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Sette 8. Morgen-AuSgave, 1. Blatt.

und so ist's die ruhende Basis, daß aufderpersönlichen Tüchtigkeit, aus dem menschlichen Qualitäts­wert das gesamte Wirtschaftsleben beruht. Die Wirtschaftswelt kann nicht aus dem Menschen machen, was s i e will. Alles Wirtschaftsunternehmen braucht nicht allein materielle Leistungsfähigkeit, sondern menschlich- sittliche Garantien. Mit der Unsolidftät läßt sich auf die Dauer kein Geschäft machen.

So wird die drohende Übermacht der Wirtschaftswelt in. ' dem Augenblick zur bloßen Gebärde, wo man sie durchschaut, daß sie ohnmächtig ist ohne die sittliche Verantwortung der Persönlichkeiten, der Unternehmer und Arbeiter. Die Wirt­schaftswelt kann gar nicht ernsthaft rücksichtslos sein gegen die Persönlichkeitswelt, sonst ruiniert sie sich selbst.

Gerade der Großbetrieb, der nur den Bruchteil eines Arbeitsganzen dem Arbeiter in die Hand gibt, rechnet mehr noch als auf die Genauigkeit seines Maschinenmaterials auf das Verantwortungsbewußtsein des Men­schen. Diese Verantwortlichkeit kommt in einer etwas ver­änderten Form als Verantwortung für das Ganze, als sittlicher Solidaritätsgedanke, der allein die Wirtschaftlichkeit hochstehender Betriebe verbürgt. Das ist schon eine neue Lebensform, die Solidarität des sittlichen Arbeitswillens, und ist der Beweis, daß die Persönlichkeits- Welt im Vormarsch ist.

Menschenschutz vor wirtschaftlicher Übermacht! Diese Forderung hat in einer Reihe von Schutzgesetzen bereits als Staatswille gesetzlichen Ausdruck gefunden. Auf dem Gebiet der Hygiene, der sozialen Fürsorge, der Boden- und Woh­nungsreform, um nur einige zu nennen, organisiert sich der Abwehrkamps gegen den Absolutismus der Wirtschaftswelt. Der Drang zur Menschenhilfe wird in Form und Farbe anders, mittelbarer; an Stelle des unmittelbaren Wohltuns tritt die Wohlfahrtseinrichtung, und aus dem Almosen wird ein Recht des wirtschaftlich Schwachen.

Das sind Ansätze zu neuen Lebensformen, zunächst mit materiellem Ziel. Aber wer will leugnen, daß z. B. das Streben nach Einschränkung der Arbeitsdauer im Wirtschafts­betrieb und nach Möglichst völliger Sonntagsruhe seine W u r z e l hat in einer Gegenwehr des inneren Menschen, in einem Verlangen nach Atmungsfreiheit.

Es ließe sich noch vieles sagen; wir stehen da in Anfängen, oft voller Unklarheit. Wir sind auch hier noch übermäßig materiell interessiert. Aber wenn der menschliche Solidari­tätsgedanke weiterhin im Marschieren bleibt, wird er sich not­wendig vergeistigen wollen, und die Parole der Zukunft wird lauten: Die Schutzorganisation für den inneren Menschen!

Im Zeitalter der Organisation brauchen wir einen Zu­sammenschluß zu einem neuen — religiösen — Aufbau unseres Bolksganzen. Wir heißen ihn „die Menschenkirche".

Vorläufig können wir nur wünschen, daß die Notlage des inneren Menschen möglichst weithin empfunden werde. Dann ist die Zeit der Zurückeroberung des Menschenreichs nahe.

politische Übersicht.

50 Iahre Rotes Kreuz.

In diesem Fahre kann das Rote Kreuz «das Jubiläum seines 50jährigen Bestehens begehen. Eine überaus segens­reiche Tätigkeit, die der leidenden Menschheit in Krieg und Frieden im reichsten Maße zugute gekommen ist, begreift dieser Zeitraum in sich.

' Die geordnete Pflege der verwundeten Krieger ist ein ver­hältnismäßig junges Geschenk edler Menschenliebe. Die Armeen Friedrichs des Großen zogen noch ohne Kranken­pfleger in den Kampf, und lediglich den Offizieren war es gestattet, sich als Verletzte durch einen „Knecht" aus dem Schlachtfeld forttragen zu lassen. Freiwillige Krankenpflege, die aber noch ganz des zielbewußten Plans ermangelte, trat in einigermaßen größerem Umfange evst in den Freiheits­kriegen "hervor. Aber auch später noch, im Krimfeldzuge wie in den Kämpfen von 1889, war die militärische und freiwillige Hilfe so unzureichend, daß der Schweizer Henry Dunant. erst durch seine ergreifende Schrift: „IIn Souvenir de Solferino" die Anregung zur Bildung von Vereinen, die sich der geord­neten Pflege der Verwundeten im Kriege widmen, geben mußte. Auf seine und anderer warmherziger Männer Be­mühungen hin erstand auch die Genfer Konvention vom Jahre 1864, zu der bis heute alle Kulturstaaten ihren

Beitritt erklärt haben. „

Im Feldzuge gegen Dänemark trat dre planvolle Für­sorge des heimischen Roten Kreuzes gum ersten Male hervor. Eine Summe von 19 000 Talern, aus freiwilligen Beitragen gesammelt, bildete den materiellen Grundswck. Im Kriege 1866 wurde bereits die stattliche Summe von 500 000 Talern

„Seine Kassenscheine? — Leider ging das nicht. Er hatte sie nämlich noch gar nicht bei sich. Auf der „Oceamc hatte sich in letzter Stunde ein Maschinenschaden herausge- stellt, so daß das Schiff erst heute abend um zehn Uhr abgehen kann. Stainford erzählte mir das ganz nebenbei, danach kam er sofort wieder auf sein Sorgenkind, die Kentucky, zu sprechen. Ich erinnerte mich aber nun plötzlich, eine wichtige Verab­redung zu haben und bat ihn, mir den Schluß des Vortrages nach seiner Rückkehr von Europa zu halten. Davon wollte er jedoch nichts wissen; er drang in mich, ich möge ihm noch heute irgendwann im Laufe des Tages eine Viertelstunde widmen, in meinem Hotel oder sonstwo. Leider wäre mir das nicht möglich, erwiderte ich. Jede Minute meiner Zeit sei be­setzt. — „Wirklich jede?" — Ich tat, als rechne ich eifrig nach, „Warten «ie", sagte ich dann, „um neun Uhr hole ich meine Frau in der Princeton Street ab, wo sie eine Jugendfreundin, die in bescheidenen Verhältnissen lebt, besucht. Kommen Sie dorthin, wenn Sie wollen. Es wird sich da wohl für uns Ge­legenheit finden, noch ein paar Worte zu wechseln." — Er schien überrascht, versprach dann aber pünktlich zur Stelle zu sein. Offenbar glaubte er, der Präsident sei seinen Wünschen nicht, ungünstig gesinnt, wolle aber mit Rücksicht auf die Volksstimmung ein öffentliches Zusammensein mit ihm vermeiden. Es tut mir leid, den armen Woody*) in ein so schiefes Licht gebracht zu halben. Aber jeder ist sich selbst der Nächste, und ein Restaurant oder dergleichen als Rcndcz- vcusort zu wählen, ichien mir doch zu riskant."

Ich hatte How-ard ungestört zu Ende erzählen lassen. „Du sprachst von der Prmceton Street", sagte ich jetzt. „Hast du Stainford etwa hierher zu mir bestellt?"

Howard nickte gelassen. „Allerdings, das tat ich. — Er kann jeden Augenblick hier sem,"

*) Spitzname des Präsidenten.

Wiesbadener TrzgAM.

aufgebracht, während die den Depots zugewiesenen Mate- rialabgaben einen Wert von anderthalb Millionen Talern darstellten. Zum erstenmal führten nun auch Son­derzüge der freiwilligen Krankenpflege den Lazaretten Lebensmittel und Heilstoffe zu. Im Verein mit Preußen be­mühten sich damals auch die Landesvereine der übrigen deutschen Staaten in hohem Maße, das Kriegselend zu ^lin­dern. So verpflegte u. a. der Bayerische Verein z. B. in sechs Hilfslazaretien etwa 3000 Verwundete.

Als einheitliches, geschlossenes Ganze trat das Rote Kreuz dann im Kriege 1870/71 in die Erscheinung. Die aufge­wandten Geldsummen und Werte für Nährungsmittel be­liefen sich jetzt auf mehr als 6 6 Millio neu Mark.

Die Taten der Nächstenliebe des Roten Kreuzes sind mit unauslöschlichen Lettern in den Annalen des großen Krieges für alle Zeiten verzeichnet. Aber sie beschränken sich seitdem nicht bloß auf den Ausbau und die Erlveiterung ihrer menschenfreundlichen Einrichtungen auf heimischem Boden und bei den zahlreichen Kämpfen in den deutschen Kolonien und Schutzgebieten; nicht minder segensvoll gestaltete sich die Wirksamkeit des Roten Kreuzes auch auf i n t e r n a t i o - Italern Gebiete in Kriegs- wie Unglückszeiten. Es braucht nur an die Kämpfe zwischen Rußland und der Türkei 1877, Serbien und Bulgarien 1885, Griechenland und Türkei 1897, den Bnrenkrieg 1899/1900 und den Feldzug Rußlands gegen Japan 1904/05 erinnert zu werden, wo überall das Deutsche Rote Kreuz mit Rat und Tat zu Hilfe eilte. Auch beim Erd­beben von Messina 1908 entfaltete es eine umfassende Hilfs­tätigkeit, dann wieder im Kampfe um Tripolis 1912 und im Balkankriege.

Ein besonderes Kapitel bildet die rege Betätigung des Roten Kreuzes auf sozialem Gebiete, insbesondere bei Epide­mien oder bei Linderung des durch verheerende Naturgswalten heraufbeschworenen Unheils. Namentlich ist aber auf dem Ge­biete der Volksgesundheitspflege sein Walten von unschätz­barem Werte geworden. Hand in Hand damit hat der Aus- bau der Gesamtorganisation des Deutschen Roten Kreuzes vorbildliche Gestalt angenommen.

So hat denn auch im Hinblick auf das 60jährige Jubiläum das deutsche Volk reichen Anlaß, voll Anerkennung und Dank­barkeit ans die segensreiche Tätigkeit des Roten Kreuzes zn- rückzublicken, und es wird gewiß jede sich ihm bietende Ge­legenheit gern ergreifen, diesen Gefühlen auch sichtbaren Ausdruck zu verleihen.

Eine deutsche Legion für Siiöwestafrika.

Von Geh. Regierungsrat Dr. Hetzer (Wiesbaden), Mitglied des Wehrvereins.

Im deutschen Volk wird es als Schmach empfunden, daß sich deutsche Männer und Jünglinge finden, welche für 4 Pf. Taglohn unserem Erbfeind in der französischen Fremden­legion Sklavendienste leisten. Die Maßregeln aber, welche gegen diese der europäischen Zivilisation hohnsprechende fran­zösische Unsitte von deutscher Seite getroffen werden, lassen befürchten, daß sie das gesteckte Ziel nicht nur nicht erreichen, sondern im Gegenteil den abcnieuerlustigen oder wegen Ver­gehen Strafe siirchtenden Deutschen die Wege zur französi­schen Fremdenlegion weisen. Diese Befürchtung ist vor länge­rer Zeit auch im „Wiesbadener Tagblaii" ausgesprochen und der Vorschlag gemacht worden, eine deutsche Legion für unsere Kolonien zu bilden, und in diese unter denselben Be­dingungen, wie es die Franzosen für Ausländer tun, Frei­willige deutscher Staatsangehörigkeit aufzunehmen. Unter dem 27. September v. I. hat sich der Gesamtvorstand des „Deutschen WehrvereinS" diesen Vorschlag zu eigen gemacht und in bemerkenswerter Weise erweitert. Darnach müßte die „deutsche Legion" von etwa 16 000 Mann aller Waffen die Zusammensetzung einer heimischen Friedsnsdivision mit heimischen Gehältern und Löhnungen erhalten und dem Kriegsministerium unterstellt werden. Vorbedingungen für den Eintritt wären wie bei den anderen Truppenteilen: deut­sche Staatsangehörigkeit, Tauglichkeit und Freisein von Zuchthausstrafen. Vom Augenblick der Meldung ab dürf­ten auf Grund gesetzlicher Bestimmung vorher begangene Vergehen und Übertretungen nicht mehr verfolgt werden. Um Fahnenflucht und Selbstmord in unserem Heer zu verhindern, müßte jeder deutsche Soldat das Recht haben, Einstellung in die deutsche Legion zu verlangen. Da nun oft­mals unmündige deutsche Jünglinge nach Frankreich fliehen und dort unbedenklich in die französische Fremdenlegion ein­gestellt werden, so könnte dies nur dadurch einzuschränken sein, daß auch bei uns die Einreihung in die deutsche Legion ohne Einholung der Einwilligung der Eltern und Vormünder erfolgen würde. Als Kolonie käme in erster Linie das auch für Europäer gesunde Deutsch-Südwestafrika in Betracht. Von der bedingungslosen Aufnahme Unmündiger abgesehen, wird wohl ein jeder Menschen- und Vaterlandsfreund dem Vor­schlag des „Deutschen Wehrvereins" zustimmen können. Denn eine solche deutsche Legion würde nicht nur einzelnen Un-

„Den Teufel auch'." fluchte ich-, „"Da hast du mir etwas Schönes eingebrockt. Früher oder später mutz der Schwindel herauSkommcn und dann wird man sich an mich halten."

„Du mußt dir eben in den nächten Tagen eine neue Wohnung mieten. Wegen der Kosten mach' dir keine Sorgen. Du bekommst natürlich deinen Anteil vom Geschäft. Haupt­sache ist, daß es klappt."

„Ich bin dessen noch gar nicht so sicher", ffxl ich ein. „Daß du den Präsidenten spielst, ist dach eine höllisch gewagte Sache. Es märe besser gewesen, du hättest dich. mit einer bescheide­neren Rolle begnügt. Den halben Tag läufst du nun schon in der Maske herum. Bedenke, wieviele Leute dich da gesehen haben. Hat nur ein einziger von ihnen Verdacht gefaßt und uach Washington telegrafiert, dann ist s aus. Dann können wir uns aus den Besuch von Palicemen —"

Eine hastige Handbewegung Howards hieß mich schwei- gen. Es jemand auf der Treppe , flüsterte er. „Da —- das Hüsteln kenne ich. Es ist Freund Stainford. Er ist zu Fuß gekommen, das sieht dem alten Knauser ähnlich."

Ich ging zur Tür und öffnete- Ein kleiner beleibter Mann mit bartlosem Gesicht und grauen hartblickenden Augen stand mir gegenüber. „Es sind keine Namensschilder an den Türen", sagte er. „Ich will zu —" .

„Sie siird am richtigen Ort, Sir. Bitte, treten Sie nur näher." Homard hatte sich erhoben uüd schritt in würdevoller Haltung dem Ankömmling entgegen. „Gestatten Sie, Mr. Stainford", fuhr er fort, „daß ich Sie mit" — er blinzelte mir zu — „mit Mr. Webster bekannt mache. Die Dame vom Haufe ist leider erkrankt. Meine ist noch bei ihr im

Nebenzimmer."

Der Millionär entgegncte ein paar gleichgültige Worte. Dann setzte er sich auf die Einladung Howards mit diesem an den großen Mitteltisch, während ich es mir, zu seinem sicht-

Sonntag, 8. April 1914. Nr. 161.

glücklichen, sondern, besonders im Kriegsfall, dem ganzen Vaterland wertvoll werden. Zur Abwehr des die Kolomen bedrohenden Feindes und zur Verhinderung der Überführung feindlicher Streitkräfte aus den Kolonien auf den Schauplatz des europäischen Kriegs. Auch müßte den Legionssoldaten nach erfolgter fünfjähriger Dienstzeit Gelegenheit geboten werden, in der Kolonie ein Besitztum zu erwerben, in welchem sich eine Familie ernähren könnte. Man wende nicht ein, daß dadurch in die deutschen Kolonien Leute mit nicht einwand­freien Neigungen hineinkämen. Die Erfahrung lehrt, daß daheim liederliche Menschen fern von der Heimat und unter veränderten Verhältnissen tüchtig werden. . Hatte doch Pompejus sogar die sich ihm ergebenden Seeräuber in den römischen Kolonien, namentlich in Cilicien, angesiedelt und aus ihnen durch diese einsichtsvolle und menschenfreundliche Maßnahme für den Staat brauchbare Bürger gemacht. Ver­zweiflung hatte sie zum Räuberhandwerk getrieben.. Durch Darbietung auskömmlicher Einkünfte waren sie der friedlichen menschlichen Gesellschaft wieder gewonnen worden. Verzweif­lung treibt auch in unserer Zeit so manchen zum Konflikt mit dem Strafgesetzbuch oder in die französische Fremdenlegion, um für kurze Zeit Unterkunft zu finden und straffrei zu fern. Durch die deutsche Legion und die Aussicht, durch sie in dau­ernd geordnete Verhältnisse zu gelangen, würden viele den Antrieb zu neuem Lebensmut, zu ehr­licher Ar-beit und gesitteter Lebensführung be­kommen. Möge ein jeder, welcher der gleichen Ansicht ist, dahitt wirken, daß die deutsche Legion Wirklichkeit werde.

Deutsche§ Reich.

ZX Das Ressort Hamann. Gewisse, vorläufig unverbind­liche Verhandlungen, die regierungsseits mit bürgerlichen Ab­geordneten jüngst geführt worden sind, lassen - der „Mlt.- pol. Korrespondenz" zufolge — den Schluß zu, daß mit vem Etat 1915 eine teilweise oder völlige Neuordnung der Presseabteilung des Auswärtigen Amtes geplant ist. Jene Verhandlungen scheinen den Zweck gehabt zu haben, die grundsätzliche Zustimmung des Reichstags zu einer erheblich höheren Dotierung der jetzt allein von Beamten versehenen Abteilung zu erlangen. Beabsichtigt dürfte sein, für den halb­amtlichen Verkehr mit der Presse künftighin einen oder mehrere besonders geeignete Vertreter der Tagesjour- nalijstiV hchanzuzichen und d«,se Herren finanziell )0 stellen, wie sie es ihren jetzigen Einkünften nach erwarten müssen. Man scheint für einen Posten etwa 25 000 M., für weitere Nachgeordnete 8000 bis 12 000 M. aussetzen zu wollen-

— Die Rennwrttnovelle. Am nächsten Montag, den 6. d. M., findet auf Einladung des Staatssekretärs ini R e i ch s s ch a tz a m t eine Besprechung der Einze-lbesttrn- mungen des neuen Rennwettgesetz-Entwurfs statt. Zu der Beratung sind eine Reihe von S a ch v e r st ä n d i g e n, auch der Tages- und Fachsournalistik, eingeladen worden.

* Aufklärung eines Überfalls auf einen Soldaten in Colmar. Am 2. Februar d. I. war ein Rekrut des Colmarer Dragoner-Regiments Nr. 14 ins Lazarett verbracht worden, weil ihm, wie er erzählte, in einer ziemlich unbelebten Straße von einem Unbekannten, der Dialekt gesprochen habe, mit einem Revolver in die linke Hand geschossen worden war. Der Vorfall, der damals nicht aufgeklärt werden konnte, ist in auswärtigen Blättern vielfach kommentiert worden. Jetzt hat der Soldat, ein Rheinländer, gestanden, daß er sich damals den Schuß selber beigebracht habe und daß seine Erzählung erfunden gewesen sei. Aus welchem Grunde sich der Soldat die Verletzung beibrachte, konnte noch nicht festgestellt werden.

* Hamburgische Eingemeindungen. Der Hamburger Bürgerschaft ist eine Vorlage zugegangen, betreffend Einge­meindung von Ham'burgisch-Finkenwärder, das unmittelbar an daS hannoversche Finkenwärder anstößt, in die Stadt Hamburg. Damit wird die Verkleinerung des Hamburgischen Landgebietes fortgesetzt, die im vorigen Jahre mit der Ein­gemeindung einer Reihe von Landgemeinden begonnen wurde. Auf dem hamburgischen Teile der Elbinsel Finkenwärder wohnen etwa 4000 Personen. Wenn Finkenwärder einge­meindet sein wird, wird daS hamburgische Landgeüiet, das am 1. Oktober 1912 noch gegen 90 000 Bewohner zählte, nur noch etwa 60 000 Bewohner zählen, von denen der bei weitem größere Teil auf die Städte Bergedorf und Cuxhaven entfällt. Die Eingemeindung von Finkenwärder, besten Bevölkerung stark aus Fischern besteht, hat insofern größere Bedeutung, als die Insel jetzt zum Hamburger Hafengebiet herangezogen und für die Anlegung von Wohnstätten für die Arbeiterbe­völkerung «benutzt werden soll, daher in der nächsten Zeit ver­mutlich eine erhebliche Zunahme der Bevölkerung aufweisen wird. Nach der Eingemeindung von Finkenwärder, der vor­aussichtlich die Eingemeindung -der Walddörfer Wohldorf, Vo'lksdorf, Groß-Hausdorf und Farmsen bald folgen wird,

lichen Mißfallen, mit meiner Zeitung in einer Fensterecke be- guem machte. „Die Leute sind in ihren Räumen sehr be­schränkt", sagte Howard im Flüsterton. „Da müssen wir uns schon die Gesellschaft des Mannes gefallen lasten. Sprechen wir Französisch, das versteht er nicht."

Stainford nickte zu,stimmend und holte aus den Seiten­taschen seines Rockes eine Anzahl Papiere hervor, die er aus dem Tisch crusLreitete. Nun erging er sich in einer Reihe von Erklärungen, und dann kam es zwischen den beiden zu einer langen Erörterung, bei der Freund Howard famos seinen Mann stand. Es war wirklich erstaunlich, welche Ge­wandtheit und Sachkenntnis er bei seinen Entwürfen an den Tag legte. Während er in vovgcbeugter Haltung scheinbar mit großem Eifer eine bestimmte Stelle in den Schriftstücken studierte,. tauchte, nur für meine scharf beobachtenden Augen sichtbar, seine Hand behutsam in den Westenausschnitt unseres Besuchers. Im nächsten Augenblick kam sie wieder zum Vor­schein und mit ihr eine dickleibige schwarze Brieftasche, die er sofort verschwinden ließ. Das war indessen noch nicht alles- Auf dieselbe kunstvolle Weise, mit der er seinen Raub her­ausgeholt. hatte, schmuggelte Howard jetzt ein dem ersten völlig .^eichendes, mit altem Zeitungspapicr vollgepfropftes Portefeuille in die innere Westentasche Stainfords ein. Er war -eben hiermit fertig geworden, da wollte es mir scheinen/ als mache sich ans der Straße draußen eine gewisse Unruhe bemerkbar. Ich kümmerte mich jedoch nicht weiter darum- Aber als dann ein paar Minuten später unten im Hauff Stimmen laut wurden und gleich darauf die raschen Schritt eines Mannes die Treppe herauficnnen, wurde mir unbehag­lich zumute.

Der da /draußen war jetzt in unserem Stockwerk ankff- langt. Die Schritte verstummten. . Ein kurzes Pochen an die Tür 'ie flog auf — und auf der «Schwelle erschie«