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damstagß 18. Kpril 1914-

Morgen'klusgabe.

Nr. 179. ♦ 62. Iahrgang.

Der Tag Von Düppel.

(Zur 60jährigen Gedenkfeier des 18. April.)

„Wir scheiden jetzt, bis dieser Zeit Beschwerde,

Ein andrer Tag, ein besserer gesühnt.

©enn Kaum ist auf der heimatlichen Erde Für grremde nur, und was den Fremden dient,

^lch ift’S das stehendste von den Gebeten,

Am mögt dereinst, wenn mir es nicht vergönnt,

Ätll festem Fuß auf diese Scholle treten,

Bon der sich jetzt mein heißes Auge trennt!"

So schrieb Theodor Storni an seine Kinder, als er :m Jahre 1853 von der schleswig-holsteinischen Hermat, die unter dem dänischen Joche seufzte, trauernd Abschied nahm, und elf Jahre später wurde sein heißes Flehen erhört.

Das am 15. November 1863 erfolgte Ableben König Frledrichs 1 II. von Dänemark, dem sein Vetter sthristran IX. folgte,, bildete den Anstoß zur Aufrollung der schleswig-holsteinischen Frage, die alsbald zur deut- schen Frage mi vollsten Sinne des Wortes wurde. Der ” öltt 9 von Dänemark, dessen Erbfolgeansprüche in Schleswig-Holstern noch mehr als zweifelhaft waren dekretierte, dem Drängen der dänischen Chauvinisten folgend, die Verschmelzung Schleswigs mit Dänemark, und diesem Gewaltakt gegenüber loderte in Schleswig- Holstein die Empörung hell auf. Der deutsche Bund beschloß, dem stürmischen Drängen in Alldeutschland folgend, die Exekution gegen Dänemark, aber irgend- tvelchen Erfolg konnte die schwächliche Aktion nicht ver­sprechen, und sie wäre voraussichtlich trotz der allge­meinen Begeisterung für „Schleswig-Holstein meer- umschlungen, deutscher Sitte hohe Wacht" angesichts der lauen Unterstützung, welche die Kandidatur des Erbprinzen Friedrich von Schleswig-Holstein-Sonder- burg-Augustenburg — des Vaters der deutschen Kaiserin — fand, rühmlos ausgegangen wie alle Ak­tionen des deutschen Bundes, wenn nicht durch das Eingreifen Bismarcks diese deutsche Frage zu einer Preußischen gemacht worden wäre, um gerade da­durch ihre Lösung als deutsche Frage zu finden.

In einem Briefe, den Bismarck von Petersburg aus am 12. Mai 1869 an den Minister v. Schleinitz ge­richtet und in dem er die Ergebnisse seines jahrelangen Studiums der preußisch-österreichischen Beziehungen zu­sammengefaßt hat, findet sich am Schluß der Satz: „Ich be in unserem Bundesverhältnis ein Gebrechen Preußens, welches. wir früher oder später karro et igni werden heilen müssen." Und in demselben Sinne gebrauchte er am 13. September 1862 in der Budget­kommission die Worte, daß die deutsche Frage nur durch Blut und Eisen zu lösen sei. Aus seinen „Gedanken und Erinnerungen" wissen wir näheres, darüber, wie er schon damals die Hoffnung hegte, nicht nur die Herzogtümer, die durch die Lage, an der Ostsee für Preußens Seegeltung von unschätzbarem Werte ivaren, für, Preußen zu gewinnen, sondern daß er auch der festen Überzeugung war, hier den Hebel zur Lösung der deutschen Frage ansetzen zu können. Bismarck hat ks selbst als ein Meisterstück seiner Politik bezeichnet, and es war ein solches, wie er trotz des Mißtrauens der öffentlichen Meinung in Deutschland, trotz der Opposi- 1

tion in Preußen und des Widerstandes, den er zuerst sogar beim König Wilhelm fand, über den deutschen Bundestag zur Tagesordnung übergehend, die preußi­sche Aktion gegen Dänemark durchsetzte, wie er Öster­reich trotz seiner entgegenstehenden Interessen zur Teil­nahme bewog, und wie, er gleichzeitig sowohl die Eifer'- sucht Napoleons wie das Mißtrauen Englands zu beschwichtigen, bezw. zu täuschen verstand.

Der Feldzug in Schleswig-Holstein war ein Sieges­zug ohnegleichen. Am 1. Februar 1864 hatten die preu­ßischen Truppen, unterstützt von den österreichischen, die Eider überschritten, und schon in der Nacht vom 5. zum 6. Februar trat die dänische Armee den Rück­zug auf Düppel an, wo sich das Schicksal des Krieges entschied. Die mehr als zwei Monate lange Belage­rung der Düppeler Schanzen, die mit dem ruhmvollen und blutigen Siege am 18. April endete, wird immer eine der glänzenden Waffentaten bleiben, von denen die Kriegsgeschichte meldet. Eindringlicher als alle Geschichtschreiber hat uns den Sturm auf die Düppeler Schanzen, der die Preußen 1200 Mann kostete, der Dichter, hat ihn Fontane geschildert:

„Um 4 Uhr morgens der Donner begann,

In den Gräben standen 6000 Mann,

Und über sie hin sechs Stunden lang Nahmen die Kugeln ihren Gang.

Da war es 10 Uhr. Nun alles still.

Durch die Reihen ging es: wie Gott will.

Und vovgebeugt zu Sturm uni> Stotz Brach das vreußische Wetter los."

Der blutige Sieg von Düppel entschied den Krieg. Die preußischen Truppen besetzten zusammen mit den Österreichern ganz Jütland und erzwangen in der Nacht vom 28. zum 29. Juli in schneidiger Waffen­tat den Übergang nach Alfen, um Fünen anzngreifen, als das geschlagene Dänemark um Frieden bat. Im Wiener Frieden vom 1. August sah sich Dänemark ge­zwungen, auf die Herzogtümer zu verzichten. Während gleichzeitig Preußen mit den süddeutschen Staaten bk Verträge zu gemeinsamer Abwehr welschen Über­mutes schloß, aus der anderen Seite aber die Rivalität zwischen Preußen und Österreich sich zuspitzte, wurde durch die schleswig-holsteinische Frage die groß- deutsche Frage aufgerollt, die über die Auseinander­setzung von 1866 mit Österreich und von 1870/71 mit Frankreich zu Alldeutschlands Einigung führte und ihre Krönung in der Kaiserkrönung zu Versailles am 18. Januar 1871 fand. Was 1864 ruhmvoll begonnen hatte, wurde sieben Jahre später herrlich vollendet.

3ur Lage in England.

(Von unserem Londoner Mitarbeiter.)

W.B. London, 15. April.

Das Parlament tagt schon wieder nach kaum einer Woche Ferien. Jeder Schulbube hat mehr, brummen die Volksver­treter, Aber solch Arbeitseifer macht einen guten Einbruck bei der Wählerschaft/wenn auch sonst nicht viel dabei heraus­kommen mag. Denn da es doch in,beiden Parteien stets eine erkleckliche Zahl von „Schwänzern" gibt, die den Frühling lieber auf den Golf Links als im Sitzungssaal genießen, be­schäftigt man das Unterhaus zunächst mit niemand aufregen­

dem Kleinkram. Darauf wird die Abschaffung des mehr­stimmigen Wahlrechts zum zweiten- und die Entstaatlichung der Kirche in Wales zum drittenmal die alten Reden bringen. Des weiteren dürfen zur Abwechslung die Konservativen sich über Llvyd George erbosen, wenn er sein Budget durch einen erneuten „Raubzug" gegen die höheren Einkommen bilan­zieren wird. Und dann — steht man wieder vor Homerule und Ulster, nur hat sich die Lage da wesentlich geändert.

Bislang setzte die Regierung alles daran, Ulster in der Homerule-Bill eingeschlossen zu sehen, jetzt zerbricht sie sich den Kopf, wie es sich herausbringen läßt. Asguith schlägt als ,„letztes Zugeständnis" vor: Ausschluß der vier überwiegend „reichstreuen" Grafschaften auf 6 Jahre. Die Loyalen aber wollen von solch „aufgeschobenem Todesurteil" nichts wißen, was nur logisch ist von ihrem Standpunkt des „englisch bleiben oder sterben". Die Konservativen aber versteifen sich daraus, man solle nochmals das Volk über Homerule befragen. Bei einem Siege der Liberalen würden dann auch die Lords Homerule durchgehen lassen. Allein abgesehen davon, daß Ulster dann immer noch Schwierigkeiten bereiten könnte, liegt in diesem Verlangen eine kühle Anmaßung, die alle Liberalen mit Recht verbittert. Nach schweren Kümpfen haben sie die Änderung der Verfassung durchgesetzt, die das Veto des Ober­hauses nach dem dritten Male ungültig macht, und jetzt, wo man bei Homerule den ersten Nutzen aus dem Verfassungs­siege ziehen will, da soll — alles nichts gelten und die Zu­stimmung der Lords von neuen Wahlen abhängen! Auf diese Weise wäre es früher auch gegangen. Vor einer Wahlnieder­lage hat sich das Oberhaus immer still gebeugt. Indessen ohne die Lords könnte Asguith die Homerule-Bill nur durch­setzen, wie sie ist, d. h. mit Einschluß Ulsters, aber der Aus­schluß ginge nur mit Bewilligung des Oberhauses. Den so­fortigen Einschluß hat die Regierung selbst als unratsam an­erkannt und der Offizierstreik vollends nahezu unmöglich ge­macht. Somit dreht sich doch alles darum, ein Zugeständnis zu finden, das Ulster und dem Oberhause genügend erscheint, Homerule wenigstens für das übrige ' Irland zu genehmigen. Dem dauernden Ausschluß Ulsters würden die Nationalisten als „Ehrensache" aufs heftigste widerstreben, aber wenn Asguith etwa vorschlüge, die „Gnadenfrist" für Ulster von 6 auf 12 Jahre zu verlängern? Da könnten vielleicht beide Teile hoffen, „kommt Zeit, kommt Rat" und handeleinig wer­den. Jedenfalls hat Asguith eben erst bei der „Armeekrrse" bewiesen, wie meisterhaft er eine schwierige Lage zu be­herrschen vermag.

Deutsches Reich-

* Eine Mahnung an die Jnngnationalliberalen. In der

„Nationalliberalen Korrespondenz für die Rheinprovinz" äußerte sich ein Teilnehmer an der Sitzung des Zentralvor- standes der nationalliberalen Partei vom 29. März u. a. folgendermaßen: „Wir meinen, daß nicht nur Taktik, sondern auch eiufacher Takt die Zustimmung zu Verhandlungen bedingten, die man selbst einem politischen Gegner gewähren würde, falls er nicht zu den „Unmöglichen" zählen sollte. Man sollte doch meinen, daß in den führenden Kreisen unserer Jugend eine Auffassung einmütig abgelehnt werden würde, die in den Altnationalliberalen eine Gruppe erblickt, mit der man nicht mehr verhandeln könne. Die durchaus unnötige und unmotivierte Schaffung einer Organisation der Altnationalliberalen ist uns vom ersten Tage an unsympathisch gewesen. Aber deswegen kann man doch die Mitglieder der

Bilder vom Sturm aus Düppel.

(Zum 18. April.)

Seit Wochen donnerten nun die preußischen Batterien vor Düppel, und ihre furchtbare Wirkung wuchs von Tag zu Tag. Die Schanzen waren durch die mächtigen Geschosse zu unförmlichen Erdmassen umgewühlt, die Scharten und Blendungen zerstört, der Aufenthalt innerhalb der Werke unmöglich gemacht. Nur noch mit seltenen Schüssen antworteten die Dänen und sahen rn stumpfer Erwartung dem kommenden Sturm entgegen. Lange hatte man auf seiten der Preußen gezögert, noch in der Nacht von, 14. zum 16. April eine vierte Parallele ausgehoben, damit die angreifenden Kolonnen nicht zu große Verluste erlitten, bevor sie an den Fuß der feindlichen Verteidigungslinie gelangten. Für den 18. war nun endlich der entscheidende Sturm festgesetzt. Nachts um 2 Uhr rückten die preußischen Sturm­kolonnen in; die vorderste Parallele ein, während die Reserven hinter derselben Aufstellung nahmen. MU dem Morgengrauen begannen die Batterien wieder ihr Mörderisches Feuer sechs Stunden lang, so daß die Dänen glaubten, der Tag werde ohne weitere Angriffe vergehen und hinter den Schanzen Schutz suchten. Unterdessen lagen die Krieger in den Gräben mrt klopfendem Herzen: mit dem Glockenschlag 10 sollte der Sturm beginnen. Die Geistlichen hielten noch eine Ansprache; die Soldaten standen im stillen Gebet; dann eine Generalsalve; plötzlich schwieg die Kanonade. -Eine lautlose kurze Pause folgte, dann schlugen die Tambours den Sturmmarsch, drei Regimentschöre

spielten: „Ich bin ein Preuße", und nttt tausendstimmi­gem Hurra ging es aus die Schanzen los." Mit einer ungeheuren Wucht und Schnelligkert entwickelte sich nun der Sturm. Mit jedem Erfolg, mit jeder Minute fast wuchs die' Begeisterung lawinenartig an; unter brau­sendem Hurra, mit leuchtenden Augen ging's vorwärts, und jede neuaufgepflanzte Sturmfahne weckte in den Herzen der Krieger neuen Mut. Es war kaum eine halbe Stunde verflossen, als dw ersten sechs Schanzen erobert, ihre Besatzungen getötet oder gefangen waren und überall die preußischen Standarten auf den Wer­ken flatterten. Der jubelnde Schwung» mit dem dieser denkwürdige Vorstoß erfolgte, riß sogar an mehreren Stellen die Soldaten weiter zum Angriff aus die zweite Linie der feindlichen Verschanzung fort, und bald waren auch die vier nördlichen Schanzen genommen. All dies gelang nach einem dreistündigen, äußerst blutigen Karnpf, und der Widerstand der Dänen wurde so gänz­lich gebrochen, daß sie auch nach letztem. hartnäckigem Ringen die Brückenköpfe aufgaben und sich in 'wilder Flucht nach Alsen hinüberwarfen. Unvergängliche Taten der Tapferkeit spielten sich während dieser Mordarbeit auf preußischer und dänischer Seite ab. Schanze 3 war von allen die erste, auf der die preußischen Farben in der Morgensonne glänzten. Schanze 4 bot den stärksten Punkt der gesamten Düppelstellung; sie mußte viermal gegen das erneute Vorstürmen der Dänen zurück­erobert werden

A>n erbittertsten aber wurde wohl um Schanze 2 ge­kämpft, und hier ragen aus dem Gewühl der Streiter zwei nationale Heldengestalten hervor: der preußische Pionier 511 i n k e und der dänische Leutnant Anker.

Schanze 2 wurde aufs heldenmütigste verteidigt; der Kartätschenregen dieses von Leutnant Anker befehlig­ten Werkes mähte die preußischen Reihen nieder, so daß sich die Leichen vor den Palisaden austürmten und die Sturmkolonne ins Stocken geriet. Schon gerät der An­sturm ins Wanken, die Reihen wollen zurückfluten, da springt Pion-er Klinke mrt einem Pulversack vor, und mit dem begeisterten Ausruf: „Durch müßt ihr! Besser einer als zehn, schleudert er das Pulver mit einer Sprengpetarde gegen die hemmende 'Palisadenwand. Eine Sekunde Erstarrung —• dann ein Krach — ein furchtbarer Äuf,chrer — und weit gähnt die Wand aus- einander; zwischen den zertrümmerten Palisaden liegt der Held in Stücke gerissen, unkenntlich zerfetzt. Die Schanze war mit dem Opfer dieses tapferen Familien­vaters gewonnen; aber als die Soldaten dann zu neuen Siegen weiterstürmten und die gefangenen Dänen iinter schwacher Bedeckung zurückließen, da griffen diese auf Befehl Ankers noch einmal zu den Waffen und er­gaben sich erst nach löwenmutigem Widerstand. Anker versuchte sich dann noch mit der Schanze in die Luft zu sprengen; aber er selbst wurde daran verhindert, und ein anderer Däne, der bereits in der Pulverkammer mit Stein und Stahl Feuer schlagen wollte, noch recht­zeitig mit dem Faschinenmesser durchbohrt.

Die anfeuernde Begleitung zu dem Sturm bot der prächtige Kapellmeister Piefke, der die Musiker der einzelnen Bataillone um sich vereinigt hatte und, von Kugeln und platzenden Granaten umsaust, den gewal­tigen Hohenfriedberger Sturmmarsch spielte. Als die Truppen vordrangen, schwang and) er sich auf die Brust­wehr der Parallele, führte dort den Taktstock und drang