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„Tngrlett-Haus".

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^-Nellen un» m o-n b-nachba-ten Landarten und im Rheingau bte 6etteKn T-gblaw Trägers

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mittwodh 15. Hptil 1*914.

Bas Verhältnis Oeutfchlanös zu Rußland und zum Valkan.

Bon Heinrich Prinz zu Schönaich-Carolnth, Mitglied des Reichstags und des Preußischen Herrenhauses.

ist ernst. Hoffentlich beeinträch- nickn Zwischenfalle der letzten Wochen

5w,-*r x X J 3 }! Beziehungen zwischen Rußland und ^tztlchiand, welche bte öffentliche Meinung stark be schaftrgt und beunruhigt haben. f , ^A.iu Köln beliebte Verfahren hat jetzt nun wohl } e ! ne gefunden. Wenn wir es ferner auch in

keiner Weile billigen können, daß die gültigen und nun einmal anerkannten Bestiinmungen im Flugwesen nicht eingehalten werden, und daß fortgesetzt durch das Über­stiegen der Grenze schwere Beeinträchtigungen guter Beziehungen erwachsen können, infolge dessen für die rstleger entichreden mehr Vorsicht geboten wäre, so ist doch das lange Jnhafthalten der deutschen Flieger in Perin auffallend und bedauerlich. Nach der Antwort die neulich mern Freund Bassermann auf seine Anfrage von Vertretern des Auswärtigen Amtes erhalten hat. gaben viele geglaubt — ich habe zwar nicht zu den- lelbcn gehört —, daß die Angelegenheit in schnellster r>r,st geregelt werden wurde. Die Optimisten sind hier auch wieder einmal um eine Enttäuschung reicher ge­worden. Ungeachtet aller Bemühungen verschiedenster Kreise werden die deutschen Flieger noch immer in Perm festgehalten, trotzdem diese, wie es heißt, nicht einmal einen photographischen Apparat mit sich geführt haben und lediglich Sportsleute sind. Man pflegt zu sagen, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Der Wille scheint also in diesem Falle zu kehlen.

Angesichts der starken Preßfehde auf russischer und aiif deutscher Seite muß man doch sagen, daß es wohl -einen einsichtsvollen und ernsten Politiker in Rußland wie in Deutschland gibt, der nicht dringend wünschte daß das gute Verhältnis zwischen beiden Ländern wie­der hergestellt würde. Seit .150 Jahren besteht eine beiderseitige Freundschaft, die zeitweise einen sehr herz­lichen Charakter angenommen hat. Seit dem 7jährigen Kriege haben Rußland und Deutschland immer in Frieden gelebt. Ich brauche nicht an die spätere Waffenbrüderschaft und an die herzlichen Beziehungen der beiden Höfe und die nahe Verwandtschaft der regie­renden Häuser, wohl aber daran zu erinnern, daß ge­meinsame Interessen die beiden Länder immer wieder zusammengefllhrt haben, und die Freundschaft, die auf der Wahrung und Förderung gegenseitiger Interessen beruht, hat sich immer am festesten erwiesen. Ein Krieg zwischen Deutschland und Rußland wäre ein so großes Unglück, daß man gar nicht daran zu denken vermag. Was könnte Rußland und was könnte Deutschland dabei gewinnen? — Nichts. Nach langem, blutigem Ringen wäre die Lage wie vorher, und man wäre wiederum auf eine Verständigung angewiesen. Die ruhigen und besonnenen Elemente in beiden großen Neichen sollten alles, was in ihren Kräften steht, tun, um die guten Beziehungen zu erhalten und um die Friedensstörer zurückzuweisen. Einer der wichtigsten Faktoren in diesen Friedensbemühungen könnte die

Morgen'Kusgabe.

Presse sein. Wir wollen die Hoffnung nicht aufgeben, daß.sie, ihrer großen und hohen Aufgabe bewußt, sich bemühen wird, die vorhandenen Unstimmigkeiten zu beseitigen.

So weit ich die deutsche Presse kenne, ist ihre Sprache gegen Rußland durchaus maßvoll gewesen. Ein Gleiches läßt sich wohl nicht von allen russischen Presseorganen behaupten. Immerhin sind auch hier die feindlichen Stimmen wohl in der Minderheit geblieben. . Ich glaube, daß man sich in Deutschland vielfach eine falsche Vorstellung von dem Einfluß der russischen Regierung auf die Presse macht. Man denkt gewöhn Iich in Deutschland, jeder Presseangriff in Rußland ge- ichehe mit Vorwissen und Willen der russischen Regie­rung. Das ist aber ein Irrtum. Die Einwirkung der russischen Regierung auf die Presse ist vielleicht viel schwieriger, als wir.. annehmen. Vielleicht folgen die großen deutschen Blätter leichter einer Anregung oder Bitte der Regierung, als dies in unserem Nachbarlande geschieht. Die deutsche Presse ist sich ihrer hohen Aus­gabe und Verantwortung bewußt und vermeidet cs, wenigstens in ihren maßgebenden Organen, Öl ins r^euer zu gießen. Möchte es so den Bemühungen aller einsichtigen und verständigen Kreise gelingen, die Gefahr kündenden Wolken zu verscheuchen, die uns zu bedrohen scheinen. Wir müssen alle Gegnerschaft nie­derzwingen und uns vertragen.

Die Budgetkommission des Reichstags bringt der .mludlung der auswärtigen Angelegenheiten das

größte Interesse entgegen, wie schon an der wesentlich verlängerten Dauer der Beratung des Etats des Aus­wärtigen Amtes ersichtlich ist. Im deutschen Reichstag halt man entschieden am Dreibund fest. Aber so sehr man auch entschlossen ist, die Politik des Dreibundes in allen Zielen zu unterstützen, so lebhaft wünscht man eine Verständigung mit England und ein gutes Ein­vernehmen mit dem großen östlichen Nachbarn. Man kann nur mit Genugtuung und Befriedigung wahr- nehmen, daß der Wille zur Erhaltung des Friedens sich überall bemerkbar macht, und daß sogar die fort­gesetzten Balkanwirren es nicht vermocht haben, das Einvernehmen zwischen den Großmächten zu lockern. Wir müssen es anerkennen, daß die Politik der Groß­mächte entschieden auf Erhaltung und Festigung des Friedens gerichtet gewesen ist. Aber wir können leb­hafte Besorgnisse nicht unterdrücken, wenn wir sehen, wie täglich der Jnteressenkämpf in den Balkanländern aufs neue zum Ausbruch kommt und sonst fortwährend neue schwierige Lagen geschaffen werden. Statt der eit lange erhofften Entwicklung einer friedlichen Ge- taltung der Dinge sehen wir immer neue Unwetter Heraufziehen, und mit Sorge müssen uns die gespann­ten Beziehungen zwischen Serbien und Albanien und die Haltung Griechenlands erfüllen. Es wäre sehr zu wünschen, daß die Großmächte und auch Deutschland unberechtigten griechischen Forderungen, wie sie sich jetzt in Epirus zeigen, entgegentreten, damit nicht neue Verwicklungen entstehen. Möge man Griechenland in der Jnselfrage zu befriedigen suchen, aber es von wei­teren Feindseligkeiten in Epirus, Albanien gegenüber, abhalten. Auch die Balkanstaaten bedürfen der Ruhe und der friedlichen Entwicklung, nach den großen und '

Hr. 173. ♦ 62. Jahrgang.

außerordentlich schweren Opfern der letzten Kriege, die so viel kostbares Menschenmaterial vernichtet, so viel Gegenden verwüstet und mit Schrecknissen erfüllt haben. Ebenso wie dort die Bevölkerung den Frieden ersehnt, flt es auch eine finanzielle Notwendigkeit, daß Industrie und Handel ohne fortwährende Beunruhi­gung ihrer friedlichen Tätigkeit nachgehen können. Wir brauchen und wollen den Frieden. Aber nicht Deutsch­land allein bedarf seiner, sondern alle Staaten, die ganze Welt. _ Ich bin überzeugt, würde man — wo — eine Volksabstimmung veranstalten, ob Krieg oder Frieden: die Antwort würde die gleiche sein, einige wenige ausgenommen, die hoffentlich nie­mals die Entscheidung herbeiführen werden.

vom französischen Gsterfeft.

k« Deputierten. — Auf der Suche nach einem “r-/? er „©tanb des Skandals. — Das teuere turfisch-franzostsche Abkommen: Metz «egen die Türkei« — Die Hetze gegen Deutschland und Friedenskläng-e.

C.L. Paris, 12. April.

Über die unfromme Republik ist doch so etwas wie Oster- stimmung gekommen. Eine ganz kurze Feiertagspause unter­bricht den wüsten Lärm der Parteien, die sich in vierzehn Tagen gegenseitig die fetten Pfründen der Demokratie ent- reißen wollen. Die Deputierten und nahezu sämtliche Minister, die um die Erneuerung ihres, mit 15 000 Franken und mehr dotierten Mandats betteln müssen, sind in ihre Wahlkreise geeilt und ziehen von Dorf zu Dorf, um ihre Ostereier auszirteilen. Die Schenkwirte machen gute Ge- schafte; denn der Volksvertreter und seine Agenten halten jetzt ^.^Beredsamkeit und der giftgrüne Abstnth- schnaps fließen m Strömen. Zwar waren die Republikaner noch nie untereinander so gespalten und ihre Skandale hatten noch nie so knapp vor dem Wahlgang Verwirrung in die „öffentliche Meinung** gebracht. Aber wer glaubt an große Überraschungen bei dieser Befragung des Landes! Politik ist Geschäft. Der Deputierte hat seine Kundschaft. Wußte er sie wahrend der letzten vier Jahre zufriedenzustellen besorgte

os Ä ei,, ', Wetn . uni Basen genügende Ämter oder Ordensbandchen, dann wird er im Triumph wiedergewählt werden. Seme Ostereier sind die lokalen Vrofitchen," die er aus der dicken Republik herauszuschlagen verstand. „Jeder handelt nur zu seinem eigenen Vorteil oder zum Vorteil seiner lieben Freunde , schreibt Robert de Jouvenel in seinem vielbemerkten Buche „De la Camaraderie" — das National- bewnßtsein muß der Kameradschaft Platz machen.

„Ja, Frankreich hat den Kopf verloren!*' meint einer der 'ozialistischen Führer, der sarkastische Sembat. „Ich halt- es für prophetisch, daß es zu seinen berühmtesten Schutz­heiligen St. Denis zählt, der wegen der Gewohnheit, mit einem abgeschlagenen Haupte im Arme spazieren zu gehen, o bekannt wurde. So sieht man ihn auf den bunten Fenstern der Kathedralen. Ah! dieser Schutzpatron ist unser wohl- getroffenes Ebenbild. Bloß, auf was warten wir? St. Denis wartet darauf, daß man ihm wieder seinen Kopf aufklebt. Warten wir etwa darauf, daß man uns wieder einen König aufklebt? Nein, nicht wahr? Aber dann sehe ich nur zwei Mittel: entweder die Karikatur eines Königs machen, der wir einen anderen Namen geben, Präsident der Republik oder Konsul meinethalben. Die Hauptsache ist, daß wir ihr könig­liche Attribute verleihen und sie mit persönlicher Macht aus-

Karl Goedeke.

(Zu seinem 100. Geburtstag, 15. April.)

Jeder, der sich mit der deutschen Literaturgeschichte be­schäftigt, ja jeder, der im weiten Reich der Bücher sich einmal umgetan, hat den Namen Karl Go e del es mit Dank ge­nannt; er war ihm der sichere Führer durch das weite Labyrinth der Titel und Ausgaben, war ihm der freundliche Helfer bei ratlösem Suchen. So ist dieser Gelehrte, . dessen Bienenfleiß und dessen Genauigkeit -auch im kleinsten ein vor­bildliches Muster entsagungsvoller Forscherarbeit darstellen, so etwas wie der gute Geist der deutschen Bücherfreunde ge­worden. Sein „Grundriß -zur deutschen Dichtung", dieses un­geheure Inventar unseres Schrifttums, das er voll Stolz „aus den Quellen" geschöpft nennen konnte, ist längst nicht mehr nur das unentbehrliche Handwerkszeug der Studierenden, sondern in der gewaltigen Ausdehnung und Ausgestaltung, die das Werk nach dem Tode des Einen durch die Zusammen­arbeit, einer ganzen Gelehrtenschar erhalten hat, der Ratgeber für die Welt der Bücherkäufer und Bücherverkäufer. Um ein solches Buch zu schaffen, wie es keine Literatur der Welt in gleicher Weise besitzt, -war ein echtes deutsches Gelehrt-enleben voll nimmermüden Fleißes und idealster Gesinnung vonnöten, und Goedeke hat es gelebt. Als -Sohn -eines wohlhabenden Maurermeisters in C^e l l e am 15. April 1814 geboren, hatte er das Glück, seine Studienzeit während der höchsten Blüte der Universität in Göttingen zu verbringen. Die Vorlesungen Dahlmanns gaben ihm einen großen Blick für die ge­schichtliche Entwicklung; bet geniale K. O. Müller führte ihn in die Schönheit der Antike ein; vor allem aber waren es die Brüder Grimm und G e r v i n u s, die seine Liebe zur deutschen Literaturgeschichte bestimmten. Mit schwärmerischer Verehrung hat er fein ganzes Leben lang an den Brüdern

Grimm gehangen und sich in seiner Bescheidenheit neben dem „König" Jakob Grimm nur als ein Handlanger -gefühlt, der ausbauen durfte, wozu jener den Grund -gelegt. Die Treue, die er den beiden „Dioskuren der Germanistik" bewahrte', ließ ihn. auch zum ersten Mal als Journalist und Dichter hervottreten. Rach dem Verfassungsbruch des Königs von Hannover und der Entlassung der „Göttinger Sieben" "schrieb er ausführliche Berichte für die „Augsburger Allgemeine Zeitung" und verfocht zugleich die Ideen der Freiheit der Forschung -und her Rechte der Bürger in politischen Dichtun­gen, von denen bas den Aristophanes nachahmende Lustspiel „König Kodrus" zwar arg mißlungen ist, die Gedichte aber einen pathetischen Schwung und ein reiches Formtalent ver­raten. Auch leibendige Novellen hat Goedeke geschrieben; doch znm Dichter machte ihn doch nur die von leidenschaftlichen Gärungen erfüllte Zeit bis 1848, in der er politisch als eine bedeutende Persönlichkeit hervortrat. In Wort und Schrift rüttelte er die Hannoveraner auf und kämpfte für die deutsche Rei-chsversassung und die preußische Kaiserwürde. Wer diese politische Episode seines Levens, die von feiner stolzen, unab­hängigen und freien Gesinnung zeugt, war ihm doch mehr Pflicht und Neigung. Als dann -die erzwungene Ruhe kam, da schied er -gern von dem Markt des öffentlichen Lebens und vergrub sich mit Lust in seine gewaltigen Büchechaufen. Seinem Lisblin-gsdichter Platen, den -er in seinen Dichtungen nachgeahmt, war seine erste literarhistorische Studie (1839) gewidmet. Im Fron einer Buchhandlung mußte er dann allerlei Tqgesarbeit verrichten, Neuausgaben machen, ja auch die Bearbeitung eines Briefstellers fiel ihm zu. Unterdessen hatte er seine großen systematischen Sammlungen von Büchern begonnen, aus denen zunächst seine ein ungeheures neues Material ausbreitenden Anthologien entstanden'. Mochte er die Dichter von 1818 bis 1843 in einem Bande vereinigen, mochte er in elf Büchern deutscher Dichtung vom Ausgang "des

Mittelalters bis zur Gegenwart führen oder dem Mittelalter selbst unter Verarbeitung einer -gewaltigen Handschriften- men-ge ein Werk widmen — stets gab er so Reichhaltiges, so Fehlerfreies, wie es -vorher nie gelboten worden war. Die gleichen Vorzüge weist die Riesenarbeit -des Grundrisses auf die er nach dem Tode des Vaters 1855 in dem stillen Celle -be-

0 ant !- ur P ©o-ebefe daran gearbeitet, eine

Bibliothek von mchr als 5000 Bänden allein "für dies Werk zusammengebracht, und mit Stolz konnte er sich rühmen, daß er keine Angaben .von Zandern übernommen, sondern alle Bücher, die er ermahnt, selbst gesehen hübe. Die Arbeit nahm k ru ^> Suchen nach Büchern war diesem glücklichen Finder eine -ebensolche Freude wie daS Einordnen in den Zusammenhangs Eine feste Stellung hat er, dem Un- abhangrgreit -das Höchste war, nie erstrebt; und -doch hätte er elg-entuch ans^ Brot-verdien-en denken müssen, denn was er besaß, uicht für die vielen Bücher, die er erwarb. So

mußte er sich denn 1858 mit schwerem Herzen von seiner einzigartigen Bibliothek trennen und zog nun aus dem ein- nat ^ Göttingen, wo die Bibliothek seine eigent­liche Wohnung wurde, in der er den größten Teil des Tages häufte. Er hielt nun auch als Professor formvollendete Vor­lesungen, in denen er sein unbegrenztes Wissen „von Con- fucius bis H. Heine" ausbreitete. Die Literatur des 16. Jahrhunderts, das -er als das „spezifisch deutsche" über­schätzte, hat er in einer Fülle von Arbeiten behandelt; daneben galt seine Liebe vor allem der klassischen Zeit; für die Goethe- und Schillerforschung -hat er die Grundlage gelegt. Unter den neuesten Dichtern war sein intimer Jugend- und Duzfreund Geibcl sein besonderer Günstling; ihm widmete er eine prächtige Biographie, die aber durch das ablehnende Verhalten des jede Indiskretion fürchtenden Dichters ein Torso blieb. Mitten in der Arbeit, mitten unter Büchern, wie er gelebt, ist er am 27. Oktober 1887 gestorben.