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Verlag Langgasse 81

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Berliner Redaktion des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf, Güntzelstr. 66- Fernspr.r Amt Uhland 450 u. 4SI.

Sonntag, 12. Kpril 1914. MvvgEN - KUIgAbE« Nr. 171. . S2. Jahrgang.

Wegen des Osterfestes erscheint die nächste „Tagblatt"-Ausgabe um Dienstagnachmittag.

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Die UnsterblichkeiLshoffnung in öer Menschheit.

Von Pfarrer Heinz Beckmann.

Die Erwartung und die Gewißheit, daß das irdische Leben sich fortsetze in einem anderen Leben, ist in der Geschichte der Menschheit nicht immer eine Hoffnung gewesen, sondern weithin als Furcht erlebt worden. Kener Zustand des Lebens nach dem Tode war für die primitiven Völker und auch für manche alte Kultur­völker so trostlos, so öde. daß der letzte Platz in diesem Leben begehrenswert erschien gegenüber allen mög­lichen Ehren in jenem Leben. Aus diesen Jugend­anschauungen der Menschheit haben sich manche Bräuche bis heute im Aberglauben lebendig erhalten. Auch dann wurde die Erwartung der Unsterblichkeit noch nicht in erster Linie zu einer Hoffnung, als nun in den Gesetzesreligionen jenes neue Leben sich schied in zwei Stätten, in die Stätte der Qual für die Bösen und in die Stätte der Seligkeit für die Gerechten.

Aber kann denn überhaupt dieser Unsterblichkeits­gedanke eine Hoffnung für die Menschen sein? Kann er ein Leben förderndes Moment in unserm Leben werden? Es gibt viele, die es leugnen. Sie behaup­ten, daß jener Unsterblichkeitsgedanke die Kraft und die Schönheit unseres Lebensgefühls hemme und schädige. Wir werden durch diesen Gedanken nicht recht heimisch auf dieser Erde, wir sehnen uns heraus und lernen darum ihre Schönheiten nicht so kennen, wie wir sie kennen lernen würden, wenn wir uns dabei be­scheiden würden, sie sei unsere einzige Heimat. Und auch in die gute Tat und in das Leben des guten Willens komme durch jene Aussicht auf die Ewigkeit eine Trübung. Nicht mehr rein und klar um des Guten willen geschehe die gute Tat, sondern doch irgendwie mit der Aussicht aus einen Lohn. Es ist ganz gewiß, daß der Unsterblichkeitsgedanke in der Menschheit so wirken . kann und auch so gewirkt hat. Aber es ist ebenso gewiß, daß das nicht zu sein braucht und daß er auch ganz anders gewirkt hat. Daß er geworden ist zu einer starken Triebkraft und zu einem heimlichen Ruhe­ort für die Menschen. Goethe hat einmal das Wort gesagt: „Ich möchte keineswegs das Glück entbehren, an eine künftige Fortdauer zu glauben, ja, ich möchte mit Lorenzo von Medici sagen, daß alle diejenigen auch für dies Leben tot sind, die kein anderes hoffen." Wenn wir uns diesen Gedanken auch nicht in ferner ganzen einseitigen Schärfe aneignen wollen, wenn wrr auch in herzlicher Sympathie alle die grüßen, die ohne Ewig­keitshoffnung doch ein edles und stark bewegtes Leben zu führen suchen, so ist doch das daran gewiß richtig, daß die Aussicht auf die Vollendung der Persönlich­keiten und der Zusammenhänge der Menschen unter­einander in die Arbeit in und an den, Personnchkerten einen starken Schwung hineingibt. So ist doch das auch gewiß und sicher, daß die Aussicht auf ein Hmemsehen, auf ein immer wachsendes und reifendes Verstellen der Zusammenhänge des Lebens die Jrrsale und Wrrrsale, das Leid und die Not dieses Lebens leichter »verwinden läßt. Als Motiv und als Quietiv, als starke Triebkraft

Ostern auf dem alten Friedhof.

Mitten in der alten Friedhosswildnis,,

Auf dem moosgrün-roten Sandsteinbildnis,,

Das, in Trauer versunken, den Arm aufstützt.

Ein Schwarzvogel mit gelbem Schnäbel sitzt.

Es nimmt mich wunder sein seltsam Gehaben,

Wir Leute sind da, jemand zu begraben.

Und hartnäckig diese süße Quelle,

Dies lichte Getöne, Well um Welle

Perlt nieder auf Kreuz und Grabestrauern,

Werrieselt die efeuumsponnenen Mauern , . *

Die Zypressen jetzt, die die toten Sachen,

All die umsteinten Gräber bewachen.

Sich wiegen im Lied in den Himmel hinein.

Und gläubig die Trauerweide Spinnt Netze grüngold'ner Seide Und senkt sie-herab Aufs steinschwere Grab,

Bei dem sie gestanden schon so lang.

Nachdenklich sinnend und bang.

Die lichten Seile sich niederranken . , ä Ganz leise ums Gestein sie schwanken . . .

Sie wollen ihren Toten heben Ins Leben!

Fritz Philippe

und heimlicher Ruheort hat geleistet und leistet die Un­sterblichkeitshoffnung der Menschheit stärkste und schönste Dienste.

Aber wenn auch die Unsterblichkeitshoffnung so starke Leben bejahende und fördernde Bedeutung für die Menschheit hat, so ist damit ja noch nicht gesagt, daß sie der Wirklichkeit entspricht. Können wir auf diesem Stand unseres geschichtlichen Lebens diese alte und immer neu sich einstellende Menschheitshosfnung festhalten? Der überwältigende Eindruck der Vergäng­lichkeit alles Lebens will uns daran hindern und die damit in unseren Tagen besonders stark empfundene Kleinheit menschlichen Lebens. Was ist der Mensch, daß du sein gedenkest und das Menschenkind, , daß du dich seiner annimmst. Es ist gewiß kein Beweis gegen solche starke Eindrücke, daß wir daran erinnern, daß immer wieder die größten Geister der Menschheit diese Hoffllung sich zu eigen gemacht haben. Aber es soll doch gesagt werden gegenüber der platten und seichten Verständigkeit, die weite Kreise ergriffen hat: Stärker fällt es schon ins Gewicht, daß die Menschheit von die­sem Gefühl der Erwartung. eines neuen Lebens sich nie hat losmachen können, daß es gleichsam ein U r - g e f ü h l menschlichen Seins ist. So sagt z. B. Goethe: „Der Mensch, wie sehr ihn auch die Erde an- zieht mit ihren tausend und abertausend Erscheinun­gen, hebt doch den Blick forschend und sehnend zum Himmel auf, der sich in unermessenen Räumen über ihm wölbt, weil er es tief und klar in sich fühlt, daß er ein Bürger jenes geistigen Reiches sei, woran -wir den Glauben nicht abzulehnen noch aufzugeben ver­mögen."

Der stärksten Grund aber jener Menschheitshoffnung beschreibt Goethe mit den bekannten Worten:

So löst sich jene große Frage Nach unserm zweiten Vaterland,

Bonn das Beständige der ird'schen Tage Verbürgt uns ewigen Bestand.

Es ist der Eindruck geistig-persönlich-sittlichen Lebens, der die Hoffnung zu einer fröhlichen Gewißheit werden läßt. Die Christen finden solche Gewißheit zu­tiefst in der Erscheinung Jesu Christi. Jesus lebt, mit ihm auch i ch. Das ist die Osterfreude, in der sich in diesen Festtagen die Christen grüßen.

Ostern!

Bon Dr. Otto Wicmer,

Mitglied des Reichstags und des preuß. Abgeordnetenhauses.

Ostern auf Korfu: Der Kaiser sucht Erholung auf der schönen Phäakeninsel. Auch der Reichskanzler sollte die Feiertage dort verbringen; aber die Reise wurde wegen einer bösartigen Influenza-Erkrankung der Gattin des Herrn v. Bethmann-Hollweg im letzten Augenblick verschoben. Die Fahrt nach Korfu würde für den Kanzler vielleicht mehr Erholung gewesen sein als der Aufenthalt selbst, der trotz der Abwesenheit des bureaukratischen Apparates , mandierlet Amtspflichten und Sorgen umschließt. Sicherlich rst die Meinung unbegründet, die bei Ankündigung der Osterreise des Kanzlers austauchte, daß die Einladung nach Korfu als eine letzte ehrende Auszeichnung aufzufasien sei, als der Vorbote des Scheidens. Die kundigen Zeichen- deuter erklären, daß der Sessel des Kanzlers feststehe — schon deshalb, weil auch der leiseste Schein vermieden

RaLdruck »erb-ien.

Der Klingelbeutel.

Oster'skizze von Charlotte Wüstenbörfer (Königsberg).

Mer die wogende Roggeusaat geht ^der Früh-lingswind, und die Sträucher iin Park haben Blättchen bekommen, ganz plötzlich über Nacht nach dem warmM Regen. Vom Kirchlein klingen die Glocken herüber: ChrM rst-erstanden von der Marter alle. Des sollen wir alle froh fern. Christ will unser Trost sein. Khrieleis. ,

Elsbeth steht, zum KirchA^'ö^Wrustetz am Fenster und wartet auf Tante Brigitte. D'.e Lonne scheint so warm auf die winterlichen Rasenflächen und bas Beet mit den roten Tulpen, die Tante Brigitte so stE. Fa, die Ostersonne! Wie oft hat Elsbeth als Kind an dtüsem Fenster gestanden, ein Blatt Papier vors Gesicht hallend, eifrig durck ein stach in die Sonne spähend nach dem Lämmchen, das am Ostersonntag darin herumhüpfen sollte, wie Kerschkowska,, die die verant­wortlichen Posten einer Hühnermutter und einer Kirchensrau inne hatte, es behauptete.

Tante Brigitte ist fertig-. Sie hat den Federhut auf, und die Pelzstola um, über dem schwarzen Tuchmantel. Das Ge­sangbuch mit. den silbernen Beschlägen liegt wartend auf dem Tisch, und nur ein widerspenstiger Handschuhknopf will sich nicht schließen lassen.

„Elsbeth, mach' inir doch 'mal Knopf zu! Ach, du hast schon Handschuhe an. Latz', Kind, das dauert zu lauge. Ich hör' die Mamsell gehen. Mamsellchen!! — Bitte, machen Sie mir doch heu Knopf zu!"

werden müsse, als hätte ihn das Mißtrauensvotum des Reichstags ins Schwanken gebracht. Dabei hat Herr v. Bethmann-Hollweg Anspruch darauf, nicht als ein Kleber zu gelten. Er hat im Abgeordnetenhaus im Januar versichert, daß es Verantwortlichkeitsgefühl sei, was ihn handeln lasse und was ihn an dieser Stelle halte, so lange er das Vertrauen des Kaisers genieße. „Wenn ich zu der Überzeugung komme, daß ich dem Staat keinen Dienst mehr leisten kann, dann werden Sie mich keinen Tag länger hier sehen." Dieser Ver­sicherung darf in vollem Umfang Glauben beigemessen werden.

Vor einiger Zeit haben gute Freunde den Kanzler für den Statthalterposten in Elsaß-Lothringen aus- ersehcn, und eifrig in der Presse empfohlen. An sich wäre diese Wahl ein guter Griff, und es würde dem Statthalter, v. Bethmann-Hollweg sicherlich eine Freude sein, auf diesem Posten den Nachweis zu führen, daß die Reichslande unter der vom Reichskanzler von Bethmann-Hollweg „per tot chiserlraina rerum" durchgesetzten Verfassung sich doch gedeihlich entwickeln können. Aber die Statthalterschaft ist schwerlich das Ziel seiner Wünsche, solange das Amt des Reichskanz­lers, wenn auch inehr Arbeit und Sorgen, doch ein ungleich reicheres Wirkungsfeld und lohnendere Auf­gaben bietet.

In Korfu sollte bei der Anwesenheit des Reichs­kanzlers die Entscheidung fallen, wer Statthalter in den Reichslanden wird. Die Persönlichkeit ist schließlich von geringerer Bedeutung als der Kurs, der fürder­hin gesteuert werden soll. Der neue Statthalter steht vor der schweren Aufgabe, die Au to r i tä t der Z i v i l- g e w a l t, die durch den Verlauf der Zabern-Angelegen- heit schwer erschüttert worden ist, wieder herznstellen und in derBevölkernng das nahezu vernichteteVertranen zum Rechtsstaat wieder anfzurichten. Ob Herr v. Dallwitz sich hierzu eignet? Er verfügt über ge­nügende Erfahrung, weltmännische Gewandtheit und persönliche Konzilianz, um das Amt eines Repräsen­tanten der kaiserlichen Gewalt führen zu können; er gilt auch als. arbeitsfreudiger und sachkundiger Ver­waltungsbeamter, der nicht willenlos dem Rat seiner Räte folgt. Aber er ist und bleibt mit dem preußischen Junkertum so eng liiert, daß er auch fern von Berlin sich dem Einfluß seiner konservativen Freundschaft nicht entziehen kann, und mit ostelbischer Himmeldonner­wetter-Politik wird kein Statthalter in den Reichs­landen Ersprießliches leisten können.

Sicherlich wird der nun also Wohl nach Ostern er­folgende Besuch des Reichskanzlers auf Korfu auch Ge­legenheit zu einem Meinungsaustausch darüber geben, ob der Reichstag in einigen Wochen geschlossen oder von neuem vertagt werden soll. Man sagt, der Kanzler sei geneigt, den Schluß der Tagung zu empfehlen. Das läßt sich verstehen: denn es ist nicht zu bestreiten, daß die fortgesetzte Verlängerung der Tagung mancherlei Unzuträglichkeit mit sich bringt. Aber gerade diesmal sprechen gewichtige sachliche Gründe für die Vertagung, wenn anders nicht bedeutsame Vor­lagen und wertvolle Arbeiten, die nun schon monate­lang die Kommissionen des Reichstags beschäftigen, unter den Tisch fallen sollen. Jedenfalls aber muß aus der Entscheidung über Schluß oder Vertagung die Fahrkartenfrage ausscheiden, für den Reichs­tag wie für die Regierung. Es heißt die Würde der

Die Gerufene kommt und bemüht sich, den Knopf zuzu- machen, und Tante Brigitte fragt währenddessen: „Was war denn heute unten los. Man hörte das Geschrei ja bis zu mir!"?

Die Mamsell erzählt nn Brustton der tiefsten Empörung, die Gärtnevburschen hätten .sich heute morgen in die MÄdchen-- stube geschlichen und, die Mädchen mit Osterwasser begossen. Die neue Köchin Ottilie hätte sich mit ins Komplott ziehen lassen und, den Schlüssel vor die Tür gehängt. Na, sie hätte es den Mädchen aber auch gesagt, sie sollten nur ja nicht ver­gessen, daß sie aus dem Schlosse 'dienten, wo man auf sich halten müsse. Ottilie spielte seitdem die Böse. Sie aber wolle künftig den Schlüssel zur Mädchenstube am Ostersonn- abend immer in ihre Stube nehmen, damit so etwas nicht tvieder vorkäme.

Der Handschuhknaps ist bezwungen. Die Mamsell wünscht gute Andacht, und Tante und Nichte gchen in die Kirche.

Die Gemeinde ist fast vollzählig versammelt; nur von den Vorwerken und aus dem Nachbardorfe fehlen noch einige verspätete Familien. Tante Brigitte und Elsbeth, gchen nach dam Schloßstand. Der Oberinspektor und die beiden Eleven stehen ehrerbietig auf und lassen sie vorbei, auf die beiden Plätze, die der Kanzel grade gegenüber liegen. Alles muß so sein, wie es sich schickt, auch hier. Tante und Nichte beten ein stilles Vaterunser und setzen sich,

„Hast du auch das Geld für den Klingelbeutel mit, Els­bech?" flüsterte Dante Brigitte. Elsbeth nickt. —

Wie hell und festlich das kleine Kirchlein heute ist! „Das macht, es ist Ostersonntag" denkt Elsbeth. „Das macht meirie>