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Morgen'Ausgabe.
Nr. 159» * 62. Jahrgang.
Der Stillstand der französischen Zlotte.
Von Kapitän z. S. a. D. L. Persins.
Tunis, Ende März.
. ich vor drei Jahren in Tunis weilte, war der irische Zug, den der damalige Marineminister, der Vizeadmiral Bou 6 de Lapeyräre, in die Flotte brachte, allerorten bemerkbar. Nach einer langen Zeit der Lethargie, die unter den Laienministern Platz gegriffen hatte, schien die französische Marine unter der zielbewußten Leitung dieses Fachmannes zu neuem Leben erwachen zu wollen. Freilich, bald darauf wurde de Lapeyrare in den Sturm Briands hineingezogen und mußte D e l c a s s 6 Weichen. Aber auch unter dessen Führung machte die Seemacht noch weitere Fortschritte. Er drückte die Annahme eines, wenn auch bescheidenen Flottenprogramms in der Kammer durch. Unter seinem anspornenden Antrieb besserte sich die Tätigkeit auf den Werften, die bis dahin überaus langsam fortgeschritten war, wesentlich. Bei seinem Amtsantritt wurde Delcassä als der Retter französischer Seegeltung, als ein zweiter Jean Baptiste Colbert, begrüßt, und man streute ihm reichlich Vorschußlorbeeren: „Er wird der Republik die Marine geben, die ihre Diplomatie nötig hat und die sie instand setzt, die Rolle zu spielen, welche das nationale Interesse verlangt." Die Erwartungen, die man in Deloass6 gesetzt hatte, konnten sich nicht erfüllen, denn schon Anfang des vorigen Jahres mußte er sein Portefeuille wieder an Picare Baudin abgeben. Dieser regierte nur knapp 12 Monate. Beim Sturz des Ministeriums Barthou trat Mr. Monis an seine Stelle.
In diesen Tagen, da ich mich von dem Dienstbetrieb auf den im Hafen von Toulon liegenden Schiffen, und von der Tätigkeit auf der Staatswerft überzeugte, da ich manche Seeoffiziere über ihre Ansicht für die Zukunft der Flotte befragte, kann ich nicht umhin, festzustellen, daß eine gewisse Niedergesckilagen- h e i t, eine stille Resignation herrscht, die sich am besten dlirch das Wort eines älteren Offiziers skizzieren läßt: „Wir kommen nicht aus dem „provisoire saus fiu" heraus." Für den Admiral Bonä de Lapeyräre, der setzt Flottenchef ist, schwärmt man allgemein. Wäre er Minister geblieben, so Hecht es, dann stände es um die Rüstung zur See besser. Jedoch werden auch Delmsiäs Verdienste anerkannt, Ich habe keineswegs die Ansicht vertreten gefunden, daß alles Herl n u r von dem Fach mann zu erwarten sei. Gerade für französische Parlamentsverhältnisse sei ein LarenmrNrster, falls er die richtigen fachmännischen Berater heranzuziehen verstehe, wohl geeignet. Was aber beklagt wird, ist der Wechsel der sich in rascher Folge auf dem Marineministersessel Ablösenden, Seit 18:0 rst Mr. Monis der vierzigft e Leiter der Flotte. P arter - politische Strömungen üben zudem ihren ,Emstuß zu gewichtig und oft unheilvoll auf die Tätigkeit des Ministers aus, „ .
Die deutsche Presse bringt unentwegt, Nachrichten über das gewaltige Wachstinn der französischen «ee- streitkräfte. Selbst führende Zeitungen sprachen von
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Bnnmelsrrscheinungen
im Avril 1914.
Etwas weniger als im März nimmt im April die Deklination der Sonne zu, denn während diese Zunchme rm Vormonat 11« 44' betrug, sinkt sie im April auf 10 lb -Durch die Vergrößerung der Tagbogen der Sonne erfahrt dre Tagesdauer eine Zunahme von 13 bis auf 15 Stunden im nördlichen Gebiet, von 12 5 /„ auf 14% Stunden tat
mittleren Gebiet und von 12% spis auf 14% Stunden im südlichen Gebiet. Durch die sich stets stetig ' verlängernden Dämmerungen erfährt die Tageshelligkeit noch einen Zuwachs von insgesamt Ist» Stunden.
Der Mond wechselt im April seine Phasen zu folgenden Zeiten: Erstes Viertel am 3„ um 8 Uhr 41 Min. nachmittags, Vollmond am 10., um 2 Uhr 28 Min. nachmittags, Letztes Viertel am 17-, um 8 Uhr 52 Min. vormittags, und Neumond am 25., um 12 Uhr 22 Min. nachmittags. Er befindet sich am 10. April, um 10 Uhr vormittags, in seiner Erdnähe bei einem Abstande von 56 Erdhalbmessern L 6378 Kilometer und am 23. April, um 6 Uhr nachmittags, in seiner Erdferne bei einem Abstande von 63.7 Erdhakbmefsern. — Am 29. April wird der Stern 186 des „Stiers" (Größe 4.7s vom Monde bedeckt, und zwar erfolgt dessen Eintritt um 9 Uhr 24.5 Min. nachmittags und sein Austritt um 10 Uhr 16.7 Minuten nachmittags.
Zur Beobachtung der großen Planeten find die Verhältnisse im April recht günstig. Venus, Saturn und Mars beherrschen den Abendhimmel,, Jupiter den Morgenhimmel. Merkur, der sich am 6. April, um 5 Uhr nach, mittags, in seiner Sonnenferne befindet, «bleibt für das un- bewaffnete Auge unsichtbar. — Venus ist Abendstern und
bem „neuen" Flottengesetz, das 38 Linienschiffe vorsieht, als einem „fait accompli". Dieses Gesetz ist nicht in Kraft getreten. Es handelte sich überhaupt nur um einen Vorschlag eines Abgeordneten. Der letzte Wechsel im Marineministerium scheint für die Flotte eine wenig erfreuliche Wirkung haben zu wollen. Fast sämtliche Anordnungen der früheren Leiter der Marine werden durch Mr. Monis umgestoßen. Die Großkampfschiffneubauten wurden vorläufig sistiert, da die Pläne vor den Augen des jetzigen Herrn keine Gnade fanden. An Stelle von vier Linienschiffen, wie die Flottenenthusiasten gehofft hatten, wurde ,nur ein Schiff in den Etat eingestellt. Dies eine Linienschiff wird, weil keine Einigung über die Konstruktion erzielt werden kann, voraussichtlich kaum vor Anfang des nächsten Jahres auf Stapel gelegt. So gilt das Jahr 1914 in Frankreich als ein richtiges Klottenbauseierjahr. Denn auch sonst werden keinerlei Kiele zu neuen Schiffen gestreckt. Von unseren Flottenvereinskreisen wurde verbreitet, Frankreich schaffe sich zahlreiches Kreuzermaterial. Tatsache ist, daß die französische Flotte zurzeit keinen Kreuzer, weder Panzer- noch geschützten Kreuzer, besitzt, der einigermaßen modernen Anforderungen entspricht und daß kein einziger Kreuzer gebaut, noch auch die Bausumme bisher für ihn bewilligt wurde. Es darf nicht vergessen werden, daß zurzeit die Verstärkung des Heeres alle geldlichen Mittel beansprucht. So wird verständlich, warum Mr. Monis sicb äußerster Zurückhaltung bei seinen Forderungen befleißigt.
Frankreich hat heute erst zwei Dreadnoughts frontbereit. Im Bau befinden sich 9. Einer von ihnen, der am weitesten fortgeschritten ist, „Paris", geht nahe Toulon auf der Privatwerft „Forges et Chantieres" in Sehne seiner Vollendung entgegen. Nach seinem jetzigen. Bauzustand glaube ich, daß das Schiff im April -fertig wird. Die ersten französischen Dreadnoughts/zu denen auch „Paris" gehört, sind noch mit dem nicht zeitgemäßen 30.5 Zentimeter-Kaliber armiert. Auch der Anfstellungsplan der Geschütze ist nicht cmp- fehlenswert, weil zwei der Doppeltürme sich decken. Auf den neueren im Bau befindlichen Schiffen, den Vertretern der „Languedoc"-Klafse wird das 34,3- Zentimeter-Kaliber installiert. 12 Geschütze werden in 3 Vierlingstürmen untergebracht. Zum erstenmal erscheint hier der Vierlingsturm. Es ist ein gewagtes Experiment, vier Kanonen in einen Turm zu setzen! England und Deutschland halten am Doppelturm fest!
Bezüglich des Materials nimmt die französische Flotte einen recht bescheidenen Platz, noch binter der nordamerikanischen, ein. Abgesehen von 2 fertigen Dreadnoughts (Deutschland hat 17 fertig!) sind 19 ältere Linienschiffe, unter denen sich 6 Hai b- dreadnonghts befinden, vorhanden. Das Krenzer- material verdient, wie oben gesagt, kerne Erwähnung. An Torpedobooten sind 84 (gegen 140 deutsche) fertig. Im Nnterseebootswesen ist Frankreich jetzt, namentlich was die Qualität angeht, von England überholt. Eng- land besitzt 80, Frankreich 66 und Deutschland 21 frontbereite Boote.
Ich besuchte die beiden wichtrasten Flottenstationen, Toulon und Bizerta. Ersteres fist schon durch seine Lage zu einem vorzüglichen Stützpunkt wie geschaffen.
tritt im Bilde des „Widders" allmählich als stark glänzendes Gestirn aus der Dämmerung hervor, um daun bis Mitte November den Abendhimmel zu schmücken. Ende April bleibt sie nahezu zwei Stunden lang sichtbar. Am 27. April, um 7 Uhr vormittags, hat der Mond mit Venus Konjunktion, am vorangehenden Abend steht die ferne Sichel noch nordwestlich, am folgenden Abend schon nordöstlich von dem Planeten. —Mars sieht man zunächst noch im Bilde der „Zwillinge", mit dessen «beiden Hanptsternen (Castor und Pollux) er immer noch ein sehr auffalllges Dreieck bildet, später im Bilde des „Krebses", anfänglich um 6i/ 2 ; , zuletzt schon um 51/2 Uhr abends hoch im Meridian , C r geht aber fortgesetzt früher unter. Am 4. April, um 4 Uhr vormittags, hat "der Mond mit Mars Konjunktion; der Mond bleibt dabei 2° nördlich. — Jupiter erscheint im Bilde des „Steinbocks" am Monatsanfang am frühen Morgenhimmel, zuerst gegen 41 / 2 , zuletzt bereits gegen Ahr. Seine Entfernung von der Erde nimmt ab, sein scheinbarer Durchmesser dementsprechend zu; schon ein kleines Fernrohr zeigt daher -die mächtige Scheibe mit ihren Flecken und Streifen sowie die vier großen Monde. Am 19. Aprrl, gm 1 Uhr vormittags (nachts) kommt der Mond mit Jupiter in Konjunktion, «bei der der Mond 1° 50' nördlich bleibt; nach Aufgang der-Gestirne sieht man feine Sichel schon ein wenig nach Osten fortgerückt. — Saturn steht als Heller Stern im Bilde des „Stiers" bei Eintritt der Dunkelheit noch recht hoch am westlichen Himmel, er kulminiert anfänglich um 444, ßm Monats- schlusse schon gegen 2% Uhr nachmittags, geht dann also schon gegen 11 Uhr abends unter. Immerhin sind die Bedingungen für die Beobachtung des Saturn im April noch recht günstig. Sein weitgeöffneies Ringsystem zeigt uns seine Südseite. Am
Ob die Armierung der Forts jedoch heutigen Anforderungen genügt, möchte ich bezweifeln. In Bizerta ist man beschäftigt, die Festungsbauten ebenso wie die Werftanlagen zu fördern. Einige Docks für Dreadnoughts sind im Bau.
Eine große Sorge für die Marine bildet der Ma n n s ch a ft s e r s a tz. Es fehlt an Offizieren, Matrosen und Heizern. Die Besatzungen der Schiffe sind auf das äußerste eingeschränkt. Die Linienschiffe hüben nur etwa die halbe Zahl der Offiziere an Bord, die bei uns üblich ist. Um dem Mangel an Matrosen abzuhelfen, sollen nun L a n d s 0 1 d a t e n zur Einstellung gelangen. Und als Heizer hat man sogar Schwarze in Aussicht genommen.
Das Gesamtbild, das man von der französischen Flotte gewinnt, ist geeignet, den Pessimismus, der vielfach in den Marinekreisen herrscht, verstehen zu lernen. Der Grund, warum die Flotte stillsteht? Es fehlt die systematische, z i e l b e w u ß t e A r b e i t, es fehlt die f e st e Hand, die für lange Zeit die Geschicke der Marine leitet. Vaterlandsliebe und Tapferkeit, die das französische Flottenpersonal in hohem Grad besitzt, allein genügen nicht, um die Seerüstung erstarken zu lassen. — Wenn nun also augenblicklich Stagnation bei der Flotte der Republik festzustellen ist, so sollen wir sie deshalb doch durchaus nicht als quantitö n^gligeable einschätzen. Das wäre falsche Überhebung. Jedoch von ihrem bedrohlichen Wachstum zu sprechen, ist ebenso verkehrt.
Oie Politik btt Woche.
Die Sammlnngsparole ertönt wieder im Lande, und man sucht sie mit mehr oder minder Erfolg in die Tat umzusetzen. Soweit diese Losung sich auf die Sammlung der Parteien bezieht, will sie nirgends rechten Anklang finden, denn die Gegensätze sind zu stark, um durch papierne Beschlüsse überbrückt zu werden. Aber auch innerhalb der Parteien wird gesammelt. Die zersplitterten Fähnlein der antisemitischen Gruppen haben sich in einen Rahmen zusammengeschlossen, von dem man nicht weiß, ob er die auseinanderstrebenden, politisch heterogenen Bestandteile zusammenzuhalten vermag. ' Auch auf der Tagung des Zentralvorstandes der n a t i 0 n a l l i b e r a 1 e n Partei ist jetzt die Losung zu festerem Zusammenschluß ergangen, ist an den linken jungliberalen wie an den rechten altnationalliberalen Flügel die Aufforderung gerichtet worden, unverzüglich die Auflösung der Verbände herbeizuführen. Es ist bekannt, daß dieser Beschluß mit allen gegen die Stimmen der Jungliberalen gefaßt wurde, und diese haben sich denn auch bisher geweigert, dem Beschluß des Zentralvorstandes nachzu- kommen, so daß man sich im weiteren Verlauf dieser Sammlungsaktion noch auf scharfe Auseinandersetzungen gefaßt machen darf.
Ebenso wie im deutschen Reichs t-a g, wo bei feinem Wiederznsammentritt nach den Osterferien vor allem die Entscheidung, über die Besoldungsnovelle fallen wird. Das Parlament ist den Forderungen der Beamten wesentlich weiter entgegengekommen als die sparsame Finanzverwaltung und hat eine erhebliche An-
1. April, um 1 Uhr nachmittags, und am 28./29. April, um 12 UIhr mitternachts, hat der Mond mit Saturn Konjunktion, doch bleibt der Mond jedesmal gegen 6V„ Grade nördlich von dem Planeten. — Uranus weilt im Bilde des „Steinbocks" am frühen Morgenhimmel und kulminiert anfänglich um 814, zuletzt gegen 6y 2; Uhr vormittags, ist aber wegen seines tiefen Standes auch für Fernrohre ungünstig zu beobachten, wogegen der ihm nahe Jupiter wegen ferner bedeutenden Helligkeit schon kräftig hervortritt. — Neptun befindet sich im Bilde der „Zwillinge" abends noch hoch im Südwesten, er kulminiert am MonatSanfang gegen 7%, am Monatsschluffe um 514 Uhr nachmittags.
An Sternschnuppen ist der April sehr reich, die Erde kreuzt neben mehreren anderen zwei besonders dichte Meteorströme: den ersten am 12. und 13., den zweiten vom 19. bis 23. April. Der Ausstrahluntzspun-kt liegt bei dem ersten 'schwärm südlich vom Sterne Beta, beim zweiten bei dem Sterne Alpha („Wega") der „Leier", doch kommen Meteore vom 19. bis 23. April auch aus vielen anderen Richtungen. Das ; Sternbild der „Leier", nach dem der letzte Schauer den Namen „Lyriden" trägt, findet man abends tief im Nordoften.
Zu Beobachtungen am F i xft e r nh i m m e I eignen sich wegen des Mondlichtes besonders die Abende und Nächte der zweiten Monatshälfte, etwa vom 12. April bis gegen Ende. Mit Einschluß der Dämmerungen nimmt die Tugeshelligkeit Mitte des Monats schon 15p^ Stunden ein, für dre wirkliche Nachtdunkelheit verMeiben daher um diese Zeit nur noch 8 y% Stunden. Zudem fit auch die Drehung der Himmelskugel so weit fortgeschritten, daß von der Pracht der winterlichen Konstellation nicht viel mehr zu sehen ist. Der „Orion" grüßt
