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Morgen-Ausgabe, 1. Blarx.
gunfttgenben Handelskonvention. So ist Kuba doch
nrchts als e:n amerikanischer Schutzstaat. Von acexrkos wird nach bendetem Feldzug Amerika natürlich nichts anderes fordern, als „Garantien" für ein qe- ?Ees, geordnetes, die fremden Interessen nicht mehr laicidlgendes Staatsleden. Ader die Garantien werden nach kubanischem Muster ausfallen; man führt nrcht einen großen und opferreichen Feldzug, um sich mit, paprernen Versprechungen zu begnügen. Eine grotze tatsächliche Machtverstärkung der U n ton ^ auf mexikanischem Boden wird also >die schueßlrche Folge sein. Niemand wird hier in den Weg treten. Etwaige mexikanische Hoffnungen auf ^ a $ Q n sind haltlos. Japan ist heute durch Finanz- uot und schwere innere Krisen zu einer großen Aktion durchaus unfähig; obendrein schließt die Umgestaltung des Bündnisses mit England ein Zusammengehen gegen die Amerikaner ausdrücklich aus. E u r o p a sah die Gefahr, die von dem immer stärker werdenden Expansionsdrang der Amerikaner der offenen Tur m Mexiko droht, lange kommen, sieht sie kommen und bleibt tatenlos. Es hat mit seinen europäischen Angelegenheiten, Rivalitäten und Zwistigkeiten' genug zu tun. Auch das ist den Amerikanern genau bekannt und es ist ihr gutes Recht, diese Lage geschickt auszu- nuhen. Man ist jetzt in der Neiden und der Alten Welt darüber einig, daß Wlsons unüberlegte Politik sein Vaterland in eine schlimme Lage gebracht habe. Gewiß ist es eine ernste und nicht beneidenswerte Situation Aber dennoch wird der schließliche Ablauf wahrschein-' ach der sein, daß der Gewinner der a m e r i k a n i- jche Imperialismus und der Leidtragend e das schon „geeinigte" Europa ist.
WieskadSKSV Crtgd'E.
Sonntag, 26. April LSl4.
vrr. ISS.
Vov den Töven Aer ewigen Ztabt»
Von Pfarrer Erwin Gros (Esch).
Von einem Fürstensohn will ich erzählen, der war in früher Kindheit blind geworden. Seine Mutter hatte er nicht gekannt; sie war gestorben aus Herzeleid um ihren Gemahl, der rn fernem Landes gefangen lag.
Einsam wuchs das Kind auf; der alte Burgvogt erzog es und hütete es wie seinen Augapfel. Niemand durfte dem Kinde sagen, daß es blind sei. Der junge Fürstensohn wußte cs nicht anders, denn daß alle wären, wie er selbst. Nur eine leise Erinnerung hatte er an seine frühesten Tage, an einen wunderbar lichten Glanz. Wenn er davon sprach, dann sagte der fromme alte Mann zu ihm: „Aus der strahlenden Herrlichkeit Gottes stammen wir, jetzt aber wohnen wir vor den Toren der ewigen Stadt im Dunkel. Wenn wir aber gut und rein, liebreich und treu zu sein uns mühen, werden wir einst wieder heimkehren in die lichte Stadt Gottes."
lind der Knabe wuchs heran und wurde ein ernster, sinnender, sehnender Mensch, dessen Gedanken um die andere Welt flatterten, wie junge Vögel um das heimische Nest.
Wenn die Linde im Burghof blühte, dann meinte er, das ist der Weihrauch vom Thron der HimmelSstadt, aus ihren Toren strömt er zu mir her. — Und wenn die Bienen den Baum umsummten, dann hielt er das seltsame Getön für das ferne Brausen der seligen Chöre. Und wenn in stiller Nacht die Nachtigall sang, dann sprach er: „Das ist meiner Mutter Stimme; Schleier des Geheimnisses sind um sie her. Jetzt klagt sie, daß sie mich nicht im Arm haben durfte, wie andere Mütter ihre Kinder; jetzt jubelt sie, daß ich nicht vergeffe, heimzukommen in ihr Glück."
Und der Knabe wurde ein Jüngling. Alle liebten ihn, denn ein Zauber von Reinheit und Güte war um ihn, ein heiliges Sehnen leuchtete aus seinem edlen Antlitz, daß Rohheit und Haß sich vor ihm schämte und scheu zur Seite ging. Ein feines Ohr, ein seltsam zartes Empfinden hatte er für die lauten und leisen Stimmen der Welt, allen sann er mit tiefem Ernst nach.
Da geschah es, daß eines Tages sein Vater heimkehrte, ein alter, zermürbter und verbitterter Mann. Und als er die Blindheit seines Sohnes gewahr wurde, da wich die anfängliche Freude haltloser Verzweiflung. „Blind bist du, blind,
I du siehst mich nicht, im Dunkel wohnst du!" Und er begann zu weinen wie ein hilfloses Kind.
^Da tastete der Sohn sich zu ihm und umfing die ge- brocyene Gestalt und streichelte das graue Haupt, und als der alte Mann still geworden war, begann er leise zu reden: „Blind, was ist das — blind? Bist du denn nicht vlind? Schaust denn du den Weg vor deinen Füßen? Du bist ausge- zogcn nach Macht und Ehre und hast die Grube nicht gesehen, me dir der Feind gegraben hatte. Lange Jahre hast du darin geschmachtet. Weißt denn du besser als ich, was dir begegnet?
bin gestern ausgegangen, und die Glocken läuteten, meiner Seele klangen sie wie Freudenlieder, dann aber kam ein Trauerzug daher, ein treuer Mann war mir gestorben, und ich wußte es nicht. Du sagst, daß du mich siehst. — Ach, was sehen denn die Menschen voneinander? Wenn Schwermut '» war, dann jauchzten, die um mich waren, und ihre gellen Schreie fielen wie harte Steine in den regenschweren Garten meiner Seele. Und wenn meine Gedanken auf leichten Füßen gingen, wie spielende Kinder, dann kam plötzlich einer mit harten Füßen und harten Worten daher und scheuchte sie, daß sie stille wurden.
Und wenn die Stimmen der anderen Welt zu tönen an- Huben, wenn ich lauschte auf die heimseligen Harmonien, und mein Herz wurde weit und weite Schwingen wollten mich da- hintragen über all oas dunkle Land, ach — das sahen sie nicht, und sie hatten mich doch so lieb. Und sie platschten herein zu mir mit ihren platten, irdischen Sorgen, und ihre Alltäglichkeiten hingen sich wie Zentnergewichte an die sehnende Seele.
Vor den Toren der ewigen Stadt Gottes wohnen wir. Hier ist dunkel, aber einst hinter den Toren, da wird es licht sein. Da ist kein Tasten und Suchen mehr, da ist alles klar und aufgedeckt in der Nähe und in der Ferne. Und die befreiten Seelen leben und lieben in wunderbarer Harmonie. Aller Zwiespalt ist dahin, alle sind gestimmt auf den gleichen Ton unendlicher Freude Vor den Toren im, Dunkel wohnen wir, aber das Rufen Gottes hören wir, seine linde Hand spüren wir, seinen Willen wissen wir, und das Sehnen in der Brust zieht uns ihm entgegen, daß wir heimkommen zum ewigen Licht. Ist es nicht also, Vater?"
Da sprach der Greis tiefbewegt: „Blinde sind wir alle, Gottes Augen müssen uns alle leiten; du weißt es besser denn ich. Ich habe es allzu oft vergessen. Wir wollen mit Gott Hand in Hand wandeln zu Gott, heimwärts aus der Nacht dem Tag entgegen!"
DSNtfchEs Reich-
* Hof- und Personal-Nachrichten. Wie der „Staats-An- zeraer" meldet, hat der König von Württemberg den Minister a. D. v. Gehler zum Präsidenten der Hofk<mnmer ernannt.
* Die Rangstellung des neuen Statthalters. Besonders das „Berliner Tageblatt" hatte Kritik daran geübt, daß der neue reichsdeutsche Statthalter nur ein Herr von Dallwitz im Gegensatz zu seinen fürstlichen und gräflichen Vorgängern sei. Aus Anlaß solcher Kritik wurde von einigen Blättern die Verleihung des Grafentitels an Dallwitz als wahrscheinlich angekündigt. Hierzu sagt die nationalliberale „N a t i o n a l - Z e i t u n g": „Lächerlich wirkt es, wenn von gewisser Seite behauptet wird, aus Gründen der Repräsentation müsse eine „Standeserhöihung" des Herrn von Dallwitz erfolgen, weil er als Statthalter nicht „unter dem Grafen Roedern und dem Freiherrn vom Stein im Adelsrange" stehen dürste. Wenn ein Umstand -die Ernennung des Ministers zum Statthalter shmpatHiisch machen kann, ist es doch die Tatsache, daß jetzt ein in der Verwaltungslausb-chn emporgestiegener tüchtiger Beamter den hohen Posten eines kaiserlichen Statthalters einnchmen wird, ohne daß man auf einen Grafen, Fürsten oder Prinzen zurückgegriffen hat. Das bedeutet in unserer Zeit immerhin einen demokratischen Fortschritt, denn Herr von Dallwitz wird
! eines Verwaltungstalents wegen nach Straßburg geschickt unid nicht als Repräsentationsfigur. Die Ehrung, den Grasentitcl zu bekommen, wird ihm niemand mißgönnen; nur ist sie nicht aus repräsentativen Gründen notwendig, denn Herr v. Dallwitz wird, wenn er in Straßburg und in den Reichslanden einschlägt, sich auch „als einfacher „Adliger" auf dem Statthalterposten in Respekt zu setzen wissen." Diesen Ausführungen kann man vom Standpunkte liberaler Staatsausfaffung aus nur zustffnmen.
* Welfischr Verblendung. Wir lesen im „Hannoverschen Courier": Der in Nienburg erscheinentde „Deutsche Volks
bote", das offenherzigste und unentwegteste aller Welfen- blätter, spielt in seiner Nummer vom vorigen Mittlvoch eine Karte aus, die wirklich alles Bisherige übertrumpft unid deren Folgen noch nicht zu überschauen sind. Er schreibt zu der Nachricht von dem angeblichen Besuch des braunschweigischen Herzogspaares auf der Marienburg an der Spitze des Blattes in offiziösem Fettdruck: „Durch die Zeitungen ging kürzlich
die Notiz, daß das Herzogspaar von Braunschweig demnächst der Marienburg einen Besuch abstatten würde. Drüse Nachricht ist aus der Luft gegriffen. Wie wir von sehr zuverlässiger Seite erfahren, betreten der Herzog Ernst August und die Herzogin Viktoria Luise vorläufig nicht eher hannoverschen Boden, bis der seit 1866 ausstehende Friede zwischen dem Königreich Hannover und dem Königreich Preußen geschlossen ist." So stchen die Worte schwarz auf weiß da, in ihrer lapidaren Kürze und überwältigenden Bestimmtheit. Was die preußische Regierung zu diesem drohenden Ultimatum des „Volksboten" sagen wird, warten wir — so bemerkt dazu das genannte nationalliberale Hannoversche Blatt — in höchster Spannung ab. Sie braucht nicht allen Mut zu verlieren, denn selbst der „Volksbote" sagt nur: „vorläufig". Er scheint also zu Verhandlungen bereit zu sein. Wir Höffen Idringenv, daß er einigermaßen annehmbare Bedingungen stellt, denn es wäre sür alle^ Beteiligten schiiver erträglich, wenn die Tochter des Kaisers mit dem König von Preußen aus die Dauer im Kriegszustand leben wollte.
Deutsche Schutzgebiete.
DKG. Gesundheitszustand der farbigen Arbeiter beim Bahnbau in Kamerun. Im Kameruner Amtsblatt wird ein Bericht der Bauleitung über die Gesundheitsverhältnisse beim Bau der Kameruner Mittelbahn im Januar 1914 veröffentlicht. Danach ist trotz der zahlreichen Neueinstellungen die Todcsziffer nicht so hoch gestiegen, wie nach den bisherigen Erfahrungen zu befürchten war. Bon 9169 Arbeitern starben 81, das ist 0,87 Prozent. Hauptsächlich waren Lungenentzündung und Dysenterie die Ursachen der Todesfälle.
Ausland»
Frankreich.
General Pousargues fl. P a r i s, 25. April. Auf dem Schloß Frossart <Dep. Lot) starb im Alter von 82 Jahren der General des Ruhestandes de Pousargues, der dem am 18. März 1871 von den Communards erschossenen General Lecomte in dessen letzten Augenblicken beigestanden hat. Pousargues, der einige Monate später gleichzeitig mit Clemenceau als Zeuge vor dem Kriegsgericht erschien, hatte mit Clemenceau über dessen Rolle bei dem Tode Lecomtes einen heftigen Wortwechsel, der zu einem Pistolenduell führte, bei dem Pousargues verwundet wurde.
Der „rachsüchtige" Caillaux. Paris, 25. April. Caillaux hielt in einer Wählerversammlung in La Fertö- Bernard eine Ansprache, in der er sagte: Meine Gegner haben bekundet, daß ich ein abgetaner, geschlagener Mann sei. Da irrt man sich gewaltig. Ich werde morgen ebenso wie gestern in der Bresche stehen. Dazu bedarf es der republikanischen Wähler von Mamers. Ich brauche euch, um mich zu rächen. Ihr müßt mich rächen, denn euch wollte man treffen, indem man auf mich zielte. Trachtet deshalb, daß mit meinem Siege die Republik, die Freiheit, Gerechtigkeit und der Friede der Welt triumphiere.
Enalmid.
Eine umfangreiche Waffcnlanbung für Ulster. London, 25. April. Aus Belfast wird gemeldet, daß in der heutigen Nacht an drei Stellen der Meeresküste von Ulster eine Ladung von 70 000 Gewehren und einer halben Million Patronen für die Ulster-Freiwilligen gelandet worden sind. Es ist dies die Ladung, die im vorigen Monat auf dem Dampfer „Fanny" bei einer dänischen Insel verladen wurde. Der Dampfer bat diese Waffen auf hoher See auf einen anderen Dampfer und dieser wieder auf zwei kleinere Schiffe übertragen. Der größte Teil der Waffen wurde in Lorne ausgeschifft. Das gesamte Freiwilligen-KorpS war gestern Nacht von Carfon mobilisiert worden, wie es hieß für eine Probemobili-
keit, fast so, a!S hätte er schon lange auf mich gewartet. „Ah, ein Trauerspiel!" lächelte er, nachdem ich ihm mein Manuskript vorgelegt hatte, „das ist schön von Ihnen, ich gratuliere Ihnen." — „Bitte, bitte, Herr Direktor." — „Ich freue mich schon sehr auf die Lektüre Ihres Werkes." — „Erwarten Sie das Höchste, und Sie werden nicht enttäuscht sein." — „Davon bin ich überzeugt, trotzdem ich Ihren werten Namen eigentlich nicht so genau im Gedächtnis habe." — „Kein Wunder, ich betreibe die Schrififftellerei nur als Nebenberuf, ich habe es gottlob nicht nötig." — „Sapperlot, dann sind Sie ja zu allem fähig?" — „Gvwiß!" — „Auch zu einem Maronibrater?" — Ich starrte dem Herrn in das lächelnde Gesicht. „Maroni —" — „— Brater", ergänzte er zustimmend." — „Herr Direktor, ich bin nicht gekommen —" — »Um mich von Ihnen ftozzeln zu lassen, wollen Sie sagen? Das fit ja auch durchaus nicht meine Absicht — hören Sie mich an." Und der Direftor begann niun, mir seine Absicht auseinanderzusetzen. „Sehen Sie, mein Herr, das A-Theater gat ein Stück von einem Schlosser und das B-Dheater ein solches von einem Schneider. Beide machen damit gute Geschäfte. Ich hxge schon längst die Absicht, ein Werk von einem Maronibrater aufzuführen. Sie kennt man nicht, und ich hoffe, sie werden nichts dagegen haben, sonst könnte ich's nicht brauchen." — „Ich soll mich also Äs Verkäufer von Kastanien, ausgeben?" — „Und von gebratenen Kartoffeln, dann werden wir einen Riesenerfolg haben." — „Aber Sie haben das Trauerspiel noch gar nicht Gelesen « — „Ich von meinem Dramaturgen eine Posse daraus machen, mit Glanzrollen für die Soubrette und den ersten Komiker — Sie werden sehen!" — „Dann ist aber das Stück nicht von mir." — »Aas rst mich gar nicht nötig. Ein richtiger Dichter von heute -atzt Stücke unter seinem Namen aufführen, die vor Jahrhunderten geschrieben wurden."
Diesem Herm war nicht beizukoinmen, und so sagte ich denn in Gottes Namen zu. Dafür, daß ich meinen Namen und meine bisherige geachtete soziale Stellung opferte, gran. tierte er mir einen Anteil an der Beute.
Kurz darauf begann die Reklame fite den literarischen Maronibrater, und dre illustrierten Zeitungen brachten mein Portrait und meine Lebensbeschreibung. Der spätere Erfolg des Stückes war auch, wie der Direktor prophezeit hatte, ein entsprechend Großartiger, Er brachte mir — obgleich ich nur
mnen sehr bescheidenen Anteil hatte — eine bedeutende Summe ein, wovon ich die Frau Blafthke bezahlte, während den Rest leider die Steuerbehörde mit Beschlag belegte, da ich als Kastanienbrater nicht angemeld-et war und Steuer nebst Strafe auf viele Jahre zurück nachzählen mußte.
Ich werde es doch lieber mit einem anderen Nebenerwerb versuchen.
Die Floüenreise nach Westafrika und Südamerika.
VII.
St. Helena — Rio de Janeiro.
Am 8z. Januar verließen die Linienschiffe der detachierte) Division Lüderitzüucht und zu gleicher Zeit der Kreuzer „Stratzbuvg" Kapstadt, um den ländevverbindenden Ozean zu durchqueren und über St. Helena Rio de Janeiro anau- steuern. Der 15. Februar war als Ankunftstag dort in Aussicht genommen, und so verblieb uns Zeit genug, um Schien- und Fahrübungen aller Art unterwegs vorzunehmen.
Der schwarze Erdteil lag hinter uns und ließ eine Fülle van neuen Kenntnissen, Anschauungen und Erinnerungeil der verschiedensten Art bei uns zurück. Allzuruhig ihnen nachzuhängen auf dreff« einsamen Merreise war uns nicht vergönnt, denn hier trat nun einmal, losgelöst von dem störenden Verkehr mit dem Lande, der Ausbildungs- und GofechtS- dienist Voll und ganz in seine Rechte. Vierzehn Tage, nn- untcvürochen von dem kurzen Aufenthalt in St. Helena, gab es keine anderen Interessen als die dienstlichen des Ersten Offiziers, Artillerieoffiziers, Torpedooffiziers — u,»d am Schluß waren Adrniral und Kommandant zufrieden mit dem, tr«S erreicht war.
Es ist höchst typisch für den Deutschen, mit welcher Spannung und Erwartung die Leute an Bord dem Besuch von St. Helena entgegensahcn. Ter Bootsmann sig gesagt haben, er gehe auf der ganzen Reise überhaupt nur einmal an Land, in St. Helena zu Napoleons Grabe. Ähnlich dachten viele. Und in der Tat wird es wenige geben, die nach Beendigung der Kohlenübcrnahme von dem Städtchen Jamestown nicht den steilen, steinigen Wag hinaufftiLgen die zwei
einhalb Stunden nach Longwood, zu Napoleons Wohnhause. Niemand unter uns konnte sich dem erschütternden Eindruck dieser geschichtlichen Stätre entziehen. Hier das Haus, in dem der gewaltige Mann sein Leben beschließen mußte, in felsiger Einöde mit spärlicher Vegetation, rings umstellt von Felsenspitzen und Schroffen, von denen ihm überall die englischen Kanonen und Uniformen entgegenschimmerten — als Ausblick das unendliche blaue Meer, das in ruhiger Würde allen Gedanken an Entrinnen, an neues Beginnen ehrgeiziger Pläne Hohn. sprach. Erschütternd wirkt auf uns Deutsche auch, daß die Franzosen so gar nicht versucht oder vermocht haben, diese Stätte nachträglich pietätvoll und würdig zu schmücken. Zu feiten kommen wohl auch Besucher hin, zu wenig lockt diese Insel, deren Bedeutung und Wohlstand gering ist, seit man die große Garnison zurückgezogen hat. Die wenigen Europäer — fast nur Engländer — die sich in einem fruchtbaren kleinen Tale der Insel um das in einem schönen. wilden Park gelegene Gouvernementsgobäude — Plantation Hause — angesiedelt haben, nahmen sich unser sehr liebenswürdig an; ihnen allen glaubte man das Gefühl anzumerken, daß sie gewissermaßen in der Verbannung lebten.
Bald Gurgs dann weiter. Der wenig rauschende blaue Passat ivehte^uns kräftig in den Rücken, es wurde wieder heiß im Schiff; ein kurzer, eindrucksvoller Besuch wurde dem kleinen Foffennest Trinidad, das, nur von Vögeln bewohnt, seine Korallen und Felsgesteinverwerfungen aus dem Ozean reckt, in herrlichster Abendbeleuchtung abgestattet, und am frühen iTOorgen des 15. Februar stand die Division geschlossen vor der Einsal,rt zur Bucht von Rio de Janeiro. Zwei brasilianische Kriegsschiffe, die Küstenpanzer „Deodoro" und „Marschall ffwnano", hatte man uns zur Bewillkommung entgegengcichickt, und gegen 10 Uhr liefen wir mit ihnen unter dem feuern des Landsaluts in diese Bucht ein, ' die wähl dre schönste und großartigste unserer Erde ist.
Es war ein imposanter Anblick, wie die deutschen großen Schiffe, gefolgt von den brasilianischen, bei herrlichstem Wetter unter dem felsi,gen Zuckerhut an den im Hafen aufragenden oteinsorts vorbei einsteucrten und an die freundlicherweise durch. schwarz-weiß-rote Flaggen kenntlich ge- machten Bojen gingen. Dutzende von p.hotograp'hrschen Auf« nahmen, foe in Zeitungen und Läden veröffentlicht wurden.
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