljährlich durch den Bering Langgaffe SI. ohne Bringer'ohn. M. 8.— vierteljährlich durch alle deutschen Pvstanstalten. ausschliehlich Bestellgeld. — Bezug« »Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bis» marckring 29 , sowie die Ausgabestellen in allen Teilen der Stadl; in Biebrich: die dortigen Aus­gabestellen und in den benachbarten Landorten und im lllheingau die betreffenden Tagblati-Träger.

12 slusgaben.

Fernruf:

„T«,»I«tt.H,us" Nr. 6650-S3.

8on 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, außer Sonntag,.

»eiaen-Prei« [fit Mt Zeile: 15 Pjg. für lokale

Reklamen. Bonze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlauiend na* hVflmWr "

»ei wiedshvlter Ausnahme nnveränd-rter Anzeigen in kurzen Zwischenräume^entldnch-nd^ Radatt

.Äma!^?dtt M"r^n-»u»a.^b»'?Ä^nachmttiag^ Berliner Redaktion de« Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf» Güntzelstr. 6K» Fernspr.: Amt Uhland 45V u. 451.

¥

lUentag, 27. Kpril 1914.

5ur die Aufnahme von Anzeigen an oorgeschriebenerr ^agen und Platzen wird keine Aewäbr '>rern»»«en.

Kbend-klusgabe.

Nr. 194. - 62. Jahrgang.

Der mexikanifch- noröamerikanische Uonflikt.

Ein Vermittelungsvorschlag aus Südamerika.

Washington, 26. April. Gestern abend sprachen der brasilianische Botschafter sowie der argenti­nische und der chilenische Gesandte bei dem Staatssekretär Bryan vor, um die Möglichkeiten einer Arrangierung und freundschaftlichen Losung der mexi­kanischen Lage durch die Dienste ihrer Länder zu be­sprechen.

Washington, 26. April. Die Gesandten von Peru, Bolivien, Costarica. Honduras und Panama sowie der kubanische Geschäftsträger gesellten sich zu den Gesand­ten von Argentinien, Brasilien und Chile, als diese eine Beratung abhielten. Man kam zu der Entschei­dung, daß nichts werteres getan werden könne, bis man die Haltung Huertas kennen gelernt habe.

Der Plan der südamerikanischen Regierungen.

Washington, 26. April. Nichtamtlich 'verlautet, der Plan der stldamerrkanrschen Regierungen fasse die Ent­fernung Huertas ins Auge, auf der die Vereinigten Staaten von Anfang an bestanden hätten. Das Ver- Mittlungsanerbieten ist den diplomatischen Vertretern von Argentinien, Brasilien und Chile in der Stadt Mexiko sowie auch Carranza mitgeteilt worden.

Wilsons zustimmende Antwort.

Washington, 26. April. Das Anerbieten der süd­amerikanischen Republiken besagt: In der

Absicht, den Interessen des Friedens und der Gesittung W dienen und mit -dem lebhaftesten Wunsch, weiterem Blutvergießen vorzubeugen, welches den Absichten der Herzlichkeit und Eintracht, die immer die Beziehungen der Regierungen imb der Völker Amerikas umgeben haben, widerspricht, geben wir, die Bevollmächtigten Bra s^ilie ne s, Argentiniens und Chiles, uns die Ehre, der Regierung der Bereinigten Staaten un­sere guten Dienste für eine friedliche und freundschaftliche Beilegung des Streit­falles zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko anzubieten. Wilson erwiderte: Die Regierung der Ver­einigten Staaten fühlt das tiefste Vertrauen zu der Freundlichkeit, dem guten Willen und der groß­

mütigen Sorge um den Frieden und die Wohlfahrt

Amerikas, welche in der gemeinsamen Note Eurer Ex­zellenzen kundgegeben tverden, in der Sie die guten

Dienste Ihrer Regierungen anbieten, um womöglich eine Beilegung des Zwistes zu erreichen, der zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten und denen ausgebrochen ist, die behaupten, Vertreter der Schwester- repnblik Mexiko zu sein. In Würdigung des Zweckes, zu welchem Ihr Anerbieten gemacht worden ist, kann die amerikanische Regierung sich ihm nicht ent- ziehen. Ihr Hauptinteresse ist der Friede Amerikas, die herzlichen Beziehungen Mischen Fhren Republiken und unserem Volke, das Glück und die Wohlfahrt, die nur aus einem freien gegenseitigen Verständnis und

w

Feuilleton.

Restdenz-Thraker.

Samstag, den 28. April: „Kran." Lustspiel in fünf Aufzügen frei nach dem Französischen des Alex. Dumas (Vater) von Ludwig B a r n a h. — Spielleitung : Ernst Bertram.

Das Stück ist die Rolle, die Rolle ist das Stück. Der Held wird in eine Reihe von Situationen gebracht, in denen er glänzen kann und seinen Charakter enthüllen muß. Das Stück ist ein Reißer. Daß es noch nicht verfilmt ist, nimmt mich wunder, doch es wird noch kommen. Die Rolle ist eine „Bombenrolle", der Darsteller hat allerhand zu leisten. Cr muß sich im Salon der Londoner Aristokratie so sicher be­nehmen wie in den Matrosenkneipen unter Rowdies und Seil­tänzern, er muß Keans nervöse Erregbarkeit, dessen Gut­herzigkeit und überschäumendes Temperament glaubhaft machen. Er muß ein hinreißender Don Juan, ein unver­besserlicher Trinker sein und muß — den Hamlet spielen können. Außerdem hat er das Publikum durch leidenschaft­liche Klagen über den Frondienst des Bühnenkünstlers ä lg Bajazzo zu erschüttern und endlich eine Art Wahnsinnsanfall zu erledigen. Das sind also, Scherz beiseite, ganz gewaltige Anforderungen, die, künstlerisch und physisch, eine starke Per­sönlichkeit verlangen. Herr Nesselträger wurde ihnen gerecht, seinen persönlichen Qualitäten entsprechend- Hier vollkommen — da ausreichend. Am wirkungsvollsten war er in den Momenten lawinenartig sich Bahn brechender, fessel­loser Leidenschaft, am tiefsten ergreifend die Szene, in der der ruhmgekrönte Künstler sich als glücklosen Menschen be­kennt; hier wandelte sich das Lustspiel zur Tragödie. Das kurze Hamletzwischenspiel interessierte stark; könnte das Residenz-Theater die Tragödie nicht einmal mit Nesseltrüger in der Titelrolle bringen? Die Anderen Gestalten des Lust-

ver durch gemeinsame Ziele geschaffenen Freundschaft entstehen können. Das großmütige Anerbieten wird deshalb angenommen werden. Die Regierung der Vereinigten Staaten hegt die ernsteste Hoffnung, daß diejenigen, welche für die gemäßigteren Elemente des mexikanischen Volkes sprechen, sich willig und bereit finden werden, über die Bedingungen einer befrie­dig enden und dauernden Beilegung des Zwistes zu unterhandeln. Wenn Sie diese Bereit­schaft vorfinden, wird die amerikanische Regierung mit Ihnen im o f f e n st e n versöhnlich st en G e i st e alle autoritativ formulierten Vorschläge beraten. Die amerikanische Regierung hofft, daß ' diese Vorschläge sich als ausführbar erweisen und eine neue Zeit gegenseitigen vertrauensvollen Znsam- m e nw i r k e n s in Amerika verheißen. Natürlich ist es möglich, daß der Angriff der mexikanischen Streitkräfte diese Hoffnung auf einen sofortigen Frieden zunichte macht. Unsere Regierung hofft indessen auf die besten Ergebnisse innerhalb kurzer Zeit.

Die ungünstige Beurteilung des Vorgehens der Union in ganz Südamerika.

Buenos Aires, 25. April. Die Blätter verur­teilen die Haltung der Vereinigten Staaten in der mexikanischen Frage. Die „Nacion" meint, die Erinne­rung an diese Haltung werde in der Geschichte der Be­ziehungen der Vereinigten Staaten und Südamerikas bestehen bleiben. „Prensa" ist der Ansicht, daß eine Einmischung der europäischen Mächte ange­bracht sein würde.

Montevideo, 26. April. Hier haben Kund­gebungen stattgefnnden, um gegen das Vorgehen der Vereinigten Staaten in Mexiko zu protestieren. Die Polizei hat die Kundgeber verhindert, sich vor die amerikanische Gesandtschaft zu begeben. Nach einem kurzen Handgemenge, in dessen Verlauf mehrere Per­sonen verletzt wurden, konnte die Menge zerstreut wer­den. — Die Zeitungen „Diario del Plata" und „Rezon" sagen, bei der Gefahr einer Einver­leibung durch i&te Vereinigten Staaten sollten sich die südamerikanischen Republiken verständigen, nur ihr vorzubeugen.

Santiago de Chile, 26. April. Die Zeitungen, be­sonders „Diario Mustrado" und „Marcurio", raten dem Ministerium des Auswärtigen, sich mit den Ministern des Auswärtigen von Argentinien und Brasilien ins Einvernehmen zu setzen und ihnen eine freundliche Ver­mittelung zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten vorzuschlagen, um den gegenwärtigen Konflikt zu beseitigen und einen Krieg zu verhüten.

Bogota, 26. April. Die meisten Zeitungen nehmen hier Partei für Mexiko.

dmc deutsch-offiziöse Keufierung.

Der Fall des deutschen Dampfers „Ypiranga". Berlin, 26. April. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Der feit langem drohende Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Regierung

Huertas ist nunmehr bei einer Frage von an sich g c- ringer Bedeutung ausgebrochen. Die Vereinigten Staaten halten noch daran fest, daß sie es lediglich mit Huerta und seinen Anhängern zu tun haben und daß sie mit dem Staate Mexiko sich nicht im Kriegs- zustand befinden. Daraus ergibt sich zunächst noch eine ungeklärte Lage, die völkerrechtlich nicht ohne Schwierigkeiten ist. Die gegenwärtig bestehende Un­sicherheit legt den nichtbeteiligten Mächten wie auch der öffentlichen Meinung die Pflicht besonderer Zu­rückhaltung ans. Die nächste Entwicklung der Frage wird wesentlich davon abhängen, ob zwischen den K o n st i t u t i o n a l i st e n und den Anhängern Huertas eine Einigung zustande kommt oder nicht. Bis­her gehen die Nachrichten hierüber auseinander. Im Laufe der mexikanischen Unruhen ist mehrfach daraus hingewiesen worden, daß Deutschland in Mexiko lediglich wirtschaftliche Interessen von erheblichem Werte zu vertreten hat und für diese, wie für das Wohl der in Mexiko tätigen Deutschen wünschen muß, daß dort möglichst bald Ordnung und Sicherheit wieder­kehrt. — In der Angelegenheit des Dampfers „Ipiranga" liegt folgender Sachverhalt vor: Die Vereinigten Staaten stellten es dem Dampfer frei, das Kriegsmaterial an Bord zu behalten und die Fahrt fort­zusetzen oder die Waffrnladung zu löschen, für welchen Fall die Waffen in dem von den Amerikanern be­setzten Zollamt in Verwahrung genommen werden wür­den. Die Hamburg-Amerika-Linie beauftragte darauf den Kapitän der „Miranga", die sonstige nach Veracruz bestimmte Ladung zu löschen, das Kriegs- m a t e r i a l aber, das übrigens größtenteils ameri­kanischer Herkunft war, an Bord zu behalten. Die Waffenladung wird wahrscheinlich nach Ham­burg zurückgehen.

Beraecruz, 26. April. Der Kapitän des Dampfers „Ipiranga" von der Hamburg-Amerika-Linie erhielt von seiner Gesellschaft die Anweisung, mit der für Huerta bestimmten Munitionsladung nach Hamburg zurückzukehren.

Washington, 26. April. Staatssekretär Bryan hat dem deutschen Botschafter für die Rücksendung de: Ladung der „Ipiranga" den Dank abgestattet.

Kus Mexisto.

Huerta nimmt die Dienste Südamerikas au. wb. Washington, 27. April. Der spanische Botschafter erklärte er habe Nachrichten aus Mexiko erhalten, nach denen Huerta die guten Dienste Brasiliens, Argen­tiniens und Chiles zur Beilegung des Streites ange­nommen hat.

Verfolgungen der Amerikaner.

wb. New Bork, 27. April. In Agnes Calientos (Westmexiko) sind dreißig Nordamerikaner, die das Land verlassen wollten, in: Zuge festgenommen und in den Schmelzwerken eingesperrt worden.

* Galveston, 27. April. Gestern abend langte hier ein Zug mit 300 Passagieren aus Mexiko-Stadt an. Die hier ankommenden Amerikaner erklären, daß in

spiels bringen Kean eigentlich nur die Stichworte; sie sind meist farblos, ihre Wirkung beruht daher lediglich auf dem Darsteller. So stattete Herr B a rtak seinen Prinzen von Wales mit liebenswürdiger Wärme aus, Frl. S a l d e r n imponierte als Gräfin durch ihre statuarische Erscheinung. Den Theatersouffleur Salomon, der Kean mit der Treue eines Hundes ergeben ist, gab Herr C o m m e r mit unaufdringlicher Charakterisierung, infolgedessen mit ausgezeichnetem Erfolg. Anna Danbh, das schärmerische junge Mädchen, spielte Frl. Herrmann, ohne der Rolle zu schaden, eine Jndividualitäts- besetzung ist das aber nicht. Herrn Bertram gebührt für seine durchdachte Inszenierung eine besondere Anerkennung, a.

Nus Dunst und Leberr.

* Berliner Premieren. Im Künstlertheater unterhielt die (von der Aufführung im Wiesbadener Residenz-Theater be­reits bekannte- Die Red.) Komödie „Schneider W i p p e l" von Hans Müller-Schlösser ein gutgelauntes Publikum ver­gnüglich. — Im Kleinen Theater amüsiierte man sich am Samstag sehr über den Schwank von Korfiz Holm: „M ar y s großes Herz". Das schicksalsvolle Motiv von der amourö- sen Frau, die nicht altern will, wird hier karnevalistisch-possen­haft ausgebeutet. Madame Mary tanzt hier als verliebter lustiger Schmetterling über die Bühne, der die Kunst versteht zu lieben, ohne zu leiden, zu betrügen, ohne zu quälen und in jedem Fall glücklich zu machen. /Daß dies Glücklichmachen sich auf ganze Rang- und Ouartierlisten erstreckt und seine Sonne scheinen läßt über Leutnants und Generale, daß dieser Sünde Maienblüte bis in die großmütterlichen Semester sich erstteckt, könnte dem Stoff einen fatalen Beigeschmack geben. Da springt aber der behende Blagueur Witz eilfertig, Einfälle verstreuend umher und läßt Bedenken nicht zu Worte kommen. Und schließlich, als Mary merkt, daß auch sie betrogen wird, daß sie außerdem den Heiratsaussichten ihrer Tochter im Weg steht, findet sie verzichtend den Abgang vom bunten Schauplatz

und geht aufs Land mit den beiden letzten Getreuen: dem immer noch ahnungslosen Gatten und dem stets karg behandel­ten, dafür um so anhänglicheren Freund, der nur Zivilist. Mariette OI l h, quick, sprudelnd, voll Rasse und Charme, ward die entscheidende Bundesgenossin und Nothelferin für Abend und Autor. j?, P.

* Die Wiesbadener Städtische Gemäldegalerie ist durch die jüngsten Ankäufe des Raffauifchen Kunstvereins um einige Werke bereichert, die es verdienen, aus dem Halbdunkel des Geschäftsberichts in hellere Beleuchtung gerückt zu werden Das gilt von dem Ölbild von Hodler, Motiv Sei Genf welches Me charakteristischen Vorzüge des Schweizer Meisters großzügige Auffassung bei einfachster Linienftchruug (Hori­zontale) aufweist. Ferner ist da ein Stilleben von Louis Corinth, ein gutes Beispiel für den Schmelz der Farbe, dessen die flotte Pinselführung des Malers fähig ist. Dazu eine Winterlandschaft von Hagemeister, jenes in Werder bei Berlin zurückgezogen leibenden Künstlers, dessen Arbeit, die ihn zu dem Kreise um Leibl führt, erst in neuerer Zeit die gebührende Würdigung findet. Ein Stilleben von Hau­eisen illustriert in seiner leuchtenden Farbenpracht Idie viel­seitige Gestaltungskraft des Künstlers. Dazu tritt endlich ein Damenportrait von Ludwig Knaus aus seiner naffauischen Frülhzeit. Interessant ist das Bild besonders auch durch die Art, wie es als Studie zu dem köstlichen Genrebild der Galerie „Kleinstädter in der Dorfschenke" (von Knaus felbist „Die Brautschau" genannt) Verwendung gefunden hat. Das Knaussche Damenportrait ist eine Stiftung des Naffauischen Kunstvereins, der die freiwillige Bettagserhöhung seiner Mit­glieder hier zum ersten Male nutzbar gemacht hat. Die Bil­der sind sämtlich bereits in der Galerie ausgestellt.

* Mainzer Sammlungen. Aus Mainz, 24. April, wird

uns geschrieben: Die städtischen Sammlungen, die durch

Neu- und Umbauten längere Zeit der Besichtigung entzogen oder in ungeeigneten Räumen Aufstellung gefunden hatten, haben jetzt teilweise wieder dauernde Heimstätten gefunden.

I

u

l

:ti

‘G

%

g

st

n

;e

n

3.

r

,e

a,

. e

1

.