Nr. 148._ Samstag, 28. März 1914.
Kammer dem Minister entgegenbringe uird drückte die Ho-ff.
nurrg aus, daß unter ihm das französische Flugwesen eine Frankreichs würdige Entwicklung nehmen möge.
Die Besteuerung des Grundeigentums. P a r i s, 27. März. Die Kammer erörterte die beiden ersten Titel der vom Senat genehmigten Einkommensteuer-Vorlage, ibetr. bebautes und unbebautes Grundeigentum und die beweglichen französischen und ausländischen Werte. Der Finanzminister wies auf die Notwendigkeit hin, diesen Teil der Steuerreform unverzüglich durchzwführen und hob hervor, daß der erste Titel den Boden um 80 Millionen entlaste, der zweite die Begütersten treffe. Wenn die gegenwärtigen Maßnahmen nicht genügen würden, um Betrug und Kapitalshinterziehungen zu verhüten, werde man andere Maßnahmen verlangen. Auf einen entsprechenden Einwand erwiderte der Finanzminister, wenn zu große Lasten ausländische Werte vom französischen Markte ablenken sollten, werden wir die Gebühr von 3 Prozent, welche die Regierung festsetzt, herabsetzen. (Zustimmung.) Darauf wurde die Generaldebatte geschloffen und der Gesetz- entrourf im ganzen mit 481 gegen 1 Stimme angenommen.
Keine rechtzeitige Fertigstellung des Budgets. Paris, 27. März. Peytral, der Vorsitzende der Finanzkommission des Senats, hat dem Ministerpräsidenten im Namen der Kommission mitgeteilt, daß es ihm unmöglich sei, das Budget noch vor den Wahlen am 26. April im Senat zur Abstimmung zu bringen, da die Kammer es ihm noch nicht habe zugehen lassen.
Aus der Rochettc-Kommisston. Paris, 27. März. Die Rochette-Kommission hat beschlossen, keine neuen Zeugen mehr zu vernehmen. Sie wird nunmehr in die Beratung des chr vorliegenden Materials eintreten, die geheim geführt wird. Der Bericht der Kommission wird der Kammer im Laufe der nächsten Woche zugestellt werden.
CEnalcmö.
Die Kabinettskrisis. — Ein neuer Armeebefehl. London, 27. März. In der heutigen Sitzung des Unterhauses erklärte Ministerpräsident Asguith, Feldmarschall French und Generalleutnant Ewart hätten gestern abend ihr Abschiedsgesuch eingereicht; die Regierung habe sie gebeten, im Amt zu bleiben, und erwarte ihre endgültige Entscheidung. — Ferner enthielt die Erklärung, die Ministerpräsident Asquith gab, die Ankündigung eines neuen Armeebefehls, der allgemeines Aufsehen erregte. Dieser Armeebefehl enthält das Verbot für kommandierende Offiziere, die ihnen unterstellten Offiziere und Soldaten darüber zu befragen, wie sich diese einem an sie ergangenen Befehl gegenüber verhalten wollen. Dadurch sollen jegliche Bedenken ausgeschaltet werden, die geeignet wären, die Ausführung eines militärischen Befehls zu verhindern. Weder Offiziere noch Soldaten dürften in Zukunft solche Versicherung verlangen. Vielmehr sei jeder Angehörige der britischen Armee verpflichtet, alle Befehle des Vorgesetzten auszuführen, die sich im Rahmen des Gesetzes bewegten, die dazu dienten, das öffentliche Eigentum zu schützen oder das Leben friedlicher Bewohner im Falle der Störung des inneren Friedens zu sichern und den Zivilbehörden nach jeder Richtung hin weitgehendste Unterstützung angedeihen zu lassen. Dieser Armeebefehl sei von dem Kaüincttsrat in Gegenwart des Generalfeld- marschalls French verfaßt worden.
Eine neue Brandstiftung der Wahlfurien. London, 27. März. Das Besitztum des Generalmajors Accalmont, genannt Abbeylands, in A n t ri m auf Irland ist niedergebrannt. Man vermutet einen Anschlag der Suffragetten. Der ungerichtete Schaden beziffert sich auf 15 000 Pfund.
Italien.
Die Kämpfe in Tripolis. Tripolis, 27. März. In einem heftigen Kampf zwischen einer italienischen Kolonne unter Oberst Rsveri und Aufständischen des Stammes M o g a r b a, der am 25. März zu Mytilia stattfand, ließen die Aufständischen etwa 50 Tpte auf dem Kampfplatz zurück. Viole Tote und Verwundete nahmen sie mit. Seitens der Italiener fielen zwei Offiziere, ein italianischer Soldat und 12 Askaris, verwundet wurden vier Offiziere, drei Soldaten und 42 Askaris.
NrMmid.
Znm Besuch des rumänischen Thronfolgers. Petersburg, 27. März. Die „Rossija" begrüßt in einem Artikel die Ankunft des rumänischen Thronfolgerpaares und des Prinzen Karol und wünscht, daß der Besuch die freundschaft- lichen Beziehungen zwischen Rußland und Rumänien, die auf übereinstimmenden politischen Interessen und ruhmreichen Erinnerungen beruhten, befestigen möge. Das Blatt drückt die feste Überzeugung aus, daß der fürstliche Besuch vornehmlich dazu beitrage, die Entwicklung und die Festigung der F r e u n d s ch as ßsb an de zu fördern, welche die beiden Länder umschlössen.
Eine große Flugzeugbestellung. Petersburg,
27. März. Die.Regierung bestellte zehn große Flugzeuge, Typ Jlsa Murometz, von Sikorski. Der Preis wird gegen eine Million Rubel betragen.
Zu den Kundgebungen vor dem deutsch-ea Generalkonsulat in Warschau. Warschau, 28. März. Gestern wurde eine Reihe polnischer Studenten wogen feindseliger Kundgebungen vor dem deutschen Generalkonsulat zu drei, bezw. zwei,' bezw. einem Monat Haft verurteilt.
Die Arbeiterunruheu in Petersburg. Petersburg,
28. März. In der Petersburger Gummifabrik Treupolnik kamen (wie bereits gemeldet) vovgestern Maffenvergiftungen vor, deren Ursache das Arbeitsversonal auf die schlechten Verhältnisse in der Fabrik zurückführten. Gestern sind nun 12 500 Arbeiter und Arbeiterinnen in den Streik getreten, da die Vergiftungen weitere Opfer forderten. Die Polizei mußte, da es zu Lärmszenen kam. einschreiten, wobei Oberst Sako- wrtsch durch Steinwürfe und ein anderer Offizier durch Scküffe lebensgefährlich verletzt wurden. Die schuldigen Arbeiter wurden verhaftet. Die Polizei mußte schließlich den Fabrikhof räumen, da die Arbeiter sich in der Überzahl befanden. — Nach einer weiteren Meldung aus Petersburg wurden außer einem sogenannten Chef der Polizei und drei Schutzleuten der Kommandeur der berittenen Polizei und ein Polizeisengeant verletzt. Nachdem die Polizei Verstärkungen erhalten hatte, wurde die Menge zerstreut. Vier Asi, beiter wurden verhaftet. Der Polizeipräsident von Petersburg hat einen Aufruf erlassen, in dem die Bevölkerung gewarnt wird, sich zu weiteren Ausschreitungen hinreißen za lassen und die Polizeibeamten aufgefordert werden, im Falle neuer Steinwürfe von der Waffe Gebrauch zu machen.
Der Geburtstag fog Fürsten Wilhelm. Durazz ^
27. März. Anläßlich des gestrigen Geburtstags des Fürsten Wilhelm prangte die Stadt im Flaggenfchmuck. In den
MresdKÄetter TgAblarr. Wend-Ausgabe, 1* matt Seite 3.
Moscheen sowie in der katholischen und orthodoxen Kirche fanden Festgottesdienste statt. Mittags wurde das diplomatische Korps in gemeinsamer Audienz empfangen, wobei der rumänische Gesandte Burghels als Doyen in einer Ansprache die Glückwünsche ausdrückte, wofür der Fürst in herzlichen Worten dankte. Abends gab der Fürst ein Diner, zu dem zahlreiche Einladungen ergangen waren, darunter an sämtliche diplomatischen Vertreter. (Für die gestrige Pariser Sensationsmeldung, Durazzo befinde sich im Belagerungszustand und das Fürstenpaar wage nicht, den Palast zu verlassen, ist also die Bestätigung ausgeblieben. Schriftl.)
Türkei
Die Kabinettsveränderung. K o n st a n,t i n o p e l, 28. März. Die angekündigte Umbildung des Kabinetts unter Talaat-Beis Vorsitz steht unmittelbar bevor. Morgen trifft der Gesandte in Sofia, der frühere Generalsekretär des jungiürkischen Komitees, Fethi-Bei, hier ein. Er wird an der entscheidenden Beratung über die Umbildung des Kabinetts teilnehmen und vermutlich zum Minister der ö f f e n t l i ch e n A r b e i t e n ernannt werden. Die weiteren Veränderungen sind einstweilen unbestimmt, da verschiedene Vorschläge vorliegen.
Nordafrika.
Neue Kämpfe der Franzosen in Marokko. Rabat, 28. März. Aus Fez wird gemeldet: Zwei Bataillone, dre
eine Stellung 12 Kilometer von Souk öl Arba und Tissa besetzt hatten, wehrten während dreier Tage die Angriffe großer feindlicher Abteilungen ab. Der Feind wurde zerstreut. Auf französischer Seite wurden vier Spahis und ein Hauptmann getötet und etwa zehn Spaihies und ein Leutnant verwundet. — Paris, 28. März. Wie aus Fez gemeldet wird, wurde der französische Militärposten von Zranka am 24. und 26. März von aufständischen Stämmen angegriffen. In diesen Scharmützeln wurden auf französischer Sette drei Soldaten getötet und neun verwundet. Von Fez wurden Verstärkungen abgesandt.
Der französische General Fourie tot aufgefunden. Paris, 28. März. Wie aus Tunis gemeldet wird, ist der Kommandeur der 2 Infanterie-Brigade in Sousse. General Fourie, gestern rrach- mitiaa im Walde, 4 Kilometer von der Stadt entfernt, tot aufgosilnden, worden, über die näheren Umstände verlautet noch nichts.
NorSKm-rik«.
Aufhebung der Gebührenfreiheit für amerikanische Schiffe im Panamakanal? Washington, 27. März. Bei der die neue Panamakanalbill Wilsons betreffenden Abstimmung im Repräsentanterchaufe haben heute die Anhänger des Präsidenten trotz heftiger Opposition den Sieg davongetragen. Das Haus hat mit 207 gegen 176 Stimmen beschlossen, in der Beratung der Bill, welche die Gebührenfreiheit amerikanischer Küstenschiffe im Kanal aufhobt, fortzufahren. Aus dem Ergebnis der Abstimmung wird geschlossen, daß die Anhänger der Bill auch bei der endgültigen Abstimmung die Mehrheit haben werden.
Die Kämpfe in Torreon. R. I u a r e z, 27. März. Es wird erklärt, daß General Huerta mit 4000 Mann in Torreon von Osten her eingerückt sei und sich durch die Straßen der Stadt bis zur Stierkampfarena im Norden duvchgekämpft habe. Nach einer Meldung des Generals Villa haben sich die Regierungstruppen in den westlichen Befestigungswerken der Stadt zusammengezogen. Drei Generale der Regierungstruppen, Pena, Reyna und Anaha, find gefallen. General Ozaranza wurde verwundet.
China.
500 Leute durch Banden des „Weißen Wolf" verbrannt. Peking, 27. März. 2000 Mann regulärer Truppen waren 20 Meilen von Tschangtschou mit Banden des „Weißen Wolf" in Kampf geraten. Letztere zogen sich gegen Hangtschou zurück, als ob sie sich geschlagen glaubten. Die Truppen folgten ihnen und besetzten Tschangtschou. In der Nacht feuerten Anhänger des „Weißen Wolf" an vielen Stellen der Stadt Schüsse ab, die unter den Truppen eine Panik hervorriefen. Die Banden griffen nun die Truppen an und schlugen sie. 500 Leute wurden verbrannt.
Luftfahrt.
Pegouds Berliner Passagierflüge. Für die von Pegoud beabsichtigten Passagierflüge siüd dem Flieger über 5 00 Meldungen aus allen Kreisen der Bevölkerung zuge- gangen.
Unfall des französischen LcntballonS „Montgolfier".
Pari s, 28. März. Der Lenkballon „Montgolfier", der gestern morgen 7 Uhr 30 Min. in Maubeuge aufgestiegen war, erlitt mittags auf der Rückfahrt unweit seines Hafens eine Havarie am Ventilator und signalisierte, daß er nicht landen könne. Um 4 Uhr nachmittags trat eine Havarie der Steuerbordschraube ein. Von 5 Uhr nachmittags an trieb das Luftschiff der belgischen Grenze entlang. Offiziere und Soldaten der Luftschifferabteilung verfolgen den Lenkballon in Auto- mobilen. Über den Unfall wird weiter gemeldet: Das Gerücht van einer gänzlichen Vernichtung be§ Luftschiffs „Eugene Montgolfier", daS gestern m den späten Abendstunden in Paris umlief, hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. An der belgischen Grenze hatte es mehrere Stunden lang gegen widrige Luffftrömungen anzukämpfen. Um 10 Uhr abends gelang es dem Führer des Schiffs, dieses ohne großen, 'schaden in die Luftschiffhalle von Maubeuge zu bringen.
Kur St adt un d Land.
Wiesbadener Nachrichten.
— Städtisches Lyzeum 2. Nach dem vom Direktor der Anstalt Professor A n a ck e r erstatteten Jahresbericht begann am 3. April djis neue Schuljahr mit der Aufnahme von 59 Schülerinnen, wodurch die Gesamtzahl von 371 Schülerinnen erreicht wurde. Die Pfingstferren dauerten vom 9. bis 20. Mai. Am 16. Juni fand zur Erinnerung an das 25jäbriae Rcgierungsjubiläum S. M. Kaper Wilhelms II. eine Schulfeier statt, bei der der Direktor die Festrede hielt. Um 17 . Juni fanden die Klassenausflüge in der gewohnten Weise statt. Durch Dekret vom 24. Juni wurde Herr Oberlehrer Hörning zum Professor ernannt. Am 23. und 24 September besuchte der neue Dezernent der Anstalt, Provinzialfchulrat Unruh, die Schule, um die Lehrkräfte kennen zu lernen. Nach den Herbstferien, die am 10. Oktober endigten, wurden 12 Schülerinnen ausgenommen. Am 18. Oktober fand zur Erinnerung an die 100jährige Wiederkehr der Tage der Völker
schlacht bei Leipzig eine wohlgelungene Schulfeier statt. Die Feier des Geburtstags des Kaisers erfolgte in dem üblichen Rahmen, die Festrede hielt Oberlehrer Leimkühler »Über die Entwicklung und die Bedeutung des Seehandels und seine Beziehung zur Kriegsmarine". Wegen großer Hitze wurde im Sommer zehnmal freigegeben, im Winter wurde durch Ausfall des Nachmittagsunterrichts zur Ausübung des Eissports reichlich Gelegenheit gegeben. Während der Gesundheitszustand der Schülerinnen, abgesehen von Erkältungskrankheiten nach Weihnachten, gut war, kann dies von dem des Lehrerkollegiums nur im allgemeinen gesagt werden, wenn auch größere Störungen vermieden blieben. Schuld daran trug z. T. der Übelstand, daß die Lehrkräfte in vier verschiedenen Gebäuden unterrichten müssen, und, jeder Witterung schonungslos preisgegeben, von einem zum anderen Gebäud-e sich begeben müssen. Am Samstag, den 4. April, schließt das Schuljahr 1913/14. Die Aufnahmeprüfung der neu eintretenden Schülerinnen erfolgt Dienstag, den 21. April, vormittags 8 Uhr. Mittwoch, den 22. April, um 8 bezw. 8 Uhr 50 Min., Beginn des Unterrichts, für die Schülerinnen der Klasse 10 Mittwoch, den 22. April, um 10 Uhr.
— 70. Geburtstag. Am 27. März feierte der bei der Naffauischen Brandversicherungsanstalt angestellte Bureauge- hilfe Fritz Grüdelbach in seltener Rüstigkeit und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlaß wurde sein Arbeitstisch mit einem schönen Blumenarrangement mit der Zahl „70" dekoriert und mehrere hübsche Geschenke, darunter auch eine Flasche „Scharlachberger", der Lieblingswein des Geburtstagskindes, von seinen Kollegen auf dessen Arbeitstisch niedergelegt.
— Fortschrittliche Bolkspartci. Man schreibt uns: Nach den Osterferien wird im preuß. Landtag die Frage der Wahlrechtsreform eine eingehende Erörterung erfahren. Darum ist es notivendig, daß die preußische Wählerschaft noch einmal in unzweideutiger Weise ihre Forderungen nach einer gründlichen Umgestaltung des preußischen Wahlrechts zum Ausdruck bringt. Dazu bietet eine öffentliche Versammlung am Montag, den 6. April, im Saal der „Turngesellschaft" Gelegenheit, und der Wahlverein der Fortschrittlichen Volkspartei lädt dazu alle Gegner des preußischen Wahlrechts ein. Außer dem Parteiführer, Reichs- und Landtagsabgeordneten Dr. Wremer, werden noch andere bekannte fortschrittliche Parlamentarier sprechen.
— Der Verkehr von Wiesbaden nach dem Schiersteiner Strandbad. Hierzu schreibt uns ein hiesiger angesehener Kaufmann: Im Anschluß an die Ausführungen im „Tagblatt", Abend-Ausgabe vom 26. d. M., die elektrische Verbindung nach dem Strandbad Schierstein und direkte Verbindung mit dem Rheingau betreffend, wäre es unumgänglich nötig, daß die Wiesbadener Geschäftswelt sofort ein Komitee wählt, welches diese hochwichtige Sache in die Wege leitet. Es ist für die Wiesbadener Geschäfte zu wichtig, daß der Rheingau und die vom Unterrhein kommenden Passagiere direkt in das Herz der Stadt, und zwar auf schnellstem Wege, gelangen. Die in dem betreffenden Artikel angeführte Berechnung ist unseres Erachtens richtig, nur wäre im heißen Sommer mit dreimal so viel Besuchern des Strandbads zu rechnen, als der Verfasser annimmt; ferner wird der städtischen zukünftigen Verwaltung der Straßenbahn nicht zugemutet werden können, daß sie für weniger als 20 Pf. von den Kasernen an der Schierstenrer Straße bis zum Bad fährt. Immer vorausgesetzt, daß die direkte Linie gewählt wird, womit man in längstens 12 bis 15 Minuten an den Schiersteiner Hasen gelangt. Wenn auch die Vorteile einer Güterbahn nach dem Schiersteiner Hafen sehr groß und bedeutend sein mögen, so wird es doch immer der Rentabilität einer elektrischen Personenver- dindung mit Schierstein großen Eintrag bringen, wenn dieselbe nicht auf dem direktesten Wege bleibt. Eine direktere und kürzere Linie als die bestehende Schiersteiner Straße gibt eS nicht, und wenn ein Viadukt zur Mäßigung der Steigungsverhältnisse durch das Tal nötig ist, so kann er südlich oder nördlich neben der Straße angebracht werden, um auf den höchsten Punkten wieder auf die Straße überzugehen. Sollte ^ durch die projektierte Güterbeförderung über den Grundbesitz der Stadt an der Waldstraße eine weitschweifige Linienführung mit noch mäßigerer Steigung nötig sein, so muß diese Linie eben nur dem Gütertransport dienen, und nur für den Fall, daß auf der direkten Linie der Personenverkehr nicht zu bewältigen ist, werden dem Bedarf entsprechende Personenzüge eingeschaltet werden müssen. Wenn man die zahlreichen Betriebe an der Waldstraße und rechts und links an der Schierfteiner Straße in Berechnung zieht und diesen Verkehr bedenkt, dann ist die Reniabilitätsrech- nung noch eine viel günstigere. Natürlich müßte der Endpunkt der Bahn bei der Station Schierstern gesucht werden, und Schierstem wird dann schon für einen elektrischen Anschluß nach dem Hafen sorgen, entweder vom Bahnübergang oder von der Station aus.
—- Dieiistjubiläum. Auf eine 25jährige Tätigkeit im Dienst der Postverwaltung kann am 30. d. M. der Briefträger Valentin D e s ch zurückblicken.
Bahnhöfen haben sich, wre wrr zuverlässig hören, keineswegs bewährt, wie man das ursprünglich glaubte annehmen zu dürfen, und sogar an größeren Bahnhofsanlagen scheint man willens zu sem möglichst bald zu der alten Art des Ausschanks zuruckzukehren. Dre Kosten der Automaten, welche von oen Restaurateuren aus ihrer eigenen Tasche getragen werden, sind ganz immens. Für unseren Bahnhof sollen die- ,elben sich aus " 000 M belaufen. Nichtsdestoweniger ist der Getrankelonsum rurch dieselben nicht gefördert worden, fon- dern eher zuruckgegangen. Gerade in Zeiten eines Massen- konsums versagen die Automaten vollständig, da viel zu viel Zeit^ darüber vergeht, bis der einzelne seinen Obolus einge- worsen und sich das, was er eben zu haben wünscht, selbst verschafft ya. Die Ersparnis an Personal ist dabei eine mini- male, zumal sich bie Beibehaltung der Kellner zur Bedienung der Gaste durchweg als nötig herausgestellt hat.
~7 3'bstgenonimener Einbrecher. Die hiesige Kriminal- polizei verhaftete den Dieb, der in einer der letzten Nächte an , er öffneten Schmuckwarengeschäft in der Wil- helmstratze einen Schaukasten erbrach und daraus Granat- 1 cgmucf,acf)etx ini Wert von über 800 M. stahl. Der Täter ist ^.^^icheue und vielfach vorbestrafte Wilhelm Wenzel von Wiesbaden.
"Die Luft nach Abenteuern trieb den 15jährigen Schüler sjlbert Kandt und dessen Klassenkameraden, den 16jährigen Schmer Herbert Kusserow, in die weite Welt. Seit dem vergangenen Samstag werden nämlich die beiden vorgenannten Schüler, deren Eltern in Gotha wohnen, vermißt, ohne bisher irgend eine Nachricht an ihre Angehörigen gelangen zu lassen. Die beiden Ausreißer machten von ihrem Plan ihren Mitschülern Mitteilung, und nach deren Angaben beab-
