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Nr. ISO»Samstag, 18. April 1914.

webel verhaftete die Touristen und verbrachte sie in das Zivil- i gefängnis nach Neubreisach, wo sie sich, entgegen der ersten Meldung, noch befinden. Es sind ihnen alle Annehmlichkeiten, die Untersuchungsgefangenen gewährt werden, gestattet wor­den Nach ihren Aussagen hatten sie lediglich die Absicht, von den landschaftlichen Reizen eine photographische Aufnahme zu machen. Sie bestreiten jede Absicht der Spionage. Inzwischen ist durch die Staatsanwaltschaft Colmar eine Orts­besichtigung vorgenommen und die Akten sind nach erfolgtem Verhör der Beschuldigten dem Reichsgericht in Leipzig über­sandt worden. Obwohl an der Stelle, auf welcher die drei Herren betroffen wurden, fast nur Festungsmauern mit wenig Grün und wenigen Bäumen zu sehen sind, scheint es sich, nach den Persönlichkeiten der Verhafteten zu urteilen, nur um einen unüberlegten Streich zu handeln. Das ist auch die Auffassung der Bevölkerung. Es sind hier in letzter Zeit nach­einander zwei Personen wegen Spionageverdachts festgehalten, später aber wieder freigelassen worden, da es sich um harm­lose Spaziergänger handelte, die unbefugterweise auf den Wällen sich ergangen hatten.

* Zur Landung eines französischen Fliegers auf deutschem Boden. Gestern war ein französischer Fliegeroffizier, der an­scheinend die Orientierung verloren hatte, auf elsäsiischem Gebiete gelandet, war jedoch, als er seinen Irrtum bemerkte, sofort wieder aufgestiegen. Wie nun der „Petit Parisien" ■ meldet, beabsichtigt das französische Kriegsministerium eine Untersuchung in dieser Angelegenheit vorzunehmen. In fran­zösischen Regierungskreisen soll man der Ansicht sein, daß der Offizier, dessen Name übrigens im Ministerium noch nicht bekannt ist, unbedingt die Ankunft der deutschen Behörden .hätte abwarten müssen, bevor er seinen Weiterflug antrat.

* Zum Fall Berliner. Im Fall Berliner und Genossen wurde der Anwalt der in Rußland gefangen gehaltenen Luft­schiffer davon benachrichtigt, daß die Anklageschrift be­hufs Zustellung an die Angeklagten beendet worden ist. Die Gerichtsverhandlung soll am 30. April in Perm stattfinden.

* Wieder ein Gutsankauf der Ansiedlungskommission. Die Ansiedlungskommiffion hat im Kreise Mogilno das 800 Morgen große Gut Westfelde aus polnischer Hand erworben. Bisher besaß sie in dem Kreise 16 304 Hektar oder 22,23 Proz. der Gesamtfläche.

* Der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter hat im ersten Viertel dieses Jahres durch eine planmäßige Haus­agitation 7083 neue Mitglieder gewonnen. 'Die Zunahme erstreckt sich auf alle Reviere und ist am stärksten im Ruhr­bezirk.

* Ein Reichsvcrband der Schreibmaschinen- und Berviel- sältigungsburcaus ist in Leipzig zum Zweck der Wahrung der wirtschaftlichen Interessen, insbesondere zur Einführung von Mindestpreisen, gegründet worden. Der Sitz des Verbands ist Berlin.

kieer und

Ein Held von Düppel, Oberstleutnant z. D. Friedrich Guffow f. Das 60. Infanterie-Regiment, das seil 1897 in Weißenburg in Garnison liegt, ist in seinen Vorbereitungen für die Düppelfeier, die es in großartigster und umfangreich­ster Weise begehen wallte, von der traurigen Nachricht ereilt worden, daß einer der Helden des Regiments von Düppel, OberstLeutnant z. D., Friedrich Gussow, zur großen Armee ab- üerufen ist. Am 11. Juni 1862 in das Regiment eingetreten, zeichnete sich der blutjunge Leutnant bei Düppel durch Ruhe und Umsicht in solcher Weise aus, daß ihm der Rote Adler- orden 4. Klasse mit Schwertern verliehen wurde. Diese Tapferkeit vor dem Feind hatte er 1866 bei Königgrätz und 1810 als Regimentsadjutant weiter bewiesen. Seinen Vor­satz mit den wenigen noch lebenden Regimentskameraden in Weißenburg den ruhmreichen Tag von Düppel feiern zu können, hat nun der Tod durchkreuzt. Im Feldzug 1870 hatte sich Friedrich Gussow das Eiserne Kreuz erworben.

und (WewfmFm.

— Ncichspostamt und Volksversicherung. Zwischen dem Staatssekretär des Reichspostamts und der „Deutschen Volks­versicherung" ist ein Vertrag geschlossen worden, durch den zwischen der Reichs-Post- und Telegraphen-Verwaltung und der genannten Gesellschaft eine Arbeitsgemeinschaft geschaffen wird, die geeignet ist, den Beamten und Unterbe- amtcn die Segnungen der Volksversicherung besonders nahe zu bringen. Danach ist die Behörde bereit, den schriftlichen Verkehr der versicherten Beamten und Unterbeamten mit der Gesellschaft zn vermitteln. Sie zieht die Versicherungsbei­träge monatlich von den Gehältern ab und übermittelt sie an die „Deutsche Volksvcrsichernng". Auch die Auszahlung der Versicherungssumme an den Versicherten oder ferne Erben er­folgt kostenfrei durch die Postverwaltung. Da die Ge­sellschaft infolge dieses Entgegenkommens nicht unwesentliche Verwaltungskosten erspart, hat sie sich damit einverstanden erklären können, daß die Beiträge nach den Tarifen mit viertel­jährlicher statt mit monatlicher Beitragszahlung berechnet werden, wodurch der Versicherte günstiger gestellt wird. Mit diesem Abkommen dürste beiden Teilen gedient sein. Der „Deutschen Volksversicherung" wird die Durchführung ihrer gemeinnützigen Aufgaben erleichtert, und den Versicherten werden durch das Entgegenkommen ihrer Behörde Ver­günstigungen zuteil, deren sie sich andernfalls nrcht erfreuen könnte n. _ _

Gster-neich-Ungarn.

Die Untersuchung zur Auswanderungsaffäre. L e m b e r g, 18. April. Die strafgerichtliche Untersuchung m der Aus- WanderuNlgsasfäre gegen die Repräsentanten, Leiter und Agenten der Auswanderungsbureaus der Canadian Pacific, der Austro-Anglo, des Norddeutschen Lloyd und der anderen Gesellschaften, darunter auch mehrerer reichsdeukscher, insge­samt etwa 1050 Personen, ist nunmehr abgeschlagen worden. Die ersten Verhandlungen gegen die Angeklagten werden Mitte Mai vor dem hiesigen Gericht stattsinden.

Die Rußlandreise der ungarischen Abgeordneten. B u d a - p e st, 17. April. Wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, nird'ein definitiver Beschluß über den Reiseplan der Unab- jängigkcispartei nach Petersburg erst nach Rückkehr des Nrafen Michael K a r o l y i aus Amerika, und zwar in der nächsten Woche, erfolgen. Einzelne Mitglieder der Volks­partei beabsichtigen sich dieser Reise anzuschließen.

Frankreich.

Die Kaiserbüste in Paris. Paris, 18. April. Die An­gelegenheit der zurückgewiesenen Kaiserbüste hat nunmehr anscheinend mit der Erklärung des Präsidenten der Gesell-

Mresbaderrev Tagblair.

schuft für bildende Künste, Herrn Mercier, ihren Mschlutz gefunden. Dieser erklärte, wenn Bezner trotz des Protestes sein Werk auf die Ausstellung schicken wolle, so stehe ihm das Recht zu. Die Büste werde aber nicht im Salon, son­dern in der Depositenkammer (?) ausgestellt werden, wo sie mit anderen Werken solange verbleiben soll, als die Ausstellung dauert.

Verhaftung eines angeblich deutschen Spions. Paris,

18. April. Hiesige Blätter behaupten, daß in der Nähe von Nancy ein deiutjscher Spion verhaftet worden sei. Er soll von der Wache in der Nähe des Forts Frouard an einer für den Privatverkehr gesperrten Stelle überrascht worden sein. Es handelt sich um das Tor Sortie-in-Guerre, das durch Stachel­drähte geschützt ist und im Kriegsfälle als Ausfallstor dient. Der Verhaftete, bei dem keinerlei Papiere gefunden wurden, behauptet, aus Stratzburg gebürtig zu sein und Covalotti zu heißen.

Das Statut von Tanger. Paris, 18. April. Rach einer Madrider Meldung erklärte der Minister des Äußern mehre­ren Berichterstattern, daß die Unterhandlungen Spaniens mit Frankreich und England über das Statut von Tanger sehr bald zu einem endgültigen Einvernehmen führen dürsten.

Untcrseebostszusammenstoß. Paris, 18. April. Aus Toulon wird gemeldet, daß bei einer Nachtübung auf der Reede von St. Rafael die beiden Unterseckboote 183 und 187 zusammengsstohen sind. Dem Unterseeboot 183 wurde das Vorderteil eingedrückt. Es begann sofort zu sinken, konnte jedoch noch aus eigener Kraft auf den Strand gebracht wer­den. Die Mannschaft wurde von einer Schaluppe des Kreu­zers „Jeanne d'Ilrc" aufgenommen. Das Boot 187 kam mit einigen Beschädigungen an den Seitenbordplanken davon.

Schweden.

Das Befinden des Königs. Stockholm, 17. April. Rach dem heute vormittag veröffentlichten Krankheitsbericht verläuft die Genesung des Königs im ganzen zufrieden­st eilend. Der Darm funktioniert natürlich. Die Opera- tionswunde ist geheilt und sämtliche Fäden sind entfernt. Temperatur 36,9 Grad, Puls 58.

Italien«

Die Minister-Zusammenkunft in Abbazia. Abbazia, 17.. April. Marchese di San Gmliano und Graf Bcrchtold machten einen Automobilausflug nach dem Staatsgestül Lipizza und kehrten abends nach Abbazia zurück. Sie nabmen das Diner gemeinsam ein und wohnten einem von der Kur­kommission veranstalteten Festkonzert bei.

Valkanstaaten.

Ein Kampf albanischer Gendarmen mit regulären griechischen Soldaten. Durazzo, 17. April. Es sind amt­liche Meldungen eingelansen, daß 400 reguläre griechische Soldaten eine albanische Gendarmerieahteilung bei Vebeck nördlich von LeSkowitsch angriffen. Einzelheiten über den Ausgang des Kampfes fehlen noch.

Freilassung des Metropoliten von Koritza. Durazzo, 17. April. Der wegen Förderung des Ausstandes im Epirus verhaftet gewesene Metropolit von Koritza, Germanus, wurde auf Befehl des Fürsten Wilhelm in Freiheit gefetzt. Er wunde jedoch von den albanischen Behörden angewiesen, das Gebiet von Mbasscm nicht zu verlassen.

Türke!

Ein Budgetprovisorium. K o n st a n t i n o p e l, 17. April. Das Amtsblatt veröffentlicht ein provisorisches Gesetz, be­treffend ein dreiisionatiges Budgetprovisorium. Danach wird die Regierung, vorbehaltlich der parlamentarischen Ge­nehmigung zu AuSgalben im Gesamtbeträge von 8 774122 türkischen Pfund während dieses' Zeitraumes ermächtigt.

Verlängerung der Tabakrcgiekonzession. Konstanti­nopel, 17. April. Ein Jrade ist unterzeichnet worden, wo­durch die Konzession der Tabakregie auf fünfzehn Jahre ver­längert wird.

Aziz-Ali wird begnadigt. K o n st a n t i n o p e l, 17. April. In gut informierten Kreisen wird versichert, daß Älziz-Ali am 27. d. M-, dem Tage der Thronbesteigung des Sultans, begnadigt werden soll.

Zum Kurdcnaufstand. K o nst a n t i n o p e l, 18. April. Einer der hervorragendsten Führer der aufrührerischen Kur­den, Said-Ali, ist in Kluzzan verhaftet worden. Die Nachricht von der Verhaftung hat in Konstantinopel lebhafte Befrie­digung hervorgerufen und man ist überzeugt, daß es den regulären Truppen binnen kurzem gelingen wird, den Auf­stand niederzuwerfen. Auf die Gefangennahme des Scheichs Salim ist eine große Belohnung aufgesetzt worden.

Zur Auswanderung der thrazischen Griechen. Kon­st a n t i n o p e l, 17. April. In Erwiderung auf die aus Athen stammenden Meldungen ö6er die Auswanderung der Griechen aus Thrazien erklären „Tanin" und andere Blätter, daß die Auswanderung durch fl * 1 e ch > t ch e Agent« n veranlaßt wurde. Das ökumenische Patriarchat verlangte gestern bei dom Minister des Innern und oes Kultus Maßnahmen zur Eindämmung der Auswanderung^ Der Minister des Innern ordnete an, daß sofort der Zollinspektor abreise, um die Lage an Ort und Stelle zu prüfen und jeden ottomanischen Be­amten zu bestrafen, der die Auswanderung begünstige. Eine Patriarchatskommission begab sich abends nach Rodosto, um eine Reise nach Thrazien zu unternehmen und die Griechen zu überreden, daß sie in ihre Heimstätten zurückkehren.

Norvcrmerik«.

Ein Attentat ans den Bürgermeister von New York.

New York, 18. April. Em Revolverattentat wurde gestern nachmittag auf den Bürgermeister von New Uork Mitchell ver­übt. Als er tu Begleitung deS Alderman und bekannten Schriftstellers Folk das Rathaus verließ, feuerte ein älterer Mann einige Revolverschüsse auf den Bürgermeister ab, die diesen jedoch nicht trafen. Folk wurde durch einen Schutz leicht verletzt. Der Attentäter, der sofort verhaftet wurde, erklärte bei seiner Vernehmung, Rose zu heißen. Cs handolt sich, wie sich herausstellte, um die Tat eines Irrsinnigen. Die Ver­letzungen des Syndikus und Aldermans Folk, der von einer Kugel in den linken Mundwinkel getroffen wurde, sind glück­licherweise nicht lebensgefährlich. Der Attentäter, David Rose, steht im 70. Lebensjahre. Er wurde durch das rasche Eingreifen des Detektivs Raun, 'der das Automobil des Bürgernxeisters Mitchell lenkte, daran verhindert, einen wei­teren Schuß abzugeben. Raun überwältigte ihn und entriß ihm den Revolver. In seinen Taschen wurden zwei an den Bürgermeister gerichtete Briefe gesunden. Der Bürgermeister äußerte, daß die Kugel unzweifelhaft für ihn bestimmt ge­wesen sei. — Neueren Nachrichten zufolge sind die Ver­letzungen des Syndikus Folk schwerer, als man zuerst ange­nommen hatte, jedoch werden sie als nicht lebensgefährlich he- tvachtet. (Vergl. Letzte Drahtberichte.)

Mbend-Ausgabe, 1. Matt. Beite S»

I Afrika.

Ein neuer englischer Oberkommissar für Sansibar.

London, 17. April. Sir Conway Betsield, der Gouverneur von Britisch-Qstafrika, ist unter Bolassung auf seinem jetzigen Posten außerdem zum Oberkommissar für Sansibar ernannt worden. Major Pearce, stellvertretender Gouverneur von Nhassaland, jvurde zum Residenten von Sansibar ernannt.

Ausbau der portugiesischen Angolaeisenbahn. Lissa­bon, 17. April. Der Kolonialminisier bringt eine Vorlage ein, in der die sofortige Verlängerung der Angolaeiserckahncn gefordert wird. Einige Linien sollen bis zu den Grenzer, ver­längert werden, wo sie sich an das Bahnnetz der auswärtigen Kolonien cmschlietzen.

China.

Zu dem überfall auf eine Bcrmessungsabteilung. ^ 5! n

17. April. Zu der Meldung der „Central News" aus S-chanc Hai, daß eine deutsche Vermessungsabteilung der Ka>ntor: Hankauer Bahn von Dorfbewohnern überfallen worden stellt ein Berliner Telegramm der „Kölnischen Zeitung" fest, daß es nicht eine deutsche, sondern eine im Aufträge deS deutschen Konsortiums arbeitende, ausschließ­lich aus Chinesen bestehende Vermessungsabteilung war, und es sich ferner nicht um die Kanton-Hankauer-.Bahn, fort* bern um die Hankau-Szetschwan-Bahn handele.

äus Stadt und Cattö.

Wiesbadener Nachrichten.

Aus dem Stadtparlament.

Es gehört nicht zu den Seltenheiten, daß eine bescheidene kleine Vorlage, die im Grunde genommen gar nicht der Rede wert ist, die Ursache zu einer langen Debatte wird. So war es auch gestern. Das ehemalige Brücksche Grundstück an der Coulinstratze, das heute nicht nur zwecklos hinter einem Zaun am Wege liegt, sondern auch in seinem verwahrlosten Zustand sehr unschön aussieht, soll zu einem Kinderspielplätz­chen umgewandelt werden. Dagegen wurden Bedenken gel­tend gemacht, die sich hören ließen: es wurde auf die nahen Hotels, den „Schützenhof" und den „Westfälischen Hof", hin­gewiesen, ferner auf den starken Verkehr der Coulinstratze (der allerdings sehr stark ist), und auf die Kleinheit des Platzes überhaupt, der schon deshalb für einen Spielplatz ungeeignet sei. Die große Mehrheit der Stadtverordneten ließ sich jedoch von dem Magistrat und dem Ausschutzbertchterstatter über­zeugen, daß sich der Platz so ausstatten läßt, daß er nur für kleine Kinder in Betracht kommt, die von Erwachsenen oder größeren Geschwistern beaufsichtigt werden. Die Behauptung des Herrn Professors Degenhardt, daß Wiesbaden be­züglich seiner städtischen Grotzspielplätze erheblich hinter der durchschnittlich auf einen deutschen Großstadtbewohner ent­fallenden Spielplatzfläche zurückbleibe, blieb nicht unwider­sprochen. Herr Professor Degenhardt hatte unzweifelhaft recht, wenn man lediglich die großen und dauernd angelegten städtischen Spielplätze berücksichtigt, er hatte dagegen nicht recht, wenn man die provisorischen Spielplätze und die Plätze, die zwar keine Spielplätze sind, auf denen sich aber doch die Jugend ungehindert tummeln kann (aller Exerzierplatz!) nicht unbeachtet läßt. Herr Bürgermeister Travers machte auf den wunden Punkt jeglicher Zahlengleicherei aufmerksam: die Nichtwürdigung der örtlichen Besonderheiten. Es ist z. B. klar, daß eine Stadt, die der Jugend keine natürlichen Spiel­möglichkeiten bietet, für größere künstliche Spielplätze sorgen muß, als eine Stadt, die (wie Wiesbaden) unmittelbar am Wald liegt.

Bevor zur Wahl eines neuen Magistrats­mitglieds geschritten wurde, durfte und m u ß t e sich Herr Hartmann im Auftrag der Linken über das merkwür­dige Verhalten der Rechten beschweren, die es nicht der Mühe wert fand, auf den Vorschlag zur gemeinsamen Aufstellung eines Kandidaten auch nur eine vernünftige Antwort zu geben. Was Herr v. D r e i s r n g gestern zur Entschuldigung der Rechten anführte, konnte in keiner Weise befriedigen. Er wendete sich nicht gerade sehr geschickt um eine Erklärung der Tatsache herum, daß auf eine höfliche Anfrage keine Antwort erfolgte. Noch auffallender war aber das Verhalten der Rech­ten, als Herr Hartmann die Bitte aussprach, wenigstens jetzt, unmittelbar vor dem Wahlakt, den von ihr aufgestellten Kan­didaten zu nennen. Eine Antwort erfolgte nicht! War das bewußte und gewollte Unhöflichkeit, oder war es die Furcht, die Nennung des Kandidaten würde zn einer Dis­kussion Veranlassung geben, die vielleicht diesen oder jenen Herrn der Rechten noch zur Linken hinüberziehen würde? Oder war es gar die Furcht, es käme bei einer etwaigen Be­sprechung die mit dem Zentrum getroffene Abmachung zur Sprache, die seit der letzten Beigeordnetenwahl etwas anrüchig geworden ist? Ihres Kandidaten, des Fabrikanten Karl Philipps, brauchte sich die Rechte wahrlich nicht zu schämen. Mit Herrn Stadtverordneten Schwank wäre sicher eine ausgezeichnete Kraft in den Magistrat gekommen, aber auch durch die Wahl des Herrn Philippi erfährt der Magistrat eine Ergänzung, mit der man durchaus zufrieden sein kann. Ehr­lich gesagt, wir freuen uns beinahe, daß die Wahl auf ihn und nicht auf Herrn Schwank gefallen ist, dessen Übertritt in den Magistrat sur die Stadtverordneten-Bersammlung ein sehr empfindlicher Verlust bedeutet haben würde. Mit Herrn Philipp,, dessen Vater viele Jahre Mitglieds des Wiesbadener Gemelnderats war, zieht übrigens kein Neuling auf dem Ge­biet der Kommunalpolitik in den Magistrat ein; er hat früher der «tadtverordneten-Versammlung einige Jahre als Mit­glied angehört.

vom 48. rcommunallandtag.

Der 48. Kommunallandtag für den Regierungsbezirk Wiesbaden wird bekanntlich am kommenden Montag, nach­mittags 6 Uhr, durch den stellvertretenden Landtagskommissar, Regierungspräsidenten Dr. v. M e i st e r, im Landeshaus feierlich eröffnet werden. Von den 70 Abgeordneten, von denen 23 der Wahlbezirk Frankfurt a. M.-Stadt und 6 der Wahlbezirk Wiesbaden-Stadt stellt, sind im abgelaufenen Jahr verstorben die Abgeordneten Bürgermeister Hartmann (Hadamar), Bürgermeister a. D. Kröck (Bettendorf), Landrat Geheimer Regierungsrat Dr. Beckmann (Usingen) und Bür­germeister a. D. Dr. Heussenstamm (Frankfurt a. M.) Nieder­gelegt hat sein Mandat der Gutsbesitzer Eduard Sturm iRüdesheim). Für letzteren ist neugewählt Landrat Geheimer Regierungsrat Wagner (Rüdesheim), für Dr. Heussenstamm Oberbürgermeister Dr. Voigt (Frankfurt a. M.). Die übrigen Wahlen stehen noch aus. — Die diesjährige Tagung wird vor­aussichtlich bis zum 28. April währen und 5 öffentliche