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GgWsiaK, 18. April 1914.

Organisation und namentlich ihre Führer als Parteifreunde schätzen und achten. Die Jugend würde sich alle Sympathien in der Partei, die doch auch für sie das höhere Ziel sein muß. verscherzen, wenn sie die in der Übereilung abgegebene ab­lehnende Antwort ihres Führers gutheißen wollte. Dann allerdings würde man von einem Siege der Altnationallibe­ralen sprechen können, der ihnen durch die Jugend selbst allzu leicht gemacht worden wäre."

* Die Weihe des Jatho-Grabmals. Am Palmsonntag hat auf dem neuen Friedhof in Ablaten eine ergreifende Feier stattgefunden: die Weihe des von Freunden und Verehrern des Verstorbenen gestifteten und von Professor Lederers Meisterhand gestalteten Grabmals des im März vorigen Jahres aus so tragische Weise aus dem Leben geschiedenen ehe­maligen Kölner Pfarrers Karl Jatho. Das Denkmal zeigt die in kräftigen, schwungvollen Linien modellierte Gestalt eines energisch vorwärtsschreitenden und mit raschem «chwung der Hand ausholenden Säemannes. Zu der schlichten Feier der Enthüllung des Denkmals hatten sich, nach dem Bericht der ..Christlichen Freiheit", neben Jathos Gattin, seiner tapferen Mitstreiterin. und anderen Familienange­hörigen zahlreiche Freunde des Verstorbenen und seine letzten Konfirmanden eingefunden, diese als letzten Gruß für den verehrten Seelsorger Blumen in den Händen haltend. Die eigentliche Weiherede hielt Pfarrer Liz. Radecke (Köln), der frühere Kollege Jathos. In sinniger Weise setzte er die Ge­stalt des Säemannes, die das Grabmal zeigt, in Beziehung zu dem Wesen und der Eigenart Jathos selbst. Liz. Traub sprach im Namen des Gesamtverbandes, worauf zahlreiche Abordnungen aus Dortmund. Lüdenscheid. Krefeld. Essen. Siegen. Barmen, Remscheid und aus Köln mit seinen Vor­städten Kranzspenden am Fuße des Denkmals niederlegten. Die Frühlingssonne leuchtete mit strahlendem Glanze herab auf diese wehmütige Feier, die doch zugleich eine Siegesfeier des freien Protestantismus war.

dv. Gut katholisch und doch nicht Zentrum. Die ..Petrusblätter" (Nr. 28) erwähnen mehrere Ausschlüsse und Rücktritte aus den Zentrumskomitees, z. B. den Ausschluß des Herrn Neuerburg, Verlegers der „Petrusblätter", aus dem Trierer, und den „nahegelegten" Rücktritt des Frhrn. Röder v. Diersberg aus dem Baden-Bühler Wahlkomitee, und knüpfen daran folgende zutreffende Schlußfolgerung: „Jeden­falls sorgt das Zentrum heute selbst dafür, daß die Welt er­fährt: „Man kann gut katholisch sein und braucht doch nicht dem heutigen Zentrum anzugehören." Das kölnische, das nichtkonfessionelle Zentrum aber müht sich immer noch mit dem Beweise ab. daß ein guter Katholik politisch nur Zen­trumsmann sein kann. Noch kürzlich hat dies z. B. die „Bottroper Volkszeitung" fertiggebracht. Es wäre zu wün­schen, daß das Zentrum bei dem gegenwärtigen großen Reine­machen nicht nur die Quertreiber, sondern auch die queren Ideen und Schlagworte ausfegen möchte

* Verdächtige Touristen. Drei französische Touristen, die am Dienstag im Festungsgelände von Neubreisach photo­graphische Aufnahmen gemacht hatten, wurden in Colmar (Elsaß) von einem Wallmeister festgenommen unter Beschlag­nahme der Aufnahmeplatten usw. Die Festgenommenen be­finden sich zurzeit im.Gerichtsgefängnis zu Colmar. Allem Anschein nach ist die Sache ohne Bedeutung und die Frei­lassung der drei Touristen aus Paris, bezw. St. Etienne ist wohl bald zu erwarten.

* Hundertjähriges Zeitungsjubiläum. Das „K a h l a e r T a g e b l a t t". das älteste Lokalblatt im Altenburger Lande, sah am Donnerstag auf ein 100jähriges Bestehen zurück. Es erscheint seit seiner Gründung ununterbrochen im Verlag der Buchdruckerei Beck, jetzt Hofbuchdruckerei I. Beck, an deren Spitze nunmehr in der vierten Generation der Hofbuchdrucker Max Beck, der Urenkel des Gründers A. C. Beck, steht.

* Verbotener Maiumzug. Die Polizeiverwaltung in Düsseldorf hat den von den sozialdemokratischen Gewerk­schaften geplanten Maiumzug verboten. In dem ablehnenden Bescheid heißt es. daß der Gegensatz zwischen den auf staats­erhaltendem Boden stehenden Bevölkerungsschichten und den Veranstaltern des Umzuges leicht die öffentliche Sicherheit gefährden könne.

" Beitritt zum Hansabund. Der Verein Bremer Expor­teure. einer der bedeutendsten Exportverbände Deutschlands, hat seinen korporativen Anschluß an den Hansabund beschlossen.

Rechtspflege und Verwaltung.

In das Geheime Zivilkabinett berufen. Landrat Dryander aus Hadersleben, der zuletzt Hilfsarbeiter im Reichsamt des Innern war, ist in das Geheime Zivilkabinett berufen worden.

Zum Vortragenden Rat im Ministerium der öffentlichen Arbeiten ist der Regierungs- und Baurat Emil Kraefft, bisher Mitglied der Eisenbahndirektion Breslau, ernannt worden.

Richter und Anwälte. In der neuesten Nummer der „Deutschen Juristenztg." veröffentlicht der Vorstand des Deutschen Richterbundes folgende Erklärung: „Die Vertreter­versammlung des Deutschen Anwaltvereins hat sich kürzlich nach Berichten in der TageSpresse dahin ausgesprochen, daß die Leitung des Deutschen Richterbundes und der „Deutschen Richterzeitung" das für das Gedeihen der Rechtspflege not­wendige Zusammenwirken der Richter mit den Rechtsanwälten durch Unterstützung agitatorischer, gegen den Anwaltsstand ge­richteter Bestrebungen gefährde. Der Vorwurf kann sich nur darauf beziehen, daß auf dem Richtertag in Berlin und in der „Richterzeitung" die Frage der Vereinfachung und Ver­billigung der Rechtspflege behandelt und dabei Vorschläge ge­macht wurden, die. wie es scheint, nicht den Beifall des Än- waltsvereins haben. Ob diese Vorschläge und ihre Begrün­dung das Richtige treffen, untersteht der öffentlichen Prüfung. Die Leitung des Richterbundes und der „Richterzeitung" hat nur das eine Bestreben, die Rechtspflege zeitgemäß auszu­gestalten; sie hat sich nie von anderen als sachlichen Er­wägungen leiten lassen. Bei den Erörterungen sind außer den Richtern auch Rechtsanwälte und Laien zu Worte ge­kommen. Es wird deshalb der erhobene Vorwurf als unbe­gründet zurückgewiesen." Die „Deutsche Juristenztg." macht den Vorschlag, eine aus Vertretern des Anwaltstandes und des Richterbundes bestehende Kommission unter Vorsitz eines Unparteiischen zu berufen, um einen Ausgleich und darüber hinaus ein gemeinschaftliches Zusammenarbeiten zwischen Richtern und Anwälten herbeizuführen.

V^rrclwenttirrkcpes.

Dir Gesctzesnovelle, betreffend die gemeinsamen Rechte der Obligationenbesitzer. Der Entwurf eines Gesetzes, be­treffend die Novelle zum Gesetz über die gemeinsamen Rechte der Besitzer von Schuldverschreibungen, ist dem Reichstag zu­gegangen. Der Inhalt ist bekannt. Einer Gläubigerver­sammlung kann nach der Novelle die Befugnis verliehen wer­den, mit verbindlicher Kraft für alle Gläubiger über die Be­stellung eines neuen Vertreters zu beschließen, sobald ein ge­mäß §1189 BGB. oder sonst bei der Ausgabe der Schuldver­schreibungen bestellter Vertreter weggefallen ist.

kreer uns Kiotte. !

Das Düppeler Sturm kreuz. „Den Kriegern, welche durch die Erstürmung der Düppelstellung deri Ruhm der preußischen Waffen durch eine glorreiche Tat gemehrt haben", ist — wie ein Kronbefehl König Wilhelms I. vom 18. Oktober 1864 be­sagt — das Düppeler Sturmkreuz als „eine ausschließlich für sie bestimmte Auszeichnung und Beweis der Anerkennung ihres tapferen Verhaltens" verliehen worden. Das Kreuz, aus weißer Bronze am blauen Bande mit schwarz-weißer Einfassung für die militärischen Teilnehmer am Sturm (mit einer Bandabart für die Reserven des 18. April 1864), aus schwarzem Eisen am Bande des Hausordens von Hohen- zollern für die Verwundete pflegenden Johanniterritter und einzelne beteiligte Zivilbeamten und Zivilpersonen, ist heute ein seltenes Ehrenzeichen geworden. In der Dienstalterliste der Generale finden sich allein die Generalfeldmarschälle Graf v. Haeseler und v. Bock und Polach als (halb)aktive Träger des Düppelkreuzes, das auch Ärzte. Geistliche. Kran­kenträger sowie eine Anzahl Frauen (am Nichtkombattanten­bande) erhielten. Da die Aufbewahrung der Düppelkreuze bei den Kirchspielen stattfindet, so ist eine Aufstellung über die Zahl der lebenden Inhaber nicht möglich. Ein sehr bekannter Düppelkreuzmann war der Pionierunteroffizier L a be­mann, der dicht vor den dänischen Pallisatzen den Granat­zünder eines 30 Pfund schweren Pulversackes zum Bresche- legeu entzündete und 1868 für diese tapfere Tat zum Sekonde- leutnant im Regiment 66 befördert wurde. Er schied erst 1898 als Generalmajor und Kommandant von Küstrin aus dem aktiven Dienst. Eine andere, besondere Verleihung des Kreuzes geschah an den einzigen, bei Düppel mit den Sturm­kolonnen beteiligten Nichtpreußen, den damaligen kurhessischen Jügerleutnant Karl v. Lohberg. der als Zuschauer in Uniform die Angriffsstellung besuchte und wegen der Ähn­lichkeit der Uniform für einen preußischen Offizier gehalten wurde, so daß man ihm an Stelle eines Gefallenen versehent­lich die Führung eines Zuges anvertraute. Für das Uner­laubte kriegerische Abenteuer bestrafte Kurfürst Friedrich Wilhelm zwar seinen Leutnant mit vier Wochen Stubenarrest, es erhielt jedoch der vier Jahre später als Hauptmann bei Wörth Gefallene als Pflaster zum Düppelkreuz noch den Roten Adlerorden mit Schwertern.

Das neue Marineluftschiff. Wie aus Friedrichshafen ge­meldet wird, ist das als Ersatz für die untergegangenen Marineluftschiffe ,.L. 1" und ,.L. 2" gebaute neue Marine­luftschiff „L. 3" nunmehr fertiggestellt. Das neue Luftschiff, das die Ausmaße des „L. 2" haben wird, weicht insofern von den früheren Luftschiffen ab, als es zur Vermeidung von Katastrophen wie diejenige, der der „L. 2" zum Opfer fiel, eine Tieferlegung der Gondeln aufzuweisen hat. Zur Ver­ringerung der Zündgefahr wurde überdies eine Vergrößerung der Kühler und infolgedessen eine Erhöhung der Kühlwasser­menge vorgenommen, an den Auspuffrohren Ruß- und Funkenfänger angebracht und Vorkehrungen getroffen, daß Rückschläge vom Verbrennungsraum in den Vergaser verhütet werden. Weiter wurde eine bessere Ventilationseinrichtung in dem Laufgang des Luftschiffes angebracht.

Die Tauglichkeit der Ausgehodenen. Im letzten Berichts­jahr wurden von je 100 endgültig Abgefertigten 55,5 für taug­lich. 14,3 Prozent künftig tauglich. 24 Prozent minder taug­lich. 6 Prozent untauglich befunden. 0.2 Prozent waren un­würdig. Die Gesamtzahl der in den Listen geführten Leute hat. entsprechend der Bevölkerungszunahme, ständig zuge­nommen. Sie betrug im Jahre 1903 1072 819 und ist bis auf 1289 868 gestiegen. Das bedeutet eine Zunahme von durchschnittlich 21 704 Köpfen auf das Jahr. Dabei ist die Zahl der Unwürdigen und Untauglichen zurückgegangen: erstere von 1167 auf 918, letztere von 41 828 auf 34 211. D>e Gesamtzahl der Ausgehobenen und freiwillig Eingetretenen ist von 267 391 auf 307 912 gestiegen. Der Prozentsatz der Taug) lichen hat ab genommen; er betrug im Jahre 1903 noch 57,1, jetzt nur noch 55,6! Zugenommen haben die minder Tauglichen: von 19.5 auf 24,0 Prozent.

Übungen der Hochseeflotte. Das unter dem Befehl des Vizeadmirals v. Laus stehende Nordseegeschwader hat am Freitag Wilhelmshaven verlassen und ist nach Kiel in See ge­gangen. um sich mit dem Ostseegeschwader zur Abhaltung von Übungen zu vereinigen. Das erste Geschwader wird voraus- sichtlich erst Ende Mai nach Wilhelmshaven zurückkehren. An der Maireise der Hochseeflotte werden auch — wie in den Vorjahren — drei bayerische Offiziere teilnehmen. Mit dem ersten Geschwader und den in seiner Begleitung übenden Schiffen werden etwa 10 000 Mann Wilhelmshaven auf fünf bis sechs Wochen verlassen.

Schiffsbewegungcn. Eingetroffen: S. M. S. „Otter" am 15. April in Jtschcma. In See gegangen: S. M. S. „Köln am 14. April von Kiel. S. M. S. .Grille" am 15. Aprrl von Wilhelmshaven nach Mel. Der Aölösungstransport für die Besatzung S. M. S. „Geier" hat am 14. April an Bord des Reichspostdampfers „Windhuk" Hamburg verlassen.

Deutsche Schutzgebiete.

Erhebung der apostolischen Präfektur Togo zum Vikariat. Durch ein päpstliches Breve hat der Papst die apostolische Prä­fektur in Togo zum apostolischen Vikariat erhoben. Zum apostolischen Vikar wurde Pater Wolf ernannt.

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chfterreich-UngArn.

Ein englischer Flottenbesuch in Triest. Pvla und Finme.

Wien. 16. AprÄ. Wie die „Wiener Allgemeine Zeitung" erfährt, wind in der ersten Maiwoche das englische Mittel- meergeschwäder, das aus neun großen Kriegsschiffen und den dazu gehörigen kleinen Kriogsfahrzeugen besteht, den Häfen von Triest, Pola und Fiume einen Besuch ab­statten. Das österreichisch-ungarische Geschwa­der wird am 22. Mai den Besuch der englischen Flotte in Malta erwidern.

Krankreich.

Das Zeugenverhör im Prozeß gegen Frau Caillaux.

Paris, 16. April. Die Zeugenvernehmung in der Unter­suchung gegen Frau Caillaux ist noch immer nicht abge­schlossen. Eine sehr interessante Aussage machte einer der heute vernommenen Zeugen, ein gewisser Philippe au, der in der Untergrundbahn ein Gespräch zweier Damen mitangchört hat, von denen die eine erklärte: „Sie hat sich

Mer mich lustig gemacht und mir mein Hab und Gut genom­men. Doch ich halbe vier Briefe von ihr, die ich ver­öffentlichen werde. Ich habe die Schriftstücke B a r - t Ih o u gezeigt, der mir auch dazu geraten hat." Rach den ihm vorgelegten Photographien erkannte der Zeuge eine der Damen aus der Untergrundbahn als Madame G u e y d a n, die f r ü h e r e G a t t i n Caillaux', wieder.

Ein „Warnungsstrcik". Paris, 17. April. Der Aus­schuß des Syndikats der Streckenarbeiter der Tele­graphen- und Telephonverwaltung faßte den Beschluß, der

schließlich in die zweite Parallele vor. Von den ersten Schanzen wehten die preußischen Fahnen; da hallt ein dreimaliger Tusch an den Schanzen empor, die Soldaten brechen in ein Hurra auf den König ans. und dann rauscht „Heil dir im Siegerkranz" über die Wal­statt, die so vielen zum Grab werden sollte. Das war hm 12 Uhr; nicht lange danach waren alle zehn Schanzen erobert, und der Jubelruf pflanzte sich von Werk zu Werk fort. Die zweite dänische Verteidigungs­linie, das sog. Retranchement mit den vier Lünetten, wurde ohne viel Widerstand besetzt. Nur um die hinter Lünette D. gelegene Düppelmühle entbrannte ein hef­tiges . Ringen. Der Oberbefehlshaber der dänischen Division im Sundewitt General Du Plat sah nun, daß alle Hoffnung auf Sieg verloren sei und er nur noch an die Rettung seiner Truppen nach Alsen denken durfte. Nun galt es noch, mit Aufbietung aller Kraft den Brückenkopf zu verteidigen, damit die Dänen über die Brücke zurückfliehen konnten. Du Plat und seine beiden Stabsoffiziere fielen bei diesem Kampf, von Kugeln durchbohrt. Der Feldherr, den man forttragen wollte, winkte nur matt und verzweifelt mit der Hand: „Laßt mich öier liegen!" Bei diesem schweren Strei­ten. das die völlige Niederlage der Dänen besiegelte, er­litt auch ein preußischer Fübrer den Heldentod. Seinen Mannschaften voranstürmend, den Degen in der Rech­ten wurde General v. Raven von einer Granate zu Tode getroffen. „Es ist Zeit, daß wieder einmal ein preußischer General für seinen König stirbt!" Mit die­sig Worten brach er zusammen. Er war wirklich seit den Befreiungskriegen der erste preußische General, der sein Leben auf dem Felde der Ehre opferte, und der Düppeler Schanzensturm war zugleich die erste Großtat

preußischer Waffen seit jenen Heldentagen, durch die eine neue Glanzepoche preußischen Kriegsruhms wür­dig eingeleitet wurde. Drei Minuten nach 2 Uhr emp­fing Prinz Friedrich Karl die Meldung, daß mit dem Brückenkopf das letzte dänische Bollwerk geräumt sei. Rasch trug der Telegraph die Siegeskunde zum Königs- schloß nach Berlin, wo der König den Garderegimentern den Sieg selbst verkündete, trug sie in alle Kreise der deutschen Heimat, die aus vollem Herzen in den Jubel der siegreichen Krieger einstimmten. K. w.

Nus Kunst und ^ebeu.

* Scheveraluzzcnbuzzendsrain. Der Leser möge ohne weiteres den Versuch ausgelben, dieses Wortmonstrum zu deu­ten. Cs entstammt dem Notizbuch eines Amerikaners, des Mr. N. A. Code. 923 Wilson Ave., Chicago. g d} renüß jh„, so lesen wir in den «M. N. Nachr.", im CoupK wls einen höchst unpraktischen Reisenden kennen und dirigierte jh» durch den Münchner Bahnhof nach einem Hotel. Abends führte ich ihn dann in eins der großen Bierhäuser, die zu sehen er nach München gekommen war. Er hatte Reminiscepzen an die Matzt. nicht persönliche, aber aus dein Munde eines Chicagoer Freundes, der aus München stammte und ihm viel Rühm­liches über die Münchener Geselligkeit erzählt hatte. Und am lustigsten, hatte der Münchener behauptet, sei es im Schevc- raluzzenduzzendfrain. „Wo?" — »3™ Scheveraluzzen-

duzzendfrain." — „Entschuldigen Sie. wooo?" _ „Im ScheveraluMnduzzendfrain. Das will ich mir auch arischen/' Als ich noch immer fassungslos dem Wortungeheuer nach- grübelle, zog er sein Notizbuch aus der Tasche und erklärte, er habe sich den Namen wohl notiert — wirklichen Gatts, er hatte sich notiert: „Scheveral" usw- Und -erklärte mir: „Da kommen die Männer abends zusammen und rauchen Tabak

und schießen nach der Scheibe." Schießen nach der Scheibe — Zimmerstutzenischützenverein! Da schießen sie nach der Scheibe, aber hoffentlich nicht so arg weit daneben wie Mr. Wilson mit seinem Versuch, schwierigste deutsche Wortschätze in seinem Notizbuch festguhalten.

Kleine Chronik.

Theater und Literatur. Geh. Rat Max Richards, der Direktor de? Halleschen Stadttheaters, der 1915 von seinem Pachtvertrag zurücktritt, machte dem Rat der Stadt Leipzig den Vorschlag, die Theater der Stadt Leipzig gegen einen Zu­schuß zu übernehmen.

Ein Legen den-Drama von Leo Tolstoi wurde im Manuskript in einem Buche der Bibliothek von Jatznaja Poljana aufgefunden. Es hat, wie das „Hamburger Fremdenblatt" mitteilt, den Titel „Peter, der Zöllner" und handelt von einem Reichen, der in schtverer Krankheit durch einen Traum zur Erkenntnis seiner Unwürdigkeit kommt, nach der Genesung seine Schätze unter die Armen verteilt und sich als Sklave verdingt.

Bildende Kunst und Musik. In Urach wird auf einer Hochwisse über dem berühmten Wasserfall am 10. Mai ei» Denkmal für tzon schwäbischen Dichter Gustav Schwab, einen Schüler und mitstrebenden Zeitgenossen Uhlands, ent­hüllt werden.

Aus Amsterdam wird berichtet: In den Archiven

der Amsterdamer Gesellschaft zur Förderung der Musik ent­deckte man vor einigen Tagen drei Briefe Richard Wagners und acht Briefe von Liszt, die sämtlich bisher unbekannt geblieben waren. Die Briefe Liszts stutz aus Weimar datiert, die Briefe Wagners aus Zürich und anv Inzer». Sie wurden in den Jahren 1854 bis 1857 geschrieben und sind an den Begründer der „Niederländischen Gesellschaft" gerichtet.