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Sette ». Morge«'A«SgaSe, 1. Matt

rafft ab versetzt. Ein deutlicher Fingerzeig, daß die kleine Garnison zu geringe Fortkommensmöglichkeiten selbst für Len strebsamsten Leutnant bietet, das geflügelte Wort der Armee: „Seine Zukunft baut sich der Off^ier in der ersten Leutnants­zeit" im anregungslasen Standort nur von ganz besonders stark veranlagten Charakteren in die Tat übersetzt werden kann.

Entlassung der Reservisten und Einstellung der Rekruten 1914. Der späteste E n t l a s s u n g s t a g ist der 30. Sep­tember. Das Nähere bestimmen die Generalkommandos. Bei den an den Manövern teilnehmenden Truppenteilen findet die Entlassung in der Regel am zweiten, ausnahmsweise am ersten oder dritten Tage nach deren Beendigung oder nach dem Eintreffen in den Standorten statt. Abweichungen können das Kriegsministerium und bezüglich einzelner Mann­schaften die Generalkommandos verfügen. Die Mannschaften des Trains und der Bezirkskommandos, die Ökonomiehand- werker und die Militärkrankenwärter sind am 30. September zu entlassen. — Die Einstellung zum Dienst mit der Waffe erfolgt nach Anordnung der Generalkommandos bei der Kavallerie, der reitenden Feldartillerie, den Bespannungs- abteilnngen der Fußartillerie und des Luftschifferbataillons, beim Train sowie für die als Fahrer bestimmten Rekruten der Maschinengewehrkompagnien, der Festungs- und der Maschinengewehrabteilungen, der Scheinwerferzüge sowie der Telegraphenbataillone möglichst bald nach dem 1. Oktober, jedoch grundsätzlich erst nach dem Wiedereintreffen von den Manövern in den Standorten. Die Rekruten für die Fuß- artillerieregimenter und die Bezirkskommandos und Unter­offizierschulen sowie die als Ökonomiehandwerker' und Mili- tärkrankenwärter Ausgehobenen sind am 1. Oktober, die aller übrigen Truppenteile nach Anordnung der Generalkomman­dos in der Zeit vom 14. bis einschließlich 18. Oktober einzu­stellen. — Freiwillige, denen der Aufnahmeschern erteilt wird, müssen bei der nächsten Rekruteneinstellung eingestellt werden. Zum Dienste ohne Waffe dürfen Mehrjährig-Freiwillige nicht eingestellt werden. Es wird besonders Wert darauf gelegt, daß Mannschaften, bei denen Dienstuntauglichkeit festgestellt ist, nicht länger als unbedingt erforderlich im Dienst zurück­behalten und mittels eines beschleunigten Verfahrens vom Generalkommando entlassen werden.

Die Hochseeflotte. Nach den Bestimmungen der letzten Novelle des Flottengesehes war die Bildung eines dritten LinienlschißfS-GeschwaderS angeordnet worden. Das Ge­schwader soll allmählich weiter ausgebaut werden, so daß in einigen Jahren drei vollständige Linienschiffs-Ge­schwader vorhanden sind. Bisher verfügt die Hochseeflotte außer den beiden vollzähligen Linienschiffs-Geschwadern über fünf Tuvbinen-Linienschiffe, die das dritte Geschwader bil­den. Zu diesen sollen nun im Hochsommer bezw. im Herbst drei weitere TuLbinen-Linienschiffe treten, und zwar „König", „Großer Kurfürst" und „Markgraf". Me drei sind im vorigen Jahr vom Stapel gelaufen und nähern sich dem letzten Abschnitt der Dauarbeiten. Um die für die Indienststellung der drei Trrrbinen-Linienschiffe erforderlichen Stäbe und Be­satzungen zu gewinnen, werden die drei ältesten Linienschiffe der Hochseeflotte „Hessen", „Preutzein" und „Lothringen" außer Dienst gestellt refp. einstweilen mit vermin,derter Be­satzung unter der Flagge behalten. Nach dem Ausscheiden der „Preußen"-Klasse werden in der Hochseeflotte nur noch fünf alte Linienschiffe vertreten sein, die nicht dem Typ der Groß-Linienschiffe angehören.

post und Eisenbahn.

EPA. Die Fernsprechleitnng Berlin-Frankfurt a. M>- Mailand wird am 1. April dem Verkehr übergeben werden. Die Leitung ist 1350 Kilometer lang und führt durch den Simplontunnel. Um auf diese große Entfernung eine gute Sprechverständigung zu gewährleisten, ist die Leitung aus 4,5 Millimeter starkem Hartkupferdraht hergestellt und mit Pupinspulen ausgerüstet, die alle 10 Kilometer au den Ge­stängen befestigt sind. Bie längere Sprechversuche ergeben haben, ist die Übermittelung der Sprache sehr deutlich. Die sorgfältigen technischen Berechnungen und Vorbereitungen, die dem Bau der Leitung vorausgegangen sind, haben wesent­lich zu diesem guten Ergebnis beigetragen. Die Gebühr für ein gewöhnliches Dreiminutengespräch Berlin-Mailand be­trägt 4 M., für ein Gespräch zwischen Frankfurt a. M. und Mailand 3 M. Dringende Gespräche find gegen die dreifache Gebühr zulässig. Für Gespräche in der Nacht werden er­mäßigte Gebühren erhoben, und zwar bei Einzelverbindungen drei Fünftel der vollen Taxe, bei Monatsabonncments die Hälfte. Hoffentlich wird das neue Verkehrsmittel sich einer recht lebhaften Benutzung erfreuen und dazu beitragen, die Beziehungen zwischen Deutschland und Italien zu erleichtern und zu fördern.

wie ein Fetzen zu der Augenhöhle heraushiug. Ein^ Kamerad schnitt ihm auf seine Bitte mit der Schere die leblose unnütze Masse ab, er band sich ein Tuch über die Wunde und kam so in die belagerte Festung zurück.

Am folgenden Tage wurde ein neuer Ausfall von serten der Belagerten gemacht, von dessen Teilnahme sich der Ober­leutnant nicht zurückhalten ließ. Mit einer schwarzen Binde um das Auge kämpfte er tapfer, indessen fiel auch dieser Kampf nicht günstig für die Türken aus. Sv wurde dann am nächsten Tage von neüem 'das Glück versucht. Seiner Truppe voraus stürmte der Oberleutnant F . . . mit ^ver­bissener Wut gegen den Feind. Da fühlte er plötzlich seine Sinne schwinden. Zwei Schüsse hatten seinen linken Arm ge­troffen. Der große Blutverlust warf ihn zu Boden. Er wurde nach Adrianopel zurückgebracht, wo er blieb, bis die Festung fiel. i '

Auf Verwendung einflußreicher Deutscher gestattete man ihm, sich Sstr weiteren Behandlung nach Wiesbaden zu be­geben, wo ihm ein schönes, neues, blaues künstliches Auge eingesetzt wurde,mit dem er gern seinen Scherz treibt, indem er es in alle möglichen, dem gesunden entgegengesetzten Stel­lungen bringt. . Seinem Baterlande hat er sich schon seit längerer Zeit wieder zur Verfügung gestellt, das den tapferen Krieger auch mit einem künstlichen Auge sicher gut verwen­den kann.

3.

Zerstörtes Glück.

Wir machen uns im allgemeinen ein vollständig falsches Bild von dem Ehe- und Familienleben bei den Türken. Wir sind durch alle möglichen Märchen und Erzählungen daran ge. wöhnt worden, in der türkischen Frau ein Wesen zu er­blicken, das die Gunst des Gatten, des Herrn, mit einer ganzen Anzahl anderer desselben Geschlechts teilt und keiner­lei Einfluß auf den Herrn Gemahl ausübt.

EPA. Im überseeischen Geschäftsverkehr ist mehr und mehr daS Bedürfnis hervorgetreten, am Ende der Woche zu­sammenfassende telegraphische Berichte austauschen zu können. Um diesem Bedürfnis Rechnung zu tragen, werden vom 1. April ab, zunächst im Verkehr mit Togo, Kamerun, Deutsch- Südweftafrika, den Bereinigten Staaten von Amerika, Kanada, Argentinien, Chile und Peru Wochenendtelegramme eingcführt, die auf den Seekabeln usw. von Samstagmitter- nacht ab nach Erledigung des übrigen Verkehrs befördert und .am Dienstag oder Montag bestellt werden und eine wesent­liche Gebührenermäßigung — bis zu einem Viertel der vollen Gebühr — genießen. Wochenendtelegramme nach den Ver­einigten Staaten von Amerika und nach Kanada können von New Uork oder Montreal ab nach Wahl des Absenders ent­weder mit der Post oder telegraphisch weiterbefördert werden. Für die Weitersendung als Brief wird keine besondere Ge­bühr erhoben; für diö telegraphische Weiterbeförderung in Nordamerika werden der Worttaxe nach der Entfernung abge­stufte Beträge von 10 Bis 30 Pf. zugeschlageu. Nähere Aus­kunft erteilen die Telegraphenanstalten. In den übrigen Ländern werden die Telegramme bis zum Bestimmungsorte durchweg telegraphisch befördert. Die Wochenendtelegramme können im Laufe der Woche bei jeder Telegraphenanstalt auf- geliefert werden und müssen bis Samstagmitternacht beim Telegraphenamt in Emden zur Weitergabe über die Seekabel vorliegen. Ihre Bestellung erfolgt in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Kanada nicht vor Montag, in den übrigen Ländern nicht vor Dienstagfrüh. Wegen der Ausdehnung des neuen Dienstes auf weitere überseeische Länder. sind Ver- handlunqen im Gange. Auch wird erwartet, daß die in bezug auf die Mindestwortzahl und die Bestellung noch bestehenden Unterschiede sich allmählich werden ausgleichen lassen.

Deutsche Schutzgebiete.

Berlin-Duala in IS Tagen. Unter der Überschrift „Ber- lin-Neapel-Tripolis-Duala (Kamerun)" veröffentlicht die „Deutsche Zeitung" folgendes Zukunftsbild, dem man eine ge­wisse Berechtigung nicht wird absprechen können: „Nach Mel­

dungen aus Tripolis sind tue Italiener bis Mursuk vorge­drungen; aber eine wirkliche Beherrschung ihrer Kolonien m Nordafrika können sie nur durch den Dahnbau erreichen, und früher oder später wird sich einmal ein Schienenstrang don Tripolis aus bis Mursuk vorschieben. Die Entfernung zwischen beiden Orten entspricht der Entfernung Daresfalam- Tabora, und ein B-Hnibau in Tmpolis stellt rn finanzieller und technischer Hinsicht sicher nicht höhere Anforderungen . als ein Bahnbau in Deutsch-Ostafrika. Die Finanzen Italiens sind ohne Zweifel gesund; das Königreich befindet sich m schnellem Aufstieg; vielleicht ist nach zehn Jahren eine Ersen- b-chn don Tripolis nach Mursuk bereits fertig. Ein solcher Verkehrsweg würde große Umwälzungen im Sudanhandel Hervorrufen und sich bis zum Tschadsee hin bemerkbar machen. Noch bis heute kommen von Tripolis ausgehende Waren am Tschadsee an, dringen nach Nordkamerun und Nordnigerieri vor; Tripolitaner kommen sogar bis Dahomey und Togo. Dieser von Norden kommende Handel wird durch eine Bahn Tripolis-Mursuk einen starken Antrieb bekommen. Ihm werden Kamerun und Nrgerien durch Bahnen nach dem Tschadsee «ntgegenwirken; aber auch Italien kann Mer Mur- fuk hinaus bis zur Südgrenze seiner Kolonie nach Dümmo oder War Vorstößen. Di« Gesamtstrecke bis dahin von Tripo­lis aus feitägt nicht über 1250 Kilometer; ebensoviel ist's von War nach dem Tschadsee. Sind wir erst einmal so weit, daß eine englische Bahn von Lagos und eine deutsche von Tuala nach dem Tschrdsee geht und eine italienische von Tripolis nach War, und dahin kommen wir in den nächsten 10 bis 12 Jahren sicher, dann kommt eine Verbindung zwischen der italienischen und der deutschen und englischen Bahn schließlich von selber; zwanzig Jahre später gibt es wohl einen Expreß Tripolis-Lagos und TripoliS-Duala, und man wird dann von Berlin über Neapel und Tripolis in 9 bis 10 Tagen nach Duala fahren. Da wir eine Bahn Duala-Bertua-Tschad mit Abzweigung von Bertua nach Sing« am Manyi bauen wollen, kann man dann auch in 10 bis 11 Tagen am Ubangi sein, und in 12 Tagen am Kongo; denn es ist zweifellos, daß zu dieser Zeit eine deutsche Linie Duala-Bertua-Ubangi eine Verlängerung bis zum Kongo bekommen wird. Mit einem Bahnbau der Italiener in Tripolis bekommt die Frage des Dchnellverkehrs nach West- und Zentralafrika ein ganz neues Gesicht; Neapel, das für den Verkehr nach Ostafrika heute schon hohe Bedeutung hat, wird für Afrika von größter Wich-

ngien.

Eingeborene Pflegerinnen und Hebannnen. DaS März­heft der „Kolonialen Rundschau" enthält eine Eingabe der Deutschen Gesellschaft für Eingeborenenschutz an den Reichs- tag, in der die Ausbildung von eingeborenen

In Wirklichkeit liegt die Sache ganz anders.

Richtig ist, daß die türkische Frau sich niemals vor frem­den Männern zeigt, wenn sie nicht verschleiert ist, daß sie ihr Leben im Haufe verbringt und mcht in der Öffentlichkeit, so daß der junge Türk^ außer der eigenen Mutter und den Schwestern keine weiblichen Wesen, _ wenigstens keine türki­schen, kennen lernt. Die Vielwerberer ist zwar gestattet, wird aber kaum mehr ausgeübt. Der Mann und die Kinder ehren und achten die Hausfrau und in den meisten Fällen, gerade wie bei uns, hat sie die Hosen an.

Gerne unterwirft sich der Gatte ihren Wünschen, die ja stur die häuslichen Veühältnisse betreffen können, da die türkische Frau sich um Außendmge niemals kümmert, aber zu Haufe ist sie meistens der unbestrittene Herrscher.

Ein bekannter, ja berühmter Pcvlcha erzählte mir lachend, als ich Hu darüber interpellierte, daß feine Frau die gange Kasse führe un!d sowohl ihm als auch seinen Söhnen, die beide bereits als Offiziere in der Armee stehen, das Taschen­geld gebe.

Bei der großen Anzahl türkischer Offiziere, die ich kennen zu lernen Gelegenheit hatte und dre zum großen Teil ver­heiratet waren, fand ich immer wieder einen außerordentlich ausgeprägten Familiensinn und eine beinahe schwärmerische Verehrung der Gattin und der Mutter. Nicht geringer ist die Liebe der Frau zu dem Manne, die ja schon dadurch er- klärlich ist, pgst Hx ganzes Dasein bei der völligen Abwesen­heit von äußerlichen Dingen sich auf den Mann und die Fa­milie konzentriert.

Unter meinen türkischen Offizien hatte ich einen Haupt- mann, R . . .-Bei, dessen sympathisches Äußere mich sofort, als ich ihn kennen lernte, für ihn einnahm. Es war «ine schöne, männliche Gestalt von hohem Wuchs, zu dessen Hal­tung die stets vorhandene Trauer, die in seinen Gesichts- zügen lag, merkwürdig kontrastierte. Er ertrug seine Wunde, die ihn des. Gebrauches des linken Armes beraubt hatte, mit

Mittwoch, 1. April 1914._ Nr. 15a> _

Pflegerinnen und H e b ammen in den deutschen

Schutzgebieten angeregt wird. Sowohl in verschiedenen deut- schen als auch in fremden Kolonien sind mit der Anstellung farbiger weiblicher Hilfskräfte im Dienst der Gesundheits­fürsorge erfteuliche Erfahrungen gemacht worden; wird st« überall eingeführt, so kann sie zur He r ab m i nderu n-g der Kindersterblichkeit und zur Hebung des Ge­sund h e r t s st a n d e s der Eingeborenen überhaupt viel bei­tragen. Schon jetzt ist stätiftisch nachweisbar, daß in Geibieten, m denen' von der Mission eine systematische Fürsorge für Mutter und Kind besteht, die Kindersterblichkeit bedeutend nachgelassen hat.

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Belgien.

Internationaler sozialistischer Kongreß. Brüssel,

30. März. Das internationale sozialistische Bureau erläßt heule die Einladung zum diesjährigen internationalen sozia­listischen Kongreß, der vom 22. bis 29. August im großen Musikvereinssaal in Wien abgehalten wird. Auf der Tages­ordnung stehen Streitfragen, über die der Reichstagsabgeord­nete Molkenbuhr referiert. Das zweite Thema bildet die Lebensmittelteuerung. Über den Imperialismus referiert Reichstagsabgeordneter Haase, außerdem für Frankreich JaurHs und Hardy für England. Zur Alkoholfrage wird außer dem belgischen Sozialisten Vandervelde Reichstagsab­geordneter Wurm sprechen. Als letzten Punkt behandelt Reichstagsabgeordneter Dr. Liebknecht das Thema „Die russi­schen Gefangenen". Deutschland, Österreich, die Vereinigten Staaten, Frankreich, England und Rußland werden aus dem Kongreß.mit je 20 Stimmen vertreten sein.

Frankreich.

Der Prozeß gegen Frau Caillanx. Paris, 31. März. Wie der Korrespondent der Telegraphen-Unian erfährt, wird die Verhandlung gegen Frau Caillaux erst in der zweiten Hälfte des Monats Juni stattfinden. Die Verteidigung fetzt alle Hebel rn Bewegung, daß die Anklage nicht auf Mord, son­dern nur auf Totschlag oder nur auf Körperverletzung mit tödlichem Ausgang lautet. Es ist nicht unmöglich, daß ein so bedeutender Anwalt, wie Labori, mit seiner Theorie durch­dringen wird, zumal das Verhör Frau Caillaux' vor dem Untersuchungsrichter durchaus nichts Ungünstiges ergeben hat.

Attestfälschungen eines Marinearztes. Toulon, 81. März. Vor einiger Zeit wurde der Kommandant des Panzerkreuzers „Jules Michelet" davon verständigt, daß einer seiner Schiffsärzte den Matrosen falsche Atteste ausstellte, um ihnen Sonderurlaub zu verschaffen. Eine sofort eingeleitete Untersuchung ergab, daß die Beschuldigungen gegen den Arzt berechtigt waren. Er wurde sofort verhaftet und ins Mili­tärgefängnis übergeführt.

Rußland.

Die Gärung in den Universitäten. Petersburg,

31. März. Die Säuberung der Hochschulen von den fort- schrfttlichen Dozenten ist in Rußland stets ein Signal zu neuen studentischen Unruhen. So hat auch die Verabschiedung der Professoren Seiliger und Firsow von ihren Lehr­stühlen in Kasan — angeblich wegen Überschreitung des Dienstalters — unter den dortigen Studenten der Universität und der höheren Frauenkurse eine außerordentliche Erregung hervorgerufen. Der vorgeschlagene zweitägige Ausstcmd kam zwar nicht zustande, weil die zu dem Zweck einberufene Ver­sammlung von der Polizei nicht zugelassen wurde und darum keinen Beschluß zu fassen vermochte. Trotzdem waren die Vorlesungen in den nächsten Tagen nur schwach besucht, so daß der Rektor der Universität durch ein Plakat bereits auf die Folgen aufmerksam macht, nämlich auf die drohende Ent­ziehung der Stipendien und anderen Privilegien sowie auf die Einmischung der allgemeinen Behörden in die Universitäts­angelegenheiten. — Aus rein akademischen Gründen hingegen ist es zu einer starken Gärung unter den Studierenden der medizinischen Fakultät der Universität Dorpat gekommen. So haben dort die Studenten des fünften Kursus einen fünf­tägigen Streik proklamiert.

Maffenverhaftung von Arbeitern. Petersburg, 30. März. Gestern abend patrouillierten in sämtlichen Arbei­tervierteln starke Polizeiabteilungen und verhafteten über 300 Arbeiter. Der Polizeimeister benachrichtigte die Arbeiter durch besondere Plakate, die an den Fabriken angeschlagen werden, daß die Polizei ohne weiteres von der Waffe Ge­brauch machen wird, falls die Streikenden versuchen sollten, die Polizei auf irgend eine Weise zu belästigen.

AuSweisrm «seiend. Warschau, 31. März. Im Lause des Winters hatten bekanntlich viele Dorfgemeinden in

Geduld und körperliche Schmerzen konnten es nicht sein, die ihn ''bedrückten.

Da mich der Mann ganz besonders interessierte, erkun­digte ich mich 'bei seinen Kameraden, von denen ich seine Lei­densgeschichte erfuhr.

R - - -°Bei. lebte in glücklichster Ehe mit einer jungen schönen Frau, die ihm ein reizendes Mädchen geschenkt hatte, das bei Ausbruch des Krieges drei Jahre alt war. Der Offi­zier gehörte zu der Armee von Adrianopel, und bei der Ver­teidigung der belagerten Stadt hatte er seine Verletzung er­halten. Nach dem Fall der Festung kam er nach Sofia, in Gefangenschaft der Bulgaren.

Wüste Gerüchte von Grausamkeiten der Bulgaren gegen die Kriegsgefangenen, Berichte über Hunderte von Erschossenen gelangten in die Heimat des Hauptmanns R . . .-Bei, und es wurde der Frau erzählt, daß ihr Mann gleichfalls von den Bulgaren getötet worden sei. Wilde Verzweiflung bemäch­tigte sich ihrer, sH fand keine Ruhe mehr, jammerte Tag und Nacht, härmte sich ab, bis ihr Geist umnachtet war und sie nach einer Irrenanstalt verbracht werden mutzte.

Nach wenigen Wochen starb sie infolge völliger Entkräf­tung.

Als endlich bon den Kriegsgefangenen durch die bul­garischen Behörden Briese nach der Heimat befördert wurden und auch der Empfang von solchen zugelaffen wurde, erfuhr der arme Hauptmann R . . .-Bei, welches Unglück über ihn hereingebrochLn war. Hervorragende Gönner seiner Familie sorgten dafür, daß der Hauptmann, der ja ohnedies nicht mehr kriegstauglich war, entlassen wurde, und zu Hause angelangt, traf er nur noch fein der Mutter beraubtes kleines Mäd­chen an.

Ich begriff Hin tiefes Weh, und wenn ich ihn besuchte und das Bild der kleinen Tochter auf seinem Tisch stehen sah' ver dem er mit verschleiertem Blick trauernd saß, dann drück­ten wir uns beide in tiefster Sympathie still die Hmrd.