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'i NMtrvoch. 1 . Kpril 1914 .

Kbenö-Kusgabe.

Nr. 134 . » 62 . Jahrgang.

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Deutschland, Rußland, Zrankreich.

Der Pariser „Gaulois" ist keine lautere Quelle. Wer sich über -die Zustände in Frankreich unterrichten will, wird dies Blatt immer nur mit Vorbehalt lesen. Der „Gaulois" ist bonapartistisch, aber ein Feind der Republik, und er greift sie, wie es ja sein gutes Recht ist, mit den schärfften Waffen an. Wenn dieses Blatt Nun in einem vom offiziösen deutschen Telegraphcn- bureau verbreiteten Artikel die Bedenken sowohl von Russen wie von Engländern in hohen Stellungen über die beklagenswßrten jetzigen Verhältnisse in Frankreich dnedergibt, so mllsse.id-.wir immer eingedenk sein, idatz Parteirllcks i.dH e n dabei die Feder geführt haben. Aber darknn b-leibt es doch von Interesse und auch von Wert, was der „Gaulois" über die in Petersburg und London herrschenden Stimmungen und Verstimmungen Mitzuteilen weiß, und dies Interesse erhöht sich noch durch die immerhin bemerkenswerte Tatsache, daß das „Wölfische Bureau" den betreffenden Artikel für wür­dig gehalten hat, deutschen Lesern bekanntgegeben zu tverden. Ziehen wir also nur immer, und zwar reich­lich, ab, was darin ans Rechnung des Hasses gegen die Republik kommt, so wird es doch wohl richtig sein, daß an der N e w a Enttäuschung über die Vorgänge in der Republik herrscht und daß diese Enttäuschung um so großer ist, je mehr man glaubte, daß das „Dreijahrs­gesetz" ein erfreuliches Anzeichen für die Wieder- erstarkung des nationalen Geistes in Frankreich sein niüsse. Man hat bis vor kurzem die amtlichen An­gaben über die ungeheure Krankenziffer im französi­schen Heere gelesen. Es konnte nicht die Sache deutscher Blätter sein, überflüssigerweise Kommentare an diese seltsamen Zahlen zu knüpfen, die sich ja auch hinläng­lich selber zur Genüge erklären. Man wird diese Zahlen auch in Petersburg gelesen haben, und selbst wenn in der Republik keine inneren Kämpfe drohten, würde schon der Zustand der Armee Bedenken Hervorrufen müssen. Betrachtet man es recht, so steckt in den Peters­burger , Unterhaltungen, über die der „Gaulois" berich­tet, sogar inanches noch, Was dies Blatt trotz seiner Wut auf die Republik aus nationalen Gründen zu über­gehen oder nur anzudeuten vorzog. Das „hervorragende Mitglied der französischen Kolonie in Petersburg" ist vermutlich der Botschafter selber oder doch cm Mitglied der Botschaft. Wenn diese Persönlichkeit nun darauf hinwies, daß rnssischerseits Deutschland gegenüber eine Sprache geführt worden sei, die man ^nicht mehr ge­wohnt war, und wenn dieselbe Persönlichkeit üurch- blicken läßt, wie groß die Enttäuschung über die fran­zösischen Vorgänge setzt sei, so ist der Zusammen­hang klar: jene Sprache wurde nur gewagt, weil Frankreich sür bereit, wohl gar sür „e r z b e r e i t" gehalten wurde, und sie wird heute nicht mehr gewagt, weil diese Auffassung hinfällig geworden ist. Wie es damit auch sieben mag, jedenfalls paßt zu der Dar­stellung im „Gaulois" nicht übel die Beflissenheit, mit der neuerdings von der Newa her versichert wird, daß es doch keinen denkenden Menschen gebe, der nicht fried­lich gesinnt sei. Von der höchsten Stelle augefansten bis in die breiten Schichten der russischen Gesellschaft

Feuilleton.

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Königliche Schauspiele.

Dienstag, den 31. März: „Zierpuppen." Oper in 1 Akt von A. Goetzl. — „Versiegelt." Oper in 1 Akt von Leo B l e ch.

Nach den ernsten Eindrücken des Wagnerschen „Parsifal" durfte sich daZ Publikum gestern einmal wieder an leichterer Kost delektieren. Mit der „musikalischen Komödie": „3 i e r 3 vuppen", Text nach Molitzre von Rich. Battka, Musik von Anselm Goetzl — einem Grazer Komponisten — kommt unser Hoftheater allerdings erst wieder zu einer Zeit, wo das Merk­chen vom Repertoire anderer Bühnen bereits wieder ver­schwunden ist. Eine Weile lang hatten die „Zierpuppen" aber in der Tat allenthalben freundliche Aufnahme gefunden. Und sie verdienen das um der leichtflüssigen, melodiösen Musik willen, wie auch wegen des harmlosen, dabei recht geschickt Iugestutzten Librettos. Molitzres „Des prsoisuses riäionlss^ hat als Textvorlage gedient. Die „lächerlichen Preziosen" sind dort zwei einfältige Frauenzimmer, die, von einem ge­wissen hochtrabenden schwülstigen Stil in der Literatur ange- steckt, sich in gleicher Weise des Ausdrucks und Benehmens gefallen und durch allerlei witzige Verwicklungen lächerlich ge­wacht werden. Die Battkaschen „Preziosen" sind mehr nur kleinen romantischen Launen unterworfen und werden von ihrer Verschrobenheit noch rechtzeitig kuriert. Für die heiteren Verwicklungen sorgen hier wie dort die beiden Freier der jungen Damen und die beiden Bedienten dieser Freier, die sich als Edelleute ausgeben müssen und die „Preziosen" in höchste Verwirrung bringen.

hinein, beschäftigt sich angeblich jeder'nur mit den Auf­gaben der inneren Politik, und über nichts sind unsere östlichen Nachbarn verwunderter, so erklären sie laut und lassen es in allen möglichen, airch Deutsch geschriebe­nen Blättern erklären, als über die vermeintlich bei uns in Deutschland herrschenden Mißv er­st ä n b n i s s e, mit denen wir geglaubt haben sollen oder noch glauben, daß von Rußland her Kriegsgefahren drohen. Brauchte diese Gefahr nicht unser Entsetzen zu erregen (denn wir können auf unsere Stärke ver­trauen), so werden uns, die gegenwärtigen, etwas dilettantischen Übungen auf der Frieden s- schalmei andererseits nicht in die Region sanfter Gefühle versetzen. Immerhin könnte es wohl sein, daß plötzlich Erkenntnisse die russischen Anschauungen heilsam verändert haben, und wenn der „Gaulois" von diesen Wandlungen ein wenig den Schleier wegzieht, so werden wir zwar auch gegen ihn und die hinter ihm stehenden Parteftendenzen ein nützliches Mißtrauen be­wahren müssen, aber beachten kann man schon, was das Blatt zu erzählen weiß.

Deutsches Reich«

* Hof- und Personal-Nachrichten. Der Geheime Ocher - baurat und Vortragende Rat im RelMmmrineamt Georg Fritz ist am Samstag nach lanaem schweren Leiden gestorben. Er gehörte seit 1881 der deutschen Marine an und war seit über 10 Jahren Vortragender Rat tm Reichsmarineamt.

* Zum Rücktritt des handelspolitischen Leiters des Aus­wärtigen Amtes. Die „Nordd. Allg. Zig." widmet dem Direktor der handelspolitischen Abteilung des Auswärtigen Amtes, Wirk!. Geh. Rat Körner, der am 1. April aus seinem Amt scheidet, einen Artikel, an dessen Schluß es heißt: Bei seinem Eintritt in den Ruhestand wird Exzellenz von Körner, der nach seinem eigenen Wunsche sich aus der amt­lichen Tätigkeit zurückzieht, von vielen Sympathien begleitet, die er sich während seiner langen, arbeitsreichen Laufbahn erworben hat. Im Auswärtigen Amt, besonders in der han­delspolitischen Abteilung, bleibt ihm ein ehrenvolles Andenken bewahrt. — Der Kaiser hat Exz. v. Körner bei seinem Scheiden aus dem Amte durch die Verleihung der König!. Krone zum Roten Adlerorden 1. Klasse ausgezeichnet.

* Ein Fackclzug für den Statthalter Graf von Wedel. Wie aus Straßburg berichtet wird, findet die von den dortigen Vereinen und Korporationen im. großen Stil geplante Ehrung für den Grafen und die Gräfin v. Wedel in Form eines impo­santen Fackelzuges nunmehr bestimmt am Sonntag, den 19. April, statt.

* Amerika nnd die deutsche Petroleummonopol-Borlage. Zu der Washingtoner Meldung über die dem Berliner ameri­kanischen Botschafter erteilte Weisung, betreffend die deutsche Petroleummonopol-Borlage, wird in einem Berliner Tele­gramm der „Köln. Ztg." bestätigt, daß der amerikanische Botschafter vor einigen Tagen beim Auswärtigen Amt einen Schritt in Sachen des Petroleummonopol-Gesetzentwurfes ge­tan hat. Der Botschafter hat sich darauf beschränkt, um Auskunft über gewisse Bestimmungen des Gesetzentwurfes zu bitten. Ein Einspruch ist nicht erhoben worden.

* Eine Änderung in den Besitzvcrhältnissen Breslauer Zeitungen. Ein Telegraphen-Bureau meldet, daß die „Bres­lauer Zeitung" in den Besitz ihres Chefredakteurs Dr. O e h l k e übergeht und die „Breslauer Morgenzeitung", die gleichfalls im Verlage der Erben von Jon Lehmann erscheint,

Die Musik von A. Goetzl, die nicht gerade sehr modern anmutet, ist im Grunde etwas stillos. Zuweilen streift sie — wie besonders in den ersten Szenen — bedenklich das Ge­biet der Operette; daneben lugt auch — wie in dem Lied des Prcziosen-Vaters „Die Welt ist wirklich wunderlich" — der selige Lortzing unverhohlen hervor. Das Rokoko-Milieu ist durch die älteren Tanzweisen hier und da nicht übel charak­terisiert. Am flottesten rinnt die Musik rn der großen Szene, allwo die beiden Bedienten ihr übertrieben gespreiztes Wesen treiben: diese Szene mit ihrem ironisierenden Pathos, an dem auch das Orchester seinen zukömmlichen Anteil nimmt, ent­schied auch den Erfolg des Werkchens.

Gespielt und gesungen wurde allerseits mit Lust und Be­hagen. Herr Eckard sang das obengenannte Lied (von dem am besten ein Vers „gestrichen" werden sollte) recht charakte­ristisch als gemütlicher, schon etwas wackliger Alter. Die beiden Zierpuppen waren: Frau Hau s-Z o e p f f e h die ihre Auf­gabe mit heitrer Anmut und Koketterie zu beleben wußte, und Frau Krämer, die, anfänglich etwas kühl, sich bald eben­falls erwärmte; das kleine Zankduett der beiden Preziöfen ward mit zu einer Glanznummer. Der Freier Pitou wurde von Herrn Scherer sympathisch gespielt und gesungen: seine Glanznummer war das sentimentalisch gefärbte Lied „An der Tür in unserm Garten". Eine angenehme Bekannt­schaft vermittelte die Partie des Freiers Duval, die Herr B r e s s e r gab: stattliche Erscheinung, verständiges Spiel, und eine hübsche, weiche Baritonstimme, die von guter Kultur zeugt, halfen dem jungen Sänger zum Erfolg. Daß die Hauptszene der beiden Bedienten so sicher einschlug, war nicht zum wenigsten auch den beiden Darstellern zu danken: Herr v. S ch e n ck als poetisierender Schöngeist, und Herr Lichten­stein als renommierender Kriegsheld schufen zwei prächtige

von dem bisherigen Redakteur der. „Breslauer Zeitung", Dr. Hermann H am b u r g e r, übernommen wird. — In dieser Form ist die Nachricht der „Voss. Ztg." zufolge nicht zu­treffend. Vielmehr werden im Auftrag der Erben von Jon Lehmann Dr. Oehlke für die „Breslauer Zeitung" und Dr. Hamburger für die „Breslauer Morgenzeitung" die Gesamt­leitung provisorisch mit dem 1. April übernehmen.

* Ein neuer Fall „Psljakow". Der russische Ingenieur Popow, der von dem russischen Verkshrsministerium damit de- auftragt worden war, flachgehende Schiffe zu kaufen, und der belgische Konsul in Ritau, Heidemann, fielen in einem Lokal zu Brieg auf, wo sie Russisch sprachen und viel russisches Geld zeigten. In der Annahme, daß sie Spione seien, zeigte sie ein Einwohner dem Polizeiinspektor an, der die Fremden nach seinem Bureau bat. Dort konnte sich der Ingenieur auSweisen, der Konsul nicht. Die Herren wurden darauf ge­beten, auf dem Polizeibureau zu bleiben bis zur Einziehung telegraphischer Erkundigungen. Dann wurden sie entlassen.

* Wieder ein Offizier beschimpft? Auf der Straße von Reconville nach Dorze (Lothringen) wurde, wie die „Rh.-Wests. Ztg." berichtet, ein Hauptmann eines Metzer Regiments von mehreren Schulkindern und halbwüchsigen Burschen beschimpft und mit Schmutz und Steinen beworfen.

* Eine kaiserliche Spende für das Kieler Studentenheim. Der Kaiser spendete aus seiner Privatschatulle 18 009 M. zur inneren Ausschmückung des am Kieler Kriegshafenufer idyllisch gelegenen Studentenheims „Seeburg".

* Hunderttausend Mark für die Westfälische Krebs- und Lupusstiftnng. Herr Emil Kronenberg in Bochum, Direktor des rheinisch-westfälischen Zementsyndikats, hat der Samm­lung für die Krebs- und Lupusstiftung in Münster 190 000 Mark überwiesen und auch sür künftig weitere Unterstützung in Aussicht gestellt; es ist dies die größte Einzelgabe aus West­falen, die zu der Krebs- und Lupusstiftung erfolgt ist.

* Ein Sprachenerlaß in der Nordmark. In der Nord­mark wird jetzt, 80 Jahre nach der Vereinigung mit Preußen- Deutschland, gründlich mit der Verwendung der dänischen Sprache im amtlichen Verkehr aufgeräumt. Die Landräte der Kreise Hadersleb-en und Tondern wiesen die Gemeinde­vorsteher an, sich im schriftlichen Verkehr ausschließlich der deutschen Sprache zu bedienen.

* Der „Vorwärts" begeht heute seinen 30. Geburtstag.

In dem üblichen Geschmack beglückwünscht er sich selber mit Begeisterung und den Heineschen Versen: „Marschiere trom­

melnd immer voran; das ist die ganze Wissenschaft!"

* Übernahme einer Domäne durch die Ansiedelungskom­mission. Die Domäne Syhillenhöhe, 300 Morgen groß, ist an die Ansiedelungskommission zur Besiedlung abgetreten worden.

Ein Nachtragsetat für das Rechnungsjahr 1913 ist dem A b g e o r d n e t e n h a u s e zugegangen. Der Nachtragsetat ersucht den Landtag um die Ermächtigung, die Grundstücke Königgrätzer Straße - Ecke Prinz Albrechtstraße und das Grundstück der Militärkasse in der Königgrätzer Straße in Berlin durch den preußischen Fiskus vom Militärfiskus an- zukausen. Bekanntlich hat der Reichstag den Grundstücks­austausch bereits genehmigt. Auf diesen Grundstücken soll später der Neubau des Finanzministeriums errichtet werden. Ein Teil des Grundstücks soll dazu dienen, dem Abgeordneten- hause einen Garten zu verschaffen.

Wichtige Beschlüsse der sächsischen Zweiten Kammer. Die sächsische Zweite Kammer erklärte sich mit 64 gegen 21 Stim­men mit der Verlegung der Tierärztlichen Hochschule von

Typen; gewisse Übertreibungen in Spiel und Stimme, an denen es nicht fehlte, mußten hier als notwendiger Requisit fast angebracht erscheinen. Das Publikum geriet in heiterste Stiminung.

In neuer Einstudierung folgte die komische Oper Ver­siegelt" von L Blech. Auch dies Libretto, frei nach Raupach, und ebenso harwlos wie das der vorgenannten Oper, ist von Rich. Battka. ^.er Herr Bürgermeister hat mit der hübschen jungen Witwe ein Stelldichein, das durch den pfändenden Ge- richtsdrener unlrecham gestört wird. Das gestrenge Stadt­oberhaupt versteckt sich in einen Schrank und wird auf diese Weise versiegelt. Allerlei lustige Foppereien machen bie anspruchslose Saaze ganz unterhaltsam. Die Musik — wie das so moderne Art ist — schießt mit Kanonen nach Spatzen. Die „Meistersinger spuken gewaltig darin vor. Die Partitur ist aber ein kleines artistisches Wunderwerk: im Orchester kichert und lacht und neckt und witzelt es ohne Unterlaß, — ein Sprühfeuer von humoristischen Effekten und Effektchsen, dem man sich gern gefangen gibt. Wie in den „Zierpuppen" das galante Rokoko des 17. Jahrhunderts, so hat in „Ver­siegelt" ^ das behagliche Biedermeier-Milieu seinen Teil am freundlichen szenischen Eindruck. Aus der früheren Besetzung war noch der „Bürgermeister" des Herrn G e i s s e - W i n k^ l in wohlgepflegter gravitätischer Haltung mit einem vollen Anhauch warmherzigen Empfindens in bester Erinnerung. Nicht minder Frau H a n s - Z o e p f f e l, die mit der Gestalt der „lustigen Witwe" ein Meisterstück an reizender Schelmerei und spitzbübischem Humor darbot. Frau Schröder- Kamin tz k y brachte für die ältere „Witwe Willmers" gute Laune mit. Neu besetzt waren die Rollen des jungen Liebes­paares: das „Ratsmädel Else" gab Frau Krämer recht an- mutig und in der karikierenden Liebesszene besonders sriM