Nr. 180
Abend-Ausgabe.
S. Blatt.
Wiesbadener Tsgblstt.
Samstag,
18. April 1914.
88. Jahrgang.
Oie Union und Mexiko.
Ein neues Ultimatum der Union.
* Washington, 18. April. Die Regierung Wilsons hat sich die Forderung Huertas nach einem Gegensalut noch einmal reiflich überlegt und ist schließlich zu dem Ergebnis gekommen, Huerta ein neues Ultimatum zu stellen und den Salut der amerikanischen Flagge bedingungslos zu fordern. Eine dementsprechende Depesche ist an den amerikanischen Geschäftsträger O'Shaughnessh in Mexiko abgegangen, derzufolge der Salut von 21 Schüssen von der mexikanischen Flotte bedingungslos verlangt wird.
* Washington, 18. April. Die endgültige friedliche Beilegung des Konflikts mit Mexiko ist noch keinesfalls als sicher zu betrachten. Im Laufe des gestrigen Nachmittags sind vielmehr eine Reihe ernster Hindernisse aufgetaucht. Präsident Huerta hat nämlich eine Reihe neuer Bedingungen in der Frage der Abfeuerung des Saluts gestellt, die der Bundesregierung unannehmbar erscheinen. Huerta verlangt insbesondere, daß die amerikanischen Schiffe den Salut gleichzeitig mit den mexikanischen abgeben sollen. Nach dem Eintreffen dieser neuen Bedingung aus Mexiko wurde sofort vom Präsidenten ein Kabinettsrat einberufen, dessen außergewöhnlich lange Sitzung auf eine Verschärfung der Lage schließen läßt. Um 1 Uhr nachts waren die Minister noch immer versammelt. Die aus Mexiko eingetroffenen Nachrichten lassen die Lage auch noch immer als ernst erscheinen. Huerta soll durchaus nicht gewillt sein, sich mit den Vereinigten Staaten friedlich zu verständigen. Er betrachtet vielmebr einen Krieg mit den Vereinigten Staaten als die letzte Möglichkeit, sich am Ruder zu erhalten, da er glaubt, daß eine nationale Bewegung gegen die Amerikaner auch die ihm feindlichen Elemente des Landes auf seine Seite bringen würde.
Verstärkung der amerikanischen Flotte vor Tampico.
wl>. Newport (Rhode Island), 17. April. Der Kreuzer „Tacoma" ist nach Tampico in See gegangen.
Was die Mexikaner unter der Erwiderung des Saluts verstehen.
wb. Mexiko, 17. April. Der Minister des Auswärtigen erklärte) daß die Regierung die Erwiderung des Saluts durch die Amerikaner als .eine stillschweigende Anerkennung der Regierung Huertas ansehen würde.
Huertas Winkelzüge
— New York, 18. April. - . . _
Washington wird angenommen, daß Huerta dre Der Handlungen über den Salut hinzrehen will, um Zeit zu gewinnen für Unterhandlungen mit dem Rebellen, f ü h r e r Villa. Nach zuverlässigen Meldungen sind Abgesandte Huertas unterwegs nach Villas Heerlager mit Vergleichsvorschlägen für ein gemeinschaftliches Vorgehen gegen die Ameri kaner.
(Eig. Drahtbericht) In
Frankreichs Interessen m Mexiko, wb. Paris, 18. April. Zum Beweise sür die großen Interessen, welche Frankreich in Mexiko besitzt, hebt der „Ganlois" hervor, daß in Frankreich für ungefähr 2880 Millionen mexikanischerWerte untergebracht seien. Hiervon entfielen auf Staatspapiere gegen 870 Millionen, auf Eisenbahnobligationen, Bank- und Bergwerksaktien 1080 Millionen und der Rest auf verschiedene Jndustriepapiere.
Sport und Luftfahrt.
* Wiesbadener Frühjahrsrennen. Die Handikaps haben am Freitag mit sehr guten Nennungen geschlossen. Für das Frühjahrs-Hürdenrennen wurden 23, für den Preis von Schierstein 20, Mannheimer Jagdrennen 30 und Rheinstein- preis 24 Pferde genannt.
* Turnverein Wiesbaden. Sonntag, den 19. April: Wanderung in die Baumblüte. Abmarsch 2% Uhr Ecke Lahn- und Aarstraße.
* Taunushöhen - Fahrt. Für die von dem „Wies,
badener Automobilklub. E. V. . aus Änlatz semev 10 Stiftungsfestes ausgeichiiebene Taunnshohen-Fahrt sind 23 Meldungen auf den ersten Meldeschluß am Io. April em- gelaufen. Insgesamt stehen für die Fahrt 22 Ehrenpreise ,m Gefaintwert von über 8000 M. zur Verfügung, -ne lorgani- sation der Strecke wird inzwischen. von dem veran,halt enden «ub auf das sorgsamste betrieben. So werden m den berührten Ortschaften uird im freien Gelände 800 Richtungspfeüe angebracht so daß auch die gemeldeten fremden Fahrer, welche das Terrain nicht kennen, eine hinreichende Orientierung erhalten. Ferner wurde von der technischen Kommission des Wiesbadener Automobilklubs eine genaue Berechnung der einzelnen Etappenzeiten für die in Betracht kommenden Stener- stärken der konkurrierenden Wagen ansgearbeitet und gedruckt jedem Teilnehmer zugestellt. Die zugelassenen Wagen, welche normale Toi,renwage,i sein müssen, stnd ihrer Starke nach m 7 Klaffen eingeteilt. Die Fah t ist eine Herrenfahrt und nur der Besitzer selbst darf seinen Wagen steuern. Nennnngsschluß für Itachnennnngen ist der 1. Mai, Jeder Wagen erhalt einen Unparteiischen zngeteilt. Die Abnahme der Wagen findet am 7 Mai. nachmittags 4 bis 6 Uhr, am Kurhausplatz swtt. der Start am 8. Mai. früh 6 Uhr, am Bahnhof, Die Fahrt geht über Langcnschwalbach, Espenschied, Nastatten, Nassau Montabaur, Diez Zollhaus, Reuhof, Konigstem (Mittagspause). Danii über Oberursel, Hoinburg v. d. H„ Usingen, Grafen- wiesbach. Weilbnrg, Weilmünster Schmitten über den Feldberg Idstein nach der Platte, woselbst sich das Ziel befindet. Unterwegs werden vier Geheimkontrollen eingerichtet. Uber die Bedingungen für die Fahrt gibt den ^ntereffenten das Sekretariat des Klubs, Montzstratze 29 Auskunft. Die Preis- Verteilung erfolgt gelegentlich des FestnraUes im stadtisckmi Kurhause am 9. Mai 1914. Jeder an der Fahrt teilnehmende Wagen erhält eine künstlerisch ausgesührte Errnnerungs- Plakette. *
w, Reitcrers Flug nach Wien. Wien, 18. April. Der Berliner Flieger Reit er er. der ans dem Flug zur Teilnahme an dem Schichtwettbewerb unterwegs war und gestern abend 6.3b Uhr in Obergerspitz bei Brünn aufstieg, ist um 7.38 Uhr in Aspern gelandet.
Neues aus aller Welt.
dorf^Düss'eldo'r'f"l7 K“ Der^Rentne^Karl Wester bM 'seiner ^ Vaterstadt 'Düsseldorf 700 000 M. letztwillig verwacht Diese Summe chll zur Unterstützung von Armen und Witwen und für den Stipendienfonds der Kunstakad^imebe^ wandt werden. Außerdem sollen 40000 W. als isrnnonwu.
' Ur S C olflenfdnuetc 7kesseiexvlnsione>i, W a rnSdo r f <SaAA. 17 Steril Bei der Explosion eines Mbrrlkefsels m dec ^ainr &Ä ä Sühne wurden der 3«»“^
der Arbeiter Siebers getötet mehrere andere Personen ward n
k'rkeülitt) verletzt. — Odessa, 17. ^ r) f .'T,
Mitschurist Ismail" wurden bei einer Keffelexplostmi acht Diann der Besatzung leicht und zwei schwer verletzt. Einer „t
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3 Millionen Franken, die ihm Kunden zur Lombardierung an- vertraut hatten, unterschlug. Der gUdltx batte fern Ge- sckäftsbaus in der vornehmsten Straße der Stadt
3,, spm Brande eines New Aorker Wolkenkratzers. New N o r^k 17 April. Zu dem Brande des DiieElxiuses^ wird weiter'gemeldet: Das Feuer brach im Erdges^ß an^> und breitete sich mit grober Schnelligkeit über die ^^pen aus. Von der Vorderseite des Gebäudes wie von den Fenstern des benachbarten Mietshauses versuchten Feuerwehrleute auf Leitern die Rettnngsarbeit, wobei sich ergreifende Lzenen ab- spwlRn. Bisher sLd zehn Leichen gefunden worden, von denen sechs bis zur Unkenntlichkeit verkohlt stnd. , .
Ern russischer Universttätsprofeffor als StttlichkettSver- brecher. Petersburg. 18. April. Die rnsstsche Gesellschaft ist durch einen unerhörten Skandal in große üufresiuns versetzt worden. Der in werten Kreisen bekannte Professor
der Kasaner Universität, Professor vRerezkowskheinBruder
des bekannten Schriftstellers, soll wahrend der letzten 10 ^ahre eine große Anzahl von Sittlichkeitsverbrechen gegen kleine Mädchen von 2 bis 14 Jahren begangen haben. Diese Verfehlungen tvaren an bestimmten Stellen bekannt. Doch wurde peinlichstes Stillschweigen über die perversen Neigungen Nerezkowsktzs bewahrt. Jetzt zeigte eine Fron, an d^em Kinde er sich verging, den Professor ber der Panzer an. Eine Haussuchung bei Nerezkowsky ergab die vollkommensten Beweise für seine Schuld. Man fand unter anderen schwer belastenden Dokumenten eine Liste von 27 Mädchen, dre er zu unsittlichen Zwecken mißbraucht hat. Dem Vc nebmen,nach ist Nerezkowsky rechtzeitig von der bevorstehenden Verhaftung benachrichtigt worden, so daß es ihm gelang sich ihr durch dee Flucht zu entziehen. Man nrmmt an, daß er rns Anhand gegangen ist. Inzwischen nimmt die polizeiliche Untersuchung
Hotelbrand. New ?) ork 17. April. Das Hotel Henriette, das meist von Schauspielern bewohnt wird ist niodergebrannt. 11 Personen wurden getötet, vier andere schwer verletzt ins Hospital gebracht.
Eine ganze Hafenstadt durch einen Zyklon zerstört. Sansibar 18. April. Die Stadt Port Amelm wurde durch «neu Zyklon vollständig zerstört. 80 Eingeborene haben dabei lhr Leben eingebüßt. , - m m <
Brand eines amerikanischen Handelshauses. New York, 17 April. Slach einer Meldung der „New Nork-Tribüne" auS Mexiko ist das große Handelshaus Palacia de Hierro niedergebrannt. Der Schaden wird arif 7 Millionen Pesos geschätzt, die Halste ist durch Bersichernng gedeckt, größtenteils bei englischen Gesellschaften.
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