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Morgen-Ausgabe, i. Blair. Wiesvadrner Tagblan«

tauften nicht vor ähnlichen Verbrechen bewahrt hat. Und ver­zagen mutz ich an der Wirkung des Opfcrtodes Christi, wenn ich ausgehe, Christen unter den Christen zu suchen, die gut sind, milde sind, weise sind und gerecht sind nach dem Vorbild ihres Herrn und Meisters, die es, wie er, als die größte Sünde erachten, dem Nächsten Unrecht zu tun.

Und wenn ich nicht den Glauben habe an die Gottessohn­schaft des Zimmermannssohns und Weisen von Nazareth? Wenn ich seinen Kreuzestod nicht für einen Opfertod halte, sondern als die letzte Konsequenz seines Lebens und seiner Lehre? Dann ist mir der heutige Tag ein nicht weniger ernster Erinnerungstag, und das Leiden und Sterben Christi klagt nicht minder laut die Menschen an und lehrt nicht weni­ger eindringlich, daß es immer und allezeit besser sein wird, Unrecht zu leiden, als Unrecht zu tun. In welcher Gestalt sich Gott den Menschen offenbart, wissen wir nicht, aber das können wir wissen, daß Gottes Gesandte immer das Gute und Wahre wollen.

Es ist nicht über jeden Zweifel erhaben, daß sich dre Vor­gänge auf Golgatha so abgespielt haben, wie sie die Bibel er­zählt. Aber die Schwere und die Größe des Dramas auf Golgatha erleiden keinen Abbruch, wenn die Gräber sich nicht auftaten, wenn der Vorhang im Tempel nicht zerriß, und wenn der sterbende Heiland nicht das Bewußtsein hatte, mit seinem Tod ein Erlösungswerk zu Ende zu führen. Der beste seiner Zeitgenossen, der reinste, der heiligste und der nntlerd- vollste Mensch starb den Kreuzestod — diese Tatsache ohne jede schmückende Zutat genügt, um allezeit die das Gute wollenden und die Gerechtigkeit liebenden Menschen bange und schmerzvoll erzrttern zu lassen. ... -tf.

Kpril-Meteore.

Unter allen Monaten zeichnen sich besonders drei durch Meteor- und Sternschnuppenreichtum aus, diese sind der April, der August und der November, von denen wieder der November den ersten Rang einnimmt. Neben zahlreichen weniger dichten Meteorschwärmen treten nämlich die „Lyrr- den" im April, die „Perseiden" im August und die „Leo- nidcn" und „Andromediden" („Bieliden") im November am auffälligsten in die Erscheinung und sind zum Teil seit alters- her bekannt. Heute sei unsere Aufmerksamkeit nur den Aprrl- Metoren zugewandt, die in mehreren schwach besetzten und zwei recht dichten Schwärmen alljährlich der Erde auf ihrer Bahn begegnen, besonders vom 12. bis 13. April und vom 19. bis 23. April. In diesen Nächten strahlen die Meteore haupt­sächlich aus dem Sternbild der „Leier" aus, das abends am nordöstlichen Himmel steht und dem der Schwarm des 19. bis 23. seinen Namen „Lyriden" (von griechisch-lateinisch lyra) verdankt. Eine Verschiedenheit beider besteht jedoch darin, daß die Meteore des ersten Schwarms von einer Stelle süd­lich vom Stern Beta, dagegen die Meteore des zweiten Schwarms aus der Nähe des Sterns Alpha der „Leier , der hellen Wega, herzukommen scheinen. Nach den Berechnungen von E. Weiß ' und Galle wurde der Zusammenhang der Lvriden mit dem Kometen 1861 I, dessen Umlaufszeit» um die Sonne 418 Jahre beträgt, unzweifelhaft festgestellt. Ein gleicher Zusammenhang von Meteoren und Kometen wurde an den Perseiden, Leoniden und Andromediden nachgewiesen, ja, Herfchel stellte 1878 sogar eine Liste zusammen, welche dre engen Beziehungen zwischen Kometen und Sternschnuppen­schwärmen an sehr zahlreichen Beispielen erkennen laßt. Es e'-aibt sich hieraus die interessante Tatsache, daß dre Erde von Zeit zu Zeit durch Teile oder Reste von Kometen hrndurch- geht, ein Ereignis, das sich den Menschen jedesmal als ein stärkerer oder schwächerer Sternschnuppenfall kundgibt. In vieler Erinnerung werden noch die großartigen Meteorfälle vom 27. November der Jahre 1872 und 1885 geblieben sein. Der Umstand, daß unserer Mutter Erde damals, wie auch bei früheren, solchen Himmelsfeuevwerken (1866, 1833 und 1799) nichts Ernstliches zugestoßen ist, klärt uns darüber auf, was wir von einer Karambolage mit Kometen und Meteoren, wie solche schon so oft vorausgesagt worden ist, zu fürchten haben — einen Weltuntergang jedenfalls nicht!

Gsterwanderungen.

III.

Dotzheim - Chausseehaus - Schläferskopf- Eiserne Hand - Platte - Kellerskopf - Wres- baden.

Wir fahren etwa um 8 Uhr mit der elektrischen Bahn, Linie Nr. 7 (schwarze Schilder), nach Dotzheim, öder aber über die Dotzheimer Straße in Mündiger Wanderung dorthin. Von Dotzheim ab vertrauen wir uns dem Markierungszerchen „roter Punkt" an, gehen durch das langgestreckte Dorf gerade­aus hinunter, bei der ersten Straßenteilung rechts ab, an der Kirche vorbei, durch die Mühlgasse am Bach entlang, an der Dampswäscherei hin in das Weilburger Tal. Wir wandern durch das hübsche, stille Waldtal mit schönen Blicken auf die Felsbildungen des Weißebergs. Bei der Wegkreuzung müssen wir auf das Wegzeichen „roter Punkt" achten, dem wir durch den oberen Teil des Tals, dem lieblichen Labsalgrund, bis Station Chausseehaus folgen. Wir gehen nun auf der linken Seite des Bahndamms auf schön gepflegtem Weg, mit. herw lichen Ausblicken auf die Stadt Wiesbaden, den Wellritzbach überschreitend, ^rlsdann langsam bergansteigend zum Schläferskopf (455 Meter) mit dem vom „Wiesbadener Ver­schönerungsverein" erbauten herrlichen Kaiser-Wilhelm-Turm (gute Wirtschaft, hervorragende Aussicht über die weiten Wäl­der und die Wiesentäler nach der Stadt zu, wie nach dem Rhein und Mainz). Beim Abstieg führt uns der Weg um den Turm herum, und folgen wir unserem zuverlässigen Be­gleiter, dem „roten Punkt", immer durch herrlichen Hoch­wald wandernd, zur Station Eiserne Hand (324 Meter), die Patzhöhe der Schwalbacher Bahnlinie. Nach 4 Minuten an der Hutmannswiese rechts ab auf den mit- Markierung „schwarzer Strich" versehenen Herzogsweg, auf dem wir etwa 12 Minuten wandern, bis wir zum Wegezeichen „roter Strich" kommen. W>r folgen diesem und erreichen in 5 Minuten den Gipfel des Altenstein (501 Meter). Bei der Tannengruppe rechts in 1 Minute der Altensteinfelsen; wie ein verborgener Waldriese liegt der von finsteren Tannen umrahmte mächtige Quarzblock vor uns. (Vorsicht beim Erklettern des Felsens, namentlich beim Abstieg!) Durch einen dunklen Tannen­gang mit Zeichen „weißer Strich" führt uns der Weg in 5 Minuten zu der_ eigenartigen, schwer zu erkletternden Fel­sengruppe des „Spitzen Stein". Wir gehen wieder zurück zum Altenstein und mit den „roten Strichen" zum Herzogsweg, mit dem Wegezeichen „schwarzer Strich"; es ist ein kurzer und sehr lohnender Abstecher, der Besuch dieser imposanten Felsbildungen. Links ab auf dem Herzogsweg, immer den „schwarzen Strichen" nach durch herrlichen Tannen-, später Buchenhochwald zur Platte (500 Meter, Jagdschloß der frühe­

ren Herzöge von Nassau, jetzt Eigentum der Stadt Wies­

baden). Bei etwas klarem Wetter prächtige Aussicht und Fernsicht. Wir marschieren, dem Wegezeichen „schwarzer Punkt" folgend, auf fast ebenem, schönem Weg durch prächti­gen Hochwald (der sehr wildreich), dem Kellerskopf zu. Nach 1 Stunde biegt der Weg rechts stark bergab zum oberen Ende der Wahlwiese und genießt man von hier aus einen »ganz pracht­vollen Blick von Norden auf den gerade gegenüberliegenden waldigen Kellerskopf. Nun marschieren wir an der Westseite der Wiese auf schmalem Weg hinunter zu einer Brücke und auf der linken Talseite in die Höhe, auf recht steiler Schneise, deren Aufstieg durch eine Treppenanlage vom „Rhein- und Taunusklub" wesentlich erleichtert -worden ist, zum Gipfel des Kellersropfs (475 Meter). Auf dem Gipfel ein 18 Meter hoher steinerner Aussichtsturm mit zwei gemütlichen Schutzhallen und gutem Wirtschaftsbetrieb. (Die Anlage ist Eigentum des „Rhein- und Taunusklubs Wiesbaden".) Die Aussicht von der Plattform des Turms ist wohl die schönste vom ganzen Taunus. Herrlich ist der Blick über den weiten, wogenden Wald der Taunusberge. Freundlich grüßen der Feldberg, Altkönig, Rossert und Staufen herüber, trotzig die Ruine Falkenstein und lieblich das Dörfchen Eppenhain. Im Süd­westen der Rheingau mit dem blitzenden Vater Rhein, nach Südosten die weite Mainebene und der Odenwald mit dem spitzen Melibokus. Zum Abstieg wählen wir die Markierung „gelbe Striche", die uns in 40 Minuten nach Rambach führen, und auf der Fahrstraße weiter nach Sonnenberg. Nun ent­weder zu Fuß durch die Kuranlagen nach Wiesbaden oder, wer heute genug gewandert ist, mit der elektrischen Bahn zu­rück. Diese Wanderung — eine Höhenwanderung im west­lichen Taunus — führt uns auf die herrlichsten und aussichts­reichsten Punkte in unserem ganzen Taunusgebiet und kann allen Wanderfreunden besonders empfohlen werden. Ge- amtmarschzeit etwa 6 Stunden, die sich wie folgt zusammen- -etzen: Dohheim-Chausseehaus 1 Stunde, Schläferskopf

% Stunden, Eiserne Hand ^Stunden, Platte mit Altenstern- Spitzenstein 144 Stunde, Platte-Kellerskopf 1 Stunde 20 Minuten, Sonnenberg 1 Stunde.

— Amerikanischer Besuch. 200 Hotelbesitzer, darunter die Inhaber der bedeutendsten Hotels aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika, treffen am 2. Mai d. I. via Köln- Mainz um 10 Uhr vormittags in Wiesbaden ein. Zu­nächst statten sie dem Kurhaus einen Besuch ab, wo nach Be­sichtigung des Hauses eine Probe von Rheingauer Weinen, vor allem des 1911er Jahrgangs, stattfindet. Nach der Probe hat der „Gast- und Badhausbesitzerverein Wiesbaden" die amerikanischen Gäste zu einer Wagenfahrt durch die Stadt und nach dem Nerobcrg eingeladen, -worauf sie sich nach Bieb­rich begeben und um 1 Uhr die Sektkellerei von Henkell u. Co. in Augenschein nehmen. Eine Sektprobe schließt sich an. Am Nachmittag begeben sich die Amerikaner nach Frankfurt a. M. Am Abend veranstaltet die Stadt Frankfurt in den Räumen des „Frankfurter Hofs" ein Festdiner zu Ehren ihrer Gäste.

— Die elektrische Straßenbahn an der oberen Wilhelm- stratze, vom Ziergarten bis zur Sonnenberger Straße, hat neue Gelersecmlagen erhalten, die zugleich so gelegt wurden, daß sie für den übrigen Fuhrverkehr eine wünschenswerte Erweiterung der Fahrbahn bedeuten. Vor dem „Berliner Hof" wurde deshalb eine Geleiseverlegung vorgenommen und beim „Hotel Wilhetma" die Haltestelle aufgehoben. Zweifel­los kann hierdurch auch dem Straßenbahnverkehr in erhöh­tem Maße entsprochen werden, zumal wenn die bevorstehende Erweiterung des eingeleisigen Betriebs ab Chaisenweg nach Sonnenberg in einen zweigeleisigen umgewandelt wird, der dann bis zur Kronenbrauerei sich ausdehnen soll. Die bereits fertige neue Anlage wird ab nächsten Sonntag dem Betrieb übergeben. Sie wurde gestern nachmittag von der Aufsichts­behörde abgenammen und genehmigt.

— Der Deutsche Begetarierbund hielt gestern im Kurhaus feine Jahresversammlung, die von Delegierten, besonders aus der Provinz Hessen-Nassau und den Grotzherzogtümern Hessen und Baden, gut besucht war. Den Vorsitz führte Dr. med. Selß aus Baden-Baden. Die Verhandlungen bewegten sich um innere Vcreinsangelegcnheiten, Satzungsänderungen und Gründung einer Vegetarier-Bundesstiftung. Der Vorsitzende hob hervor, daß bei der immer -noch bestehenden Fleischteue­rung das Interesse für die vegetarische Lebensweise ein ganz besonders reges ist.

— Die Erlangung deS preußischen Staatsbiirgcrrechts.

Oft genug macht sich bei nichtpreuhischen Angehörigen der Bürgerschaft das Bedürfnis nach der preußischen Staatsan­gehörigkeit geltend, namentlich aber bei den Stadtverordneten­wahlen. Denn wahlberechtigt hierbei sind nur solche Bürger, welche die preußische Staatsangehörigkeit besitzen. Wer also bei der Wahl der Stadtverordneten seine Stimme geltend machen will, sollte nicht versäumen, das preußische Staats­bürgerrecht zu erwerben, sofern er es nicht schon besitzt. Bor allem sei bemerkt, daß man die ursprüngliche Staatsange­hörigkeit nicht verliert. Notwendig ist in erster Linie ein Aus­weis über die bisherige Staatsangehörigkeit, der von der Kreisbehörde des Heimatsorts bestellt werden muß. Ferner braucht der Antragsteller einen Geburtsschein für seine Per­son, der beim Standesamt des Geburtsorts zu erhalten ist. Schließlich hat er seinen Militärpaß oder sonstige Militär­papiere beizulegen. Ist er verheiratet und will er auch Frau und Kinder in die Aufnahmeurkunde mit ausgenommen haben, so ist noch eine Heiratsurkunde nötig, auch müssen die Geburtsscheine der Kinder beigelegt werden. Wo ein soge­nanntes Familienbuch vorhanden ist, brauchen Heiratsurkunde und Geburtsscheine nicht mehr beschafft zu werden. Schließ­lich sei noch bemerkt, daß die Aufnahme in den preußischen Staatsverband nichts kostet, und daß sie keinem Angehörigen eines deutschen Bundesstaats abgelehnt werden kann.

— Das Wiesbadener Konservatorium für Musik (Direktor Michaelis) hat rm verflossenen Schuljahr, dem 16. seines Bestehens, die höchste bisher erreichte '-schülerzahl zu ver­zeichnen. Das hatte zur Folge, daß wiederum neue Lehr­kräfte dem Institut verpflichtet wurden. Als Leiter des Chor­gesangs und Lehrer für Klavierspiek ist Musikdirektor Karl Teo Schulz und als Lehrer füi ^siEnspiel der König!. Kammermusiker van Driesten neu hmzugetreten. Durch -Übernahme der Solo-Gesangsklasse durch Frau Dr. Hans- Zoepsfel werden nunmehr auch Schüler für die Bühne ausgebildet. Auch im vergangenen Schuljahr fanden wieder­um eine größere Anzahl Vortragsabende (darunter drei mit Orchester) statt. Mehrere Schüler und Schülerinnen der Künstlerklassen waren zu solistischer Mitwirkung in hiesigen und auswärtigen Konzerten herangezoswn und fanden sowohl beim Publikum, wie in der Presse die günstigste Aufnahme. Auch wurden einige Schüler von Professor M a n n st a e d t, der nunmehr 10 Jahre am Konservatorium unterrichtet, zur

Freitag, 10. April 1914. _ Nr. 169*

Mitwirkung in den hiesigen Parsifalausführungen zugezogen.

Die mit dem Konservatorium verbundene, zu Ostern vorigen Jahres eröfsnete Musikvorschule erfreut sich des regsten Zu­spruchs. Das neue Schuljahr beginnt am Dienstag, den 21. April.

— Musterung, überall sind die Frühjahrsmusterungen wieder im Gange, und stolz ziehen die bändergeschmückten Burschen von dem Musterungsort wieder ihrer Heimat zu. Dabei kann man dann die erfreuliche Wahrnehmung machen, daß, wenn auch mancher volkstümliche Gebrauch verschwindet, da die neuzeitliche Polizei lein Verständnis mehr dafür hat, ich doch wieder andere und nicht selten schönere Gebräuche einbürgern. So haben die Gestellungspflichtigen durch Geld­beiträge eine Fahne angeschafft, die sich von Jahrgang zu Jahrgang forterbt. Vor einigen Tagen sahen wir z. B. eine stattliche Schar junger Leute durch die Straßen eines Nach­barorts ziehen, die allbekannten Lieder singend, während einer die Fahne stolz an der Spitze des Zuges schwenkte. In der Umgebung von Wiesbaden ist das Sitte. In einigen Orten des Ländchens sollen die Rekruten statt der Fahne einen gro­ßen, mit langen, bunten Bändern geschmückten Kochlöffel vor sich hertragen lassen.

— Die Anwendung des Titels „Hoflieferant". Sine große Anzahl Bestimmungen und Gesetze hat der Geschäfts­mann bei der Ausübung seiner Tätigkeit zu beobachten. Am sorgfältigsten wird naturgemäß das, Handels- und das Bür­gerliche Gesetzbuch studiert, dann' die Steuergesetze usw. Weniger bekannt scheinen die sehr genauen Vorschriften über die Führung von Hofprädikaten zu sein, obwohl durch falsche Anwendung der verliehenen Titel Klagen wegen unlauteren Wettbewerbs, auf Unterlassung, eventuell sogar auf Schadens­ersatz erfolgen können. Schlechtweg: „Hoflieferant" darf sich nur der Inhaber des Hofprädikats des Königs und der Königin von Preußen nennen. Diese Titel dürfen auch als -abgekürzte Bezeichnung „Königl. Hoflieferant" geführt wer­den. Bei anderen Hofprädikaten sind abgekürzte Bezeich­nungen nur insoweit zulässig, als durch das gewählte Beiwort der Verleiher in einer nur auf ihn zutreffenden Bezeichnung genannt wird; z. B. Königlich Bayerischer Hoflieferant. Im anderen Fall bedarf es stets der genauen Bezeichnung des Verleihers, z. B.: Hoflieferant des Grotzherzogs von Sachsen- Weimar-Eisenach. Hofprädikate gelten nicht als der Firma, sondern als der Person des Inhabers verliehen. Übertretun­gen dieser Bestimmungen sind strafbar, auch wenn sie auf Packungen und sonstigen der Reklame dienenden Aufschriften Vorkommen. Vor kurzem ist wieder auf diese Bestimmungen aufmerksam gemacht worden, es dürfte daher jetzt die Kon­trolle genauer gehandhabt werden und zu unangenehmen Weiterungen führen.

— Ein Mieterstreit entstand gestern zwischen zwei Par­teien in einem Hinterhaus der unteren Eckernfördestraße. Schon vormittags hatten die beiden Ehefrauen wegen gerin­ger Ursache sich in den Haaren gelegen und in der Mittags­stunde gerieten denn auch die beiden Ehemänner aneinander.-, Unter wüstem Geschrei verpflanzten sie den Streit auf die Straße, wo sie von der Jugend mit Gejohle empfangen wur­den. Erst das Einschreiten des Hausherrn setzte der häßlichen Szene ein Ende.

— Konkursverfahren. Am 8. April wurde über das Ver­mögen der Kohlen- und Lebensmittel-Einkaufs- und Ver- raufsgesellschaft „Erdsegen", G. m. b. H.,' Hellmund­straße 34, das Konkursverfahren eröffnet. Rechtsanwalt Justizrat Dr. Jünger ist zum Konkursverwalter ernannt. Konkursfordcrungen sind bis zum 8. Mai beim Amtsgericht Wiesbaden anzumelden. Die erste Gläubigerversammlung ist auf den 2. Mai, vormittags 11 Uhr, und der Termin zur Prü­fung der angemeldeten Forderungen ans den 23. Mai, vor­mittags 10 Uhr, festgesetzt worden.

— Rooscvelt in Wiesbaden! Wenn auch nicht in Person, so doch in täuschend ähnlicher Maske tritt der Erpräsident der Vereinigten Staaten allabendlich vor das Publikum des Kurtheaters. Direktor Fritz S t e i d l hat mit dieser Type wieder einen, Schlager „ersten Ranges geschaffen, der ihm jubelnden Beifall einträgt. Stürmische Heiterkeit erregt be­sonders der, Schlußtrick: Der Tanz Teddys mit seinen acht american girls. „Bravo - Dakapo, die neue Revue", bleibt infolge ihres andauernden lebhaften Erfolges weiter auf dem Spielplan des Kurtheaters.

— Kleine Notizen. Auf Veranlassung des Herrn Direktor Dr. Rauch ist für Beitrage zugunsten eines Grabdenk­mals für Georg Rücker auch an der Kaffe des Resi­denz-Theaters eine Sam-melftelle errichtet worden.

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Israelitischer Gottesdienst. I s r a e l i t i s ch e K u l t u S.

gemeinde. Gottesdienst in der Hauptsynagoge. Michelserg. Beffackfest: Samstag und Sonntag, den 11. und 12. April. Veffachfest Vorabend 6.45 Uhr. morgens 8.45 Uhr, Predigt 0 45 Uhr, nachmittags 8 Uhr. abenids 8 Uhr. Sonntag morgens 8 46 Uhr, nachmittags 3 Uhr. Ausgang 7.55 Uhr. Halbfeiertage morgens 7 Uhr. abends 7 Uhr.

Alt - ^e Kultus gemeinde. Synagoge

Friedrichstraße 33. Peffach Vorabend 6.46 Uhr. morgens 8 Uhr. Predigt 10 Uhr. nachmittags 3 30 Uhr. abends 8 Uhr, Cbol Hainoed morgens 6.45 Uhr. nachmittags 6.16 Uhr, abends 8 Mr. „ _

Talmud Thora - Verein Wiesbaden. Stift­straße 3. Sabbat-Eingang 6.45 Uhr, morgens 8.30 Uhr, Muffaf 9.30 Uhr. Mincha 4 Uhr. Ansgang 7.65 Uhr. Peffach- ausgana 7.55 Uhr. Chol Hamoed morgens 7 Uhr. Maarif 8 Uhr.

vorberichte über Kunft, Vorträge und verwandtes.

* Kurtheater. An den beiden Osterfeiertagen finden je zwei Vorstellungen des beliebten Fritz-Steidl-Ensemble statt. Zu der um cktbr Uhr beginnenden Nachmittagsvorstellung gelten ermäßigte Preise, dennoch gelangt die neue große Revue ..Bravo-Damvo ungekürzt und unter Mittvrrkung der Familie Sterdl zur Ausführung. Die Abendvorstellung beginnt UM 8 Uhr. Bei dem zu erwartenden großen Andrang sei die Entnahme der Eintrittskarten im Vorverkauf empfohlen.

Kus dem vereinsleben.

vorberichte. Vereinsversammlungen.

* Der „Bäcker- und Ko ndi tor e n ve rba n d" be­geht am Ostermontag, abends 7Vzi Uhr beginnend, im Ge- werkschastshaus, Wellritzstraße 49. sein 15. Stiftungsfest.

* Die Krieger- und Militärkameradschaft „Kaiser Wilhelm II." ist mit einer gutbesuchten Jahreshauptver­sammlung dre vom 1. Vorsitzenden. Dormann, mit einer herz­lichen Begrüßung der Mitglieder eröffnet wurde, in das Ve» einsiahr 1914/15 eingetreten. Nach der Ausnahme von neuen Mitgliedern folgten Geschäfts- und Kassenberichte. Diesen sei entnommen, daß die Kameradschaft 13000 M... Vermögen und einen Bestand von 706 Mitgliedern hat. Auch über die sonstige Vereinstätigkeit gaben die Berichte genaue Auskunft. Rach der Entlastung des Kaffenführers und des Vorstandes fand die einstimmrge Wiederwahl der ausscheidenden Vorstands­mitglieder ohne Rücksicht auf einen Gegenvorschlag statt. Zum Schluß gedachte Kamerad Urban noch mit tvarmen Worten der Hrngabe und -rastlosen Arbeit des Vorstandes im Vereinsjahr 1813, die Versammlung bekundete dies mit einem dreifachen Hoch.