Nr. 193. Sonntag, 26. April 1914. WresbsdMWI Nttgv!ln!.
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sation. Sie hatten einen dichten Kordon um Lorne gebildet, so daß die Polizei machtlos war. Über 200 Automobile standen berert und verteilten die Waffen noch in der Nacht unter die Rebellen in ganz Ulster. Diese verhinderten die Polizei daran, die Behörden zu benachrichtigen. In Belfast hat sich eine größere Abteilung Freiwilliger mit ihren Automobilen ein- gefunden, aber nur, um die Behörden hinters Licht zu führen. Dort wurde, nichts ausgeladen. Dieser Streich gegen die Regierung ist vollkommen gelungen.
Nordafrika.
Ein blutigeS Gefecht in Tripolis. B e n g h a s i, 24. April. AuS Slonta. wird gemeldet: Der Proviantzug für die Posten von Maraua, der am 21. April von Slonta aufgebrochen war, wurde in der Gegend von Birgandul von über 400 Bewaffneten aus einem Hinterhalt angegriffen. Die Eskorte leistete tapferen Widerstand, ging zweimal zum Gegenangriff gegen die Rebellen vor und verschanzte sich in guter Stellung. Die Verwundeten und der Proviantzug wurden in Sicherheit gebracht. Der Kampf dauerte auch nachts fort. Am nächsten Morgen kamen italienische Verstärkungen aus Slonta und Maraua. Der Feind, der bereits sehr ernste Verlust? erlitten hatte, wurde von den Verstärkungen in der Flanke angegriffen und in eine überstürzte Flucht geschlagen. Er ließ auf dem Schlachtfeld etwa 100 Tote zurück, darunter 2 Führer, und hatte eine sehr große Zahl von Verwundeten. Auf Seite der Italiener wurden 13 Weiße und 3 Erythräer getötet sowie 29 Weiße und 6 Erythräer verwundet.
die Einzelheiten festzüstellen und ein- für allemal Abhilfe zu schaffen. Wir wissen uns frei von ungesundem Chauvinis- mus, aber den „Fall Williams" glauben wir nicht mit einfachen! Kopfschütteln als Ausschlag jugendlichen Übermuts oder ungenügender Erfahrung eines jungen Sportmannes übergehen zu dürfen, um so weniger, als auch bekannt geworden ist, wie man in angesehenen dänischen Kreisen darüber denkt."
Unter der Überschrift „Papst und Kaiser" bringt die „Tägliche Rundschau" folgendes kleines kanadisches Stimmungsbild:
„In den englischen Blättern vom 17. April findet sich das folgende Reuter-Telegramm aus Winnipeg in Kanada: „Weil auf dem Programm des Festmahls der Katholiken' des Westens, das heute abend stattfinden soll, der Trinkspruch auf den Papst vor den Trinkspruch auf den König gesetzt worden war, haben Sir Douglas Cameron, der Gouverneur von Manitoba, und der Bürgermeister von Winnipeg ihre Zusage zur Teilnahme an de:n Fest zurückgezogen." Ans den Versammlungen und Festen der deutschen Katholiken ist es etwas ganz Selbstverständliches, daß bei Trinksprüchen der römische Papst dem deutschen Kaiser vorangeht, und unsere deutschen offiziellen Kreise, auch diejenigen, die die Regierung des Königs vertreten, lassen sich das ruhig gefallen und „stimmen begeistert" ein. Und dabei ist Kanada nur eine englische Kolonie! An diesem Beweis von Loyalität gegen den König sollten sich die Deutschen ein Beispiel nehmen."
vereinigte Staaten.
Die Miliztruppen Sieger über die Streikenden. Trini- oad (Colorado), 25. April. Der Kampf zwischen den streikenden Bergleuten und den Truppen hat mit einem Siege der letzteren geendet. Die Truppen zerstreuten die Ausständigen und schlugen sie in die Flucht.
Zeitungsschau.
Über Mangel an gesundem Nationalstolz schreibt die „Köln. Ztg.":
„Das große Kopenhagener Oster-Tennisturnier ist vorbei. Die besten Spieler und Spielerinnen Skandinaviens und Vertreter Deutschlands haben in friedlichem Wettstreit ihre Kräfte gemessen und, um es gleich zu sagen, bessere Leistungen hat man in Kopenhagen auf diesem Gebiet noch nicht gesehen. Unsere Landsleute haben, das ist das Erfreulichste an der Sache, großartig abgeschnitten. In allen Kämpfen, in denen sie gleichgestellt waren, haben sie gesiegt, unterlegen find sie nur vereinzelt, wenn sie in Handikaps von vornherein hoffnungslos gestellt waren. Am heißesten wurde um die Skandinavische Meisterschaft gestritten. Gewonnen wurde dieser höchste Ehrentitel unter donnerndem Beifall des zahlreichen Publikums von Air. Williams. Natürlich einem Engländer. Schade, daß gerade die Palme des mehrtägigen Kampfes unfern vortrefflichen Landsleuten entgangen ist. Mit nichten: Mr. Williams ist Reichsdeutscher! D,::S ist das Erfreuliche und Beschämende an der Sache. Ein Reichsdeutscher — Mr. Williams! Der rechte bürgerliche Name tut nichts in dieser Verbindung. Die Tatsache allein entscheidet, daß einer der besten deutschen Spieler unter englischem Decknamen sich an einem internationalen Turnier beteiligt, gerade im Ausland, wo man doppelte Verpflichtungen hat, im Ausland, too man den Deutschen von allen Seiten betrachtet und scharf krüifiert, im Ausland, wo unsere dort lebenden Landsleute doppelt empfindlich sind und mit hellem Jubel jeden Erfolg eines der unfern begrüßen. Kann man sich wirklich im Kampf um die deutsche Meisterschaft einen Engländer, einen Amerikaner, einen Franzosen oder Skandinavier als „Herr Wilhelm" vorstellcn? Wenn sich ein Reichsdeutscher im Ausland aus stichhaltigen Gründen — wir kennen keine — mit Vertretern anderer Rationen^nicht unter eigenem Namen messen will, bietet ihm der reiche Schatz deutscher Vor- und Zunamen die herrlichste Auswahl geeigneter Decknamen, die den Vorzug besitzen, die Flagge jedenfalls nicht zu verschleiern und falsche Begriffe über unsere Auffassung der nationalen Würde aufkommen zu lassen. Unseres Erachtens sollte sich für das Kopenhagener Vorkommnis u. a. der deutsche Sportausschuß interessieren, dem es nicht schwer fallen dürfte.
zeigten uns das Interesse, das man in Rio diesem Ereignis cntgegenbrachte. Alle Zeitungen brachten Leitartikel mit Bildern über die deutschen Schiffe, und im ganzen blieb uns llung der Presse durchaus treu; besonders die Haltung und das Benehmen unserer Leute an Land war hes öfteren Gegenstand kleinerer bewundernder Artikel oder dkotizen in den verschiedensten Blättern.
Denn seit langer Zeit ist der Deutsche, seine Arbeitskraft, seine Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit in Brasilien anerkannt lind geschätzt. Freilich ist es noch nicht lange her, daß die Deutschen, die nach der Hauptstadt Rio kamen und es dort zu Vermögen und Ansehen brachten, binnen kurzem gänzlich !m Brasilianertum aufgingen, dort draußen heirateten und ihre Kinder schon die Sprache des Vaters vergessen ließen. So findet man viele Leute deutschen Namens dort, die zwar mit Freude und Stolz von ihrer eigentlichen Heimat Deutschland sprechen, die deutsche Sprache aber nur noch radebrechen, drüben naturalisiert und der Heimat für alle Zeiten verloren gegangen sind. Ein hervorragendes Beispiel ist der höchst einflußreiche Minister des Äußern der Vereinigten Staaten von Brasilien, Lauro Müller, Enkel eines Besitzers aus dem Hunsrück, jetzt einer der angesehensten Brasilianer, der es bedauernd uns gegenüber aussprach, daß er zu lange nicht in seiner Heimat Deutschland gewesen sei, um noch fliehend Deutsch mit uns sprechen zu können.
Mit dem Emporblühen des deutschen Handels, der deutschen HandelAschiffahri, der deutschen Marine hat sich das allmählich geändert. Jetzt gibt es eine große Anzahl deutscher Kaufherren und Kauifleute in Rio de Janeiro, die ihre wesentliche Lebensarbeit dort zu vollbringen gedenken und den größte» Teil ihrer Einkünfte aus dem Lande Brasilien beziehen, die aber dabei auch äußerlich durchaus deutsch bleiben, deutsche Frauen heiraten und ein vorbildlich deutsches Familienleben drüben führen. Deutsche Schulen sorgen dafür, daß die Kinder dieser Eltern wenigstens bis zu einem gewissen Alter dort eine vollkommene Schulbildung genießen können, die sie dann in Deutschland vollenden, und zahlreiche deutsche Vereine bieten jung hinnuskommenden Landsleuten Rückhalt und den Älteren deutschen Verkehr.
Groß war in allen deutschen Kreisen die Genugtuung und die Freude über das Erscheinen der ansehnlichen deutschen Kriegsschiffe. Schon die Kunde von ihrem Nahen wirkte
Kus Stadt und Land.
Wiesbadener Nachrichten- Die Woche.
Im Landeshaus eröffnete am Montag der K o m m u n a l- landtag für den Regierungsbezirk Wiesbaden seine Verhandlungen, die in dieser Woche noch fortgesetzt werden. Der alljährlich in Wiesbaden stattfindende Kongreß für innere Medizin wurde während der vergangenen Woche im Kurhaus abgehalten und außerdem fand der kirchlich- soziale Kongreß statt. Eine stille Woche war also die vergangene nicht.
Dem Kommunallandtag bringt das Publikum im allgemeinen nur geringes Interesse entgegen. Er hat sich in der Hauptsache mit Dingen zu beschäftigen, die oft die Abgeordneten selbst nur mittelmäßig interessieren können. Zahlreiche Berhandlungsgegenstände werden denn auch erledigt, ohne daß manche der Abgeordneten recht wissen, um was es sich eigentlich handelt. So war es wenigstens früher, als die Körperschaft noch im Saal des Regierungsgebäudes Ecke der Bahnhof- und Luisenstraße tagte, und so wird es Wohl auch jetzt noch sein. Die Verhandlungen mögen im kleinen dasselbe Brid bieten, das der Rerchstag bietet, wenn mehr oder weniger belanglose Petitionen oder Selbstverständlichkeiten auf der Tagesordnung stehen, zu denen nichts zu sagen ist, und die sich nur in einer Richtung erledigen lassen.
Uns Nichtabgeordneten ist es ziemlich gleichgültig, ob der Gemeinde Nentershausen 1000 oder 1500 M. für die Konsolidationen beigesteuert werden; ob die Petition der Gemeinde Atzelgift wegen des schlechten Zustandes ihrer Bizinalwege dem Landesausschuß zur wohlwollenden Prüfung überwiesen wird oder nicht; ob eine neue Beamtenrangordnung geschaffen oder eine Beamtenkategorie in eine höhere Klasse erhoben werden soll; ob ein Paragraph der Geschäftsordnung so geändert wird, daß der Kommunallandtag das Recht hat, Beamte der Bezirksverwaltung oder der Bezirksinstitute zu seinen Sitzungen zuzuziehen, oder ob es beim seitherigen Modus bleibt. Vielleicht liest man das, um nicht mehr' zu wissen, was man gelesen hat, sobald man damit fertig ist. Wahrscheinlich aber liest man's nicht; die Presse hat jedoch auch über derartige nicht welterschütternde Dinge kurz zu berichten. Freilich: viel Wenig machen auch da oft ein Viel! Der Leser wird das in den Tagen der Kongresse und „körperschaftlichen Tagungen" oft mit nicht geringerem Bedauern feststellen als der Redakteur, der natürlich das Bestreben hat, „sein Blatt" so interssant wie möglich zu gestalten.
Der Kommunallandtag beschäftigte sich bis jetzt nur mit fünf Gegenständen von allgemeinerem Interesse. Der erste
gang unvergleichlich, alle deutschen Elemente einigend und zusammenfassend. Am ersten Abend nach der sicheren Bekanntgabe von dem bevorstehenden Eintreffen ist ein kleines Vermögen für die Unterhaltung der Besatzungen in den Tagen ihrer Anwesenheit in Rio vollkommen freiwillig gezeichnet worden. Nie hat man die Räume des Deutschen Klubs so voll, nie seine Mitglieder so begeistert gesehen. Wir haben das erfahren. Die Fürsorge für unsere Leute, die festlichen Veranstaltungen uns zu Ehren waren überaus großartig und imposant. Das war die Rückwirkung davon, daß jeder Deutsche in jenen Tagen sich gehoben fühlte durch die Anwssenheit der deutschen Kriegsschiffe, die in ihrer Größe und allgemein bewunderten Haltung deutlich Zeugnis aiblegten von des Reiche? aufstrebender Seemacht.
Die Schiffe brachten den Deutschen mit den Grüßen der Heimat auch einen sichtbaren Ausdruck der deutschen W-lt- stellung. Freude am deutschen Batcrlande war Anlaß und Leitmotiv des uns gebotenen, überaus herzlichen Empfanges. Es würde ermüdend wirken, wollte man all die zahlreichen Veranstaltungen der deutschen Kolonie und unserer gastfreien brasilianischen Wirte, besonders des Präsidenten "und des Marineministers, hier aufzählen. ^ Auch eine einigermaßen würdige Beschreibung der einzig schönen Stadt hat hier keinen Raum. Man weiß nicht, was schöner war: die Fahrt mit dem Dampfer über die weite, von grünen Hügeln bekränzte und mit über 30 bebauten Jnselchen besäte Bucht nach Mona und von dort mit der Zahnradbahn IsH Stunven durch den Wald nach dem entzückenden Pctropolis hinauf, einem in deutsche Vegetation, in thüringische Berge gebetteten Städtchen mit breiten prunkvollen Straßen, an denen die Villen der Diplomaten und der reichen Kaufleute stehen; oder der Weg auf der wundervollen neuen, breiten Kaiserstraßc, hinaus zum Zuckerhut, der als Wächter am Eingang zum Hafen 400 Meter steil aufragend seinem Namen alle Ehre rnacbt und dessen Gipfel man in einer an schrägem Drahtseil hinauf- gleitenden (von deutscher Firma gebauten) Schwebebahn erreicht; oder zum Corcovado hinauf, einem fast doppelt so hohen, die Stadt überragenden Felsen, mit entzückendem Rundblick über die Randberge des Meeres, den großen Hafen und die fast ganz in Grün gebettete Stadt, besonders schön des Abends, wenn bläuliche Schatten sich in der kurzen Dämmerung auf die Berge senken und innerhalb einer
Morgen-Ausgabe. 1. Blatt. Seite 3»
war die Schaffung einer Wanderarbeitsstätte für W i e § h a b e n, zu deren Errichtung die Stadt trotz des Widerspruchs Biebrichs die Genehmigung erhielt. Den Ausführungen des Biebricher Oberbürgermeisters, „gerade die Wanderarbeitsstütte sei eine Angelegenheit, welche Wiesbaden zu der Eingemeindung dränge", wird man hier nicht zustimmen können. Es ist aber auch nicht einzusehen, inwiefern Biebrich durch die Benutzung der ziemlich weit von unserer Nachbarstadt entfernt liegenden Armenruhmühle als Arbeitsstätte für Wanderer geschädigt werden könnte.
Eine' andere nicht unwichtige Sache ist die Herausgabe eines Hessen - Ras säuischen Mundart wärt er- buchs. Daß sich Kurhessen ablehnend verhalten hat, ist auffällig; sonst herrscht doch dort lebhaftes Verständnis für heimische Art und Sitte, viel größeres als in dem wirklich gänzlich in Preußen aufgegangenen Nassau. Das an den Hessischen Kommunallandtag gerichtete Ersuchen, seine Zurückhaltung aufzugeben, wird schwerlich Erfolg haben; man darf annehmen, daß er ganz bestimmte und gute Gründe hat, auf die gemeinsame Herausgabe eines die ganze Provinz umfassenden Idiotikons zu verzichten. Wir begrüßen es aber, daß „unser Landtag" den Beschluß gefaßt hat, im Falle auch ohne Hessen den mehr und mehr abbröckelnden Wortschatz der nassauischen Mundarten zu sammeln und für die Volkskunde nutzbar zu rnachen.
Die Förderung, die der Kommunallandtag dem Eigenheim b a u der Beamten angedeihen ließ, indem er den Landeshauptmann ermächtigte, in geeigneten Fällen die selbstschuldnerische Bürgschaft für hypothekarische Darlehen der Landesversicherungsanstalt an Angestellte des Bezirksverbands zu übernehmen, ist erfreulich. Eine bemerkenswerte Neuerung und — hoffentlich — ein erfreulicher Fortschritt auf dem Gebiet der Fürsorgeerziehung ist der Beschluß, eine F ü r s o r g e e r z i e h e r i n bei der Bezrrksverwaltung anzu- stellen.
Die Errichtung der katholischen Landes- crziehungsanstalt in Usingen scheint nach dem Bericht vollendete Tatsache zu sein. Die Pläne wurden genehmigt, die Kosten sind bereits früher bewilligt worden. Offenbar hat kein katholischer Abgeordneter mehr gegen die Erbauung der Anstalt bei einem evangelischen Ort protestiert, und es scheint auch, als ob die Frage nach der Notwendigkeit des katholischen Charakters des Heims gar nicht mehr erörtert worden sei. Ist das richtig, dann ziehen wir daraus den Schluß, daß man sich mit dem vorjährigen bedauerlichen Beschluß ein- für allemal festgelegt hatte und nicht urehr zurückkonnte. In diesem Fall müssen sich natürlich — wenn auch schweren Herzens — auch die mit der vollendeten Tatsache ab- finden, die in der Errichtung einer konfessionellen Erziehungsanstalt eine Durchbrechung des im öffentlichen Erziehungs- Wesen Nassaus herrschenden simultanen Prinzips erblicken.
Über den Kongreß für innere Medizin ist hier weiter nichts mehr zu sagen, als baß Wiesbaden die Ärzte, die nun seit vielen Jahren regelmäßig zu ihren wichtigen Beratungen nach Wiesbaden kommen, gerne aufnimmt. Der kirchlich-soziale Kongreß hat manche sehr beachtenswerten Vortrüge gezeitigt; wenn wir auch hier und da nicht die Anschauungen der Kongreßteilnehmer teilen, so erkennen wir doch gern den ernsten Willen an, an der Besserung der sozralen Verhältnisse mitzuarbeiten. Das versteht sich zwar unseres Erachtens von selbst^daß jeder auf dem Boden der christlichen Weltanschauung Stehende sozial denken und — was unendlich viel wichtiger ist — überall und ganz besonders auch in sogenannten Kleinigkeiten sozial handeln mutz, aber man fteut sich dvch, wenn diese erste und oberste Christentugend auch feierlich und gewissermaßen offiziell als solche proklamiert wird. Christlich sein heißt auch sozial fühlen und handeln, aber sozial fühlen und handeln hat nicht auf jeden Fall eine christliche Weltanschauung zur Voraussetzung. Nicht Sache des Glaubens, sondern Sache des Gewissens und, eines gesunden und starken Rechtlichkeitssinns ist der soziale Wille und die soz!ale Betätigung! -ir-
— Wettbewerb für Architekten. Bei dem Wettbewerb für die Bebauung des Kaiscrplatzes der Haupt- und Residenzstadt Königsberg i. Pr. kam das Projekt der Architekten Barth u. Auers zu Landau (Pfalz) bei 120 eingereichten Entwürfen unter den sieben besten in die engstx' Wahl für die Preisverteilung. Im Preisgericht befanden' sich u. a. die Städtebauprofessoren Geheimrat Felix Genzmer zu Berlin, sicherer Wiesbadener Stadtbaumeister, und Geh. Ober-
Viertelstunde Millionen von Lichtern aus der in Grün und Violett verdämmernden Stadt emporsunkeln, während auf dem blauen spiegelglatten Wasser der Bucht die majestätisch einherziehenden Dampfer langsam in unsichtbaren Nebel hineintauchen; oder schließlich der Karneval, ein märchenhaftes Fest für unsere Leute, die an sich schon Augen und Ohren aufrissen in dieser ersten fremden Großstadt auf unserer Reise und die solchen Prunk und Spuk, wie ihn der an dissem einen Tage im Jahre von säst aller Vernunft verlassene Brasilianer treibt, nee vorher gesehen hatten und vielleicht nie wieder sehen werden.
Zahlreich war der Besuch an Bord. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Brasilien, Marschall Hermes da Fonseca, und seine noch nicht 30jährige reizende Gemahlin ließen es sich nicht nehmen, niit dem Marine- und Kricgs- minister das Flaggschiff persönlich zu besuchen, eine Anzahl von Exerzitien mit großem Interesse und sichtlicher Bewunderung anzusehen und die einfachen Räumlichkeiten, die der Deutsche Kaiser auf seinem Leibschiff als Wohnung hat, erstaunt zu betrachten. Und an den Tagen, an denen das Schiff nach Erledigung des Köhlens und Reinschiffs freigegeben oder Empfang angesagt war, strömten die Gäste förmlich an Bord, sowohl Brasilianer als auch unsere deutschen Landsleute. Neben der großen Zahl derer, die das allgemeine Interesse an Bord führte, fehlte es unter den Brasilianern nichts an schifsbautechnisch erfahrenen oder an speziellen Einrichtungen interessierten Gästen, deren Wünsche, soweit es erlaubt war, recht gern erfüllt wurden; denn die glatte Durchführung der langen Reise der Linienschiffe hatte auch auf maßgebende Persönlichkeiten bereits einen gewissen Eindruck gemacht.
So verlief der Besuch in der brasilianischen Hauptstadt zu beiderseitiger voller Befriedigung. Ms am 25. Februar die Schisse den Hafen verließen, folgten im Kielwasser die beiden brasilianischen Dreadnoughts, „Sao Paulo" und „Minas Geraes". Außerhalb des Hafens dampften sie auf, paradierten, salutierten die Flagge unseres Admirals und schwenkten mit Abschiedshurras der Besatzungen ab, die unsererseits lebhaft erwidert wurden — ein hübsches, ausge- zeichnet ausgeführtes Manöver, das einen ansprechenden und würdigen Abschluß unseres Aufenthaltes in Rio de Janeiro bildete.
